Teil X: I n d i k a t o r e n ( 2 ) --- Die Trendfolger

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1 Technische Analyse Einsteigerkurs --- Teil X --- Seite 1 von 5 Teil X: I n d i k a t o r e n ( 2 ) --- Die Trendfolger In Kapitel 9 habe ich die beiden wesentlichen Indikatorengruppen vorgestellt: die Trendfolger und die Oszillatoren. Es wurde vor allem der Charakter beider Indikato r- gruppen besprochen, und wann welche Gruppe sinnvollerweise eingesetzt werden sollte. Heute geht es nun nicht mehr um die Gegenüberstellung der beiden Indikatorengruppen. Vielmehr möchte ich in diesem und im nächsten Kapitel etwas in die Tiefe gehen und die beiden Indikatorkonzepte im Einzelnen und detailliert besprechen. Dabei werden auch die wichtigsten Indikatoren beider Gruppen vorgestellt. Wobei es wegen der heutzutage schieren Unzahl von Indikatoren auch dabei nur bei einem Kratzen an der Oberfläche bleiben kann. Die T r e n d f o l g e - Indikatoren 1. Der g l e i t e n d e D u r c h s c h n i t t Die Trenfolgeindikatoren folgen wie gesagt einem Trend, bis dieser wechselt. Sie kennen keine oszillatorische Interpretation, also überkaufte und überverkaufte Extremzonen. Dies ermöglicht zwar nicht den optimalen Einstiegs- oder Ausstiegspunkt, es verhindert aber, daß der Anleger zu früh aus einem intakten Trendmarkt aussteigt. Oder: Erst dreht der Markt, dann der Indikator. Signale entstehen also mit einer "relativen" Verspätung. Auf diesem Prinzip basiert auch der stets zugrunde liegende Klassiker des Trendfolgeansatzes, der so genannte "gleitende Durchschnitt". Ein gleitender Durchschnitt, oder auch Moving Average genannt, bildet den Durchschnittskurs über die letzten x- Tage ab, wobei x frei wählbar ist. Da der Moving Average jeden Tag neu berechnet wird, ergibt sich daraus eine Indikatorlinie. Diese verläuft träger als der Kursverlauf selbst, da sie ja einen Durchschnittswert darstellt. Je länger die Fristigkeit, also x- Tage, gewählt wird, desto träger verläuft natürlich auch die Durchschnittslinie. DAX-Index und gleitende Durchschnitte über 38, 90 und 200 Tage

2 Technische Analyse Einsteigerkurs --- Teil X --- Seite 2 von 5 Im DAX-Chart oben sehen Sie den Kursverlauf des Index selbst, ergänzt durch drei der populärsten Durchschnittslinien. Es sind dies die Durchschnittslinien über 38, 90 und 200 Tage, wobei der "200er-Moving" die geringste Reagibilität und der "38er- Moving" die höchste aufweist, die aber immer noch deutlich unter der des Index selbst liegt. Es liegt in der Natur der Dinge, daß es unabhängig von der Fristigkeit immer wieder zu Schnittpunkten zwischen dem Index und einem Moving Average kommt. Und hieraus ergibt sich nun die erste Möglichkeit für eine Signalgenerierung. Oder: Wenn der Index den Moving Average von oben nach unten schneidet, ist der Aufwärtstrend beendet. Longpositionen werden geschlossen und Shorts eröffnet. Schneidet der Index den Moving Average von unten nach oben, verhält es sich entsprechend umgekehrt. - Hört sich ja einfach an. Aber so einfach ist es natürlich nicht, so einfach kann es ja nicht sein! Die Schwächen Wo liegen die Schwächen? Nun, sie scheinen offensichtlich. Je träger man den Moving Average wählt, desto länger dauert es, bis man schließlich ein Signal erhält. Wählt man die Einstellung bei der Fristigkeit jedoch zu gering, dann kommen die Signale zwar früher, aber es werden sich dann eben auch entsprechend mehr Fehlsignale hinsichtlich eines Trendwechsels daruntermischen. Es gilt also, die goldene Mitte zu finden. Gibt es die überhaupt? Ja und nein! Denn in allererster Linie kommt es gar nicht auf die Auswahl der Fristigkeit an, sondern darauf, ob sich der zugrunde liegende Markt in einer Trendphase befindet oder in einem Seitwärtsmarkt. Das heißt: In einem permanenten Seitwärtsmarkt werden die besten Moving Average- Einstellungen keine Chance haben. In einem substantiellen Trendmarkt werden sich dagegen immer Einstellungen finden lassen, die zu relativ optimalen Handelssignalen führen werden. Optimierungsmöglichkeiten Allerdings nicht mit dem bloßen Auge. Anders gesagt: Ohne Computer geht es nicht, wenn Sie optimale Einstellungen für einen Moving Average oder auch für andere Indikatoren finden wollen. Dieser computergestützte Optimierungsprozeß bildet die Grundlage aller mechanischen Handelssysteme. Auch ein Liebhaber der visuellen Technischen Analyse, als den Sie mich kennen gelernt haben, benutzt diese Optimierungsmöglichkeiten immer wieder gerne. Es ist also kein Entweder-Oder. Ist Parameteroptimierung nun das große Zauberwort? Wiederum ja und nein. Ohne heute im Detail auf die Problematiken bei der Parameteroptimierung eingehen zu können stehen wohl zwei Dinge fest: 1. Kein Computer und keine Software werden als glückseligmachende Glaskugel fungieren können. 2. Andererseits ist die Parameteroptimierung aber schlichtweg notwendig, um mit indikatorbasierten Handelssystemen Erfolg zu haben. - Der Erfolg beim mechanischen Indikator-Trading hängt in erster Linie und maßgeblich vom Kopf des Programmierers ab. Oder: Wie kombiniert er welche Parameter. Soweit dieser kleine Exkurs zu den mechanischen Handelssystemen - an anderer Stelle später mehr und ausführlich dazu.

