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1 Kurzdarstellung: Wirtschafts- und Finanzkrisen im Vergleich Dominik Stöter, Seminar Wirtschaftspolitik und öffentliche Finanzen I Dozent: Prof. Dr. Ulrich van Lith Diese Kurzdarstellung beschäftigt sich mit dem Vergleich von Wirtschafts- und Finanzkrisen und was die aktuelle Finanzkrise von früheren unterscheidet. Diese Arbeit soll sich insbesondere damit befassen, welche Umstände zu der jeweiligen Krise geführt haben und welche Konsequenzen aus der Krise gezogen wurden, im Prinzip also einen Vorher-Nachher-Vergleich durchführen. Die Ausführungen sollen sich auf die Weltwirtschaftskrise von 1929 und die aktuelle Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise beziehen, da diese nach Ansicht der Autors am besten für diesen Vergleich geeignet sind. Zu diesem Zwecke sollen zuerst die Ursachen und Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise von 1929 herausgearbeitet werden, um daran anschließend Ursachen und Auswirkungen der aktuellen Krise zu beleuchten um zum Schluss dieser Ausführungen auf dieser Grundlage einen Vergleich der beiden Wirtschaftskrisen durchzuführen. Der Punkt, von dem die Weltwirtschaftskrise 1929 ausging, waren die Vereinigten Staaten von Amerika. Im Zuge des Wirtschaftsbooms in den 1920er Jahren überhitzten die Aktienmärkte aufgrund von Spekulationen (der Aktienindey steigt in den Jahren von 1922 bis 1929 um ca. 400 Prozent). 1 Um diese Spekulationen abzuschwächen, hob die Federal Reserve Bank, die Notenbank der Vereinigten Staaten, den Diskontsatz auf bis zu sechs Prozent an. Ebendiese Geldpolitik wird allgemein als Auslöser der Weltwirtschaftskrise von 1929 angesehen. 2 Für Deutschland galten zu dieser Zeit allerdings Sonderbedingungen, da die Wirtschaft beziehungsweise der Staat allgemein noch mit den Reparationszahlungen, die dem Deutschen Reich nach Ende des Ersten Weltkrieges auferlegt worden waren, belastet war. Eine weitere Ursache dafür, dass Deutschland von der Weltwirtschaftskrise sehr hart getroffen wurde, liegt in Importschutzpolitik begründet, die viele Staaten, insbesondere die USA (Smoot-Hawley Tariff Act), nach Ausbruch der Krise anwendeten. Das Deutsche 1 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Die Weltwirtschaftskrise von 1929: Nicht vergleichbar mit der aktuellen Rezession, 2 Ebd.

2 Reich war besonders auf den Exportmarkt angewiesen. 3 Die weltweite Ausbreitung der Krise und ihre gravierenden Folgen liegen allerdings keineswegs allein in der Verantwortung der Vereinigten Staaten von Amerika. So gingen, um den Abfluss von Gold in die USA zu vermeiden, beispielsweise Deutschland und Großbritannien bereits 1928, also ein Jahr vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise, dazu über, eine restriktivere Geldpolitik anzuwenden, was zu einer Konjunkturabkühlung führte, die die Effekte der Wirtschaftskrise noch verstärkte. Insgesamt ist es in der Wissenschaft weitgehend Konsens, dass insbesondere falsche wirtschaftspolitische Reaktionen dafür verantwortlich sind, dass aus dem Börsencrash eine Weltwirtschaftskrise werden konnte. 4 Die protektionistischen Maßnahmen, die in vielen Ländern ergriffen wurden, wirkten also als Verstärker für die negative wirtschaftliche Entwicklung. Der Nationalökonom Nouriel Roubini fasst die Ursachen für den Ausbruch der Weltwirtschaftskrise in drei Punkten zusammen: Erstens glaubte niemand an die Effektivität von antizyklischer Geldpolitik. Zweitens gab es den Glauben, dass man Banken im Fall des Falles zusammenbrechen lassen sollte und drittens der Fakt, dass im Jahr % der Haushalte ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten. 5 Die Auswirkungen beziehungsweise die Lehren aus der Weltwirtschaftskrise von 1929 bestehen vor allem darin, dass (zumindest für einige Jahrzehnte) eine strengere Regulierung der Finanzmärkte vorgenommen wurde und zum anderen waren sich folgende Regierungen bewusst, dass Wirtschaftskrisen nicht durch Protektionismus oder eine rigide Geldpolitik aufgehalten werden können. Die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise seit ca. dem Jahr 2008 war zu Beginn im wesentliche das Resultat des Platzens der Immobilienblase auf dem Immobilienmarkt der USA. Eine solche Immobilienblase gab es allerdings nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in einigen EU-Ländern wie zum Beispiel Großbritannien, Spanien. 6 Auch in dieser Krise gab es Banken, die in die Insolvenz gelassen wurden, 3 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Die Weltwirtschaftskrise von 1929: Nicht vergleichbar mit der aktuellen Rezession, 4 Ebd. 5 Bradley, Bill/ Ferguson, Niall/ Krugman, Paul/ Roubini, Nouriel/ Soros, George/ Wells, Robin et al.: The crisis and how to deal with it, in: The New York Review of Books, Volume 56, Nr. 10, 6 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Die Weltwirtschaftskrise von 1929: Nicht vergleichbar mit der aktuellen Rezession,

