Mikrokredite: Potenziale und Chancen für die Jugendlichen in den Slums von Nairobi

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1 Fachbereich VI Geographie/Geowissenschaften Erstkorrektor: Prof. Dr. Heiner Monheim Raumentwicklung und Landesplanung Zweitkorrektor: Prof. Dr. Reinhard Hoffmann Geographie und ihre Didaktik Wissenschaftliche Prüfungsarbeit zur Prüfung für das erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien Mikrokredite: Potenziale und Chancen für die Jugendlichen in den Slums von Nairobi vorgelegt von: Andreas Eberth Am Weidengraben Trier Matrikelnummer:

2 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" 79:;9:< Im Laufe meines fünfjährigen Geographie-Studiums an der Universität Trier haben sich die Themenbereiche Stadt- und Wirtschaftsgeographie sowie Entwicklungspolitik/geographische Entwicklungsländerforschung als Studienschwerpunkte entwickelt. Vor diesem Hintergrund, insbesondere aber durch einen dreimonatigen Aufenthalt in Kenia, Tansania und Uganda, ist die Wahl des Themas dieser Arbeit entstanden. Dass ich ein derartiges Interesse für entwicklungspolitische Themen und insbesondere für Afrika entwickelte, verdanke ich Herrn Dr. Johannes Michael Nebe, mit dem ich sechs spannende Wochen in Afrika verbringen durfte. Nach einer vierwöchigen geographischen Großexkursion durch Kenia und Tansania konnte ich an einer von ihm geleiteten zweiwöchigen Projektstudie in den Slums von Nairobi teilnehmen. Mein ganz besonderer Dank geht an Dr. Johannes Michael Nebe, dass er es mir ermöglicht hat, diese in vielfacher Hinsicht prägende Zeit zu erleben. Ein weiterer sehr herzlicher Dank geht an Herrn Prof. Dr. Heiner Monheim für die intensive Betreuung dieser Arbeit, die stets gute Unterstützung und für die zahlreichen wichtigen Anregungen, Hinweise und Ratschläge. Ebenso danke ich Herrn Prof. Dr. Reinhard Hoffmann, der die Zweitbetreuung dieser Arbeit übernommen hat und mit dem ich ebenfalls vier Wochen in Afrika verbringen durfte. Weiterhin danke ich Herrn StD. Armin Huber, Leiter der Modell-AG Rheinland-Pfalz, für die finanzielle Unterstützung und die Möglichkeit, im Rahmen einer Mitarbeit in jener Arbeitsgruppe an vielen interessanten Veranstaltungen teilnehmen zu dürfen. Meinem Kommilitonen und Freund Marcel Petri, der parallel eine fachdidaktische Arbeit über den Themenbereich Mikrokredite verfasst hat, danke ich für die gute Zusammenarbeit und die fruchtbaren Diskussionen! Ein ganz besonderer Dank geht an meine Eltern und Geschwister für das Korrekturlesen dieser Arbeit und die Unterstützung, die mir stets im Laufe meines Studiums zuteil wurde! Dem Leser wünsche ich eine interessante Lektüre dieser Arbeit. Trier, im September 2010 Andreas Eberth I

3 .!/01/023! !9:2 ;73 <=97<27 >?0 327 B:;.B C17 79!01D!!"#$%&'()*+),-#",' Vorwort I Inhaltsverzeichnis...II Abkürzungsverzeichnis.IV Abbildungsverzeichnis..VI Tabellenverzeichnis VIII Kartenverzeichnis...VIII 1. Einleitung Hintergrund Zum Aufbau der Arbeit Experteninterviews Sekundärliteratur Geberinteressen und Nehmerbedürfnisse eine Diskrepanz? Entwicklungszusammenarbeit in der Kritik Bedürfnisse der Empfängerländer Wirtschaftsstruktur und informeller Sektor Rolle und Bedeutung von Kleinbetrieben im informellen Sektor Beispiele aus den Slums von Nairobi für income-generating-activities Mikrofinanzierung Eckpunkte eines Erfolgskonzepts Finanzsysteme in Afrika Überblick der historischen Entwicklung der Idee der Mikrofinanzierung Angebote im Bereich Mikrofinanzierung Mikrokredite Mikroversicherungen Spareinlagen Systeme zum leistungsfähigen Zahlungsverkehr und zur Kapitaltransaktion Zwischenfazit Trägerorganisationen Mikrofinanz-Institutionen (MFIs) Mikrofinanz-Investmentfonds (MFIFs) 52 II

