GESUNDE. Verhältnisse. Immer mehr Betriebe bewerben sich um das Gütesiegel Betriebliche Gesundheitsförderung. Oft ist es nur ein Moment.

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1 Das Sicherheitsmagazin der AUVA Oft ist es nur ein Moment. MÄRZ Implantatträger am Arbeitsplatz Wie sich elektromagnetische Felder auswirken können Achtung, Formaldehyd! Magna Auteca zeigt, wie Gefahren reduziert werden können Gepflegt und gesund Was macht ein gesundes Arbeitsumfeld für Masseure oder Kosmetiker aus? GESUNDE Verhältnisse Immer mehr Betriebe bewerben sich um das Gütesiegel Betriebliche Gesundheitsförderung

2 Gib Acht vor Krebs am Arbeitsplatz! Bezahlte Anzeige Nur wer das Risiko kennt, kann dagegen aktiv werden! Informieren auch Sie sich über den richtigen Umgang mit krebserzeugenden Arbeitsstoffen. Die AUVA unterstützt Sie dabei. Eine Initiative der AUVA gegen krebserzeugende Arbeitsstoffe

3 EDITORIAL INHALT R. REICHHART Wolfgang Hawlik, Chefredakteur ANDREYPOPOV/ISTOCK 13 Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheits förderung sind weit mehr als nur ein Obstkorb in der Kantine. COVERFOTO: WAVEBREAKMEDIA/ISTOCK Gesund Rund ein Drittel unseres Lebens verbringen Herr und Frau Österreicher durchschnittlich am Arbeitsplatz eine ganz schön lange Zeit. Je gesünder dieser Arbeitsplatz ist, umso gesünder ist sind auch die Beschäftigten und statistisch gesehen umso ge sünder ist auch die gesamte Bevölkerung. Hier kommt die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ins Spiel, die durch verschiedene Maßnahmen gesunde Verhältnisse schaffen soll (siehe Bericht ab Seite 13). Ziel dieser Unternehmensstrategie ist es, Krankheiten am Arbeitsplatz vorzubeugen, die Gesundheit zu erhöhen und das Wohlbefinden zu steigern. Maßnahmen in die Betriebliche Gesundheitsförderung rechnen sich, weshalb eine immer größere Zahl von heimischen Unternehmen aller Größen in BGF-Projekte investieren und mit einem Gütesiegel ausgezeichnet werden. Mehr als eine halbe Million Arbeitsplätze wurden seit Einführung des Gütesiegels von 15 Jahren bereits gesünder gemacht. Und auch heuer werden wieder tausende weitere Arbeitsplätze dazu kommen, erwartet Ihr Redaktionsteam News... 4 Fahrverhalten, Unfallrisiko und Versicherungskosten... 6 Autofahrer haben ein unterschiedliches Fahrverhalten und Risikobewusstsein. Doch ihre Versicherungen spiegeln diese Diversivität nicht wider. Gesunde Ernährung kann Depression lindern... 7 Eine aktuelle Studie legt die Zusammenhänge offen. Sicher mit Implantaten am Arbeitsplatz... 8 In einem aktuellen AUVA-Projekt wurde untersucht, wie sich elektromagnetische Felder am Arbeitsplatz auf Personen mit metallischen Implantaten auswirken können. Achtung, Formaldehyd! Krebsgefahr besteht in der Kunststofferzeugung und -verarbeitung aufgrund von eingesetzten Chemikalien und durch Stoffe, die im Produktions prozess entstehen. Gesunde Verhältnisse Gesunde Arbeitsplätze sind für die Gesundheit und das Wohlbefinden wichtig, denn wir verbringen etwa ein Drittel der Lebenszeit an unserem Arbeitsplatz. Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist ein Konzept, das genau hier zu Verbesserungen beiträgt. Gepflegt und gesund Gerade wer sich beruflich mit der Pflege und Gesunderhaltung von Händen oder Füßen oder dem körperlichen Wohlbefinden seiner Kunden beschäftigt, sollte seine eigenen Werkzeuge nicht vernachlässigen. Umgang mit Risiko Das Forum Prävention findet heuer vom 20. bis 23. Mai in der Wiener Hofburg statt. Schulalltag ohne Kompromisse In Österreich leiden rund Schüler an einer chronischen Krankheit. Kinder & Jugendliche Lärmmessungen in Schulen und Kindergärten Sport: Trampolinspringen Hinweis: Mit Rücksicht auf die bessere Verständlichkeit verzichten wir auf durchgängige beidgeschlechtliche Personenbezeichnungen. IMPRESSUM: Herausgeber: Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA), 1200 Wien, Adalbert-Stifter-Straße 65, Internet: Beauftragter Redakteur: Wolfgang Hawlik, Tel.: Assistenz: Michaela Krasznyanszky, Tel.: Medieninhaber: Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA), 1200 Wien, Adalbert-Stifter-Straße 65, DVR: , Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: ATU Chefredakteur: Wolfgang Hawlik, Tel.: Redaktion: Mag. Renate Haiden, Wolfgang Hawlik (wh), Rosemarie Pexa (rp) Anzeigen repräsentanz: ÄrzteVerlag GmbH, 1090 Wien, Währinger Straße 65, Tel.: Zeit schriftenverlag: ÄrzteVerlag GmbH, 1090 Wien, Währinger Straße 65, Tel.: , aerzteverlag.at Anzeigen ver waltung: Marion Mabrier, Tel.: , Anzeigen: Fiona Wilson, Tel.: , Lektor: Thomas Happ MSc Grafik und Layout: Mag. Marion Dorner für andrej.cc Hersteller: Druckerei Berger, Horn Verlags leitung: Mag. Philipp Ita, Kommerzialrat Axel C. Moser. Offenlegung gemäß 25 Mediengesetz siehe auch Die Angaben und Äußerungen in Anzeigen, Inseraten, Advertorials & Promotions geben nicht zwingend die Meinung der Redaktion und/oder des Medien inhabers wieder. Für diese wird keine Haftung übernommen. ALLE!ACHTUNG! 3/2019 3

4 AUVA NEWS E-Card mit Foto Um Missbrauch entgegenzuwirken, soll ab 1. Jänner 2020 die E-Card verpflichtend mit einem Foto ausgestattet werden. Rund 80 Prozent aller Karteninhaber wird automatisch eine neue E-Card zur Verfügung gestellt. Grundsätzlich wird die Sozialversicherung dafür auf Bilder aus bestehenden Registern zugreifen etwa vom Reisepass, Personalausweis oder dem Scheckkartenführerschein. Zudem wird die Möglichkeit geschaffen, per Verordnung altersbedingte Ausnahmen festzulegen. So sollen Menschen über 70 Jahre und ab Pflegestufe 4 nur freiwillig ein Foto liefern müssen. Eine entsprechende Verordnung liegt aber noch nicht vor. FREEPIK.COM Buchtipp Im Alltag Ruhe finden Hörverlust wirkt sich auf die Kognition aus Ein Hörverlust steht mit einem erhöhten Risiko in Zusammenhang, dass sich kognitive Fähigkeiten abbauen. Zu dem Schluss kommt eine Studie unter der Leitung des Brigham and Women s Hospital. Weltweit steigt die Zahl der Menschen, die von einem Hörverlust betroffen sind, da auch das Alter der Bevölkerung zunimmt. Die Forscher haben für ihre Erhebung acht Jahre lang eine Längsschnittstudie bei Männern über 62 Jahren durchgeführt. Es zeigte sich, dass ein Hörverlust mit einem höheren Risiko einer Reduktion der subjektiven kognitiven Fähigkeiten in Zusammenhang steht. Im Vergleich mit Männern ohne Hörverlust war das relative Risiko eines kognitiven Abbaus bei Teilnehmern mit einem leichten Hörverlust um 30 Prozent höher. Bei stärker betroffenen Männern war das Risiko um 42 Prozent höher. Bei einem schweren Hörverlust ohne den Einsatz von Hörgeräten erhöhte sich das Risiko auf 54 Prozent. Die Forscher haben auch untersucht, ob Hörgeräte einen Einfluss auf das Risiko haben. Obwohl sich zeigte, dass bei Männern mit schwerem Hörverlust, die Hörgeräte nutzten, das Risiko bei 37 Prozent lag, konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zu Teilnehmern dieser Gruppe festgestellt werden, die keine Hörgeräte verwendeten. RAPIDEYE/ISTOCK Meditationen für ein gelassenes Leben Meditation ist überall möglich, der Meditationslehrer John Kabat-Zinn zeigt in diesem Buch eine Fülle von Übungen, durch die man Lebenssituationen mit mehr Ruhe und Achtsamkeit begegnen kann. Dadurch ist es möglich stressige Situation leichter zu meistern, dies wirkt sich wiederum positiv auf die geistige und körperliche Gesundheit aus. Nicht in der Vergangenheit oder Zukunft zu leben, sondern im Augenblick, den gegenwärtigen Augenblick achtsam begegnen. Am Ende jedes Kapitels erhält man konkrete Vorschläge wie man Achtsamkeit ins Alltagsleben integrieren kann. Wir leben in einer Zeit der rasanten Beschleunigung, immer mehr muss Meditieren geht überall: im Gehen, im Stehen und im Liegen, zu Hause und unterwegs. in immer kürzerer Zeitspanne erledigt werden, der Augenblick, das Jetzt geht verloren. Achtsamkeitsmeditation soll keine Entspannungstechnik sein, um in einem überladenen Alltag ein noch größeres Pensum erledigen zu können. Jon Kabat-Zinn. Im Alltag Ruhe finden. Knaur. ISBN /2019

