Ich weiß, wo den Firmen und Arbeitnehmern der Schuh drückt.

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1 Das mitteldeutsche Wirtschaftsmagazin Nr / Jahrgang Preis: 4,50 ISSN: BRANCHENFOKUS FAHRZEUGTECHNIK Unterschätzte Entwicklung Seiten BRANCHENFOKUS ENERGIE Gemeinsame ostdeutsche Stimme Seiten MANAGEMENT Vom Banker zum Unternehmer Seite 40 Titel: Unternehmer mit den Politikern im Dialog Seiten 5-9 Ich weiß, wo den Firmen und Arbeitnehmern der Schuh drückt. Martin Dulig, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

2 Gemeinsam erfolgreich. Halle 2 Stand B 77 Besuchen Sie uns auf der Intec Telefon

3 E D I TO R I A L Erfolge organisieren! Wie jedes Jahr, so traten auch zu Beginn des Jahres 2015 eine Reihe von Gesetzesänderungen in Kraft. Sie reichen von A wie Altersvorsorge über M wie Mindestlohn bis hin zu P wie Pflegezeit. Nun möchte ich mir nicht anmaßen, deren Richtigkeit oder Notwendigkeit in Zweifel zu ziehen. Dass es aber dringenden Handlungsbedarf gibt, insbesondere in der Umsetzung, zeigen die Aussagen des Bundesvorsitzenden der MIT Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, Dr. Carsten Linnemann, und von Bodo Finger, dem VSW- Präsidenten, auf dem Empfang der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft am 13. Januar. Das Thema Bürokratieabbau dürfte wohl ein zentrales Element im neuen Jahr werden. Dazu Dr. Linnemann: Förderung für Unternehmen bedeutet zunächst einmal: Keine neuen Belastungen, sondern Planungs- und Rechtssicherheit für unsere Mittelständler! In unserem ersten Heft 2015 möchten wir mit unserer Themenwahl auch gleich klarstellen, wo das Wirtschaftsjournal in naher Zukunft seine Schwerpunkte sieht. Die Branchen Fahrzeugtechnik Maschinenbau und Energiewirtschaft gepaart mit einer Vorschau auf die 2015 wohl deutschlandweit bedeutendste Messe in Sachen Metallbe- und verarbeitung ließen ein anspruchsvolles, informatives Heft entstehen. Noch intensiver als bisher werden wir uns in diesem Jahr mit den Kernproblemen der einzelnen Branchen auseinandersetzen, unternehmerische Ansprüche geltend machen, aber auch auf Erfordernisse einer modernen Unternehmensführung aufmerksam machen. Dabei werden wir uns weiter im besonderen Maße den Themen Innovation, Forschung und Entwicklung sowie Wissens- und Technologietransfer widmen. So werden auch 2015 Themen wie Unternehmensgründung, Bildung, Fachkräfte, Zuwanderung sowie Energieund Umweltpolitik im Fokus unserer Recherchen stehen. Für uns als kleinen Verlag mit großem Anspruch ist es immer eine Gratwanderung, einerseits die für Unternehmer wirklich wichtigen Themen aufzugreifen und umzusetzen und auf der anderen Seite die Plattform dafür auch zu finanzieren. Neben der weiteren Profilierung als Sprachrohr für den Mittelstand, wollen wir die Beratung unserer Kunden und die Qualität der Werbeformen verbessern, so dass die Botschaft der Unternehmen wirklich bei ihrer Zielgruppe ankommen. Einer unserer Vorsätze im neuen Jahr wird es sein, Ihnen die richtigen Themen im Rahmen unserer Redaktion verstärkt und rechtzeitig für Ihre Entscheidung anzubieten, was bedeutet, Sie als Unternehmer mehr in die inhaltliche Gestaltung unseres Wirtschaftsjournals einzubinden. Lassen sie sich darauf ein, Werbeerfolge mit uns zu or - ganisieren und finden Sie Ihren Werbemix in unseren, was sage ich, in Ihrem Wirtschaftsjournal. Interessante Themen erhöhen die Werbewirksamkeit sich harmonisch einfügender Advertorials. Diese Advertorials beleben die Inhalte des Hefts welches sich dann auch als guter Werbeträger für Imagewerbung empfiehlt. Wie hat mein Geschichtslehrer immer gesagt: Hier grinst die Dialektik! Bleiben Sie uns treu und nutzen Sie uns. Ihr Aber auch den gesellschaftlichen Herausforderungen werden wir uns nicht verschließen, haben doch auch diese einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg unserer mittelständischen Unternehmen. Jörg Winkler Wirtschaftsjournal Januar/Februar