4 .!/01/023! !9:2 ;73 <=97<27 >?0 327 B:;.B C17 79!01D! Internetportale Zwischenfazit Mikrofinanz-Kunden Zukunft der Mikrofinanz Zur Wirkung von Mikrokrediten und Mikrofinanzierung Erfolgreiche Beispiele für eine Förderung durch Mikrokredite im ländlichen Raum in urbanen Agglomerationen Zur Wirkung von Mikrokrediten in Kenia Mikrofinanzierung in Kenia In den Slums von Nairobi tätige MFIs K-Rep-Bank Equity-Bank Jamii Bora Mikrofinanzierung und Bildung Der informelle Sektor in Kenia unter Berücksichtigung der Rolle Jugendlicher und der Bildungssituation Berufsbezogene Bildung und Mikrokredite ein Modell für die Zukunft der Jugendlichen in den Slums von Nairobi? Zur Bedeutung beruflicher Bildung Mikrokredite und Bildung Sozio-ökonomische Folgen einer Förderung junger Generationen durch Mikrofinanzierung Der Einfluss von Mikrokrediten auf die Erreichung der Millennium Development Goals Schluss 103 Literaturverzeichnis 108 Internetquellen 117 Anhang Experteninterviews.119 III

5 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" AMFI ATM BMZ CBO CGAP DED DSW ebd. EH/EZ FAZ GFEP GTZ HIV/AIDS Hrsg. ILO IRPUD KCB KCPE KfW KPOSB K-Rep LKW MDG MFI MFIF MIX-Market NESC NGO Assoziation of Microfinance Institutions in Kenya Automated Teller Machine Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Community-Based-Organization Consultative Group to assist the Poor Deutscher Entwicklungsdienst ggmbh Deutsche Stiftung Weltbevölkerung ebenda Entwicklungshilfe bzw. Entwicklungszusammenarbeit Frankfurter Allgemeine Zeitung Global Financial Education Programme Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH Human Immunodeficiency Virus/ Acquired Immune Deficiency Syndrome Herausgeber International Labour Organization Institut für Raumplanung an der Fakultät für Raumplanung der Technischen Universität Dortmund Kenya Commercial Bank Kenya Certificate for Primary Education Kreditanstalt für Wiederaufbau Kenya Post Office Savings Bank Kenya Rural Entrepreneurs Programme Lastkraftwagen Millennium Development Goal Mikrofinanz-Institution Mikrofinanz-Investment-Fonds Mikrofinance Information Exchange National Economic and Social Council of Kenya Non-Governmental Organization IV

6 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" SMS USAID UNEP UN-Habitat UNICEF USD vgl. Short Message Service United States Agency for International Development United Nations Environment Programme United Nations Human Settlements Programme United Nations International Children s Emergency Fund US-Dollar vergleiche V

7 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" Seite Titelbild Alltag in Kibera, dem größten Slum Nairobis Abb. 1 Entwicklung der Stadt- und Landbevölkerung Afrikas Abb. 2 Gründe für die Entstehung von Slums und Folgen für die Stadtentwicklung 2 Abb. 3 Rasantes Wachstum: Entwicklung des Slums Kibera in Nairobi Abb. 4 Die verschiedenen Branchen der informellen Ökonomie 20 Abb. 5 Deutsche Studenten in Jacobs Art Shop im Slum Mathare 25 Abb. 6 Robuste Sandalen aus alten Autoreifen. Hergestellt vom Wikyo Akala Project im Slum Kariobangi 25 Abb. 7 Die Tischlerei von Rafael und John im Slums Mathare 27 Abb. 8 Mwalo, einer der Mitglieder der Gruppe Extreme Impact 28 Abb. 9 Lydia verkauft Sukuma Wiki, typisches kenianisches Gemüse 29 Abb. 10 Problembereiche afrikanischer Finanzsysteme 31 Abb. 11 Friedrich Wilhelm Raiffaisen/Hermann Schulze-Delitzsch 32 Abb. 12 Die diversifizierte Angebotspalette der Mikrofinanzierung 36 Abb. 13 Basisdaten Mikrofinanzierung 37 Abb. 14 Indikatoren kundengerechter Mikroversicherungen 41 Abb. 15 m-pesa-logo 43 Abb. 16 Hütte eines m-pesa-agents in Silanga 44 Abb. 17 Strukturen und Akteure im Mikrofinanzwesen 46 Abb. 18 Kreditvolumen der MFIs weltweit in USD Abb. 19 Verschiedene Arten von Mikrofinanzinvestment-Vehikeln 52 Abb. 20 Mikrofinanzierung Kernkompetenz der KfW 53 Abb. 21 Anlagevolumen von privaten und institutionellen Anlegern in Mikrofinanz-Investments in Milliarden-USD (Prognose) 55 Abb. 22 Zur Funktionsweise von KIVA 56 Abb. 23 Logo der dänischen Organisation MyC4 57 Abb. 24 Werbeanzeige von Microplace 57 Abb. 25 Potenzielle Mikrofinanzkunden in Entwicklungsländern 60 VI

