Mediendienst 2 3. Februar 2011

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1 Mediendienst 2 3. Februar 2011 Die Erfahrungen von Caritas Schweiz mit Mikrokrediten Eine Bank für die Armen muss soziale Ziele verfolgen Alfred Gugler Das Einwanderungspapier der FDP Eine verpasste Chance Bettina Zeugin Der dritte Sektor kann nicht alle Lücken bei den sozialen Dienstleistungen schliessen Mehr freiwilliges Engagement im bedrängten Sozialstaat? Carlo Knöpfel Caritas bietet zusammen mit der Aduno Gruppe neue Angebote zur Schuldenberatung Starke Partnerschaft gegen die Überschuldung Jürg Gschwend Der Mediendienst der Caritas Schweiz ist ein Angebot mit Hintergrundtexten zur freien Verwendung. Für Rückfragen stehen die Autorinnen und Autoren gerne zur Verfügung. Download als PDF unter (nicht öffentlich zugänglich)

2 - 2 - Die Erfahrungen von Caritas Schweiz mit Mikrokrediten Eine Bank für die Armen muss soziale Ziele verfolgen Im indischen Teilstaat Andhra Pradesh sollen sich 30 überschuldete Kunden und Kundinnen von Mikrokreditbanken aus Furcht vor den Geldeintreibern das Leben genommen haben. Dabei war doch bisher unbestritten, dass Kleinstkredite den Armen helfen, sich aus ihrer Misere zu befreien. Die Erfahrungen von Caritas Schweiz zeigen, dass Mikrofinanz-Institute gemeinnützige Ziele verfolgen sollten und sie am besten funktionieren, wenn die Kreditnehmenden gleichzeitig ihre Eigentümer sind. Die Mikrokreditbranche hat in den letzten Jahren einen starken Aufschwung erlebt. Es gibt mittlerweile weltweit mehr als Mikrokreditinstitutionen, die Kleinstkredite im Umfang von über 60 Mrd. Schweizer Franken vergeben. In einigen Ländern wie etwa Indien oder Bangladesch boomt die Branche derart, dass gewisse Finanzinvestoren bereits das grosse Geschäft wittern. Sie betrachten Mikrokreditbanken als neue Anlagegefässe, die überdurchschnittlich hohe Renditen abwerfen. Das Problem der dramatischen Überschuldung von Kreditnehmenden tritt eher in städtischen Gebieten auf, wo zahlreiche Kreditinstitute um Kunden wetteifern. Als Folge davon werden die Kreditanträge zum Teil nicht mehr genau geprüft, und Schuldner erhalten gleichzeitig Kredite von mehreren Mikrobanken. Werden aber neue Kredite zur Tilgung von ausstehenden Zahlungen und nicht für produktive Investitionen verwendet, wird der Schuldner früher oder später zahlungsunfähig. Mikrokredite kein Allheilmittel gegen Armut In vielen Regionen des Südens vorab auf dem Land hat die arme Bevölkerung keinerlei Zugang zu Finanzdienstleistungen. Oft gibt es weit und breit keine Banken oder, falls doch eine vorhanden ist, vergibt sie keine Kredite an die Armen. In solchen Fällen kann ein Mikrokreditinstitut eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region spielen. Freilich können Kleinkredite allein das Armutsproblem nicht lösen. Denn für absolut arme Menschen, die über keinerlei Ersparnisse, kein Land und keine Bildung verfügen, sind Kredite kein geeignetes Mittel. Für Caritas Schweiz ist die Förderung von Mikrofinanz-Projekten nur eine Ergänzung zu anderen Unterstützungsmassnahmen: Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion, Zugang zu Trinkwasser, Förderung der Menschenrechte und des Friedens, Klimaschutzmassnahmen usw. Zahlreiche Projekte der ländlichen Entwicklung umfassen indes auch eine Spar- und Kreditkomponente, meist in Form von kleinen, autonomen und in den betreffenden Dorfgemeinschaften verankerten Dorfbanken und Selbsthilfegruppen. Grosse, regional ausgerichtete Mikrofinanzinstitutionen unterstützt Caritas Schweiz nur noch im Ausnahmefall. Mikrokredite sollten soziales Unternehmertum sein. Sie dürfen nicht in den Ruf lukrativer Renditen für Kapitalanleger kommen, sagt der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Der Mann weiss, wovon er spricht: er ist der Gründer einer der weltweit grössten Mikrofinanzbanken, der Grameen Bank in Bangladesch, die auch Bank der Armen genannt wird.

