Kunststoffe: Zum Wegwerfen zu schade. Verwertung, Recycling und Ressourcenschutz

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1 Kunststoffe: Zum Wegwerfen zu schade Verwertung, Recycling und Ressourcenschutz

2 Kunststoff: Wegbereiter des Fortschritts Kunststoffe haben die Welt verändert und tun dies immer noch. Sie haben völlig neue Produkte ermöglicht, den technologischen Fortschritt wie kaum ein anderes Material vorangetrieben, Ingenieuren neue Perspektiven zur Umsetzung ihrer Ideen eröffnet. Das Innovationspotenzial der Kunststoffe ist noch längst nicht ausgeschöpft. Seit jeher haben Werkstoffe den großen Entwicklungsepochen der Menschheit ihren Namen gegeben: Das Zeitalter der Kunststoffe hat gerade erst begonnen. Kunststoffe schonen unsere Umwelt auf vielfältige Weise. Etwa, indem sie Häuser effizient dämmen,waren leicht und sicher verpacken, Autos leise und leicht machen, helfen, Sonne und Wind als Energiequellen zu nutzen. Auch wenn Kunststoffprodukte irgendwann am Ende ihres Lebensweges ankommen, haben sie noch viel zu bieten, zum Wegwerfen sind sie zu schade. Kein anderes Material bietet so viele unterschiedliche Verwertungswege. Kunststoffe sind innovative Werkstoffe.Viele technische Entwicklungen wie beispielsweise in der Luft- und Raumfahrt, im Automobilund Flugzeugbau oder in der Elektro- und Kommunikationstechnik, sind ohne die gezielte Anwendung neuer Werkstoffe nicht mehr denkbar.technischer Fortschritt und Werkstoffentwicklung gehen Hand in Hand, und polymere Werkstoffe sind dabei der Wegbereiter für ökonomischen, ökologischen und sozialen Fortschritt. 2

3 Kunststoffe helfen, Ressourcen zu schonen In Deutschland werden 80 Prozent des geförderten Öls rein energetisch eingesetzt. Das bedeutet, dass das Öl als Diesel- oder Vergaserkraftstoff Autos antreibt, Heizungen befeuert oder der Stromerzeugung dient. Mit anderen Worten: Acht von zehn Litern Öl werden direkt verbrannt. ansetzen und Sparmöglichkeiten entwickeln. Heute weiß man: Die allermeisten Primärressourcen müssen während der Gebrauchsphase aufgewendet werden, im Schnitt 80% des gesamten Verbrauchs. Man spricht hier von der 80/20-Regel. Energieverbrauch: 80/20-Regel Nur rund sechs Prozent des Öls werden zur Herstellung unterschiedlichster Kunststoffe genutzt, wobei hier ein großer Anteil wiederum der Verminderung des Verbrauchs an Ressourcen dient. Sei es, dass über eine Gewichtsreduzierung der Benzinverbrauch der Autos verringert wird oder per Wärmedämmung am Bau die Aufwendungen fürs Heizen ganz beträchtlich reduziert werden. Gebrauchsphase 80 % Erdölnutzung in Deutschland ÖL 80 % Heizung Kraftstoff Elektrizität andere Produkte: 14 % Polymere Werkstoffe: 6 % Diese beiden Bereiche Transport und Wohnen sind in Deutschland übrigens die größten Energieverbraucher. Ganz wichtig ist es, zu schauen, wann auf dem Lebensweg eines Produktes die meisten Ressourcen verbraucht werden. Dann kann man dort ganz gezielt Sie gilt grob fast überall, bei Autos wie bei Fernsehgeräten oder Verpackungen. Für Haushaltsgroßgeräte gibt es sogar recht genaue Zahlen. Hier ist der Verbrauch während der Nutzung sogar noch höher. Man rechnet mit 90 Prozent Energieverbrauch in der Gebrauchsphase, 9,8 Prozent für die Herstellung und 0,2 Prozent für die Entsorgung. Deshalb ist es hier ganz besonders wichtig, den Verbrauch während des Gebrauchs zu reduzieren: Je weniger Strom ein Fernseher, je weniger Wasser eine Waschmaschine verbraucht, desto besser, und zwar nicht nur für den Geldbeutel des Verbrauchers, sondern auch für die Umwelt und nicht zuletzt für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. 3