8 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" Abb. 26 Mikrokreditnehmer nach Ländern 61 Abb. 27 Die K-Rep-Bank kündigt die Eröffnung einer neuen Filiale an 68 Abb. 28 Vereinfachte Struktur des kenianischen Finanzwesens 71 Abb. 29 Zugang der kenianischen Bevölkerung zum Finanzwesen Abb. 30 Anstieg der Mikrofinanz-Kunden in Kenia 2006 bis Abb. 31 Verwendung der Darlehen kenianischer Kreditnehmer 73 Abb. 32 Hauptsitz und Logo der K-Rep-Bank 75 Abb. 33 Logo der Equity-Bank 76 Abb. 33a Logo der Organisation Jamii-Bora 77 Abb. 35 Das erste Mal in ihrem Leben sehen diese Kinder das Stadtzentrum Nairobis 79 Abb. 36 Organisation 204 untersuchter informeller Schulen in den Slums von Nairobi 80 Abb. 37 Einfluss der sozialen Umfeldes auf Jugendliche in den Slums von Nairobi 81 Abb. 38 Dichtes Gedränge vor dem Eingang einer informellen Schule 82 Abb. 39 Zahl der Primarschulen in Kenia Abb. 40 Grundlagen des Capacity Developments im Bildungsbereich 84 Abb. 41 Schlüsselkompetenzen für berufliche Tätigkeiten im Bereich Informeller Ökonomie 86 Abb. 42 Anteil der 15- bis 19-Jähreigen in Kenia, die zumindest jede Klasse abgeschlossen haben 90 Abb. 43 Beiträge verschiedener Teilbereiche zur Sicherung eines adäquaten Bildungsangebots 92 Abb. 44 Mögliche Gründe für MFIs, spezielle Mikrofinanz-Programme für Jugendliche zu entwickeln 93 Abb. 45 Herausforderungen für MFIs, welche Mikrofinanz-Programme Für Jugendliche entwickeln wollen 94 Abb. 46 Folgen qualitativ und quantitativ hochwertiger Bildung für Gesellschaften in Entwicklungsländern 97 Abb. 47 Die Millennium Development Goals der Vereinten Nationen 99 VII

9 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" Tabelle 1 TOP 20 Mikrofinanz-Institutionen nach Kundenzahl 48 Tabelle 2 Die sieben I s der Mikrofinanzierung 58 Karte 1 Bevölkerungsstruktur weltweit nach Regionen 95 <BC ">IJ9JKB> Infobox 1 Diskurs über Dambisa Moyos Dead Aid 14 Infobox 2 Eine andere Entwicklungspolitik! Der Bonner Aufruf 16 Infobox 3 Armut in Afrika 17 Infobox4 Zweifelhafte Entwicklungsprojekte: Flower Farms in Kenia 22f. Infobox 5 Vom Außenseiter zur Lichtgestalt: Muhammad Yunus 33 Infobox 6 Banking to the Poor : Die Grameen-Bank 34 Infobox 7 Zur Bedeutung von Genossenschaften 64 VIII

10 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" 9: 1.1 Hintergrund 85 Prozent 1,9 Milliarden der 2,2 Milliarden Jugendlichen weltweit leben in Entwicklungsländern. Es sind rund 200 Millionen Jugendliche weltweit, die in Armut leben (vgl. UN-HABITAT 2010, S. 3). In Kenia sind heute mehr als 50 Prozent der Einwohner unter 20 Jahre alt, die Hälfte davon ist sozial und sozioökonomisch ausgegrenzt (vgl. BINSACK/HEINE 2006, S. 38f.). Gerade diese jungen Menschen sind es, die vom Land in die Stadt migrieren. Weil sie aufgrund zunehmend ungünstiger werdender klimatischer und naturräumlicher Bedingungen durch Subsistenzlandwirtschaft kaum genug Ertrag erzielen, um ihre Familien ernähren zu können, und es im ländlichen Raum der Entwicklungsländer kaum andere Arbeitsplätze als im primären Sektor gibt sehen viele junge Menschen in der Umsiedlung in die Stadt die Chance auf eine Arbeit im sekundären oder tertiären Sektor. Dies sind Gründe, warum Afrika weltweit die höchste Urbanisierungsrate aufweist. Im Jahre 2025 wird etwa die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung in Städten leben (siehe Abb. 1). Die große Zahl der Migranten hat verheerende Folgen für die Entwicklung der Städte in Abb. 1: Entwicklung der Stadt- und Landbevölkerung in Afrika 2000 bis Quelle: UNEP 2008, S