3 - 3 - Diesem Grundsatz haben sich auch die Mikrofinanz-Partner von Caritas Schweiz verschrieben. Das erklärte Ziel der von Caritas vorab im Sahelstaat Tschad unterstützten Spar- und Leihkassen ist es, der armen Bevölkerung angepasste Finanzdienstleistungen anzubieten. Damit soll ihre wirtschaftliche und soziale Situation verbessert werden. Diese Ziele sind nicht leerer Buchstabe, ihre Umsetzung wird überprüft. So hat etwa der Partner UCEC (Union der Spar- und Kreditkassen der Region Mayo-Kebbi) im Tschad eine unabhängige Studie über die Zufriedenheit seiner Kundschaft mit seinen Dienstleistungen durchführen lassen. Und die alle paar Jahre stattfindenden Ratings (Bonitätsprüfungen) beurteilen nebst der finanziellen Situation auch die Erreichung der sozialen Ziele der Institution. Caritas Schweiz konzentriert ihre Aktionen im Bereich der Mikrofinanz vorab auf arme, ländliche Gebiete, wo noch kein Angebot an Finanzdienstleistungen besteht. Daher ist das Risiko klein, dass sich die Mitglieder der betreffenden Spar- und Leihkassen zu stark verschulden. Es ist ihnen kaum möglich, gleichzeitig mehrere Kredite aufzunehmen. Die Kasse sind wir Die von Caritas unterstützten Mikrofinanzsysteme sind in der Regel autonome Selbsthilfegruppen oder genossenschaftlich organisierte Spar- und Kreditkassen. Dies bedeutet, dass die Mitglieder die Eigentümer und Eigentümerinnen der Kassen sind. Sie bestimmen also letztlich selbst über die Kreditvergabe-Politik. Zudem verleihen die Kassen im Wesentlichen die Ersparnisse ihrer eigenen Mitglieder. Externe Gelder, wie etwa Kreditlinien von lokalen Geschäftsbanken, fliessen nur in beschränktem Umfang und lediglich als Ergänzung zu den eigenen Ersparnissen ins System. Dieses Prinzip führt zu vorsichtiger Kreditvergabe und verhindert Übertreibungen: Wer sein eigenes Geld ausleiht, hat alles Interesse daran, dass es wieder zurückkommt. Ausserdem können nur Mitglieder der jeweiligen Kasse einen Kredit aufnehmen, der überdies durch eigene Ersparnisse auf einem Sperrkonto teilweise abgesichert sein muss. Alle diese Vorsichtsmassnahmen führen dazu, dass die Rückzahlungsquoten der von Caritas geförderten Kassennetze mindestens 95% betragen. Erwirtschaftet die Sparkasse Überschüsse, so werden diese nicht an irgendwelche Kapitalgeber verteilt, sondern sie fliessen in die Reserven oder werden in die Modernisierung der Kasse investiert. Dies macht diese Einrichtungen unattraktiv für kommerzielle Investoren, die nur auf Rendite aus sind. Mikrokredit ist nicht Wucher Oft wird gesagt, Mikrokreditinstitute praktizierten Wucherzinsen. Tatsächlich sind die Zinsen für Kleinstkredite hoch: Gewöhnlich liegen sie bei rund 2 Prozent pro Monat. Das ergibt einen Jahreszins von 24 Prozent. Mikrobanken müssen jedoch solche Zinsen verlangen, da sie sonst ihre Kosten nicht decken können. Denn nebst dem hohen Aufwand für die Verwaltung von Tausenden von Mikrokrediten von teilweise nur wenigen Hundert Franken fallen auch noch namhafte Risikokosten in Form von Rückstellungen für Kreditausfälle an. Will eine Mikrokreditinstitution längerfristig von Subventionen unabhängig sein und nachhaltig funktionieren können, hat sie keine andere Wahl, als solche Zinsen zu verlangen. Und für die arme Bevölkerung, die auf Kredite angewiesen ist, besteht die einzige Alternative oft im lokalen Geldverleiher, der vielleicht auch etwa 20 Prozent Zins verlangt pro Monat. Alfred Gugler, Programmverantwortlicher Tschad, Tel