3 wichtig war hier aber vor allem die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, die für die Stabilität des gesamten Finanzsystems verheerend war. 7 Der bekannte Investmentbanker George Soros verortet den Beginn der Krise ebenfalls bei dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers. Er spricht davon, dass das weltweite Finanzsystem nach dieser Insolvenz unter seinem eigenen Gewicht zusammengebrochen ist. 8 Der Historiker Niall Ferguson verortet die Auslöser der aktuellen Wirtschafts- und Finanzmarktkrise bereits in den 1970er Jahren (er benennt die Periode von den 1970er Jahren bis heute als age of leverage), denn seit dieser Zeit hat sich das Verhältnis zwischen der Staatsverschuldung und dem Bruttoinlandsprodukt dramatisch verschlechtert, sowohl in den USA als auch in vielen anderen Staaten. 9 Robin Wells dagegen ist der Ansicht, dass die Auslöser für die aktuelle Krise in den Jahren in denen Ronald Reagan Präsident der USA war zu finden sind. Seiner Ansicht nach sind insbesondere das chronische Finanzdefizit sowie das Fehlen von Steuererhöhungen zur Finanzierung der Regierungen ein Grund dafür, dass insbesondere Amerika so große Schwierigkeiten mit der Finanzkrise hat, da man sich aus diesem Grund zu viel Geld von anderen Staaten wie beispielsweise China leihen musste, von denen man nun in einem hohen Maße abhängig ist. 10 Bill Bradley hingegen verortet die Auslöser der Krise etwas genauer und überzeugender. Er geht in seiner Analyse insbesondere auf die USA ein, da hier allerdings wie bereits beschrieben die grundsätzlichen Ursachen für die aktuelle Krise zu finden sind, stellt dies kein Problem dar. Er stellt heraus, dass es drei wesentliche Gründe für die aktuelle Krise gab. Zum einen die Erlaubnis aus dem Jahr 1999, dass Banken, Investmentbanken und Versicherungen sich zu Konzernen zusammenschließen konnten. Zweitens die Entscheidung der Regierung Clinton, Derivate nicht zu regulieren. Gerade diese Derivate waren eine der Ursachen für das Zusammenbrechen des US-Immobilienmarktes, der zur aktuellen Wirtschafts- und Finanzmarktkrise geführt hatte. Der dritte Grund war 7 Schäfer, Dorothea: Finanzmärkte im Umbruch: Krise und Neugestaltung, in: Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung Nr. 78, S. 5-13, 8 Bradley, Bill/ Ferguson, Niall/ Krugman, Paul/ Roubini, Nouriel/ Soros, George/ Wells, Robin et al.: The crisis and how to deal with it, in: The New York Review of Books, Volume 56, Nr. 10, 9 Ebd. 10 Ebd.

4 schließlich die Erlaubnis der US-Börsenaufsicht SEC an Banken, dass das Verhältnis von Obligationen zu Stammaktien statt 10 zu 1 nur noch 30 zu 1 sein musste. 11 Die im vorangegangen Teil dargestellten Ursachen für die aktuelle Krise waren zwar nicht alle im gleichen Ausmaß schuldig am Ausbruch derselben, jedoch ist es unbestreitbar, dass sie alle in einem gewissen Maß verantwortlich für diese Wirtschaftsund Finanzmarktkrise. Da die aktuelle Wirtschaftskrise noch nicht weit zurückliegt, lässt sich über die Auswirkungen dieser Krise noch nicht allzu viel sagen. Hervorzuheben sind hier allerdings vor allem die sogenannten G20-Treffen, auf denen die 20 wirtschaftsstärksten Staaten der Welt zusammentreffen und (unter anderem) beraten, wie man die aktuelle Krise überwindet und welche Regulierungsmaßnahmen etc. es geben sollte, die durch dieses Forum dann weltweit Anwendung finden sollen. Die Gegenüberstellung der beiden Krisen zeigt also deutliche Unterschiede, insbesondere in den Ursachen der jeweiligen Krise. So ist im Gegensatz zur Weltwirtschaftskrise für die aktuelle Krise nicht eine restriktive Geldpolitik verantwortlich, zudem gibt es nur noch sehr überschaubare protektionistische Tendenzen bei den wirtschaftlich größten Staaten. Daher wenden in der aktuellen Wirtschafts- und Finanzmarktkrise die meisten Staaten auch eine Politik an, die notfalls sehr große Schulden in Kauf nimmt, um die Finanzmärkte und die Wirtschaft mit ausreichend Kapital zu versorgen. Außerdem ist, mit Ausnahme der Investmentbank Lehman Brothers, in den Regierungen das Bewusstsein vorhanden, welche Auswirkungen die Pleiten von Banken auf die gesamte Wirtschaft haben können und sie aus diesem Grunde, falls sie systemrelevant sind, gerettet werden. Gemeinsam ist beiden Krisen allerdings, dass eine sehr schwache Regulierung ihre Entstehung zumindest begünstigt hat. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass beide in diesem Text behandelten Krisen eine einschneidende Wirkung hatten, sich aber in den Ursachen und Auswirkungen teilweise deutlich unterscheiden. Insbesondere ist hierfür das gesteigerte Bewusstsein der Regierungen verantwortlich, was eine ausbleibende oder eine falsche Reaktion ihrerseits bewirken könnten. 11 Ebd.

5 Quellen: Bradley, Bill/ Ferguson, Niall/ Krugman, Paul/ Roubini, Nouriel/ Soros, George/ Wells, Robin et al.: The crisis and how to deal with it, in: The New York Review of Books, Volume 56, Nr. 10, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Die Weltwirtschaftskrise von 1929: Nicht vergleichbar mit der aktuellen Rezession, Schäfer, Dorothea: Finanzmärkte im Umbruch: Krise und Neugestaltung, in: Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung Nr. 78, S. 5-13,

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