Branchenhandbuch 2015 Strukturen und Perspektiven

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1 Swiss Issues Branchen Branchenhandbuch 2015 Strukturen und Perspektiven

2 Impressum Herausgeber Giles Keating Head of Research and Deputy Global CIO Tel Dr. Oliver Adler Head Economic Research Tel Kontakt Tel Titelbild istockphoto.com/bosca78 Druck galledia ag, Burgauerstrasse 50, 9230 Flawil Redaktionsschluss 20. Januar 2015 Bestellungen Einzelne Printexemplare direkt bei Ihrem Kundenberater (kostenlos). Elektronische Exemplare über Interne Bestellungen via MyShop mit Mat.-Nr Besuchen Sie uns auf dem Internet Copyright Die Publikation darf mit Quellenangabe zitiert werden. Copyright 2015 Credit Suisse Group AG und/oder mit ihr verbundene Unternehmen. Alle Rechte vorbehalten Autoren Maxime Botteron Nicole Brändle Schlegel Andreas Christen Dr. Patricia Feubli Emilie Gachet Dr. Christian Kraft Thomas Schatzmann Swiss Issues Branchen

3 Inhalt Editorial 4 Branchenkonjunktur 5 Mittelfristige Branchenbewertung 8 Übersicht Branchenkennzahlen 11 Industrie Lebensmittelindustrie 12 Holzindustrie 13 Druck und Verlag 14 Chemie 15 Pharmaindustrie 16 Metallindustrie 17 Elektronik 18 Uhrenindustrie 19 Elektrotechnik 20 Maschinenbau 21 Medizintechnik 22 Energieversorgung 23 Baugewerbe 24 Dienstleistungen Autogewerbe 25 Grosshandel 26 Detailhandel 27 Transport und Logistik 28 Gastgewerbe 29 Telekommunikation 30 Informatikdienste 31 Banken 32 Versicherungen 33 Immobilienwesen 34 Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung 35 Architektur- und Ingenieurbüros 36 Unterrichtswesen 37 Gesundheitswesen und Pflege 38 Sozialwesen und Heime 39 Swiss Issues Branchen 3

4 Editorial Völlig überraschend fand am 15. Januar 2015 um 10:30 Uhr ein geldpolitisches Erdbeben statt. Die Schweizer Nationalbank (SNB) hob die dreieinhalb Jahre alte EUR/CHF-Untergrenze auf. Dieser Entscheid hatte eine rasante und massive Aufwertung des Frankens zur Folge, die im Jahr 2015 zu einer signifikanten Verlangsamung des Schweizer Wirtschaftswachstums führen wird. Eine Rezession oder gar eine Deflationsspirale erscheinen uns hingegen eher unwahrscheinlich. Wie sich die einzelnen Branchen im laufenden Jahr entwickeln, hängt massgeblich, aber nicht nur von der Frankenstärke ab. Sieben Jahre nach Beginn der Finanzkrise scheint die US- Wirtschaft in einer Zone nachhaltigen Wachstums angekommen zu sein. In Europa stottert der Wachstumsmotor hingegen immer noch, die Erholung verläuft schleppend und ist immer wieder mit Rückschlägen konfrontiert. Bisher von einer Kombination aus tiefen Zinsen, hoher Einwanderung und dynamischer Bautätigkeit gestützt, verlieren die Binnenbranchen unabhängig vom Frankenschock an Zugkraft, da sich die beiden letztgenannten Wachstumstreiber allmählich abschwächen. Nicht zu vergessen bleibt die Tatsache, dass am 9. Februar 2014 mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative für Unternehmen eine grosse Unsicherheit hinzukam, denn für viele Branchen ist ein möglichst reibungsfreier Zugang zum europäischen Absatzmarkt und zu qualifizierten Fachkräften ein essenzieller langfristiger Erfolgsfaktor. Die verschiedenen Branchen sind von solchen (geld-)politischen Entscheiden wie auch von konjunkturellen Schwankungen unterschiedlich betroffen. Obwohl beispielsweise sowohl die Pharma- als auch die Maschinenindustrie stark exportorientiert sind, reagieren sie ganz unterschiedlich auf Phasen der Frankenaufwertung und konjunkturelle Rückschläge in der Eurozone. Von der erwähnten Abschwächung der binnenwirtschaftlichen Dynamik dürfte das Gesundheitswesen weniger stark betroffen sein als andere binnenorientierte Branchen. Was sind die Gründe dafür? Welche Branchen leiden am stärksten unter dem jüngsten Wechselkursschock? Welche Branchen profitieren 2015 am ehesten von der leicht anziehenden globalen Wirtschaftsdynamik? Das vorliegende Handbuch beantwortet diese Fragen für die 28 wichtigsten Schweizer Branchen und gibt jeweils einen kurzen Ausblick für das laufende Jahr. Obwohl der Frankenschock 2015 die Agenda vieler Branchen dominieren dürfte, müssen die Unternehmen aller Sektoren auch andere längerfristige Entwicklungen im Auge behalten. Die Fähigkeit einer Branche, auf grosse Trends wie die demografische Alterung, den Aufstieg der Mittelschicht in Schwellenländern, die immer umfassendere Digitalisierung oder die zunehmende Regulierungsdichte zu reagieren, bestimmt vielleicht nicht zwangsläufig ihre Umsatzentwicklung im nächsten Jahr, wohl aber ihren langfristigen Erfolg. Wie sind die einzelnen Branchen im Hinblick auf diese Trends aufgestellt? Welche profitieren davon, welche erwartet ein schmerzhafter Strukturwandel? Auch zu diesen Fragen gibt das vorliegende Handbuch Antworten. Es beinhaltet wie gewohnt für jede der 28 Branchen ein strukturelles Porträt mit einer Chancen-Risiken-Bewertung, welche die mittelfristigen Perspektiven der unterschiedlichen Wirtschaftszweige systematisch einschätzt. Das Autorenteam wünscht Ihnen eine anregende Lektüre. P.S: Falls Sie zum Branchenhandbuch Fragen, Feedback oder Anregungen irgendeiner Art geben möchten, laden wir Sie herzlich ein, uns unter folgender -Adresse zu kontaktieren: Swiss Issues Branchen 4

5 Branchenkonjunktur 2014: Super-Zyklus hat an Kraft verloren Der volkswirtschaftliche Wachstumspfad fiel 2014 volatiler aus als von den meisten Konjunkturauguren erwartet. Zwar gewann der Schweizer Aussenhandel gegenüber 2013 an Dynamik, die Beschleunigung verlief aber äusserst holprig. Das Jahr 2014 war geprägt von geopolitischen Krisenherden, der Ebola-Epidemie in Westafrika, einer Wachstumsverlangsamung in Schwellenländern und einer von erneuten Rückschlägen unterbrochenen wirtschaftlichen Erholung der Eurozone. Im Inland begann der sogenannte «Super-Zyklus» als Wachstumstreiber an Kraft zu verlieren. Einerseits verlangsamte sich das Preiswachstum beim Wohneigentum, andererseits überschritt die Einwanderung, nicht zuletzt aufgrund eines geringeren Schweizer Beschäftigungswachstums, ihren Höhepunkt und zwar bisher weitgehend unabhängig von der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative am 9. Februar Obwohl der neue Verfassungsartikel für die Umsetzung eine Übergangsfrist bis 2017 vorsieht, hatte der Volksentscheid vermutlich bereits 2014 realwirtschaftliche Auswirkungen in Form eines leicht tieferen Investitionsvolumens. 1 Bei vielen Schweizer Unternehmen erhöhte sich nämlich vor allem die Planungsunsicherheit. Abbildung 1 Beschäftigung ausgewählter Dienstleister 2 Vollzeitäquivalente, Veränderung zum Vorjahr in Prozent (2014 Schätzung) Abbildung 2 Exporte ausgewählter Industriebranchen Nominal, Veränderung zum Vorjahr in Prozent (2014 Schätzung) 10% 8% Mittelwert 2013 Mittelwert % 6% 6% 4% 2% 0% -2% Informatik Unterrichtswesen Architekten/Ingenieure Sozialwesen Immobilienwesen Gesundheitswesen Transport/Logistik Unternehmensdienstl. Gastgewerbe Detailhandel Grosshandel Versicherungen Telekommunikation Autogewerbe Banken 3% 0% -3% -6% -9% -12% Pharma Mittelwert 2013 Mittelwert 2014 Holz Maschinenbau Uhren Metallindustrie Lebensmittel Medizintechnik Chemie Elektrotechnik Druck Elektronik Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse Binnenorientierte Dienstleister 2014 wenig dynamisch, starke Baukonjunktur Angesichts des sich allmählich verlangsamenden «Super-Zyklus», welcher sich unter anderem in einer schwächeren Nachfrage nach dauerhaften Konsumgütern (wie Autos und Möbel) bemerkbar macht, und des zunehmenden staatlichen Spardrucks verloren die meisten mehrheitlich binnenorientierten Dienstleistungsbranchen 2014 fast durchs Band an Fahrt. Davon waren Handel, Gastgewerbe und Unternehmensdienstleister ebenso betroffen wie die staatsnahen Branchen Unterrichts-, Gesundheits- und Sozialwesen. Letztere bekamen unter anderem den wachsenden Spardruck bei den öffentlichen Haushalten zu spüren. Unternehmensdienstleister wie IT-Firmen oder Unternehmensberater bauten in den letzten Jahren viel Kapazität auf, um den regulatorisch getriebenen Umbau der Bankbranche oder des Spitalwesens unterstützen zu können. Dieser Nachholbedarf dürfte nun langsam befriedigt sein. Die Abschwächung der binnenwirtschaftlichen Dynamik machte sich fast flächendeckend bei der Beschäftigungsentwicklung bemerkbar (vgl. Abb. 1). Im Dienstleistungssektor wuchs die Beschäftigung 2014 insgesamt nur noch rund halb so schnell wie im Vorjahr. Die Baubranche stellte bisher eine gewichti- 1 Abberger, K.; Dibiasi, A.; Siegenthaler, M. & Sturm, J.-E. (2014): The Swiss Mass Immigration Initiative: The impact of increased policy uncertainity on expected firm behaviour. KOF Studie No Immobilienwesen ohne Facility Management und Immobilienentwicklung; Sozialwesen inkl. Pflegeheime; Rechts-, Unternehmens- und Steuerberatung inkl. Führung und Verwaltung von Unternehmen (Unternehmensdienstleistungen); Gesundheitswesen ohne Pflegeheime. Swiss Issues Branchen 5

