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1 Virtual Roundtable zu Enterprise Architecture Management (EAM): Ziele und Einsatzperspektiven für Enterprise Architektur-Management in IT-Organisationen Name: Prof. Dr. Robert Winter Funktion/Bereich: Direktor Organisation: Universität St. Gallen, Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI-HSG) Kurzeinführung zum Thema Unternehmen müssen flexibel und wandlungsfähig sein. So wie sich die Geschäftsprozesse ändern, muss auch die IT in der Lage sein, diese Änderungen sicher und schnell zu planen, neu auszurichten und im täglichen Betrieb der IT-Systeme zu realisieren. Enterprise Architecture Management spielt hier eine entscheidende Rolle, indem mit EAM ein umfassendes Inventory / Repository der IT-Ressourcen bereitgestellt wird. Auf dieser Inventory-Basis wird die Planung und Fortschreibung der IT-Landschaft vereinfacht, was u.a. die Kostenkontrolle gewährleistet und den effizienten Betrieb absichert. Was das für IT-Organisationen bedeutet, soll dieser virtuelle Roundtable kritisch beleuchten. Wie können auch kurzfristig gestellte Anforderungen aus dem Business-Umfeld schnell, zielgenau und vor allem kostengünstig umgesetzt werden? Was sind die Ziele und Nebenbedingungen für erfolgreiches EAM? Welche Praxisbeispiele liegen vor, die zeigen, wie ein ganzheitliches Management von IT und Business aussehen kann? Wie wird dieses IT-seitig unterstützt und organistorisch nachhaltig verankert Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich der Roundtable, der führende Vertreter aus IT, Hochschule und Beratungspraxis zusammenführt. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr NetSkill-Team! Seite 1

2 Sehr geehrter Prof. Dr. Winter, Frage 1: Verständnis EAM, Bedeutung, Vorteile Wie verstehen Sie den Begriff Enterprise Architecture Management? Wie wichtig ist EAM heute schon und ist das in den Unternehmen bereits erkannt worden? Welche Ziele verfolgt ein EAM? Welche Nutzenpotenziale bietet eine an EAM-Konzepten ausgerichtete Architektur der IT-Organisation? Wie trägt ein erfolgreiches EAM zur Erreichung der Geschäftsziele bei? Wir verstehen EAM als Planungs- und Steuerungsinstrument für IT/Business-Alignment. Durch die Nachführung der Abhängigkeiten zwischen den Schlüsselelementen der verschiedenen Architekturebenen können strategische Optionen fundiert diskutiert und Änderungen konsistent umgesetzt werden. Somit unterstützt EAM systematisch die Abstimmung von Strategie, Organisation und IT. Mit EAM wird die (architektonische) Nachhaltigkeit angestrebt - unter anderem indem die Änderungen betrieblicher Systeme vereifacht (z.b. verbilligt und/oder beschleunigt) werden. Vielfach wird EAM mit einem auf die IT- und Anwendungslandschaft reduzierten Fokus betrieben. Zur erfolgreichen Abstimmung zwischen Business und IT ist jedoch eine breite Betrachtung der fachlichen und technischen Gegebenheiten Business-to-IT notwendig, d. h. von der Unternehmensstrategie über die Organisation und Geschäftsprozesse sowie die Software und Datenstrukturen bis hin zur IT-Infrastruktur. Für die IT-Organisation ist EAM insofern ein wertvolles Instrument, als das die einzelnen Teilbereiche (etwa Entwicklung, Betrieb, IT-Architektur) die zu unterstützenden Aufgaben in der Wertschöpfung des Unternehmens explizit kennen und sich dementsprechend Massnahmen für zielgerichtete Unterstützung ableiten können. Beispielsweise empfiehlt sich ein sensibles Risikomanagement für Hardwarekomponenten, auf denen erfolgskritische Applikationen für Kernleistungsprozesse laufen. Seite 2

