Drei Reformpakete für die Pädagogischen Hochschulen

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1 Pressekonferenz: Drei Reformpakete für die Pädagogischen Hochschulen Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied Dr. Andreas Schnider Datum: Mittwoch, 5. Oktober 2011 Uhrzeit:11.00 Uhr Ort: BMUKK, Audienzsaal Minoritenplatz Wien 1

2 Drei Reformpakete für die Pädagogischen Hochschulen Die Pädagogischen Hochschulen haben eine zentrale Rolle in der Aus- und Weiterbildung der Lehrenden und sollen durch die Weiterentwicklung ihrer Aufgabenbereiche und Strukturen und ein zeitgemäßes und leistungsorientiertes Dienst- und Besoldungsrecht für Hochschullehrende unterstützt werden. Regierungsprogramm , Seite 199 In den letzten Jahrzehnten haben sich die Anforderungen an die Schule massiv verändert. Im Mittelpunkt stehen immer Kinder, junge Menschen und ihre Bedürfnisse. Dem muss auch das Bildungssystem Rechnung tragen diese neuen Herausforderungen können nur mit sehr gut ausgebildeten PädagogInnen, den wichtigsten TrägerInnen der Bildungsreform, bewältigt werden. Die Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen gemäß Regierungsprogramm ist dabei eines der zentralen Instrumentarien für eine Reform der PädagogInnenbildung. Beginnend mit der PädagogInnenbildung muss es gelingen, jungen Menschen zu vermitteln, dass der Lehrberuf Zukunft hat. Zumal angesichts einer relativ hohen Zahl von Pensionierungen ab dem Jahr 2013 auch ein erhöhter Bedarf an jungen, engagierten PädagogInnen gegeben sein wird. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, brauchen wir Lehrerinnen und Lehrer aus Berufung, deren Eignung und Neigung in einem Aufnahmeverfahren zu Studienbeginn und durch Selbstreflexion und Fremdevaluierung während des Studiums erhoben wird. In weiterer Folge ist die Kompetenzorientierung in der Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen zu forcieren. Der wichtigste Ansatz zur Erfüllung dieser Aufgabe ist die Stärkung des akademischen Charakters der Pädagogischen Hochschulen und die Begründung einer neuen Kultur der Zusammenarbeit zwischen den Institutionen dazu gehören Kooperationen zwischen den Pädagogischen 2

3 Hochschulen ebenso wie Kooperation zwischen Pädagogischen Hochschulen und Universitäten bzw. Fachhochschulen. Umsetzung der Empfehlungen der Vorbereitungsgruppe bis zu drei Pilotstandorte starten 2012/13 mit neuen Studienangeboten Eine gemäß dem Regierungsprogramm eingesetzte Vorbereitungsgruppe unter Vorsitz von Dr. Andreas Schnider hat bezüglich der Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen eine Reihe von Vorschlägen entwickelt, mit deren Umsetzung in die Praxis noch in dieser Legislaturperiode begonnen werden soll: Die Pädagogischen Hochschulen sollen ihre Potentiale weiter entwickeln, um auf Augenhöhe mit Universitäten zu gelangen, verstärkt Personalentwicklung betreiben, um den akademischen Charakter der Institution zu stärken, im Austausch mit der Arbeitswelt auf bestehenden (regionalen) Bedarf mit neuen und neu strukturierten Studienangeboten (berufsbegleitend) reagieren, Ausbildungen für Flächenfächer anbieten, um einen flexiblen Lehrereinsatz etwa in der Neuen Mittelschule zu ermöglichen, in ihrer Entwicklung begleitet werden und Ab 2012/13 an zwei bis drei Pilotstandorten erste neue Studienangebote anbieten, die mit den Empfehlungen der Vorbereitungsgruppe korrespondieren sollen. 3