6 ge Ausnahme von diesen Entwicklungen dar: für sie verlief das Jahr 2014 dank weiterhin tiefer Zinsen und einer starken Planungstätigkeit in den Jahren 2012 und 2013 sehr dynamisch. Stockende Erholung der MEM-Industrie im Jahr 2014 Pharma, Uhren, Lebensmittel: branchenspezifische Trends überlagerten Konjunktur Im Gegensatz zu den binnenorientierten Dienstleistungsbranchen gewann die Exportindustrie etwas an Fahrt wenn auch deutlich weniger stark als erwartet und nicht flächendeckend (vgl. Abb. 2). Insgesamt steigerte die Industrie ihre Produktion 2014 stärker als im Vorjahr. Die Erholung bei den Warenausfuhren verlief aber besonders für die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) stockend. Die Entwicklung der drei wertschöpfungsstärksten Industriebranchen Pharma, Lebensmittel und Uhren war indessen stärker von branchenspezifischen Trends als von der globalen Konjunkturlage geprägt. Die Pharmabranche war von den erwähnten Unsicherheiten kaum betroffen und stellte damit für die Schweizer Volkswirtschaft wie gewohnt eine wichtige Stütze dar, auch wenn die Umsatzentwicklung im Vergleich zu den Vorjahren wechselkursbedingt eher schwach ausfiel. Die Uhrenindustrie konnte zwar 2014, unter anderem aufgrund der anhaltenden Antikorruptionsbemühungen in China, wie schon im Vorjahr nicht an die Boom-Jahre anknüpfen. Sie steigerte aber ihre Exporte dank einer starken Nachfrage vor allem aus Japan und den USA dennoch im unteren einstelligen Prozentbereich. Einen Dämpfer erlitten die Lebensmittelexporte, weil sich die Dynamik des bisherigen Wachstumstreibers Kaffee gegenüber 2013 deutlich abschwächte. Da die Lebensmittelindustrie aber hauptsächlich im gesättigten, dafür stabilen Binnenmarkt aktiv ist, entwickelten sich die Gesamtumsätze 2014 im Rahmen des Vorjahrs. Abbildung 3 Gewinnmarge und Lohnaufwand Reingewinn/Umsatz; Lohnaufwand/Gesamtaufwand; in Prozent, 2012 Abbildung 4 Beschäftigungsprognose nach Branchenaggregaten Beschäftigung total, Veränderung zum Vorjahr in Prozent Anteil Lohnaufwand am Gesamtaufwand (2012) Beherbergung Metallerzeugung Chemie Lebensmittelindustrie Metallerzeugnisse Maschinenbau Elektrotechnik Elektronik/Präzisionsistrumente (inkl. Uhren) Pharmaindustrie Gewinnmarge (2012) Sektor Verarbeitende Industrie -1.0% 0.3% -0.9% Baugewerbe 1.5% 1.1% 0.4% Handel 0.9% 0.0% -0.5% Gastgewerbe -1.2% 0.7% -0.6% Verkehr- und Nachrichtenwesen 1.0% 0.5% -0.2% Banken, Versicherungen, Immobilien, IT, sonstige Unternehmensdienstleistungen 2.5% 1.0% 0.7% Öffentliche Verwaltung, Gesundheits- und Sozialwesen 3.1% 1.2% 1.3% Total Beschäftigung 1.5% 0.7% 0.3% Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse Pfeile signalisieren potenziellen Schaden infolge der Frankenaufwertung Quelle: Bundesamt für Statistik 2014 Schätzung und 2015 Prognose Credit Suisse 2015: Komplett neue Voraussetzungen Das laufende Jahr begann mit einem geldpolitischen Erdbeben. Die Schweizer Nationalbank (SNB) hob am 15. Januar 2015 völlig überraschend die dreieinhalb Jahre alte EUR/CHF- Untergrenze auf. Der Franken wertete sich unmittelbar danach massiv auf. Bei Redaktionsschluss schien sich der EUR/CHF-Wechselkurs um die Parität einzupendeln. Schweizer Produkte und Dienstleistungen wurden damit gegenüber dem Ausland massiv teurer, die Schweizer Exportwirtschaft verlor schlagartig an preislicher Wettbewerbsfähigkeit und fuhr zum Teil grosse Buchverluste ein. Der abermals erstarkte Franken dürfte in der Binnenwirtschaft Spuren hinterlassen. Wir rechnen für das laufende Jahr deshalb mit einem deutlich niedrigeren Wachstum der Gesamtwirtschaft als 2014 bei einem Wechselkurs zum Euro von etwas über 1.00 Franken jedoch nicht mit einer Rezession. Die Frankenstärke dürfte 2015 daher für viele Branchen das dominierende aber nicht einzige Thema darstellen. Die Aufhebung der EUR/CHF- Untergrenze fand im Kontext einer zögerlichen weltwirtschaftlichen Erholung und einem Abflauen der Binnendynamik statt. Das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative vom Februar 2014 schwebt immer noch wie ein Damoklesschwert über den volkswirtschaftlich wichtigen Bilateralen Verträgen mit der Europäischen Union und die geopolitischen Risiken schwelen auch zum Swiss Issues Branchen 6

7 Beginn des laufenden Jahres weiter. Die neue geldpolitische Realität überstrahlt nun jedoch alle diese Unsicherheiten und Entwicklungen. Was heisst dies für die einzelnen Branchen? Trübe Aussichten für das Gastgewerbe Die meisten Industriebranchen sind von der Aufwertung betroffen Bei binnenorientierten Dienstleistungsbranchen leidet vor allem der Detailhandel unter der Frankenstärke Wachstum der Baubranche verlangsamt sich etwas Aufgrund der Aufhebung der EUR/CHF-Untergrenze hat sich der Ausblick für das Gastgewerbe im laufenden Jahr deutlich verschlechtert. Die Destination Schweiz wurde auf einen Schlag markant teurer, was zu einem Rückgang der Übernachtungen ausländischer Gäste führen wird. Zudem wird der Anreiz für die Einheimischen steigen, die Ferien im Ausland zu verbringen. Wie stark diese Effekte ausfallen werden, hängt davon ab, wo sich der Franken in den nächsten Monaten einpendeln wird. Von den grösseren Schweizer Branchen ist das Gastgewerbe wohl am stärksten von den jüngsten Ereignissen betroffen, da die Kostenbasis praktisch ausschliesslich in Franken anfällt und aufgrund des hohen Anteils der Löhne an den Produktionskosten wenig Spielraum für Effizienzsteigerungen besteht (vgl. Abb. 3). Nicht zuletzt kämpft die Branche mit einer Zunahme der geopolitischen Risiken, was den Ausblick ebenfalls trübt. Auch für die Branchen der Exportindustrie dürfte 2015 ein schwieriges Jahr werden. Die Frankenstärke trifft fast jede Industriebranche wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Inwiefern eine Industriebranche betroffen ist, hängt neben der Exportorientierung von der Höhe der Marge (vgl. Abb. 3), dem Anteil der Produkte, welcher in ausländischen Währungen fakturiert wird, dem Anteil der Kosten, welche in der Schweiz anfallen und der Preissensitivität der Abnehmer ab. Besonders sensitiv dürfte dabei die exportorientierte Maschinenbau-, Elektround Metallindustrie (MEM) reagieren, welche sich bisher bereits ohne die abermalige Aufwertung des Frankens auf einem holprigen Wachstumspfad befand. Die für das laufende Jahr erwartete leichte weltwirtschaftliche Erholung könnte den Aufwertungsschock zwar etwas lindern, dennoch rechnen wir mit rückläufigen Umsätzen. Auch die Umsätze der chemischpharmazeutischen Industrie dürften im laufenden Jahr gegenüber 2014 aufgrund des Wechselkurseffekts kaum zulegen, genauso wie diejenigen der Uhrenhersteller. Hersteller von Pharmazeutika und Uhren dürften diesen Umstand aber besser verdauen als Unternehmen anderer Industriesektoren, da sie die Aufwertung besser über die Margen abfedern können. Angesichts der Wechselkurssituation dürfte die gesamte Industrie im Jahr 2015 Stellen abbauen (vgl. Abb. 4). Der starke Franken dürfte 2015 auch beim Detailhandel ein dominierendes Thema sein. Wir erwarten, dass der sich bereits auf hohem Niveau befindende Einkaufstourismus Aufwind erhält. Die Preise dürften im Food-Bereich leicht und im Non-Food-Bereich deutlich rückläufig sein. Wir rechnen daher damit, dass die Detailhandelsumsätze im laufenden Jahr tiefer ausfallen als 2014, was sich voraussichtlich auch negativ auf die Branchenbeschäftigung auswirken wird (vgl. Abb. 4). Importeure im Bereich des Konsumgütergross- und Autohandels dürften hingegen von der neuen Währungssituation unter Umständen profitieren. Wir gehen davon aus, dass die Frankenstärke für die meisten anderen Dienstleistungsbranchen abgesehen von den Banken im Jahr 2015 wohl eine vergleichsweise weniger grosse Rolle spielen wird. Es ist zwar damit zu rechnen, dass die Frankenaufwertung mit einer gewissen Verzögerung zu einer geringeren gesamtwirtschaftlichen Nachfrage nach Arbeitskräften führt, was sich einhergehend mit einer niedrigeren Zuwanderung wiederum dämpfend auf das Nachfragewachstum beispielsweise für Telekommunikations- oder Spitaldienstleistungen auswirkt. Dies dürfte sich jedoch kaum vor 2016 spürbar manifestieren. Auch Unternehmensdienstleister und IT-Firmen dürften 2015 sowohl Umsätze als auch Beschäftigung langsamer steigern als 2014, da die Beratungs- und IT- Budgets ihrer Kunden in der Finanzbranche und Industrie aufgrund der Frankenstärke unter Spardruck kommen. Sie profitieren aber nach wie vor von wichtigen Trends wie der zunehmenden Regulierung besonders in der Finanzbranche, aber auch vom schnellen technologischen Wandel, welcher Unternehmen zu Investitionen in produktivitätssteigernde IT-Lösungen zwingt. Auch in der Baubranche dürften die Auswirkungen des Wechselkursschocks vorerst begrenzt ausfallen. Wir erwarten, dass die Bautätigkeit 2015 auf hohem Niveau stagniert. Die Zinsen werden tief bleiben und die Projektpipeline ist nach wie vor gut gefüllt. Gleichzeitig dürften regulatorische Massnahmen und eine leicht schwächere Zuwanderung ein weiteres Umsatzwachstum verhindern. Auch die baunahen Bereiche der Metall- und Holzindustrie müssen sich voraussichtlich auf eine geringere Wachstumsdynamik einstellen. Swiss Issues Branchen 7

