Schief? Alt? Weit? Kontrolle von Windenergie anlagen. Grundlagen von Mess- und Eichwesen. ALKIS -Fortschritt im Bundesvergleich. 40.

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1 Geodätisch. Frei. Beruflich. 40. Jahrgang 204 ISSN Zeitschrift des Bundes der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e.v. HEFT /204 Schief? Kontrolle von Windenergie anlagen Alt? Grundlagen von Mess- und Eichwesen Weit? ALKIS -Fortschritt im Bundesvergleich DPAG PVSt G 5059»Entgelt bezahlt«bdvi Berlin

2 SO KOMPLIZIERT DER KAMPF GEGEN HUNGER IST, SO EINFACH IST DER ANFANG. ERDNUSSPASTE KANN LEBEN RETTEN SIE AUCH. Schützen Sie ein mangelernährtes Kind vor dem Tod. Schon 36 Euro sichern seinen Bedarf an Erdnusspaste für einen Monat, aber auch jeder andere Betrag hilft. Jetzt spenden, um Kinder zu retten: oder Spendenkonto: , BLZ

3 FORUM 40. Jahrgang, 204, Heft EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser, auch wenn der Winter in weiten Teilen Deutschlands keiner war; es ist trotzdem schön, dass jetzt der Frühling da ist. Und mit dem Frühling und dem Osterfest erscheint pünktlich das erste FORUM des Jahres. Doch wie füllt man momentan eine quartalsaktuelle Zeitschrift, ohne über Uli Hoeneß zu berichten? Wir versuchen es folgendermaßen: Nachdem in den vergangenen zwei FORUM-Jahren durchgängige Themenkomplexe den Inhalt der Hefte dominierten, wird es im Jahr 204 wieder etwas durchmischter. Nicht, dass keine interessanten Themen vorhanden wären, welche nicht wenigstens vier Ausgaben weit tragen würden. Dem ist nicht so. Allerdings möchte sich auch das FORUM im aktuellen Jahr an dem Motto des BDVI-Kongresses orientieren: Befugt und befähigt: Kompetenz ist mehr wert, Kompetenz schafft Mehrwert. (bzw. das Buchstabenhoppelpoppel, das nach der Mottoschnitzerei davon übrig ist) Das Kongressprogramm ist in Wiesbaden (dort findet der Kongress 204 übrigens statt) daher auch bunt gemixt und bietet dem FORUM Stoff für mehrere Ausgaben. Denn es soll nicht nur um Dinge gehen, die durch zusätzliche Kenntnisse oder erweitertes technisches Know-how vom ÖbVI umgesetzt werden können, sondern um wesentliche Bestandteile seiner eigentlichen Ausbildung, welche vielleicht nicht alltäglich angewandt werden. Dinge, für die der ÖbVI im Wortsinne befugt und befähigt ist. Als ein Beispiel seien hier nur die Ausführungen von Rohardt zu Beglaubigungen von Baulasten und Abgeschlossenheitsbe schei - nigungen in Niedersachsen empfohlen. Lesen Sie das Programm der Veranstaltung in Wiesbaden, und Sie werden wissen, was das Motto meint. Daher ist es auch für die vorliegende Publikation dankbar, so zahlreiche Fäden aufzunehmen und weiterzuspinnen. Beziehungs - weise diese Fäden sogar selbst auszulegen. So hat der BDVI sich auch im Zusammenwirken innerhalb der Interessengemeinschaft Geodäsie das Thema Energiewende auf die Fahnen geschrieben. Und Energiewende bedeutet laut BDVI-Homepage: neu planen, neu bauen, umbauen, ausbauen. Hier eine überregionale Stromtrasse, dort Photovoltaikanlagen, Windräder, Energie - speicher. Die Maßnahmen gründen auf Geodaten. Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure spielen bei ihrer Verwendung eine zentrale Rolle. Wie Geodäten ganz konkret tätig werden können, zeigt Resnik in seinem Beitrag zur Kontrolle von Windenergie - anlagen. Diejenigen Kollegen, die in der Immobilienwertermittlung tätig sind, finden im Heft die Honorierungsempfehlung des BDVI für die Erstellung von Gutachten. Diejenigen Kollegen, welche im Kataster tätig sind (soll s ja auch geben ), finden einen aktuellen Über blick über den Stand von ALKIS in den Bundesländern und eine hessische Momentaufnahme von Riehl. Und alle anderen finden sicher auch etwas. Und wenn es die Bilder sind, die auch in diesem Heft zum großen Teil vom FORUM-Fotografen Robert Lehmann stammen, dem vermutlich einzigen fachfremden Vermessungsfotografen der Republik. Daher seien Ihnen an dieser Stelle auch einmal ausdrücklich die Abbildungen ans Herz gelegt. Also lesen Sie nur befreit auf und haben Sie keine Angst davor, das FORUM auch 204 vollständig und in Gänze zu studieren: Wir garantieren Ihnen Nachschub. Spätestens zu Pfingsten. Fröhliche Ostern