4 I N H A LT Aus dem Inhalt Standpunkte Editorial 3 Titel Chancen allen Sachsen eröffnen 6-7 Mehr Marktwirtschaft ins System! 8 Ein Haus der sächsischen Wirtschaft bauen 9 Innovationen sowie Qualität und Zuverlässigkeit der Produkte Made in East Germany haben den Automobilstandort Ostdeutschland weltweit bekannt gemacht. Branchenfokus Fahrzeugtechnik Seiten Gewerbliche Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, ihren Energieverbrauch und damit die Kosten für Energie zu senken bzw. den Energieverbrauch transparent zu gestalten. Branchenfokus Energie Seiten Fotos: Wolfgang Schmidt Branchenfokus Fahrzeugtechnik Automobiltechnik Made in East Germany 11 Abschlussarbeiten ausgezeichnet 14 Ein Feuerwerk von Neuheiten mit Risikopotenzial Attraktive Arbeitgeber 21 Special intec/z Intec/Z vermittelt Gesprächspartner 24 Faserverbundstrukturen auf dem Weg in die Serie 27 Führungswechsel beim futuresax-projektteam 28 Sehr differenzierte Branchenlage 30 Kurz berichtet 32 Richtfest für neues Forschungsgebäude 33 Branchenfokus Energie Einzigartige Demonstrationsanlage 36 Gemeinsame ostdeutsche Stimme 38 Management Fortsetzung folgt Der König reicht sein Zepter weiter 41 Sachsen! weltweit dabei 42 Kunst und Geld 42 Was der Kunde wirklich braucht 43 Transferbrief Innovationen für die Landwirtschaft 45 Elektromobilität in Chemnitz angekommen 46 Rapid Prototyping mobil 48 Der Auftakt zum Messejahr 2015 steht ganz im Zeichen der Intec. Vom 24. bis 27. Februar begrüßt Leipzig die internationale Branche zum wichtigsten Termin der metallbe- und verarbeitenden Industrie in Deutschland. Special intec/z Seiten Panorama Personalien 49 Kurz berichtet 50 Führungsgeschichten 51 Wirtschaftsfaktor Pferd 52 Zurück zu den Wurzeln! 53 Impressum 54 4 Wirtschaftsjournal Januar/Februar 2015

5 T I T E L Alle Probleme sind im Dialog lösbar Wo stehen wir, wo wollen wir hin? Leipziger Neujahrsempfang lieferte reichlich Gesprächsstoff Der 12. Neujahrsempfang der Leipziger Wirtschaft am 21. Januar stand diesmal mehr als sonst im Zeichen des Dialogs. Es ging weniger darum, allein nur Forderungen an die Politik zu richten, als gemeinsam zu verdeutlichen, wo die Wirtschaft und die Gesellschaft derzeit stehen und wo sie hin wollen. Einen aktuellen Anlass für diesen Sinneswandel bildeten die Demonstrationen der Pegida-Anhänger. Dialog erfordert zwei Voraussetzungen sprachfähig zu sein und zuhören zu können, sagte vor diesem Hintergrund Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig, der statt dem Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich die Grußansprache in der Glashalle der Leipziger Messe hielt. Alles, was zurzeit läuft, muss mit Dialog gelöst werden. Und das ist lösbar, rief der Leipziger IHK-Präsident, Wolfgang Topf, in diesem Zusammenhang den über 1000 Anwesenden zu. Schließlich sei Leipzig durch seine Weltoffenheit groß geworden, ist er überzeugt. Diese Weltoffenheit, um nicht in neu-deutscher Manier Willkommenskultur zu sagen, wiederherzustellen, hat sich auch Dulig zum Ziel gesetzt. Schließlich brauchen die Unternehmen dringend gut ausgebildete Fachkräfte, die nicht mehr in ausreichendem Maße aus den eigenen Reihen rekrutiert werden können. Und diese Fachkräfte sollen leistungsgerecht entlohnt werden. Auch darüber sind sich Politiker und Unternehmer einig. Daher ist es für Topf völlig unverständlich, dass den Unternehmern mit den Auflagen des Bürokratiemonsters Mindestlohn praktisch kriminelle Absichten unterstellt werden. Ein kleines Schauspiel stimmte die Teilnehmer des Leipziger Neujahrsempfangs auf die Themen des Abends ein entscheidende Ereignisse und Persönlichkeiten seit der Ersterwähnung Leipzigs vor 1000 Jahren, die bis heute uns prägen und unsere Stärken ausmachen. Foto: Wolfgang Zeyen Allerdings versprach Dulig vor über 1000 Zeugen auf dem Neujahrsempfang, Rahmenbedingungen für eine unbürokratische Umsetzung des Mindestlohns zu schaffen. Wie er dies nun erreichen will, ließ er an dem Abend noch offen, vielleicht in einem ehrlichen und offenen Austausch mit den Beteiligten? Claudia Hillmann BEWERBEN SIE SICH BIS ZUM 15. FEBRUAR 2015 Jetzt teilnehmen am Sächsischen Staatspreis für Innovation 2015 ZUKUNFT BEGINNT MIT INNOVATION Mehr Informationen unter

