1. seit wann in Baden-Württemberg die Möglichkeit besteht, Kurse für Landwirtschaft im Nebenerwerb zu besuchen und wo solche Kurse angeboten werden;

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1 Landtag von Baden-Württemberg 15. Wahlperiode Drucksache 15 / Antrag der Abg. Paul Locherer u. a. CDU und Stellungnahme des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Landwirtschaft im Nebenerwerb erlernen Antrag Der Landtag wolle beschließen, die Landesregierung zu ersuchen zu berichten, 1. seit wann in Baden-Württemberg die Möglichkeit besteht, Kurse für Landwirtschaft im Nebenerwerb zu besuchen und wo solche Kurse angeboten werden; 2. wie sich die Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kurse für Landwirtschaft im Nebenerwerb seit Einführung dieser Ausbildungsform entwickelt hat; 3. welche Ziele mit den Kursen für Landwirtschaft im Nebenerwerb verfolgt werden und welche Inhalte in dieser nebenberuflichen Ausbildung vermittelt werden; 4. inwiefern in den Kursen für Landwirtschaft im Nebenerwerb betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt werden; 5. inwiefern in den Kursen für Landwirtschaft im Nebenerwerb Grundlagenwissen für selbstständiges Unternehmertum im landwirtschaftlichen Bereich vermittelt wird und wie sie diese Ausbildungsform bewertet; 6. ob und gegebenenfalls inwiefern sie dazu beiträgt, dass junge Erwachsene in Baden-Württemberg Kurse für Landwirtschaft im Nebenerwerb besuchen bzw. Jugendliche eine Ausbildung zum Landwirt absolvieren, um den Bedarf an gut ausgebildeten landwirtschaftlichen Fachkräften zu decken; Eingegangen: / Ausgegeben: Drucksachen und Plenarprotokolle sind im Internet abrufbar unter: Der Landtag druckt auf Recyclingpapier, ausgezeichnet mit dem Umweltzeichen Der Blaue Engel. 1

2 7. wie die Landwirtschaftsverwaltung sich bei etwaigen Bauvorhaben im Außenbereich positioniert, wenn in Teilzeit ausgebildete Landwirte die entsprechenden Voraussetzungen schaffen möchten, um Landwirtschaft im Vollerwerb betreiben zu können Locherer, Brunnemer, Burger, Reuther, Rombach, Dr. Rapp, Rüeck, Traub, Gurr-Hirsch, Köberle CDU Begründung Sehr viele landwirtschaftliche Betriebe in Baden-Württemberg werden im Nebenerwerb bewirtschaftet. Dabei bedeutet der Nebenerwerb für viele Betriebe keinesfalls den Einstieg in den Ausstieg aus der Landwirtschaft, sondern eine eigenständige Form der bäuerlichen Landwirtschaft, die wichtige gesellschaftliche Aufgaben erfüllt. Daher sollen mit diesem Antrag Informationen zu den Kursen für Landwirtschaft im Nebenerwerb erfragt werden. Stellungnahme Mit Schreiben vom 26. April 2013 Nr. Z (28) /220 F nimmt das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz im Einvernehmen mit dem Kultusministerium und dem Ministerium für Verkehr und Infrastruktur zu dem Antrag wie folgt Stellung: Der Landtag wolle beschließen, die Landesregierung zu ersuchen zu berichten, 1. seit wann in Baden-Württemberg die Möglichkeit besteht, Kurse für Landwirtschaft im Nebenerwerb zu besuchen und wo solche Kurse angeboten werden; Zu 1.: In Baden-Württemberg besteht seit 1987 die Möglichkeit, sich speziell für die Landwirtschaft im Nebenerwerb zu qualifizieren. Im Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz werden solche Kurse im Schuljahr 2012/2013 an den Standorten Backnang, Heilbronn, Ludwigsburg, Nürtingen, Weinsberg, Bruchsal, Buchen, Calw, Donaueschingen, Emmendingen- Hochburg, Offenburg, Stockach und Waldshut angeboten. Besteht Bedarf an anderen Standorten, können untere Landwirtschaftsbehörden oder Fachschulen an landwirtschaftlichen Landesanstalten bei entsprechender Nachfrage und gegebener Ausstattung weitere Angebote eröffnen. Im Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport besteht die Möglichkeit, sich für die Landwirtschaft im Nebenerwerb an einer zweijährigen landwirtschaftlichen Berufsfachschule zum Erwerb von Zusatzqualifikationen Schwerpunkt Nebenerwerbslandwirtschaft zu qualifizieren. Diese Zusatzqualifikation wird an den Standorten Öhringen, Crailsheim, Bad-Mergentheim, Mosbach, Heidelberg, Münsingen und Ulm abends und am Wochenende angeboten. 2