4 Maßnahmen für die Studienjahre ab 2011/12 Paket 1 Stärkung der Forschungskompetenz Personalentwicklung Die Zielsetzung, dass an den Pädagogischen Hochschulen auf höchstem Niveau gelehrt wird, kann nur erreicht werden, wenn es einen Umbau der Pädagogischen Hochschulen selbst gibt: Durch neue rechtliche Rahmenbedingungen und gezielte Investitionen in die Forschungskompetenz sowie in die Personalentwicklung soll der akademische Charakter der Pädagogischen Hochschulen gestärkt werden. 1. Neues Dienst- und Besoldungsrecht für Lehrende an PH Die geplante Stärkung des akademischen Charakters der PH ist nur durch ein modernes, leistungsorientiertes Dienstrecht für die Lehrenden an den PH s zu gewährleisten. Ein entsprechender Begutachtungsentwurf wurde in konstruktiver und enger Zusammenarbeit mit dem Bundeskanzleramt von den Sozialpartnern bereits ausverhandelt, umgesetzt werden kann diese Reform ab dem Studienjahr 2012/ Doktorats-Stipendienprogramm für Pädagogische Hochschulen Durch eine gezielte Förderung des Stammpersonals an den PH s soll die Anzahl der Lehrenden mit einem facheinschlägigen Doktorat bzw. einer facheinschlägigen Habilitation deutlich erhöht werden. Ab dem Studienjahr 2012/13 wird das BMUKK zwischen 15 und 45 Personen pro Studienjahr bei der Erreichung des Doktorats bzw. der Habilitation unterstützen. Kooperationen mit den Universitäten sind erwünscht. 3. Weiterbildungsangebote für Lehrende an PH Die Förderung des Austausches von Forschungsergebnissen mit internationalen FachexpertInnen unterschiedlicher Disziplinen im Rahmen von Weiterbildungsangeboten für die Lehrenden an den Pädagogischen Hochschulen soll beginnend ab dem Studienjahr 2012/13 ebenfalls dem Ziel der Stärkung des akademischen Charakters der PH dienen. 4

5 Maßnahmen für die Studienjahre ab 2011/12 Paket 2 Weiterentwicklung der PH neue Studienangebote Ab dem Studienjahr 2012/13 sollen an den Pädadogischen Hochschulen neue Studienangebote in einer ersten Ausbaustufe etwa als Lehrgang für akademische LerndesignerInnen umgesetzt werden. Wesentliche Kriterien dafür sind, dass diese Angebote berufsbegleitend sein werden und dass es enge Kooperationen mit anderen Pädagogischen Hochschulen, mit Universitäten und Fachhochschulen geben wird, um wissenschaftlichen Standards auf höchstem Niveau gerecht zu werden. Die Ausbaustufe 2, in der an den Pädagogischen Hochschulen auch im öffentlich-rechtlichen Auftrag Master-Studien absolviert werden können, bedarf einer Änderung des Hochschulgesetzes Masterstudien für Individualisierung und Kompetenzorientierung Dieses Studium wird in zwei Ausbaustufen als Zusatzangebot zur Deckung von aktuellem und zukünftigem regionalen Spezialbedarf im Bereich der Fachlehrer auf der Sekundarstufe I, vor allem zur Stärkung des verschränkten Lehrereinsatzes zwischen NMS, HS und AHS angelegt. Ausbaustufe 1: Lehrgang (60 ECTS) mit Abschluss akademische/r LerndesignerIn an 2 bis 3 Standorten in Österreich mit TeilnehmerInnen pro Jahr Ausbaustufe 2: Lehrgang ( ECTS) mit Master-Abschluss 2. Masterstudien für Mentoring Ziel dieses Studiengangs ist die Weiterentwicklung der Ausbildung der Begleitlehrerinnen und -lehrer, Aufbau einer qualitätsvollen Begleitung des Berufseinstiegs zukünftiger JunglehrerInnen. Ausbaustufe 1: Lehrgang (60 ECTS) mit Abschluss akademische/r MentorIn an 2 bis 3 Standorten in Österreich mit TeilnehmerInnen pro Jahr Ausbaustufe 2: Lehrgang ( ECTS) mit Master-Abschluss 5

6 3. Masterstudien für Schulmanagement Im Zuge der Qualitäts-Offensive für die Schule wurden im Bereich der Qualitätssicherung und des Schulmanagements weit reichende Reformen umgesetzt. Diesen Gegebenheiten soll nun auch in der PädagogInnenbildung Rechnung getragen werden: Durch die Weiterentwicklung der Ausbildung der SchulleiterInnen, die Öffnung für die Entwicklung von Nachwuchsführungskräften für zukünftige Schulleitungen und Funktionen im Mittleren Management, sowie durch Bildungsangebote speziell im Bereich Schulaufsicht und Qualitätsmanagement. Ausbaustufe 1: Lehrgang (60 ECTS) mit Abschluss akademische/r SchulmanagerIn an 2 bis 3 Standorten in Österreich mit TeilnehmerInnen pro Jahr Ausbaustufe 2: Lehrgang ( ECTS) mit Master-Abschluss 4. Studienangebote für QuereinsteigerInnen Vor allem in den Fächern Englisch, Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften herrscht Bedarf nach einem Zusatzangebot an PädagogInnen zur Deckung von aktuellem und zukünftigem regionalen Spezialbedarf insbesondere im Bereich der Fachlehrer in der Sekundarstufe I. Derzeit werden berufsbegleitende Formen der Bachelorstudien bereits an der PH OÖ und der PH NÖ angeboten. Gemeinsam mit den PH soll (vergleichbar der Schweizer Initiative bzw. auch dem erfolgreichen Österreichischen Modell in der Berufsbildung) eine verkürzte Form der Ausbildung entwickelt werden, um einen raschen Einstieg in den Lehrberuf zu ermöglichen. Start: Studienjahr 2012/13 an 2 bis 3 Standorten mit Studienangeboten für bis zu 300 TeilnehmerInnen. 6