6 T I T E L Chancen allen Sachsen eröffnen Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig sieht Handlungsbedarf bei der Umsetzung der Energiewende, der Unterstützung von Exporteinsteigern, dem Breitbandausbau sowie auf dem Arbeitsmarkt Wirtschaftsjournal: Herr Dulig, Sie sind seit Ihrer frühesten Jugend politisch aktiv und studierter Pädagoge. Was prädestiniert Sie außerdem für das Wirtschaftsressort? Martin Dulig: Ich bin hier in Sachsen geboren und aufgewachsen, habe viele Veränderungen in unserem Land miterlebt. In den vergangenen 25 Jahren haben sich viele Türen für eine starke wirtschaftliche Zukunft geöffnet. Diese Chancen müssen wir noch intensiver nutzen, um die Zukunft mitzugestalten die meiner Kinder, ihrer Kinder, die aller Sachsen. Ich habe in den vergangenen Jahren viel mit Unternehmen gesprochen, auch bei Wirtschaftskongressen und in Diskussionsrunden die Fragen gehört und Probleme erkannt. Ich weiß, wo den Firmen aber auch den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in unserem Land der Schuh drückt. Vor allem brauchen wir weiterhin gut ausgebildete Fachkräfte, faire Arbeitsbedingungen und gute Löhne. Als Vater und Pädagoge habe ich meinen kleinen Beitrag dazu schon leisten können. Jetzt möchte ich dazu beitragen, diese Chancen allen Sachsen zu eröffnen. Wirtschaftsjournal: Eine existenzielle Frage für die Unternehmer ist die nach einer bezahlbaren Energieversorgung. Wo sehen Sie dafür Ihren Spielraum, um verlässliche Rahmenbedingungen mitgestalten zu können? Martin Dulig: Vorab ist es mir wichtig, festzuhalten: Wir brauchen die Energiewende mit dem Ausstieg aus der Kernenergie und ihren klimapolitischen Zielen. Wir brauchen sie für die Menschen, ökologisch und ökonomisch. Unsere Wirtschaft wird mit einer weitestgehend von Rohstoffpreisschwankungen unabhängigen Energiebasis und dauerhaft bezahlbaren Energiepreisen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten und ausbauen können. Das Geld, das wir dafür heute investieren, wird unser Land mit mo dernster Technik zukunftsfähig machen. Die Kosten dafür müssen wir heute wirtschaftlich vernünftig und gerecht verteilen. Ein wichtiger Partner in der Energiewende in Sachsen bleibt auch in den kommenden Jahren die heimische Braunkohle. Ich teile die Einschätzung, dass sozialverträgliche und wettbewerbsfähige Energiepreise für die Akzeptanz und das Gelingen der Energiewende von erheblicher Bedeutung sind. Umso erfreulicher ist es, dass der Anstieg der Energiepreise in diesem Jahr durch den leichten Rückgang der EEG-Umlage zunächst gestoppt wurde. Man muss sich grundsätzlich die Frage stellen, warum die Energiepreise für die Verbraucher in den letzten Jahren stetig gestiegen sind, während der Zuwachs an erneuerbaren Energien an der Strombörse für fallende Preise sorgte. Wir müssen dafür sorgen, dass diese erfreuliche Preisentwicklung in den Haushalten, bei Handwerkern und kleinen und mittelständischen Unternehmen ankommt. Darüber hinaus vertrete ich die Auffassung, dass die Kosten des Ausbaus auf breitere Schultern verteilt werden müssen. Das betrifft zum einen die Energieerzeuger, die in stärkerem Maße in die Systemverantwortung genommen werden sollten. Wer volatil einspeist, sollte seinen Beitrag zur Stabilität der Netze leisten und das nicht den Stromkunden über die Netz entgelte überlassen. Auch sollte man nach angemessener Zeit noch einmal überprüfen, ob all die Branchen und Unternehmen, die nach der EEG-Novelle des letzten Jahres eine redu zierte EEG-Umlage zu zahlen haben, das auch tatsächlich be - nötigen. Ich sehe insofern einigen Handlungsbedarf, wenn wir die Energiewende zum Erfolg führen