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1 Übungsaufgaben zur Weiterbildung Anmerkung: Die Lösungen enthalten nur einige ausgewählte Antworten; weitere Lösungen sind möglich. 1. Was ist unter formeller und informeller Weiterbildung zu verstehen? Welche Probleme ergeben sich bei der statistischen Erfassung informeller Weiterbildung? formelle Weiterbildung: kursförmig organisierte Weiterbildung (z.b. Lehrgang, Seminar) informelle Weiterbildung: arbeitsintegrierte weiche Lernformen (z.b. Einarbeitung, Lernen am Arbeitsplatz) informelle Weiterbildung schwierig erfassbar, weil in die Arbeit integriert; Lernen geschieht oftmals nebenbei 2. Diskutieren Sie mögliche Ursachen für das unterdurchschnittliche Weiterbildungsangebot von KMU. z.b.: eigene Weiterbildung lohnt sich erst ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl keine eigene Personalabteilung bzw. -arbeit; weniger Informationen über Qualifikationsbedarf, bestehende Weiterbildungsangebote externer Träger etc. Freistellung der Mitarbeiter organisatorisch schwierig 3. Welche Gründe können auf der individuellen und der betrieblichen Ebene dafür verantwortlich sein, dass ältere Arbeitnehmer weniger häufig an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen? z.b. Zeithorizont der Beschäftigung ältere Mitarbeiter werden seltener in technische und organisatorische Neuerungen einbezogen Lernhemmungen, Angst vor Medien, Lernen wurde verlernt 4. Was sind mögliche Ursachen für Unterschiede in den vorliegenden empirischen Befunden zu Weiterbildungsangebot und beteiligung aus verschiedenen Erhebungen? einzelnen Befragungen liegen unterschiedliche Methoden zugrunde, z.b. Einthemen-/Mehrthemenbefragung Definition des Weiterbildungsbegriffs Abgrenzung der Untersuchungseinheiten (welche Betriebe/Personen werden befragt?) Untersuchungszeitraum

2 5. Erörtern Sie Gründe für und gegen die Durchführung betrieblicher Weiterbildung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Pro: Freistellung leichter möglich; Opportunitätskosten der Weiterbildung geringer Sicherung des Fachkräftebedarfs für Zeit nach der Krise Weiterbildung endet positives Signal an Mitarbeiter öffentliche Unterstützung Contra: Kosten der Weiterbildung schwer zu tragen Ungewissheit bzgl. der zukünftigen Entwicklung 6. Erläutern Sie die Bedeutung, die der Weiterbildung als Instrument zur Sicherung des Fachkräftebedarfs zukommt. Gehen Sie dabei insbesondere auf die Weiterbildung von Älteren und Frauen ein. Durch Weiterbildung können benötigte Qualifikationen selbst produziert werden. Problem: Bildungsaktivitäten nehmen gewisse Zeit in Anspruch. Aufgrund der geringen Erwerbsbeteiligung bzw. des geringen Arbeitsvolumens bestehen bei Frauen und Älteren noch Fachkräftepotenziale. Ältere, aber auch teilzeitbeschäftigte Mütter nehmen nur unterdurchschnittlich an Weiterbildung teil. Wichtig ist Intensivierung der Weiterbildung; dabei sollte den besonderen Rahmenbedingungen beider Gruppen Rechnung getragen werden (z.b. kontinuierliches Lernen über Erwerbsleben wichtig; organisatorische Gestaltung der Weiterbildung bei Teilzeitbeschäftigten etc.) 7. Welche Anreize bestehen für die Weiterbildung befristet Beschäftigter? Gehen Sie dabei sowohl auf die Perspektive der Unternehmen als auch die der befristet Beschäftigten ein. z.b.: Unternehmen: Lohnt sich Weiterbildung bei kurzen Befristungen? Aber: Befristung als Screening-Instrument Beschäftigte: Anreiz zur Teilnahme vor allem an allgemeinen Weiterbildungsmaßnahmen (bei Beschäftigungswechsel) Anreiz zur Teilnahme an spezifischen Weiterbildungsmaßnahmen (um Verbleibschancen im Betrieb zu erhöhen)

3 8. In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse einer Probit-Schätzung mit Daten des IAB-Betriebspanels 2009 dargestellt, in der das betriebliche Angebot an Weiterbildung die abhängige Variable darstellt (Weiterbildung = 1, keine Weiterbildung = 0). a) Interpretieren Sie die Ergebnisse der Regression (bitte mit Begründung!). b) Welche inhaltlichen und methodischen Probleme weisen die Regressionsschätzungen in der Tabelle auf? c) Welche Möglichkeiten gibt es in dem in der Tabelle dargestellten Beispiel, den Einfluss der Betriebsgröße zu testen? Betrieb ist von der Wirtschaftskrise betroffen -0,027*** Anteil der qualifizierten Mitarbeiter 0,202*** Wöchentliche Arbeitszeit -0,002 Exportierender Betrieb 0,040*** Anteil der Teilzeitbeschäftigten -0,089*** Branchentarifvertrag 0,070*** Firmentarifvertrag 0,051** Betriebsrat 0,052*** Ostdeutscher Betrieb 0,012 Branchendummies ja Anzahl der Beobachtungen Pseudo-R² 0,263 Anmerkung: Signifikanzniveau: ***: 1%; **: 5%; *. 10% In der Regression sind noch weitere Variablen enthalten, die nicht in der Tabelle aufgeführt sind. a) Ist Betrieb von der Wirtschaftskrise betroffen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er weiterbildet, signifikant geringer (Begründung Frage 5) Je höher der Anteil qualifizierter Mitarbeiter, um so höher Wahrscheinlichkeit, dass der Betrieb weiterbildet (Begründung: Qualifizierte Mitarbeiter haben anspruchsvollere Tätigkeiten, sind häufiger mit Neuerungen konfrontiert, haben sich in der Vergangenheit schon als lernfähig und bereit erweisen ) Exportierende Betriebe sind weiterbildungsaktiver (exportiert werden vor allem wissensintensiv erzeugte Güter; evtl. Anforderungen an Fremdsprachenkenntnisse etc.) Mit zunehmendem Anteil der Teilzeitbeschäftigten sinkt Wahrscheinlichkeit der Weiterbildung (Zeitraum der Amortisation der Weiterbildungserträge kürzer, Weiterbildung organisatorisch schwieriger durchzuführen ) Ist Betrieb in einen Tarifvertrag eingebunden, erhöht dies die Weiterbildungswahrscheinlichkeit (verschiedene Tarifverträge regeln Weiterbildungsansprüche der Beschäftigten)