4 IN DIESEM HEFT IN DIESEM HEFT FORUM Editorial Andreas Bandow 40. Jahrgang, 204, Heft Kilo-Sharing W. S. 7 Berufskabarett exgeo schwenktillylehmannbandow 25 Kontrolle von Windenergieanlagen 4 Ein Außendienstler denkt zurück Peter Oster, Marc Mäteling 44 Buchbesprechung: Verkehrswertermittlung von Grundstücken Kommentar und Handbuch zur Ermittlung von Marktwerten (Verkehrswerten) und Beleihungs werten sowie zur steuerlichen Bewertung unter der Berücksichtigung der ImmoWertV Hubertus Brauer 50 Buchbesprechung: Verkehrswertermittlung von Immobilien Praxisorientierte Bewertung Walter Schwenk 5 Nachrufe 52 Jobbörse 54 Veranstaltungskalender 56 Impressum 64 TECHNIK Kontrolle der Türme von Windenergieanlagen im Rahmen von periodischen Untersuchungen Ansätze und Erfahrungen Boris Resnik 4 ALKIS auf der Zielgeraden Jörg Burchardt FORUM-Redaktion 4 Erfahrungen mit ALKIS aus der Sicht des ÖbVI in Hessen Jürgen Riehl 6 Hashcenter des BDVI Berlin Zur Sicherheit digitaler Arbeitsergebnisse Andreas Zick 28 Wer mit einem Mittelklasseregenschirm schon mal in einen mitt - leren Sturm geraten ist, der weiß, was Wind anrichten kann. Windkraftanlagen sind nun so konzipiert, auch das schnellere Lüftchen auszuhalten. Was passiert jedoch über die Jahre, wenn der Wind bläst was er ja soll- und die Anlage selbst ebenfalls dauerhaft der nicht unerheblichen Belastung ausgesetzt ist? Das zu ermitteln, ist auch ein Fall für den Geodäten. Resnik schildert das Problem und die Herangehensweise. Wissenschaftlich und technisch. Sag mir, wo du stehst Stell dir vor, es ist ALKIS, und keiner geht hin. Beziehungsweise keiner weiß, was der Sachstand ist. Das wäre nicht schön. Im Sinne von»nicht professionell«. Und das kann FORUM nicht hinnehmen. Um einen Über blick zu schaffen, hat Burchardt herumgefragt und die Ant worten in Tabellenform zusammengetragen. Zusätzlich gibt Riehl allen Hessen eine Momentanalyse und allen Nichthessen eine Prognose, wie es mit ALKIS werden könnte. Schön oder nicht schön, Hauptsache professionell. Honorierungsempfehlung 6 8 ÖbVI tun Dinge, die man nach Kostenordnung abrechnen kann. ÖbVI tun Dinge, die man nach dem Zeitaufwand abrechnet. Und ÖbVI tun außerdem Dinge, die man nach HOAI abrechnen kann (oder könnte). Doch was ist, wenn ÖbVI Dinge tun, die nicht (oder nicht mehr) in diese Kategorien fallen? Wie z. B. die Erstellung von Immobilienwertgutachten. Dann ist es schön, wenn man we nigs ten eine Empfehlung hat. Wenn auch un - ver bindlich, aber doch zu min - dest ein Anhalts - punkt. Ha ben wir jetzt. Bitte schön! 2

5 IN DIESEM HEFT IMMOBILIEN Neue BDVI-Honorierungsempfehlung für Immobilienwertermittlung Hans Ulrich Esch, Michael Zurhorst 8 RECHT CC und BCC in MMXIV 22 Mit dem FORUM ist es vergleichsweise einfach. Sie, der Sie das Heft in den Händen halten, sind der Empfänger, alle anderen Adres sa ten haben wir im BCC auf dem Anschriftenaufkleber untergebracht. Würden wir dies nicht tun, müssten wir zu jeder FORUM-Ausgabe ein CC-Heft beilegen. Oder, noch besser, alle Adressa ten auf den Auf kleber bringen. Aber das machen wir schon aus Höf lichkeit dem Zusteller gegenüber nicht. Wie es im Mailverkehr rich tig ge - macht wird und wie nicht, erklärt Holthausen. Für alle. Auch für die im BCC. CC oder BCC? Datenschutz und sichtbare -Adresslisten Rüdiger Holthausen 22 MANAGEMENT Veränderungssperre Ein untaugliches Mittel zur Verhinderung einer missliebigen Vergabe Hubertus Brauer 26 VERBAND Grundlagen von Mess- und Eichwesen 32 Befugt und befähigt: Kompetenz ist Mehr.Wert BDVI-Kongress 204 BDVI e.v. 30 Ein Außendienstler denkt zurück Frage: Wann haben Sie zum letzten Mal Ihr Tachymeter geeicht? Aha. Noch nie? Und wa - rum nicht? Ähhh richtig. So direkt denkt man selten darüber nach. Hoffmann erläu tert, wie das mit dem Eichen ist, ob man tatsächlich die Pflicht hat, neben dem Kalibrie ren der Geräte weitere Überprüfungen vor nehmen zu lassen, und er erklärt, wo das Ganze seine historischen Wurzeln hat. Aha! 44 Oft kommen im FORUM Professoren zu Wort, Amtsleiter, Präsiden - ten, Rechtsanwälte und noch öfter, wen wundert es, ÖbVI. Daher ist es nun auch mal interessant, dass nun diejenigen berich ten, die bislang nur eine recht überschaubare Lobby im FORUM ihr Ei - gen nannten: die Messgehilfen. Oster erzählt aus der guten alten Zeit, in der die Stadt Köln noch knapp fünf Fußballmannschaften an Messgehilfen beschäftigte. Und von all dem, was dann noch kam. Hüben wie drüben auch im Sinne von»schäl Sick«(Erläute - rung dazu: s. Geodäsie-Akademie Martin Ullner FORUM-Redaktion 43 KATASTER Über die Maßeinheiten, das Mess- und Eichwesen Helmut Hoffmann 32 Antwort auf den Leserbrief von Dr. Andreas Rose Recht und Mathematik (FORUM 3/203, S. 36) Frank Gielsdorf, Helmut Hoffmann 49 REPORT Jahresauftakt mit bewährtem Format in neuer Umgebung BDVI-Neujahrsempfang 204 Niklas Möring BDVI-Geschäftsstelle 40 BDVI-Reise 203 nach Südamerika Dieter Seitz 42 MOSAIK 60 3

6 TECHNIK Kontrolle der Türme von Windenergieanlagen im Rahmen von periodischen Untersuchungen Ansätze und Erfahrungen BORIS RESNIK BERLIN 4

7 TECHNIK B ei einigen vorgeschriebenen regelmäßigen Untersuchungen von mo - dernen Windkraft anlagen ist eine Anwendung moder ner geodä tischer Geräte wie Tachymeter, Laserscanner oder auch eine fotogrammetrische Daten erfassung mithilfe von unbemannten Fluggeräten erforderlich bzw. sinnvoll. Vom Autor wurde in den letzten Jahren in Kooperation mit mehreren Ingenieurbüros überprüft, inwieweit diese Verfahren dazu dienen können, Schäden zu detektieren. Im Beitrag werden Ge nauig - keit und Wirtschaftlichkeit dieser Methoden verglichen und die Szenarien für ihre praktische Anwendung bei den Inspektionen diskutiert. 5

