Kann Software schön sein? Ein philosophischer Blick auf die Ästhetik von Software

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1 Kann Software schön sein? Ein philosophischer Blick auf die Ästhetik von Software

2 Ist das Schönheit? Das ist elegant gelöst. Das ist grauenhaft. Eine Freude, diesen Code zu lesen! Eine tolle Architektur! Eine schreckliche Benutzerführung Eine ansprechende Oberfläche! Foto: Flickr:striatic (CC BY 2.0)

3 Perspektiven der Schönheit Benutzeroberfläche: Design und Verhalten Foto: Flickr:henryâ (CC BY-NC-ND 2.0) Code: Stil und Lösung Architektur: Struktur und Konzept Foto: Flickr:xJason.Rogersx (CC BY 2.0) Foto: Flickr:Argonne National Laboratory (CC BY-SA 2.0)

4 Erfüllung nichtfunktionaler Anforderungen? Schönheit und Anforderungen Ist schön was nützlich ist? Bedeutet Schönheit dass die nichtfunktionalen Anforderungen erfüllt sind? Schönheit und Usability Schönheit und Wartbarkeit Konzept von Form follows Function

5 David Gelernter, FAZ vom fordert ein Bauhaus für die Softwareindustrie. meint, dass Software im Leben der Menschen heute eine so große Rolle spielt wie Wohnen, Autos, Handwerkszeug. will eine Softwarekritik, so wie es Literatur-, Kunst-, Designkritik gibt. Bild: Wikipedia:Repdan (CC BY-SA 3.0)

6 Softwarekritik im Bauhaus-Stil Besinnung auf die Grundwahrheiten der Informationsarchitektur Räumliche Dimension: Schreibtisch, Schaufenster Zeitliche Dimension: Partitur, Tagebuch, Script Führt zu einer Reihe von Einzelforderungen Das Bauwesen ist über des Slogan Form follows Function längst hinaus. à Eine grundsätzlichere Kritik ist nötig.

7 Schön ist, was gefällt. was Freude macht. was Glücksgefühl hervorruft. was Lust und Spaß bereitet. Nicht mit Benutzung der Sache verbunden. Schönheit wird spontan beurteilt, nicht nach rationalen Erwägungen abgeleitet.

8 Immanuel Kant: Ästhetisches Urteil Abgrenzung vom Guten und vom Angenehmen Interesseloses Wohlgefallen Forderung, dass auch andere das Urteil akzeptieren. Bild: Wikipedia (gemeinfrei)

9 Schönes, Angenehmes, Gutes Das Schöne Schönheit an sich ohne Zweck Ist nicht privat Das Angenehme Das Gute Freude in der Verwendung Ist mit Interesse verbunden Kann privat sein Nützlich Anforderungserfüllung Brauchbarkeit (Nicht im moralischen Sinn)

10 Schönheit der Landschaft Foto: Gerd Friedrich

11 Brauchen wir schöne Software? Software muss gut sein, nützlich und brauchbar. Software sollte angenehm sein. Schöne Software Kann zur Benutzung animieren. Kann ablenken. Schöner Code Kann Freude an der Bearbeitung bringen. Kann auch die Wartbarkeit stören. Schöne Architektur Kann Freude machen. Kann Nichtfunktionale Anforderungen beeinträchtigen.

12 Kann man Schönheit lernen? Frank Sibley ( ) Britischer Philosoph Ästhetische Eigenschaften können nicht auf nichtästhetische Eigenschaften reduziert werden Lernen durch zeigen, erklären, hinweisen, probieren

13 Beispiel: Goldener Schnitt Foto: Gerd Friedrich

14 Aus: M. Moshagen, M.T. Thielsch: Facets of visual aesthetics. Int. J. Human-Computer Studies 68 (2010)

15 Heidegger: Die Zuhandenheit Foto: Flickr:Andrea Mayer-Edoloeyi (CC BY-SA 2.0) Die Software als Zeug Vorhandenes und Zuhandenes Die Handlichkeit des Zeugs Das Ziel ist, das Zeug nicht mehr zu bemerken.

16 Und der Code? Ist es angenehm, mit dem Code zu arbeiten? Subjektive Entscheidung Verstehen, was der Code macht, ohne ihn wahrzunehmen. Programmierer sind immer mehr Universalisten. à Code und Architektur können auch ästhetisches Vergnügen machen.

17 Zwei Sichten Das Angenehme des Zuhandenen: Es passt sich in die Ziele des Nutzers ein Es wird selbst kaum noch bemerkt Der Anwender nutzt nicht die Software, er verfolgt seine Ziele. Das an sich Schöne Software umgibt uns, egal ob wir sie brauchen oder nutzen. Es gibt allen Grund dafür, sie schön zu gestalten. Aber dafür gibt es keine Regeln.

18 Keine Regeln für Schönheit Beobachte die Nutzer, die Programmierer, die Architekten. Frage sie, was sie an der Software schön finden. Versuche zu verstehen, warum das in dieser konkreten Situation schön ist. Probiere es aus. Intuition ist gefragt, Versuch und Irrtum. Starre Regeln helfen nur selten.

19 Jörg Friedrich - Kontakt INDAL GmbH & Co. KG: Artikel und Vorträge: Im Juli 2012 erscheint bei Telepolis: Kritik der vernetzten Vernunft. Philosophie für Netzbewohner

20 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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