Regionale Wertschöpfung aus EE: Wie profitieren die Kommunen?

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1 Regionale Wertschöpfung aus EE: Wie profitieren die Kommunen? Oliver Finus, Deutsche Umwelthilfe e.v.

2 Agenda Wer ist die Deutsche Umwelthilfe (DUH)? Was macht sie? Grundlage für heutige Präsentation: Studie Kommunale Investitionen in Erneuerbare Energien Wirkungen und Perspektiven Zentrale Fragestellungen der Studie Wesentliche Studienergebnisse Praxisbeispiel

3 Wer ist die DUH? Umwelt- und Verbraucherschutzverband Geschäftsstellen in Berlin und Radolfzell ca. 90 Mitarbeiter Themen: Klimaschutz, Naturschutz, Verkehr, Mehrweg & Recycling, Verbraucherschutz, Umweltbildung, Kommunaler Umweltschutz R. Dietrich Stadt Osnabrück Stadt Augsburg Stadt Osnabrück Stadt Wernigerode

4 Was macht die DUH? Der Bereich Kommunaler Umweltschutz der DUH beschäftigt sich u.a. mit Fragen der kommunalen/regionalen Energiewende und des kommunalen Klimaschutzes über Kommunalwettbewerbe und Kampagnen einschließlich Workshops und Fachkongresse = Erfahrungsaustausch

5 Was macht die DUH? Beratungsprojekte, z.b. für kleinere und mittlere Kommunen zum Einstieg in den Klimaschutz Wissenschaftliche Studien z.b. zum Thema regionale Wertschöpfung aus EE inkl. Praxisempfehlungen

6 Perspektiven Forschungspartner: Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) Förderer: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)

7 Perspektiven Erkenntnisinteresse Fragestellungen: Welche Wertschöpfung in und zusätzlichen Arbeitsplatzeffekte können Kommunen durch den Ausbau Erneuerbarer Energien (EE) erzielen? Was können Kommunen tun, um diese Wertschöpfung zu steigern und dauerhaft vor Ort zu halten? Ausgangspunkt: Zubau an EE-Anlagen in den Jahren 2000 bis 2010, gemessen in installierter Leistung auf dem Gebiet der Kommunen Angenommene Anlagenlaufzeit von 20 Jahren

8 Perspektiven Teilnehmende Kommunen:

9 Perspektiven - Methodik/Vorgehen IfaS entwickelt Berechnungsmodelle für folgende EE-Technologien: Windenergieanlagen (WEA) Photovoltaik Wasserkraft Biogas (inkl. Deponie und Klärgas) Biomasse Solarthermie Tiefengeothermie (in keiner Kommune vorhanden!)

10 Perspektiven - Methodik/Vorgehen Einbezogen in die Berechnung werden dabei folgende vier Stufen der Wertschöpfungskette: Herstellung & Handel Planung & Montage Dienstleistung & Handwerk Anlagenbetrieb

11 Perspektiven - Methodik/Vorgehen Die Ergebnisse aus den Berechnungsmodellen für jede EE-Technologie werden in einer Gesamtrechnung zusammengefasst. Dabei werden folgende Profiteure auf kommunaler Ebene gesondert ausgewiesen: Kommunen (öffentliche Hand, inkl. kommunale Unternehmen) Bürger Lokale Unternehmen Im Zentrum der Betrachtung stehen die Kommunen und deren Rolle beim Ausbau EE vor Ort.

