Kommentierte Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zur Organisation, Methodik und Effizienz des Kreditmanagements

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1 Arbeitsbericht Nr. 2 des Instituts für Unternehmensdiagnose - InDiag... Kreditmanagement in der Unternehmenspraxis Kommentierte Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zur Organisation, Methodik und Effizienz des Kreditmanagements Bochum 2006 Bernd Weiß Julia Bolik Kerstin Graßhoff

2 Impressum... Impressum Prof. Dr. Bernd Weiß Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre sowie Finanzwirtschaft und Controlling Institutsleitung, InDiag Institut für Unternehmensdiagnose Diplom Betriebswirtin (FH) Julia Bolik Projektleitung InDiag Institut für Unternehmensdiagnose Diplom Ingenieurin (FH), Diplom Wirtschaftsingenieurin (FH) Kerstin Graßhoff Wissenschaftliche Mitarbeiterin InDiag Institut für Unternehmensdiagnose Diese empirische Untersuchung wurde als Auftragsforschung von dem Institut für Unternehmensdiagnose (InDiag) im Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Bochum konzipiert, durchgeführt und ausgewertet. Die Autoren danken dem Verein für Credit Management e.v. (VfCM), Kleve, für die Förderung und die freundliche Unterstützung bei der Durchführung der Studie. Unser Dank gilt besonders den Mitarbeitern bei den mitwirkenden Unternehmen, die durch Ihre Auskunftserteilung diese Studie erst ermöglichten! Wir hoffen, dass die abgeleiteten Erkenntnisse dazu beitragen, den Stellenwert und die Effizienz des Kreditmanagements in Deutschland weiter zu verbessern. InDiag- Institut für Unternehmensdiagnose Hochschule Bochum Fachbereich Wirtschaft Lennershofstr Bochum Telefon: Auflage 2006 InDiag Institut für Unternehmensdiagnose, Bochum; Verein für Credit Management e.v., Kleve Das Werk einschließlich aller Abbildungen ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne die Zustimmung von InDiag und des Vereins für Credit Management e.v. unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Bearbeitung in elektronischen Systemen. Seite 2

3 Verzeichnisse... Inhaltsverzeichnis Seite 1. Gegenstand und Ziel der Untersuchung Strukturdaten der beteiligten Unternehmen Die Auswertung der Untersuchungsergebnisse Die Organisation des Kreditmanagements Spannungsfeld Kreditmanagement und Verkauf Externer Meinungsaustausch im Kreditmanagement Informationen als Grundlage der Bonitätsprüfung Organisation und Steuerung der Kreditvergabe Kreditüberwachung Das Mahn- und Inkassowesen Forderungsausfälle Forderungen und Finanzierung Verhalten gegenüber jungen Unternehmen EDV-Einsatz im Kreditmanagement Besondere Herausforderungen im Kreditmanagement Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse Anlagen Literatur Seite 3

4 Verzeichnisse... Abbildungsverzeichnis Seite Abbildung 1: Branchenzugehörigkeit... 9 Abbildung 2: Branchenzugehörigkeit im Zeitablauf Abbildung 3: Einteilung der Unternehmen in Größenklassen Abbildung 4: Nutzung interner Informationsquellen Abbildung 5: Nutzung der externen Informationsquelle Kunde Abbildung 6: Nutzung weiterer externer Informationsquellen Abbildung 7: Nutzung bilanzieller Informationen Abbildung 8: Nutzung weiterer Bonitätsinformationen Abbildung 9: Mahngebühren und Verzugszinsen Abbildung 10: Forderungsausfälle Tabellenverzeichnis Seite Tabelle 1: Kurzfristige Forderungen in der Bilanz... 6 Tabelle 2: Rechtsform Tabelle 3: Altersstruktur Tabelle 4: Mitarbeiterzahl Tabelle 5: Jahresumsätze Tabelle 6: Größe des aktiven Kundenstamms Tabelle 7: Umsatzkonzentration Tabelle 8: Existenz einer Kreditrichtlinie Tabelle 9: Zuständigkeiten für operative Aufgaben des Kreditmanagements Tabelle 10: Eigene Abteilung für das Kreditmanagement Tabelle 11: Bezeichnung der Abteilung Tabelle 12: Verhältnis Kredit - Verkauf Tabelle 13: Verhältnis Kredit Verkauf im Zeitablauf Tabelle 14: Entscheidungskompetenz bei der Kreditvergabe Tabelle 15: Kompetenz bei der Kreditvergabe im Zeitvergleich Tabelle 16: Bewertung interner Informationsquellen Seite 4