7 Maßnahmen für die Studienjahre ab 2011/12 Paket 3 Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung 1. Standardisierte Eignungsüberprüfungen und Aufnahmeverfahren Das Ausschöpfen aller Potentiale in ihrer Heterogenität erfordert auch die Klärung der Vorfrage, ob es bei angehenden StudentInnen die entsprechende Eignung und Neigung gibt. Mit dem Studienjahr 2012/13 soll basierend auf den Vorarbeiten einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Johannes Mayr von der Universität Klagenfurt an den Pädagogischen Hochschulen dieses Verfahren umgesetzt werden. 2. Koordinierte Entwicklung der Curricula Österreichweit vergleichbare Standards in der Ausbildung sind eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Reform der PädagogInnenbildung. Die Weiterentwicklung der Curricula an den Pädagogischen Hochschulen ist ein laufender Prozess und soll sich sich an den Empfehlungen der Vorbereitungsgruppe PädagogInnenbildung Neu orientieren. 3. Potentialanalysen der Pädagogischen Hochschulen Ab sofort beginnen Potentialanalysen, um eigene Stärken und regionale Entwicklungsmöglichkeiten besser erkennen und umsetzen zu können. Das Ziel der Entwicklung ist es, die Stärken der PH zu stärken und Schwächen rechtzeitig zu erkennen und auszugleichen. 4. Überarbeitung der BAKIP-Lehrpläne Ebenfalls ab sofort werden die BAKIP-Lehrpläne einer Überarbeitung unter Leitung des Entwicklungsrats unterzogen, um eine Steigerung der Qualität der Ausbildung in den BAKIPs sicherzustellen. 7

8 Maßnahmen für die Studienjahre ab 2011/12 Entwicklungsrat für Pädagogische Hochschulen Ein wichtiges Instrument für die Koordination und Begleitung der Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen für die Phase ab 2011/12 ist die Einrichtung eines Entwicklungsrats für die Pädagogischen Hochschulen, der auch um die Aufgaben für die Universitäten und dafür personell erweitert werden kann. Zusammensetzung Um Kontinuität im Prozess der Reform der PädagogInnenbildung zu gewährleisten, war es Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied ein Anliegen, zwei der zentralen Mitarbeiter der Vorbereitungsgruppe PädagogInnenbildung NEU für den nun neu geschaffenen Entwicklungsrat gewinnen zu können: Leitung: Dr. Andreas Schnider Stellvertretung: Dr. Roland Fischer Bei Bedarf können zusätzliche Expertinnen und Experten für die Umsetzung der Aufgaben herangezogen werden. Das Aufgabenspektrum umfasst: Beratung des BMUKK Intensive Kommunikation mit den Stakeholdern Festlegung und Überprüfung von infrastrukturellen, personellen und organisatorischen Auswahlkriterien für die Standortauswahl der Pilot- Studienangebote Koordinierung der Weiterentwicklung der Eckpunkte für Curricula und Entwicklungsgruppen Überprüfung von vorgelegten Curricula auf Einhaltung der festgelegten Eckpunkte Empfehlungen für die Vergabe von Doktorats-Stipendien Bewertung von Potentialanalysen der regionalen Standorte Beratung bei der Organisationsentwicklung der Standorte Koordinierung von regionalen Entwicklungsteams Erstellung eines jährlichen Vorhabens- und Umsetzungsberichts 8

9 Studierendenzahlen an Pädagogischen Hochschulen (1. Semester) Studierende im 1. Semester in Studiengänge gem. 35 Abs. 1 HochschulG (180 ECTS) Volksschule Hauptschule VS + HS Pädagogische Hochschule 2008/ / / / / / / / / / / /12 Pädagogische Hochschule Kärnten Pädagogische Hochschule Niederösterreich Pädagogische Hochschule Oberösterreich Pädagogische Hochschule Salzburg Pädagogische Hochschule Steiermark Pädagogische Hochschule Tirol Pädagogische Hochschule Vorarlberg Pädagogische Hochschule Wien Private Pädagogische Hochschule Stiftung Burgenland PPH der Stiftung der Diözese Graz-Seckau PPH - Hochschulstiftung Diözese Innsbruck Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz PPH - Hochschulstiftung Erzdiözese Wien + Krems Summe Stand: Stichtag 4. Oktober

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