8 TECHNIK EINFÜHRUNG Durch die enormen Investitionen der letzten Jahre leistet die Windenergie schon heute einen wesentlichen Beitrag zur Ener - gieversorgung Deutschlands. Um die ehrgeizigen Ausbauziele erreichen zu können, muss in Zukunft neben der Erschließung neuer Standorte für Windenergieanlagen (WEAs) auch erheb - licher Aufwand für ihre Instandhaltung bzw. Sanierung betrie - ben werden. Eine maßgebliche Grundvoraussetzung dafür sind objektive Nachweise vorhandener Mängel. Nach den aktuellen Regelungen sollen auch die tragenden Konstruktionen dieser Anlagen während des gesamten Lebenszyklus durch Sachverständige in regelmäßigen Intervallen geprüft werden. So sind nach der gültigen Richtlinie (DIBt 202 )»wiederkehrende Prüfungen in regelmäßigen Intervallen durch Sachverständige an der Maschine, den Rotorblättern sowie an der Tragstruktur durchzuführen. Die Prüfintervalle, die sich aus den gutachterlichen Stellungnahmen zur Maschine ergeben, betragen höchstens zwei Jahre. Sie dürfen jedoch auf vier Jahre verlängert werden, wenn von der Herstellerfirma autorisierte Sachkundige eine laufende (mindestens jährliche) Überwachung und Wartung der WEA durchführen.«dabei wird u. a. eine Ermittlung der Schiefstellung des WEA-Tur - mes vorgeschrieben ( 4.2, Umfang der wiederkehrenden Prüfung). Es sind keine technischen Lösungen bzw. Merkmale der möglichen Interpretation, mit Ausnahme von Grenzwerten der Schiefstellung des Bauwerkes von 3 mm/m ohne äußere Einflüsse bzw. von 5 mm/m mit Berücksichtigung der einseitigen Sonnen - einstrahlung, vorgegeben. Nach der genannten Richt linie (DIBt 202) müssen die WEA-Türme außerdem einer Sichtprüfung aus Abbildung Delle Lackschaden Lackschaden mit Rost Kerbe mit Rost 6

9 TECHNIK unmittelbarer Nähe unterzogen werden. Es ist be kannt, dass es eine Vielzahl von Schäden an Türmen von WEAs gibt, von denen ein Großteil visuell im Rahmen von solchen Kontrollen detektiert werden kann. Zu solchen»sicht baren«schäden gehören in erster Linie Lackschäden, Del len und Kerben (Abb. ). MESSTECHNISCHE ERFASSUNG DER TURM-SCHIEFSTELLUNG Abbildung 2 Prinzip Ebenenlotung Kreisanpassung Laserscanning Ein Lackschaden ist ein Defekt in der ver siegelten Oberfläche des WEA-Turms, der die Grundierung nicht bis zum Stahl durch - dringt und somit keine Korrosion verursachen kann. Ein Lack - schaden mit Rost entsteht, wenn die Versiegelung des WEA- Turms bis auf den Stahl gerissen oder abgetragen ist. Korrosion kann an dem so freigelegten Stahl in Verbindung mit Regenwasser oder Luftfeuchtigkeit einsetzen und führt zu soge nann - ten Rostfahnen. Eine Delle ist dagegen eine durch starke äußere Einwir kun gen bei Fertigung, Transport, Montage oder War tungs - arbeiten entstandene Vertiefung im Material des Turms. Die so - genann ten Kerben werden in der Regel eben falls durch starke äußere Einwirkungen verursacht und können z. B. durch Aus - besse rungs arbeiten an der WEA entstehen. Im schlimmsten Fall sind sie jedoch als Resultat von Ermüdungserscheinungen im Material anzusehen, wobei im Lau fe der Zeit Risse und folglich erhebli che Beeinträchtigungen der Standsicherheit der Anlage entstehen können. Die vorgeschriebenen Erfassungen von WEA-Schiefstellungen können bei den gegenwärtig typischen Höhen dieser Bauwerke bis zu 00 m nur mit speziellen geodätischen Geräten, z. B. ei - nem Tachymeter, realisiert werden und sind mit einem erheb - lichen instrumentellen, personellen und zeitlichen Aufwand verbunden. Prinzipiell handelt es sich dabei um die Bestimmung der relativen Verschiebungen der Achspunkte (Abb. 2) in zwei unterschiedlichen Höhen des Turmes: z. B. an der Höhe des ers - ten Flansches der Fundamentsektion und dem höchsten sichtbaren Flansch unterhalb der Gondel. Da eine ausführliche Be - schreibung aller technischen Möglichkeiten bei einer solchen Kontrolle den Umfang dieses Beitrages sprengen würde, werden hier lediglich drei Verfahren (Ebenenlotung, Kreisanpassung und Laserscanning) exemplarisch behandelt. Bei der sogenannten Ebenenlotung (Abb. 2) wird die Schiefstel - lung des Turmes mithilfe von außerhalb des Bauwerkes positio - nierten Tachymetern ermittelt. Dabei werden von zwei Standpunkten aus zwei vertikale, optische Ebenen aufgespannt, die einen etwa rechten Winkel bilden sollen. Da die Lage der Achs - 7