5 ARTISTEER/ISTOCK Gesundheit von Kindern Österreich in EU im vorderen Mittelfeld Österreich liegt beim Gesundheitszustand von Kindern im vorderen Mittelfeld der EU. Laut aktuellen Daten von Eurostat wird der allgemeine Gesundheitszustand von Kindern unter 16 Jahren in Österreich von 96,3 Prozent als gut oder sehr gut betrachtet. EU-weit bewegt sich die Einschätzung zwischen 90,2 Prozent in Portugal und 99,4 Prozent in Rumänien. Der EU-Durchschnitt liegt bei 95,9 Prozent. Basis der Erhebung sind die von einem Haushaltsmitglied angegebenen Daten zur Gesundheit aus dem Jahr Österreich liegt hinter Rumänien, Italien, Bulgarien, Estland, Malta, Griechenland, Kroatien, Zypern und Finnland auf Rang zehn in der EU. Gesundheitsbedingte Einschränkungen bei Aktivitäten von Kindern sind in Österreich jedoch höher als in den meisten EU-Staaten. So sehen in Österreich 1,5 Prozent der Befragten schwerwiegende und 4,5 Prozent mäßige Einschränkungen, während EU-weit nur 1,2 Prozent bzw. 3,7 Prozent angegeben wurden. Wir verkaufen umständehalber: 48 Stück Infrarot-Heizungen zum 1/2 Preis 99% Energieeffizienz = 1. Qualität in 4 Minuten volle Heizleistung! erwärmt die Luft und den Körper! keine Wartung, kein Service keine Umbauarbeiten keine zusätzliche Kosten für Heizraum / Ofen Kessel / Wärmepumpe / Bohrungen / Lagerung... zb: 70 m² Whg. ca. 1,50 Stromkosten / Tag d.h. 1/2 Heiz-Gesamtkosten gegenüber herkömmlichen Heizsystemen Berechnung, Platzierung und Regelung bringen bis zu 40% Ersparnis! 10 Jahre Garantie + 20 Jahre Erfahrung Berechnungstabelle & Sonderpreisliste anfordern: Herr DI Mayr od. Wir kaufen auch Konkursware an! Schallarm schärft Hörsinn! Lärm ist nicht nur lästig, sondern kann auch die Gesundheit schädigen: Lärm kann zu Hörschäden führen Lärm verursacht Stress Lärm stört den Schlaf Lärm beeinträchtigt Konzentration und Kommunikation Das Institut für Schallforschung der ÖAW lädt deshalb in Kooperation mit der AUVA und weiteren Institutionen zum Internationalen Tag gegen Lärm. Es warten zahl reiche Stationen zum Mitmachen, z. B.: Wie gut höre ich? Wie schützt man sich vor Lärm am Arbeitsplatz? Wie lange kann man wie laut hören? Wie klingt ein Elektrofahrzeug? Wie lästig ist Lärm und wie lässt sich das messen? Internationaler Tag gegen Lärm Mi, 24. April :30 bis 17:30 Uhr Institut für Schallforschung Wohllebengasse 12-14, 1040 Wien Eintritt frei Mehr Details unter:

6 AUVA AKTUELL Fahrverhalten, Unfallrisiko und Versicherungskosten Überhöhte Geschwindigkeit, bei gelber Ampel beschleunigen und gerade noch über die Kreuzung fahren oder dem vermeintlich langsameren Autofahrer den Vorrang nehmen all diese Manöver bergen Unfallrisiken und sind daher auch für Versicherungen von Interesse. Rund Kilometer werden in Österreich durchschnittlich pro Jahr mit dem Auto zurückgelegt. Je nach Fahrerprofil bieten Versicherungen eine Vielzahl unterschiedlichster Versicherungsverträge. Univ.-Prof. Alexander Mürmann, Ph.D., Professor für Risk Management and Insurance an der Wirtschaftsuniversität Wien, stellt daher in einem aktuellen Forschungsprojekt die Fragen, welches Fahrverhalten das Unfallrisiko erhöht und ob Menschen ihre Versicherungsverträge auch in Hinblick auf ihr Fahrverhalten wählen. Vom Wetter zum Versicherungsvertrag Dabei zeigte sich: Häufiges Fahren erhöht das Unfallrisiko, jedoch wählen Autofahrer ihren Versicherungsvertrag unabhängig von ihrem Fahrverhalten und der eigenen Risikobereitschaft. Im Rahmen der Studie wurden detaillierte GPS-Daten von versicherten Autos und die zugehörigen Versicherungsdaten über Tarifierungsmerkmale und Schadensfälle analysiert. Mithilfe der GPS-Daten konnten dann Fahrprofile basierend auf Geschwindigkeitsüberschreitungen, gefahrener Distanz und Anzahl der Autofahrten erstellt werden. Um festzustellen, ob riskanteres Fahren ein höheres Unfallrisiko und eine höhere Wahl in der Versicherungsdeckung impliziert, mussten die Autoren zudem berücksichtigen, dass Ursache und Wirkung auch gegenläufig sein können, das heißt: Höher versicherte Personen fahren möglicherweise riskanter, weil sie eben gut versichert sind. Dazu nutzten die Wissenschaftler Daten über lokale Wetterbedingungen und bezogen in ihrer Analyse mit ein, wie die Fahrer auf unterschiedliche Wetterbedingungen in ihrem Fahrverhalten reagierten, nachdem sie ihren Versicherungsvertrag gewählt hatten. Risikofaktor Vielfahrer Die Studie macht deutlich, dass nicht nur die gefahrene Distanz, sondern auch die Anzahl der Fahrten ein entscheidender Faktor für das Unfallrisiko ist. Wer mit mehreren Fahrten dieselbe Distanz zurücklegt, setzt sich einem höheren Unfallrisiko aus. Jede einzelne Fahrt zeichnet sich durch einen Anfang und ein Ende aus. In diesen beiden Phasen einer Fahrt beschäftigen wir uns gleichzeitig mit mehreren Dingen und sind somit weniger Autofahrer haben ein unterschiedliches Fahrverhalten und Risikobewusstsein. Doch ihre Versicherungen spiegeln diese Diversivität nicht wider. Prof. Alexander Mürmann, Ph.D., Professor für Risk Management and Insurance an der Wirtschaftsuniversität Wien, untersucht Zusammenhänge zwischen Fahrverhalten und Versicherungsverträgen. Quelle: Geyer, Alois; Kremslehner, Daniela; Mürmann, Alexander (2019): Asymmetric Information in Automobile Insurance: Evidence from Driving Behavior. Forthcoming in Journal of Risk and Insurance, Open Access: wiley.com/doi/ / jori auf das Fahren konzentriert. Wir passen den Rückspiegel und den Sitz an, wir bedienen das Navigationsgerät, wir bringen das Auto in den Verkehrsfluss, wir suchen einen Parkplatz und sind gedanklich schon beim nächsten Termin, beschreibt der Studienautor. Entgegen der Vermutung der Wissenschaftler kaufen Menschen mit unterschiedlichen Fahrerprofilen keine unterschiedlichen Versicherungsverträge. Eine Erklärung ist, dass wir uns im Hinblick auf nicht-finanzielle und finanzielle Risiken sehr unterschiedlich verhalten. Das heißt, wenn ich vorsichtig fahre, um Unfälle zu vermeiden, bedeutet das nicht automatisch, dass ich mich hoch versichere, um finanzielle Verluste zu vermeiden und umgekehrt, so Mürmann. Die Studie zeigt nun das Potenzial zunehmender Datengewinnung durch Digitalisierung zum Vorteil aller Beteiligten auf. Autofahrer sollten sich am Anfang und am Ende jeder Fahrt auf das Autofahren konzentrieren, um ihr Unfallrisiko zu reduzieren. n FREEPIK.COM 6 3/2019

7 Gesunde Ernährung kann Depression lindern Abnehmen erhöht die Nährstoffkonzentration im Körper, reduziert Fett und lindert damit die Symptome einer Depression. Das hat eine Analyse der Daten von fast Personen durch Wissenschaftler der University of Manchester gezeigt. VICUSCHKA/ADOBESTOCK Forscher haben alle bestehenden Daten aus klinischen Studien zu Ernährung und psychischen Erkrankungen ausgewertet und so belegt, dass eine Verbesserung der Ernährung die Symptome einer Depression verringert. Für die Studie wurden die Daten von 16 randomisierten, kontrollierten Studien kombiniert, die die Auswirkungen von Ernährungsinterventionen auf die Symptome von Depression und Angst untersucht hatten. An den Studien hatten insgesamt Personen teilgenommen. Die Formel ist einfach: Bereits kleine Veränderungen wirken sich positiv aus. Mahlzeiten mit mehr Nährstoffen, die reich an Ballaststoffen und Gemüse sind, und weniger Fast Food und raffinierter Zucker scheinen ausreichend zu sein, um die möglichen negativen psychologischen Auswirkungen einer Ernährung mit Junk Food auszugleichen. Damit zeigt sich einmal mehr, dass die Veränderungen des Lebensstils ein wichtiger Therapieansatz von Stimmungs tiefs und Depressionen sind. Mögliche Erklärungen für die Wirkung des Lebensstils sind eine Verringerung von Fettleibigkeit, Entzündungen oder Müdigkeit, die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben. Weitere Studien sind nach Ansicht der Experten notwendig, um die Auswirkungen von Ernährungsinterventionen auf Personen mit klinisch diagnostizierten psychischen Erkrankungen zu erforschen. Schloss-Spiele Kobersdorf 2019 Das Mädl aus der Vorstadt von Johann Nestroy LESER- ZUCKERL Wieder einmal wird auf der Bühne in Kobersdorf der Sprachwitz von Johann Nestroy funkeln. Selbst ein Bühnenkomiker ersten Ranges, ergriff der wortgewandte Dichter mit viel Humor stets Partei für die Anständigen und stellte die Unanständigen bloß. Eine der beliebtesten Possen aus dessen spitzer Feder hat Intendant Wolfgang Böck diesmal ausgewählt und wird in Das Mädl aus der Vorstadt als Privatdetektiv Schnoferl die Machenschaften des Geschäftsmanns Kauz aufdecken und den Ruf der Stickerin Thekla retten wollen. Neben Wolfgang Böck sind Katharina Stemberger, Karl F. Kratzl, Wolf Bachofner u.a. zu erleben. Regie führt Beverly Blankenship. CREATEAM NEO/JOACHIM HASLINGER Spielzeit: 2. Juli (Premiere) bis 28. Juli 2019 (Do.-So.), Vorstellungsbeginn: 20:30 Uhr Vorstellungsort: 7332 Schloss Kobersdorf, Schlossgasse Kartenservice und Information Büro der Schloss-Spiele Kobersdorf, Franz Schubert-Platz 6, 7000 Eisenstadt Telefon +43 (0)2682/ , Fax +43 (0)2682/ Die Preisfrage lautet: Wie heißt die derzeit laufende Präventionskampagne der AUVA? Senden Sie Ihre Antwort per mit dem Betreff Kobersdorf an oder per Post an mit dem Kennwort Kobersdorf an AUVA, Abteilung HSP, Adalbert-Stifter-Straße 65, 1200 Wien. Es gilt das Datum der Absendung bzw. des Poststempels. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Unter allen richtigen Zusendungen werden zweimal zwei Eintrittskarten zu den Schloss-Spielen Kobersdorf am Sonntag, den 7. Juli verlost. Darüber hinaus erhalten alle Leser gegen Nennung des Losungswortes Alle!Achtung! im Vorverkauf 10 Prozent Ermäßigung auf jeweils zwei Eintrittskarten für die Vorstellungen an Donnerstagen und Sonntagen. Teilnahmeberechtigt sind alle Leserinnen und Leser der ALLE!ACHTUNG!, ausgenommen AUVA-Beschäftigte. Einsendeschluss ist der 2. April 2019