wollen. Wirtschaftsjournal: Bei der Vergabe der Innovationsschecks im Rahmen des C3-Saxony-Projekts sagten Sie selbst Innovationen sind der Treibstoff für Wirtschaftswachstum. Doch nach wie vor haben die meist kleinen Betriebe Sachsens Probleme, in einem ausreichenden Maße in Forschung und Entwicklung zu investieren. An welchen Stellschrauben werden Sie nun als Wirtschaftsminister drehen, um noch stärker als bisher die Unternehmen in die Lage versetzen zu können, innovativ zu sein? Vita Martin Dulig geboren am in Plauen Baufacharbeiter und Diplompädagoge seit 1992 Mitglied der SPD/ Mitbegründer der Jusos in Sachsen seit 2004 Abgeordneter im Sächsischen Landtag seit 2009 Vorsitzender der SPD Sachsen verheiratet, sechs Kinder, wohnhaft in Moritzburg 6 Wirtschaftsjournal Januar/Februar 2015

7 T I T E L Der Breitband-Ausbau, die Förderung bestimmter innovativer Branchen wie zum Beispiel der Software-Entwicklung und letztendlich die Vorbereitung der Unternehmen auf die Industrie 4.0 die Digitalisierung ist das Thema unserer Zeit. Martin Dulig Spürsinn und Risikobereitschaft mit wissenschaftlicher Exzellenz verbinden und sich eine hohe ökonomische Verwertungswahrscheinlichkeit für Sachsen aus der Förderung von Forschung und Entwicklung abzeichnet. An diesem Grundsatz werde ich festhalten. Fotos: Götz Schleser Martin Dulig: Kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) in Sachsen haben es oft nicht leicht, aus eigener Kraft in Forschung und Entwicklung zu investieren. Wir bieten Ihnen daher über die europäischen Programme EFRE und EFS Hilfen an und auch Zuschüsse aus dem Landeshaushalt. Mit einer neuen Prämie unterstützen wir als Freistaat Sachsen KMU bei der Beantragung von Fördergeldern aus dem HORIZON-Programm der EU. Wir unterstützen einerseits das Größenwachstum der Unternehmen, andererseits fördern wir in allen Unternehmen FuE-Projekte. Gezielte Kooperationen unserer sächsischer Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Branchennetzwerken, Verbundinitiativen und Clustern haben sich schon in der Vergangenheit als äußerst fruchtbar erwiesen. Diese Kooperationen wollen wir nun weiter ausbauen. Dabei erhalten KMU höhere Förderquoten als große Unternehmen. Darüber hinaus werden wir in der neuen Strukturfondsperiode verstärkt Instrumente der ESF-Technologieförderung einsetzen, um die personelle Basis für intensiveren Technologietransfer zu stärken und die FuE in KMU weiter zu verbessern. Wirtschaftsjournal: Wie stehen Sie zu der Forderung von Bodo Finger, Präsident der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW), die Technologieförderung technologie- und branchenoffener zu gestalten? Martin Dulig: Sachsen ist mit diesem Prinzip der Technologie- und Branchenoffenheit in nun schon über 22 Jahren Technologieförderung gut gefahren. Wir setzen Fördergelder überall dort ein, wo sich unternehmerischer Wirtschaftsjournal: Neben einer bezahlbaren und zuverlässigen Energieversorgung sowie Innovationsstärke ist auch die Erschließung internationaler Märkte ein zentrales Erfolgskriterium für die Unternehmen. Auch hier wirkt die Kleinteiligkeit der sächsischen Betriebe oft hinderlich. Sehen Sie Möglichkeiten seitens der Politik stärker als bisher unterstützend zu wirken? Martin Dulig: Vor allem die Erschließung von Auslandsmärkten stellt gerade für kleine und mittelständische Un - ternehmen eine Herausforderung dar. Hier wollen und müssen wir als Freistaat unterstützend helfen. Etwa mit einer finanziellen Förderung außenwirtschaftlicher Aktivitäten und dem Landesmesseprogramm. Aber auch mit Delegationsreisen, die gerade kleineren Unternehmen den Weg auf internationale Märkte erleichtern und helfen, wichtige Kontakte zu knüpfen. Aber wir wollen noch mehr: Ich will prüfen, wie wir gerade Exporteinsteiger noch zielgerichteter unterstützen und damit noch mehr Unternehmen für das Auslandsgeschäft gewinnen können. Wirtschaftsjournal: Wo sehen Sie persönlich in