4. Wille und Willenskraft

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1 4. Wille und Willenskraft Wenn der Raucher die Täuschungen nicht durchschaut, bleibt ihm keine andere Wahl, als durch den Einsatz seiner eigenen Willenskraft von den Zigaretten loszukommen. Fassen wir diese Methode kurz in ihren wichtigsten Eckpunkten zusammen: bei der Methode Willenskraft hat der Raucher eben jenes Gefühl, das wir zuvor beschrieben haben, nämlich etwas zu verlieren oder aufgeben zu müssen wenn er mit dem Rauchen aufhört. Zwar ist jedem Raucher auf rationaler Ebene bewusst, dass die Nachteile des Rauchens die Vorteile mehr als wettmachen, dennoch wird das Gefühl ein Opfer bringen zu müssen zu Beginn deutlich stärker empfunden als die Freude darüber, sich nicht mehr zu vergiften und Geld zu sparen. Um sich in die Lage zu versetzen dieses Opfer wirklich zu bringen, muss sich der Raucher vorher motivieren. Und das geschieht meist durch die intensive Auseinandersetzung mit den Nachteilen des Rauchens: die Krebsgefahr, die Unmengen an Geld, die gesellschaftliche Ächtung, das Kratzen im Hals, etc. Dann wird ein Zeitpunkt in der Zukunft gewählt um das Projekt Aufhören anzugehen. Bis dahin bereitet man sich mental auf diesen Akt vor, was in den meisten Fällen gekoppelt ist mit einer gesteigerten Anzahl gerauchter Zigaretten. Und nun kommen die diversen Hilfen mit ins Spiel, die Rauchern angepriesen werden. Manche suchen nun Unterstützung bei der Hypnose, manche bei der Akkupunktur, manche beim Arzt mithilfe diverser Medikamente, manche holen sich ein Nikotinersatzpräparat aus der Apotheke. Nun klappt es zwar bei einigen eine gewisse Zeit enthaltsam zu sein, bei wenigen ist der Erfolg von Dauer (meist gekoppelt

2 mit heftiger Gewichtszunahme), bei den meisten klappt es gar nicht. Diese deprimierenden Erfahrungen, die die meisten Raucher bei diesem Prozess erleben, zementieren mit der Zeit die Überzeugung weiter, es sei äußerst schwierig mit dem Rauchen aufzuhören. Aber was ist nun falsch daran, sich für ein Ziel anzustrengen, das doch wirklich erstrebenswert ist? Und warum soll es verkehrt sein, seine Willenskraft einzusetzen um gegen das Verlangen anzukämpfen, es gibt doch überhaupt gar keinen anderen Weg, oder? Lassen Sie uns kurz an dieser Stelle zwischen dem Willen (oder dem Wunsch) etwas zu erreichen und der Willenskraft, die manchmal zu einer Zielerreichung vonnöten ist, unterscheiden. Immer wieder hört man die Aussage, dass wenn man wirklich erfolgreich mit dem Rauchen Schluss machen möchte, vorher ein starker Wille dazu da sein muss. Das ist natürlich korrekt. Schließlich behaupten ja nicht wenige Raucher, dass sie überhaupt nicht aufhören wollen. Hat sich der Wille aufzuhören bei einem Raucher aber einmal manifestiert, reicht der eigene Wille oft nicht mehr aus, man spricht nun von dem Einsatz der Willenskraft. Scheitert man, wird dies als Schwäche ausgelegt, die Stärke der eigenen Willenskraft war eben nicht ausreichend; Schuldgefühle und Vorwürfe, nicht nur von außen, sind in aller Regel die Folge. Instinktiv spüren Raucher, dass sie nicht so ohne weiteres aufhören können, deshalb raten sie ihren Kindern auch so dringend vom Rauchen ab. Und wir sind ebenfalls fest davon überzeugt, dass jeder Raucher, auch wenn er noch so überzeugend den Standpunkt vertritt gerne zu rauchen und nicht aufhören zu wollen,