11 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" Abb. 2: Gründe für die Entstehung von Slums und Folgen für die Stadtentwicklung. Quelle: eigene Darstellung nach KRAAS 2007, S Entwicklungsländern (siehe Abb. 2). Weil sich die Hoffnungen auf Arbeit und das schnelle Geld vielfach nicht erfüllen, bleibt den Arbeitsuchenden oft keine andere Wahl, als sich in informellen Siedlungen, in so genannten Slums, niederzulassen. Diese Siedlungen sind meist im Selbstbau, durch nachbarschaftliche Netzwerke oder private Kleinfirmen illegal errichtet, ohne Baurecht oder -vorschriften zu beachten (vgl. FASSMANN 2009, S. 169). Slums konkret zu definieren ist nicht ganz einfach, dennoch gibt es Charakteristika, welche viele informelle Siedlungen gemeinsam haben. So kann ein Slum angesehen werden als ein räumlich segregiertes Wohngebiet in städtischen Agglomerationen, das bauliche Verfallserscheinungen, einen hohen Anteil an Arbeitslosen, unvollständigen Familien und im informellen Sektor Tätigen aufweist, vorwiegend von unteren und untersten Einkommensgruppen bewohnt wird und sozial stigmatisiert wird (BRUNOTTE 2002, S. 231). In Kenia leben 70,7 Prozent der Stadtbevölkerung in ca. 200 solcher Slums (vgl. UNEP 2008, S. 198; die rasante Entwicklung der Slums von Nairobi wird exemplarisch an der Ausdehnung des Slums Kibera deutlich, siehe Abb. 3), wo 250 Hütten auf der Fläche eines Hektars dicht an dicht lokalisiert sind und 2000 Menschen auf einem Hektar leben, es kaum Zugang zu Wasser und Strom gibt und es an Bildungseinrichtungen und dem Zugang zu medizinischer Versorgung mangelt (vgl. UN-HABITAT 2003, S. 70). Über die Hälfte der Slumbewohner Nairobis sind Kinder und Jugendliche (vgl. WEHRMANN 2008, S. 25). 2

12 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" 3

13 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" Diese vielen Kinder sind gleichsam ihrer Kindheit beraubt. Sie leben in absoluter Armut ohne ausreichende Ernährung, ohne Zugang zu Bildung und sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen oder gar einer adäquaten Wohnung: Kindheit ist für diese jungen Menschen nichts weiter als ein leeres Wort ein gesprochenes Versprechen (UNICEF 2005, S. 11). Diese Kindheit in Armut bildet den Beginn eines Teufelskreises: Arme Kinder wachsen heran zu armen Erwachsenen, welche ihre eigenen Kinder wiederum in Armut aufziehen. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, sollten Jugendliche ins Zentrum entwicklungspolitischen Interesses gerückt werden und sollte die Notwendigkeit erkannt werden, that youth-specific programmes must be designed, combining training in business skills with intensive mentoring and access to financial services (KALLA/SILBERNAGEL 2010, S. 10). Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, ob eine berufsbezogene Grundbildung im Rahmen der Primarschulausbildung Jugendliche befähigen kann, mit Hilfe eines Mikrokredits den Weg in die Selbstständigkeit im informellen Sektor zu gehen. Es werden mögliche Optionen vorgestellt, wie die Lebensbedingungen der Jugendlichen in den Slums von Nairobi durch Zugang zu Mikrofinanzdienstleistungen und Bildungsangeboten verbessert werden könnten. Dabei handelt es sich um eine Überblicksarbeit, nicht um eine detaillierte empirische Untersuchung. Die einzelnen Kapitel können also jeweils Anregungen geben, zu den jeweiligen Themenbereichen weitere Hintergründe zu erforschen. Da die vorliegende Arbeit von der Modell-AG Rheinland-Pfalz, einer von inwent unterstützen Arbeitsgruppe zum Globalen Lernen (siehe dazu auch PETRI 2010), weiter verwendet werden wird, ist das Ziel der Arbeit, insbesondere (Erdkunde-)Lehrern einen unkomplizierten aber fundierten Einblick ins Themenfeld Mikrofinanzierung zu geben. Die Bezüge zur Situation in Nairobi dienen zur konkreteren Veranschaulichung und bildet ein Novum insofern, als ein Großteil der Sekundärliteratur zum Thema ausschließlich theoretischer Natur ist und in den seltensten Fällen auf konkrete Raumbeispiele bezogen ist. Konzipiert ist diese Arbeit als Tandem-Arbeit. Während der vorliegende Teil die theoretischen, fachwissenschaftlichen Hintergründe zum Themenfeld Mikrofinanzierung aufbereitet, stellt der Teil von Marcel Petri einen fachdidaktischen Bezug dar und erörtert das Potenzial von Mikrokrediten als entwicklungspolitisches Thema im Erdkundeunterricht der Sekundarstufe II im Kontext des Globalen Lernens (siehe PETRI 2010).!"# $%&&'( %)*%+, -./)0 (1# 2.(.3# 2'3 '.3 +'.(14 -.( *# $%& -./)0 (1# +'.(1 2'3 (1# 2.(.3#56!"#$%&'$ () *++,-.-&/ 01'/'-"/ $# : ;) <=) 4