8 Mittelfristige Branchenbewertung Branchenpotenzial durch strukturelle Faktoren bestimmt Einer der wichtigsten branchenübergreifenden Trends stellt der demografische Wandel dar. Gepaart mit dem medizinisch-technologischen Fortschritt, welcher laufend neue Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten eröffnet, führt die zunehmende Alterung in den Industrieländern zu einem stetigen Anstieg der Nachfrage nach Gesundheits-, Pflege- und Betreuungsleistungen. Diese Tendenz ist zwar nicht neu und prägte die wirtschaftliche Entwicklung bereits im letzten Jahrzehnt. Angesichts des fortschreitenden Eintretens der geburtenstarken Babyboom- Generation in den Ruhestand wird sich die gesellschaftliche Alterung in den kommenden Jahren aber wohl beschleunigt fortsetzen. Dadurch dürften die Risiken, welche sich für die gesundheitsnahen Branchen aus dem weltweit steigenden Kosten- und Regulierungsdruck im Gesund- Chancen-Risiken- Bewertung: mittelfristige Branchenperspektiven im Quervergleich Die Entwicklung der einzelnen Schweizer Branchen wird nicht nur durch konjunkturelle, sondern auch durch strukturelle Faktoren massgeblich beeinflusst. Übergreifende mittel- bis langfristige gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends wie beispielsweise der demografische Wandel oder der technologische Fortschritt wirken sich auf den Geschäftsgang der verschiedensten Wirtschaftszweige aus. Auch Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen spielen eine Rolle. Ob der Effekt dieser Entwicklungen positiv oder negativ ausfällt und wie stark sie zum Strukturwandel beitragen, ist je nach Branche jedoch sehr unterschiedlich. Im Rahmen unserer jährlichen Chancen-Risiken-Bewertung erfassen wir die strukturellen Einflussfaktoren und ihre potenzielle Auswirkung auf die Branchenlandschaft systematisch. Die Modellergebnisse ermöglichen Aussagen über das Wachstumspotenzial der einzelnen Schweizer Wirtschaftszweige unter Berücksichtigung der bestehenden Risiken und erlauben somit einen Vergleich der mittelfristigen Branchenperspektiven. Abbildung 5 zeigt die Resultate der diesjährigen Chancen-Risiken-Bewertung für die 28 in der vorliegenden Publikation behandelten Branchen (für eine detailliertere Erklärung des Bewertungsmodells, siehe Box «Die Chancen- Risiken-Bewertung der Credit Suisse» auf Seite 9). Abbildung 5 Mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung 2015 Synthetischer Indikator, Gesamtwirtschaft = 0; blaue Vierecke: Anteil an der Schweizer Bruttowertschöpfung in Prozent 3 15% 2 10% 1 5% 0-1 Branchen mit überdurchschnittlicher Chancen-Risiken-Bewertung 0% -5% -2 Anteil an der Schweizer Bruttowertschöpfung (rechte Achse) -10% -3-15% -4 Branchen mit unterdurchschnittlicher Chancen-Risiken-Bewertung -20% Pharma Informatik Unternehmensdienstl. Gesundheitswesen Grosshandel Medizinaltechnik Uhrenindustrie Sozialwesen Elektrotechnik Immobilienwesen Versicherungen Architekten/Ingenieure Telekommunikation Unterrichtswesen Transport/Logistik Elektronik Lebensmittelindustrie Detailhandel Baugewerbe Autogewerbe Holzindustrie Banken Chemie Maschinenbau Metallindustrie Gastgewerbe Energieversorgung Druck/Verlag Quelle: Credit Suisse Alterung und medizinischtechnologischer Fortschritt als treibende Kräfte bei gesundheitsnahen Branchen Swiss Issues Branchen 8

9 heitswesen ergeben, mehr als kompensiert werden. Entsprechend attestiert unser Bewertungsmodell dem Gesundheits- und Sozialwesen, der Pharmaindustrie sowie der Medizintechnik ein überdurchschnittliches Chancen-Risiken-Profil. Aufgrund ihrer internationalen Orientierung können die letzteren beiden Branchen zudem vom zunehmenden Stellenwert der Gesundheit infolge des steigenden Wohlstands in Schwellenländern profitieren. Nicht nur für Gesundheits-, sondern auch für Konsumbranchen ist die demografische Alterung ein relevanter Trend, so zum Beispiel für das Gastgewerbe. Das Ausmass des positiven Effekts ist in diesem Fall jedoch weniger eindeutig: Reisefreudige, kaufkräftige Senioren bieten zwar Nachfragepotenzial, die Anpassung an veränderte Kundenbedürfnisse stellt für die Unternehmen aber auch eine Herausforderung dar. Der demografische Wandel beeinflusst auch den Geschäftsgang der Versicherungsbranche, indem die Alterung zu einer Erhöhung der Risiken für die Lebensversicherer sowie die Pensions- und Krankenkassen führt. Vom Aufstieg der Schwellenländer profitieren Die steigenden Einkommen und Lebensstandards in Schwellenländern stellen nicht nur für die Pharma- und die Medizintechnikbranche eine Chance dar. Mit der in diesen Regionen trotz einer derzeit geringeren Dynamik weiterhin wachsenden Mittelschicht eröffnet sich auch der Luxusgüterindustrie grosses Potenzial. Diese wird in der Schweiz in erster Linie durch die Uhrenindustrie verkörpert. Den exportorientierten, auf das Premiumsegment fokussierten Sparten der Lebensmittelindustrie dürfte dieser Trend ebenfalls zugutekommen. Gäste aus den Schwellenländern sind zudem wichtige Wachstumstreiber im Gastgewerbe. Für Hightech- Branchen wie die Elektrotechnik oder den Maschinenbau liefern die Schwellenländer aufgrund ihres grossen Infrastruktur- und Energiebedarfs positive Nachfrageimpulse. Die Chancen-Risiken-Bewertung der Credit Suisse Die Chancen-Risiken-Bewertung der Credit Suisse zeigt die mittelfristigen Chancen und Risiken der Schweizer Branchen im Quervergleich auf. Sie basiert auf einem 2006 eigens entwickelten Modell, das 2012 einer grundlegenden Revision unterzogen wurde. 3 Die Bewertung stellt eine zukunftsorientierte Einschätzung aus makroökonomischer Sicht dar. Mikroökonomische bzw. unternehmensinterne Faktoren werden explizit nicht berücksichtigt. Der Betrachtungshorizont umfasst drei bis fünf Jahre. Das Modell unterscheidet die beiden Dimensionen «Chancen» und «Risiken». Sowohl quantitative, vergangenheitsorientierte als auch qualitative, zukunftsorientierte Elemente fliessen in die Bewertung ein. Die vergangenheitsorientierten Komponenten basieren auf Branchendaten aus offiziellen Schweizer Statistiken, die zukunftsorientierten Elemente auf Experteneinschätzungen des Economic Research der Credit Suisse. Die Branchendaten haben bekanntlich den Nachteil, dass sie nur die Vergangenheit widerspiegeln, meist sogar mit einer grossen Verzögerung. Durch den systematischen Einbezug von Experteneinschätzungen werden strukturelle Einflussfaktoren und Trends berücksichtigt, die in den Statistiken (noch) nicht abgebildet, aber für die zukünftige Entwicklung einer Branche potenziell massgebend sind. Die Dimension «Chancen» bildet das Wachstumspotenzial der einzelnen Branchen ab. Zur Beurteilung der Chancen werden Daten zum Wertschöpfungs-, Produktivitäts- und Beschäftigungswachstum sowie zu der Lohnentwicklung und den Unternehmensgründungen herangezogen. Hinzu kommen Experteneinschätzungen zu den potenziellen Wachstumschancen, die sich für die Branchen aus diversen langfristigen Trends sowie aus dem politischen Umfeld ergeben. Die Dimension «Risiko» bildet Unsicherheiten ab, die das nachhaltige Wachstumspotenzial beeinträchtigen können. Sie basiert auf quantitativen Indikatoren, welche die Stärke der Wachstumsschwankungen und das Ausmass des Strukturwandels in den einzelnen Branchen messen, sowie auf Analystenmeinungen zu den aus Trends und dem politischen Umfeld hervorgehenden Risiken. Chancen und Risiken werden für alle Branchen gegeneinander abgewogen und zu einem einzigen Wert zusammengefasst. Die Ergebnisse werden so standardisiert, dass für die Gesamtwirtschaft ein Wert von null resultiert. Die Chancen-Risiken-Bewertung ist somit eine relative Betrachtung: Eine Branche mit einem hohen Wert dürfte sich gemäss unseren Einschätzungen mittelfristig besser entwickeln als eine Branche mit einem tiefen Wert. Die Chancen-Risiken-Bewertung gibt explizit keine Prognose zum absoluten Wachstum der einzelnen Branchen ab. 3 Für weitergehende Informationen zur Chancen-Risiken-Bewertung, siehe Swiss Issues Branchen, Branchenhandbuch 2012 Strukturen und Perspektiven. Swiss Issues Branchen 9

10 Digitalisierung: Chance für die einen, Risiko für die anderen Nachhaltigkeitstrend mit unterschiedlichen Auswirkungen Umsetzung der MEI als politisches Risiko Unter den Branchen mit einer überdurchschnittlichen Chancen-Risiken-Bewertung befindet sich die Informatikbranche. Die Nachfrage nach IT-Dienstleistungen wird vom technologischen Fortschritt und der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft getrieben. Insbesondere im Bereich Big Data (Speicherung, Verwaltung und Nutzung grosser Datenmengen) sehen wir die hiesige Informatikbranche aufgrund des vergleichsweise strengen Schweizer Datenschutzgesetzes gut positioniert. Zu den grossen Trends im IT-Bereich gehört auch das Cloud Computing. Die mit dem technologischen Fortschritt verbundenen Umstellungsarbeiten der Unternehmen bescheren dabei nicht nur der IT-, sondern auch der Beratungsbranche zusätzliche Aufträge. In diesem Bereich tragen zudem immer zahlreichere und komplexere Regulierungen sowie steigende Compliance-Anforderungen zum Nachfrageanstieg bei. Der Digitalisierungstrend wirkt sich auf etliche andere Wirtschaftszweige aus. So müssen sich zum Beispiel die Detailhändler mit den Chancen und Risiken des wachsenden Onlinehandels auseinandersetzen. Für das Druckgewerbe ist der weiter fortschreitende Trend zur papierlosen Kommunikation eine grosse Herausforderung. Auch der Trend zur ökologischen Nachhaltigkeit hat je nach Branche unterschiedliche Konsequenzen. Auf der einen Seite stellt er einen wichtigen Innovations- und Nachfragetreiber dar, von dem beispielsweise Industriebranchen wie die Elektrotechnik, die Elektronik oder der Maschinenbau sowie der Bau profitieren können. Auf der anderen Seite spricht der zunehmende Fokus der Politik auf die Energieeffizienz (Stichwort Energiestrategie 2050) für steigende Strompreise in der längeren Frist. Dies dürfte insbesondere energieintensiven Wirtschaftszweigen wie der Metallindustrie oder der Chemie zusetzen. Für den Energiesektor selbst sind die hohen politischen Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Energiepolitik ein wesentlicher Belastungsfaktor. Dementsprechend weist die Energieversorgung gemäss unserem Bewertungsmodell ein unterdurchschnittliches Chancen-Risiken-Profil auf. Mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative (MEI) am 9. Februar 2014 haben die politischen Risiken zugenommen. Wie die geforderte Begrenzung der Einwanderung konkret umgesetzt wird, ist zwar noch offen; die damit verbundenen Planungs- und Investitionsunsicherheiten dürften sich aber bereits jetzt vielerorts bremsend auf die Geschäftsentwicklung auswirken. Bei Inkrafttreten dürften insbesondere diejenigen Branchen einen schweren Stand haben, welche bereits heute stark auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sind und/oder unter Fachkräftemangel leiden. Risikopotenzial sehen wir vor allem für wertschöpfungsschwache Branchen wie das Gastgewerbe und den Bau. Mit der abflauenden Zuwanderung wird sich in manchen Wirtschaftszweigen in den kommenden Jahren zudem eine wichtige Nachfragestütze abschwächen. Davon betroffen dürften in erster Linie binnenorientierte, standortgebundene Dienstleistungsbranchen wie der Detailhandel, das Gastgewerbe, das Immobilien-, Gesundheits- und Unterrichtswesen, aber auch das Baugewerbe sein. Hinzu kommt, dass nach der Annahme der MEI das Verhältnis der Schweiz zu ihrem wichtigsten Handelspartner, der EU, vermehrt auf dem Prüfstand steht. Ein allfälliger erschwerter Zugang zum europäischen Absatzmarkt beispielsweise bei einer Kündigung der bilateralen Verträge stellt insbesondere für traditionelle Industriebranchen wie die Metallindustrie, deren Exporte zu 80% in die EU gehen, oder für die Transport- und Logistikbranche ein potenzielles Risiko dar. Swiss Issues Branchen 10