4 - 4 - Das Einwanderungspapier der FDP Eine verpasste Chance Die FDP wählt mit ihrer Positionierung zur Einwanderung den Weg der Repression. Wieder hat es die Mitte verpasst, Migration im grösseren Zusammenhang zu betrachten und den Blick auch nach aussen zu richten. Der Massnahmenkatalog zur Einwanderungspolitik der FDP ist eine Aufzählung teils alter, teils neuer repressiver Massnahmen. Insbesondere beruflich wenig qualifizierte Drittstaatsangehörige werden als unerwünscht eingestuft. Um deren Einwanderung zu verhindern, will die FDP die Grenzen des Rechtssystems ausloten. Ausländerfeindliche Stimmungsmache Obwohl die FDP betont, dass sie gegenüber der Einwanderung von qualifizierten Personen aus der EU positiv eingestellt sei, orientiert sich das Papier einzig an zum Teil herbeigeredeten Schwierigkeiten mit der Einwanderung. So werden Bedrohungsszenarien vom vollen Boot heraufbeschworen, und Einwanderung wird mit Missbrauch und Drogenhandel gleichgesetzt. Den Behörden wird Nachlässigkeit und mangelndes Know-how im Migrationsbereich vorgeworfen. Mit der Umdrehung des bekannten Fördern und Fordern in Fordern und Fördern unterstellt die FDP, dass Zugewanderte nur mit Forderungen und unter Zwang zur Integration bereit seien. Über die Förderung der Chancengleichheit findet sich hingegen kein Wort. Diese Orientierung an den Defiziten zeichnet ein einseitiges Bild. Die geforderten Massnahmen lösen keine Probleme, sondern schüren die Ausländerfeindlichkeit. Ein Blick auf die Welt ist nötig Migrationsbewegungen können heute nicht mehr nur aus nationalstaatlicher Sicht betrachtet werden. Genauso wie Wirtschafts- und Handelsabkommen global verhandelt und umgesetzt werden, sind auch Migrationsbewegungen auf internationaler Ebene zu diskutieren und vor dem Hintergrund der Menschenrechte zu regeln. Im Einwanderungspapier der FDP wird diese globale Perspektive nicht aufgegriffen. Die FDP fordert lediglich, dass Zahlungen an Staaten, die im Bereich der Rückübernahme von Staatsangehörigen nicht kooperieren, eingestellt werden sollen. Migrationsaussenpolitik als Chance Im Ausländergesetz ist das Instrument der Migrationspartnerschaft verankert. Dieses bietet dem Bund die Möglichkeit, bilaterale oder multilaterale Abkommen zu schliessen, um die Zusammenarbeit im Migrationsbereich zu stärken und irreguläre Migration und deren problematischen Folgen zu mildern. Derselbe Artikel erlaubt auch die Zulassung von Arbeitskräften aus Drittländern. Derzeit wird das

5 - 5 - Instrument der Migrationspartnerschaft in der Schweiz sehr restriktiv ausgelegt. Die unterzeichneten Abkommen drehen sich um den Ausbau des Grenzschutzes und die Rückübernahme von Staatsangehörigen. Eine echte Partnerschaft beinhaltet jedoch auch das Eintreten auf die Interessen des Partners. Schwellen- und Entwicklungsländer sind darauf angewiesen, dass die Migration ihrer Staatsangehörigen in die OECD-Staaten legal erfolgen kann. Über Massnahmen wie die temporäre Arbeitsbewilligungen für Gesundheitspersonal, die Vereinfachung von Geldrücküberweisungen und auch Massnahmen zur Reintegration nach der Rückkehr ins Herkunftsland findet auf internationaler Ebene