Holz. Heimisches Holz statt billige Importe

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1 Seite 1 / 5 Nur ein Drittel des in der Schweiz verbauten Holzes stammt aus der Schweiz. Selbst der Bund verbaut importiertes Holz. Dies soll sich nun ändern. Heimisches Holz statt billige Importe Im Toggenburg gibt's viele Fichtenwälder. ELISABETH REISP als Baustoff liegt im Trend. Denn Holz ist nachhaltig und sorgt für ein gutes Raumklima. Aber nicht alles was Holz Holz ist, ist auch wirklich «öko». Oft hat das Holz einen langen Weg per Lastwagen hinter sich. Lediglich ein Drittel des hier verbauten Holzes wuchs in hiesigen Wäldern. Der grosse Teil stammt aus Österreich und Deutschland. Obwohl Holz hier in Hülle und Fülle vorhanden wäre. Schuld ist einmal mehr der starke Franken. Die Schweizer Holzlobby will den Absatz des heimischen Holzes wieder vorantreiben und nimmt nun den Bund in die Pflicht. Dieser soll als gutes Beispiel vorangehen. Eine parlamentarische Initiative des Berner SVP-Nationalrates Erich von Sieb enthal fordert, dass der Bund bei öffentlichen Bauten künftig Schweizer Holz verwendet. «Dass Bauholz aus Osteuropa importiert wird, ist ein Widerspruch zum Nachhaltigkeitsprinzip und zur geplanten Ökoreform», sagt von Siebenthal. Die heutigen Subventionsbestimmungen sähen in der Regel vor, das günstigste Material zu berücksichtigen, erklärt von Siebenthal seine Anfrage. Dies führe aufgrund des starken Frankens zu oft zur Wahl ausländischer Holzprodukte. Damit vermehrt heimisches Holz verwendet werde, müssten die Ausschnitt Seite: 1/5, St. Gallen, AI, AR