8 AUVA THEMA Sicher mit Implantaten am Arbeitsplatz In einem aktuellen AUVA-Projekt wurde untersucht, wie sich elektromagnetische Felder am Arbeitsplatz auf Personen mit metallischen Implantaten auswirken können. Elektromagnetische Felder (EMF) treten bei vielen Anwendungen in Industrie und Medizin auf. Die Intensität dieser Felder kann sehr unterschiedlich sein und eine Gesundheitsgefährdung kann nicht generell ausgeschlossen werden. Ein Schutz der Arbeitnehmer wird durch die Verordnung über elektromagnetische Felder (VEMF) gewährleistet, die eine EU-Richtlinie in nationales Recht umsetzt und seit 2016 in Kraft ist. Hier wurden spezifische Expositionsgrenzwerte, die innerhalb des menschlichen Gewebes nicht überschritten werden dürfen, festgelegt. Eine Evaluierung der Arbeitsplätze hinsichtlich elektromagnetischer Felder ist gefordert. Ebenso ist eine Kennzeichnung und Unterweisung festgeschrieben. Dr. Klaus Schiessl von der Abteilung für Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung in der AUVA gibt Einblick in die praktischen Anwendungen der VEMF. Was ist ein metallisches Implantat? Am einfachsten lässt es sich anhand von Beispielen erklären: Ein metallisches Implantat ist zum Beispiel ein künstliches Kniegelenk oder eine Hüfte, aber auch Schrauben, Platten und Stifte, die in der Unfallchirurgie oft eingesetzt werden, um Knochen zu fixieren. Auch Stents, die zum Offenhalten von verstopften Gefäßen in den Körper eingebracht werden, zählen dazu. STANISLAV LOGINOV/ADOBESTOCK Immer mehr Menschen haben im Körper metallische Implantate. Ihr Arbeitsumfeld muss darauf abgestimmt sein. Informationen zu elektromagnetischen Feldern am Arbeitsplatz finden Sie im Merkblatt M470 sowie alles über magnetische Felder beim Schweißen im Merkblatt M.plus 666! Warum sind metallische Implantate überhaupt ein so wichtiges Thema in der Arbeitswelt geworden? Mit dem Lebensalter der Beschäftigten steigt auch die Wahrscheinlichkeit, ein metallisches Implantat zu erhalten. So werden im Österreich pro Jahr etwa Hüftimplantate eingesetzt. Etwa 30 Prozent der Betroffenen sind unter 64 Jahre alt, also noch im erwerbsfähigen Alter. Parallel zur Zahl der Betroffenen wächst die Zahl der Technologien im Arbeitsumfeld, die magnetische Wechselfelder einsetzen. Elektroschweißen, drahtlose Sensorik wie bei der elektronischen Warensicherung in Kaufhäusern und induktive Erwärmung führen zu Situationen, in denen Menschen verschiedenen elektromagnetischen Feldern ausgesetzt sind. Was können elektromagnetische Felder im Ge - webe bewirken? Überschreitet die Intensität von elektromagnetischen Feldern gewisse Schwellenwerte, können zum Beispiel starke Kräfte auftreten und zu Verletzungsgefahr führen. Durch das sogenannte Induktionsprinzip können auch Ladungsverschiebungen in Zellen bewirkt werden, die Nerven stimulieren. Bei höheren Frequenzen kann es auch zu einer Erwärmung des Gewebes kommen. Beispielsweise kann mit einem Induktionsherd der Topf und mit einem Mikrowellenherd das Essen im Topf erwärmt werden. Im Körper soll das natürlich nicht passieren! 8 3/2019

9 Welche Gefahr entsteht besonders für Implantatträger? Hier kann es zu einer verstärkten Einwirkung von Magnetfeldern durch die erhöhte Induktionswirkung kommen, sodass Expositionsgrenzwerte für Magnetfelder sehr viel früher überschritten werden. Bei Induktionserwärmungsanlagen besteht die Gefahr, dass sich das Implantat erwärmt. Daher gilt: Exponierte sollten dem Arbeitgeber über ihre besondere Gefährdung durch das Implantat informieren, damit dieser nötigenfalls das Risiko durch Maßnahmen senken kann. Gilt das auch für Personen, die einen Herzschrittmacher tragen? Herzschrittmacher sind sogenannte aktive medizinische Implantate im Gegensatz zu Hüftprothesen oder Gelenksschrauben, den sogenannten passiven Implantaten. Bei Herzschrittmachern sind Betroffene durch eine mögliche Störung des Geräts bei EMF-Exposition besonders gefährdet. An welchen Arbeitsplätzen muss mit Gefährdun - gen durch metallische Implantate gerechnet werden? Vor allem an Arbeitsplätzen mit ohnehin hoher Belastung durch Magnetfelder, wie zum Beispiel dem Arbeiten mit Punktschweißzangen und Punktschweißmaschinen sowie bei manueller Tätigkeit an Induktionserwärmungsanlagen. Sind Zahnfüllungen auch problematisch? Kleine metallische Implantate wie etwa eine Zahnfüllung sind generell wenig problematisch. Auch ist in der Praxis der Kopfbereich oft deutlich weniger stark exponiert als die Hände, da das Magnetfeld mit dem K. SCHIESSL Dr. Klaus Schiessl, Abteilung für Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung, AUVA Abstand von der Quelle sehr schnell abnimmt. Besonders problematisch sind allerdings jene Arbeitsplätze zu beurteilen, bei denen die Arbeitnehmer sehr nahe an der Quelle tätig und daher bereits hoch exponiert sind. Dabei sind auch am Körper getragene metallische Gegenstände wie Schmuck oder Ringe unbedingt zu beachten! Welchen Schutz bewirken die aktuell in der VEMF festgelegten Grenzwerte? Die Auslösewerte der VEMF sind lediglich für Personen ohne besondere Gefährdung durch solche Implantate ohne Einschränkung anwendbar. Die VEMF legt dabei keine expliziten Höchstwerte für EMF-Exposition bei metallischen Implantaten fest, sodass man allgemein auf Sekundärliteratur angewiesen ist. Der Schutz, der durch die aktuellen Grenzwerte gewährleistet wird, muss für Personen mit metallischen Implantaten hinterfragt und gegebenenfalls verstärkt werden. Der AUVA-Forschungsbericht R78 nennt dazu entsprechende Richtwerte. Welche konkreten Maßnahmen sorgen für Ab - hilfe? Generell sollte die Exposition so gering wie möglich gehalten werden. Können die für die betroffene Person höchstzulässige Wert nicht unterschritten werden, werden meist Sicherheitsabstände sowie nötigenfalls Nutzungsverbote festgelegt. Dazu muss auch gekennzeichnet und unterwiesen werden. Bei manchen Induktionserwärmungsanlagen kann die Bedienung mittels Fernauslösung für ausreichend Abstand sorgen. Im Zweifelsfall sollte man sich beim Thema Implantate jedenfalls mit der Arbeitsmedizin absprechen. n HSE-Management digital gestalten. Quentic ist die Software-Lösung, die alle Akteure, Aufgaben und Informationen aus HSE und CSR ganzheitlich verbindet. Dies vereinfacht das Vorgehen für alle Beteiligten enorm. Beziehen Sie Mitarbeiter ortsunabhängig ein, verbessern Sie den Austausch untereinander und sorgen Sie für beste Ergebnisse. Webinare, Videos und Demo:

10 AUVA-KAMPAGNE GIB ACHT, KREBSGEFAHR! Achtung, FORMALDEHYD! Krebsgefahr besteht in der Kunststofferzeugung und -verarbeitung aufgrund von eingesetzten Chemikalien und durch Stoffe, die im Produktionsprozess entstehen. Beim Spritzguss von Poly - oxymethylen ist besondere Vorsicht geboten. Das Beispiel Magna Auteca im steirischen Weiz zeigt, dass sich immer Möglichkeiten finden, die Gefahren zu reduzieren. Gifitig, ätzend, krebserzeugend Formaldehyd ist schon bei Zimmertemparatur ein stechend riechender Stoff, der es in sich hat! Bei der Herstellung von Kunststoffen werden zum Teil krebserzeugende Arbeitsstoffe verwendet, aber auch während der Kunststoffverarbeitung können krebserzeugende Stoffe entstehen. Dazu zählt Formaldehyd, ein Zersetzungsprodukt von Poly oxymethylen (POM). Da im Bereich Kunststoff viele unterschiedliche Grund- und Hilfsstoffe sowie verschiedene Verfahren zum Einsatz kommen, ist es besonders wichtig zu wissen, bei welchen Tätigkeiten die Arbeitnehmer einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt sind. Vergleichsweise einfach zu erkennen ist das bei der Handhabung von zugekauften Chemikalien. Sind diese krebserzeugend, müssen sie mit dem Signalwort Gefahr und dem Gefahrenpiktogramm Gesundheitsgefahr gekennzeichnet sein. Der Gefahrenhinweis oder H-Satz informiert über Schwere und Art der Gefahr: H350 Kann Krebs erzeugen, H350i Kann bei Einatmen Krebs erzeugen und H351 Kann vermutlich Krebs erzeugen. Bei Gemischen mit eindeutig krebserzeugenden Stoffen besteht ab 0,1 Prozent, bei Gemischen mit krebsverdächtigen Stoffen ab 1,0 Prozent eine Kennzeichnungspflicht. Ob und in welcher Menge sich während der Produktion krebserzeugende Stoffe bilden, lässt sich nur beurteilen, wenn man genaue Kenntnisse über das Arbeitsverfahren hat. Einflussfaktoren sind zum Beispiel die verwendeten Grund- und Hilfsstoffe, Temperatur und Druck. Werden einzelne Parameter geändert, wirkt sich das auf die Palette der entstehenden Substanzen aus. Der Arbeitgeber ist verantwortlich zu ermitteln, wer welchen Gesundheitsgefahren ausgesetzt ist und welche Schutzmaßnahmen nötig sind. Geruch als Alarmsignal für Formaldehyd Grundsätzlich lassen sich gefährliche oder krebserzeugende Arbeitsstoffe nicht eindeutig über ihren Geruch aufspüren. Nur weil etwas unangenehm riecht, muss es nicht gefährlich sein. Manche krebserzeugenden Stoffe sind sogar völlig geruchlos. Doch im Falle von Formaldehyd kann eine starke Geruchsbelastung sehr wohl ein Alarmsignal sein. Im Zweifelsfall ist es sinnvoll, dem Vorgesetzten über eine Geruchsbelastung Bescheid zu geben, damit man den Ursachen auf den Grund gehen und anhand von Messungen feststellen kann, ob Grenzwerte überschritten 10 3/2019