12 Perspektiven - Methodik/Vorgehen Die Wertschöpfung, die die Kommune aus dem Ausbau EE erzielen kann, setzt sich dabei aus folgenden Bestandteilen zusammen: Betreibergewinne (wenn die Kommune bzw. kommunale Unternehmen selbst Anlagen betreiben) Kommunale Steuereinnahmen: Gewerbesteuer und Einkommensteuer Pachteinnahmen (Dächer und Grundstücke für Errichtung von EE- Anlagen) Energiekosteneinsparung und Einsparung für fossile Anlagen (investiv und operativ)

13 Perspektiven Kommunale Handlungsmöglichkeiten Der Beitrag, den kommunale Maßnahmen zum Ausbau EE leisten können, wurde in folgenden Handlungsfeldern untersucht - Einfluss der Kommune durch: Direktinvestitionen und Beteiligungen Flächenverpachtung zur Errichtung von EE-Anlagen Zuschüsse und Kredite für en Bau von EE-Anlagen Siedlungsentwicklung/Bauleitplanung Beratung und Öffentlichkeitsarbeit (kaum in installierter Leistung messbar!) Wärmebezug aus EE-Anlagen für kommunale Liegenschaften /Gebäude

14 Perspektiven Kommunale Handlungsmöglichkeiten Exemplarische Darstellung des kommunalen Anteils am Ausbau EE ,00 kw Anteil kommunaler Maßnahmen am Ausbau EE in Augsburg kw bzw. m² (nur Solarthermie) ,00 kw ,00 kw ,00 kw 5.000,00 kw 0,00 kw Kommune aktiv in folgenden Handlungsfeldern: Direktinvestitionen/Beteiligungen Flächenverpachtungen Zuschüsse und Kredite Siedlungsentwicklung/Bauleitplanung Beratung Öffentlichkeitsarbeit Bezug von Wärme aus EE

15 Perspektiven Wesentliche Ergebnisse Ein Zusammenhang zwischen lokalen Rahmenbedingungen und der Wahl bestimmter EE-Techniken ist nur bei Windenergie, Wasserkraft und landwirtschaftlichen Biogasanlagen feststellbar (geografische bzw. naturräumliche Rahmenbedingungen) Bei den Techniken Photovoltaik, Solarthermie und Biomasseanlagen ist kein Zusammenhang zwischen lokalen Rahmenbedingungen (z.b. Globalstrahlung, lokale Biomassepotenziale) und der Wahl der EE- Technik bzw. dem Ausbaugrad zu konstatieren Ein direkter Zusammenhang zwischen der kommunalen Finanzkraft (Verschuldung) und dem lokalen EE-Ausbau war nicht verifizierbar

16 Perspektiven Wesentliche Ergebnisse Klarer Zusammenhang zwischen kommunalen Maßnahmen und lokalem Ausbau EE feststellbar. Kommunen haben also signifikanten Einfluss auf den Ausbau und damit auch auf die Wertschöpfungsergebnisse Kommunale Direktinvestitionen sind maßgebend für Ausbau und Wertschöpfung aus EE; Oft bedeutsamer als weitere unterstützende Maßnahmen Für das monetäre Wertschöpfungsergebnis ist der Investitionszeitpunkt eine zentrale Größe. D.h. Kommunen müssen über alle aktuellen Rahmenbedingungen (Förderung, Gesetzeslage, spezifische Anlagenkosten, Kreditkosten) auf dem Laufenden sein

17 Perspektiven Wesentliche Ergebnisse In ländlichen Kommunen (Cluster C) konnte insgesamt mehr Wertschöpfung pro Einwohner generiert werden als in den Großstädten (Cluster A), was auch mit dem Ausbaupotenzial EE gesamt zusammenhängt Komplexe Anlagenkonzepte (z.b. Biomasse-KWK-Anlagen) bringen höhere Wertschöpfungseffekte; maßgebend Einspareffekte aufgrund von verdrängten fossilen Energieträgern Ein breiter EE-Mix wirkt sich positiv auf die Gesamtwertschöpfung aus; Unwirtschaftlichkeit einzelner Anlagen kann kompensiert werden