3 2. wie sich die Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kurse für Landwirtschaft im Nebenerwerb seit Einführung dieser Ausbildungsform entwickelt hat; Zu 2.: Die Kurse im Ressortbereich des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz nennen sich Ergänzungsangebote. Die Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Ergänzungsangebote für Landwirtschaft im Nebenerwerb hat sich seit dem Jahr 2000 wie in nachfolgender Tabelle aufgezeigt, entwickelt. Zahlen aus den Jahren davor sind statistisch nicht erfasst. Bei den Ergänzungsangeboten sind folgende Fachrichtungen subsumiert: Landwirtschaft, Weinbau sowie Klein- und Obstbrenner. Der Anteil der Landwirte im Nebenerwerb überwiegt bei weitem /2013 MLR Die Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den zweijährigen landwirtschaftlichen Berufsfachschulen zum Erwerb von Zusatzqualifikationen Schwerpunkt Nebenerwerbslandwirtschaft im Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport hat sich wie folgt entwickelt: /2013 KM welche Ziele mit den Kursen für Landwirtschaft im Nebenerwerb verfolgt werden und welche Inhalte in dieser nebenberuflichen Ausbildung vermittelt werden; Zu 3.: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Kurse erwerben sich zusätzliche Qualifikationen zur besseren Bewährung im Beruf, zur Aktualisierung ihres Fachwissens und zur Entwicklung ihrer unternehmerischen Fähigkeiten sowie zur Ausübung von Erwerbsalternativen. Die Angebote im Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz orientieren sich stark am persönlichen und regionalen Bedarf der Fachschülerinnen und Fachschüler. Die Lehrpläne sind deshalb offen formuliert, sie ermöglichen bedarfsgerechte Differenzierungen. Den festen Rahmen des Lehrplans für das Ergänzungsangebot Landwirtschaft im Nebenerwerb bilden folgende Themen: Grundlagen für eine nachhaltige Landbewirtschaftung, Pflanzenproduktion im Nebenerwerbsbetrieb, Verfahren der artgerechten Tierhaltung im Nebenerwerbsbetrieb, Organisation des Nebenerwerbsbetriebes unter Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer, rechtlicher und soziologischer Gegebenheiten, Beurteilung von Betriebsschwerpunkten und Produktionsalternativen. Auch die Stundentafel für die Berufsfachschule zum Erwerb von Zusatzqualifikationen Fachbereich Landwirtschaft im Nebenerwerb sieht die oben genannten Themen vor. 4. inwiefern in den Kursen für Landwirtschaft im Nebenerwerb betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt werden; Zu 4.: Für die Lehrplaneinheiten Rahmenbedingungen und Grundlagen für die landwirtschaftliche Unternehmensführung sowie die Erarbeitung von Produktionsalternativen wird rund ein Viertel der Gesamtdauer der Qualifikation in Anspruch genommen. 3