ein reger Austausch statt. Ziel ist es, dass Migration auch für Schwellen- und Entwicklungsländer positive Effekte hat. Diskussionen über Lösungsansätze sind nötig Die Schweiz engagiert sich auf internationaler Ebene in verschiedenen Gremien, um Lösungsvorschläge für die Migrationsprobleme des 21. Jahrhunderts zu entwickeln. Caritas Schweiz begrüsst dieses Engagement. Diese Diskussionen sind schwierig, da die Interessen der unterschiedlichen Akteure in einzelnen Fragen weit auseinander gehen. Es wäre klug und weitsichtig, in unserem Land Debatten über die unterschiedlichen Interessen und Lösungsansätze zu führen. Damit könnte auch den in der Bevölkerung vorhandenen Ängsten vor der Zuwanderung begegnet werden. Denn das einseitige Schüren von Ausländerfeindlichkeit aus parteipolitischem Interesse führt langfristig mit Sicherheit in die Sackgasse. Bettina Zeugin, Leiterin Fachstelle Migrationspolitik, Tel:

6 - 6 - Der dritte Sektor kann nicht alle Lücken bei den sozialen Dienstleistungen schliessen Mehr freiwilliges Engagement im bedrängten Sozialstaat? Wie sähe die Schweiz ohne freiwilliges Engagement aus? Fast alle gesellschaftlichen Bereiche profitieren von der unbezahlten Arbeit viele Männer und Frauen: Politik und Verwaltung, der Sport, die Kultur, der Umweltschutz, die Kirchen, dar Gesundheitssektor, das Sozialwesen. Es erstaunt darum nicht, dass immer wieder ein Hohelied auf das Benevolat gesungen wird, besonders heute im Europäischen Freiwilligenjahr Gerade darum aber ist ein kritischer Blick auf die Freiwilligenarbeit im Sozialstaat angebracht. Welche Bedeutung kommt der Freiwilligenarbeit im Sozialstaat zu? Sie nimmt erstens eine Frühwarnfunktion wahr, immer dann, wenn sich Freiwillige um soziale Fragen kümmern, für die der Sozialstaat (noch) kein Gehör hat. Die Freiwilligenarbeit muss zweitens Lückenbüsserin spielen, überall dort, wo sich der Sozialstaat nicht engagiert oder gar zurückzieht. Und schliesslich kann die Freiwilligenarbeit drittens und am häufigsten auch eine Ergänzung zu den sozialen Dienstleistungen des Sozialstaats sein, in quantitativer und qualitativer Hinsicht. Die Nachfrage, aber auch das Angebot an sozialen Dienstleistungen steigt seit einigen Jahren deutlich an. Der gesellschaftliche Wandel selber provoziert einen wachsenden Bedarf an Beratung, Begleitung und Betreuung. Kommt dazu, dass in den letzten fünfzehn Jahren die Zahl jener Menschen, die auf Hilfe vom Sozialstaat angewiesen sind, deutlich angestiegen ist. Die Sockelarbeitslosigkeit steigt von Konjunkturzyklus zu Konjunkturzyklus, die Zahl der psychisch Kranken in der Invalidenversicherung hat massiv zugenommen und die Fallzahlen in der öffentlichen und privaten Sozialhilfe steigen seit Jahren langsam, aber kontinuierlich an. Die prekäre Lebenslage der Hilfesuchenden ist durch eine Vielzahl von Schwierigkeiten gekennzeichnet: Zu Problemen am Arbeitsplatz kommen finanzielle Notlagen, zu gesundheitlichen Einschränkungen Spannungen in der Familie, zu den beengten Wohnverhältnissen kaum zu bewältigende Schuldenlasten. Sprachprobleme und geringe Schulbildung, wenig berufliche Qualifikationen und eine geringe Zukunftsorientierung machen die Überwindung dieser schwierigen Lebenssituation nicht einfacher. Diese Menschen und ihre Familien sind auf eine ganze Reihe von sozialen