10 TECHNIK punkte des Turmes in der Regel unbekannt ist, können von jedem Stand punkt zunächst die beiden Seitenkanten in einer horizonta len Ebene z. B. entlang eines Flansches anvisiert und der mittlere Horizontalwinkel β aus beiden Ablesungen β L und β R berechnet werden. Die Schiefstellung des Turmes d von einem Standpunkt wird nach der Formel d = S (β O β U ) ermittelt, wobei S die horizontale Entfernung des entsprechenden Standpunktes bis zur Achse des Turmes und (β O β U ) eine Differenz der beiden gemessenen Winkel zur Turmachse (oben und unten) im Radiant darstellt. Die Schiefstellung vom zweiten orthogo - nalen Standpunkt wird nach der gleichen Formel ermittelt. Aus den beiden Werten ergibt sich die maximale Schiefstellung d M. Abbildung 3 Die Orientierung einer Messachse vom Standpunkt zum Turm muss außerdem in Bezug auf die Hauptwindrichtung mit einfachen technischen Mitteln ermittelt werden, um bei der folgen - den Auswertung die Schiefstellungen in Haupt- und Querrich - tung berechnen zu können. Eine sehr effiziente Kontrolle von Messergebnissen ist durch die Ermittlung des bekannten Turm durchmessers auf den ent - spre chenden Höhen aus den Winkel differenzen gegeben. Da die Differenz der beiden Win kel sehr klein ist, muss die Entfernung S nur grob mit Ge nauig keiten von etwa m geschätzt werden. Bei den Win kel mes sungen ist dagegen eine hohe Ge - nauigkeit bzw. Zuverlässigkeit erforderlich, die in der Regel nur durch die Messungen in beiden Fernrohrlagen realisiert werden kann. Die Schiefstellung des Turmes kann auch mithilfe der außerhalb des Bauwerkes positionierten Tachymeter durch Winkelund Streckenmessung (reflektorlos) zu mindestens drei Punkten in einem Querschnitt des Turmes z. B. entlang eines Flansches ermittelt werden (Abb. 2). Damit können die ausge gli chenen Koordinaten des Kreismittelpunktes in einem lokalen Koordinatensystem berechnet werden. Die Schiefstellung des Turmes ergibt sich von einem einzigen Standpunkt als Differenz der entsprechenden lokalen Mittelpunktkoordinaten in zwei un - terschiedlichen Höhen. Die Zuverlässigkeit des Verfahrens kann wesentlich verbessert werden, wenn zusätzliche Bogenpunkte erfasst bzw. weitere Standpunkte in die Berechnung einbezogen werden. Wegen unvermeidbarer kleiner Stehachsneigungen und wei - te rer instrumentaler Einflüsse sollen die Entfernungen der Be - o bachtungsstandpunkte zur vertikalen Achse des Bauwerkes bei den beiden genannten Verfahren etwa gleich der Turmhohe H, aber mindestens 2 / 3 H sein. Um auch bei den sehr steilen Vi - su ren bei den hoch gelegenen Punkten des Turmes genaue Messungen zu ermöglichen, ist die Anwendung eines speziellen Okularaufsatzes (Steilsichtokular) zu empfehlen (Abb. 3). In den vergangenen Jahren wurden umfangreiche vergleich en - de Messungen mit den beiden Verfahren an mehreren Anlagen eines typischen Windparks in der Uckermark realisiert (Resnik, Schiefelbein 204). Bei der Anwendung der Ebenenlotung wird der Zeitbedarf für die Messung einer Anlage inklusive Aufstellung auf den zwei Punkten sowie Winkelmessung (oben und unten) in zwei Lagen auf etwa eine Stunde ge schätzt. Die abschließende Berechnung mit einem üblichen Kalkulationsprogramm erfordert nicht mehr als 0 bis 5 Minuten. Da sich die schlanken und hohen Türme von WEAs besonders wegen Windbeanspruchung nie in einer absoluten Ruhelage befinden, sollten bei den Winkelmessungen die maxi malen Auslenkungen der Kante einheitlich auf den beiden Sei ten des Turmes erfasst werden. Die erreichbare Genauigkeit (Standard abweichung) der Schiefstellung von üblichen WEA-Türmen liegt bei diesem Verfahren nach der umfangreichen statistischen Aus wertung bei maximal 0,03 m. Da bei der Kreisanpassung nur ein Standpunkt zur Erfassung der WEA-Schiefstellung erforderlich ist, beträgt der Zeitaufwand inklusive Aufstellung, Messung von fünf Punkten in zwei Querschnitten (oben und unten) in einer Lage etwa 20 Minuten. Die Auswertung nimmt zusätzlich etwa zehn Minuten pro Anla ge in Anspruch. Da die reflektorlosen Messungen zu den einzelnen Punkten mit den zufälligen Schwingungen des Turmes, besonders im oberen Teil, überlagert werden, wurde bereits bei ei ner mäßigen Windgeschwindigkeit nur eine Genauigkeit von etwa 0,06 m (Standardabweichung) festgestellt. Die Messungen nur bei Windstille durchzuführen, ist bei den vor ge schrie - benen rou tinemäßigen Inspektionen aus wirtschaftlichen Gründen kaum durchsetzbar. 8

11 TECHNIK Da die geodätischen Laserscanner in den letzten Jahren immer effizienter und nicht zuletzt preiswerter geworden sind, können sie inzwischen als sinnvolle Alternative auch bei der mess tech - nischen Erfassung der Turm-Schiefstellung betrachtet wer den. Bei diesem Verfahren wird von einem oder mehreren Standpunkten eine verformungstreue Erfassung des ganzen Turmes oder von seinen Teilen ermöglicht. Da dabei prinzipiell keine ge - zielte Auswahl von Punkten in einer Höhe möglich ist, werden bei der Datenauswertung z. B. ausgewählte Zylinderabschnitte aus der entstandenen Punktwolke generiert (Abb. 2). Die Abweichung des Mittelpunktes eines Zylinders in Bezug auf den unteren Abschnitt, z. B. an der Höhe des ersten Flansches, de - fi niert die Schiefstellung in einer bestimmten Höhe (Abb. 4). 9 m 7 m 5 m 3 m m Bei ausreichender Anzahl der Messpunkte und hoher Messgenauigkeit können die Abweichungen vom ausgeglichenen Kreis bzw. Zylinder als maximale Auslenkungen durch Schwingungen des Turmes um die Mittellage betrachtet werden. Abbildung 4 Nach den umfangreichen Testmessungen in den letzten Jahren wird der Zeitbedarf für die Messung an einer Anlage mit einem modernen Laserscanner inklusive Aufstellung auf einem Punkt mit etwa 5 Minuten geschätzt. Die interaktive Datenauswertung erfordert zurzeit dagegen mehr als eine Stunde pro Anlage. Bei der Datenerfassung von zwei Punkten verdreifacht sich der Zeitaufwand sowohl für Messung als auch für Auswertung. Im Unterschied zur Tachy meter nut - zung verursacht die Datenanalyse bei einem fertigen Modell für eine weitere beliebige Ebene keinen zusätzlichen Zeit auf - wand bei der Messung und nur wenige Minuten für die zusätz - liche Datenauswertung. 9