Ihrem Ressort die größten Baustellen, die Sie nun angehen werden? Martin Dulig: Das SMWA ist für mich das Zukunfts - ministerium schlechthin. Hier fließen viele wichtige Themen ineinander wie Mittelstand, Technologieförderung, Arbeitsmarkt und Energiepolitik alles unter dem Dach von Innovationen und Zukunft. Ein ganz wesentlicher Schwerpunkt unserer Arbeit, der sich über alle Bereiche erstreckt, ist die Digitalisierung. Der Breitband-Ausbau, die Förderung bestimmter innovativer Branchen wie zum Beispiel der Software-Entwicklung und letztendlich die Vorbereitung der Unternehmen auf die Industrie 4.0 die Digitalisierung ist das Thema unserer Zeit. Aber auch auf dem Arbeitsmarkt wollen wir aktiver werden als bisher faire Löhne für gute Arbeit endlich auch in Sachsen sind unser Ziel. Dieses haben wir im Wahlkampf sogar in Stein gemeißelt jetzt machen wir uns an die Umsetzung. Gespräch: Claudia Hillmann Wirtschaftsjournal Januar/Februar

8 T I T E L Mehr Marktwirtschaft ins System! Interview mit Dr. Carsten Linnemann, Bundesvorsitzender der MIT Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU Ob Erbschaftssteuer, Mindestlohn oder Solidaritätszuschlag viele politische Diskussionen und Entscheidungen werden von Deutschlands Unternehmerinnen und Unternehmern eher sorgenvoll zur Kenntnis genommen. Welche Gefahren für unternehmerische Entwicklungen drohen können und wie entgegengewirkt werden kann, darüber sprach Wirtschaftsjournal mit Dr. Carsten Linnemann, Bundesvorsitzender der MIT Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU. Wirtschaftsjournal: Das Bundesverfassungsgericht hat die Steuerverschonung von Firmen für verfassungswidrig erklärt. Welche Probleme sehen Sie damit vor allem auf kleine und mittelständische Unternehmen zukommen? Carsten Linnemann: Zum Glück hat das Verfassungsgericht die Verschonungsregelungen ja im Grundsatz be - stätigt. Es wird also auch weiterhin möglich bleiben, Unternehmensübergänge anders zu behandeln als Privatvermögen, wenn dadurch Arbeitsplätze gesichert werden. Daher begrüße ich auch die Ankündigung von Bundesminister Schäuble, diesen Gestaltungsspielraum voll ausschöpfen und nur minimalinvasiv nachbessern zu wollen. Denn eins ist klar: Deutschlands Stärke ist der Mittelstand, in dem Familienunternehmen von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dieses Erfolgsmodell darf nicht durch eine restriktive Erbschaftsteuergesetzgebung zerstört werden. Verschonungen und Ermäßigungen müssen auch in Zukunft erhalten bleiben. Die MIT wird das ganz genau im Blick behalten. WJ: Insbesondere in den neuen Bundesländern wird aufgrund der noch zu geringen Wirtschaftskraft der Mindestlohn als Bedrohung für zahlreiche Arbeitsplätze angesehen. Sollte es hier Nachbesserungen geben? C. Linnemann: Wir haben beim Mindestlohn schon herausgeholt, was möglich war. Zu mehr war der Koalitionspartner nicht bereit. Was aber derzeit für viel größeren Unmut sorgt, ist die Umsetzung des Mindestlohns. Innerhalb der Koalition war Konsens, dass diese Umsetzung möglichst bürokratiearm von statten gehen soll. Aber was passiert? Die deutsche Wirtschaft wird aus dem Arbeitsministerium von einer neuerlichen Flut an Aufzeichnungspflichten überzogen. Größere Unternehmen, die über Personalabteilungen verfügen, mag das nicht kratzen. Aber der kleine Mittelständler, der seinen Verwaltungskram noch abends am Küchentisch erledigt, der hat das Nachsehen. Hier muss dringend nachgebessert werden. Ein entsprechender Forderungskatalog, der unter anderem Erleichterungen für Minijobber vorsieht, liegt bereits auf dem Tisch. WJ: Welche Möglichkeiten hat die MIT, um Unternehmertum nachhaltig zu fördern und zu unterstützen? C. Linnemann: Förderung für Unternehmen bedeutet zunächst einmal: Keine neuen Belastungen, sondern Planungs- und Rechtssicherheit für unsere Mittelständler! Dafür setzen wir uns ein. Zudem müssen wir schauen, wo es brennt. Nehmen Sie das Beispiel