4 Betriebswirtschaftliche Kenntnisse können laut Stundentafel an den Berufsfachschulen zum Erwerb von Zusatzqualifikationen Fachbereich Landwirtschaft im Nebenerwerb mit 20 Unterrichtsstunden vermittelt werden. 5. inwiefern in den Kursen für Landwirtschaft im Nebenerwerb Grundlagenwissen für selbstständiges Unternehmertum im landwirtschaftlichen Bereich vermittelt wird und wie sie diese Ausbildungsform bewertet; Zu 5.: Zur Förderung des unternehmerischen und eigenverantwortlichen Handelns und des selbstständigen Unternehmertums im landwirtschaftlichen Bereich werden die Ergänzungsangebote grundsätzlich vor dem Hintergrund der betrieblichen Situationen der Fachschülerinnen und Fachschüler durchgeführt. Die Fachschülerinnen und Fachschüler erarbeiten sich im Verlauf des Unterrichts betrieblich verwertbare Ergebnisse und Lösungsansätze in der Regel für ihren eigenen Betrieb. Handlungsorientierte Themenbearbeitung und Projektarbeiten im Team haben einen ganz besonderen Stellenwert in der Ausbildung. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, Angebote in Kooperation mit anderen Einrichtungen z. B. mit Landvolkshochschulen, der DEULA, den landwirtschaftlichen Landesanstalten oder den Hochschulen im Agrarbereich zu Erzielung der bestmöglichen Angebots- und Unterrichtsqualität durchzuführen. 6. ob und gegebenenfalls inwiefern sie dazu beiträgt, dass junge Erwachsene in Baden-Württemberg Kurse für Landwirtschaft im Nebenerwerb besuchen bzw. Jugendliche eine Ausbildung zum Landwirt absolvieren, um den Bedarf an gut ausgebildeten landwirtschaftlichen Fachkräften zu decken; Zu 6.: Die Ergänzungsangebote im Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz werden regelmäßig örtlich bekannt gemacht. Diese Kurse für Landwirtschaft im Nebenerwerb sind regelmäßig gut besucht. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind älter als 25 Jahre, stehen seit vielen Jahren im Erwerbsleben und sind hoch motiviert, den abends und an Wochenenden stattfindenden Unterricht zu besuchen. Die Freiwilligkeit der Inanspruchnahme des Angebotes ist dafür entscheidend. Die Ergänzungsangebote schließen mit einer Prüfung nach der Landwirtschaftsfachschulen-Verordnung ab. Durch das Bestehen der Prüfung wird die Berufsbezeichnung Staatlich geprüfte Fachkraft mit einem die Fachrichtung kennzeichnenden Zusatz erworben. Ein großer Teil der Absolventinnen und Absolventen der Ergänzungsangebote beantragt nach bestandender Prüfung die Zulassung zur Abschlussprüfung in einem entsprechenden staatlich anerkannten Ausbildungsberuf wie Landwirt/-in oder Winzer/-in. Zur Gewinnung von Jugendlichen für eine Berufsausbildung zur Landwirtin/zum Landwirt trägt die Ausbildungsberatung der Regierungspräsidien und der unteren Landwirtschaftsbehörden bei. Die Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberater gehen in die landwirtschaftlichen Berufsschulen oder gemeinsam mit den Jugendorganisationen der landwirtschaftlichen Fachverbände auf Ausbildungsmessen, um für die grünen Berufe bzw. für den Beruf Landwirt/-in zu werben. Außerdem unterstützen die Landwirtschaftsverwaltung und die landwirtschaftlichen Fachverbände die Landesinitiative Ausbildungsbotschafter. Dabei gehen Auszubildende nach einem Vorbereitungstag zu zweit in Schulklassen allgemeinbildender Schulen und werben dort für die duale Ausbildung bzw. für ihren Ausbildungsberuf. Unterstützt wird diese Initiative durch den Internetauftritt des Landes unter dem Motto Gut ausgebildet. Dort wird mit Kurzfilmen für die Berufe der dualen Ausbildung geworben. Der Beruf Landwirt/-in ist dabei vertreten. 4

5 7. wie die Landwirtschaftsverwaltung sich bei etwaigen Bauvorhaben im Außenbereich positioniert, wenn in Teilzeit ausgebildete Landwirte die entsprechenden Voraussetzungen schaffen möchten, um Landwirtschaft im Vollerwerb betreiben zu können. Zu 7.: Ein landwirtschaftliches Bauvorhaben muss, um im Außenbereich zulässig zu sein, dem landwirtschaftlichen Betrieb dienen ( 35 Absatz 1 Nummer 1 BauGB). Bei der Beurteilung, ob ein Bauvorhaben eines sich im Aufbau befindenden Betriebs diesem Betrieb dient und damit im Außenbereich privilegiert zulässig ist, werden die auf die Zukunft des Betriebs gerichteten Aufbau-, Ausbau- und Erweiterungsabsichten berücksichtigt. Die berufliche Qualifikation des Betriebsinhaber ist ein Kriterium bei der Beurteilung der Frage, ob ein landwirtschaftlicher Betrieb im Sinne des 35 Abs. 1 Nr. 1 BauGB vorliegt. In Vertretung Reimer Ministerialdirektor 5

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