11 werden und man entsprechende Maßnahmen setzen muss. Über einen unangenehmen Geruch klagten 2016 auch die Mitarbeiter im Werk Weiz der Magna Auteca GmbH. Dort produzieren rund 550 Beschäftigte im Spritzgussverfahren Aktuatoren, die zum Verstellen von Autospiegeln dienen. Sie werden aus POM-Rohgranulat hergestellt, das in der Plastifiziereinheit der Anlage auf 190 bis 230 Grad erwärmt und in flüssiger Form unter hohem Druck in das Werkzeug eingespritzt wird. Die ausgeworfenen Fertigteile, die eine Temperatur von 90 bis 100 Grad haben, gelangen über ein Förderband zu den Sammelboxen. Bis zur vollständigen Abkühlung gasen die Teile aus. Im Jahr 2015 haben wir eine neue Anlage, ein sogenanntes 16-fach- Werkzeug, installiert. Während des MIGUELMALO/ISTOCK Mit einer Absauglösung direkt an der Auswurfseite der Maschine und der Sammelboxen mit frischen, noch heißen Formteilen, können Formaldehyd-Dämpfe reduziert werden. DI Dr. Gernot Riesenhuber, Chemiker beim Unfallverhütungsdienst der AUVA- Landesstelle Graz R. GRYC Probebetriebs ist eine verstärkte Geruchsbelastung aufgetreten, erinnert sich Robert Schneider, bei Magna Auteca für Umwelt, Sicherheit, Brandschutz und Facility Management in den Werken Weiz und Klagenfurt zuständig. Welcher Stoff frei wurde, konnte durch einen Blick in das Sicherheitsdatenblatt geklärt werden: In Abschnitt 10 war als mögliches Zersetzungsprodukt Formaldehyd angeführt. Giftig, ätzend, krebserzeugend Bei Formaldehyd handelt es sich um einen schon bei Zimmertemperatur gasförmigen, stechend riechenden Stoff, der Krebs im Nasen-Rachen-Raum verursachen kann. Formaldehyd ist auch giftig und ätzend; darüber hinaus steht es im Verdacht, das Erbgut zu schädigen. Mit einer Novelle der CLP-Verordnung (Classification, Labelling and Packaging) wurde die Einstufung von Formaldehyd R. REICHHART im Jahr 2016 von Kann vermutlich Krebs erzeugen auf Ist eindeutig krebserzeugend geändert. Eine Novellierung der Grenzwerte-Verordnung brachte 2017 eine Herabsetzung des Grenzwerts für Formaldehyd von 0,5 auf 0,3 ppm. Ob dieser Wert auch beim Betrieb der neuen Anlage eingehalten werden konnte, stellte Magna Auteca anhand von Messungen fest, die Experten der AUVA durchführten. Mit 0,2 bis 0,7 ppm sind die gemessenen Werte zum Teil über dem Grenzwert gelegen. Vor allem bei den Sammelbehältern für die fertigen Teile hat es Überschreitungen gegeben. Auch die Gesamtbelastung der Spritzgusshalle mit Formaldehyd ist durch das Ausgasen der Teile angestiegen, fasst Schneider die Ergebnisse zusammen. Der nächste Schritt bestand darin, die Schadstoffquelle zu identifizieren. Diese war schnell gefunden, so DI Dr. Gernot Riesenhuber, Fachkundiges Organ Chemie, vom Unfallverhütungsdienst der AUVA-Landesstelle Bei der neuen Anlage ist der Durchsatz höher. Die vielen frischen heißen Spritzgussteile haben in Summe eine große Oberfläche, von der Formaldehyd abdampft. Graz: Bei der neuen Anlage ist der Durchsatz höher. Die vielen frischen heißen Spritzgussteile haben in Summe eine große Oberfläche, von der Formaldehyd abdampft. Eine Substitution von POM durch einen anderen Kunststoff war nicht möglich, da Magna Auteca als Zulieferbetrieb auch bezüglich der Arbeitsstoffe Vorgaben hat. Die AUVA schlug daher vor, die Quelle mit einer Absaugung einzuhausen. ALLE!ACHTUNG! 3/

12 AUVA-KAMPAGNE GIB ACHT, KREBSGEFAHR! Material, erklärt Riesenhuber. Für diese Arbeiten empfiehlt die AUVA das Tragen einer Atemschutzmaske mit Filter gegen Formaldehyd. Diisocyanate in der Kunststoffbranche In der Kunststofferzeugung wird eine weitere Gruppe von Stoffen verwendet, die gesundheitsgefährlich ist. Es handelt sich dabei um Diisocyanate, Diphenylmethandiisocyanate (MDI) und Toluoldiisocyanate (TDI), die als krebsverdächtig eingestuft sind. Diisocyanate kommen zum Beispiel bei der Produktion von Lacken und Klebstoffen sowie von PU-Schäumen etwa im Baubereich als Schäume für die Montage und zu Dichtungszwecken oder für Matratzen, Autositze und Schuhsohlen zum Einsatz. Aus isocyanathältigen Gussmassen stellt man Formteile, Halbzeuge und Beschichtungen her. Im Vordergrund steht hier allerdings nicht die Krebsgefahr, sondern die allergieauslösende Wirkung. Isocyanate können etwa allergische Hautekzeme verursachen und über Einatmen oder über Hautkontakt Asthma anbahnen. Der Krebsverdacht gründet sich auf Erfahrungen mit chronischer Entzündung der Atemwege durch langjähriges Einatmen von Isocyanat- Konzentrationen weit über dem MAK-Wert (MAK = Maximale Arbeitsplatzkonzentration). Die Einhaltung des MAK-Werts schützt somit (auch) vor der krebsverdächtigen Wirkung. Zur Beurteilung der Belastung durch Diisocyanate sollte unbedingt das Sicherheitsdatenblatt herangezogen werden. Absaugung der Sammelbehälter Direkt über den Sammelbehältern mit den Fertigteilen wurde eine Absaughaube installiert. Diese saugt die belastete Luft ins Freie ab, wobei die Formaldehydkonzentration bereits in der Lüftungsanlage so stark sinkt, dass die ins Freie gelangende Luft nicht mehr umweltrelevant belastet ist. Sollte die Absaugung ausfallen, stoppt automatisch auch die Produktion. Wir haben das Formaldehyd nicht gänzlich beseitigen können, aber zum Großteil durch Weitere Informationen zu krebserzeugenden Arbeitsstoffen unter: krebsgefahr Zur vollständigen Erfassung der belasteten Luft werden lokale Absaugung und Hallen belüftung oft kombiniert. die Absaugung erfasst. Neuerliche Messungen haben Werte zwischen 0,1 und 0,12 ppm ergeben, erläutert Schneider. Damit rechtzeitig Maßnahmen gesetzt werden können, falls es wieder zu Grenzwertüberschreitungen kommen sollte, wiederholt man die Messungen in jährlichen Abständen. Die Messprotokolle legte man auch dem Arbeitsinspektorat vor, mit dem laut Schneider ein gutes Einvernehmen herrscht: Der Arbeitsinspektor hat uns dabei unterstützt, ein Verzeichnis der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer anzulegen, die der Belastung mit Formaldehyd ausgesetzt sind. Da die Produktion der Aktuatoren automatisiert erfolgt, halten sich die Beschäftigten nur kurzfristig in jenen Bereichen auf, in denen eine höhere Konzentration von Formaldehyd in der Luft vorliegt. Beim Spritzguss von Polyoxymethylen gibt es Tätigkeiten, bei denen die Mitarbeiter einer höheren Exposition gegenüber Formaldehyd ausgesetzt sind, auch wenn sie nicht ständig an den Maschinen stehen. Dazu zählen Störungsbehebung, Reinigung im Inneren einer Maschine und Umrüstung von Werkzeug oder R. REICHHART Brandgefährlicher Spritzkuchen Wird das Material oder das Werkzeug gewechselt, muss die Düse freigespritzt werden. Dabei bildet sich ein sogenannter Spritzkuchen, der sich aufgrund der hohen Temperatur thermisch zersetzt, wobei Formaldehyd frei werden kann. Der Spritzkuchen sollte in einem Behälter vollständig in Wasser eingetaucht werden und dort auskühlen. Das praktiziert man bei Magna Auteca schon lange und hat laut Schneider einen zusätzlichen Vorteil: Das Formaldehyd wird im Wasser gebunden und gleichzeitig die Brandgefahr durch den heißen Spritzkuchen minimiert. Eine weitere Schutzmaßnahme, die Magna Auteca bereits vor der Inbetriebnahme der neuen Anlage getroffen hat, ist das Abdecken der Förderbänder und der Boxen, in denen die heißen Formteile gesammelt werden. Die Einlagerung der Teile erfolgt erst, wenn sie nicht mehr ausdunsten. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Sammelbehälter in einem Bereich aufzustellen, in dem sich möglichst wenige Personen aufhalten und eine effektive Lüftung gegeben ist. In der Praxis werden lokale Absaugung und Hallenbelüftung meist kombiniert. Wenn sich eine vollständige Erfassung der mit Formaldehyd belasteten Luft an der Entstehungsquelle durch Absaugen der Spritzgussmaschinen, der Auswurfstellen und der Sammelboxen nicht sicherstellen lässt, ist zusätzlich eine raumlufttechnische Anlage erforderlich. Diese sollte bei Luftströmungen in Richtung Hallendecke nach dem Prinzip der Schichtenlüftung arbeiten. (rp) n 12 3/2019