12 TECHNIK Abbildung 5 0

13 TECHNIK Unter Berücksichtigung der großen Anzahl der Messpunkte in einem Querschnitt werden die unvermeidbaren Schwingungen des Bauwerkes während der Datenerfassung weitgehend kompensiert, wobei sich eine wesentlich bessere Genauigkeit als beim Tachymeter mit einer Standardabweichung der Schiefstellung besser als etwa 0,0 m auch bei einer mäßigen Wind - geschwindigkeit ergibt. VISUELLE PRÜFUNG DER TRAGENDEN WEA-KONSTRUKTIONEN Die aktuellen Richtlinien und Normen geben keine konkrete tech nische Lösung für eine visuelle Prüfung der tragenden WEA- Kon struktionen vor. Da die Klassifizierung von vorhandenen Riss breiten auf den WEA-Türmen in der Regel im Submillimeter - be reich vorzunehmen ist (DIBt 202), kann eine visuelle Unter - such ung der tragenden Konstruktionen mit einem Fernglas (Abb. 5) bei den gegenwärtig typischen Höhen von bis zu 00 m nicht zur Kategorie der handnahen Prüfung gerechnet werden. Die Untersuchungen müssen daher mit speziellen technischen Mit teln wie z. B. Hebebühnen realisiert werden und sind mit ei - nem erheblichen personellen, maschinellen und zeitlichen Auf - wand verbunden. Derzeit wird oft ein Einsatz von Industrie - klet terern bevorzugt, die sich zur Blatt- bzw. Turminspektion von der Gon del abseilen. Das Befliegen des Turmes mit einem unbemannten Fluggerät zur Zustandsanalyse mithilfe moderner hochauflösender Ka - meras kann als eine Alternative zu den genannten Verfahren angesehen werden, wobei sowohl eine Integration des Service im eigenen Unternehmen als auch die Beauftragung eines Dritt - anbieters vorstellbar sind. Dieses Verfahren kann jedoch den Ein - satz von Industriekletterern prinzipiell nur ergänzen, aber nicht ersetzen, da in der Regel viele weitere Untersuchungen und klei - ne Reparaturen vorgenommen werden. Unmanned Aerial Systems (UAS) stehen als Sammelbegriff für alle möglichen Arten unbemannter Fluggeräte von Spielzeugen bis hin zu militärischen Drohnen. Für die WEA-Türme sind die sogenannten Kopter (kleine Drehflügler) zu bevorzugen, da sie auch auf engstem Raum fliegen und je nach Bedarf auf der Stelle stehen können. Der Standardsensor für die Datenerfassung mit einem UAS ist eine hochauflösende digitale Kamera. Sie sollte leicht sein und eine möglichst große geometrische Auf - lösung besitzen. Anstelle der Kamera oder ergänzend werden teilweise Videokameras eingesetzt. Zwar ist ihre geometrische Auflösung in der Regel wesentlich geringer, jedoch spielt ihre hohe Bildfolgezahl z. B. bei der Dokumentation von Bewegungs - abläufen eine wesentlich wichtigere Rolle. Durch eingebaute kleine Controller mit Speicher- und Mess - technik wie z. B. ein oder mehrere GNSS-Empfänger und Träg - heits systeme sind moderne UAS in der Lage, eine vorherbe - rechnete Route bzw. ein ganzes Flugprogramm bei der Datenerfassung autonom abzuwickeln. Die wichtigste Voraussetzung für eine wirtschaftliche Anwendung des jeweiligen Verfahrens bei den periodischen Turmuntersuchungen ist die Möglichkeit,

14 TECHNIK eine Kontrolle nicht nur bei Windstille, sondern auch bei mäßigen Windgeschwindigkeiten durchzuführen. Da ein Fluggerät während der Aufnahme in einem Abstand von nur maximal 5 bis 0 m von einer Anlage schweben muss, erzeugen die unvermeidbaren Windböen das höchste Gefahrenpotenzial für das Messsystem. Bei den beschreibenden Untersuchungen wird des - halb eine manuelle Steuerung des Flugs und der Aufnahme - aktivitäten bevorzugt. Ein solches Bodensystem besitzt in der Regel ebenfalls mehrere Controller, die über eine Daten- bzw. Funkverbindung mit dem Fluggerät verbunden sind. So lassen sich u. a. in Echtzeit die Bilder oder Telemetriedaten (Position, Batteriestand usw.) empfangen. Um die Vorteile und Grenzen einer Turmuntersuchung mit un bemannten Fluggeräten zu untersuchen, wurde bei einer Abschlussarbeit an der Beuth Hochschule für Technik Berlin in Zusammenarbeit mit einem Ingenieurbüro eine praktische Befliegung von typischen modernen Anlagen in der Uckermark realisiert (Resnik, Weckschmied, Winter 204). Nach der Me tho dik des Unternehmens teilen sich zwei Techniker die Aufgaben der WEA-Inspektion. Der Pilot steuert das Flugge - rät, wäh rend der Kameramann die Schäden ins Visier nehmen kann. Das verwendete Fluggerät wurde für die Datenerfassung mit einer Kamera mit einer festen Objektivbrennweite von 50 mm auf gerüstet. Ein Videosignal wurde auf den Über - wachungsbildschirm der Bodenstation übertragen. Das Bildmaterial wurde auf einer SD-Karte in der Kamera des Fluggerätes gespeichert. Da eine komplette fotogrammetrische Auswertung des ge - wonnenen Bildmaterials mit der Bündelblockausgleichung nicht erforderlich bzw. geplant war, müssen die Koordinaten der Auf - nahmestandpunkte aus zwei Gründen erfasst werden: Erstens braucht man sie zur Ermittlung des Maßstabes von aufge nom - menen Luftbildern mit dem Ziel, die Ausdehnung von festge - stellten Schäden im Postprocessing zu dokumentieren. Zwei - tens sind sie für die spätere Zuordnung von Luftbildern bzw. entsprechenden Schäden zu den bestimmten Höhen und Sei - ten des Bauwerkes erforderlich, um die eventuell erforderliche Sanierung bzw. das Nachmessen zu ermöglichen. Beide Aufgaben erfordern keine besonders hohen Messgenauigkeiten und können prinzipiell mit dem vorhandenen Low-Cost-GNSS- Empfänger des Fluggerätes gelöst werden, wobei die Achs - punk te der untersuchten Türme im gleichen Koordinaten sys - tem vorliegen müssen. Da eine ausführliche Beschreibung aller Ergebnisse der Un ter - suchungen den Umfang dieses Beitrages sprengen würde, kön - nen hier lediglich die ausgewählten Schritte exemplarisch behandelt werden. Alle detektierten Schadstellen wurden zu nächst klassifiziert, durch Markierungen direkt auf den Fotos gekenn - zeichnet und mit einer Nummer versehen. Um die Be ur teilung der Schadstelle durch Sachverständige zu vereinfa chen, wurde je weils eine Vergrößerung des entsprechenden Bildes angefertigt. Die weitere Auswertung wurde mit einem speziellen Computerprogramm realisiert, wobei zunächst anhand der be kann - ten Kameraparameter und Entfernung zum Turm der Maß stab der Bilder und die räumliche Ausdehnung der festgestellten Bau - schäden berechnet wurden. Alle gewonnenen Ergebnisse werden zusammen mit der bekannten Lage auf dem Turm in ei ner Datenbank verwaltet. In der Abbildung 6 sind für den oben sichtbaren Schaden exemplarisch seine Art (Lackschaden mit Rost), Bildnummer (508), Höhe über dem Erdboden, Himmels - richtung, Entfernung des Bildes vom Turm und die Ausdehnung von Schaden in Pixeln bzw. Metern präsentiert. Diese Infor - mationen dienen zur weiteren Beurteilung der Schäden durch Sach verständige bzw. zum Ergrei fen von entsprechenden Kor - rektur maßnahmen. AUSBLICK In den letzten Jahren wurden vom Autor des Beitrages in der Ko operation mit mehreren Ingenieurbüros und anhand von umfangreichen Testmessungen sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen von Vermessungsmethoden bei den vorgeschrie - be nen regelmäßigen Untersuchungen von WEAs untersucht. In Bezug auf die vorgeschriebene Erfassung der Turm-Schiefstellung wurden die folgenden wichtigen Erkenntnisse ge won - nen: Wegen typischer periodischer Durchbiegungen des Turmes bei einer typischen einseitigen Aufwärmung und Winddruck bis zu 0,5 m im Laufe eines Tages und Schwingungen um den Mittelpunkt mit etwa gleichen Amplituden sind die ermit telten Schiefstellungen des ganzen Turmes kaum zur Kontrolle der Fundamente geeignet. Für eine Kontrolle des Turmzustandes im Laufe der üblichen Inspektionsmessungen sind weniger die vorgeschriebenen Schiefstellungen (unten/oben), sondern eher die vertikalen Biegelinien bei unterschiedlichen Bedingungen zusammen mit einer FE-Analyse zu empfehlen. Für die Durchsetzung dieser Vorgehensweise, die mit zusätzlichen Kosten für die Betreiber verbunden ist, sind weitere Untersuchungen und nicht zuletzt eine weitere Überzeugungsarbeit in den ent spre - chenden Gremien der Windindustrie erforderlich. Die Hauptaufgabe weiterer Testmessungen und Auswertungen war es, die prinzipiellen Möglichkeiten der vorgeschriebenen visuellen Untersuchung von tragenden WEA-Konstruktionen mit einem typischen UAS zu untersuchen. Es wurde dabei festgestellt, dass eine sichere Klassifizierung erfasster Schäden, wie z. B. Rissbreiten im Submillimeterbereich, bei der Anwendung einer professionellen Ausrüstung mit erfahrenen Piloten auch bei einem vergleichsweise starken Wind möglich und im Vergleich zu alternativen Verfahren wie Hebebühne bzw. Industrie - 2