Dienstleistungen angewiesen. Neue sozialpolitische Zielsetzungen Es kann darum nicht überraschen, wenn Forderungen nach einem weiteren Ausbau des Sozialstaates laut werden. Neben der mengenmässigen Ausdehnung der benötigten sozialen Dienstleistungen werden neue sozialpolitische Zielsetzungen betont. Die soziale und berufliche Integration rückt neben der Existenzsicherung ins Zentrum der sozialstaatlichen Anstrengungen. In der Familienpolitik wird die Vereinbarkeit von Kinderbetreuung, Pflege von Familienangehörigen, Erwerbsarbeit und Karriere thematisiert. In der interinstitutionellen Zusammenarbeit zwischen den Sozialversicherungen und der Sozialhilfe werden neue Formen der Fallbearbeitung gefördert. Besonders gefordert sind dabei die Kantone, die grossen Städte und die Agglomerationsgemeinden, die ihr Angebot an sozialen Dienstleistungen weiter ausbauen müssen. Welche Bedeutung kommt der Freiwilligenarbeit in dieser Entwicklung zu?

7 - 7 - Die Antwort liegt auf der Hand. Der organisierten wie der informellen Freiwilligenarbeit wird oft und gerne eine entlastende Funktion zugeschrieben. Im bedrängten Sozialstaat wird an die sozialen Organisationen appelliert, zusammen mit Freiwilligen mehr soziale Aufgaben zu übernehmen. Ausmass des freiwilligen Engagements stagniert Die Entwicklung der organisierten Freiwilligenarbeit der letzten Jahre in der Schweiz zeigt eine erstaunliche Konstanz. Seit Mitte der Neunziger Jahre hat sich das Ausmass des freiwilligen Engagements, insbesondere im sozialen und kirchlichen Bereich kaum verändert. Dabei hat sich aber auch das geschlechtsspezifische Muster nicht verändert. Deutlich mehr Frauen als Männer geben an, dass sie sich im karitativen Feld freiwillig engagieren. Und wenn sich Männer hier freiwillig engagieren, dann sehr häufig ehrenamtlich, während Frauen in der Regel ausführende Aufgaben wahrnehmen. Dieses geschlechtsspezifische Muster setzt sich im informellen Segment der Freiwilligenarbeit fort und zeigt sich schliesslich bekanntermassen auch in der Aufteilung der Hausund Familienarbeit zwischen Frau und Mann. Unbezahlte soziale Arbeit ist noch immer primär Frauenarbeit. Ist dies für das freiwillige Engagement im sozialen Bereich eine gute oder eine schlechte Botschaft? Erstaunen erzeugen solche Erkenntnisse mit Blick auf die steigende Erwerbsquote der Frauen. Offenbar hat die damit knapper werdende Zeit, die für ein freiwilliges Engagement zur Verfügung steht, noch nicht zu einem breiten Rückzug der Frauen aus dieser Form der unbezahlten Arbeit geführt. Dies deckt sich mit der empirischen Beobachtung, dass nicht etwa Personen mit einen grossen Ausmass an verfügbarer Zeit sich besonders häufig freiwillig engagieren, sondern vielmehr Menschen, die sonst schon durch Beruf und Familie zeitlich stark beansprucht werden. Ob dies in den nächsten Jahren angesichts des wachsenden Anteils alleinerziehender Frauen zum einen und vollzeitlich erwerbstätiger Frauen zum anderen so bleiben wird, ist fraglich. Bis heute ist es zudem offenbar nicht gelungen, mehr Männer für ein verstärktes familiäres und soziales Engagement zu gewinnen. Die Frage, wie Familie, freiwilliges Engagement, Erwerbsarbeit und Karriere zu vereinbaren sind, ist und bleibt bis auf weiteres leider eine Frauenfrage. Damit aber stösst die Freiwilligenarbeit