14 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" 1.2 Zum Aufbau der Arbeit Die vorliegende Arbeit ist in sechs wesentliche Abschnitte gegliedert. Nach der Einleitung thematisiert Kapitel zwei unter dem Titel Geberinteressen und Nehmerbedürfnisse eine Diskrepanz? die Zusammenhänge von Gebern und Nehmern im Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Dabei wird sowohl auf die in jüngerer Zeit immer immenser werdende Kritik an der Entwicklungshilfe bzw. Entwicklungszusammenarbeit (EH/EZ) eingegangen, als auch auf den Unterschied zwischen Großprojekten, Budgethilfe und kleinteiliger Hilfe. Als konkretes Beispiel des Lebensumfeldes der Nehmer, sozusagen also die Bedarfsseite, werden verschiedene Kleinbetriebe im informellen Sektor Nairobis vorgestellt. Das folgende dritte Kapitel mit dem Titel Mikrofinanzierung Eckpunkte eines Erfolgskonzepts zeigt Möglichkeiten auf, wie diese Kleinbetriebe mit wenig finanziellem Aufwand adäquat gefördert werden können. In diesem Zusammenhang wird nach einem kurzen Exkurs zu Finanzsystemen in Afrika auf das Konzept der Mikrofinanzierung eingegangen. Dabei wird zunächst die historische Entwicklung der Idee der Mikrofinanzierung dargestellt, bevor detailliert Angebote und Akteure, aber auch die Zielgruppe für diese Produkte und Programme beschrieben werden. Das letzte Unterkapitel des dritten Kapitels geht auf die Zukunft der Mikrofinanzierung ein und thematisiert den Forschungsstand bzw. -bedarf. Das mit Zur Wirkung von Mikrokrediten und Mikrofinanzierung überschriebene Kapitel vier untersucht vertiefend die Wirkungen, welche von Mikrofinanzierung ausgehen können. Dabei werden einerseits erfolgreiche Beispiele gegeben, welche die Wirkungsweise von Mikrofinanzierung näher verdeutlichen sollen, andererseits wird das kenianische Mikrofinanzsystem näher dargestellt. Im fünften Kapitel mit dem Titel Mikrofinanzierung und Bildung wird das Thema Mikrofinanzierung eingebettet in den für nachhaltige Entwicklung so bedeutsamen Bereich der Bildung. Dabei wird die Dringlichkeit einer Kooperation von Akteuren im Mikrofinanzbereich mit Akteuren des Bildungsbereichs herausgestellt. Ein kurzes sechstes Kapitel unter dem Titel Der Einfluss von Mikrofinanzierung auf die Erreichung der MDGs ergreift nach der Betrachtung der konkreten Situation in Nairobi nochmals eine breitere Ebene und bildet den Übergang zu einer kritischen Evaluation des Mikrofinanzkonzepts im finalen siebten Kapitel, dem Schluss. 5

