simon mason Die Quigleys obenauf

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2 Drinnen mit Papa Die Quigleys wohnen in einem ziemlich kleinen Haus. Das ist nicht so schlimm. Man kann in kleinen Häusern Dinge tun, die in großen nicht gehen. Im Haus der Quigleys kann man, wenn man richtig zielt, ein Papierflugzeug im hinteren Zimmer losfeuern und jemanden treffen, der gerade vorn in der Diele telefoniert. Man kann auf halber Höhe der Treppe losspringen und vor der Haustür landen, ohne sich wehzutun und ohne die Bodenbretter nennenswert zu beschädigen. Und das Beste ist, man kann sich überall im Haus Gehör verschaffen, ohne von der Toilette aufstehen zu müssen. Mama und Papa sahen das nicht immer so. Papa meinte ab und zu, das Haus sei zu klein. Eines Tages fragte er Lucy und Will, ob sie gern in ein größeres Haus umziehen würden.

3 kinderbuch»gefällt dir dieses Haus nicht?«, fragte Lucy.»Na ja, Pudel, ich glaube, wir brauchen mehr Platz.Warum?Na ja. Ihr werdet größer. Und wilder. Und ihr seid viel mehr immer und überall als früher. Das Problem bei kleinen Häusern ist, dass man sich darin gut benehmen muss, damit die anderen nicht taub werden oder sich die Beine brechen.was für eine Art größeres Haus meinst du denn?«, fragte Will. Will interessierte sich immer für die praktischen Einzelheiten. Mama sagte, eins mit mehr Zimmern und einem größeren Garten.»Wäre dann ein Baumhaus in dem Garten?Das weiß ich nicht. Vielleicht. Aber du und Lucy, ihr könntet jeder ein eigenes Zimmer haben.kriegen wir auch Fernseher in die Zimmer?Na ja, mal sehen.können wir dann im Wohnzimmer Kampfsport machen?will, wir reden hier von einem neuen Haus und nicht von einem Sport- und Freizeitpark.«Willy und Lucy versprachen, sich die Sache zu überlegen. Abends lagen sie wach im Bett und überlegten sich die Sache.»Sie haben gesagt, wir können eigene Zimmer haben. Möchtest du ein eigenes Zimmer?Ich weiß nicht. Möchtest du?ich weiß es auch nicht.«da lagen sie also und wussten es nicht. Endlich sagte Will:»Wenn du dein eigenes Zimmer hät-

4 test, könntest du ganz viel rosa Kram darin stehen haben. Solchen Kram, wie ich ihn nicht erlaube. Das wäre nett für dich.«lucy stimmte zu.»und du könntest die Musikanlage gleich neben dem Bett stehen haben.«will setzte sich auf.»und meine elektrische Gitarre.«Lucy sagte:»du hast doch gar keine elektrische Gitarre.Nein, aber ich könnte für mein neues Zimmer eine bekommen. Wenn du ein neues Haus hast, dann musst du auch neue Dinge kaufen, die du da reinstellen kannst, das ist doch logisch. Ich meine, was solltest du sonst mit dem ganzen Platz anfangen?«er legte sich wieder hin.»eine elektrische Gitarre in einem Gitarrenkasten. Und meinen eigenen Computer auf einem Tisch unter dem Fenster. Und Sicherheitskameras über der Tür, damit ich weiß, wer kommt und ob er mit guten Absichten kommt.«das klang schon besser. Er ließ sich zurücksinken und Lucy hörte, wie er seufzte, und bald schliefen sie beide ein und dachten an die neuen Dinge, die sie in ihre neuen Zimmer in ihrem neuen, größeren Haus stellen könnten. ( ) Lucy und Will besuchten Timothy, Elizabeth und Schnüffelnase, ihre besten Freunde, die gleich in der Nähe wohnten. Die Peacheys hatten ein Haus wie die Quigleys, aber zwei Häuser weiter, und dazwischen stand noch ein Haus. Dieses Haus gehörte jemandem, der»der Dummbatz«genannt wurde. Sie setzten sich in den Garten der Peacheys, tranken Saft und quatschten.»wisst ihr was?«, fragte Will.»Wir ziehen in ein größeres

5 kinderbuch Haus um.«er grinste.»mit neuen Sachen für unsere Zimmer.«Lucy grinste ebenfalls.»und einem neuen Wohnzimmer, das groß genug zum Radschlagen ist.«beide grinsten. Aber Elizabeth, Timothy und Schnüffelnase grinsten nicht.»wo zieht ihr denn hin?«, fragt Elizabeth.»Das wissen wir nicht. Warum?Na, wenn ihr wegzieht, können wir uns nicht mehr so oft treffen.«will und Lucy hörten auf zu grinsen. Plötzlich wurde ihnen klar, was ein Umzug bedeuten würde. Bisher waren sie so aufgeregt wegen des Baumhauses und der neuen Sachen gewesen, dass sie das mit dem»wegziehen«beim Umziehen ganz vergessen hatten.»selbst, wenn ihr nicht sehr weit wegzieht«, sagte Elizabeth,»können wir trotzdem nicht mehr so einfach beieinander reinschauen.wir können auch keine Unkrautschmeißspiele mehr zwischen unseren Gärten machen, so wie jetzt«, sagte Schnüffelnase.»Und wir können nicht mehr aus unserem Garten klettern und über das Schuppendach vom Dummbatz in euren Garten kriechen und vom Dummbatz angeschrien werden«, sagte Tim. Lucy war außer sich.»ich hab s mir anders überlegt«, sagte sie.»ich will doch nicht in ein größeres Haus umziehen. Ich will hier bleiben in unserer Straße.«Will nahm ihre Hand, obwohl sie andere dabei sahen. Auch er war traurig.»ich war einfach zu sehr mit den neuen