in karitativen Organisationen an strukturelle Grenzen, die kaum zu überwinden sein werden. Die Stagnation des freiwilligen Engagements im sozialen Bereich kontrastiert mit dem wachsenden Bedarf an sozialen Dienstleistungen. Wenn die öffentliche Hand hier nicht mehr beliebig expandieren und der dritte Sektor auch nicht alle Lücken schliessen kann, dann bleibt nur noch eine Option offen: Soziale Dienstleistungen werden vermehrt über den Markt angeboten und die Nachfrage danach wird infolgedessen über den Preis gesteuert. Jenen, die sich diese sozialen Dienstleistungen nicht mehr leisten können, droht ein Mangel an Hilfestellungen. Carlo Knöpfel, Leiter Bereich Inland und Netz, Caritas Schweiz, Tel Eine ausführliche Version dieses Beitrags findet sich unter dem Link:

8 - 8 - Caritas bietet zusammen mit der Aduno Gruppe neue Angebote zur Schuldenberatung Starke Partnerschaft gegen die Überschuldung Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten finanzieren ihre Ausgaben auf Kredit. Das ist besonders dann ein Risiko, wenn Krankheit, Scheidung oder Arbeitslosigkeit Löcher in das Budget reissen. Mit der Aduno Gruppe hat Caritas Schweiz eine starke Partnerin im Kampf gegen die Überschuldung und deren Folgen gefunden. Der Trend, Konsum und Güter mittels Konsumkredite, Kredit- und Kundenkarten zu bezahlen, wird immer stärker. Zwecks Vermeidung von Überschuldungssituationen sind die Finanzdienstleister gesetzlich verpflichtet, vor der Vergabe eines Konsumkredites oder des Abschlusses eines Leasingvertrags eine Kreditfähigkeitsprüfung durchzuführen. Wie die Erfahrungen in der Schuldenberatung zeigen, kann allerdings auch eine noch so exakte Kreditfähigkeitsprüfung nicht verhindern, dass Personen bei Ereignissen wie Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Scheidung in ernsthafte Schuldenprobleme geraten. Caritas engagiert sich gegen die Überschuldung Studien aus dem Ausland belegen, das Schulden krank machen. Schuldenprobleme wirken sich aber auch negativ auf das Selbstwertgefühl, die Familie, den Beruf und die gesellschaftliche Integration aus und sind ein grosses Armutsrisiko. Daher bieten die Regionalen Caritas-Stellen seit vielen Jahren überschuldeten Menschen Schuldenberatung an. Die von Caritas praktizierte Integration der Schuldenberatung in die umfassendere Sozialberatung erlaubt es, mit den Betroffenen neben den Schulden auch soziale und familiäre Probleme zu bearbeiten. Und über Projekte wie das Mentoringprogramm incluso, mit welchem Schulabgängerinnen und Schulabgänger von erfahrenen Berufsleuten bei der Lehrstellensuche betreut werden oder Sozialfirmen, wo Personen durch Arbeit ihre Arbeitsmarktfähigkeit und ihr Selbstvertrauen stärken können, unterstützt die Caritas Jugendliche und junge Erwachsene bei der erfolgreichen Bewältigung von kritischen Übergängen (Schule Berufsbildung Arbeitsmarkt). Der Caritas-Markt mit günstigen Lebensmitteln und die KulturLegi mit Rabatten auf Freizeitangeboten helfen Familien schliesslich, schwierige finanzielle Situationen besser zu meistern. Caritas leistet mit ihrer Projektarbeit somit einen wirkungsvollen Beitrag zur Verhinderung und Behebung von Überschuldung. Schuldenberatung bedeutet für die Betroffenen eine grosse Erleichterung und hilft der öffentlichen Hand Kosten zu sparen. Gleichwohl tut man sich schwer, die Schuldenberatungsstellen mit öffentlichen Mitteln ausreichend zu finanzieren. Die Folgen sind unzureichende Beratungskapazitäten bei den Schuldenberatungsstellen. Nationales Projekt zur Stärkung der Schuldenprävention und -beratung Die Caritas Schweiz ist Ende 2009 mit der Aduno Gruppe und der Pro Juventute unter dem Namen Plan B eine langjährige Kooperation eingegangen und zeichnet sich für folgende Teilprojekte verantwortlich:

