Medizinische Rehabilitation bei Atemwegserkrankungen aus der Perspektive der Arbeitsmedizin

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1 Vorlesung Medizinische Rehabilitation bei Atemwegserkrankungen aus der Perspektive der Arbeitsmedizin Wintersemester 2013/14 Institut für Arbeits-, Sozial und Umweltmedizin Dr. Alexander Gerber 1

2 Rehabilitation rehabilitatio = Wiederherstellung 2

3 Gesetzliche Vorgaben 10 Sozialgesetzbuch I jeder der körperlich, geistig oder seelisch behindert ist oder wem eine solche Behinderung droht, unabhängig von der Ursache der Behinderung, hat ein Recht auf die Hilfe, die notwendig ist, um 1. die Behinderung abzuwenden, zu beseitigen, zu bessern, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder ihre Folgen zu mildern 2. Ihm einen seinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Platz in der Gemeinschaft, insbesondere im Arbeitsleben zu sichern. 3

4 Definition pneumologische Rehabilitation evidenzbasierte multidisziplinäre und umfassende Behandlung für Patienten mit chronischen Erkrankungen der Atmungsorgane, die Symptome aufweisen und in ihren Berufs- und Alltagsaktivitäten eingeschränkt sind ATS/ERS Statement on Pulmonary Rehabilitation 2005

5 Klassifikationssystem ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) WHO Körperstruktur Aktivitäten Partizipation 5

6 Voraussetzung für medizinische Rehabilitation Rehabilitationsbedürftigkeit Rehabilitationsfähigkeit Rehabilitationsprognose 6

7 Wichtigste Träger von Rehabilitationsmaßnehmen: Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) Gesetzliche Unvallversicherung (DGUV) Integrationsämter Träger der Sozialhilfe 7

8 Rehabilitationsformen der Sozialversicherungsträger GRV + GKV: 1. Heilverfahren Antrag durch Pat. + med.kurzbericht + Gutachten Dauer: 3 Wochen, Verlängerung möglich 2. AHB-Verfahren (GRV)/Anschlußrehabilitation (GKV) Nach Akutkrankenhausaufenthalt (direkt oder innerhalb zwei Wochen) Frühmobilisierung ist Voraussetzung 8

9 Weitere Maßnahmen der Sozialversicherungsträger Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben Zuschüsse an Arbeitgeber bei innerbetrieblicher Umsetzung Maßnahmen der Berufsfindung oder Arbeitserprobung in einem medizinisch-beruflichen Rehabilitationszentrum Hilfen für Anlernphase Technische Hilfe zur beruflichen Wiedereingliederung 9

10 Rehabilitationsmaßnahmen der GUV Rehabilitationsträger bei Arbeits- und Wegeunfällen und Berufskrankheiten Berufsgenossenschaftliche stationäre Weiterbehandlung (BGSW-Verfahren) 10

11 Rehabilitationskliniken der BG

12 Indikationen für eine pneumologische Rehabilitation Prävalenz Deutschland COPD > Asthma bronchiale > Interstitielle Lungenerkr. > Cystische Fibrose Krankheiten der Thoraxund Atemmuskulatur Thorax-Operationen??

13 Warum pneumologische Rehabilitation? Medikamentöse Therapie unzureichend Reha wichtiger Bestandteil des Langzeitmanagements Effektivität durch zahlreiche Studien belegt Besserung der körperlichen Leistungsfähigkeit (A) Verminderung er Atemnot (A) Besserung der gesundheitsbez. Lebensqualität (A) Reduktion der Anzahl und Dauer von Krankenhausaufenthalten (A) Reduktion von COPD-assoziierter Angst und Depression (A) Gilt sowohl für stabile COPD als auch AR nach Exazerbation 13

14 Für wen pneumologische Rehabilitation? Nach aktuellen COPD-Leitlinien (Vogelmeier et al 2007) Indikation zur Reha ab Grad II Aktualisierte GOLD-Empfehlungen (GOLD 2011) ab Symptomstadium B ist Reha essentiell 14

15 Warum werden so wenige pneumologische Pat. rehabilitiert? Was berichten Hausärzte über pneumologische Rehabilitation? Reha-Rate bei COPD GOLD 2 in Deutschland <5% (Glaab et al. 2006) Was antworten 590 Pneumologen auf die Frage: Wie hoch ist der Anteil Ihrer Patienten mit COPD 2 bzw. 3-4, die an einer ambulanten oder stationären Rehabilitation teilgenommen haben? 2% im Stadium 2 und 16% in den Stadien 3-4 è Unterversorgung 15

16 Warum Anschlußrehabilitation (AHB) Mortalität nach schwerer Exazerbation einer COPD: 50% nach 3,6 Jahren und 75% nach 7,7 Jahren (Vetter, C. Dtsch Arztebl. 2013) Morbidität nach schwerer Exazerbation: Das Risiko einer weiteren schweren Exazerbation steigt nach der zweiten Exazerbation um das Dreifache und nach der 10. Exazerbation um das 24-Fache (Vetter, C. Dtsch Arztebl. 2013) 16