3 Technische Analyse Einsteigerkurs --- Teil X --- Seite 3 von 5 DAX-Index und gleitende Durchschnitte über 38, 90 und 200 Tage Kommen wir nun aber zurück zu den Moving Averages und der Grafik oben. Der 38er-Moving, also der reagibelste der drei Movings, zeigt exemplarisch auf, wovon der Erfolg des Trendfolgeansatz abhängt. Wer sich beim DAX von November 1999 bis zum März 2000 nur am 38er-Moving orientiert hat, der wird ihn in höchsten Tönen loben. Da stört es auch niemanden, dass das Ausstiegssignal nicht in absoluter Highnähe erfolgt ist. Wer sich aber in den Monaten davor am 38er-Moving orientiert hat, der wird ihn wegen der mehrfachen Fehlsignale schon verflucht haben. - Auf den Trend kommt es an, auf nichts Anderes! Ich habe das Auffinden der nächsten Trendphase schon einmal als die schwierigste Herausforderung bei der Technischen Analyse bezeichnet. Klar, wäre es so einfach, die nächste Trendphase vorauszusagen, bräuchten wir nur auf die nächste trendintensive Phase zu warten, um dann etwa einen 38er-Moving einzusetzen. Den geeigneten trendintensiven Markt finden Wie finden wir nun den geeigneten trendintensiven Markt und das auch noch so früh wie möglich? Auch von der Indikatorenseite kommen in dieser Frage Hilfestellungen, wie wir später auch noch sehen werden. Allerdings halte ich es für unverzichtbar, sich zur Beurteilung dieser wichtigen Frage unbedingt auch an der traditionellen Charttechnik zu orientieren. In den jeweiligen Kapiteln habe ich Ihnen ja schon methodische Ansätze zur Trendfindung aufgezeigt. Ein einfaches Moving-Crossover-Modell wird in der Regel trotz optimaler Einstellungen keinen ansprechenden Profit abwerfen. Erst recht dann nicht, wenn wir es einmal nicht mit einer trendintensiven Marktphase, sondern mit einem Seitwärtsmarkt zu tun haben. Die Komplexität der Märkte ist schlichtweg zu hoch, als daß so ein einfacher Ansatz Erfolg haben könnte. Und doch stellt der Moving-Average die Grundlage jedes Trendfolgeansatzes dar - aber es ist eben nur ein Baustein. Neben dem bisher besprochenen, einfachen Moving-Crossover-Gedanken zwischen Kurs und Moving, läßt sich dieser Ansatz natürlich ausweiten zu einem Modell, bei dem die Schnittpunkte zweier unterschiedlicher Movings die relevanten Signale erzeugen. Dies bedeutet eine erste Steigerung des Komplexitätsgrades und damit

4 Technische Analyse Einsteigerkurs --- Teil X --- Seite 4 von 5 auch eine Erhöhung der Erfolgsaussichten. Entscheidend für den Erfolg bleibt aber auch bei diesem erweiterten Ansatz immer die Trendfrage! Dieser multiple Moving- Ansatz stellt aber auf jeden Fall eine wunderbare Spielwiese für die Parameteroptimierung dar. Jedes gängige Chartprogramm ist in der Lage, solche Optimierungen durchzuführen. Für wen dieses Gebiet noch Neuland darstellt, ist es auf jeden Fall ratsam, gerade mit solchen Moving-Spielchen ein erstes Gefühl dafür zu entwickeln, was machbar ist und wo die Grenzen liegen. 2. Der M A C D Wenn nun einfache oder auch multiple Moving-Modelle die Komplexität der Märkte nicht letztendlich in den Griff bekommen können, stellt sich natürlich die Frage, wie man das Moving-Konzept modifizieren kann, um die Signale zum einen schneller zu erhalten und zum anderen zuverlässiger. Einen Ansatz, der diese Idee verfolgt, ve r- mittelt der so genannte MACD (Moving-Average-Convergence-Divergence), einer der bekanntesten Trendfolgeindikatoren überhaupt. Das Grundprinzip des MACD Lassen Sie mich kurz auf das Grundprinzip des MACD eingehen. Der MACD ist ein um eine Nullinie schwankender Indikator. Er bildet die Differenz zwischen zwei unterschiedlichen Movings ab, wobei der Wert des trägeren Movings vom Wert des reagibleren abgezogen wird. Steigt der zugrunde liegende Markt an, dann steigt der schnellere (reagiblere) Moving zunächst natürlich dynamischer mit als der träge. Die Differenz zwischen beiden Movings wird dadurch größer, und der MACD steigt. Wenn sich der Aufwärtstrend zu ermüden beginnt, oder der Markt konsolidiert, verliert auch der schnellere Moving wieder spürbar an Dynamik, während der trägere inzwischen erst Fahrt aufgenommen hat. Die Differenz zwischen den beiden Movings wird ab da wieder geringer, so daß der MACD dreht und zu fallen beginnt. Und das noch lange bevor es zu einem Schnittpunkt der beiden Movings oder zu einem Bruch des Aufwärtstrends kommt. Ein hochinteressanter Ansatz! DAX auf Wochenbasis und MACD

