Hochschule für Technik in Brugg-Windisch

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1 Ausbildungskonzept für die Bachelor-Studiengänge der Hochschule für Technik in Brugg-Windisch Verabschiedet an der SGL-Klausur vom 2. März 2010 Version: 22. Juni 2015

2 Vorwort Das Ausbildungskonzept ist sozusagen die Verfassung der Hochschule für Technik der FHNW. Es beschreibt, wie wir in der Bachelor Ausbildung unser Ziel - die nachhaltige Berufsbefähigung der Absolventinnen und Absolventen - erreichen wollen. Dieses Ausbildungskonzept ist entstanden im Zuge der Bologna-Reform. Es ist das Resultat einer mehrjährigen Entwicklungsarbeit durch die Dozentenschaft der Hochschule für Technik und hat in der vorliegenden Form bereits Anpassungen und Verbesserungen mitgemacht. Wir finden, dass dieses Ausbildungskonzept vergleichsweise weit geht in der Verfolgung der durch die Bologna-Reform gesetzten Ziele, nämlich grössere Freiheit der Studierenden bezüglich Modulwahl (Individualisierbarkeit des Studiums) und im Gegenzug viel grössere Eigenverantwortung der Studierenden, vermehrtes Selbststudium, Outcome-Orientierung, grössere Palette an Lehrformen usw. Alles Ziele übrigens, die aufgrund der heutigen Anforderungen der Ingenieurberufe durchaus berechtigt sind. Wir behaupten nicht, dass unser Ausbildungskonzept der einzige richtige Weg ist. Wichtig für die erfolgreiche Ausbildung ist aber, dass das zu Grunde liegende Konzept einheitlich ist, dass die Studierenden Kohärenz erkennen in der Lehrtätigkeit der vielen Dozierenden, die sie im Laufe ihres Studiums antreffen. Aus diesem Grund ist dieses Ausbildungskonzept bindend für sämtliche Dozierenden. Es gibt den Dozierenden aber auch Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten, und es ist erwünscht, dass die Dozierenden ihren Handlungsspielraum ausnutzen. Das Ausbildungskonzept ist auch das Rahmenwerk für eine gemeinsame Sprache unter den Dozierenden und zwischen Dozierenden und Studierenden und damit auch für ein gemeinsames Handeln im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel: aus unseren Studierenden langfristig erfolgreiche Ingenieurinnen und Ingenieure zu machen. Stefan Höchli Leiter Ausbildung HT Ausbildungskonzept 2/37

3 Inhaltsverzeichnis Einleitung Umfeld, Rahmenbedingungen Bologna-Reform Berufsbild IngenieurIn Konzept Struktur der Ausbildung Projektschiene Fachausbildung Fachgrundlagen Fachvertiefung Fachergänzung Kontext Freie Module Curriculum Modulgruppen Module Modulbeschreibung Taxonomie nach Bloom Drehbuch Modulverantwortliche, Modulgruppenverantwortliche Umsetzung Lehrbetrieb Moduldurchführung Eine Zeitabschätzung Unterrichtsgestaltung Evaluation Modulschlussprüfungen (MSP) Formative und summative Evaluationen Noten Zusammenarbeit Studierende Eigenverantwortung Assessment Unterstützung für die Studierenden Beratung der Studierenden bei der Modulwahl Anhang 1: Abkürzungen Anhang 2: Kompetenzliste (Bsp. Elektro- und Informationstechnik) Anhang 3: Berufsbild Bachelor (Bsp. Elektro- und Informationstechnik). 36 Anhang 4: Berufsbild Master (Bsp. Elektro- und Informationstechnik) HT Ausbildungskonzept 3/37

4 Einleitung Dieses Dokument beschreibt das Ausbildungskonzept und die Struktur der Bachelor- Studiengänge (Ba-SG) an der Hochschule für Technik (HT). Seit Herbst 2006 erfolgt die Ausbildung nach diesem Konzept. Dieses Dokument richtet sich an die Dozierenden mit dem Ziel, dass alle Dozierenden die Hintergründe des Konzeptes kennen ihren Unterricht mit einem Blick auf das Ganze vornehmen können befähigt sind, als Coach Studierende zu beraten an der Weiterentwicklung der Studiengänge mithelfen können. Die Angaben in diesem Dokument gelten für fast alle Studiengänge (SG) der Hochschule für Technik. Ausgenommen sind die SG Mechatronik (trinational) und Optometrie. Die Ausbildung im SG Optometrie lehnt sich weitmöglichst an dieses Konzept an und ist in einem eigenen Dokument beschrieben. HT Ausbildungskonzept 4/37