4 Hat der Betrieb einen Betriebsrat, erhöht dies die Weiterbildungswahrscheinlichkeit (Betriebsrat als Interessenvertretung der Mitarbeiter, Mitspracherechte bei Qualifizierungen) b) z.b.: Einzelne wichtige Variablen wurden nicht berücksichtigt (z.b. Betriebsgröße, Anteil der älteren Mitarbeiter ) Einzelne Variablen korrelieren miteinander ein zugrunde liegendes theoretisches Modell fehlt einzelne Variablen sind nicht richtig gemessen (z.b. Betroffenheit von der Wirtschaftskrise Selbsteinschätzung des Befragten) Informationen über Mitarbeiter liegen nur auf Betriebsebene vor (es kann also z.b. nicht richtig beurteilt werden, dass Teilzeitbeschäftigte seltener an Weiterbildung teilnehmen) etc. Pseudo-R² als Maß der Güte der Schätzung nicht kritisch (liegt im üblichen Bereich) Fallzahl ausreichend funktionale Form ok (abhängige Variable: Dummy; Probvit-Schätzung geeignetes Verfahren) c) Größenklassendummies logarithmierte Beschäftigtenzahl 9. In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse einer Probit-Schätzung mit Daten des IAB-Betriebspanels 2008 dargestellt, in der das betriebliche Angebot an Weiterbildung für ältere (über 50-jährige) Mitarbeiter die abhängige Variable darstellt (Weiterbildung = 1, keine Weiterbildung = 0). a) Interpretieren Sie die Ergebnisse der Regression (bitte mit Begründung!). Gehen Sie dabei nur auf die signifikanten Effekte ein. b) Welche inhaltlichen und methodischen Probleme weisen die Regressionsschätzungen in der Tabelle auf? Personalstruktur: Anteil der über 50-jährigen Mitarbeiter Anteil der qualifizierten Mitarbeiter Altersspezifische Personalmaßnahmen: Einsatz von altersgemischten Teams (1=ja, 0=nein) Altersteilzeit (1=ja, 0=nein) 0,1210*** 0,4895*** 1,7434*** 0,4353***

5 Technische Ausstattung: Moderne technische Ausstattung Investitionen in Produktionsanlagen/ Geschäftsausstattung (1=ja, 0=nein) 0,1781** 0,082 Kontext der Arbeitsbeziehungen: Tarifbindung (1=ja, 0=nein) Betriebsrat (1=ja, 0=nein) 0,0403* 0,0733 Betriebsstruktur: Betriebsgröße (logarithmierte Beschäftigtenzahl) 0,2550*** Branche (10 Branchendummies) ja Fallzahl Pseudo R² 0,1692 Anmerkung: Signifikanzniveau: ***: 1%; **: 5%; *. 10%; Basis: Betriebe mit älteren (über 50- jährigen) Beschäftigten gleiches Schema wie bei Frage In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse einer Probit-Schätzung auf Basis des Sozio-Ökonomischen Panels dargestellt, in der die Teilnahme an beruflicher Weiterbildung (1= Person beteiligt sich an beruflicher Weiterbildung, 0= Person beteiligt sich nicht an beruflicher Weiterbildung) die abhängige Variable darstellt. a) Interpretieren Sie die Ergebnisse der Regression (bitte mit Begründung!). Gehen Sie dabei nur auf die signifikanten Effekte ein. b) Welche inhaltlichen und methodischen Probleme weisen die Regressionsschätzungen in der Tabelle auf? Schulischer Abschluss Hauptschule Realschule Fachabitur/Abitur Sonstiger Schulabschluss (Referenzkategorie: kein Schulabschluss) Beruflicher Bildungsabschluss Lehre Studium (Referenzkategorie: kein beruflicher Bildungsabschluss) 0,0465 0,2466** 0,4002*** -0,1124 0,3921*** 0,3525*** Berufliche Stellung Fachkräfte Sachbearbeiter/untere Führungsebene Führungskräfte (Referenzkategorie: einfache Tätigkeiten) 0,4336*** 0,9134*** 1,1007***

6 Befristetes Beschäftigungsverhältnis (1=ja) -0,3289*** Teilzeitbeschäftigung (1=ja) -0,1238** Alter Alter quadriert 0,1022*** -0,0014*** Geschlecht (1=männlich) -0,0719 Staatsangehörigkeit (1=deutsch) 0,3978*** Fallzahl Pseudo-R² 0,2754 Anmerkung: Signifikanzniveau: ***: 1%; **: 5%; *. 10%; Basis: Betriebe mit älteren (über 50- jährigen) Beschäftigten gleiches Schema wie bei Frage 8

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