11 Übersicht Branchenkennzahlen Beschäftigte (VZÄ) Bruttowertschöpfung (in CHF Mrd.) Anteil an der Schweizer Bruttowertschöpfung Branchenwachstum Prognose 2015 Mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung Wert 2015 Im Branchenvergleich Industrie Lebensmittelindustrie 71' % 0.4 Durchschnittlich Holzindustrie 36' % 0.4 Durchschnittlich Druck und Verlag 35' % 3.1 Stark unterdurchschnittlich Chemie 28' % 0.7 Durchschnittlich Pharmaindustrie 38' % 2.2 Stark überdurchschnittlich Metallindustrie 95' % 1.5 Unterdurchschnittlich Elektronik 25' % 0.2 Durchschnittlich Uhrenindustrie 47' % 0.6 Überdurchschnittlich Elektrotechnik 34' % 0.4 Durchschnittlich Maschinenbau 76' % 0.8 Durchschnittlich Medizintechnik 24' % 0.8 Überdurchschnittlich Energieversorgung 24' % 1.8 Unterdurchschnittlich Baugewerbe 321' % 0.4 Durchschnittlich Dienstleistungen Autogewerbe 77' % 0.4 Durchschnittlich Grosshandel 203' % 0.8 Überdurchschnittlich Detailhandel 240' % 0.4 Durchschnittlich Transport und Logistik 130' % 0.1 Durchschnittlich Gastgewerbe 183' % 1.6 Unterdurchschnittlich Telekommunikation 23' % 0.3 Durchschnittlich Informatikdienste 78' % 1.9 Stark überdurchschnittlich Banken 123' % 0.5 Durchschnittlich Versicherungen 45' % 0.3 Durchschnittlich Immobilienwesen 57' % 0.4 Durchschnittlich Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung 153' % 1.7 Stark überdurchschnittlich Architektur- und Ingenieurbüros 96' % 0.3 Durchschnittlich Unterrichtswesen 204' % 0.2 Durchschnittlich Gesundheitswesen und Pflege 336' % 1.4 Stark überdurchschnittlich Sozialwesen und Heime 104' % 0.5 Überdurchschnittlich Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse Zeichenerklärung: > +5%; zwischen +2% und +5%; zwischen 2% und +2%; zwischen 2% und 5%; < 5% gegenüber dem Vorjahr Informationen zu den Branchenkennzahlen Die Branchen auf den folgenden Seiten werden nach der «Allgemeinen Systematik der Wirtschaftszweige (NOGA 2008)» abgegrenzt. Die Daten zur Beschäftigung 2013 werden vom Credit Suisse Economic Research auf Basis der Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) und der Beschäftigungsstatistik (BESTA) des Bundesamts für Statistik geschätzt. Sie werden in Vollzeitäquivalenten angegeben. Die Zahlen zur nominalen Bruttowertschöpfung werden für das Jahr 2013 vom Credit Suisse Economic Research auf Basis des vom Bundesamt für Statistik veröffentlichten Produktionskontos geschätzt. Swiss Issues Branchen 11

12 Lebensmittelindustrie Mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung: 0.4 Durchschnittlich Beschäftigte: 71'900 Bruttowertschöpfung: CHF 11.7 Mrd. Anteil an der Schweizer Bruttowertschöpfung: 1.9% Bevölkerungswachstum, Konsumtrends, Wachstum der Mittelschicht in Schwellenländern, Regulierung, Rohstoffpreise Azyklisch, Zweiteilung in Binnen- und Exportindustrie Hersteller mit innovativen Angeboten im Bereich Convenience/Functional Food, Anbieter mit Fokus auf Swissness/ Regionalität, Hersteller mit Standbein in Schwellenländern Die Schweizer Lebensmittelindustrie bedient mit einer breiten Produktpalette von Grundnahrungsmitteln bis hin zu Functional Food einen Grossteil der Ernährungsbedürfnisse. Die Nachfrage ist mehrheitlich azyklisch und wird langfristig vor allem vom Bevölkerungs- und Kaufkraftwachstum genährt. Der Binnenmarkt ist weitgehend gesättigt. Zwar können Unternehmen durch die Berücksichtigung wichtiger Konsumtrends (z.b. im Bereich Convenience/Functional Food, Bio, Gesundheit, Regionalität) ihre Umsätze mit innovativen Produkten auch auf dem Schweizer Markt weiterhin steigern. Oft wachsen diese Segmente aber auf Kosten herkömmlicher Produkte. Die Gesamtbranche ist mehrheitlich binnenorientiert. Hersteller von Schokolade, Zuckerwaren, Kaffee, Babynahrung, Erfrischungsgetränken und Käse sind hingegen oft stark exporttätig und dank eines Fokus auf das Premiumsegment international kompetitiv. Die grössten Wachstumspotenziale hat die Branche denn auch im Ausland. Besonders die wachsende Mittelschicht in Schwellenländern verspricht zusätzliches Absatzpotential. Klammert man die Spezialbereiche Kaffee und Erfrischungsgetränke aus, erhöhten sich die Schweizer Exporte in die grössten Schwellenländer seit der Jahrtausendwende mehr als dreimal so schnell wie in die restliche Welt. Die Branche ist relativ stark reguliert entweder aus Gründen des Konsumentenschutzes oder um die Schweizer Landwirtschaft vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. In vielen Bereichen führt der Protektionismus zu hohen Kosten für die Rohstoffbeschaffung. Damit exportierende Betriebe trotzdem konkurrenzfähig bleiben, vergütet der Bund einen Teil dieser Zusatzkosten über das sogenannte «Schoggi-Gesetz» zurück. Auch in nicht geschützten Bereichen stellen die Rohstoffpreise einen wichtigen und teilweise stark volatilen Kostenfaktor dar. Preisschwankungen können nicht immer an die Abnehmer weitergegeben werden. Vor allem Hersteller von weniger bekannten Marken beklagen gegenüber dem stark konzentrierten Schweizer Lebensmitteldetailhandel ein Machtgefälle. Trotz Protektionismus ist der Importdruck in gewissen Subbranchen relativ hoch. So werden beispielsweise in der Obst- und Gemüseverarbeitung pro Jahr Waren im Wert von rund CHF 400'000 pro Branchen-Arbeitsplatz in der Schweiz importiert. Der durch den starken Franken intensivierte Einkaufstourismus hat den Preisdruck in den letzten Jahren verstärkt. Trotzdem ist der Produktionsstandort Schweiz für die Branche attraktiv: Für viele Produkte münzt sich eine ausweisbare Schweizer Herkunft direkt in eine höhere Zahlungsbereitschaft der Konsumenten um. Die Branche nahm in diesem Kontext die 2013 verabschiedete «Swissness-Vorlage» eher kritisch auf. Das Gesetz dient dem Schutz der Marke Schweiz, erhöht aber auch die Anforderungen, um ein Produkt als schweizerisch bezeichnen zu dürfen. Trotz gesättigtem Binnenmarkt erachten wir das Chancen-Risiken- Profil der Branche dank einer stabilen Nachfrage und des Expansionspotenzials in Schwellenländern als durchschnittlich. Die Branchenumsätze nahmen 2014 unter anderem aufgrund der gestiegenen Produktion und höherer Preise insgesamt leicht zu. Die Industrie konnte jedoch nur bedingt von den Preissteigerungen profitieren, da es sich hauptsächlich um die Weitergabe von höheren Rohstoffkosten handelte. Für 2015 erwarten wir unter der Voraussetzung einer etwas anziehenden globalen Konjunktur ein leichtes Produktionswachstum. Hingegen dürfte eine wechselkursinduzierte Verschärfung des Einkaufstourismus die Preisentwicklung dämpfen. Lebensmittel: Exporte nach Segmenten, Umsatz In CHF Mrd.; Index 2010 = 100 Die Stagnation des Branchenumsatzes ab 2008 ist in erster Linie dem Binnensektor zuzuschreiben. Aber auch die Exporte in Nicht-Schwellenmärkte stagnierten seit Wachstumsimpulse lieferten die Ausfuhren in Schwellenmärkte, deren Gewicht allerdings noch gering ist, sowie vor allem die Exporte von Kaffee (v.a. Nespresso) und Erfrischungsgetränken (v.a. Red Bull) Gesamtexporte Exporte Kaffee/Erfrischungsgetränke Exporte (ohne Kaffee/Erfrischungsgetränke) Schwellenländer Exporte (ohne Kaffee/Erfrischungsgetränke) Rest der Welt Gesamtumsatz (rechte Achse) * Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Bundesamt für Statistik, Credit Suisse *Werte 2014 von Credit Suisse geschätzt Zur Lebensmittelindustrie gehört die Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln (NOGA 10) sowie von Getränken (NOGA 11). Die grössten Subbranchen sind Bäcker, Fleischverarbeiter und Hersteller von sonstigen Nahrungsmitteln Swiss Issues Branchen 12

