Risikoorientierte Täterarbeit

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1 Kanton Zürich Direktion der Justiz und des Innern Amt für Justizvollzug Massnahmenzentrum Uitikon Risikoorientierte Täterarbeit Zentrales Denk- und Handlungsmodell

2 Die Grundlagen Risikoorientierte Täterarbeit basiert auf der Grundlage der aktuellen Erfahrungen und Forschungsergebnisse aus Sozialpädagogik und Forensik. Sie integriert eine von Achtung, Respekt und Fürsorglichkeit geprägte Pädagogik und grenzt sich von einem ausschliesslich Gehorsam erwartenden oder rein Verständnis gewährenden Erziehungsstil ab. Wichtige Bestandteile der Risikoorientierten Täterarbeit sind der Risikoorientierte Sanktionenvollzug und der Erwerb und die Einübung eines individuellen Risikomanagements. Die Risikoorientierte Täterarbeit berücksichtigt die Strukturen der gesellschaftlichen und familiären Herkunftssituation der jungen Straftäter. Das Wissen um einen ungünstigen Sozialisationsverlauf des Täters trägt zwar zu einem besseren Verständnis seines Handelns bei, entschuldigt aber keineswegs die von ihm begangenen Delikte. Die jungen Straftäter im MZU werden somit in erster Linie nicht als Opfer ihrer Lebensumstände, sondern als Täter begriffen.

3 Die Inhalte Zentrales Anliegen der Risikoorientierten Täterarbeit ist die Verantwortungsübernahme des Täters für sein Deliktverhalten und seine Lebensumstände. Sie setzt einerseits auf unmittelbare Konfrontation des jungen Straftäters mit seinem regelwidrigen Verhalten im Alltag, andererseits auf deliktrekonstruktive Auseinandersetzungen mit seinen Straftaten bzw. mit seinen Einweisungsgründen. Dabei gilt der Grundsatz, dass jede Konfrontation konstruktiv und unterstützend sein soll. Über allem muss beim jungen Straftäter die Erkenntnis stehen, dass delinquentes und gewalttätiges Verhalten einen unzureichenden Versuch der Lebensbewältigung darstellt. Die Risikoorientierte Täterarbeit zielt auf die Entwicklung eines Männerbildes, weg von delinquentem, selbst- und fremdschädigendem Verhalten: Dieses beinhaltet die Ausbildung einer sozial angemessenen Werthaltung und die Verantwortungsübernahme für vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges Fühlen, Denken und Handeln. Die Risikoorientierte Täterarbeit vermittelt dem jungen Straftäter durch die rückblickende Auseinandersetzung mit dem Delikt das notwendige Wissen über die dem Tatablauf und der Tatdynamik innewohnenden kriminogenen Faktoren. Sie konfrontiert ihn mit seinen deliktfördernden Denk- und Bewertungsmustern, Fantasien, Handlungsbereitschaften und seinen Delinquenz fördernden Lebensumständen. Dies bedeutet, dass der junge Straftäter in der Lage ist, rechtzeitig vor Beginn einer Risikosituation sein fremd- und selbstschädigendes Verhalten zu erkennen und dieses in einem sozial verträglichen Sinne zu verändern. Eine wichtige Orientierungshilfe für den jungen Delinquenten und die Mitarbeitenden im Rahmen der Deliktbearbeitung und Persönlichkeitsentwicklung ist der vom MZU entwickelte Tatkreislauf auf der Grundlage des Gewaltkreislaufs nach Lempert: dieser geht von dem idealtypischen, prozesshaften Ablauf eines Deliktes aus. Der individualisierte Tatkreislauf und das persönliche Risikomanagement werden gemeinsam mit dem jungen Straftäter erarbeitet. Die risikoorientierte Arbeit setzt bei der rekonstruktiven Auseinandersetzung von delinquentem Verhalten an und vermittelt dem jungen Straftäter ein differenziertes Wissen über Tatablauf und Tatdynamik. Da zahlreiche junge Straftäter ihre Delikte unter Anwendung von Gewalt verübt haben, sind die Grundannahmen der Gewaltpädagogik (GHM) eine weitere, wichtige Orientierungshilfe von Risikoorientierter Täterarbeit.

4 Der Tatkreislauf Tatkreislauf Lebensumstände Neutralisationstechniken Nachtatempfinden, -verhalten Tat Vorhaben aussprechen tatbegünstigende Faktoren Risikomanagement tatbegünstigende Einstellung & Haltung sowie Tatphantasien Tatauslöser z.b. Weggehen Gedanken & Gefühle Nachfragen und die eigene Bewertung überprüfen Freundeskreis überprüfen, keine Drogen konsumieren etc. Die gezielte Konfrontation gilt den dem Delikt zugrundeliegenden deliktrelevanten Persönlichkeitsmerkmalen und der daraus entstehenden Deliktdynamik, die im Tatkreislauf abgebildet ist. Der Tatkreislauf dient der Bearbeitung dieser dynamischen Risikofaktoren. Er beschreibt die individuellen deliktbegünstigenden Elemente als eine Kette von persönlich getroffenen Entscheidungen. Deren Aufarbeitung mündet in der Entwicklung eines Risikomanagements, um die Begehung neuer Delikte zu verhindern. Zu den zentralen Aspekten des deliktdynamischen Verhaltens gehören u.a. die ständige Delegation von Verantwortung, die verzerrte Einschätzung von Menschen und Situationen sowie verschiedenste kriminogene Faktoren wie z.b. Peers, Drogen und Lebenshaltungen. Im MZU-Alltag werden diese Aspekte in verschiedenen Anforderungs- und Konfliktsituationen sichtbar. Die Aufarbeitung erfolgt dann in entsprechenden Ereigniskreisläufen, die im Alltag nachvollzogen werden und durch Reflektion Veränderung initiieren.

5 Die Formen und Methoden Folgende Aspekte werden in der Betreuung als richtungsweisend verstanden: Krisen werden als Chancen für nächste Lernschritte gesehen. Jede Form von Gewalt wird als willentlicher und bewusster Akt verstanden und nicht akzeptiert. Drogenkonsum wird nicht toleriert, da Drogenfreiheit positive Veränderungen und Entwicklung ermöglicht. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen delinquenten Verhalten und den entsprechenden kriminogenen Faktoren ist für die jungen Straftäter verpflichtender Bestandteil der Massnahme. Diese Konfrontation im Rahmen der Risikoorientierten Täterarbeit wird im Alltag des MZU in der Arbeit aller Berufsgruppen (Sozialpädagogik, Ausbildung, Forensische Therapie) durch das Handlungsprinzip «Hinschauen und Reagieren so wie Fordern und Fördern» wahrgenommen. Die Mitarbeitenden des MZU respektieren den jungen Straftäter als Person, distanzieren sich aber ausdrücklich von seinen Delikten. Mit den vereinbarten und in internen Weiterbildungen für das gesamte Personal verinnerlichten Werthaltungen stehen die Mit-arbeitenden aller Bereiche im Vollzugsalltag des MZU den jungen Straftätern als Orientierung und Reibungsfläche zur Verfügung. Die Risikoorientierte Täterarbeit (ROTA) als Bestandteil des Risikoorientierten Sanktionenvollzugs (ROS) dient dem zentralen Vollzugsziel der Verhinderung neuer Delikte und somit dem effektiven Opferschutz. MZU Aktualisiert: September 2013

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