5 1 Umfeld, Rahmenbedingungen 1.1 Bologna-Reform In wenigen Stichworten heisst Bologna: Die tertiäre Ausbildung ist dreistufig: Bachelor, Master, PhD (letzteres ist nicht an FH machbar). Jede Stufe ist berufsbefähigend. Das Studium ist modularisiert, d.h. jedes Modul zählt für sich alleine. Es gibt also keine Semester- oder Jahrespromotion. Das Studium ist individualisierbar. Das Studium liegt in der Verantwortung des Studierenden. Die Lerntätigkeit umfasst etwa 50 % Selbststudium. Die KFH (Konferenz der Fachhochschulen der Schweiz) hat als Hilfestellung das Dokument "Die Konzeption gestufter Studiengänge: Best Practice und Empfehlungen" veröffentlich (als pdf-datei holbar unter: ) und darin beschrieben, wie in der Schweiz die Ba-SG aufgebaut sein sollen. Diese Vorgabe lässt den FH viele Freiheiten, die Verantwortung für einen "guten" SG liegt also immer noch bei den einzelnen Schulen und lässt sich nicht an die KFH oder "Bologna" abschieben! Die Herausforderung der Bologna-Reform liegt primär in der didaktischen Umsetzung und nicht in der Strukturanpassung! Begriffsdefinition: Vollzeitstudium: Die Studierenden erarbeiten etwa 30 Credits pro Semester und haben ihr Studium in der Minimalzeit von sechs Semestern abgeschlossen (falls sie die Prüfungen bestehen). Berufsbegleitendes Studium: Die Studierenden haben neben dem Studium eine feste Anstellung in einem der Studienrichtung verwandten Beruf. Einige Credits werden diesen Studierenden aufgrund ihrer qualifizierten Berufstätigkeit angerechnet. Die Schule nimmt Rücksicht auf die Doppelrolle der Studierenden, indem die Unterrichte an Abenden, am Samstag und an einem einzigen weiteren Wochentag stattfinden. Das Studium dauert normalerweise 4 Jahre. Teilzeitstudium: Die Studierenden erarbeiten weniger als 30 Credits pro Semester und verlängern so ihre Studienzeit. Die Schule nimmt keine Rücksicht darauf, d.h. der Stundenplan wird für Vollzeitstudierende erstellt, die Teilzeitstudierenden wählen jene Module, die zeitlich passen. Dies verbietet meistens eine anspruchsvolle Tätigkeit neben dem Studium, entsprechend haben die Teilzeitstudierenden alle 180 Credits an der Schule zu erarbeiten. HT Ausbildungskonzept 5/37

6 1.2 Berufsbild IngenieurIn Die HT nahm die Bologna-Reform zum Anlass, die Ingenieurausbildung ausgehend von aktualisierten Berufsbildern grundsätzlich neu zu gestalten. Die KFH spricht in den "Best Practice" von Kompetenzen und nicht von Fächern. Die FTAL (Fachkommission Technik, Architektur und Life Sciences, d.h. die Direktoren der entsprechenden Schulen) hat die Kompetenzliste verfeinert (siehe Kasten "Kompetenzliste nach KFH + FTAL", S. 5). Diese Kompetenzen müssen natürlich mit dem Berufsbild in Übereinklang sein. Diese Berufsbilder wurden SG-weise mit Vertretern der Wirtschaft ausgearbeitet, vgl. Anhänge 3 und 4 (Beispiel SG EIT). Die Berufsbilder für die Master-Absolventen dienten v.a. dazu, den Unterschied zum Bachelor herauszuarbeiten. Die Studiengänge konnten die generisch formulierte Kompetenzliste nach KFH+FTAL ergänzen, anpassen und "ausdeutschen" und somit für ihre Bedürfnisse konkretisieren. Im Anhang 2 ist das Beispiel des SG EIT aufgeführt. Das Absolventenprofil ist das Inventar an Kompetenzen, das vom Diplomanden erwartet wird. Einige Kompetenzen lassen sich an der Schule nicht oder nur schlecht ausbilden, sie sind aber berufsrelevant und werden "on job" erlernt. Die Berufsbilder (Anhänge 2 und 3) umfassen auch die erst später erworbenen Kompetenzen. Das Ziel der Ausbildung ist eine nachhaltige Berufsbefähigung. So prägnant dieser Ausdruck auch ist, er muss (dauernd!) diskutiert werden. Wichtig ist, dass sich die Dozentenschaft einig darüber ist, was unter einer nachhaltigen Berufsbefähigung zu verstehen ist. Das folgende Zitat aus einer Marktstudie (2006) 1 gibt Anhaltspunkte: Die Persönlichkeit und Kommunikationsfähigkeit der Hochschulabsolventen ist mindestens so wichtig wie ihre fachliche Kompetenz. Versatilisten sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Diese zeichnen sich aus durch eine grundsätzlich breite Ausbildung, kombiniert mit einer Vertiefung innerhalb der Disziplin. Unter anderem durch die fachliche Vertiefung während des Lehrgangs können die wichtigen methodischen Kompetenzen gefördert werden. Der Umsetzung der praxisorientierten Vertiefung kommt eine grosse Bedeutung zu. Diese sollte möglichst realitätsnah und keinesfalls unter wattierten Bedingungen stattfinden. 1 Meissner J., Vannoni S.: Abschlussbericht Marktstudie FTAL-Master, Wirtschaftswissenschaftliches Institut der Universität Basel, September 2006 HT Ausbildungskonzept 6/37