13 COVERSTORY Betriebliche Gesundheitsförderung muss auf unterschiedlichen Ebenen in die betrieblichen Abläufe integriert werden. Gesunde ANDREYPOPOV/ISTOCK Verhältnisse Betriebliche Gesundheitsförderung ist eine moderne Unternehmensstrategie mit dem Ziel, Krankheiten am Arbeitsplatz vorzubeugen, Ge sundheit zu stärken und das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu verbessern, also gesunde Verhältnisse zu schaffen. Da der Gesundheitszustand der Beschäftigten natürlich auch vom persönlichen Lebensstil und vom individuellen Risikoverhalten abhängt, darf die Förderung von Verhaltensmaßnahmen bei den Mitarbeitern nicht außer Acht gelassen werden. Im Zentrum steht die Frage: Wo wird Gesundheit hergestellt? Die Frage gilt für alle Lebensbereiche wie Familie, Stadt, Schule oder Arbeit und es gilt, auf die dort herrschenden organisatorischen Bedingungen Rücksicht zu nehmen. Gesunde Arbeitsplätze sind für die Gesundheit und das Wohlbefinden wichtig, denn wir verbringen etwa ein Drittel der Lebenszeit an unserem Arbeitsplatz. Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist ein Konzept, das genau hier zu Verbesserungen beiträgt. Mit dem Gütesiegel belegen Unternehmen ihr Engagement für betriebliche Gesundheitsförderung. So geht gute betriebliche Gesundheitsförderungsarbeit Betriebliche Gesundheitsförderung darf nicht abgehoben vom Arbeitsalltag im Unternehmen erfolgen, sondern muss auf unterschiedlichen Ebenen in die be trieblichen Abläufe integriert wer den. Das kann in einem ersten Schritt auch nur einzelne Unternehmensteile umfassen. Ziel muss es aber sein, den durch die Ge sundheitsförderung entwickelten neuen Zugang zur Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz in die gesamte Betriebskultur zu integrieren. Dazu braucht es auch eine interdisziplinäre und hierarchieübergreifende Zusammenarbeit und eine möglichst hochrangig besetzte Steuerungsgruppe für die betriebliche Gesundheitsförderung kurz ge sagt: Ohne Commitment von oben geht es nicht. Der Weg führt dann über eine Bestandsaufnahme der Arbeitsplatz- und Beschäftigtensituation in puncto Gesundheit zu den operationalisierbaren Zielen. Wichtig ist, dass kontinuierlich an den Zielen gearbeitet wird, in einem Prozess, der in die betriebliche Organisation und die Arbeitsabläufe eingebunden ist. Entscheidungen müssen transparent sein, denn die betriebliche Gesundheitsförderung ist nicht frei von Interessenkonflik ten und richtet sich an unterschiedliche Anspruchsgruppen. Ob Lehrling, Außendienst oder Chef alle müssen im ALLE!ACHTUNG! 3/

14 AUVA COVERSTORY BGF-Prozess abgebildet und berücksichtigt sein. Ein wesentliches Merkmal erfolgreicher BGF- Projekte stellt die aktive Beteiligung der Mitarbeiter am Projektablauf dar. Sie haben so die Möglichkeit, Verbesserungspotenziale unmittelbar aufzuzeigen und an Lösungen mitzuarbeiten. Der gesundheitliche Nutzen für die Beschäftigten ist schließlich untrennbar mit dem Nutzen für das Unternehmen verbunden und zeigt sich in einer Verbesserung der betrieblichen Kennziffern. Das allein reicht aber nicht aus, um den Nutzen auch zu belegen. Es braucht eine regelmäßige Analyse und Evaluation im Hinblick auf die Ziele. Neuer Teilnahmerekord Das BGF-Gütesiegel zeichnet Betriebe aus, die vorbildliche und nachhaltige Projekte zur Förderung der Gesundheit durchgeführt haben. Seit der erstmaligen Verleihung im Jahr 2004 wurden in über Betrieben mehr als Arbeitsplätze gesünder gestaltet. Die Zahl der Unternehmen mit hervorragenden BGF-Projekten steigt stetig in allen Betriebsgrößen und Branchen. Als Koordinationsstelle des des Netzwerks BGF ist die OÖGKK besonders stolz, diese Entwicklung in Österreich so maßgeblich mitgestalten zu können, sagt Albert Maringer, OÖGKK-Obmann und Vorsitzender des Ausschusses für Krankenversicherung und Prävention. Den Auftakt der BGF-Gütesiegerverleihungen machte heuer Oberösterreich mit 79 Auszeichnungen, die anderen Bundesländer folgen in den nächsten Wochen. Insgesamt werden heuer in ganz Österreich 402 BGF- Gütesiegel verliehen das sind so viele wie noch nie zuvor. 210 Betriebe erhalten das BGF-Gütesiegel zum ersten Mal als Auszeichnung für die hervorragende Umsetzung von Betrieblicher Gesundheitsförderung. Gültig ist das BGF-Gütesiegel für drei Jahre, nach diesem Zeitraum kann es Betrieben wiederverliehen werden, sofern belegt ist, dass ihr Engagement für Betriebliche Gesundheitsförderung weiterhin aufrecht ist oder weiter ausgebaut wurde. Diese Anerkennung für die nachhaltige Implementierung von BGF erhielten 192 Betriebe in Form einer Wiederverleihung. Unter den 402 ausgezeichneten Betrieben finden sich alle Branchen und Betriebsgrößen, wie zum Beispiel aus der Gastronomie, Handwerksbetriebe, In dustrieunternehmen Sozialeinrichtungen und der öffentliche Dienst. Der kleinste Betrieb beschäftigt vier Personen, der größte Betriebliche Gesundheitsförderung ist ein Konzept, bei dem es nur Ge winner gibt: Die Beschäftigten durch mehr Gesundheit und Wohlbefinden, die Unternehmen durch motiviertere Mitarbeiter und weniger Krankenstände und das Gesundheitswesen, da langfristig Kosten vermieden werden, betont Dr. Klaus Ropin, Leiter des Fonds Gesundes Österreich (FGÖ). FOTOS PEOPLEIMAGES/ISTOCK Vorbildliche und nachhaltige Projekte zur Förderung der Gesundheit werden auch heuer wieder ausgezeichnet. BGF rechnet sich Der demografische Wandel führt dazu, dass die Belegschaft in den Betrieben immer älter wird. Konkurrenzfähig bleiben langfristig daher nur Betriebe, denen es gelingt, gesunde, motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter möglichst lange im Unternehmen zu halten. BGF ist deshalb eine Kernaufgabe der Unternehmensführung, immer mehr Unternehmen haben das erkannt und setzen entsprechende Projekte um. Untersuchungen belegen, dass jeder in die BGF investierte Euro zumindest dreifach zurückfließt, weiß Ropin. Der Obstkorb im Unternehmen ist ein oft verwendetes plakatives Beispiel dafür, was für die Ge sundheit im Unternehmen angeboten wird. Doch BGF ist ein Ansatz, der sehr viel weiter geht: Sie will sowohl individuelle Verhaltensweisen wie die Ernährung oder Bewegung verbessern als auch die Arbeitsbedingungen gesünder gestalten. Es geht insbesondere um die Verbesserung der Arbeitsorganisation, wie zum Beispiel Arbeitsabläufe und -strukturen im Betrieb, die Förderung einer aktiven Mitarbeiterbeteiligung, die Stärkung persön 14 3/2019

15 Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung sind weit mehr als nur ein Obstkorb in der Kantine. In 3 Stufen zum Erfolg QUELLE: 1 Mit der Unterzeichnung der BGF-Charta wird die grundlegende Absicht bekundet, an den Qualitätskriterien des Österreichischen Netzwerkes Betriebliche Gesundheitsförderung teilzunehmen und mit entsprechenden Projekten zu starten. 2 Ein abgeschlossenes BGF-Projekt wird bei der Regional- und Servicestelle eingereicht und von unabhängigen Experten nach den 15 Qualitäts kriterien des Netzwerks BGF bewertet. Im Falle einer positiven Prüfung erhält das Unternehmen das BGF-Gütesiegel für drei Jahre. Nach Ablauf der Dreijahresfrist kann es neuerlich beantragt werden, wobei erneut die Gesundheitsorientierung des Betriebes geprüft wird. Das BGF-Gütesiegel kann als eingetragene Marke in der gesamten Unternehmenskommunikation eingesetzt werden. 3 Herausragende Projekte aus dem Kreis der BGF-Gütesiegelbetriebe werden besonders gewürdigt und mit dem BGF-Preis ausgezeichnet. Das Handbuch Betriebliche Gesundheitsförderung zeigt, wie BGF in Betrieben jeglicher Größe und Branche umgesetzt werden kann. Info & Anforderung unter licher Ressourcen und Kompetenzen wie gesundes Führen oder das Erkennen von Anzeichen für Burn-out oder Mobbing. Für die Umsetzung der Maßnahmen ist das Österreichische Netzwerk BGF federführend. Es ist ein Zusammenschluss der Träger der gesetzlichen Krankenversicherung, der gesetzlichen Unfallversicherung, des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, der Interessensvertretungen Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Gewerkschaftsbund und Industriellenvereinigung sowie des FGÖ als unterstützendem Partner. Die zentrale Aufgabe des Netzwerks ist die Qualitätssicherung, damit dort, wo BGF draufsteht, auch BGF drin ist. Kernelement ist das dreistufige Qualitätsmanagement-System mit der BGF-Charta, dem BGF- Gütesiegel und dem BGF-Preis, die auf Basis der Luxemburger Deklaration zur betrieblichen Gesundheitsförderung in der Europäischen Union entwickelt wurden. Die Koordinationsstelle organisiert zudem Gemeinschaftsprojekte und den Wissensaustausch zwischen den Regional- und Servicestellen. Der FGÖ hat das Qualitätsmanagementsystem des Österreichischen Netzwerks BGF mitentwickelt und fördert es zur flächendeckenden Umsetzung im Rahmen einer strategischen Kooperationspartnerschaft. n ALLE!ACHTUNG! 3/