18 Perspektiven Wesentliche Ergebnisse Lokale Ansässigkeit von Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette entscheidend für die Wertschöpfung, da Unternehmen Arbeitsplätze sichern und damit Einkommen und Steuern generieren Auslagerung von kommunalen Investitionen in eigene Unternehmen ist zu überlegen (Professionalisierung durch Ausgründung) Der Beitrag kommunaler Zuschussprogramme zu Ausbau und lokalen Wertschöpfungsergebnissen ist in Frage zu stellen. Besonders auffällig bei der EE-Technik Solarthermie; Effekte lokaler Förderprogramme sind genau zu evaluieren, da sonst lediglich Mitnahmeeffekte entstehen

19 Perspektiven Wesentliche Ergebnisse Die Refinanzierbarkeit kommunaler Stellen zum Management der Energiewende bzw. im Klimaschutzmanagement ist durch die Wertschöpfungsergebnisse für die Kommunen gegeben, d.h. kommunale Einnahmen decken in der Regel die Personal- und Sachausgaben Defizite in der Datenverfügbarkeit auf lokaler Ebene sind zukünftig zu beheben!

20 Perspektiven Kommunales Beispiel Gemeinde Wildpoldsried im Allgäu, Einwohner (2010)

21 Perspektiven Kommunales Beispiel Zentrale Betrachtungsparameter: Gesamtwertschöpfung bei einer Anlagenlaufzeit von 20 Jahren liegt für Wildpoldsried bei 21,6 Mio. Auf der Wertschöpfungsstufe des Anlagenbetriebes werden dabei rund 95 %, d.h. 20,5 Mio. generiert (Dienstleistung & Handwerk: 3,8 %) Wertschöpfungsergebnis der Kommune liegt dabei bei rund 3,1 Mio. Kommune hat eigene GmbH zum Ausbau EE gegründet ( DorfentwicklungsGmbH )

22 Perspektiven Kommunales Beispiel Zentrale Betrachtungsparameter: Kommunale GmbH investiert schwerpunktmäßig in holzartige Biomasse (Pelletkessel inkl. Aufbau eines Nahwärmenetzes) und PV Strom: Kommune ist im Jahr 2010 an 3,3 % der installierten elektrischen Gesamtleistung und zu 10,9 % der PV-Leistung beteiligt Wärme: Kommune ist im Jahr 2010 an 12,8 % der thermischen Gesamtleistung und zu 22 % an der Leistung aus holzartiger Biomasse beteiligt Über weitere Maßnahmen (Bauleitplanung, gezielte Beratung und Öffentlichkeitsarbeit) hat die Kommune rund 69 % des Zubaus elektr. Leistung positiv beeinflusst

23 Perspektiven Kommunales Beispiel Zentrale Betrachtungsparameter: Bürger profitieren vor allem, weil es Beteiligungsmöglichkeiten an örtlichen WEA und PV-Anlagen gibt und sie eigene Anlagen über eine Einkaufsammelaktion der Gemeinde vergünstigt einkaufen konnten Landwirte profitieren durch Gründung landwirtschaftlicher Genossenschaften, die in Windenergie und Biogasanlagen investieren und diese betreiben

24 Perspektiven Kommunales Beispiel Wie setzt sich das Wertschöpfungsergebnis der Kommune zusammen? Gewerbesteuer ca. 1,5 Mio. Einkommensteuer ca Betreibergewinne ca Einsparungen ca. 1 Mio.

25 Perspektiven Kommunales Beispiel Zusätzliche Arbeitsplätze durch EE im Jahr 2009 nach Berechnung (ohne Berücksichtigung der Einsparungen durch die Substitution fossiler Energieträger) Gesamt: rechnerisch 4,85 zusätzliche Vollzeitarbeitsplätze Anlagenbetrieb 74 % 14 % Planung und Montage 8 % Handwerk 3 % lokales Bankwesen 1 % Flächenverpachtung

26 Perspektiven Studie und Handlungsleitfaden im Internet unter: und

27 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Oliver Finus, Deutsche Umwelthilfe e.v.

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