15 TECHNIK Abbildung 6 Schaden Nr. 4 Foto Nr. 508 Schaden Typ LmR Höhe [m] 64 Richtung W Entf. zum Mast [m] 2,85 Pixel horizontal 32,76 Pixel vertikal 54,60 Länge hor. [m] 0,33 Länge vert. [m] 0,054 kletterer sehr effizient ist. Für eine weitere Auto matisierung der Datenverarbeitung ist es sinnvoll, eine halb automatische Mustererkennung bei der Bildanalyse zu ent wickeln bzw. anzupassen. Bei der Realisierung von derartigen Algorithmen kann man inzwischen umfangreiche Beispiele aus vielen Bereichen der Fernerkundung nutzen. Trotzdem erfordert diese Aufgabe weitere interdisziplinäre Forschungsarbeit. Die Möglichkeit einer zukünftigen Übertragbarkeit des entwickelten Konzeptes auf alle vorgeschriebenen visuellen WEA-Untersuchungen ist im Falle einer erfolgreichen Entwicklungs- und Erprobungs - phase als sehr hoch einzuschätzen. LITERATUR DIBt (202): Richtlinie für Windenergieanlagen Einwirkungen und Standsicherheitsnachweise für Turm und Gründung. Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt). Berlin, Oktober 202, Reihe B, Heft 8 2 Resnik B., Schiefelbein N. (204): Kontrolle der Schiefstellung von Windenergieanlagen im Rahmen von periodischen Untersuchungen. Sonderheft»Messtechnik im Bauwesen«, Verlag Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin (im Druck) Prof. Dr.-Ing. Boris Resnik Beuth Hochschule für Technik Berlin 3 Resnik B., Weckschmied A. und Winter P. (204): Erkennung sicherheits - relevanter Defekte an Türmen von Windenergieanlagen mit Hilfe von unbemannten Fluggeräten. Forum Geo Bau, Bd. 4, Shaker Verlag, Aachen (im Druck) 3

16 TECHNIK ALKIS auf der Zielgeraden JÖRG BURCHARDT BERLIN In Sachen ALKIS biegen nun auch die letzten Bundesländer auf die Zielgerade ein. Dies war ein willkommener Anlass, um auf dem BDVI-Forum im Rahmen der INTERGEO 203 in Essen intensiv zu diskutieren (s. u. a. FORUM 3/203 und 4/203). In einigen Bundesländern wie Hessen oder Schleswig-Holstein gehört ALKIS inzwischen zum Alltag, in Thüringen oder Sachsen ist die Umstellung in vollem Gang, in manchen Bundesländern verzögert sich die Einführung. Die Tabelle zeigt den Stand in den einzelnen Bundesländern aus Sicht der BDVI-Landesgruppen. Es zeichnet sich der Trend ab, dass die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure näher an den Fortführungsprozess und die eigentliche Katasterfüh rung heranrücken. Damit stellt sich nachdem die technischen Herausforderungen bei der Umstellung auf ALKIS bewältigt wurden für die ÖbVI die Frage, inwieweit ein eventueller Mehraufwand auch in den Ge büh ren ordnungen berücksichtigt wird. In Hessen ist der Aufwand nach Einführung von ALKIS, da die Ge - bühren der Kostenordnung ganz aktuell evaluiert wurden, erfasst. In Rheinland-Pfalz erhalten die ÖbVI für ALKIS keine Zusatzgebühren. Die Gebühren sind jedoch mit Einführung von ALKIS um 0 % gestiegen und werden in Kürze noch einmal um 8 % angehoben. In anderen Bundesländern sollen die Gebühren hinsichtlich des Mehraufwandes evaluiert werden so in Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen und Thüringen. Für den Vorreiter in Sachen ALKIS das Bundesland Hessen hat ÖbVI Dr. Riehl seine Erfahrungen und seine Meinung zu Papier gebracht. Den Bundesländern auf der Zielgeraden wünschen wir einen erfolgreichen Endspurt! Dipl.-Ing. Jörg Burchardt FORUM-Redaktion 4