7 Kompetenzliste nach KFH + FTAL Fachkompetenz Technische Kompetenz (hard) - Grundwissen und Spezialwissen aus dem eigenen Fachgebiet und aus den zugehörigen Wissenschaftsdisziplinen - Mathematische und naturwissenschaftliche Grundlagen - Wissen über fachbereichsspezifische Methoden, Verfahren, Technologien - Umgang mit IT- und Kommunikationsmitteln Generische Kompetenz (soft) - Allgemeinbildung (historisch, kulturell, politisch, gesellschaftlich) - Sprachkompetenz - Betriebswissenschaftliche Grundlagen (u.a. Markt- und Kundenorientierung) - Grundlagenwissen der Rechtslehre - Wissen über Ökologie und Nachhaltigkeit - Wissen über die Geschichte und Entwicklung des jeweiligen Fachbereiches - Wissen über Organisation und Struktur im jeweiligen Fachbereich/Beruf Methodenkompetenz - Fähigkeit zur Analyse und Synthese (wissenschaftliche Arbeitsweise) - Fachbereichs- und berufsspezifische Problemlösungsmethoden beherrschen: Entwicklungs- und Testmethodik, Systemdenkweise - Projektmanagement, Prozessorientierung - Über effiziente Arbeitstechniken verfügen (persönliche Arbeitstechnik) - Interne und externe Ressourcen erschliessen können - Mit anderen Fachleuten und Behörden zusammenarbeiten können - Die eigene Arbeit auswerten und die Resultate anderen zugänglich machen - Berufliche Anliegen gegenüber der Öffentlichkeit vertreten können (Präsentationstechnik, sich verkaufen können) - Kreativitätstechnik Sozialkompetenz - Beziehungsfähigkeit - Rollenflexibilität - Teamfähigkeit - Kritikfähigkeit - Konfliktfähigkeit - Ehrlichkeit, Offenheit - Zuhören können Selbstkompetenz - Selbstreflexion - Selbstständigkeit - Flexibilität - Belastbarkeit, Durchhaltewillen - Lernfähigkeit - Zuverlässigkeit - Fähigkeit zum strukturierten Denken - Motivation, Selbstmotivation - Leadership HT Ausbildungskonzept 7/37

8 2 Konzept 2.1 Struktur der Ausbildung Die Ausbildung ist in drei Bereiche gegliedert, vgl. Abbildung 1: Abbildung 1: Struktur der Bachelor-Studiengänge Fachausbildung (mindestens 111 Credits, SG EUT und WING: 114 Credits) 2 - Fachgrundlagen (je nach SG mindestens Credits) - Fachvertiefung (mindestens 18 Credits) - Fachergänzung (mindestens 0 Credit) Kontextausbildung (mindestens 22 Credits, SG EUT und WING: 18 Credits) 2 - Kommunikation (mindestens 4 Credits) - Englisch (mindestens 8 Credits) - Betriebswirtschaft (mindestens 4 Credits, SG EUT und WING: 0 Credits) 2 - Geistes- und sozialwissenschaftliche Wahlpflichtmodule (mindestens 6 Credits) Projekte (42 Credits) 2 Bei den SG EUT und WING weichen die Zahlen etwas ab, weil die BWL in die Fachausbildung integriert ist und nicht im Kontext angesiedelt ist. HT Ausbildungskonzept 8/37