6 Sachen beschäftigt«, sagte er traurig. Und das stimmte. Die letzten Tage hatte er nur an das neue Haus gedacht. Jetzt dachte er an das alte Haus. Das war zwar klein, aber es war schön. Ihm fiel ein, wie gut es ihm gefiel. Ihm gefielen die Rosensträucher im Garten vor dem Haus, obwohl sie nach Katze stanken, und ihm gefiel das Wohnzimmer, auch wenn es haarscharf zu klein zum Radschlagen war. Es gefiel ihm sogar, mit Lucy das Zimmer zu teilen. Und vor allem gefiel es ihm, in der Nähe von Elizabeth, Timothy und Schnüffelnase zu wohnen.»ich will auch nicht umziehen«, sagte er.»aber das Problem ist«, sagte er und seufzte,»dass Mama und Papa das wollen.na dann«, sagte Schnüffelnase,»dann müsst ihr sie davon abbringen. Meine Eltern wollen immerzu irgendwas und ich bringe sie davon ab.meistens helfe ich dabei, sie davon abzubringen«, sagte Tim.»Aber die Anzeige war schon in der Zeitung«, sagte Will.»Und Papa will ein Zu verkaufen-schild aufstellen und dann kommen Leute, um sich das Haus anzusehen. Es ist zu spät.man kann immer irgendwas tun, um Eltern von irgendwas abzubringen«, sagte Schnüffelnase energisch.»auch, wenn es schon spät ist.«lucy wischte sich mit dem Ärmel das Gesicht ab.»was denn?«, fragte sie. Und dann fingen sie an zu beraten. ( )

7 kinderbuch Als die ersten Leute zur Besichtigung kamen, hatte Papa eine schlimme Erkältung.»Du musst sie herumführen«, sagte er zu Mama. Aber Mama erinnerte ihn daran, dass sie zu einem Kurs musste. Papa war verzweifelt.»aber ich sollte im Bett liegen, statt Leute herumzuführen.die Kinder helfen dir«, sagte Mama.»Sorg nur dafür, dass sie sich gut benehmen.«( ) Sie zeigten dem Mann und der Frau das Wohnzimmer, das Gästezimmer, das Arbeitszimmer und ihr eigenes Zimmer und für ziemlich lange Zeit ein neues Tischfußballspiel, das sie gerade bekommen hatten. Lucy und Will schlugen den Mann und die Frau 8 : 3. Es war ein wenig kühl, weil die Heizung ausgegangen war, aber Will zeigte, wie Papa sie wieder einschaltete, indem er mit dem Absatz gegen genau die richtige Stelle knallte.

8 »Er brüllt immer dabei«, sagte er.»aber Sie brauchen nicht zu brüllen, wenn Sie nicht wollen«, fügte er höflich hinzu. Der Mann fragte, ob sie jetzt den Garten noch sehen könnten, und sie gingen alle wieder nach unten, durch das hintere Zimmer und auf die Veranda.»Gut, dass Sie im Frühling kommen«, sagte Will.»Im Winter ist hier immer alles überschwemmt.und was ist das da oben?«, fragte die Frau.»Ach, das ist nur die eine Seite der Abflussrohre. Aber gehen Sie da lieber nicht hin. Der Abfluss ist immer verstopft und es riecht nicht sehr gut. Deshalb lassen wir das Küchenfenster immer zu.«der Mann und die Frau beschlossen, dass sie nicht mehr zu sehen brauchten.»aber was ist nun mit Ihren Fragen?«, fragte Will.»Falls Sie welche haben.«der Mann und die Frau sagten, sie hätten keine Fragen mehr, die Kinder hätten ihnen alles erzählt, was sie wissen müssten. Nachdem der Mann und die Frau gegangen waren, sagte Lucy:»Das hast du gut gemacht, wie du ihnen alles erzählt hast, Will.«Will runzelte die Stirn.»Aber es ist schon komisch«, sagte er.»am Ende schienen sie das Haus doch nicht mehr zu wollen.«sei dachten beide eine Weile darüber nach.»ich glaube, es hat ihnen nicht gefallen, dass du gesagt hast, wie oft der Garten überschwemmt ist«, sagte Lucy end-