17 Warum Anschlußrehabilitation (AHB) Durch AHB kann Morbidität und Mortalität gesenkt werden (Man et al. 2004, Seymour et al. 2010, Puhan et al 2011) nnt: 6 Bei akutstationärer Behandlung wegen Exazerbation sollte regelhaft die Indikation einer AR geprüft werden (Nationale Versorgungsleitlinie COPD) 17

18 Rehabilitation ñ Rehabilitationsorientierte Diagnostik Optimierung der Pharmakotherapie

19 Rehabilitation Rehabilitationsorientierte Diagnostik Optimierung der Pharmakotherapie Patintenschulungen (Atemschulung,Theorie, Verhaltenstraining)

20 Rehabilitation Rehabilitationsorientierte Diagnostik Optimierung der Pharmakotherapie Patintenschulungen (Atemschulung,Theorie, Verhaltenstraining) Medizinische Trainingstherapie,

21 Rehabilitation Rehabilitationsorientierte Diagnostik Optimierung der Pharmakotherapie Patintenschulungen (Atemschulung,Theorie, Verhaltenstraining) Physiotherapeutische Atemtherapie Medizinische Trainingstherapie

22 Rehabilitation Rehabilitationsorientierte Diagnostik Optimierung der Pharmakotherapie Patintenschulungen (Atemschulung,Theorie, Verhaltenstraining) Physiotherapeutische Atemtherapie Ergotherapie und Hilfsmittelberatung Medizinische Trainingstherapie

23 Rehabilitation Rehabilitationsorientierte Diagnostik Optimierung der Pharmakotherapie Patintenschulungen (Atemschulung,Theorie, Verhaltenstraining) Medizinische Trainingstherapie Physiotherapeutische Atemtherapie Ergotherapie und Hilfsmittelberatung Psychologische/ psychotherapeutische Hilfe

24 Rehabilitation Optimierung der Pharmakotherapie Patintenschulungen (Atemschulung,Theorie, Verhaltenstraining) Rehabilitationsorientierte Diagnostik Physiotherapeutische Atemtherapie Ergotherapie und Hilfsmittelberatung Psychologische/ psychotherapeutische Hilfe Medizinische Trainingstherapie Ernährungstherapie/-Beratung

25 Rehabilitation Optimierung der Pharmakotherapie Patintenschulungen (Atemschulung,Theorie, Verhaltenstraining) Rehabilitationsorientierte Diagnostik Physiotherapeutische Atemtherapie Ergotherapie und Hilfsmittelberatung Psychologische/ psychotherapeutische Hilfe Ernährungstherapie/-Beratung Medizinische Trainingstherapie Allergen- und Schadstoffkarenz

26 Rehabilitation Optimierung der Pharmakotherapie Physiotherapeutische Atemtherapie Rehabilitationsorientierte Diagnostik Ergotherapie und Hilfsmittelberatung Medizinische Trainingstherapie Ernährungstherapie/- Beratung Psychologische/ Patintenschulungen psychotherapeutische Hilfe (Atemschulung,Theorie, Verhaltenstraining) Tabakentwöhnung Allergen- und Schadstoffkarenz

27 Rehabilitation Optimierung der Pharmakotherapie Physiotherapeutische Atemtherapie Rehabilitationsorientierte Diagnostik Ergotherapie und Hilfsmittelberatung Psychologische/ Patintenschulungen psychotherapeutische Hilfe (Atemschulung,Theorie, Verhaltenstraining) Tabakentwöhnung Medizinische Trainingstherapie Ernährungstherapie/- Beratung Allergen- und Schadstoffkarenz Sozialmedizinische Beratung und -Leistungsbeurteilung (LTA?)

28 Evaluation Lungenfunktionsparameter Fat free mass 6-min-Gehstrecke Maximale Ergometer Belastung Muskelkraft: Arme, Beine PO 2, PCO 2 und Lactat vor und nach Belastung Lebensqualität: SF 36, St. George-Fragebogen Angst/Depression: HADS (Hospital Anxiety and Depression Scale) Dyspnoe: BDI/TDI (Baseline/Tansitorial Dyspnoe Index), MRC (Medical Research Council Dyspnoe Scale, Borg

29 Dauernde arbeitsmedizinische Bedenken bei schweren pneumologischen Erkrankungen Chemisch-irritativ-toxisch / allergisch auf die Atemwege wirkende Stoffe (G23) Stäube (G ) Schweißer (G39) Kältearbeiten (G21), Hitzearbeiten (G30) Tragen von Atemschutz (G26) Kohlenmonoxid (G7), Schwefelwasserstoff (G11), Chrom-VI-Verbindungen (G15), Arsen (G16), Isocyanate (G27),

30

31

32 Reha - Entlassungsbericht Behandelnde Ärzte Arbeitgeber Attest Gefahr Arbeitsplatzverlust Nur mit Einverständnis des Betroffenen Betriebsarzt - Wiedereingliederung - Leidensgerechter Arbeitsplatz - Arbeitsschutz

33 Fazit Leistungsfähigkeit/Lebensqualität Abnahme Morbidität/Mortalität Verminderung Angst und Depression Inadäquates Verhältnis aus Effektivität und Anzahl bewilligter Maßnahmen Denken Sie bei Ihren Patienten an die Möglichkeit der Rehabilitation! 33

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