Frage vom , F 309

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1 Frage vom , F 309 Bei der Entscheidung über die künftige Organisation des ÖPNV in Frankfurt spielen externe Gutachten und Studien eine wichtige Rolle. Ich frage deshalb den Magistrat: Welche Kosten haben jeweils das VGF-Gutachten des Hamburger Instituts BSL sowie die zusätzlich von der Stadt bestellte Supervision des Berliner Instituts KCW verursacht? Antwort des Magistrats: Frau, meine Damen und Herren, Herr Stadtverordneter Hübner! Ich beantworte Ihre Frage wie folgt: Die Kosten für das BSL-Gutachten betragen ,55 Euro und für das KCW-Gutachten Euro. Die Gesamtkosten belaufen sich somit auf ,55 Euro. Danke sehr, Herr Becker! Ich gebe dem Hause bekannt, dass die FAG-Fraktion zur Frage Nr. 308 und die BFF-Fraktion zur Frage Nr. 309 jeweils eine aktuelle Stunde angemeldet haben. (Zurufe) Entschuldigen Sie bitte, ich hatte Ihre Wortmeldung nicht gesehen. Zur Frage Nr. 309 gibt es noch eine Zusatzfrage von Herrn Mack. Bitte schön! Stadtverordneter Udo Mack, LINKE.WASG: (Zusatzfrage) Herr Becker, wenn ich Sie richtig verstanden habe, waren die Kosten für die Supervision höher als für das Gutachten. (fortfahrend) Nein. Das BSL-Gutachten kostete ,55 Euro und das KCW-Gutachten Euro. Die Supervision war also günstiger, und das ist auch folgerichtig. Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 309 Stadtverordneter Wolfgang Hübner, BFF: Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren, liebe Besucher! Ein brauchbares Gutachten ist nur eines, das der Auftraggeber für gut erachtet. Was erachtet er für gut? Das, was in seinem Sinne ist. Was aber macht der Auftraggeber, wenn es zwar in seinem Sinne, aber nicht gut in seinem Hintersinne ist? Er bestellt eine Begutachtung des Gutachtens. So etwas Letzte Aktualisierung des Sachstandes: Seite: 1

2 kann man auch Supervision nennen. Diese Supervision macht das Gutachten nicht nur für den Hintersinn des Auftraggebers verträglicher, sondern dokumentiert auch, dass der Hintersinn das eigentliche Sinnen des Auftraggebers ist. Ist Ihnen das alles ein wenig zu kompliziert? Dann möchte ich versuchen, es etwas einfacher zu machen. Die Stadt Frankfurt veranlasst ihren Eigenbetrieb VGF, ein Gutachten beim Hamburger Institut BSL über die ökonomische Sinnhaftigkeit der Ausschreibung von Buslinien einzuholen. BSL liefert daraufhin ein Gutachten, das dem Eigentümer eigentlich gefallen müsste, würde der nur sein Eigentum mögen. Doch da die gegenwärtigen Verwalter des Eigentums selbiges nun einmal nicht so mögen, aber dies auch nicht allzu laut sagen wollen oder sagen zu dürfen glauben, beauftragen sie prompt die Begutachtung des Gutachtens bei dem Berliner Institut KCW. KCW garantiert nämlich dafür, den eigentumsfeindlichen Verwaltern eine eigentumsfeindliche Begutachtung des allzu eigentumsfreundlichen Gutachtens zu liefern. Und weil das Hamburger Institut ja auch künftig noch Aufträge von der reichen Stadt Frankfurt bekommen möchte, wird unter der strengen Supervision des Berliner Instituts aus einem eigentumsfreundlichen Gutachten des Hamburger Instituts ein eigentumsskeptisches BSL-Gutachten samt einer garantiert eigentumsfeindlichen KCW- Begutachtung. Das kostet zusammen übrigens - wie wir vorhin erfahren haben Euro. Ist jetzt alles klar? Wenn nicht, dann fragen Sie doch einmal den Verkehrsdezernenten oder seine Freunde von der traffiq. Die können Ihnen das alles bestimmt noch viel einfacher erklären als ein restlos gutachtenverwirrter, kleiner Stadtverordneter wie ich. Danke schön! Danke sehr! Die nächste Wortmeldung zu diesem Thema kommt von Herrn Stadtverordneten Heuser. Bitte! Stadtverordneter Helmut Heuser, CDU: Frau, Herr Kollege Hübner, es ist eine ziemlich unerträgliche Arroganz, die Sie hier an den Tag legen. Ich hätte fast noch ein anderes Wort genannt, ich weiß aber nicht genau, ob die Frau Vorsteherin das ertragen kann. Deswegen lasse ich es lieber bleiben. Es fängt mit klug an und endet dann mit dem zweiten Teil des Wortes, den ich jetzt nicht ausspreche. Das lassen Sie lieber. Stadtverordneter Helmut Heuser, CDU: (fortfahrend) Ja, ich lasse es, Frau Vorsteherin, ich glaube, Herr Hübner hat es auch so verstanden. Was Sie allerdings nicht verstanden haben, Herr Kollege Hübner, sind die Gutachten. Die haben Sie wahrscheinlich gar nicht gelesen, weil Sie in Ihrer populistischen Art - das geht dann auch in eine andere Richtung, aber damit setzen wir uns später noch auseinander - von vornherein überhaupt nicht bereit waren, zur Kenntnis zu nehmen, was darin steht. Sie hatten Ihre Meinung schon vorher Letzte Aktualisierung des Sachstandes: Seite: 2