16 AUVA THEMA Gepflegt und gesund Gerade wer sich beruflich mit der Pflege und Gesund erhaltung von Händen oder Füßen oder dem körperlichen Wohlbefinden seiner Kunden beschäftigt, sollte seine eigenen Werkzeuge nicht vernachlässigen. R. GRYC Die Hand ist ein unverzichtbares Werkzeug des Menschen: egal, ob wir kräftig und zugleich vorsichtig zupacken, Gegenstände kontrolliert durch die Finger gleiten zu lassen oder gefühlvoll über die Haut eines anderen streichen. Allein der Daumen wird bei rund 25 Prozent der täglichen Aktivitäten eingesetzt. Sind die Hände verletzt, so schränkt das unseren Handlungsspielraum daher meist stark ein. Gerade Berufsgruppen, die ganz wesentlich auf die Funktionsfähigkeit des komplexen Tast- und Greiforgans angewiesen sind, sollen der Vorbeugung von Beschwerden oder Verletzungen besondere Aufmerksamkeit schenken. Dazu gehören zum Beispiel Hand- und Fußpfleger, Kosmetiker, Masseure, Piercer oder Tätowierer. Dynamik statt Statik Bei diesen Berufsgruppen ist in der Regel die permanente Überbeansprchung, also das zu viel, für Beschwerden der oberen Extremitaet verantwortlich, nicht die Lasthandhabung. Permanentes manuelles Arbeiten oft mit gesenktem Kopf beansprucht Muskulatur, Gelenke, Bandapparat und Sehnen der Arme und Hände ganz besonders. Die Folgen können von lokalen Muskelverspannungen im Bereich von Schulter und Nacken bis hin zu Entzündungen der Sehnen oder starker Abnutzung von Gelenken führen. Insbesondere Handgelenk und Daumensattelgelenk sind davon betroffen. Warum gerade dieses Körperareal besonders anfällig ist, erklärt Mag. Michaela Strebl aus der Abteilung für Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung: Die obere Extremität wie Schulter- Schulterguertel, Oberarm, Unterarm oder Hand ist aufgrund der flexiblen Verbindung mit dem Rumpf sehr beweglich. Das bedeutet einerseits eine umfangreiche Funktionsvielfalt, andererseits eine hohe Belastungsrelevanz für alle für das muskuloskelettale System belastungsrelevanten Tätigktein. Besonders zu Ergonomisches Sitzen für Kunden und Behandler ist in vielen Berufen wichtig. Tipps zur Vorbeugung von Hals-, Schulter- und Nackenschmerzen Sorgen Sie für ausreichend Abwechslung der Tätigkeiten nach dem ergonomischen Prinzip der Job-Rotation. Wenden Sie unterschiedliche Behandlungstechniken, zum Beispiel bei Masseuren Streichungen statt Friktionen. Ideal sind Wechselintervalle von ein bis zwei Stunden. Erstellen Sie ein ergonomisches Belastungsprofil, um herauszufinden, welcher Risikofaktor am größten ist (Kraft, Zeit, Körperhaltung, ) um gezielt präventiv einzuwirken. Setzen sie ergonomische Arbeitsmittel ein, die zum Beispiel höhenverstellbar sind, ein geringes Gewicht haben oder gut handhabbar sind, das gilt insbesondere für Handwerkzeuge. Achten Sie auf die Einhaltung von Pausen. Mehrere kurze Pausen sind einer langen vorzuziehen. Ideal sind nach 50 Minuten 10 Minuten Pause. Achten Sie auf eine physiologisch optimale Körperhaltung. Arbeiten Sie körpernahe und frontal zum Kunden und ver meiden Sie Verdrehungen der Wirbelsäule. Wechseln Sie, wenn möglich, zwischen Tätigkeiten im Sitzen und Stehen. Machen Sie Ausgleichsübungen, ideal sind Mobilisierungsübungen für Nacken, Schulter- und Handgelenke. 16 3/2019

17 vermeiden sind statische, lang andauernde, gleichartige Tätigkeiten, aber ebenso Arbeiten mit erhoehter Kraftanstrengung. Die Dosis macht bekanntlich das Gift, daher ist das ergonomische Prinzip der Job- Rotation ebenso anzustreben wie die Reduktion von Lasthandhabungen etwa durch den Einsatz von Fusswannen mit Rollen. Es gilt der Grundsatz: Rollen statt Tragen. Wannen auf Rollen haben den Vorteil, dass sich die Behandler beim Befüllen nicht weit nach unten bücken oder schwere Wannen heben und tragen müssen. Die Verwendung einer beweglichen Handbrause mit Brauseschlauch ermöglicht eine flexible Handhabung und fördert ergonomisches Arbeiten. Bleiben Sie flexibel Beim Kontakt mit Kunden wird viel Mühe investiert, ein Wohlfühlambiente herzustellen. Angenehme Temperatur, Licht sowie die angenehme Position der Sitzgelegenheit oder der Behandlungsliege tragen dazu bei. Dieser Wohlfühlort ist immer gleichzeitig auch der Arbeitsplatz des Mitarbeiters und muss auch seinen Ansprüchen Rechnung tragen. Flexibel einstellbare ergonomische Arbeitsmittel erlauben die Einhaltung ergonomischer Gestaltungsgrundsätze am Arbeitsplatz. Sie können an die jeweilige Bedienperson individuell angepasst werden und unterstützen körpergerechtes, gesundes Arbeiten. Die Höhe der Behandlungsliege und des Arbeitsstuhls sind auf die Körpergröße der Behandler abzustimmen. Die Sitzposition sollte eine aufrechte Oberkoerperhaltung ermöglichen, um die natuerliche Krümmung der Wirbelsäue zu unterstützen. Achten Sie daher bei der Grundeinstellung des Stuhles auf einen nahezu rechten Winkel zw.ischen Oberschenkel und Oberkörper, rät Strebl. Gute Sicht Auf ausreichende Beleuchtungsstärke soll bei jedem Arbeitsplatz geachtet werden, ein Umstand, der im nahen Sichtfeld noch wichtiger wird. So gilt als Empfehlung für die Allgemeinbeleuchtung im Raum für Berufsgruppen wie Masseure oder Fusspfleger eine Richtwert von lx, im unmittelbaren Arbeitsbereich von Hand oder Fuss sind jedoch lx empfehlenswert. Für das Arbeiten mit hohem visuellen Genauigkeitsgrad empfiehlt sich die Verwendung einer verzerrungsfreien Lupe. Insbesondere bei älteren Personen gilt es, den altersbedingten Rückgang der Sehschärfe durch höhere Beleuchtungsstärken auszugleichen. Nähere Informationen gibt die ÖNORM EN Licht und Beleuchtung Beleuchtung von Arbeitsstätten, sagt die AUVA-Expertin. n FOTOS R. GRYC Masseure sind selbst häufig von Muskelverspannungen betroffen Mobilisierungsübungen für die Halswirbelsäule Info & Kontakt: Merkblatt M029 Alternsgerecht und ergonomisch Arbeiten im Bereich Kosmetik, Massage, Hand- und Fußpflege Merkblatt M035 Bewegungsübungen für den beruflichen Alltag Alle Merkblätter zum Download auf Verwöhnprogramm Im Mittelpunkt der Arbeit von Masseuren stehen oft Kunden, die mit Verspannungen im Hals- und Nackenbereich oder Schmerzen im Rücken kommen. Und gerade Masseure sind es, die von diesen gesundheitlichen Problemen häufig selbst betroffen sind, da ihr Arbeitsplatz Mensch nicht immer den erforderlichen ergonomischen Grundsätzen entspricht. Wichtig ist es, eine zu starke Oberkörpervorneigung zu vermeiden. Das geht am einfachsten, wenn die Behandlungsliege entsprechend höhenverstellbar ist. Achten Sie während der Massage auf eine Druckausübung aus dem gesamten Körper und nicht nur lokal aus den Armen. Am einfachsten geht das mit einer Schrittstellung der Beine, die eine stabile Standfläche ermöglicht. Dass Ausgleichs- und Lockerungsübungen zwischen den Patientenbehandlungen an der Tagesordnung stehen sollten, versteht sich von selbst. Besonders empfohlen werden Mobilisierungsübungen für die Hals-, Lenden- und Brustwirbelsäule: 1 Kopf drehen & Kopf nicken zur Mobilisierung der Halswirbelsäule. Die Übung kann im Stehen oder Sitzen durchgeführt werden. Nehmen Sie eine aufrechte Körperhaltung ein und drehen Sie den Kopf langsam möglichst weit nach rechts, dann nach links. Folgen Sie der Bewegung mit den Augen und blicken Sie nicht nach unten. Drehen Sie den Kopf fünf- bis siebenmal auf jede Seite. Diese Serie wird nach kurzer Pause bis zu dreimal wiederholt. 2 Mobilisierung der Brustwirbelsäule. Die Übung kann im Stehen oder Sitzen durchgeführt werden. Nehmen Sie eine aufrechte Körperhaltung ein und strecken Sie den linken Arm über Schulterhöhe schräg nach vorne; der rechte Arm zeigt nach hinten unten. Nun mit den gestreckten Armen gegengleich so kreisen, dass die Arme immer eine Linie bilden. Der Oberkörper bleibt dabei ruhig und während der gesamten Bewegung nach vorne gerichtet. Machen Sie die Übung siebenbis zehnmal auf jede Seite. Diese Serie wird nach kurzer Pause bis zu dreimal wiederholt. 3 Mobilisierung der Lendenwirbelsäule. Stehen Sie aufrecht, hüftbreit und knieweich; die Finger umfassen den Beckenkamm. Kippen Sie das Becken nach vorne, indem Sie eine leichte Hohlkreuzstellung einnehmen. Anschließend kippen Sie das Becken nach hinten, indem Sie das Schambein nach vorne ziehen. Die Bewegung wird langsam und fließend ausgeführt. Machen Sie die Übung sieben- bis zehnmal. Diese Serie wird nach kurzer Pause bis zu dreimal wiederholt. ALLE!ACHTUNG! 3/