13 Holzindustrie Mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung: 0.4 Durchschnittlich Beschäftigte: 36'400 Bruttowertschöpfung: CHF 3.1 Mrd. Anteil an der Schweizer Bruttowertschöpfung: 0.5% Bautätigkeit, Bevölkerungswachstum, Zinsen, Umweltbewusstsein, Energiepreise Binnenorientiert, kleinbetrieblich strukturiert Baunahe Produzenten mit Fokus auf Holzhäuser, innovative Produzenten von Bauteilen für die ökologische Bauweise Die Bautätigkeit im Hoch- und Innenausbau ist einer der wichtigsten Nachfragetreiber für die Holzindustrie. Sie wird vom Bevölkerungswachstum und den Zinsen positiv beeinflusst. Die Baubranche ist ein sehr bedeutender Abnehmer für die Holzindustrie. Sie verwertet einerseits das von Sägewerken hergestellte Schnittholz direkt, andererseits verwenden und verarbeiten Bauschreinereien Holz im Auftrag der Bauindustrie. Das gestiegene Bauvolumen für Häuser aus Holz zeigt den Trend zum vermehrten Einsatz dieses Materials. Der seit 2011 stagnierende Baupreisindex für Mehrfamilienhäuser aus Holz bestätigt hingegen die stärkere Konkurrenz in der Holzbaubranche. Zudem könnten gelockerte gesetzliche Bestimmungen für Holzhäuser (Brandschutzvorschriften) ab 2015 dem Trend weiteren Antrieb verleihen. Das steigende Umweltbewusstsein der Bevölkerung für Holz als Rohstoff zeigt sich nicht nur in dessen baulicher Verwertung, sondern auch in der energetischen Verwendung. Die Nachfrage nach klimaneutraler Holzenergie stieg in den letzten zehn Jahren um über ein Fünftel an. Das Restholz, etwa 40% der von Sägewerken produzierten Holzmenge, wird für die Herstellung von Papier, Zellstoffen und Holzwerkstoffen wie Spanplatten gebraucht. Die Handelsbilanz der Schweizer Holzindustrie ist seit Jahren hoch defizitär. Die Gründe für das Defizitwachstum sind zweierlei: Einerseits waren die milden Winter der letzten Jahre verantwortlich für rückläufige Holzernten, andererseits erhöhen die tiefen Holzpreise und der starke Franken den Importdruck auf die einheimischen Produzenten. Überdies gibt es auf Schnittholz, welches als Halbfabrikat definiert ist, keinen Grenzschutz, was den Druck verstärkt. Insgesamt führt dies dazu, dass die Schweizer Sägewerke dem internationalen Preiswettbewerb immer stärker ausgesetzt sind. Vom Preisdruck etwas abgeschirmt sind hingegen die Bauschreiner und die Schreiner im Innenausbau, welche die Mehrheit der in der Holzindustrie tätigen Betriebe (über 85%) darstellen. Viele von ihnen bedienen lokale Märkte, was die kleinbetriebliche Struktur und die ausgeprägte Binnenorientierung der Branche erklärt. Die Beschäftigung in der Holzwirtschaft ist mit 8% seit der Jahrtausendwende leicht gesunken. Infolge des schwierigen Marktumfelds befinden sich die Sägereien in einem Konsolidierungsprozess, während die Schreinereien Stellen aufgebaut haben. Obwohl ein Strukturwandel im Gang und die Beschäftigung leicht rückläufig ist, bleibt die Nachfrage nach Holz angesichts des gestiegenen Umweltbewusstseins intakt. Wir schätzen die Chancen-Risiken-Bewertung der Holzindustrie deshalb als durchschnittlich ein. Die robuste Bautätigkeit bescherte den baunahen Produzenten 2014 volle Auftragsbücher, während die erneut unterdurchschnittliche Holzernte und die internationale Konkurrenz die Sägereien unter Druck setzten. Trotz struktureller Herausforderungen und der sich abschwächenden Binnenkonjunktur dürfte die Holzindustrie im Jahr 2015 dank der anhaltenden, aber an Dynamik verlierenden Bautätigkeit leicht wachsen. Energieholzverbrauch, Holzernte, Beschäftigung und Bruttowertschöpfung der Holzindustrie Index 2010 = 100 Die anhaltend starke Bautätigkeit und der Energieholzverbrauch treiben die Nachfrage nach Holz an. Die Holzernte hingegen kann die Nachfrage teilweise nicht gänzlich absorbieren. Daraus resultierte in den letzten Jahren eine sinkende Bruttowertschöpfung Beschäftigung Bruttowertschöpfung Energieholzverbrauch Holzernte * Quelle: Bundesamt für Statistik, Bundesamt für Umwelt, Credit Suisse *Werte 2013 von Credit Suisse geschätzt Die Holzindustrie (NOGA 16) umfasst Schreinereien in den Bereichen Innenausbauten, Bauschreinerarbeiten sowie in der Fenster- und Türenproduktion. Ebenfalls zur Branche gehören Sägewerke, Holzplatten- und Parketthersteller sowie Produzenten von Kork-, Flecht- und Korbwaren und Verpackungsmaterialien aus Holz. Swiss Issues Branchen 13

14 Druck und Verlag Mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung: 3.1 Stark unterdurchschnittlich Beschäftigte: 35'500 Bruttowertschöpfung: CHF 4.0 Mrd. Anteil an der Schweizer Bruttowertschöpfung: 0.7% Privater Medienkonsum, Werbeausgaben der Unternehmen, Bevölkerungswachstum, Digitalisierung Kleinbetrieblich strukturiert mit einzelnen Grossunternehmen, binnenorientiert Verlage mit etablierten, kostenpflichtigen Inhalten im digitalen Bereich, Anbieter mit innovativem digitalem Angebot Das Druck- und Verlagswesen ist vorwiegend vom Medienkonsum der privaten Haushalte und der Unternehmen abhängig. Während einerseits das anhaltende Bevölkerungswachstum den Konsum stimuliert, führen andererseits stark rückläufige Werbeausgaben für Printmedien zu sinkenden Umsätzen. Sowohl das Druck- als auch das Verlagswesen reagieren sehr stark auf konjunkturelle Ausschläge. Die mehrheitlich steigenden E-Paper-Verkäufe wirken dabei grösseren Leserverlusten etwas entgegen. Die durch die Digitalisierung entstehenden Umwälzungen machen der Druckbranche mehr zu schaffen als dem Verlagswesen. Die Werbeausgaben für Onlineinhalte haben sich über die letzten sechs Jahre verdoppelt und dürften weiter steigen, allerdings auf tiefem Niveau. Das grosse Angebot an konkurrenzierenden Gratis-Onlineinhalten und grossen Onlinehändlern erschwert es aber auch dem Verlagswesen zunehmend, Zahlungsbereitschaft für webbasierte Inhalte abzuschöpfen. Die Druckindustrie ist unter anderem aufgrund der Nähe zur nationalen Tages- und Wochenpresse stark binnenorientiert und besteht überwiegend aus Mikro- und Kleinunternehmen (54% der VZÄ). Das Verlagswesen ist im Vergleich zur Druckindustrie durch eine konzentriertere Unternehmensstruktur geprägt. Die Beschäftigung im Druckbereich erfuhr seit 1991 mehr als eine Halbierung ( 51%) und erreichte 2013 mit fast 21'900 Angestellten ein neues Tiefst, während die Verlagsbranche im selben Zeitrahmen einen weniger starken Rückgang verzeichnete ( 26%). Die in den letzten Jahren rückläufigen Exporte zeugen ebenfalls von der schwierigen Situation der Branche. Der starke Verdrängungswettbewerb über den Preis setzt die Druckereien und Verlage zunehmend unter Kostendruck. Überdies verstärken ausländische Anbieter die Konkurrenzsituation im Binnenmarkt weiter, was die Margen der Unternehmen sinken lässt und zu Unternehmenszusammenschlüssen führt. Das momentane Tiefzinsumfeld hingegen bietet angeschlagenen Firmen zurzeit zusätzliche Finanzierungsoptionen durch günstige Leasingmöglichkeiten zum Beispiel für Maschinen. So wird der Konsolidierungsprozess zurzeit etwas gemildert, kann aber in Zukunft wieder stärker einsetzen. Mit der Digitalisierung hat sich zudem der Digitaldruck als komplementäre Druckart zum Offsetdruck (hauptsächlich für die Produktion von Zeitungen) etabliert. Die Digitalisierung ist bis auf Weiteres die grösste Herausforderung in der Branche. Der Vormarsch der Onlinemedien erfordert eine neue strategische Ausrichtung beider Industrien in einem schwierigen Marktumfeld. Wir bewerten das Chancen- Risiken-Verhältnis vor diesem Hintergrund als stark unterdurchschnittlich. Der negative Trend aus dem Vorjahr setzte sich auch 2014 fort. Die Aussichten für 2015 bleiben trübe, zumal die Digitalisierung den Strukturwandel weiterhin vorantreibt und der grosse Verdrängungswettbewerb den Druck auf die Unternehmen aufrechterhält. Ausserdem dürfte der starke Franken den ausländischen Konkurrenzdruck für Druckereien nochmals deutlich erhöhen. Beschäftigung Druck/Verlag und reales BIP Veränderung zum Vorjahr in Prozent Seit 2004 weist die Branche Druck und Verlag ein fast durchweg negatives Beschäftigungswachstum aus. Die Beschäftigung schrumpfte zwar nach der Finanzkrise etwas weniger stark, mit 1% bis 3% war der Rückgang aber trotz des positiven realen BIP-Wachstums seit 2010 immer noch sehr deutlich. 5% 4% 3% 2% 1% 0% -1% -2% -3% -4% -5% BIP real Beschäftigung Druck Beschäftigung Verlag * Quelle: Bundesamt für Statistik, Staatssekretariat für Wirtschaft, Credit Suisse *Werte 2014 von Credit Suisse geschätzt Zur Druck- und Verlagsindustrie gehören einerseits die Herstellung von Druckerzeugnissen und die Vervielfältigung von bespielten Ton-, Bild- und Datenträgern (64% der Gesamtbeschäftigung, NOGA 18) und andererseits das Verlagswesen (36%, NOGA 58). Swiss Issues Branchen 14