3 jene erste Zigarette seines Lebens nicht noch einmal anrühren würde. Jeder Mensch, der gefangen gehalten wird, hat den Wunsch möglichst schnell wieder frei zu kommen. Das ist die Grunderfahrung jeder Freiheitsberaubung. Willenskraft nützt da dem Opfer tatsächlich überhaupt nichts. Ihm würde nur ein Plan helfen, wo und wie genau er fliehen kann. Wenn er diesen Plan schließlich hat, macht es überhaupt gar keinen Sinn zu ihm zu sagen: So, jetzt musst Du nur noch wollen! Beim Rauchen nimmt man fälschlicherweise an, dass Raucher sich bewusst dazu entschieden hätten Raucher zu sein. Können Sie sich an diese Entscheidung erinnern? Oder haben Sie nicht eher irgendwann festgestellt, dass Sie nicht aufhören können? Wir glauben, dass man Sie in die Falle gelockt hat. Eine der größten Herausforderungen für jeden Raucher ist es zu erkennen, dass er es sogar mit einer äußerst raffinierten Falle zu tun hat. Wir betonen das Wort Falle in diesem Zusammenhang, denn das bedeutet: weder ist das ganze Dilemma die Schuld des Rauchers, noch ist Willenskraft nötig um es zu beenden. Was der Raucher braucht ist ein Plan von seinem Gefängnis, optimaler Weise mit eingezeichneter Schwachstelle, an der er entkommen kann. Dann braucht er bestenfalls noch Mut, aber sicher keine Willenskraft. Die Willenskraft selbst ist dann wichtig, wenn man ein Verlangen in sich spürt, aber aus diversen Gründen diesem Verlangen nicht nachkommen darf. Nehmen wir z.b. einen verheirateten Mann auf Geschäftsreise, der Bekanntschaft mit einer äußerst reizenden Dame macht. Nehmen wir weiter an, dass er ein Verlangen in sich zu

4 spüren beginnt, das mit näherem Kennenlernen immer heftiger wird. Alkohol verschärft die Situation. Sollte er schon einmal durch so eine Entgleisung in Schwierigkeiten gekommen sein, und sollte er seiner Ehefrau versprochen haben, so etwas würde niemals wieder vorkommen, wird er seine Willenskraft einsetzen müssen, um dieses Versprechen zu halten. Wenn jemand eine Diät macht und vor sich einen leckeres Tortenstück sieht, muss diese Person Willenskraft einsetzen um der Versuchung zu widerstehen. Diese Beispiele sollen zeigen, dass der Einsatz von Willenskraft immer an ein vorher vorhandenes Verlangen gekoppelt ist, dem man nicht nachgeben darf. Wer das Verlangen nicht hat, sich mit einem Hammer auf den Daumen zu hauen, wird keine Willenskraft brauchen um es nicht zu tun. Und wenn der Geschäftsreisende bei seiner Entgleisung im Hotelzimmer schließlich merkt, dass diese Dame gar keine Frau ist, sondern anatomisch ein Mann, er quasi auf eine Täuschung hereingefallen ist, ist sein Verlangen auch weg. Er muss nun keine Willenskraft mehr einsetzen, um den Akt nicht auszuführen, er verlässt einfach das Zimmer. Und hier haben wir es mit einem weiteren gravierenden Irrtum in Bezug auf das Rauchen zu tun: die feste Überzeugung, dass wenn man erfolgreich aufhören möchte, man für eine unbestimmte Zeit gegen dieses (teils heftige) Verlangen zu rauchen ankämpfen müsse. Dieses, gegen das eigene Verlangen ankämpfen und durchhalten müssen, ist genau das, wovor so viele Raucher Angst haben. Und diese Angst mündet in den allermeisten Fällen in den Kompromiss, es zu einem späteren Zeitpunkt in Angriff zu nehmen, der, die Nicht

5 raucher ahnen es, niemals kommt. Wir wollen Ihnen zeigen, dass man das Rauchen-Aufhören auch tatsächlich ganz anders angehen kann. Klären wir zunächst die Frage, wann dieses Verlangen zu rauchen in Ihnen überhaupt entstanden ist, denn eines steht zweifelsfrei fest: das Verlangen nach einer Zigarette steckt nicht in Ihrem Erbgut. Mit absoluter Sicherheit können Sie sich an eine Zeit erinnern, in der Sie eine Party genießen konnten ohne dabei als Nichtraucher das Gefühl zu haben, Ihnen würde das Rauchen fehlen. Und noch etwas ist wichtig: als Sie den Rauch Ihrer allerersten Zigarette haben, haben Sie nicht das Verlangen gespürt, diesen Prozess zu wiederholen ganz im Gegenteil

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