18 AUVA AKTUELL Umgang mit Das Forum Prävention der AUVA steht heuer unter dem Motto Umgang mit Risiko. Vom 20. bis 23. Mai 2019 wird die Wiener Hofburg der Treffpunkt von Präventions fachkräften und Arbeitsmedizinern. Mit Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit beschäftigen sich in Österreich zahlreiche Fachleute in der Wirtschaft, in verschiedenen Forschungseinrichtungen, bei Behörden und der AUVA. Für sie alle organisiert die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt das traditionelle Forum Prävention, das alternierend in Innsbruck und in Wien stattfindet und jährlich weit über Experten aus dem gesamten Bundesgebiet ansprechen kann. Heuer ist zwischen dem 20. und dem 23. Mai neuerlich die Wiener Hofburg Austragungsort dieser Veranstaltung mit angeschlossener Fachausstellung. Das Programm listet eine Reihe hochkarätiger Vorträge und Präsentationen auf. Der Mensch, ein Sicherheitsrisiko? Der Mensch, ein Sicherheitsrisiko? diese provokante Frage stellt Manfred Müller, der diesjährige Keynote-Speaker auf dem Forum Prävention, an den Beginn seines Vortrags. Müller ist Flugkapitän auf den Airbus-Modellen A330 bis A350, Leiter der Flugsicherheitsforschung der Deutschen Lufthansa AG und Dozent für Risikomanagement an der Hochschule Bremen. Während viele technologiegetriebene Experten oft davon ausgehen, dass der Mensch den Schwachpunkt in einem Gesamtsystem darstellt, beurteilt Müller dies deutlich differenzierter: Warum sitzen in einem modernen Großraumflugzeug zwei Menschen im Cockpit, die die Technik überwachen?, überlegt der Flugkapitän und stellt damit natürlich indirekt auch viele Konzepte der Digitalisierung infrage. Das Forum Prävention findet heuer vom 20. bis 23. Mai in der Wiener Hofburg statt. B. GRESLEHNER Längere Arbeitszeiten, neue Herausforderungen Zum Umgang mit Risiko zählt es für Österreichs Unternehmer auch, sich intensiv mit den Auswirkungen des neuen Arbeitszeitgesetzes auseinanderzusetzen. Durch dieses wurde das gesetzlich hergestellte Schutzniveau für die Mitarbeiter verschlechtert, als Folge muss eine Evaluierung des Risikos des jeweils geltenden Arbeitszeitregimes durch den Arbeitgeber erfolgen. Um ihn dabei zu unterstützen, hat die AUVA bei der XIMES GmbH in Wien die Entwicklung eines Arbeitszeitrechners in Auftrag gegeben, der auf dem Forum Prävention erstmals präsentiert wird. Auf der Grundlage von gesicherten wissenschaftlichen Publikationen und Metastudien errechnet das Internet-basierte Tool nach Eingabe von Arbeitszeiten oder Schichtplänen die Auswirkungen auf das Risiko im Vergleich zu einem normalen Acht-Stunden- Arbeitstag. Gleichzeitig wirft das System aber auch Hinweise und Vorschläge aus, wie das erhöhte Risiko vermindert werden könnte. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen etwa die Pausengestaltung oder besser gestaltete Schichtwechsel, die vernünftige Regenerationsphasen für die Beschäftigten ermöglichen. Die Vision von der Vision Zero Die Plenarsitzung am Mittwoch, dem 22. Mai, widmet sich aber auch der Vision von einer Arbeitswelt ohne Arbeitsunfälle. Zunächst wird Bernd Treichel als Vertreter der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) zur ersten internationalen Kampagne der IVSS mit dem Titel Vision Zero referieren, im Anschluss zeigt Martin Sonnberger von der Porr AG in Wien auf, warum der Baukonzern als Vorzeigebeispiel bei der Umsetzung einer Vision-Zero-Strategie gilt. 18 3/2019

19 Krebserzeugende Arbeitsstoffe im Visier Die Plenarsitzung am Donnerstag, dem 23. Mai 2019, beschäftigt sich mit dem Umgang mit Risiko im Zusammenhang mit gefährlichen Arbeitsstoffen, wobei der Fokus gemäß der derzeit laufenden Präventionskampagne der AUVA auf den krebserzeugenden Arbeitsstoffen liegt. Den Anfang macht Eberhard Nies, IFA Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), der im Rahmen seines Vortrags mit dem Titel Toxikologie der Arbeitsstoffe unter anderem über das deutsche Grenzwertemodell berichten wird. Danach berichtet Andrea Kernmayer, BMASGK, Zentral Arbeitsinspektorat, über die bisherigen Erfahrungen der Arbeitsinspektion bei der Aufklärung zu krebserzeugenden Arbeitsstoffen. Seitens der AUVA werden abschließend Marie Jelenko und Sylvia Springer einen Zwischenbericht zur Präventionskampagne Gib Acht, Krebsgefahr liefern. Workshops zu unterschiedlichen Themen Neben den Plenarsitzungen stehen natürlich wiederum die Fachtagungen der einzelnen Arbeitsgruppen im Zentrum des Besucherinteresses. Neu ist in diesem Jahr, dass der Ergonomie breiterer Raum als zuletzt gewidmet wird: Die Fachtagung der Arbeitsgruppe Ergonomie und der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Ergonomie (ÖAE) wird am 22. Mai Sämtliche Informationen zum FORUM PRÄVENTION 2019 der AUVA mit detailliertem Programm und Online-Anmeldemöglichkeit finden Sie unter Dipl.-Ing. Georg Effenberger, Leiter der AUVA-Abteilung für Prävention R. REICHHART erstmalig ganztägig stattfinden, erweitert durch eine Exkursion am Montag, 20. Mai nachmittags. Ergänzt wird das Fachprogramm unter anderem durch insgesamt fünf verschiedene Workshops zu unterschiedlichen Themen. Viktoijo Malisa, Mitarbeiter der AUVA-Hauptstelle in Wien, widmet sich in Workshop 1 der Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) und erlaubt damit einen Blick in die Zukunft der Industrie 4.0. Evaluierung nach VEMF im Unternehmen betitelt sich Workshop 2, das elektromagnetische Felder und die neue OVE Richtlinie R27 zum Inhalt hat. Finden die beiden erstgenannten Workshops am Montag, dem 20. Mai, statt, so runden die drei weiteren Workshops das Forum Prävention am 23. Mai ab. In Kooperation mit dem Österreichischen Verband zur Förderung der Arbeitssicherheit beschäftigt sich dabei Workshop 3 mit dem Thema Lange Arbeitszeiten neue Herausforderungen für die Prävention. EVALOG, ein System zur Evaluierung von psychischer Belastung in Kleinstbetrieben, ist Inhalt des Workshops Nummer 4. Dieses System feiert am diesjährigen Forum Prävention seine Premiere und wird im Rahmen dieses Workshops detailliert vorgestellt. Dem Präventionsschwerpunkt Gib Acht, Krebsgefahr widmet sich der Workshop 5. Das Kampagnenteam der AUVA stellt dabei neue Werkzeuge und Info-Materialien für Betriebe vor, die das Erkennen von und den sicheren Umgang mit krebserzeugenden Arbeitsstoffen erleichtern sollen. Für die bedeutendste österreichische Fachveranstaltung auf dem Gebiet der Prävention haben wir ein spannendes Progamm zusammengestellt. Mit internationaler Beteiligung Ebenfalls bereits Tradition hat beim Forum Prävention das Seminar der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS), das sich heuer am 21. Mai mit den Themenfeldern Risikobeurteilung, Digitalisierung und Wissensvermittlung auseinandersetzt. Unter der Federführung der deutschen Gesellschaft für Sicherheitswissenschaften steht das Symposium am 22. Mai von 11: 00 bis 17:45. Unter dem Generalthema Wirtschaftlichkeit von Sicherheitsmaßnahmen Ansätze und Grenzen gehen die hochkarätigen Vortragenden der Frage nach, ob und wie man Investitionen in Prävention und Sicherheit kaufmännisch kalkulieren kann. (wh) n ALLE!ACHTUNG! 3/

20 AUVA THEMA Schulalltag ohne Kompromisse In Österreich leiden rund Schüler an einer chronischen Krankheit. Sie selbst und ihre Eltern stehen damit oft vor enormen Herausforderungen, denn Bildungseinrichtungen haben immer noch viele Vorbehalte und Vorurteile. Rheuma verbindet man mit alten Menschen, doch allein in Österreich ist auch rund eines von tausend Kindern betroffen ist. Bettina Strohmayer, Mutter einer rheumakranken 16 jährigen Tochter, die in Wien ein Gymnasium besucht, weiß aus eigener Erfahrung um die Schwierigkeiten Bescheid, die dadurch im Schulalltag auftreten. Die große Herausforderung ist die Kommunikation mit der Schule. Meine Tochter spricht ohnehin ungern über ihre Krankheit. Ich denke, das ist bei vielen Kindern so: Wenn sie Schmerzen haben, ziehen sie sich zurück, allerdings wird das dann oft als mangelndes Engagement im Unterricht missverstanden. Und wenn ein Kind sagt Mir geht s nicht gut, dann sollte das gerade in so einem Fall nicht weiter hinterfragt werden, fordert Strohmayer. Die Probleme beginnen schon bei der Schulanmeldung und reichen bis zu Schwierigkeiten, die Therapie in den Schulalltag einbauen zu können oder krankheitsbezogene Bedürfnisse durchzusetzen. Wegen der Krankheitsschübe, die ja oft sehr rasch und unvorhergesehen eintreten, kommt es zu vielen Fehlstunden. Den versäumten Stoff muss ich dann mit meinen Kindern nacharbeiten, das ist nicht einfach, erzählt auch Karina Trost, Mutter einer 11 jährigen und einer 18 jährigen Tochter, die beide von der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn betroffen sind. Gerade das Bewusstsein für jene chronischen Erkrankungen, die keinen sichtbaren Makel hinterlassen, fehlt oft völlig nicht nur im schulischen Setting, auch später am Arbeitsplatz. Neue Haftungsregelung für Pädagogen Die Benachteiligung chronisch kranker Kinder und Jugendlicher war 2014 auch der Anlass, um eine parlamentarische Bürgerinitiative zu dem Thema zu starten, 2015 wurde eine Enquete dazu abgehalten. Die dabei geforderte Ausweitung der Amtshaftung wurde schließlich 2017 beschlossen. Seither sind Pädagogen, die chronisch kranke Kinder im Unterricht unterstützen, rechtlich auf der sicheren Seite, die Republik übernimmt die Haftung, erklärt Dr. Lilly Damm, Gesundheitswissenschaftlerin am Zentrum für Public Health der MedUni Wien und viele Jahre Bundesschulärztin. Kinder mit chronischen Erkrankungen sind in den Schulen nach wie vor benachteiligt, weiß Damm. Sie schlägt drei Maßnahmen vor, um Diskriminierungen chronisch kranker Schüler zu beseitigen: PEOPLEIMAGES/ISTOCK Die Krankheitsschübe führen oft zu einer erheblichen Zahl an versäumten Unterrichtsstunden. 1 Eine adäquate Erste Hilfe Ausbildung mit regelmäßigen Auffrischungen für alle Lehrer: Derzeit ist es in der Ausbildung der Pädagogen ausreichend, den Erste Hilfe Kurs der Führerscheinprüfung nachzuweisen. Doch an Schulen ist oft mehr erforderlich: Wissen über Handlungsbedarf bei Unterzuckerung oder einem epileptischen Anfall ist wesentlich. 2 Bewusstseinsbildung für chronische Erkrankungen in der Aus IMGORTHAND/ISTOCK 20 3/2019