2 Seite 2 / 5 gesetzlichen Rahmenbedingungen angepasst werden. Nur noch Holz aus bestimmtem Umkreis Nachdem beide Räte der Initiative zugestimmt haben, arbeitet die nationalrätliche Kommission für Umwelt und Energie an ihrer Sitzung im Februar einen Umsetzungsvorschlag aus. Ideen, mit welchen Mitteln der Bund die Holzimporte eindämmen soll, gibt es schon. Gemäss von Siebenthal sei eine der diskutierten Optionen die Transportdistanz. Die Beschaffung des Holzes auf einen gewissen Radius zu «Dass Bauholz aus Osteuropa importiert wird, ist ein Widerspruch zum Nachhaltigkeitsprinzip.» Erich von Siebenthal Nationalrat SVP/BE beschränken, soll die Einfuhr aus dem Ausland bremsen. Eine weitere Option sei die Vorgabe, nur Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern zu importieren. Ein weiterer Vorstoss von Siebenthals soll das Problem des Schweizer Holzes direkt an der Wurzel packen: der Bund müsse Zufahrten im Wald nicht nur in Schutzwäldern finanziell unterstützen, sondern auch in den übrigen Wäldern. Nur über diese Wege kann das Holz überhaupt aus dem Wald geschafft werden. Für die Finanzierung dieser Walderschliessung reicht er bald einen weiteren Vorstoss ein: Aus dem Topf der Schwerverkehrsabgaben LSVA soll das Geld für die Herstellung von Zufahrtswegen kommen. Nesslau baut nur mit Nesslauer Holz Die Forderung von Siebenthals, mehr Schweizer Holz zu verbauen, ist nicht unrealistisch. Die Gemeinde Nesslau etwa hat schon lange erkannt, welcher wertvolle Rohstoff in den heimischen Wäldern bereitsteht. Die tieferen Holzpreise im Ausland sind für die Gemeinde Nesslau kein Argument, Holz aus dem Ausland zu verbauen. Das verbaute Holz in öffentliche Bauten wie der Sporthalle Büelen stammt aus den Wäldern Nesslaus. Auch beim geplanten neuen Gemeindehaus werden ausschliessliche die eigenen Fichten verwendet, sagt Gemeindepräsident Kilian Looser. Für die Gemeinde Nesslau sei dies selbstverständlich (siehe Interview rechts). So einfach ist dies für den Bund aber nicht. Der Bund steckt hinsichtlich der Holzbeschaffung in der Zwickmühle. Einerseits fördert er aktiv die Nutzung von Schweizer Holz. Etwa mit dem Aktionsplan Holz des Bundesamts für Umwelt (Bafu), der darauf abzielt, dass Holz aus Schweizer Wäldern nachhaltig bereitgestellt und ressourceneffizient verwendet wird. Andererseits ist der Bund aufgrund der bilateralen Verträge mit der EU beim öffentlichen Beschaffungswesen aber an die vertraglichen Verpflichtungen gebunden. Demnach verstiesse eine Bevorzugung von Schweizer Holz bei Beschaffungsverfahren im Staatsvertragsbereich gegen den Grundsatz der Nichtdiskriminierung. Das hat zur Folge, dass die Fensterrahmen des Bundeshauses aus tschechischem Holz sind und die Züge der SBB über Bahnschwellen aus polnischem Buchenholz rollen. Und das stösst den Verantwortlichen des Schweizer Holzverbands sauer auf. Wertvolle Buchen enden im Ofen Holzindustrie Schweiz, der Verband der Säge- und Holzindustrie, kämpft für eine starke Position des Schweizer Holzes auf dem Markt. Direktor Hansruedi Streiff kritisiert die Haltung des Bundes: «Die öffentliche Hand agiert nicht vorbildlich.» Der Holzverband überlegt sich daher, sollte sich die Situation nicht bald entspannen, eine Schweizer Quote bei Holzbauten zu verlangen. Das Schweizer Holz kann sich nicht mehr von alleine etablieren. Als Beispiel für die desolate Situation des Holzmarktes führt der Holzverband die Buche an. Die Rundholzproduktion von Laubbäumen ist in den letzten zehn Jahren um 40 Prozent zurückgegangen. Zwischen 2009 und 2012 hat der Bund deshalb über eine Million Franken in die Forschung zur Steigerung der Laubholzverwertung investiert. Die Nachfrage nach Brennholz steigt hingegen kontinuierlich an. Verbrennt werden in der Regel Abfall und Verschnitte, die in den Sägewerken beim Zuschneiden der Stämme anfallen. Da aber Buche kein gefragtes Holz mehr ist, landen die hochwertigen Stämme als Ganzes in der Häckselmaschine. Ausschnitt /5, St. Gallen, AI, AR

3 Seite 3 / 5 Hansruedi Streiff wünscht sich, dass wenigstens die Schulpulte wieder aus Schweizer Buche hergestellt würden. Gezwungen, Holz aus Ausland zukaufen Solange die Forderungen der Holzlobby nicht greifen, bleiben die hiesigen Sägewerke unter Druck. Sie müssen sich den tiefen Preisen aus «Wenigstens die Schulpulte sollen wieder aus Schweizer Buche sein.» Hansruedi Streift Direktor Holzverband dem Ausland annähern. So auch die Lehmann Holzwerke AG aus Gossau. «Wir spüren den Druck der ausländischen Konkurrenz stark», sagt Raphael Imhof, Leiter Kommunikation. Die Lehmann AG gehört mit jährlich Kubikmeter verarbeitetem Holz zu den grossen Schweizer Holzbetrieben. Um den Bestellungen aber nachkommen zu können, muss die Lehmann AG, die auf Schweizer Holz setzt, momentan 10 Prozent des Rohstoffes aus dem grenznahen Ausland beziehen. Das ändere sich derzeit monatlich, sagt Imhof. Der Grund: Da die Konkurrenz aus dem Ausland günstiger ist, lohnt es sich für viele Waldbesitzer und Forstunternehmen nicht, das Holz überhaupt aus dem Wald zu holen. Sie warten, bis der Preis wieder steigt. Das hat zur Folge, dass die Nachfrage nach Schweizer Holz, obwohl sie tief ist, im Moment tatsächlich grösser ist, als das Angebot auf dem Markt. In der Sägerei Necker Holz AG werden die Fichten verarbeitet. Zum Beispiel für das Gemeindehaus in Nesslau. Auch die Sporthalle Büelen in Nessiau wurde mit Fichtenholz aus der Region gebaut. Ausschnitt Seite: 3/5, St. Gallen, AI, AR