9 Die Webseite richtet sich primär an Betroffene und bietet Informationen in zehn Sprachen, Onlineberatung, Budget- und Schuldentest, Geldtipps, Merkblätter und Musterbriefe sowie Adressen von Schuldenberatungsstellen in den Kantonen. Ergänzt wird das Angebot mit der Möglichkeit, online einfache Fragen zu Schuldenproblemen zu stellen. Schulung und Prävention In der ganzen Schweiz werden Kurse für Erwachsene zum Thema Schulden vermeiden, Umgang mit Schulden durchgeführt. Zielgruppe sind Migrantinnen und Migranten, die aufgrund sprachlicher und kultureller Barrieren schwierig erreichbar sind. Telefonische Beratungshotline SOS Schulden Die neue Hotline SOS Schulden ist gratis und kann anonym in Anspruch genommen werden, da der Schritt in eine Schuldenberatung viele Betroffene grosse Überwindung kostet. Besonders das Wissen darum, dass man seine Identität preisgeben und sehr persönliche Angaben offenlegen muss, kann abschreckend wirken. Da es aus Sicht des Beratungserfolges jedoch wichtig ist, dass sich Betroffene frühzeitig beraten lassen, werden solche Hürden bei SOS Schulden so tief wie möglich gehalten. Caritas will zudem gezielt eine seriöse Alternative zu Angeboten von dubiosen Schuldensanierern bieten, die über Kleinanzeigen verschuldete Personen anwerben und oft viel Geld für unzureichende Leistungen verlangen. Die nationale Gratisnummer ist seit 3. Januar 2011 von Montag bis Donnerstag von bis Uhr erreichbar. Persönliche Schuldenberatung Die Beratungskapazitäten der im Dachverband Schuldenberatung zusammengeschlossenen Beratungsstellen sind von rund 58 Vollzeitstellen auf 64 (plus rund 10 Prozent) erhöht worden. Beim Ausbau wurde der Fokus auf Regionen gelegt, welche bisher nicht oder unterversorgt waren. Kooperation mit der Aduno im Rahmen von Corporate Responsibility Die Kooperation erfolgt im Rahmen der Corporate Responsibility-Aktivitäten der Aduno Gruppe. Die Aduno Gruppe gehört Schweizer Retailbanken wie Kantonalbanken, Raiffeisen Gruppe, Regionalbanken, Migros Bank, Bank Coop sowie Handels- und Privatbanken und besteht aus den folgenden drei Dienstleistern: Viseca Card Services (Kredit- und PrePaid-Karten), Aduno Payment Services (Zahlungsterminals und Dienstleistungen für die Verkaufspunkte) und Casghate (Privatkredit und Leasing). Die Caritas ist die Kooperation mit der Aduno eingegangen, weil sie soziale Probleme gemeinsam mit anderen gesellschaftlichen Akteuren dazu gehören besonders auch die Unternehmen lösen will. Die Aduno engangiert sich im businessnahen Bereich und leistet damit einen wichtigen und glaubwürdigen Beitrag zum Umgang mit Geld, Schulden und Überschuldung und zur Förderung der Finanzkompetenz von besonders gefährdeten sozialen Gruppen. Jürg Gschwend, Leiter Fachstelle Schuldenberatung der Caritas Schweiz, , Tel

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