9 kinderbuch lich.»oder dass du gesagt hast, dass das Licht dauernd ausgeht und dass man in den Schrank unter der Treppe kriechen muss, um es wieder anzukriegen.da hast du Recht«, sagte Will.»Weißt du, was ich glaube? Ich glaube, ich hab sie weggeekelt. Aus Versehen, meine ich.«er seufzte.»ich glaube nicht, dass sie unser Haus noch kaufen wollen.«sie schwiegen wieder eine Weile.»Was passiert«, fragte Lucy dann,»wenn du alle wegekelst? Bedeutet das, dass dann niemand unser Haus kauft?«will starrte sie an. Er machte plötzlich ein seltsames Gesicht. Es war irgendwie überrascht und listig zugleich und er sah damit leicht verrückt aus.»wenn ich alle wegekele«, sagte er langsam,»dann brauchen wir nicht umzuziehen.«nun machte auch Lucy dieses überraschte, listige, leicht verrückte Gesicht.»Es wäre nicht gelogen«, sagte Will rasch.»wir wären höflich und sympathisch und hilfsbereit und würden den Leuten ins Gesicht lächeln und alles tun, was die Familienregeln vorschreiben. Nur würden wir sie aus Versehen wegekeln.«will und Lucy waren so froh, dass sie aufsprangen und durch ihr schönes altes Wohnzimmer tanzten. Dann wurde abermals an die Tür geklopft.»da sind wieder welche, die rumgeführt werden wollen«, sagte Will.»Also los.«er öffnete die Tür und lächelte den Mann und die Frau an, die dort standen.»bitte, treten Sie ein«, sagte er.»aber vorsichtig mit der Tür, denn wenn Sie die nicht richtig zumachen, kann sie rausfallen und Ihnen auf den Kopf knallen.«

10 Eine Woche später hatten Mama, Papa, Will und Lucy eine Besprechung über das Umziehen.»Wir haben eine traurige Nachricht für euch«, sagte Mama.»Es ist offenbar gar nicht so leicht, unser Haus zu verkaufen. Von all den Leuten, die es am vorigen Sonntag besichtigt haben, hat nicht einer ein Angebot gemacht.«will und Lucy sagten nichts.»das ist mir wirklich ein Rätsel«, sagte Papa.»So ein schönes Haus.«Mama seufzte.»der Makler will mit dem Preis runtergehen. Aber das können wir nicht.«will und Lucy sagten noch immer nichts. Ihre Gesichter waren vollkommen ausdruckslos. Papa sagte:»jedenfalls haben Ma ma und ich uns alles noch einmal überlegt und wir sind doch nicht so sicher, ob wir das Haus überhaupt verkaufen wollen. Es ist eigentlich ein schönes Haus. Ich hoffe, ihr seid nicht zu enttäuscht, nachdem wir so viel über eure eigenen Zimmer und Baumhäuser und neue Sachen geredet haben.«

11 kinderbuch Will sagte:»ach, egal.«er hatte eine ganz tonlose Stimme. Lucy sagte:»och, egal.«sie hatte die gleiche tonlose Stimme. Mama und Papa sahen Will und Lucy an und Will und Lucy sahen die Wand an.»ihr seid also nicht schrecklich enttäuscht?«, fragte Dad. Will und Lucy wechselten einen Blick.»Na ja«, sagte Lucy.»Eigentlich Ja?«, fragte Mama.»Lucy hat Recht«, sagte Will.»Eigentlich «Mama und Papa sahen sie an.»was?«, fragten sie. Will holte tief Luft und sagte:»na ja, denkt jetzt bloß nicht, das sei gutes Benehmen, aber wir lieben unser Haus.Nicht nur das Haus, Will«, sagte Lucy.»Nein«, sagte Will.»Auch die Vorhänge.Und die Treppe, wo ich runtergefallen bin und in die Wand gebissen habe«, sagte Lucy.»Lasst uns nicht umziehen«, sagte Will.»Wir wollen nicht umziehen.genau«, sagte Lucy.»Wir wollen hier bleiben und nicht irgendwo anders baden müssen.«nachdem nun endlich alle wussten, dass sowieso niemand umziehen wollte, und Papa sich bei Will und Lucy bedankt hatte, weil sie ihm das endlich klargemacht hatten, kochten sie heißen Kakao und redeten eine ganze Weile über ihr Haus. Sie gingen darin herum, bewunderten es, weil es so sauber war und so neu aussah, und redeten über die Stellen, wo Will beim Radschlagen so gern in die nasse Wäsche

12 knallte und wo Lucy in die Wand gebissen hatte und wo Papa immer stand, um ganz laut die Treppe hochzubrüllen, und wo Mama überraschend gut zu alten Seilspringliedern seilsprang. Und danach liefen Will und Lucy zu Elizabeth, Timothy und Schnüffelnase, nur zwei Häuser weiter. Simon Mason Aus dem Englischen von Gabriele Haefs Umschlag- und Innenillustrationen: Susann Opel-Götz Umschlagtypografie: formlabor Ca. 112 Seiten Ab 8 15 x 21,2 cm, gebunden ISBN Ca. 7,95 (D) / 8,20 (A) / sfr. 12,90 Erscheint im Juni 2011 book

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