4 Kunststoffe: Zum Wegwerfen zu schade Ein konkretes Beispiel aus dem Großgerätebereich ist der aus Kunststoff hergestellte Laugenbehälter einer Waschmaschine. Schlüssel zur Ressourcenschonung ist hier die fast unbegrenzte Formgebungs- und Gestaltungsfreiheit, die Kunststoffe den Designern geben. Die Innenteile der Waschmaschine lassen sich so nahezu perfekt anpassen.toträume, das sind solche Bereiche, in denen das Wasser nur ungenutzt steht, werden minimiert. Damit reduziert sich der Wasserverbrauch pro Waschgang um bis zu 2 Liter. Und Wasser, das nicht benötigt wird, muss auch nicht unnötig aufgeheizt werden. Das spart zusätzlich Strom. Hochrechnungen zeigen: Hätten alle rund 39 Millionen Haushalte in Deutschland eine derartig konstruierte Waschmaschine, so würde dies eine durchschnittliche Einsparung von 6 Milliarden Liter Wasser sowie 300 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr bedeuten. Ein ganz erheblicher Beitrag zum Umweltschutz. Irgendwann kommt jedes Produkt an das Ende seines Lebensweges. Dann steht es zur Entsorgung an. Kunststoffe bieten hier gleich drei ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Werkstoffliches Recycling ist die mechanische Aufbereitung von gebrauchten Kunststoffen zu direkt wieder verarbeitungsfähigen Mahlgütern bzw. Rezyklaten. Die chemische Struktur bleibt nahezu unverändert. Die Altteile werden zerkleinert, gereinigt und nach Sorten getrennt.werkstoffliches Recycling ist sinnvoll, wenn Altteile sauber und sortenrein sind. Rohstoffliches Recycling ist die Spaltung der Kunststoffe mittels Wärme oder chemischer Reaktion in kleinere Bruchstücke. Die Produkte sind meist Öle oder Gase, aus denen sich neue Kunststoffe oder andere Chemierohstoffe herstellen lassen. Das rohstoffliche Recycling ist für vermischte bzw. verschmutzte Kunststoff-Fraktionen geeignet. Energetische Verwertung ist die Verbrennung der Kunststoffe bei gleichzeitiger Nutzung der Energie zur Strom- oder Dampferzeugung oder zur Bereitstellung von Prozesswärme. Die energetische Verwertung ist besonders für vermischte und verschmutzte Kunststoffabfall-Fraktionen geeignet. 4

5 Gebrauchte Kunststoffe ersetzen Erdöl Rohstoff für die Herstellung von Kunststoffen ist fast immer Erdöl, und Kunststoffe sind intelligent genutzte Erdöl-Ressourcen. Sie werden zur Produktion von Gegenständen für alle Lebensbereiche Gewerbe, Haushalt, Freizeit, Sport, Medizin etc. weiterverarbeitet. Haben die Kunststoffprodukte ausgedient, können sie verwertet werden. es wichtig, dass zur Kunststoffverwertung alle drei verschiedenen Verwertungsoptionen zur Verfügung stehen. Verschiedene Kunststoffanwendungen, verschiedene gesetzliche Regelungen Kunststoffe werden in ganz verschiedenen Produkten eingesetzt, und ähnlich vielfältig sind auch die gesetzlichen Regelungen: Bei Verpackungen greift die Verpackungsverordnung, bei Autos die Altfahrzeugverordnung, bei Elektro-Geräten die Richtlinie über Elektround Elektronik-Altgeräte, und so weiter. Kunststoffe haben einen ähnlich hohen Heizwert wie Heizöl. Sie können den Primärrohstoff Erdöl teilweise ersetzen und so primäre Ressourcen schonen. Gebrauchte Kunststoffe sollten immer soweit verwertet werden, wie dies technisch möglich und ökonomisch sinnvoll ist. Zudem sollte es ausreichend große Märkte für die daraus erzeugten Produkte seien es Rezyklate, Chemierohstoffe oder Energie geben, auf denen die Produkte zu wettbewerbsfähigen Konditionen abgesetzt werden können. Denn es macht keinen Sinn, etwas zu produzieren, was niemand haben will. Grundsätzlich ist Die Kunststofferzeuger engagieren sich, etwa über ihren Verband, im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben und Möglichkeiten und bringen sich in den Gesetzgebungsprozess ein, etwa indem sie Konzepte erarbeiten und Informationen bereitstellen. Sie stehen zur Verantwortung für ihre Produkte. Das Beispiel Verpackungsverordnung Seit Juni 1991 ist in Deutschland die Verpackungsverordnung geltendes Recht. Handel, Abfüller und Hersteller sind verpflichtet,verpackungen zu sammeln und einer Verwertung zuzuführen. Um die Verwertung im Kunststoff- Verpackungsbereich sicherzustellen, gründete die Kunststoff-Industrie die Beteiligungs- und Kunststoffverwertungs-Gesellschaft, kurz BKV. 5