3 gefestigt. Sie hat das alles überhaupt nicht interessiert, was darin steht, weil Sie schon von vornherein auf Klamauk aus waren. Meine Damen und Herren, ich sage das sehr ernsthaft - wir werden nachher noch ausführlich darüber diskutieren -: Es ist absolut üblich, und es ist sogar in weiten Teilen unseres Planungsrechtes vorgeschrieben, Gutachten noch einmal begutachten zu lassen. Schon allein aufgrund des Vieraugenprinzips, weil man dadurch auch Fehler erkennen kann. Wenn ich es richtig verstanden habe - ich stelle mich nicht hierher wie Sie, Herr Kollege Hübner, und weiß von vornherein alles besser, sondern wir haben uns mit diesen Gutachten ausgesprochen intensiv auseinandergesetzt, es ist für einen Laien nicht einfach, alles zu verstehen -, gab es im ersten Gutachten methodische Fehler, die durch die KCW-Supervision und in gemeinsamen Arbeitskreisen und Arbeitsrunden aufgearbeitet worden sind. Gott sei Dank, muss man sagen, denn wir wären gegebenenfalls bei unserer Entscheidung, die wir heute zu fällen haben, von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Es war also richtig. Ich möchte nicht zurückstehen, den Magistrat dafür zu loben, dass er diese Supervision noch hat durchführen lassen. Sie hat uns die Klarheit gebracht, die uns letztendlich die Gewissheit verschafft hat, dass der Wettbewerb für die Stadt Frankfurt am Main ökonomisch günstiger ist. Aber darüber werden wir nachher ausführlich diskutieren. Noch einmal, Herr Hübner: Sie sollten vielleicht auch einmal versuchen, sich ernsthaft mit Dingen auseinanderzusetzen, anstatt hier in Ihrer arroganten Art den Menschen vorzugaukeln, Sie hätten für alles und für jedes ein Patentrezept. Vielen Dank! Danke schön! Als nächster Redner zu diesem Punkt hat sich Herr Langer gemeldet. Bitte! Stadtverordneter Michael Langer, REP: Frau, Herr Heuser, das war eine fulminante Rede. Auf der einen Seite sagen Sie, dass Sie in Bezug auf solche Gutachten Laie sind. Das ist nichts Schlimmes. Auf der anderen Seite schulmeistern Sie aber Herrn Hübner. Nun möchte ich Sie einmal daran erinnern, was Sie selbst in der Sitzung des Verkehrsausschusses gesagt haben. Sie haben etwas sehr Richtiges gesagt. Es hat Sie gewundert, dass BSL in dem ersten Entwurf des Gutachtens zu der klaren Aussage gekommen ist, dass die VGF wettbewerbsfähig ist. Dann hat es Sie gewundert, dass bei der Supervision von KCW genau das Gegenteil dabei herauskommt. Nun ziehen Sie die falschen Schlüsse daraus. Sie sagen, es war doch gut, KCW zu beauftragen, jetzt haben wir eine Gemengelage, die klar und eindeutig ist. Das ist sie aber eben nicht. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wurde Druck ausgeübt, damit das Gutachten genau das Ergebnis bringt, das gewünscht war, oder aber eines der beiden Institute - und das müsste in dem Fall BSL gewesen sein - war völlig unfähig. Heißt das also, wir hätten über Euro für ein völlig unfähiges Gutachterunternehmen ausgegeben? Das ist die Quintessenz, die dabei herauskommt. Das müsste doch dann eigentlich eher zur Folge haben, dass wir noch ein weiteres Gutachten einholen, das uns dann endlich Klarheit darüber verschafft, was denn nun Sache ist, denn im Grunde haben wir zwei völlig gegensätzliche Meinungen. Nun können wir jede Menge Gutachten in Auftrag geben. Wir alle wissen, wie es ist: Wer das Gutachten bestellt und wer es bezahlt, der bestimmt auch in der Regel, was darin steht. Das ist genauso wie mit Meinungsumfragen. Wir alle wissen das. Wir alle wissen, wie wir das zu beurteilen haben. Insofern ist es auch schwierig oder eigentlich absolut unsinnig, sich mit gerade diesen Gutachten und der Supervision hinzustellen und zu sagen, dass die VGF nicht mehr wettbewerbsfähig Letzte Aktualisierung des Sachstandes: Seite: 3