9 2.1.1 Projektschiene Die Projektausbildung umfasst fünf Semesterprojekte (je 6 Credits) und die Bachelor-Thesis (12 Credits). Im Rahmen dieser Projekte werden die Methoden des Projektmanagements, des System Engineerings und des Teamworks anhand realer Aufgabengabenstellungen vermittelt und geübt. Die Projekte ergänzen die Ausbildung aus dem Fach- und Kontextbereich, sie vermitteln aber auch Kompetenzen wie Teamarbeit, Arbeitstechnik, Kommunikation, Eigeninitiative, Kreativitätsmethoden, Ausnutzen und Erweitern des eigenen Handlungsspielraumes, Durchhaltefähigkeit usw., welche mit herkömmlichen Lernmethoden gar nicht ausbildbar sind. Projektunterricht im Ingenieurstudium wird nicht eingeführt, weil diese Lernform eine besonders effiziente Methode der Stoffvermittlung wäre, sondern weil die Arbeitgeber von unseren Absolvierenden vermehrt Kompetenzen im sozialen, kommunikativen und organisatorischen Bereich erwarten. Die Aufgabestellung von Projektmodulen ist deshalb so komplex zu gestalten, dass Teamarbeit nötig und die Differenzierung von Rollen im Team unausweichlich wird. Die Funktionszuteilung (Rollenzuteilung) soll im Team selbst ausgehandelt werden, in der Iteration der Projekte ist auf Rollenwechsel zu achten. Die Formulierung der fachlichen Problemstellungen ist offen. Die Präzisierung der Problemstellung ist Aufgabe der Projektteams. Fachliche Unterstützung bei den Projekten erhalten die Studierenden durch Betreuer aus dem Fach- und Kontextbereich. "Lektionen" im herkömmlichen Sinn sollen aber die Ausnahme sein und allenfalls auf Bestellung der Studierenden stattfinden. Ein wesentliches Ziel des Projektunterrichts ist nämlich das Selbständigwerden im Lernen. Diagnose von Wissenslücken, Informationssuche, Informationsbewertung und Informationsverwendung sowie Methodengenerierung müssen vom Team selbst vorgenommen werden. Die sog. "Projektschiene" ist also das Gefäss für die Entwicklung von Methoden- und Sozialkompetenzen. Wesentlich ist hier, dass die Studierenden die treibende Kraft sind und nicht die Dozierenden. Letztere übernehmen in der Rolle als Betreuer keine Funktion als Antriebskraft. Mindestens ein Projekt (meistens das Projekt 3 oder 4) hat einen Anteil in Englisch. Die Projekte sollen externe Auftraggeber haben. Es wurde an der HT eine Organisation für die Aquisition von externen Projektaufträgen aufgebaut. Diese ist eine Ergänzung zu den Netzwerken der Institute und Dozierenden. Die Projektschiene dürfte wohl die grösste Herausforderung an uns Dozierende stellen. Abgesehen von der komplett anderen Rolle als Betreuer müssen wir uns auch der Schwierigkeit der Evaluation von soft skills stellen. Zudem begeben sich die Studierendengruppen wie auch die Betreuergruppen in einen Zielkonflikt zwischen der Gewichtung der verschiedenen Kompetenzen. Auf der andern Seite bietet die Projektschiene die Chance, z.b. das Rollenverhalten am "lebenden Objekt" zu erfahren und zu schulen sowie Sozialund Selbstkompetenzen zu entwickeln. Zudem entlastet die Projektschiene die Fachmodule vom Zwang, Sozial- und Selbstkompetenzen auszubilden und zu evaluieren. Die Projektausbildung liegt in der Verantwortung der Studiengänge, die Hochschule für Technik macht aber Vorgaben. HT Ausbildungskonzept 9/37