4 Seite 4 / 5 Holzwirtschaft Schweiz 13 Milliarden Franken Die Schweizer Holzwirtschaft - inklusive Papierund Zellstoffsektor - zählt über Beschäftigte, dies entspricht 2 Prozent der Schweizer Arbeitsplätze. Das Bundesamt für Statistik erfasst nur die Wertschöpfung der einzelnen Sektoren. Die gesamte Wertschöpfung der Schweizer Waldund Holzwirtschaft dürfte bei etwa 13 Milliarden Franken liegen, schätzt Hansruedi Streiff, Direktor des Verbandes Holz Schweiz. Das entspräche 2,6 Prozent der Gesamtwirtschaft und etwa 9 Prozent des Sektors Industrie und Gewerbe. Die Schweizer Statistik zählt über 300 Sägereien. Hauptsächlich handelt es sich um kleine Betriebe mit einem jährlichen Verarbeitungsvolumen von 400 bis 5000 Kubikmetern. Sägereien unter 400 Kubikmeter, die für den Eigenverbrauch oder im Nebenerwerb produzieren, führt die Statistik nicht auf. Lediglich drei grosse Sägewerke verarbeiten mehr als Kubikmeter pro Jahr. Gesamthaft verarbeiteten die Schweizer Sägewerke im vergangenen Jahr 1,9 Millionen Kubikmeter Holz. (rsp) Zwei Drittel der Laubholzbäume werden verbrannt 2.3 Millionen Kubikmeter Holz werden in der Schweiz verbaut, nur ein Drittel stammt aus hiesigen Wäldern. Aus Schweizer Wäldern werden vor allem Nadelbäume industriell genutzt. Laubbäume werden zu zwei Dritteln direkt zu Energieholz für Holzheizungen verarbeitet. 30% Schweiz 2,3 Mi. m3 Herkunft des Bauholzes in der Schweiz 13% Energieholz 66% 70% Restliche Industrieholz Restholz 10%. Nadelholz Massivholz 24% I78% Laubholz Quelle: Schätzung BBC) Holz, Grafik: Stefan Bogner Ausschnitt Seite: 4/5, St. Gallen, AI, AR

5 Seite 5 / 5 Die Gemeinde Nesslau baut nur aus eigenem Holz. Für Gemeindepräsident Kilian Looser eine Pflicht. «Wir bleiben sicher in der Region» ELISABETH REISP Herr Looser, die Gemeinde Nesslau berücksichtigt bei öffentlichen Neubauten immer die hiesigen Holzzulieferer, wie bei der Sporthalle Büelen, einer Holzbrücke und nun auch beim neuen Gemeindehaus. Wieso? Kilian Looser: Wir erachten es als Aufgabe der öffentlichen Hand, die Region zu unterstützen. Wir haben auf unserem Gemeindegebiet viel Wald und somit genug Eigenholz, um solche Bauten zu gestalten. Was, wenn die Holzernte nicht reicht? Looser: Unsere Förster haben den Holzschlag in den Wäldern im Griff. Wenn es sich abzeichnet, dass in diesem Winter zu wenig Holz für den Neubau gefällt werden kann, werden wir aus Nachbargemeinden beziehen. Vielleicht von Wildhaus. Aber sicher bleiben wir in der Region. Private wie auch teilweise die öffentliche Hand beziehen das Holz oft aus dem Ausland, um die Baukosten zu senken. Gemeindepräsident Kilian Looser. Looser: Für uns kommt das nicht in Frage. Wir haben diese Rechnung auch schon mit billigerem Holz aus dem Ausland gemacht. So gross ist der Unterschied nicht. Stammt das Holz aus dem gemeindeeigenem Wald oder auch aus Privatwäldern? Looser: Sowohl als auch. Welches Holz verwenden Sie für den Bau des neuen Gemeindehauses? Looser: Wir verbauen Fichte. Hier in der Region sind Fichtenwälder typisch. Das Holz ist hier, in diesem Klima, gewachsen. Es ist ein zähes Holz, das lange hält und gut passt. Ausschnitt Seite: 5/5, St. Gallen, AI, AR

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