5 Verzeichnisse... Tabelle 17: Bewertung der externen Informationsquelle Kunde Tabelle 18: Bewertung weiterer externer Informationsquellen Tabelle 19: Bewertung der bilanziellen Informationen Tabelle 20: Bewertung der weiteren Bonitätsinformationen Tabelle 21: Informationsbeschaffung Tabelle 22: Kriterien Kreditlimitvergabe Tabelle 23: Überprüfung der Kreditlimits Tabelle 24: Maßnahmen bei Limitüberschreitung Tabelle 25: Kreditsicherheiten Tabelle 26: Forderungskontrolle Tabelle 27: Ausgleich der Forderungen Tabelle 28: Ungerechtfertigter Skontoabzug Tabelle 29: Weiterführende Inkassomaßnahmen Tabelle 30: Gründe für Zahlungsausfälle Tabelle 31: Refinanzierungsinstrumente Tabelle 32: Gründe für das Factoring Tabelle 33: Gründe gegen das Factoring Tabelle 34: Geschäft mit jungen Unternehmen Tabelle 35: Geschäft mit jungen Unternehmen im Zeitvergleich Tabelle 36: Einsatz der EDV Tabelle 37: Einsatz der EDV im Zeitvergleich Tabelle 38: Bewertung der EDV Seite 5

6 Gegenstand und Ziel der Untersuchung Gegenstand und Ziel der Untersuchung Die Bedeutung des Kreditmanagements in Unternehmen ist in den zurückliegenden Jahren deutlich aufgewertet worden. Für diese, aus Sicht der Credit Manager, positive Entwicklung können mehrere Ursachen angeführt werden. Vordergründig sind zunächst die hohen Insolvenzzahlen im Firmen- und Privatkundengeschäft zu nennen. Das Statistische Bundesamt 1 hat für das Jahr 2005 in der Gruppe der Unternehmen bzw. ehemals selbständig Tätigen Insolvenzen gezählt. Mit weiteren Verbraucherinsolvenzen wurde zudem ein neuer Höchststand im Bereich des Privatkundengeschäftes gemeldet. Die Anlage 1 gliedert diese Zahlen weiter auf. Wesentlicher als diese Statistik sind für die Unternehmen die konkreten Auswirkungen auf die Finanz-, Vermögens- und Ertragslage. Fallen Forderungen aus, so führt dies in allen drei Bereichen zu negativen Konsequenzen. Die Vermögensverluste durch nicht realisierbare Forderungen im Unternehmensbereich wurden von Creditreform im Jahr 2005 auf 37,5 Mrd. Euro geschätzt. Diese Verluste beeinträchtigen den Unternehmenserfolg (Abschreibung bzw. Wertberichtigung) spürbar und belasten die eigene Finanz- und Liquiditätssituation (Belastung des Eigenkapitals und Ausfall von geplanten Einzahlungen) ganz erheblich. Das Forderungsausfallrisiko ist auf der Unternehmensebene unterschiedlich stark ausgeprägt. Als Indiz für diese These kann das in der Bilanzposition Forderungen gebundene Vermögen herangezogen werden. So weist die Deutsche Bundesbank in der Statistischen Sonderveröffentlichung 6 2 die relativen Anteile der kurzfristigen Forderungen an der Bilanzsumme für einzelne Branchen wie folgt aus: Tabelle 1: Kurzfristige Forderungen in der Bilanz Wirtschaftszweig Anteil in % Branchenübergreifend 29,7 % Verarbeitendes Gewerbe 28,5 % Baugewerbe 26,2 % Großhandel 45,5 % Einzelhandel 29,3 % Grundstücks- u. Wohnungswesen 8,3 % Datenverarbeitung 35,5 % Erbringung von Dienstleistungen 35,2 % Diese Zahlen verdeutlichen, dass in vielen Branchen die Forderungen zur wertmäßig bedeutsamsten Vermögensposition geworden sind. Mit 1 Vgl. Angele, J.; von Karmainsky, S. (2006), S. 352f. 2 Vgl. Deutsche Bundesbank (2006) Seite 6