4 und nicht mehr wirtschaftlich zu führen ist. Das, meine Damen und Herren, ist genau der falsche Schluss. Hier ist eine politische Entscheidung zu treffen, nämlich ob die VGF weiter existieren soll. Wollen wir selbst den öffentlichen Nahverkehr in Frankfurt mit einer eigenen Gesellschaft betreiben oder wollen wir alles privatisieren? Das ist eine politische Entscheidung und keine andere. Danke sehr! Es gibt eine weitere Wortmeldung von Herrn Stadtkämmerer Becker. Bitte! Frau Vorsteherin, Ich möchte jetzt nicht die Diskussion vorwegnehmen, die ja nachher zu dem Punkt auch in der Breite notwendig ist. Dennoch möchte ich auf das eine oder andere Gesagte zu sprechen kommen, und zwar in der Frage der Betrachtung des Umgangs mit den Gutachten. Es war richtig - Herr Heuser hat es beschrieben - und nicht unüblich, dass man an eine so komplexe und schwierige Frage nicht mit einem Gutachten, sondern mit unterschiedlichen Betrachtungen herangeht. Der Prozess wird insgesamt am Ende präsentiert und ist die Grundlage für Entscheidungen, die entsprechend diskutiert werden. Es hat unter Beteiligung von BSL und KCW einen gemeinsamen Prozess gegeben, Supervision in der Steuerung und aus der Steuerung auch der Kämmerei heraus, um diesen Prozess am Ende in einen Korridor zu führen. Alle Beteiligten, also - wenn man so will - beide Gutachten, kommen entsprechend im Ergebnis dazu, dass die Variante der Ausschreibung als die wirtschaftlich vernünftigste anzusehen ist. Darauf fußt auch die Entscheidung der Koalition. Den Weg so zu gehen war aus meiner Sicht vollkommen richtig. Es hat - um das mit aufzunehmen - keinen Druck gegeben, sondern es hat einen vernünftigen Abgleich der Grundlagen, der Methodik und der Herangehensweise gegeben, um dann letztendlich die Frage von Ausschreibungen versus Inhouse-Vergabe noch einmal nuanciert zu diskutieren. Aber der Weg, der jetzt beschritten worden ist, ist gut und fundiert, und das wird nachher sicherlich noch einmal fachlich hervorragend dargestellt. Vielen Dank! Danke sehr, Herr Stadtkämmerer! Die nächste Wortmeldung kommt von Frau Rinn. Bitte! Stadtverordnete Annette Rinn, FDP: Frau, sehr geehrte Damen und Herren! Ich gehöre zu den Leuten, die die Gutachten ein bisschen gelesen haben, und möchte jetzt aus dem BSL-Gutachten etwas vorlesen, also aus dem, was die VGF selbst in Auftrag gegeben hat. Darin steht als Empfehlung: Mit der vorliegenden ökonomischen Analyse wurde belegt, dass ökonomisch gesehen die Ausschreibung gegenüber Inhouse-Vergabe in Frankfurt wahrscheinlich Vorteile verbucht. Letzte Aktualisierung des Sachstandes: Seite: 4

5 Die beiden Gutachten unterscheiden sich nur in der Höhe der Millionen, die die Stadt Frankfurt sparen könnte. Das ist der einzige Unterschied. Beide kommen zu dem Schluss, dass es für die Stadt ökonomisch sinnvoll ist. Ich möchte einen weiteren Satz von der letzten Seite des Gutachtens vorlesen: Wir empfehlen in keinem Fall eine vollständige und zwangsläufig dauerhafte Inhouse- Lösung. Zumindest die entscheidenden Sätze im Fazit sollte man lesen, bevor man hier einen derartigen Unsinn erzählt, was diese Gutachten angeht. Danke! Danke sehr, Frau Rinn! Jetzt hat noch einmal Herr Stadtverordneter Hübner das Wort. Bitte! Stadtverordneter Wolfgang Hübner, BFF: Ganz kurz nur, Frau Vorsitzende: Ich interpretiere den Vortrag des Stadtverordneten Heuser dahin gehend, dass wir jetzt nicht nur eine rauchfreie Zone im Rathaus haben, sondern demnächst auch eine ironiefreie Zone. Danke schön! Antragstellende Person(en): Stadtv. Wolfgang Hübner Vertraulichkeit: Nein Letzte Aktualisierung des Sachstandes: Seite: 5

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