5 Technische Analyse Einsteigerkurs --- Teil X --- Seite 5 von 5 Der MACD selbst ändert nicht alle Tage seine Richtung, aber natürlich gibt es auch hier kleine Zwischendrehs, die sich am Ende nicht durchsetzen können und sich als Fehlsignal erweisen. Eine Problematik, die es bei nahezu allen Indikatoren gibt. Um die Quote der Fehlsignale deutlich zu vermindern, wird beim MACD wie auch bei anderen Indikatoren ein Signalfilter eingebaut. Dieser besteht wiederum aus einem gleitenden Durchschnitt, der sich diesmal aber auf den Indikator selbst bezieht. Indem der MACD mit einem eigenen Moving (Signallinie) unterlegt wird, können wieder Schnittpunkte erzeugt werden, die dann die entsprechenden Signale liefern. Dieser Ansatz geht immer etwas zu Lasten der Zeit, denn es dauert einfach etwas, bis nach dem reinen Indikatordreh auch die Signallinie geschnitten wird. Was beim Timing verloren geht, bringt in der Regel aber die durch dieses Filterprinzip erhöhte Zuverlässigkeit zurück. Charakteristika Die verschiedenen Märkte besitzen unterschiedliche Charakteristika in Sachen Trendausbildung- und Intensität, weshalb nicht möglich ist, die für alle Märkte besten MACD-Parameter zu benennen. Dennoch werden in der Literatur immer wieder gerne folgende Standardeinstellungen angeboten: 12 Tage für den schnelleren Moving, 26 Tage für den langsameren, und 9 Tage für den Moving, der sich auf den MACD selbst bezieht. Auch bei den meisten Softwareprogrammen ist der MACD mit diesen Standardparametern ausgerüstet. Was aber keinesfalls bedeutet, daß es sich dabei zu jeder Zeit und in jedem Markt um die optimalen Parameter handelt. Daher macht auch hier ein Optimierungsprozeß durchaus Sinn. Auf einen wichtigen Aspekt bei der MACD-Analyse gilt es unbedingt hinzuweisen, da er immer wieder zu Interpretationsfehlern führt. Geht ein Haussemarkt in eine ganz normale Seitwärtskonsolidierung über, dann werden sich die beiden Movings automatisch immer weiter annähern, bis die Differenz am Ende nahe Null beträgt. Der MACD fällt in dieser Phase also stark zurück, ohne dabei aber die richtige Botschaft zu vermitteln. Denn der zugrunde liegende Markt tendiert ja schließlich nur seitwärts. Es wird also ganz deutlich: Auf die Nullinie fällt der sich in der Pluszone aufhaltende MACD von ganz alleine zurück, dazu bedarf es keines ausgeprägten Trendmarktes. Erst wenn der MACD in der Minuszone abfällt, wird er als Trendfolgeindikator richtig wertvoll, denn dazu muß zwingend eine nachhaltige Abwärtsbewegung vorhanden sein. Merke: Die größten Stärken des MACD kommen dann zum Tragen, wenn er in der Pluszone steigt oder in der Minuszone fällt. Die anderen Konstellationen deuten nicht zwingend auf einen trendintensiven Markt hin. Dreh-, bzw. Schnittpunkte dienen aber in jedem Fall zur Signalgenerierung, was die Auflösung von bestehenden Positionen angeht. Oder: Ob nun im Anschluß an einen Hausseschub Seitwärts- oder Abwärtsmarkt ist dahingehend egal, daß dies die Frage von Gewinnmitnahmen erst einmal nicht tangiert. Die ausführliche Besprechung der Moving Averages und des MACD sollte Ihnen einen Einblick in die grundsätzliche Denkweise des Trendfolgeansatz vermitteln. Leider reicht es an dieser Stelle nicht, ebenso ausführlich auf andere Trendfolgeindikatoren einzugehen. Macht aber nichts, denn das Prinzip bleibt immer ähnlich - Grundlage eines Trendfolgeansatzes ist immer der Moving Average.

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