7 Gegenstand und Ziel der Untersuchung... der vorliegenden empirischen Untersuchung sollen Erkenntnisse über die wesentlichen Aufgaben- und Problemstellungen und deren Lösung im Bereich des Kreditmanagements in Deutschland ansässiger Unternehmen erlangt werden. Es wird das Ziel verfolgt, Erkenntnisse über den aktuellen Entwicklungsstand des betrieblichen Kreditmanagements in deutschen Unternehmen zu erhalten, die Organisations- und Prozessstrukturen zu analysieren und eventuell vorhandene Schwachstellen aufzudecken. Diese Studie trägt somit zu einer Aktualisierung und Ergänzung der bislang schon vorliegenden Untersuchungsbefunde bei. In der Vergangenheit sind bereits drei konzeptionell ähnliche Untersuchungen durchgeführt worden. Im Jahr 1983 veröffentlichten Helmut Rödl und Alexander Winkels die Ergebnisse ihrer empirischen Untersuchung zur Praxis des Kreditmanagements 3. Die Ergebnisse einer zweiten Studie aus dem Jahr 1995 wurden von Roman Breitenfelner und Bernd Weiß im Handbuch Forderungsmanagement veröffentlicht 4. Eine dritte empirische Untersuchung wurde im Jahr 2000 an der Fachhochschule Bochum (Claudia Henke, Bernd Weiß 5 ) durchgeführt. Eine wesentliche Gemeinsamkeit dieser Studien besteht darin, dass sie auf dem Grundkonzept des ursprünglich von Rödl und Winkels erstellten Fragebogens basieren. In der hier vorliegenden Studie wurde der Fragebogen allerdings in wesentlichen Teilen aktualisiert und erweitert, um den zwischenzeitlich eingetretenen Veränderungen Rechnung zu tragen. Ein vollständiger Vergleich zwischen den Ergebnissen ist somit im Sinne einer statistischen Langzeitbetrachtung nicht immer möglich. Zahlreiche Fragestellungen sind jedoch unverändert aus den vorhergehenden Untersuchungen übernommen worden und ermöglichen eine Darstellung der jüngeren zeitlichen Entwicklung im Kreditmanagement der deutschen Unternehmenspraxis. Demzufolge wird bei den Auswertungen der Untersuchungsergebnisse an den Stellen, wo ein Zeitvergleich möglich und zulässig ist, zusätzlich zum aktuellen Stand im Kreditmanagement die Entwicklung im Zeitablauf ( ) dargestellt und analysiert. Die Untersuchung erfolgte, wie auch in den vorangehenden Studien, durch die schriftliche und anonyme Befragung mittels eines standardisierten Fragebogens 6 (siehe Anlage 2). Insgesamt wurden 2700 Unternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet im Jahr 2005 angeschrieben und um 3 Vgl. Rödl, H; Winkel, A. (1983) 4 Vgl. Weiß, B., Breitenfelner, R. (1996) 5 Vgl. Henke, C., Weiß, B. (2000) 6 Der Fragebogen wurde zum Pretest vorab 10 ausgewählten Fachleuten aus dem Verein für Credit Management zur Prüfung vorgelegt. Seite 7

8 Gegenstand und Ziel der Untersuchung... Teilnahme an der Befragung gebeten. Der Rücklauf bestand mit einer Quote von 6,4% aus 172 Fragebögen, die so vollständig ausgefüllt waren, dass sie zur Datenauswertung herangezogen werden konnten. Die Antworten wurden in die statistische Methodenbank SPSS (Statistical Product and Service Solution) übertragen und EDV-basiert ausgewertet. Methodisch kamen vor allem Instrumente der deskriptiven Statistik wie Häufigkeitsanalysen, Kreuztabellen und Lageparameter zum Einsatz. Die Ergebnisse dieser Studie erheben im statistischen Sinne nicht den Anspruch der Repräsentativität; sie gewährleisten jedoch einen für das Kreditmanagement der Unternehmen verbindlichen empirischen Aussagegehalt. Die Untersuchungsteilnehmer wurden zu der Organisation, der Gestaltung und den Prozessen des Kreditmanagements in ihren Unternehmen befragt. Dadurch soll die Studie einen Beitrag zur Weiterentwicklung dieser Unternehmensfunktion leisten und Beiträge zu einer optimalen und effektiven Gestaltung des betrieblichen Kreditmanagements leisten. Im Folgenden werden im zweiten Abschnitt des Arbeitsberichts zunächst die Strukturdaten der teilnehmenden Unternehmen dargestellt, bevor im dritten Abschnitt ausführlich die wichtigsten Untersuchungsergebnisse über das betriebliche Kreditmanagement und dessen Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren präsentiert werden. Seite 8

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