17 TECHNIK Land Baden-Württemberg Bayern Berlin Brandenburg Bremen Hamburg Hessen Mecklenburg- Vorpommern Niedersachsen Nordrhein- Westfalen Rheinland-Pfalz Saarland Sachsen Sachsen-Anhalt Schleswig-Holstein Thüringen Stand der Umsetzung/geplant abgeschlossen 204 eventuell bis Ende Einführung für Mitte 204 geplant seit März 200 flächendeckend abgeschlossen Ende 204 seit 20 flächendeckend fast vollständig, bis auf wenige Katasterämter abgeschlossen Einführung im 2. Halbjahr 204 geplant in drei Landkreisen umgesetzt, sachsenweit bis Mai 205 geplant Migrationsbeginn regional unterschiedlich im Laufe des Jahres 204 abgeschlossen fast abgeschlossen (April 204) Abgabe von Punktdaten/Objektbildung durch ÖbVI Objektbildung durch ÖbVI Keine Entscheidungen getroffen, ÖbVI können in der Über - gangs zeit (wie lange, ist auch offen) alles abgeben wie bislang. übergangsweise zwei Jahre Punktdaten, danach Objektbildung Vermutlich analog zur Vorgehensweise in Hamburg. Eine längere Übergangsfrist wurde schon mal thematisiert. nur Abgabe von Punktdaten Objektbildung durch ÖbVI oder Qualifizierung der Daten durch Amt gegen Zeitaufwandsgebühr Es werden ausschließlich Punktinformationen in Form eines NAS-Fortführungsauftrages übertragen (in reduzierter Form). Es werden hauptsächlich nur Punktdaten von den ÖbVI abgegeben. Einige Büros geben auch Objektdaten ab. Abgabe von Punktdaten Die ÖbVI geben den vollständigen Fortführungsentwurf mit Objektbildung ab. Zeitlich begrenzt kann jedoch auch der vereinfachte Fortführungsentwurf abgegeben werden, dafür verlangt die Verwaltung 20 % Zuschlag zur Übernahmegebühr. Nach jüngsten Ankündigungen ist zunächst die Abgabe von Punktdaten vorgesehen. Abgabe von Punktdaten nur Punktdaten Punktdaten Zunächst nur Punktdatenabgabe. Einige Kollegen arbeiten mit den NAS-Daten. Objektbildung eventuell ab 205/206 realistisch. Quellen BDVI-Landesgruppenvorsitzende, AdV-Tätigkeitsbericht 202/203, BDVI-Geschäftsstelle 5

18 TECHNIK Erfahrungen mit ALKIS aus der Sicht des ÖbVI in Hessen JÜRGEN RIEHL HOCHHEIM Bereits im Frühjahr 200 war im ganzen Bundesland Hessen die Umstellung des Katasterdatenbestandes auf ALKIS abgeschlos - sen. ALKIS war damit der amtliche Katasternachweis, der allein für die Bearbeitung von Fortführungsvermessungen zur Verfügung stand. Die Anlaufschwierigkeiten mit der Abgabe von Projekten und deren Übernahme in ALKIS waren durch einige Besonderhei - ten begründet, die in dieser Form nicht unbedingt in allen Bundesländern auftreten werden: neue Software bei Katasterverwaltung und ÖbVI Ständige Updates erforderten die wiederholte Bearbeitung von Projekten. Probleme waren manchmal schlicht unerklärbar. Bis der Berg der EDBS-Projekte abgearbeitet war, waren die ersten ALKIS -Projekte bereits wieder softwaremäßig überholt. Lange Zeit konnten neue Flurstücksobjekte nicht zu - sammen mit veränderten alten Flurstücksobjekten (Grenz - untersuchung, Neukoordinierung) verarbeitet werden. Mit der Objektbildung hat der ÖbVI eine zusätzliche Aufgabe über - nommen. Bei herkömmlicher Vermessung hat er im Prinzip nur die Geometrie der neuen oder geänderten Objekte über geben, dazu per Riss eine Anweisung, wie die koordinierten Punkte mit - einander verbunden werden müssen, um ein neues Objekt zu bil - den. Mit der Objektbildung übernimmt diese Arbeit der ÖbVI und übergibt das fertige Objekt mit nahezu allen Buchungsattributen. Hört die Bearbeitung von Projekten, wie in einigen Bundesländern geregelt, mit der Abgabe allein der Punkte auf, ist die Änderung in der Bearbeitung marginal, man muss lediglich das neue Datenformat verstehen und bedienen bzw. mit der eventuell neu eingeführten Abbildung umgehen können. Aus den unterschiedlichen Aufgabenstellungen ergeben sich auch Unterschiede in den Anforderungen an die Software: Verstehen von ALKIS -Daten im XML-NAS-Datenformat Durchführen von Berechnungen im vorgeschriebenen Abbildungssystem bzw. Transformation der berechneten Daten in das/aus dem Abbildungssystem Übergabe von Punktdaten im XML-NAS-Datenformat ALKIS -Assistent Gebäude und Flurstück für die Bildung von Objekten nach ALKIS -Struktur (Gebäude und Gebäudearten, Gebäudenutzung, Bauteile, Flurgrenzen, Flurstücke, Bodenschätzung, Nutzungsarten, ) Übergabe dieser Objekte im ALKIS -Format an die Katasterverwaltung die absolute Endstufe, der ALKIS -Assistent Bodenordnung: Bearbeitung der Buchungsstellen für Veränderungen im Eigentümerbestand für Bodenordnungsverfahren jeder Art Übergabe dieser Daten im ALKIS -Format an die Katasterverwaltung (wird in Hessen bereits getestet und angewendet) Die Mehrbelastung durch die Objektbildung ist schwierig zu quantifizieren, da wie bisher der Aufwand der Bearbeitung im Wesentlichen davon abhängt, in welchem Zustand sich die Ausgangsdaten befinden: Messung im nur digitalisiert vorliegenden Kataster datenbestand erfordert erhöhten Aufwand im Außen- und im Innendienst, bis der Datenbestand so weit in sich kon - sistent ist, dass eine Objektbildung optimal möglich ist. Rechnerische Zerlegung in höchster Qualitätsstufe, bei der die Durchführung einer Zerlegung einer Datenbankoperation ähnelt. Dann ist die Objektbildung quasi mit der Flächenberechnung erledigt (natürlich nicht!). Die gaußsche Normalverteilung gilt auch für die Qualität des Katasterbestandes, d. h., der überwiegende Anteil liegt irgendwo zwischen den o. g. Extremen. Naturgemäß verlangt die Bedienung der ALKIS -spezifischen Pro grammteile eine Schulung der Mitarbeiter. Vor allem muss das Bewusstsein dafür geweckt werden, dass nicht nur Geometriebearbeitung, sondern auch Objektbearbeitung erfolgt. Der Geodät wird zusätzlich zum Datenbankoperateur. Den zusätzlichen Aufwand im Innendienst würde ich im Mittel mit ca. 25 % beziffern. Die Katasterverwaltung hat einen erheblichen Vorteil. Denn bei der wird die Übernahme erst recht zur Datenbankoperation de- 6