15 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" Aus Gründen der Praktikabilität werden stets nur die Formen des Maskulinums genutzt. Selbstverständlich sind auch die jeweiligen Feminina hinzu zu assoziieren. Abkürzungen werden lediglich sehr dezent eingesetzt, die entsprechenden Bedeutungen sind dem Abkürzungsverzeichnis auf Seite IV zu entnehmen. Vereinzelt eingebaute Infoboxen geben Hintergrundinformationen zu Themengebieten, die nicht zum engeren Kreis Thema der vorliegenden Arbeit gehören. Methodisch ist diese Arbeit das Ergebnis eines intensiven Literaturstudiums (siehe Kapitel 1.4) und der Resultate einiger Experteninterviews (siehe Kapitel 1.3), aber auch eigener Erfahrungen, welche im Rahmen eines dreimonatigen Aufenthaltes in Kenia, Tansania und Uganda im Frühjahr 2009 gesammelt werden konnten Experteninterviews Ergänzend zum intensiven Studium der Sekundärliteratur und verschiedener Internetquellen wurden im Rahmen der vorliegenden Arbeit verschiedene Experteninterviews geführt. Diese Methode zu wählen bot sich insofern an, da der Zugang zum sozialen Feld schwierig ist (BOGNER/MENZ 2009, S. 8), das heißt, dass empirische Erhebungen oder Interviews vor Ort in Nairobi aus Zeitgründen für das Verfassen von Staatsexamensarbeiten sind lediglich vier Monate vorgesehen nicht möglich waren. Das Ziel lag dabei darin, einen intensiveren Einblick in das Mikrofinanz-Geschäft zu erhalten und die in der Sekundärliteratur dargebotenen Sichtweisen mit den Ergebnissen der Expertengespräche zu verifizieren. Dabei wurde die Auswahl der Interviewpartner ganz bewusst so getroffen, dass Vertreter von im Mikrofinanzwesen tätigen Akteuren aus ganz verschiedenen Richtungen zu Wort kommen, damit ein möglichst objektives Bild entstehen kann. So war es möglich, die Aussagen von Vertretern der deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit in Person von Mitarbeitern des BMZ bzw. der GTZ als Durchführungsorganisation mit den Auffassungen von Vertretern führender NGOs wie WorldVision zu vergleichen. Komplettiert wird der Kreis der interviewten Akteure im Bereich Mikrofinanz durch die Meinungen eines Vertreters des EZ/EH-kritischen Bonner Aufrufs und eines Mitarbeiters der Europäischen Investitionsbank, welche im Bereich MFIF tätig ist. Zudem konnte es gelingen, zwei Mitarbeiter von in Nairobi tätigen MFIs via zu kontaktieren und zu interviewen, was einen konkreten Blick auf die Situation vor Ort erlaubt. Die Interviewpartner mit einer Kurzfassung des Interviews und ihrer Organisationen werden im Folgenden vorgestellt, während die ausführlichen Interviews im Anhang einzusehen sind 6

16 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" ab Seite 199ff.). Stellenweise wird im Verlauf der Arbeit auf im Anhang nachzulesende Interviewauszüge hingewiesen. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Elf Jahre von der Sozialdemokratin Heidemarie Wieczorek-Zeul geleitet, übernahm 2009 der FDP-Politiker Dirk Niebel die Leitung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Bonn. Das Ministerium ist der Ort, wo die Grundlagen der deutschen Entwicklungspolitik erarbeitet werden. Im Sinne des Ministeriums wird Entwicklungszusammenarbeit heute als globale Struktur- und Friedenspolitik verstanden. Sie soll helfen, Krisen und Konflikte friedlich zu bewältigen. Knappe Ressourcen sollen gerechter verteilt und die Umwelt auch für die nächsten Generationen bewahrt werden. Zudem soll die Entwicklungszusammenarbeit einen wichtigen Beitrag leisten, die weltweite Armut zu verringern. In der Abteilung 1 Zentrale Dienste, Zivilgesellschaft, Wirtschaft ist Kim Nguyen Van der stellvertretende Leiter des Referats Wirtschaftspolitik; Finanzsektor, welches Mikrofinanzierung als einen Schwerpunktbereich seiner Arbeit benannt hat. Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH mit Sitz in Eschborn unterstützt die Bundesregierung bei der Durchführung ihrer entwicklungspolitischen Zielsetzungen und setzt sich international für eine nachhaltige Entwicklung ein. Dem obersten Ziel verpflichtet, die Lebensbedingungen der Menschen weltweit zu verbessern, arbeitet die GTZ in 128 Ländern an zukunftsfähigen Lösungen für politische, wirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklungen, insbesondere in Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern. Drei der knapp Mitarbeiter sind Imke Gilmer, Stephanie Hartmann und Achim Deuchert, welche sich mit den Bereichen Mikrofinanzierung/informeller Sektor/Afrika befassen. 7