10 2.1.2 Fachausbildung Die Fachausbildung liegt in der Verantwortung der Studiengänge, eine Kooperation zwischen den Studiengängen ist aber Bestandteil des Konzeptes. Die Fachausbildung ist gegliedert in die Bereiche Fachgrundlagen (je nach SG mindestens Credits) Fachvertiefung (mindestens 18 Credits, identisch für alle SG) Fachergänzung (mindestens 0 Credit, nicht bei allen SG vorhanden) Fachgrundlagen Die Fachgrundlagen gehen in die Breite. Der kurzfristige Wert (d.h. für die Zeit des Studiums) der Fachgrundlagen liegt in der Erarbeitung der fachlichen Voraussetzungen für die Vertiefung. Der langfristige Wert (d.h. für die Phase der Berufsausübung) liegt in den Fachinhalten, da diese nicht so schnell veralten. Deswegen soll im Bereich Mathematik und Naturwissenschaften ein Akzent gesetzt werden und nicht nur das absolut Notwendige zum Verständnis der anderen Module vermittelt werden. Gerade in diesen Gebieten ist ein autodidaktisches Lernen sehr schwierig, deshalb sollen die Studierenden in Mathematik und Naturwissenschaften durchaus etwas auf Vorrat lernen. Die Module der Fachgrundlagen sind gruppiert in mehrere Wahlpflichtgruppen, von jeder Gruppe muss eine definierte Minimalzahl an Credits erarbeitet werden. Dies ergibt eine Pflicht zur Breite. Promotionstechnisch ist es irrelevant, von welchen Modulen innerhalb einer Gruppe die Credits stammen, die Wahl der Module innerhalb der Gruppen ist demnach grundsätzlich frei. Fachlich macht nicht jede Reihenfolge und auch nicht jede Kombination Sinn, Empfehlungen je nach gewünschter Profilierung erleichtern dem Studierenden die Auswahl Fachvertiefung Die Fachvertiefung geht in die Tiefe und hat exemplarischen Charakter. Der Langfristnutzen für die Studierenden liegt in der Methodik, nicht in den Fachinhalten, da letztere (im Gegensatz zu den Fachgrundlagen) rasch veralten. Es geht also nicht darum, was ein Student vertieft, sondern dass er vertieft. Entsprechend werden aus der Fachvertiefung nur 18 Credits verlangt. Die Vertiefung findet üblicherweise im dritten Studienjahr statt, der Studierende lernt an wählbaren Beispielen, wie man sich in ein Gebiet bis zum Stand der Technik einarbeitet. Der Ausdruck Vertiefung bezeichnet eine zeitliche Phase der Fachausbildung mit einer speziellen methodischer Ausrichtung. Die inhaltliche Ausrichtung innerhalb der Vertiefung heisst Profilierung. Die Studierenden können sich thematisch konzentrieren, dazu bietet jeder SG sog. Profilierungen an. Jede Profilierung umfasst exakt 18 Credits und deckt damit gerade die Minimalanforderung für die Vertiefung ab. Eine Wahl innerhalb der Profilierung gibt es nicht. Damit lässt sich verhindern, dass Module mit schwierigem Inhalt umschifft werden. HT Ausbildungskonzept 10/37

11 Da der wesentliche Aspekt der Fachvertiefung die Methodik ist und nicht die Fachinhalte, muss man konsequenterweise vom Studierenden keine Profilierung verlangen. Die Studierenden können ein Profil wählen und belegen somit zwangsläufig alle 6 Module dieses Profils. In diesem Fall wird das Profil im Bachelor-Zertifikat namentlich ausgewiesen. Die Studierenden können aber auch ihr eigenes Menu innerhalb der Fachvertiefung zusammenstellen (soweit dies der Stundenplan zulässt!), sie müssen aber 18 Credits aus der Fachvertiefung erarbeiten. Jedes Modul eines Profils gehört zur Fachvertiefung, evtl. auch noch zu einem andern Profil. Umgekehrt kann es aber Vertiefungsmodule geben, die zu keinem Profil gehören. Promotionstechnisch bilden sämtliche Module der Vertiefung eines SG eine einzige Modulgruppe, aus der mindestens 18 Credits erarbeitet werden müssen. Die Kernkompetenz, welche in der Fachvertiefung geschult wird, ist die Methodik. Z.B. die Fähigkeit, sich selber neuen Stoff aneignen zu können, mehrere Quellen zu benutzen und zu vergleichen, das selber erarbeitete Wissen zu verifizieren und weiterzugeben usw. Es ist deshalb nicht nur nicht notwendig, sondern sogar falsch, wenn in der Fachvertiefung mit vollständigen und sauberen Scripts gearbeitet wird. Vielmehr sollen die Studierenden hier teilweise "Baustellen" vorfinden, sich den Stoff selber aneignen, mit Artikeln aus wissenschaftlichen Publikationen arbeiten, sich Inhalte gegenseitig beibringen usw. Vom Standpunkt der reinen Stoffvermittlung her betrachtet mag dies ineffizient erscheinen, entspricht aber der Zielsetzung der Fachvertiefung. Im Rahmen des SG Informatik gibt es ein Profil icompetence. Dieses Profil umfasst fast für das ganze Studium spezielle Module, welche nur im Profil icompetence benutzt werden. Die fachliche Ausrichtung wird also über das ganze Studium verfolgt. In diesem Profil entfällt die Modulgruppe "Vertiefung". Das Curriculum besteht aber auch aus Modulgruppen, welche verschiedene Kompetenzbereiche abdecken. Der methodische Aspekt der Vertiefung wird in diesen Modulgruppen wahrgenommen Fachergänzung Die Fachergänzung besteht aus einer einzigen Modulgruppe, keines der Module aus dieser Gruppe muss besucht werden. Diese Module haben also den Stellenwert "ist ja auch ganz schön, muss aber nicht unbedingt sein". Hier dürfen ruhig auch etwas exotische Angebote drin sein. Je grösser das Angebot, desto weniger Studierende melden sich aber für ein bestimmtes Modul an. Die Durchführung der Module aus der Gruppe Fachergänzung ist deshalb nicht garantiert, ebensowenig die Konstanz dieses Angebotes. Mit den Minimalforderungen aus Fachgrundlagen und Fachvertiefung haben die Studierenden genügend Freiraum, auch Module der Fachergänzung zu belegen. Ausnahme: Beim SG WING sind aus den Fachgrundlagen minimal 96 Credits gefordert, dort entfällt darum die Fachergänzung. Ein bestimmtes Modul kann im SG x in der Vertiefung oder einer Modulgruppe der Fachgrundlagen sein, während es beim SG y zur Fachergänzung gehört. HT Ausbildungskonzept 11/37