3 Frage 2: Architekturprojekte Lösungen, Erfahrungen, Anwendung Sollte EAM ein Teil eines übergeordneten Architekturprojektes sein (Einführung der Enterprise Architecture (EA) als IT-Referenzarchitektur) oder kann EAM auch auf Basis der vorhandenen IT-Architektur eingeführt und effektiv genutzt werden (as it is)? Worin bestehen Vor- und Nachteile gegenüber klassischen Inventories in den Anwendungslandschaften? In welchen Anwendungsgebieten und bei welchen Unternehmen ist die Einführung eines EAM daher erfolgversprechend? Eine Unternehmensarchitektur wird selten von Grund auf entwickelt, da in vielen Unternehmen bereits Teilmodelle (z.b. Produktelandkarten, Prozessmodelle, Applikationslandkarten) existieren, die im Rahmen von EAM-Projekten auf aggregierter Ebene integriert werden können. Das Kernstück der Unternehmensarchitektur - als zentralem Gestaltungsgegenstand der Veränderungsaufgaben - bildet ein konsistentes Metamodell. Zur Erstellung eines Metamodells hat sich ein stakeholderbasiertes Vorgehen bewährt, welches sich an den konkreten Informationsbedarfen der EA-Stakeholder aus Business und IT ausrichtet. Klassische Inventories, wie der Name schon sagt, bedienen nur eine Teilaufgabe des EAM, nämlich die Bestandsaufnahme und das auch nur für einen Teilausschnitt der Architektur. Die Planungs- und Steuerungsaufgaben sowie die Ausrichtung an der Gesamtstrategie bleiben unberücksichtigt. Die Dokumentation von Strukturen und Abhängigkeiten und ein dediziertes EAM sind umso wichtiger, je komplexer die Zusammenhänge im Unternehmen sind. Die Komplexität der Abhängigkeiten wird beispielsweise durch unterschiedliche Änderungsfrequenzen der einzelnen Gestaltungsobjekte auf Organisations- und IT-Ebene bedingt. Seite 3

4 Frage 3: Projektbeschreibung Welche Erfahrungen konnten Sie bisher mit diesem Lösungs-Ansatz im eigenen Unternehmen bzw. bei Ihren Partnern / Kunden sammeln? Können Sie ein typisches EAM-Projekt zur Einführung & Begleitung skizzieren? Gibt es häufig auftretende Schwierigkeiten bzw. welche Herausforderungen ergeben sich hauptsächlich bei der Umsetzung? Welche Ergebnisse wurden realisiert, mit welchen Kosten muss man rechnen bzw. wovon hängen diese maßgeblich ab? Am Anfang eines EA-Einführungsprojektes steht typischerweise die Definition der Ziele und mithin der Einsatzszenarien. Es folgt die Identifikation der Stakeholder, deren Rollen an den Einsatzszenarien beteiligt sind. In Interviews werden die Informationsbedarfe, die Stakeholder im Zuge der Erfülltung ihrer Aufgaben haben, erhoben. Bei der Metamodellierung gilt es schliesslich einen Grobentwurf des Unternehmens abzubilden, mittels dem die Informationsbedarfe abgedeckt werden können. Wenn das Metamodell einen finalen Status erreicht hat, folgen die Toolauswahl und die iterative Umsetzung. Daueraufgaben entstehen dann durch Pflege der Quellmodelle und EAM-Betrieb. Hierzu zählt auch die kontinuierlicher Kommunikation und Governance. Herausforderungen ergeben sich aus unterschiedlichen Vorstellungen bezüglich der Informationsaggregation. Die EA bildet in der Regel Grobzusammenhänge der Teilarchitekturen und -modelle ab, nicht jedoch Detailinformationen. Der Aufwand für die Erfassung und Pflege von Detailinformationen ist immens und mit dem Scope von EAM (ein breites und daher nicht tiefes - Bild der Unternehmung) nicht zu rechtfertigen. Der Grad der optimalen Aggregation hängt letztlich von vielen Umständen, insb. den jeweiligen Einsatzszenarien im jeweiligen Unternehmen selbst ab. Seite 4

5 Frage 4: Markt und Wettbewerb EAM Wie sehen Sie den aktuellen Markt für EAM - i.b. auf IT-Anbieter und Berater? Wer sind Ihrer Ansicht nach die wichtigen Marktteilnehmer in diesem Bereich? NUR FÜR BERATER UND IT-ANBIETER: Wie sehen Sie Ihre eigene Rolle und Stellung im Markt? Welche Kernkompetenzen zeichnen Ihr Unternehmen hier aus und heben Sie von Ihren Wettbewerbern ab? Keine Antwort Seite 5

6 Frage 5: Ausblick Wie schätzen Sie die Entwicklung von Enterprise Architecture Management (Markt, Akzeptanz, Erfahrungen) in den nächsten 2-5 Jahren ein? Wie bereiten Sie sich darauf vor und welche Prognose würden Sie im Hinblick auf diese Entwicklung für sich und Ihr Unternehmen abgeben? Nach unseren Einschätzungen wird EAM in Wissenschaft und Praxis mittelfristig weiter an Bedeutung gewinnen. Folgende Entwicklungen stützen diese These: Unternehmen sind gezwungen, sich laufend an wandelnde Rahmenbedingungen anzupassen und somit flexibel zu sein. Die Vorraussetzung hierzu ist ein hoher Grad an Transparenz im Unternehmen selbst, wozu EAM einen wesentlichen Beitrag leisten kann. Als Steigerung von Flexibilität bezeichnet Agilität die Fähigkeit, auch unvorhergesehene Änderungen effizient umsetzen zu können. Auch hierzu kann EAM wichtige Erkenntnisse über Ist- und potenzielle Sollzustände des Unternehmens liefern. Vielen Dank für das Interview! Seite 6

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