17 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" Imke Gilmer, Diplom-Politologin mit Bachelor in International Business Administration, arbeitet bei der GTZ im Sektorvorhaben Finanzsystementwicklung in der Abteilung Wirtschaft und Beschäftigung. Stephanie Hartmann studierte Philosophy and Economics und arbeitet bei der GTZ in der Abteilung Wirtschaft und Beschäftigung im Sektorvorhaben Innovative Ansätze der Privatwirtschaft. Achim Deuchert arbeitet für das Programm Making Finance Work for Africa im Sektorvorhaben Finanzsystementwicklung. Detailliert wird in diesem Interview auf die unterschiedlichen Entwicklungen im Bereich Mikrofinanzierung eingegangen und werden mögliche Folgen und Auswirkungen dieser Entwicklungen diskutiert. Auch die Frage, wie der informelle Sektor und dessen Bedeutung bewertet werden sollen, wird angesprochen. Der Bonner Aufruf Kurt Gerhardt ist Mitinitiator des Bonner Aufrufs, der für eine grundlegende Änderung der Entwicklungspolitik eintritt. Er arbeitete von 1968 bis Ende 2007 als Journalist im WDR- Hörfunk, zuletzt in Brüssel als Korrespondent für EU-Politik war er Landesbeauftragter des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) im westafrikanischen Niger. Er gehört zu den Mitbegründern der politischen Initiative Grundbildung in der Dritten Welt und des Vereins Makaranta e.v. zur Förderung der Grundbildung in Afrika. Kurt Gerhardt vertritt die Überzeugung, dass innerhalb von zehn Jahren der Übergang zur ausschließlichen Vergabe von Krediten geschehen muss. Hilfe müsste sozusagen verkauft werden. Gratishilfe, Geschenke soll es nicht mehr geben (vgl. Seite 133). Er plädiert also für eine radikale Änderung der derzeitigen Ausrichtung der EZ/EH. Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft der Entwicklungsländer ist für ihn eine adäquate und qualitativ hochwertige Bildung, welche Kinder und Jugendliche durchaus aus befähigen könne, nach Absolvieren der Schule Mikrofinanz-Dienstleitungen in Anspruch zu nehmen. Eine drohende Gefahr im Mikrofinanzwesen sieht er in der zunehmenden Überfinanzierung dieses Sektors: Es ist in der Geschichte der Entwicklungshilfe überall zu sehen, dass wenn etwas gut zu laufen schien, dass dann von allen Seiten Geber kamen, die Kapital reinpulverten. Weil ja alle Geber die Erfahrung haben, dass es enorm schwierig ist, in rentable und sich selbst tragende Projekte zu investieren. Die wenigen wirklichen Blüten werden überdüngt. Dies ist auch bei den Mikrokrediten so. Ich habe nie wirklich verstanden, warum man da von außen so viel reininvestiert (vgl. Seite 133). 8

18 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" Die Europäische Investitionsbank (EIB) Die Europäische Investitionsbank mit Sitz in Luxembourg erhält ihr Kapital von den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und hat die Aufgabe, die Ziele der Europäischen Union durch die langfristige Finanzierung tragfähiger Investitionen zu fördern. Im Jahre 2009 wurden Projekte mittels Darlehen, technische Hilfe, Garantien oder Mikrofinanzierung unterstützt. Der Großteil der Projekte liegt im Bereich Umwelt- und Naturschutz, Nachhaltige Entwicklung, Energieversorgung, soziale Entwicklung und zukunftsfähiger Wirtschaftsentwicklung. Im Africa, Caribbean and Pacific Department der EIB arbeitet der Ökonom Edvardas Bumsteinas als Investment Officer und betreut den Bereich Mikrofinanzierung. Er hebt besonders das enorme Zukunftspotenzial der Mikrofinanzierung hervor, sofern ein ganzheitlicher und nachhaltig ausgerichteter Ansatz seitens der MFIs verfolgt werde. In diesem Zusammenhang geht er auf die verschiedenen, seitens des EIB entwickelten und finanzierten Fonds zur Unterstützung von MFIs ein. WorldVision Institut/Deutscher Verband für angewandte Geographie e.v. Dr. Andreas Spaeth arbeitet in der Abteilung Mikrofinanzierung des WorldVision Instituts in Friedrichsdorf. WorldVision ist eine weltweit tätige, christlich geprägte NGO, welche sich insbesondere um die Zukunft von Kindern und Jugendlichen in Entwicklungsländern bemüht. Bevor er zu WorldVision kam, arbeitete Dr. Andreas Spaeth knapp zehn Jahre bei der GTZ in Nairobi in den Bereichen Mikrofinanzierung und Nahrungsmittelversorgung. Von 2001 bis 2003 war er erster Vorsitzender des Deutschen Verbands für angewandte Geographie e.v. Seit 2003 ist er Sprecher des Arbeitskreises Entwicklungszusammenarbeit in diesem Verband. 9