15 Chemie Mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung: 0.7 Durchschnittlich Beschäftigte: 28'300 Bruttowertschöpfung: CHF 6.5 Mrd. Anteil an der Schweizer Bruttowertschöpfung: 1.1% Industrieproduktion, technologischer Fortschritt, Wechselkurse, Rohstoff- und Energiepreise Zyklisch, stark exportorientiert, konzentriert, forschungs- und kapitalintensiv Hoch spezialisierte Nischenanbieter mit beratungsintensiven individualisierbaren Produkten, einer gut fokussierten Forschungspipeline und starkem Standbein in Schwellenländern Ein Grossteil der Weltbevölkerung kommt täglich mit den Produkten der chemischen Industrie in Berührung, sei es in Form von Aromastoffen in Lebensmitteln, Hochleistungspolymeren in Autobestandteilen, chemischen Grundstoffen in Medikamenten oder Pflanzenschutzmitteln. Die Produkte der Chemiebranche werden jedoch meist nicht direkt vom Endverbraucher nachgefragt, sondern dienen der nachgelagerten Industrie als Vorleistungsgüter. Entsprechend ist die Umsatzentwicklung der chemischen Industrie in erster Linie vom Geschäftsgang der Abnehmerbranchen abhängig und somit stark zyklisch. Langfristige Haupttreiber der Abnehmersektoren Bevölkerungswachstum, Bildung einer kaufkräftigen Mittelschicht in Schwellenländern sowie die Demografie sind auch Säulen des Trendwachstums der chemischen Industrie. Steigende Ansprüche an Produktfunktionalität (z.b. schmutzabweisende Farben) und Energieeffizienz (z.b. Hochleistungspolymere statt Metallbauteile bei Fahrzeugen) sorgen, unterstützt durch den technologischen Fortschritt, ebenfalls für eine wachsende Nachfrage. In der letzten Dekade expandierte der globale Markt daher mit rund 7% p.a. sehr dynamisch. Die Branche ist stark exportorientiert; deutlich über 90% des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Die wichtigsten Absatzmärkte sind nach wie vor die Industriestaaten. Schwellenländer gewinnen als Absatzmarkt, aber auch als Konkurrenten laufend an Bedeutung. So konnten chinesische Hersteller zwischen 2002 und 2012 ihren globalen Marktanteil von knapp 9% auf über 30% steigern. Die wachsende Konkurrenz in Schwellenmärkten hinterliess bei europäischen Anbietern Spuren. So nahm die Branchenbeschäftigung in Europa und der Schweiz zwischen 2001 und 2012 durchschnittlich um 1.8% bzw. 1.9% pro Jahr ab. Gemessen an der Exporttätigkeit schlug sich der Produktionsstandort Schweiz in den letzten Jahren in den meisten Sparten weniger gut als die OECD- Konkurrenz. Dazu trug unter anderem der starke Franken bei, denn die Nachfrage reagiert auch im für Schweizer Hersteller zentralen Spezialitätenchemie-Segment meist preissensitiv. Kostenseitig spielen Rohstoff- und Energiepreise trotz verbesserter Effizienz nach wie vor eine wichtige Rolle. Der Schiefergasboom in den USA stellt in diesem Kontext eine Herausforderung für Schweizer Chemiefirmen dar, da er der US- Konkurrenz einen Standortvorteil verschafft. Die Branche ist grossbetrieblich strukturiert, was in der globalen Marktausrichtung, den vergleichsweise hohen Forschungsaufwendungen und der Kapitalintensität begründet liegt. Trotz des auch künftig dynamischen globalen Nachfragewachstums erreicht die Schweizer Chemieindustrie aufgrund der starken ausländischen Konkurrenz und preislicher Wettbewerbsnachteile nur eine durchschnittliche Chancen-Risiken- Bewertung. Die Branchenumsätze waren 2014 unter anderem aufgrund von Wechselkurseffekten leicht rückläufig und die Produktion stagnierte. Die einzelnen Segmente entwickelten sich höchst unterschiedlich. Farbstoffexporte gingen zum Beispiel um ein Viertel zurück, die Ausfuhren sonstiger organischer Grundstoffe und Chemikalien legten hingegen leicht zu. Trotz einer voraussichtlich leicht anziehenden globalen Konjunktur dürften die Umsätze der Branche 2015 aufgrund der Frankenaufwertung schrumpfen. Exporte der Chemie nach Subbranchen Nominal, Index 2005 = 100 Gesamthaft stagnierten die Schweizer Chemieexporte in der letzten Dekade. Betrachtet man einzelne Subbranchen, ist das Bild jedoch sehr heterogen. Die Subbranchen Riech- und Aromastoffe, Parfüme sowie Agrochemie gewannen an Bedeutung. Hingegen exportiert die Schweiz heute weniger chemische Roh- und Grundstoffe sowie Farben als noch vor zehn Jahren Total Farben Kunststoffe in Primärform * Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse *Werte 2014 von Credit Suisse geschätzt Chem. Roh- und Grundstoffe Agrochemie Riech- und Aromastoffe/Parfüms Zur chemischen Industrie (NOGA 20) gehören die Subbranchen chemische Grundstoffe (26.7% Beschäftigungsanteil), Agrochemie (5.1%), Farben und Kitte (13.5%), Reinigungsmittel/Kosmetika/Duftstoffe (21.1%), sonstige Erzeugnisse (31.9%) und Chemiefasern (1.7%). Swiss Issues Branchen 15

16 Pharmaindustrie Mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung: 2.2 Stark überdurchschnittlich Beschäftigte: 38'400 Bruttowertschöpfung: CHF 24.2 Mrd. Anteil an der Schweizer Bruttowertschöpfung: 3.9% Wohlstandsentwicklung, Demografie, medizinisch-technologischer Fortschritt, Regulierung, Patentrecht Stark exportorientiert, forschungs- und kapitalintensiv, stark konzentriert Produzenten von Arzneien mit klar messbaren Zusatznutzen für Patienten und gut gefüllter Pipeline strategisch selektierter Forschungsprojekte Grundlegende Nachfragetreiber für die Pharmaindustrie sind die Wohlstandsentwicklung, die demografische Alterung und der medizinisch-technische Fortschritt. In westlichen Industrieländern beeinflussen die öffentlichen Gesundheitsausgaben die Nachfrage nach Medikamenten stark. Zwar ist die Branche konjunkturell eher azyklisch, doch haben längere Abschwungphasen mit Auswirkungen auf die Staatsfinanzen einen erheblichen negativen Effekt auf die Preise. In Schwellenmärkten ermöglichen eine wachsende Kaufkraft und sich verbessernde Gesundheitssysteme immer mehr Menschen den Bezug von Medikamenten. Die Effekte der demografischen Alterung und des technologischen Fortschritts auf die Nachfrage sind komplex und teilweise selbstverstärkend: Je älter eine Gesellschaft wird unter anderem aufgrund des medizinischen Fortschritts, desto stärker sind Menschen chronischen Krankheiten wie Krebs oder Demenz ausgesetzt. Gleichzeitig eröffnet der rasche technologische Fortschritt auch in diesen Feldern immer mehr neue und individuellere pharmazeutische Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Der Pharmamarkt ist hoch spezialisiert und global ausgerichtet. Auch Schweizer Hersteller sind daher äusserst exportorientiert; sie erzielen deutlich über 90% des Umsatzes im Ausland. Ein Grossteil des Branchenumsatzes wird mit kassenpflichtigen Medikamenten erzielt, deren Preise von staatlicher Regulation stark beeinflusst sind. Das regulatorische Gefüge ist äusserst komplex und Preisänderungen selbst in kleinen Ländern können sich aufgrund des weitverbreiteten Referenzpreissystems weltweit auswirken. Zentral für die Preisentwicklung ist zudem die Ausgestaltung des Patentschutzes. Im ungeschützten Generikabereich herrscht ein strikter Preiswettbewerb. Generika dürften in den kommenden Jahren gegenüber den Markenpräparaten weiter an Bedeutung gewinnen. In vielen Bereichen der patentgeschützten Spezialitätenmedizin lassen sich auch künftig ansprechende Margen erzielen. Aufgrund der weltweit angespannten Lage der Staatsfinanzen dürfte sich der Preisdruck allerdings auch in diesem Segment nachhaltig verstärken. So steigen bei der Preissetzung für neue Medikamente die Ansprüche an den nachweisbaren Zusatznutzen gegenüber bereits existierenden Präparaten. Die Forschung bleibt auch in Zukunft wichtigster Kostenblock. Die Entwicklungskosten eines «Blockbuster»-Medikaments überschreiten bereits heute zum Teil die Milliardengrenze. Wachsende Ansprüche an Sicherheit und nachgewiesene Wirksamkeit dürften die Forschung künftig weiter verteuern. Nicht zuletzt aufgrund der mit hohen Forschungskosten verbundenen Risiken ist die Branche äusserst grossbetrieblich geprägt. Trotz sehr hoher Forschungskosten bei gleichzeitig wohl längerfristig anhaltendem Preisdruck fällt die Chancen-Risiken- Bewertung der Pharmaindustrie aufgrund der stetig wachsenden Nachfrage stark überdurchschnittlich aus. Die Branchenexporte wuchsen 2014 im hohen einstelligen Bereich, die Umsätze entwickelten sich hingegen deutlich weniger dynamisch. Obwohl Patentabläufe und Preissenkungen die Branche auch 2014 beeinflussten, ist die (in CHF gemessene) schwache Umsatzdynamik stark auf Wechselkurseffekte zurückzuführen. Die Wechselkurse dürften 2015 aufgrund der Frankenaufwertung noch stärker ins Gewicht fallen. Wir rechnen trotz der grundsätzlich robusten Nachfrage nach Pharmazeutika daher nicht damit, dass die CHF-Umsätze 2015 gegenüber 2014 nennenswert wachsen werden. Pharma-Handelsbilanz der grössten Produzenten Handelsbilanz pharmazeutischer Produkte in USD Mrd. Die Schweiz war 2013 OECD-weit der zweitgrösste Exporteur (hinter Deutschland) und der fünftgrösste Importeur von Pharmaprodukten. Dies resultierte in der weltweit grössten positiven Handelsbilanz, die in den letzten Jahren laufend wuchs. Ein Grossteil der Pharmaausfuhren stammt von Roche und Novartis. Beide Firmen waren 2013 alleine für rund ein Viertel aller Schweizer Warenexporte verantwortlich Schweiz Deutschland Irland Frankreich Belgien Quelle: OECD, Credit Suisse Die Pharmaindustrie (NOGA 21) umfasst die Herstellung von pharmazeutischen Grundstoffen (NOGA 211) und Spezialitäten (NOGA 212). Letztere beinhalten unter anderem Medikamente, Impfstoffe und Biotech-Produkte. Swiss Issues Branchen 16