12 2.1.3 Kontext Der Kontextbereich befasst sich mit der Ausbildung in Sprachen (Deutsch, Englisch), Betriebswirtschaft und Gesellschaft/Kultur. Dieser Kontextbereich liegt in der Verantwortung der HT und nicht eines einzelnen Studienganges. Die angebotenen Module sind identisch für alle Studierenden der HT, für den Unterricht werden alle Studierenden der HT durchmischt. Damit lassen sich Stärkeklassen und ein umfangreicheres Angebot realisieren. Das Konzept für die Kontextausbildung ist auf dem Web detailliert beschrieben und wird deshalb hier nicht wiederholt: Die Abwicklung des Unterrichtes im Kontextbereich erfordert gemeinsame Fenster im Stundenplan. Dafür sind für jeweils die Hälfte der Studierenden der Dienstag Nachmittag bzw. der Donnerstag Morgen vorgesehen. An den andern Tagen kann ab 17 Uhr ebenfalls Kontext-Ausbildung stattfinden. Alle Module des Kontextbereiches haben einen Umfang von 2 Credits. Eine zusätzliche Ausbildung in der Thematik des Kontextbereiches erfolgt immersiv in den Projekten Freie Module Die Summe der Minimalanforderungen aus Projekt-, Fach- und Kontextausbildung beträgt 175 Credits. Es fehlen somit noch 5 Credits zum Studiumsabschluss (SG EUT und WING: 6 Credits). Diese Credits können mit Modulen beliebigen Ursprungs gewählt werden: weitere Fachmodule, weitere Kontextmodule, aber auch Module anderer Studiengänge oder anderer Hochschulen. Einzige Bedingung: es müssen Credits auf Hochschulstufe sein. Kommen diese Credits nicht aus dem Kontextbereich und nicht aus dem eigenen SG, so werden sie als sog. freie Module verbucht. Stammen Sie aus dem Kontextbereich oder dem eigenen SG, so werden Sie auch dort angerechnet, d.h. die Minimalanforderung einer oder mehrerer Modulgruppen wird übertroffen. Es gibt an der HT nur 2 Module, die ausschliesslich in der Gruppe "Freie Module" angeboten werden: Mitwirkung bei der FHNW Big Band und das Orientation Center. Alle anderen Module müssen im Kontextbereich oder bei mindestens einem SG in der Fachausbildung anrechenbar sein. HT Ausbildungskonzept 12/37