Fachkräftemangel. Ich höre von immer mehr Unternehmern, die verzweifelt sind, weil ihre Leute mit 63 in Rente gehen wollen. Nicht nur, weil Wissen und Know-how mit einem Schlag verloren gehen, sondern weil es an Menschen fehlt, die nachfolgen können. Die demografische Entwicklung macht sich also bereits heute bemerkbar und sie wird es in wenigen Jahren mit voller Wucht tun. Die Politik ist jetzt dringend gefragt, diese Herausforderung zu meistern. Unter anderem setzt die MIT hier auf die Flexi-Rente. Mit ihr wollen wir einen Bewusstseinswandel für längeres Arbeiten in Gang setzen und den Umstand nutzen, dass viele Menschen im Rentenalter heute noch fit und leistungsfähig sind. Wir müssen weg von starren Altersgrenzen, da ist noch viel Luft nach oben. Im Rentenpaket haben wir schon einen ersten Schritt in diese Richtung geschafft. Seit dem ist es möglich, Arbeitnehmer im Rentenalter befristet zu be - schäftigen. Aber das reicht nicht, wir wollen die Menschen dazu ermutigen, diese Möglichkeit auch zu nutzen. Unser Vorschlag zur Einführung eines Flexi-Bonus wird daher auch heiß diskutiert. Aber der Fachkräftemangel ist nur ein Thema von vielen. Wichtig wird auch sein, dass wir energiepolitisch wieder in sicheres Fahrwasser kommen. Das kann nur gelingen, wenn endlich mehr Marktwirtschaft ins System kommt. Auch die Abschaffung der kalten Progression steht weiterhin ganz oben auf unserer Agenda. Der jüngste Beschluss des CDU-Parteitages zur Steuerbremse war hier ein erster Erfolg. Gespräch: Simone Pflug Dr. Carsten Linnemann, Bundesvorsitzender der MIT Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU. 8 Wirtschaftsjournal Januar/Februar 2015

9 T I T E L Ein Haus der Sächsischen Wirtschaft bauen Die Neujahrsempfänge sind oft von Harmonie gekennzeichnet doch VSW-Präsident Bodo Finger rüttelt auf Der Januar ist der Monat der traditionellen Neujahrsempfänge. Während Landtagspräsident Matthias Rößler gleich zu Jahresbeginn Sachsen als moderne Wirtschaftsregion in der Mitte Europas lobte und die große Bedeutung der Landesparlamente für Demokratie, Heimatverbundenheit und Bürgernähe beschwor, widmete sich André Hofmann, Geschäftsführer des bisosaxony e. V., eher praktischen Themen. Nachdem der Verein Ende letzten Jahres sein fünfjähriges Bestehen feierte, sollen nun die Netzwerkaktivitäten verstärkt werden. Die Kooperation mit dem Silicon Saxony e. V. wird intensiviert, die Kapitalwerkstatt wird fortgesetzt und die bionection erlebt eine 2. Auflage am 1. und 2. Oktober in Leipzig. Am eindrucksvollsten gestaltete sich die Rede von VSW-Präsident Bodo Finger auf dem Empfang seines Verbandes am 13. Januar. Er sparte nicht mit Kritik an wirtschaftspolitisch umstrittenen Entscheidungen wie der Einführung des Mindestlohnes und den weitgehend leeren Versprechungen zum Bürokratieabbau. Doch vor gut 500 Gästen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft bot er dem Ministerpräsidenten und dem Wirtschaftsminister an, gemeinsam ein Haus der sächsischen Wirtschaft zu bauen auf dem Fundament einer soliden Finanzpolitik und unter dem Dach Mehr investieren weniger umverteilen. Das Dachgeschoß, so Finger, sollte für ausländische Gäste bereitstehen. Sie vermitteln uns auch über den provinziellen Horizont hinaus eine Pers - pektive, die umso weiter reicht, je mehr sie von Toleranz, Respekt und Bescheidenheit begleitet ist. So entsteht von ganz allein eine Dialogbereitschaft gegenüber Andersdenkenden und unbequemen Minderheiten. Wir müssen diesen VSW-Präsident Bodo Finger, Sachsenmetall-Hauptgeschäftsführer Andreas Winkler und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich im Gespräch (v.l.) Foto: VSW Dialog führen, weil jede Art von Ausgrenzung Konflikte befördert, sagte er weiter. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich hatte seinen Neujahrsempfang am 14. Januar unter das Motto Aus aller Welt zu Hause in Sachsen gestellt und warb für Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und ein gutes Miteinander. SP Bürokratiemonster Mindestlohn Die größten Herausforderungen für den Arbeitgeber Das Mindestlohngesetz, das am 1. Januar in Kraft getreten ist, wird die Unternehmen noch lange beschäftigen. Zu dieser Einschätzung kommen auch die Experten des Software-Herstellers Sage und die Arbeitsrechtler von Kleffner Rechtsanwälte. Es gebe noch zu viele Unklarheiten und Probleme bei der Realisierung der neuen Anforderungen. Zeiterfassung in den Alltag integrieren Das Mindestlohngesetz sieht vor, dass die Arbeitszeit der Arbeitnehmer, denen der Mindestlohn zusteht und die weniger als 2958 Euro brutto monatlich verdienen, erfasst wird. Dokumentiert werden muss damit Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit und das spätestens bis zum Ablauf des siebten Kalendertags. Zwei Jahre müssen die Daten archiviert werden. Den Mindestlohn richtig ausrechnen Abgesehen von der Erfassung ist auch die Höhe des Lohns weiter ein Thema. Gezahlt werden müssen 8,50 Euro. Punkt. Das könnten Arbeitgeber meinen. Ganz so einfach ist es aber nicht. Denn was ist mit Sachbezügen, Weihnachtsgeld oder dem 13. Gehalt? Ressourcenmangel bei Minijobbern ausgleichen Der Mindestlohn stellt insbesondere Firmen mit vielen Minijobbern vor große Herausforderungen. Denn die Grenze von 450 Euro, die die Deutschen steuerfrei pro Monat verdienen können, bleibt bestehen. Ein Kunde berichtete uns von einem massiven Ressourcenproblem, da seine Minijobber nun weniger Stunden arbeiten dürfen als vorher und er einfach kurzfristig nicht genügend Personal gefunden hat, um die Lücke auszugleichen, berichtet Sage Produktmanagerin Dr. Andrea Schmidt. Weitere Informationen unter: Wirtschaftsjournal Januar/Februar

10 B R A N C H E N F O K U S FA H R Z E U G T E C H N I K Aus einer Handvoll Automobilunternehmen vor der Wende sind inzwischen 269 (2013) Betriebe mit Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 21 Milliarden Euro geworden. Ein Fünftel der deutschen Autobranche ist heute im Osten der Republik beheimatet. Innovationen sowie Qualität und Zuverlässigkeit der Produkte Made in East Germany haben den Automobilstandort Ostdeutschland weltweit bekannt gemacht. Gute Beispiele stellt Wirtschaftsjournal auf den folgenden Seiten vor. Foto: Wolfgang Schmidt

11 B R A N C H E N F O K U S FA H R Z E U G T E C H N I K Automobiltechnik Made in East Germany Kolumne von Dr. Helmut Becker, ehemaliger Chefvolkswirt der BMW AG Ich stehe nicht auf, um zu verlieren! Dieser Satz, gesprochen von Siegfried Fiebig, Leiter von VW Sachsen, steht programmatisch für die Entwicklung der gesamten ostdeutschen Automobilindustrie nach der Wende. Im Nachhinein kann man sagen, dass die ostdeutsche Autoindustrie vor 25 Jahren mit einem unglaublichen Siegerwillen aufgestanden ist. Unmittelbar nach der Wende konnte von einer wettbewerbsfähigen ostdeutschen Autoindustrie mit entsprechender Automobiltechnik nach westlichem Standard keine Rede sein, sieht man von einigen wenigen in - dustriellen Einsprengsel wie der Motorenfabrik von VW und einigen kleineren Nischen- Zulieferbetrieben ab, die bereits damals für westdeutsche Hersteller produzierten. Die automobilen Eigengewächse Wartburg und Trabant waren Kinder der Planung und des alternativlosen Mangels, nicht von Verbrauchern heiß begehrte Produkte. Und heute? Aus einer Handvoll Automobilunternehmen vor der Wende sind inzwischen laut VDA 269 (2013) Betriebe mit Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 21 Milliarden Euro geworden; ein Fünftel der deutschen Autobranche ist heute in Ostdeutschland beheimatet. Mit den Herstellern Volkswagen in Chemnitz mit höchst innovativen Motoren in der Plug-In Technologie und dem Endziel, durch die Kombination von Diesel- mit Elektromotor Verbräuche bis zu 1 Liter zu ermöglichen; mit der Gläsernen VW-Fabrik in Dresden und dem Autowerk Zwickau/Mosel, wo heute täglich über 1300 Autos vom Band rollen; mit