19 FORUM gradiert. Wenn die Datei in Ordnung ist, funktioniert die Übernahme per Knopfdruck und die Fortführungsmitteilung über Nacht ist Realität! Erstaunlicherweise wurden aber die Übernahmegebühren in Hessen erhöht. Über die Frage, ob die Evaluierung wirklich den Mehraufwand für die ALKIS -Bearbeitung und vor allem den Aufwand, der notwendig war, um ALKIS zu können (Investitionen für Software, Hardware und Ausbildung), abdeckt, gibt es unterschied - liche Ansichten. Ich meine: Nein! Noch ein Hinweis zum Schluss: Ich wiederhole mich zunächst: Der Bearbeitungsaufwand hängt im Wesentlichen von der Qua - li tät des zu bearbeitenden Katasters und den Forderungen an das abzugebende Kataster ab. In einem -a-kataster ist ALKIS kein Problem, das war es aber auch mit EDBS nicht. Und durch die Einführung von ALKIS ist die Katasterqualität an keinem ein - zigen Punkt besser geworden. Im Gegenteil: Migration bedeutet ein Stück weit Identitätsverlust, das wissen wir alle. Übrigens hat der Außendienst mithilfe unserer Software (KIVID- Feld von BURG) gar nicht gemerkt, dass es ALKIS gibt. Hilf - reich war dabei auch, die Punktnummerierungsbezirke nicht zu ver ändern, diese werden immer noch durch G-K bestimmt. Nun spielt sich jedoch noch ein absolutes Horrorszenario ab: Homogenisierung! Ich kann alle Landesverbände nur dazu aufrufen, in keinem Fall die Homogenisierung als Aufgabe der ÖbVI zu übernehmen. Das wäre das Ende des Katasters. Es gibt überhaupt nicht genug Attribute und Datenbankspalten, um diese Folgen zu dokumentieren. Nach nun vier Jahren ALKIS mit Homogenisierung ist es gelungen, die klare Trennung zwischen den verschiedenen Punktsystemen (die Attributierung GST2000 und GST2200 beschreibt nämlich nicht irgendwelche imaginären Genauigkeitskriterien, sondern beschreibt zwei unterschiedliche, historisch verschie den gewachsene Koordinatensysteme, die in sich oft homogen waren) an den Stellen zu zerstören, an denen»angerampt«wurde. Vor ALKIS muss man keine Angst haben, mit ALKIS wird Kompetenz auf die ÖbVI verlagert, die wir auch annehmen sollten. Ich ermuntere auch die Bundesländer, die bisher nur Punkte lie fern, den nächsten Schritt zu wagen. Allerdings muss die Ver - gütung stimmen. Dr.-Ing. Jürgen Riehl Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur Kilo- Sharing Und Sie könnten vier Kilo übernehmen? Das finde ich ja fantastisch! Ja, bis Ostern. Ich habe bisher sechs Kilo abgenommen, aber das reicht noch nicht. Mein Berufsverband verlangt nachweislich zehn Kilo, damit mir der Jahresbeitrag erlassen wird. Das ist in jedem Jahr eine Tortur. Ich weiß gar nicht, warum ich mich immer wieder darauf einlasse. Und wie schaffen Sie das in 4 Tagen? Ach, Sie sind Berufsabnehmer. Und das rechnet sich? Ja, natürlich überweise ich Ihnen dann 40 % des erlassenen Jahresbeitrags. Und Sie sind wirklich auch ein freiberuflicher Vermessungsingenieur? Das ist nämlich eine Bedingung des Verbandes. Aber klar doch. Bei Ihrer Begabung sollten Sie in den Verband eintreten. Sie hungern doch leicht jeden Jahresbeitrag zu null. W. S. 7

20 IMMOBILIEN Neue BDVI- Honorierungs für Immobilienwertermittlung Mit der Streichung des 34 der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) im Jahr 2009 gibt es für die Immobilienwertermittlung durch private Sachverstän dige keine verbindlichen Regelungen mehr. Die Vergütung für Im mo - bilienwertermittlungen kann somit frei vereinbart werden. Es können Festpreise vereinbart werden, oder man verständigt sich mit seinen Auftraggebern auf eine bestimmte Grundlage. Der BDVI hat, angepasst an die allgemeinen Erhöhungen der Sätze der HOAI im Jahr 200, eine erste unverbindliche Hono rie rungs - empfehlung vorgelegt. Diese wurde nach der neuerlichen No velle der HOAI im letzten Jahr nun nochmals um das Maß der allgemeinen Erhöhung (d. h. um ca. 2 %) angepasst und neu strukturiert. Sie liegt damit auf dem Niveau der Honorie rungs empfeh - lungen anderer Berufsverbände, allerdings deutlich unter den meisten Gebühren der Gutachterausschüsse, welche durch Landesgesetze geregelt werden. Der zweistufige Aufbau, be stehend aus Normalstufe und Schwierigkeitsstufe, wurde bei behalten, jedoch wurden die Schwierigkeiten entschlackt, teilweise neu definiert und ergänzt. 8

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