17 Metallindustrie Mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung: 1.5 Unterdurchschnittlich Beschäftigte: 95'100 Bruttowertschöpfung: CHF 10.8 Mrd. Anteil an der Schweizer Bruttowertschöpfung: 1.8% Industrieproduktion, Baukonjunktur, Rohstoff- und Energiepreise, Energieeffizienz, Wechselkurse Mehrheitlich binnenorientiert, je nach Subbranche konzentriert oder kleinbetrieblich strukturiert Anbieter von innovativen, energie- und ressourcensparenden Metallprodukten und -oberflächenbehandlungen Metalle und Metallerzeugnisse finden vorwiegend in der Industrie Verwendung. Die Hauptabnehmer sind der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Metallbranche selbst sowie die Elektro- und Präzisionsindustrie (u.a. Medizintechnik, Uhrenindustrie). Als Zulieferer dieser zum Teil stark zyklischen Sektoren ist die Metallindustrie selbst konjunkturanfällig. In Subbranchen wie dem Metallbau oder der Schlosserei ist hingegen die Baukonjunktur der Haupttreiber und die Nachfrage deshalb etwas stabiler. Teilweise spielt auch der Privatkonsum eine Rolle, insbesondere in den Bereichen Schneidwaren und Werkzeuge. Der Geschäftsgang der Waffen- und Munitionshersteller wird durch die internationalen Rüstungsbudgets bestimmt. Die Volatilität der Weltmarktpreise für Metall stellt für die Branche eine Herausforderung dar. Die Metallindustrie ist zudem vergleichsweise energieintensiv, vor allem in der Erzeugung und Erstbearbeitung von Metallen. Die Themen Energieeffizienz und Ressourcenschonung spielen aber nicht nur auf der Produktions-, sondern auch auf der Nachfrageseite eine bedeutende Rolle. Eigenschaften wie Beständigkeit, Isolierfähigkeit, Gewicht und Rezyklierbarkeit sind wichtige Entscheidungskriterien bei der Wahl einer Metallanwendung. Nicht selten stehen Metalle in dieser Hinsicht in Konkurrenz zu anderen Materialien wie Kunststoffen oder technischen Textilien. Metallfirmen sehen sich somit mit einem stetigen Innovationsdruck konfrontiert. Aufgrund der teilweise hohen Transportkosten für Metallelemente stellt die physische Nähe zu den Abnehmern einen gewissen Wettbewerbsvorteil dar. Nur rund ein Drittel des Branchenumsatzes wird im Export erzielt. Zu den exportorientierten Sparten gehört insbesondere die Herstellung von Aluminiumund Stahlhalbzeugen, Werkzeugen, Schrauben sowie Waffen. Weil die Schweizer Metallindustrie exportorientierte inländische Branchen wie den Maschinenbau beliefert, ist ihre Auslandabhängigkeit aber insgesamt höher, als die reinen Exportzahlen suggerieren. Die (direkten) Exporte gehen zu 80% in EU- Länder; Deutschland macht alleine 40% aus. Die Importe stammen zu 70% aus den Nachbarländern Deutschland, Italien, Österreich und Frankreich. Wechselkursschwankungen haben daher einen massgeblichen Einfluss auf die Beschaffungskosten, aber auch auf die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ausländischen Konkurrenten. Generell ist die Metallindustrie durch einen starken Preis- und Importdruck geprägt. Einige Subbranchen, wie z.b. die Stahl- und Aluminium- oder die Waffenindustrie, werden von Grossunternehmen dominiert, während in den meisten anderen Sparten die KMU überwiegen. Die kleinbetriebliche Struktur schränkt die Verhandlungsmacht der Unternehmen gegenüber Lieferanten und Abnehmern teilweise ein. Aufgrund des hohen Konkurrenz- und Preisdrucks fällt unsere mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung für die Metallindustrie insgesamt unterdurchschnittlich aus. Nach drei Jahren mit rückläufigen Umsätzen fand die Branche 2014 auf den Wachstumspfad zurück. Die Margen litten jedoch unter tendenziell sinkenden Verkaufspreisen bei gleichzeitig steigenden Importpreisen für Rohmaterialien. Mit der Frankenaufwertung dürften sich die Materialimporte 2015 zwar verbilligen, parallel nimmt aber auch der Importdruck seitens ausländischer Produkte zu. Der schwierigere Geschäftsgang in wichtigen Abnehmerbranchen dürfte zudem die inländische Nachfrage belasten. Umsatz der Metallindustrie Gleitender 4-Quartals-Durchschnitt, Index 1.Q 2005 = 100; Veränderung zum Vorjahr in Prozent Als Zulieferer anderer Industriebranchen reagiert die Metallindustrie stark auf konjunkturelle Entwicklungen. Dementsprechend waren Umsatzschwankungen im zweistelligen Prozentbereich im vergangenen Jahrzehnt keine Seltenheit Veränderung zum Vorjahr (rechte Achse) Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse Umsatz % -30% -45% Die Metallindustrie umfasst die Erzeugung von Metallen und ihre Verarbeitung zu Halbzeugen (NOGA 24; 14% der Gesamtbeschäftigung) sowie die Herstellung und Veredelung von Metallerzeugnissen (NOGA 25). Die mechanischen Werkstätten (31%), der Stahl- und Leichtmetallbau (17%), die Werkzeuge und die Oberflächenbehandlung (je 8%) stellen die grössten Sparten von NOGA 25 dar. 75% 60% 45% 30% 15% 0% Swiss Issues Branchen 17

18 Elektronik Mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung: 0.2 Durchschnittlich Beschäftigte: 25'000 Bruttowertschöpfung: CHF 5.8 Mrd. Anteil an der Schweizer Bruttowertschöpfung: 0.9% Industrieproduktion, Rohstoffpreise, technologischer Fortschritt Konzentriert, exportorientiert, forschungs- und kapitalintensiv Technologieführer im Halbleiter- und Sensorbereich, Anbieter mit Know-how in mobiler Netzwerktechnik Die Schweizer Elektronikbranche ist hauptsächlich auf die Herstellung elektronischer Bauelemente für die Halbleiter- und Sensortechnik ausgerichtet. Diese Produkte gehören zu den Vorleistungsgütern und werden in erster Linie von Industrieunternehmen, welche elektronische Geräte herstellen, von Produzenten der Elektrotechnik, der Gebäudetechnik und des Maschinen- und Fahrzeugbaus sowie von der Präzisionsinstrumentenindustrie nachgefragt. Zudem gilt die Halbleiterindustrie als wichtiger Zulieferer des Energiesektors, insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien. Die starke Abhängigkeit von der Industrieproduktion bedeutet, dass die grösste Subbranche der Elektronik, die Herstellung von elektronischen Bauteilen, überdurchschnittlich stark konjunkturellen Einflüssen unterliegt. Die Herstellung von Telekommunikationsgeräten, die zweitgrösste Subbranche, hängt stark von den Investitionen der Kunden ab. Dazu gehören private, staatliche und staatsnahe Betriebe aus dem Verteidigungs-, Verkehrsund Telekommunikationsbereich, welche in der Regel eine weniger zyklische Nachfrage aufweisen. Die Elektronikbranche ist relativ stark konzentriert. Die mittlere Betriebsgrösse liegt bei 30 Mitarbeitenden. Ein wichtiger Teil des Umsatzes wird im Ausland erzielt, dabei sind die elektronischen Bauteile die anteilsmässig wichtigsten Exportgüter. Die EU (überwiegend Deutschland), die USA und China gehören zu den bedeutendsten Märkten. Schwankungen im Angebot und in den Preisen von Industrieund Hightech-Metallen (seltenen Erden) können die Produktion und die Produktionskosten massgeblich beeinflussen. Zudem prägen die hohe Innovationsrate und die kurzen Produktlebenszyklen die Branche stark. Um die Technologieführerschaft zu behalten, sind grosse Investitionen in die Forschung und Entwicklung notwendig. Dies macht die Elektronikbranche äusserst forschungs- und kapitalintensiv. Die Schweizer Hersteller spezialisieren sich daher auf die Herstellung von qualitativ hochwertigen und wissensintensiven Produkten für Nischenmärkte, während arbeitsintensive Produktionsschritte in Billiglohnländer ausgelagert werden. Im Innovationsbereich profitiert die Branche von der Nähe zu den technischen Hochschulen. Die Nachfrage nach spezialisierten Fachkräften ist sehr hoch, und der Fachkräftemangel stellt ein Risiko dar: das inländische Arbeitskräfteangebot alleine kann die natürlichen, altersbedingten Fluktuationen nicht ausgleichen, weshalb die Branche auf ausländische Fachkräfte angewiesen ist. Die volatile Preis- und Angebotsentwicklung auf den Rohstoffmärkten sowie der hohe ausländische Konkurrenzdruck sind die grössten Herausforderungen für die Elektronikbranche. Insgesamt schätzen wir das mittelfristige Chancen- Risiken-Verhältnis als durchschnittlich ein. Die Exporte waren 2014 in allen Subbranchen der Elektronik rückläufig. Damit konnte die Branche nicht an die Erholung vom Vorjahr anknüpfen. Besonders die Exporte elektronischer Bauelemente sanken stärker als Für 2015 rechnen wir nicht mit einem Aufschwung. Im Export werden die positiven Effekte einer leicht anziehenden globalen Konjunktur durch die Frankenaufwertung überschattet. Auf dem Inlandmarkt dürfte die Elektronikbranche als Zulieferer die Verlangsamung wichtiger Abnehmerbranchen aus der Industrie zu spüren bekommen. Exporte der Elektronik Veränderung zum Vorjahr in Prozent; in CHF Mrd war für die Schweizer Elektronik exportmässig das weitaus schlechteste Jahr seit Die Ausfuhren von elektronischen Bauelementen sanken in den letzten vier Jahren und waren damit aufgrund ihrer anteilsmässigen Wichtigkeit hauptsächlich für die rückläufigen Exporte seit 2010 verantwortlich. 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% -10% -20% -30% -40% Elektronische Bauelemente Datenverarbeitungs- und periphere Geräte Telekommunikationstechnik Unterhaltungselektronik Exporte Total (rechte Achse) 2005* 2006* 2007* ** Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung *Werte durch Reexportaktivitäten im Rahmen eines Mehrwertsteuerbetrugs verzerrt; **Werte 2014 von Credit Suisse geschätzt Die Elektronik (NOGA 261 bis 264) umfasst die Herstellung von elektronischen Bauteilen und Leiterplatten (knapp 80% der Beschäftigten), Datenverarbeitungs-, Telekommunikations- und peripheren Geräten sowie die Unterhaltungselektronik Swiss Issues Branchen 18