21 und Weiterbildung von Pädagogen: Untersuchungen belegen, dass chronisch kranke Kinder bei gleicher kognitiver Begabung im Durchschnitt schlechtere Noten bekommen. Von manchen Lehrern wird den Kindern nicht einmal geglaubt, wenn sie beispielsweise von Schmerzen berichten. Das schade sowohl im Bildungs als auch Krankheitsverlauf. 3 Assessments bei der Aufnahme chronisch kranker Kinder und Jugendlicher an Schulen: Für Eltern chronisch kranker Kinder gleicht die Schulsuche einer Herbergssuche. Manche Schulen lehnen chronisch kranke Kinder ab, weil sie befürchten, sie nicht adäquat betreuen zu können. Plattform vernetzt Experten In Österreich gibt es zu wenig medizinisches Supportpersonal an den Schulen, weshalb hierzulande mehr von den Pädagogen abverlangt wird, zeigt Paul Kimberger, Kinder mit chronischen Erkrankungen sind in den Schulen nach wie vor benachteiligt. Die Bewusstseinsbildung und Schulungen von Pädagogen ist dringend erforderlich. Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und lehrer, die Kehrseite auf. Anfang der 1990er Jahre haben die Schulen die ersten Integrationsklassen eingeführt, jetzt stehen wir vor der Herausforderung der Inklusion. Allerdings ist dieser Weg noch lange nicht abgeschlossen und muss auch gesamtgesellschaftlich mitgetragen werden. Die Erfahrung zeigt, dass die Probleme chronisch kranker Kinder noch zu wenig ernst genommen werden, so Kimberger. Unterstützung kommt von der Initiative chronisch_konkret, die 2016 von AbbVie und dem Haus der Barmherzigkeit ins Leben gerufen wurde. Die Plattform bietet Betroffenen, aber auch Experten aus Wissenschaft und Medizin sowie wichtigen Vertretern der Behörden und der Politik die Möglichkeit, die aktuellen und künftigen Herausforderungen von chronischen Erkrankungen zu diskutieren und nachhaltige Verbesserungen und Lösungen zu erarbeiten. n ALLE!ACHTUNG! 3/

22 AUVA KINDER & JUGENDLICHE SICHER ARBEITEN im Werkunterricht Mit Sicherheit im Werkunterricht Arbeitsbehelf für die Sekundarstufe 1 erweitert die AUVA heuer ihr Präventionsangebot um ein weiteres Medium. Im Jahr 1996 entstand die Unterlage Sicherheit im Werkunterricht der Hauptschule, die Werklehrern über viele Jahre hinweg als Grundlage zur Vermittlung von Sicherheit im Umgang mit Maschinen, Werkzeugen und Werkstoffen im schulischen Kontext diente. Mehr als zwei Jahrzehnte später stellen geänderte Rahmenbedingungen und technischer Fortschritt auch den Werkunterricht vor neue Herausforderungen. So wurden die Fächer Technisches Werken und Textiles Werken zusammengelegt, der Lehrplan modifiziert und neue Lehramtsstudienkonzepte ausgearbeitet. Mappe, Poster und DVD Nach wie vor ist der Werkunterricht in der Schule zur Erlernung und Erarbeitung von Fähigkeiten und Fertigkeiten im Sinne der Arbeitssicherheit und Unfallverhütung ein wichtiges Fach, daher wurden die Unterrichtsmaterialien überarbeitet. So wurden aus knapp über 20 Seiten, in denen 13 verschiedene Arbeitsmittel behandelt wurden, über 100 Sei Der Werkunterricht ist ein zentrales Fach beim Erarbeiten von Fähigkeiten und Fertigkeiten rund um Arbeitssicherheit und Unfallverhütung. Der Arbeitsbehelf beschreibt ausführlich die Sicherheitsanweisungen für 38 Arbeitsmittel, die im Werkunterricht eingesetzt werden. FOTOGRAFIXX/ISTOCK ten mit Input zu 38 Arbeitsmitteln. Auch auf die Themenbereiche Raumordnung für Sonderunterrichtsräume ( Werkraumordnung ), Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung und Betriebsanleitungen wird in dieser neuen Version eingegangen. Darüber hinaus beinhaltet die Mappe ein Poster mit Sicherheitszeichen und Arbeitsblätter für Schüler. Damit Werklehrer die Mappe auch ihrem Schulstandort angepasst erweitern können, ist eine DVD mit Vorlagen für Checklisten inkludiert. Einfache Sprache für besseres Verständnis Zentraler Inhalt des neuen Mediums sind die Arbeitsmittel- Checklisten. Anhand derer kann in erster Linie die Lehrperson ein Arbeitsmittel hinsichtlich Funktionalität sowie richtiger und sicherer Verwendung prüfen. Sie können aber auch im fachpraktischen und fachtheoretischen Unterricht mit den Schülern als Arbeitsblätter eingesetzt werden. Die Checklisten beinhalten neben einer bildlichen Darstellung eine kurze Beschreibung des jeweiligen Arbeitsmittels und die Bezeichnung der wichtigsten Teile davon. Dabei wird auf eine einfache Fachsprache geachtet, damit Schüler lernen, die Arbeitsmittel und deren Bestandteile fachlich richtig zu benennen. Die einzelnen Checklisten sind wenn erforderlich mit entsprechenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnungen ausgestattet. Sowohl Lehrer als auch Schüler können so auf den ersten Blick erkennen, ob eine persönliche Schutzausrüstung bei der Arbeit dem Arbeitsmittel erforderlich ist und welche Gefahren davon ausgehen können. Einbeziehung aller Beteiligten Im Kapitel über die Werkraumordnung wird Werklehrern die Herangehensweise zur Erstellung einer Werkraumordnung vorgeschlagen. Ausführliche Tipps zeigen, wie es gelingen kann, dass diese Werkraumordnung auch gelebt wird, beispielsweise durch die Miteinbeziehung der Sichtweisen von Schülern zu diesem Thema Der partizipative Ansatz war bei der Erstellung der Mappe wichtig: Rückmeldungen von Werklehrern, Schulleitern und Schülern wurden eingeholt. Eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Bildungsdirektionen der Bundesländer war ebenfalls gegeben. Lehrbeauftragte für den Fachbereich Technisches und Textiles Werken als auch Studierende an pädagogischen Hochschulen wurden bei der Erstellung miteingebunden. n 22 3/2019

23 SERIE SPORT Hüpf Dich Zum Frühlingsstart gehört das Trampolin schon fast zur Gartenausstattung wie die Sandkiste oder die Schaukel. Das Springen macht nicht nur Kindern viel Spaß, es ist auch ein perfektes Gesundheitstraining. Wie groß das Sprungtuch ist, spielt keine große Rolle Hauptsache federn, springen, lachen und dabei die volle Dosis Fitness abbekommen. Selbst Minitrampoline, die im Winter auch ins Wohnzimmer passen, haben sich bewährt. Wer ein Trampolin zu Hause hat, kann auch gleich loslegen, denn es braucht kaum Vorkenntnisse um springend fit zu werden. Das Geheimnis liegt in der Schwerkraft: Der ständige Wechsel zwischen Druck und Schwerelosigkeit fühlt sich nicht allzu anstrengend an, wirkt aber massiv auf den Körper. Ob nun sanft und gelenkschonend gehüpft wird oder in klassischen Fitnessübungen wie Sit-ups, Tanzen, Hampelmann und Liegenstützen zusätzlich die tief liegende Muskelschicht trainiert wird der Effekt ist wesentlich größer als es sich anfühlt. Gut gegen schlechte Laune Mit einem Trampolin punktet der innere Schweinehund nicht mehr so leicht, denn der Aufwand ist denkbar gering und zwar sowohl zeitlich als auch das Umfeld und das Outfit betreffend. Ein paar Hüpfer reichen und wir lächeln, denn Trampolinspringen führt sofort zur Aktivierung von Glückshormonen. Neben dem Fitnessfaktor macht uns das Springen also auch fröhlich und das kann insbesondere in einem stressigen Alltag genau der richtige Ausgleich sein, der uns schnell wieder auf den Boden bringt und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Am besten steht das Trampolin so im Blickwinkel, dass es immer wieder gesehen wird und schnell aufgebaut werden kann so ist die Überwindung gleich deutlich geringer. Manche Menschen fühlen sich beim Hüpfen auch mit Musikbegleitung wohler indoor kein Problem, outdoor tut es ein MP3-Player plus Kopfhörer. Der Wohlfühl-Glückseffekt gewinnt mit Musik zusätzlich dazu. Volle Energie Springen funktioniert unabhängig von Alter und Basisfitness. Jeder merkt ganz schnell, was er sich zutrauen kann und was nicht. Ungeübte beginnen am besten mit Schwingen statt Springen. Wesentlich ist auch nicht die Höhe der Sprünge, sondern lediglich, dass die Füße von der Matte abheben. Das Trampolintraining, selbst wenn es nur von kurzer Dauer, aber regelmäßig ist, wirkt sich unmittelbar auf die Gesundheit aus, zum Beispiel bei Rückenschmerzen, Osteoporose, Diabetes, Muskelschwund, schwachem Beckenboden oder auch Demenz. Es stärkt das Herz- Kreislauf-System und den Stoffwechsel, die Gelenke und die Muskulatur, unterstützt den MARTIN SCHLECHT/ADOBESTOCK Lymphfluss, hebt die Laune und schult den Gleichgewichtssinn. Es richtet bildlich gesprochen nicht nur den Körper auf, sondern auch die Seele. Trampolinspringen mit sehr geringer Intenstität wie leichtes Federn im Stand auch als Entspannung dienen. n Sicherheitstipps Ob drinnen oder draußen, Trampolinspringen macht bei jedem Wetter Spaß. Stellen Sie sicher, dass das Material, vor allem das Sprungtuch und die Federn, keine Ermüdungserscheinungen zeigen. Die Sprungmatte sollte stabil, aber sehr elastisch sein. Eine robuste Randabdeckung schützt vor Fehltritten. Ein Schutznetz ist für große Trampoline wichtig, um vor Stürzen zu schützen. Gesprungen wird immer ohne Schuhe und selbst auf großen Trampolinen höchstens zu zweit. Das Material von Outdoor-Trampolinen sollte UV-beständig sein, sonst hält es maximal zwei Jahre lang. Nach dem Springtraining nicht vom Trampolin springen, sondern steigen. Beachten Sie, dass sich unmittelbare Umgebung des Trampolins keine gefährlichen Kanten oder harten Objekte befinden. ALLE!ACHTUNG! 3/

24 petunyia Fotolia blaah lalhl pfff nzr * ) Österreichische Post AG MZ 11Z M Retouren an PF 555, 1008 Wien ÄrzteVerlag GmbH, Schlagergasse 11/15+16, 1090 Wien * Wir finden immer die richtigen Worte für Ihre Zielgruppe Die erste Adresse für Corporate Publishing im Gesundheitsbereich