13 2.2 Modularisierung Curriculum Das Curriculum (Syllabus) ist das Angebot eines SG. Es umfasst die Module, Modulgruppen, und die Definition der Minimalanforderungen. Aus den Fachgrundlagen müssen je nach SG zwischen 63 und 96 Credits erarbeitet werden, aus der Fachvertiefung mindestens 18 Credits. Für die gesamte Fachausbildung sind aber 111 Credits (SG EUT und WING: 114 Credits) notwendig. Die fehlenden Credits kann der Studierende nach seinem Geschmack erarbeiten, er kann aber nur innerhalb der Fachausbildung seines SG wählen. Mit andern Worten: jeder Studierende muss gewisse Minimalanforderungen übertreffen, er kann aber selber wählen, bei welchen Modulgruppen er dies tun will. Zur Verfügung stehen alle noch nicht absolvierten Module aus den Modulgruppen der Fachgrundlagen aus der Fachvertiefung aus der Fachergänzung. Wesentlich ist nicht, bei welchen Modulgruppen ein Studierender die Minimalanforderung übertrifft. Wesentlich ist seine Begründung, weshalb er dies tut. Argumente können z.b. sein: "Die Modulgruppe xy interessiert mich überhaupt nicht, ich mache nur das Minimum." "Die Modulgruppe xy entspricht meiner Stärke, deshalb mache ich dort mehr (und spare evtl. Aufwand)." "Die Modulgruppe xy fällt mir schwer (Schwäche), deshalb mache ich dort mehr." "Die Modulgruppe xy passt zu meinem Profil, deshalb mache ich dort mehr." Es geht also um die individuelle Angleichung des Ist-Profils an das erwünschte Soll-Profil. Das Design eines Studienganges besteht also "lediglich" darin, zweckmässige Modulgruppen zu bilden, die richtigen Module einer Gruppe zuzuweisen und vernünftige Minimalanforderungen für jede Gruppe zu definieren. Das Ziel dieses Designs ist es, Wahlfreiheit zu ermöglichen, Beliebigkeit zu verhindern und ein Minimum an Fachkompetenzen in der ganzen Breite zu erzwingen. Die Module sind Mosaiksteine, zusammengesetzt ergeben sie ein Mosaikbild (Curriculum des SG). Aufgrund der Vorgaben (Abbildung 1) sollte bei jeder individuellen Ausprägung des Studiums ein ansehnliches Mosaikbild entstehen, welches dem Berufsbild gerecht wird Modulgruppen Die Bestückung der Modulgruppen mit konkreten Modulen und die Definition der Minimalanforderung für die Modulgruppen stellen einen wichtigen Schritt beim Design eines SG dar. Dies ist keine leichte Aufgabe, denn damit werden Weichen gestellt. Die Module einer Gruppe stehen in direkter Konkurrenz zueinander, denn sie sind promotionstechnisch austauschbar. HT Ausbildungskonzept 13/37

14 Eine Modulgruppe kann thematisch gegliedert sein, um eine bestimmte Fachkompetenz zu fördern. Es können aber auch unabhängige Module gruppiert werden, um z.b. eine "fachliche Allgemeinbildung" zu erreichen. Es ist Sache jedes SG, für sich die zweckdienlichen Modulgruppen zu definieren. Die Summe der Minimalanforderungen der Modulgruppen der "Fachgrundlagen" ist variabel, sie beträgt aber maximal = 93 Credits (SG EUT und WING: = 96 Credits). Je tiefer diese Summe ist, desto mehr Freiheit hat der Studierende, Schwerpunkte nach eigenem Ermessen zu setzen. Zu Gunsten der Eigenverantwortung der Studierenden sollte hier möglichst viel Freiraum geschaffen werden. Bei nur wenig Freiraum macht die Modulgruppe Fachergänzung keinen Sinn, weil schlicht die Kundschaft fehlt. Innerhalb eines SG kann ein Modul nur in einer einzigen Modulgruppe vorkommen (aber in mehreren Profilen desselben SG) Module Ein Modul ist eine bewertete Unterrichtseinheit, welche sich über ein Semester erstreckt. Ein Modul ist im Sinne des Schuladministrationssystems (der Produktname unseres Systems ist EVENTO) eine in Form der Modulbeschreibung (vgl. Abschnitt ) spezifizierte Unterrichtseinheit. Ein Modulanlass ist im Sinne des Schuladministrationssystems ein effektiv durchgeführter Unterricht. Aus Synergiegründen werden viele Module von mehreren SG gemeinsam benutzt, z.b. Analysis 1. Haben zwei SG dasselbe Modul in Ihrem Programm, so kann dies durchaus zwei oder noch mehr verschiedene Modulanlässe geben. Es ist völlig egal, welchen Anlass ein Studierender besucht. Der Zweck dieses Konzept ist: a) Gewinn an Flexibilität für die Studierenden: horizontale (über die SG) und vertikale (über die Studienjahre) Durchmischung der Studierenden. b) Möglichkeit, eine breite Palette an Modulen anzubieten, ohne dass die Kosten explodieren. Erläuterung zu diesen Punkten: a) Gewinn an Flexibilität In einem modularisierten Studium gibt es keine Semester- oder Jahrespromotion mehr, sondern Studierende, die gewisse Module bestanden haben und einzelne andere nicht. V.a. für Repetenten und Teilzeitstudierende ist der Flexibilitätsgewinn gedacht. Diese Studierenden belegen gegenüber den normalen Studierenden (das sind jene, die alle Module auf Anhieb bestehen und ihr Studium in 6 Semestern abschliessen) Module aus verschiedenen Semestern (vertikale Durchmischung). Die Chance ist gross, dass zeitgleich zwei Modulanlässe stattfinden, welche ein Student besuchen möchte oder aufgrund der Empfehlungen sogar sollte. Wenn eines der Module mehrfach angeboten wird, so lässt sich die Stundenplanfriktion einfacher lösen. HT Ausbildungskonzept 14/37