19 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" Riverbank Savings and Credit SACCO, Kenya Eine in Nairobi tätige MFI ist Riverbank Savings and Credit, welche 2008 aus einer 2005 gegründeten Selbsthilfegruppe entstanden ist und derzeit einen Formalisierungsprozess beschreitet, sich also in einem Zwischenstadium befindet. Ziel von Riverbank Savings and Credit ist es, arme Menschen zu befähigen, wirtschaftlich tätig zu werden und somit ein investitionsfreundliches Umfeld zu schaffen. Das Gros der 5200 Kunden und Kreditnehmer sind im informellen Sektor tätige Bewohner der Slums von Nairobi. Die durchschnittliche Kredithöhe liegt bei umgerechnet 25,00 US-Dollar. Fabrizio Cavalazzi ist ein ehrenamtlicher Mitarbeiter von Riverbank Savings and Credit. Er gibt insbesondere darüber Auskunft, dass ein enormer Bedarf an Konsumkrediten besteht, da viele Menschen zwar ihren täglichen Lebensunterhalt dank kleiner (Gelegenheits-)Jobs bestreiten können, sie aber nicht über ausreichend Kapital verfügen, um notwendige Einmalausgaben oder -anschaffungen zu tätigen. In diesen Fällen sei dann die Hilfe durch einen Mikrokredit oder die Inanspruchnahme von Spareinlagen sehr sinnvoll. Ein notwendiger Schritt sei mittelfristig die Senkung der hohen Zinsen von bis zu 36 Prozent, allerdings fehle es dafür derzeit an Kapital. DISC Donyo Integrated Sports Center, Kenya Charlie Ochieng ist der Leiter des DISC Donyo Integrated Sports Center, welches vornehmlich im Slum Korogocho im Osten Nairobis arbeitet mit finanzieller und ideeller Hilfe von Freunden in den USA und von der Universität Trier gegründet, ist das ursprüngliche Ziel dieser Organisation, junge Menschen mittels sportlicher und künstlerischer Aktivitäten wie Fußball, Theater, usw. ihre Talente und Begabungen entdecken zu lassen und ihnen Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu vermitteln. Der große Erfolg und Zuspruch innerhalb nur eines Jahres ermutigte den Gründer und Leiter des Zentrums, Charlie Ochieng, im Sommer 2010 ein eigenes Mikrofinanz-Programm zu starten. Zwei Gruppen junger Frauen leiht das DISC-Zentrum das notwendige Startkapital, um eine kleine Bäckerei (Gruppe eins) bzw. einen Obst- und Gemüsestand (Gruppe zwei) zu errichten. 10

20 !"#$%#$&'"(&) *%(&+,"-.& /+' 01-+0&+ 23$ '"& 4/5&+'."01&+ "+ '&+ 6./!6 7%+ +-"$%8" 1.4 Sekundärliteratur Dem Verfassen der vorliegenden Arbeit ging ein ausführliches Studium der Sekundärliteratur voraus. Dabei ist anzumerken, dass sich die Literatur zum Themenfeld Mikrofinanzierung durch Quantität auszeichnet, in vielen Fällen allerdings nicht durch Qualität. Aus einer Fülle vornehmlich englischsprachiger Monographien, Sammelbände und Zeitschriftenaufsätze galt es daher, zutreffende und für die inhaltliche Ausrichtung dieser Arbeit förderliche Publikationen zu filtern. Insbesondere sind in diesem Zusammenhang die Sammelbände Microfinance. A Reader, 2009 herausgegeben von David Hulme und Thankom Arun sowie Microfinance Investment Funds. Leveraging Private Capital for Economic Growth and Poverty Reduction, 2006 herausgegeben von Ingrid Matthäus-Maier und J. D. von Pischke zu nennen, welche in von international renommierten Experten verfassten Beiträgen einen breiten Überblick zum Thema bieten. Im Bereich der Monographien ist die Publikation Mikrofinanz in Entwicklungsländern Hilfe für die Armen? Eine normative Betrachtung. von Nike Lohmann aus dem Jahre 2009 zu nennen, welche das Themengebiet sehr ausführlich behandelt. Fachaufsätze unterschieden sich zwischen rein finanzwissenschaftlich ausgerichteten Abhandlungen, etwa im Journal of Microfinance und einer Fülle eher populärwissenschaftlicher Beiträge. Während erstere aufgrund ihrer zu stark ins finanzwissenschaftliche Detail gehenden Ausrichtung für die vorliegende Arbeit eher unbrauchbar erschienen, lag bei letzteren der Schwerpunkt häufig auf zu wenig fundierten Erzählungen scheinbarer Erfolgsbeispiele aus dem Bereich Mikrokreditförderung. Es kommt hinzu, dass in den wenigsten Fällen seriöse kritische Abhandlungen publiziert wurden. In diesem Bereich sind aber die Aufsätze Cent für Cent gegen die Armut. Das Geschäft auf Kredit. von Roman Pletter, 2010 im Magazin enorm erschienen und Microfinance of Housing in African Cities. A critical Review of Potential Risks and Side Effects. der Bayreuther Geographin Beate Lohnert, 2008 erschienen Trialog Journal for Planning and Building in the Third World. zu nennen. Leider gibt es mit Ausnahme des genannten Fachaufsatzes zum Thema Mikrofinanz kaum Publikationen aus dem geographischen Bereich, obwohl der Bedarf geographischer Forschungen dringend besteht (siehe Kapitel 3.6.7). An verschiedenen Stellen der vorliegenden Arbeit wurde dennoch versucht, geographische Bezüge herzustellen. Publikationen aus dem stadt- und wirtschaftsgeographischen Bereich, aber auch aus dem Bereich der geographischen Entwicklungsforschung der bekannten Geographen Frauke Kraas, 11

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