Chronik über die Gründung der. Karnevalsgesellschaft Blau - Weiss "Alt Lunke" 1936 e.v.

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1 Chronik über die Gründung der Karnevalsgesellschaft Blau - Weiss "Alt Lunke" 1936 e.v. Die nachfolgende Chronik über die Geburtsstunde der KG Blau-Weiss "Alt Lunke" 1936 e.v. wurden von den Zeitzeugen Frau Klara Güttner, geb. Neuen, in Zusammenarbeit mit der noch lebenden Gründerehefrau, Maria Ollig, im Mai des Jahres 2000 verfasst.

2 Wirtschaftliche Situation Die Folgen der Weltwirtschaftskrise und der Zerfall der politischen Ordnung, die in die.machtübernahme durch die Nationalsozialisten führten, stellten den 'Rahmen dar, in den die Entwicklung Kölns eingezwungen war. Hieraus ergaben sich Einschränkungen, Bedrängnisse und Notlagen, die die Stadt und die in ihr lebenden Menschen nachhaltig beeinflussten. Auf dem Höhepunkt der Krise lag die Zahl der Arbeitslosen auf über Menschen (29 % der Bevölkerung), die von der Stadt unterstützt werden mussten. Leben in einem Vorort Longerich, einer der ältesten Vororte von Köln, hatte seinen Bewohnern in diesen Zeiten auch nicht viel zu bieten. Wohlstand war für die Bevölkerung ebenso ein Fremdwort wie geregelte Beschäftigung. Die Männer hielten sich teilweise mit Gelegenheitsjobs über Wasser und die Frauen waren mit der Hausarbeit und der Kindererziehung mehr als ausgelastet. Das einzige Vergnügen das man sich in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten gönnte, war die im Ort ansässige Kamevalsgesellschaft Grün - Gelb von Auf ihren Veranstaltungen konnte man von den Sorgen des Alltags Abstand nehmen und sich mit Gleichgesinnten über alles Wesentliche und Unwesentliche austauschen. Der Anlass Im Mai 1935 hatten sich die Präsidenten der Kölner Karnevalsgesellschaften, angeführt von Thomas Liessem, erfolgreich gegen die Pläne der Nationalsozialisten gewehrt, dem Kölner Karneval mit dem von ihnen gegründeten Verein "Kölner Karneval e.v." die Eigenständigkeit zu nehmen. Der Aufstand der Kölner Narren, die zur Gründung eines eigenen "Festausschuss Kölner Karneval" schritten, hatte Erfolg. Künftig lag die Durchfiihrung des Rosenmontagszuges wieder in ihren Händen.

3 Die Geburtsstunde In den Jahren war der Fuhrmann Peter Neuen Kassierer der KG Grün-Gelb. An einem Sonntag im Januar 1936 wurde zu einer Vorstandversammlung in die Gaststätte "Kölner Hof' geladen. Pächter dieser Gaststätte waren die Eheleute Heinrich und Barbara Lukas. Einer der Versammlungspunkte beinhaltete den Antrag auf Mitgliedschall im Festausschuss Kölner Karneval. Was einigen älteren Herrn der Gesellschaft nicht ganz bewusst war, hatte Peter Neuen schnell durchschaut. Es ging um viel Geld. Man muss in diesem Zusammenhang wissen, dass der damalige Monatsbeitrag 50 Pfennig betrug. Von diesen kläglichen Einnahmen sollte nun der überwiegende Teil dazu verwendet werden, die Mitgliedschaft im Festausschuss Kölner Karneval zu begleichen. Dies hätte dazu gefiihrt, dass man selber keinerlei Veranstaltungen mehr hätte durchfuhren können und somit eine Lebensader für die Bevölkerung versiecht wäre. In einer hitzigen Debatte versuchte Peter Neuen den Befürwortern des Antrags klar zu machen, dass dies mit den finanziellen Rahmenbedingungen der Gesellschaft nicht vereinbar wäre. Doch diese Argumente wollte keiner hören. Man wollte lieber zahlendes Mitglied bei den großen "Kölner Narren" werden. Doch dieses Ansinnen war für Peter Neuen zu viel. Er stand auf und sagte: "Meine Herren! Hiermit lege ich mit sofortiger Wirkung mein Amt als Kassierer nieder, aber ich verspreche ihnen, dass noch heute eine neue Kamevalsgesellschaft in Longerich gegründet wird." Er verließ die Gaststätte und ging zu seinem Anwesen auf der Longericher Hauptstraße 56. Dort stand neben einem Wohnhaus noch eine Scheune und ein Pferdestall. In diesem Pferdestall erwarteten ihn Heinrich OIlig und Franz Ley. Die beiden im Hause wohnenden Bernhard Schauf und Wilhelm Quetting sen. waren auch gleich zur Stelle. Lauthals erzählte Peter Neuen vom Geschehenen. Alle Anwesenden waren spontan bereit eine neue Kamevalsgesellschaft zu gründen. Heinrich Ollig hatte auch gleich den passenden Namen für die neue Gesellschaft: KG Blau - Weiss "Alt Lunke"

4 Mit der Gründung des neuen Vereins verfügte Longerich nun über zwei eigenständige Karnevalsgesellschaften. Als nächstes musste ein Vorsitzender gewählt werden. Da die neu gegründete Karnevalsgesellschaft einen Vollblutkarnevalisten in ihren Reihen hatte, fiel die Wahl nicht schwer. Heinrich Ollig wurde von den Mitgliedern zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Man wusste, dass mit Heinrich Ollig jede Veranstaltung ein Erfolg werden würde. Durch eigene Büttenreden und Lieder konnte er die Menschen begeistern. Mit seinem unnachahmlichen Humor, seinen Geschichten und Poenten, sowie mit seinen musikalischen Beiträgen war er für den Erfolg der jungen KG ein Garant. Was Willy Ostermann für Köln war, das verkörperte Heinrich Ollig für Longerich und das Umland. Die im Januar 1936 gegründete neue KG stellte sich schon Wochen später am Karnevalssonntag der Longericher Bevölkerung als stattlicher Verein vor. Großen Anteil daran hatten die Ehefrauen der Mitglieder, die ihre Männer schon zur damaligen Zeit tatkräftig unterstützten. So nähten unter anderem Luise und Softe Schaufblaue Jakken und weiße Röcke für die Ehefrauen der Mitglieder, die ausgestattet mit Holzgewehren, als Funkengruppe viel Beifall von der Bevölkerung erhielten. Die Männer trugen schwarzen Anzüge mit weißen Blumen im Revers und dazu das traditionelle blau-weiße Schiffchen. Bemhard Schauf war es schließlich vorbehalten als erster Prinz der KG Blau- Weiss "Alt Lunke" durch Longerich zu ziehen.

5 Das zur Gründung einer neuen Karnevalsgesellschaft gehörende "Taufwasser" wurde reichlich in der Gaststätte "Zu den vier Winden" geordert. Von dort aus verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer durch den ganzen Ort. Man saß "Op d'r Fooderkess" (Haferkiste) und "taufte" und ganz nebenbei hatte man sich auch ein Motto gegeben: "Jederzeit - zum Scherz bereit" Noch am selben Tag meldeten sich folgende Herren als neue Mitglieder in der KG: Christian Schauf, Wilhelm Schauf, die Brüder Peter und Christian Correnz und Lambert Schmitz. Das war die Geburtsstunde der KG Blau-Weiss "Alt Lunke" 1936 e.v.

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