15 Lineare Algebra 1 ist ein Modul, das im 1. Semester der SG E, I, M und S angeboten wird und das nicht alle Studierenden auf Anhieb bestehen. Legt man alle nicht erfolgreichen Studierenden der vier SG zusammen, so kann man direkt im 2. Semester ein Repetitionsmodul für Lineare Algebra 1 anbieten (horizontale Durchmischung). Ein SG alleine könnte dieses Repetitionsmodul nicht füllen. b) breite Palette bei vernünftigen Kosten Die Module der Fachergänzung sind nice to have Module (deshalb die Minimalanforderung 0 Credits), die aber häufig von hoch motivierten Studierenden besucht werden und durchaus ihre Berechtigung haben. Ohne das Zusammenlegen der Interessenten aus verschiedenen SG würden diese Module aber u.u. zu wenig Anmeldungen kriegen und der Anlass fände nicht statt. Es wäre auch falsch, in jedem Semester die ganze Palette anzubieten, mit einer reduzierten Offerte konzentrieren sich die Studierenden und ein Modulanlass kommt eher zustande. Im Bachelor-Studiengang ist das Modul die kleinste kreditierbare Lerneinheit, deren Umfang wird gemessen in Credits. An der HT haben wir die Grösse der Module festgelegt, damit die Mehrfachnutzung durch verschiedene SG organisatorisch einfacher wird. Kontextmodule: 2 Credits Fachmodule: 3 Credits Projektmodule (ausser Thesis): 6 Credits Thesis: 12 Credits Bei jedem Modul werden die gefordeten Outcome-Kompetenzen definiert und überprüft. Die Zielerreichung wird in einer Zweierskala (bestanden / nicht bestanden, wie ein Testat) oder in einer Sechserskala (Noten) angegeben. Ist das Modul bestanden, so erhält der Studierende alle dem Modul zugewiesenen Kreditpunkte, andernfalls keinen einzigen. Die Schlussnote kommt zustande aufgrund einer Erfahrungsnote aufgrund von (gewichteten) Klausuren oder anderen Leistungsnachweisen einer abgesetzten Modulschlussprüfung (MSP) einer Erfahrungsnote und einer MSP, Gewicht je 0.5 Die MSP kann mündlich oder schriftlich sein. Dies ist in der Modulbeschreibung festgelegt und nicht etwa frei und von Semester zu Semester wählbar. Erfahrungsnoten und Noten der MSP werden auf 1/10 gerundet im Schuladministrationssystem hinterlegt. Die Schlussnoten erscheinen auf 1/2 gerundet im Leistungsausweis und im Transcript of Records. Die auf 1/10 gerundeten Eingaben bilden die Datenbasis für die Berechnung des ECTS-Grades. Der Grund dafür liegt darin, dass für die ECTS-Grades (ein Ranking, keine Note!) eine feinere Auflösung notwendig ist, als sie unsere Notenskala bietet. Der Leistungsausweis ist das Semesterzeugnis und listet sämtliche im vergangenen Semester erreichten Noten auf. Dieses Dokument ist rekurabel. Der Transcript of Records (ToR) ist eine kumulative Liste aller bisher erfolgreich erarbeiteten Noten und Credits. Studienleistungen an anderen Hochschulen oder Studiengängen werden im ToR mit "angerechnet" aufgeführt und kreditiert, aber nicht mit einer Note ausgewiesen. HT Ausbildungskonzept 15/37

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