Opel in Eisenach sowie BMW und Porsche mit dem neuen automobilen Agglomerationszentrum in Leipzig gehören Sachsen und Thüringen heute zu den wichtigsten Standorten der europäischen Automobilindustrie. Innovationen sowie Qualität und Zuverlässigkeit der Produkte Made in East Germany haben den Automobilstandort Ostdeutschland innerhalb kürzester Zeit weltweit bekannt gemacht. Aber wie heißt es schon in Bert Brechts Dreigroschenoper: Denn die einen sind im Dunkeln und die anderen sind im Licht, und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht! Zu denen, die ohne Zweifel im Lichte stehen, gehören die Autohersteller selber. Da wäre an erster Stelle Volkswagen zu nennen, das mit seinem Engagement von Beginn der 90iger an dem über 100jährigen sächsischen Automobilbau quasi neues Leben eingehaucht hat. Auch Opel hat in Eisenach einen Traditions- Automobilstandort wieder neu gestartet. Danach folgt der Neu-Investor BMW, der seit 2005 mit Eröffnung eines neuen Automobilwerkes in Leipzig nicht nur für sich selber, sondern für die ganze Region mit innovativen Produkten für den Weltmarkt nahtlos die frühere Erfolgsgeschichte der ostdeutschen Automobilindustrie fortschreiben konnte. Ein neues Kapitel fügte BMW 2014 mit Beginn der Serienproduktion der höchst innovativen Elektroautos i3 und i8 am Standort Leipzig hinzu. Das gleiche gilt für den Edel-Sportwagen - hersteller Porsche, der nach Eröffnung eines Monta - gewerkes in 2002 sehr rasch die Vorzüge eines exzel - lenten Arbeitskräfteangebotes und einer breit aufgestellten Forschungs- und Wissenschaftskompetenz im Hochschul-Umfeld zu schätzen gelernt hat. Im Brechtschen Dunkeln stehen dagegen die zahlreichen kleinen und mittleren Zulieferer und Dienstleister, die sich nach der Wende in Windeseile nach oben gearbeitet haben. Kreativität, Motivation, persönlicher Einsatz bis zur Grenze des Möglichen waren die treibenden Kräfte für den Erfolg. Ergebnis sind unzählige Innovationen, z. B. bei Radnabenelektro- Motoren, bei Einspritzanlagen, Abgassystemen und, und, und. Viele Zulieferer wurden auf ihren Feldern Weltmarktführer, sog. hidden champions. Ohne Einbettung und wissenschaftliche Begleitung und Förderung der schöpferischen Unternehmer durch ein Netzwerk von exzellenten technischen Hochschulen und Instituten in Chemnitz, Dresden und Zwickau wäre das aber nicht möglich gewesen. Damit die Erfolgsstory weitergehen kann, ist es gleichwohl erforderlich, dass die von den Unternehmen entwickelten Fähigkeiten und Innovationen in den Weltmarkt getragen werden. Dafür sind die Initiativen einer dritten Gruppe gefragt, die ebenfalls meist im Dunkeln tätig ist. Die Rede ist hier vom Automobilcluster Ostdeutschland (ACOD) sowie Vorträge und Seminare von Dr. Helmut Becker: Mit den Kenntnissen eines Insiders und der Denke eines Outsiders Automobilindustrie in turbulentem weltwirtschaftlichem Umfeld Wo geht die Reise hin? Warum die Schuldenkrise Griechenlands ein Glücksfall für die Welt ist. Nach der Krise ist vor der Krise Wo geht die Reise hin? Weltwirtschaft in der Schuldenfalle Wiederholt sich 1929? Automobilindustrie im Auslesewett - bewerb Wer wird überleben? allen übrigen Länderinitiativen. Und weil gerade kleine und mittlere Automobilzulieferer sich Neuem öffnen müssen, um die Zukunft mit neuen Ideen aktiv zu gestalten, muss last but not least eine Institution besonders hervorgehoben werden: der seit 1997 jährlich durchgeführte Internationale Jahreskongress der Automobilindustrie der IHK Chemnitz- Zwickau. Mit diesem Kongress ist es gelungen, für die Welt ein Schaufenster der Stärken des ostdeutschen Automobilbaus zu schaffen, nicht nur bei den angrenzenden Nachbarn im Osten, sondern z. B. bis nach China, Indonesien und Thailand. Möge die Jubiläumsveranstaltung in 2016 ein weiteres Glanzlicht für die Automobiltechnik Made in East Germany setzen! Wirtschaftsjournal Januar/Februar

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