19 Uhrenindustrie Mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung: 0.6 Überdurchschnittlich Beschäftigte: 47'600 Bruttowertschöpfung: CHF 10.8 Mrd. Anteil an der Schweizer Bruttowertschöpfung: 1.8% Globale Luxusnachfrage, Wohlstandsentwicklung, Konsumentenstimmung, globale Reiseströme Stark exportorientiert, konzentriert, zunehmend vertikal integriert Grosse Uhren- und Luxuskonzerne; Marken mit geografisch gut diversifizierten Absatzmärkten; Zulieferer mit strategischem Know-how, insbesondere im Uhrwerkbereich Die Branche realisiert über 80% ihres Exportumsatzes mit Uhren, welche ab Werk mehr als CHF 500 kosten. 95% der Produktion werden im Ausland verkauft. Die Schweizer Uhrenindustrie gehört somit zum globalen Luxusgütermarkt, welcher primär durch die Wohlstandsentwicklung, insbesondere in Schwellenländern, getrieben wird. Auch die Konsumentenstimmung und weitere länderspezifische Parameter beeinflussen die Nachfrage. So führten die Konjunkturabkühlung sowie die Einführung verschärfter Antikorruptionsgesetze 2013 zu einem Rückgang der Uhrenexporte nach China. Zusammen mit Hongkong ist China der grösste Exportmarkt der Branche (25% der Ausfuhren), vor den USA (11%). Positive Impulse werden indes vom Freihandelsabkommen mit China erwartet: Mit dessen Inkrafttreten am 1. Juli 2014 fand bereits eine erste Senkung der Importzölle auf Schweizer Uhren statt. Die Zollabgaben betrugen bis dahin zwischen 11% und 23%. Auch in anderen Wachstumsmärkten wie Indien oder Brasilien werden Schweizer Uhren durch hohe Zölle und Steuern verteuert. In manchen Ländern (z.b. Schweiz, Hongkong) machen Touristen einen wichtigen Anteil der Endkunden aus. Ereignisse, die den Reiseverkehr beeinträchtigen (u.a. politische Instabilität, Seuchen) können den Uhrenabsatz belasten. Mit Smartwatches drängen Technologiefirmen (die prominenteste davon Apple) zunehmend in den Uhrenmarkt. Das Luxusuhrensegment dürften sie jedoch kaum ernsthaft gefährden. Luxusuhren (meist mechanische) werden aufgrund ihrer Langlebigkeit, technischer Finessen oder ihrer Rolle als Statussymbol gekauft und erfüllen somit andere Funktionen als Computer- Uhren. Für Quarzuhren im unteren und mittleren Preissegment könnten Smartwatches hingegen zu Konkurrenten werden. 63% der Branchenbeschäftigten arbeiten in Grossunternehmen. Die Uhren- und Luxuskonzerne Swatch Group, Richemont, Rolex und LVMH besitzen die Mehrheit der umsatzträchtigsten Schweizer Uhrenmarken sowie mehrere Komponentenhersteller. Die Branche umfasst daneben noch zahlreiche kleinere, unabhängige Firmen. Die Konzentration nahm in den letzten Jahren zu, nicht zuletzt als Folge der wachsenden Vertikalisierung der Produktion (Kauf von Zulieferern, Aufbau eigener Kapazitäten). Der 2013 von der Wettbewerbskommission genehmigte Entscheid der Swatch-Tochterfirma ETA, die Lieferungen von Uhrwerken an Drittfirmen bis Ende 2019 schrittweise einzustellen, erhöht den Druck insbesondere auf weniger finanzkräftige unabhängige Anbieter. Eine Fortsetzung der vertikalen, aber auch der horizontalen Integration (Kauf von Marken) scheint daher wahrscheinlich. Auch im Vertrieb ist mit der steigenden Anzahl marken- bzw. gruppeneigener Boutiquen ein Trend zur vertikalen Integration beobachtbar. Der Fachkräftemangel bereitet der Branche Sorgen. Der Anteil der Grenzgänger an der Beschäftigung ist vergleichsweise hoch. Das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative könnte deshalb negative Folgen haben. Trotz der oben genannten Herausforderungen schätzen wir das mittelfristige Chancen- Risiken-Profil der Branche als überdurchschnittlich ein. Mit dem künftigen Wohlstandswachstum in Schwellenländern ist weiterhin grosses Nachfragepotenzial vorhanden. Die Uhrenindustrie verzeichnete 2014 das vierte Jahr in Folge rekordhohe Exporte. Das Wachstum blieb aber wie im Vorjahr im unteren einstelligen Prozentbereich. Wichtige Nachfrageimpulse kamen aus Japan und den USA, während sich rückläufige Exporte in die wichtigsten europäischen Märkte und stagnierende Ausfuhren nach China/Hongkong bremsend auswirkten. Die Entwicklung der chinesischen Nachfrage bleibt 2015 der wichtigste Unsicherheitsfaktor. Der erstarkte Franken wird zudem je nach Positionierung der Unternehmen das Umsatzwachstum bzw. die Margen belasten. Exporte von Kleinuhren Gleitender 12-Monats-Durchschnitt, Index Januar 2005 = 100 Die Schweizer Uhrenindustrie wurde in den letzten Jahren immer luxusorientierter exportierte sie rund 4.5% weniger Uhren als Der durchschnittliche Exportpreis stieg aber gleichzeitig um über 20% auf CHF Stückzahl Exportumsatz Durchschnittlicher Exportpreis Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse Die Uhrenindustrie (NOGA 2652) umfasst die Herstellung und Zusammensetzung von Klein- und Grossuhren sowie die Produktion von Uhrwerken und anderen Uhrenbestandteilen. Swiss Issues Branchen 19

20 Elektrotechnik Mittelfristige Chancen-Risiken-Bewertung: 0.4 Durchschnittlich Beschäftigte: 34'500 Bruttowertschöpfung: CHF 5.3 Mrd. Anteil an der Schweizer Bruttowertschöpfung: 0.9% Private und öffentliche Investitionen, Bedarf an Energie und Infrastruktur, Umweltbewusstsein, technologischer Fortschritt Exportorientiert, konzentriert, kapital- und forschungsintensiv Technologisch führende Unternehmen, die energieeffiziente und umweltfreundliche Produkte entwickeln Die Elektrotechnik umfasst die Herstellung von Produkten zur Erzeugung, Umwandlung, Verteilung, Speicherung und Verwendung von Elektrizität. Primär handelt es sich um Investitionsgüter, mit Ausnahme der Haushaltsgeräte, welche zu den langlebigen Konsumgütern gehören. Zu den wichtigsten Auftraggebern zählen die Industrie (Maschinen- und Fahrzeugbau), die Energieversorger, das Baugewerbe und die Eisenbahnen. Die privatwirtschaftliche Nachfrage wird vorwiegend von Unternehmensinvestitionen getrieben und unterliegt daher relativ stark konjunkturzyklischen Einflüssen, während die staatliche Nachfrage von Grossaufträgen im Energie- und Infrastrukturbereich bestimmt wird. Derweil hängt die Nachfrage nach Haushaltsgeräten vom privaten Konsum ab. Laut der internationalen Energieagentur (IEA) wird sich der weltweite Energieverbrauch bis 2040 um mehr als ein Drittel erhöhen. Über zwei Drittel des Wachstums dürften auf Nicht- OECD-Länder entfallen und dort hohe Neuinvestitionen in die Energieinfrastruktur mit sich bringen, während in den Industriestaaten mehrheitlich Ersatz- und Erneuerungsinvestitionen im Vordergrund stehen. Der Trend zur Produktion von Elektrizität aus erneuerbaren Energien (Stichwort Energiestrategie 2050) und ein wachsendes Umweltbewusstsein werden die Nachfrage nach elektrotechnischen Produkten stärken und stellen wichtige Innovationstreiber dar. Sie eröffnen insbesondere für Anbieter von energieeffizienten, qualitativ hochwertigen Produkten gute Wachstumsmöglichkeiten. Die Elektrotechnik ist eine stark exportorientierte Branche. 63% der Exporte gehen in die Europäische Union. Deutschland steht im Länderranking mit einem Anteil von 30% unbestritten an erster Stelle. In die USA werden knapp 9% ausgeführt. Nicht-Industriestaaten wie China oder Saudi-Arabien werden zunehmend wichtiger: China (6%) hat Frankreich als drittwichtigstes Exportland bereits abgelöst, während Saudi- Arabien (4%) bereits an sechster Stelle liegt. Die Gesamtbranche ist konzentriert: Über 80% der Beschäftigten sind in einem Mittel- oder Grossbetrieb angestellt. Die starke Verflechtung mit dem Ausland setzt die Unternehmen einem grossen internationalen Wettbewerbsdruck aus. Dieser wird durch Kostennachteile am Standort Schweiz zusätzlich erhöht. Mögliche Fokussierungsstrategien ergeben sich für Schweizer Firmen durch einen hohen Automatisierungsgrad, über die Technologieführerschaft und mit erstklassigen Servicedienstleistungen. Global agierende Unternehmen lagern deshalb arbeitsintensive Produktionsschritte ins Ausland aus und konzentrieren sich vorwiegend auf kapital- und wissensintensive Schritte wie die Forschung und Entwicklung. Das Chancen-Risiken-Profil schätzen wir angesichts des Potenzials der erwähnten Trends im Energiebereich bei gleichzeitig hohem Wettbewerbsdruck insgesamt als durchschnittlich ein. Die schleppende Konjunkturentwicklung in Europa liess die Exporte der Elektrotechnik 2014 sinken. Der Umsatz ging ebenfalls zurück, aber weniger stark als die Ausfuhren, was ein Indiz dafür ist, dass sich der binnenorientierte Teil der Branche etwas besser entwickelte. Die Aussichten für 2015 bleiben trübe. Der starke Franken wird sich belastend auf die Umsätze und die Margen auswirken. Das erwartete leichte Anziehen der Weltkonjunktur, insbesondere im zweitgrössten Exportmarkt USA, könnte den Schock allerdings etwas lindern. Produktion der Elektrotechnik Veränderung zum Vorjahr in Prozent Die Produktion der Elektrotechnik ist aufgrund ihrer hohen Zyklizität deutlich volatiler als jene der gesamten Industrie. Besonders in der Boom- (bis 2008), der Krisen- (2009) und der Erholungsphase (2010) schwankten die Produktionszahlen stärker. In den letzten Jahren setzte die Frankenstärke der Branche stark zu. 40% 30% 20% 10% 0% -10% -20% Produktion Industrie Produktion Investitionsgüter -30% Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse Produktion Elektrotechnik Die Elektrotechnik (NOGA 27) wird nach Produktegruppen in die Bereiche Elektrizitätserzeugung, -führung und -verteilung (Generatoren/Kabel/Schalter), Elektrizitätsverwendung (Elektromotoren, Haushaltsgeräte) und Energiespeicherung (Batterien) eingeteilt. Gemessen am Anteil der Exporte ist die Subbranche der Elektromotoren, Generatoren und Transformatoren (NOGA 271) mit über 70% die bedeutendste. Entsprechend stellt sie auch den grössten Beschäftigungsanteil (37%). Swiss Issues Branchen 20

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