6 Sie half wesentlich mit, die Verwertung von gebrauchten Verpackungskunststoffen auf eine tragfähige Basis zu stellen. Die BKV ist Mehrheitsgesellschafter der Deutschen Kunststoffrecycling GmbH (DKR). Die DKR wiederum ist Garantiegeberin für die Verwertung der vom Dualen System Deutschland (DSD) gesammelten Kunststoff-Verpackungen und übernimmt die Disposition der DSD-Altkunststoffe zur Verwertung. Um die Verwertung von Industrieverpackungen kümmert sich die Gesellschaft zur Rückführung industrieller und gewerblicher Kunststoffverpackungen (RIGK). In den ersten Jahren nach Inkrafttreten der Verpackungsverordnung war es das vorrangige Ziel der Kunststoff-Industrie, die Verwertung von gebrauchten Kunststoffverpackungen sicher zu stellen und die notwendigen Kapazitäten für die Verwertung zu schaffen. Schon innerhalb weniger Jahre war die in der Verpackungsverordnung geforderte Verwertunsgssicherheit erreicht. Heute heißt das Ziel Ökoeffizienz, das heißt ökologisch wie ökonomisch effiziente Verwertung. Vision Abfallmanagement Zum Abfallmanagement hat die Kunststoff- Industrie eine eigene, weitblickende Vision erarbeitet. Ziel des angestrebten Abfallmanagements, das rechts in der Grafik schematisch dargestellt ist, ist es, intelligente Lösungen für die stoffliche und energetische Verwertung von kunststoffreichen Abfallströmen zu entwickeln. Schon heute sind abfallpolitische Richtlinien für Elektro- und Elektronikgeräte sowie für Altautos in Kraft, deren Zielvorgaben ab 2005/ 2006 europaweit erfüllt werden müssen. Gleichzeitig verordnen viele europäische Länder Deponieverbote für heizwertreiche Abfallfraktionen. Diese Vorgaben erfordern ein ökologisch und ökonomisch innovatives Abfallmanagement. Um für ein optimiertes Abfallmanagement Synergien effizient zu nutzen, lautet das neue Konzept:Weg von einem rein anwendungsbezogenen Abfallmanagement, das sich lediglich an Produktabfällen wie Verpackung, Elektro, Automobil etc. orientiert, und hin zu einem verwertungsbezogenen Abfallmanagement, orientiert an den Verfahren der Abfallverwertung. Diese neue Perspektive bietet die Chance für die Zukunft, den hohen Recycling- und Verwertungsvorgaben der gesetzlichen Regelungen für alle Anwendungsbereiche gerecht zu werden, indem sowohl die unterschiedlichsten Abfallqualitäten berücksichtigt als auch die notwendigen Mengen für den Einsatz in Großanlagen generiert werden. 6

7 Die Kunststoff-Industrie hat Ende 2002 mit der Gründung der tecpol,technologieentwicklungs GmbH für ökoeffiziente Polymerverwertung, die Initiative ergriffen. Aufgabe der tecpol ist es, Konzepte und Technologien für die rohstoffliche und energetische Verwertung kunststoffreicher Abfallströme vor allem aus technischen Anwendungen etwa aus ausgedienten Elektrogeräten und Altautos zu entwickeln. Gründungsgesellschafter der tecpol sind Unternehmen und Verbände aus den Sektoren Polymerrohstoffe, Polymerherstellung und Kunststoffverarbeitung. Damit ist die Basis für eine breite Integration der betroffenen Sektoren und Unternehmen gelegt. Vision der Abfallverwertung 7

8 Herausgeber: Verband Kunststofferzeugende Industrie (VKE) Karlstraße Frankfurt am Main Germany Tel Fax Gestaltung: Ponderosa Design GbR 03/ 2004

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