Sind Jungen versierter im Umgang mit neueren Technologien als Mädchen?

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1 Tagung «Die Bedeutung von Geschlechtsunterschieden in Beratung und Therapie» Sind versierter im Umgang mit neueren Technologien als? Universität Zürich Lehrstuhl für Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Kinder/Jugendliche & Paare/Familien Dr. phil. Christina Breitenstein Einleitung Um was geht es? Titel der Präsentation, Autor Seite 2 1

2 Was versteht man unter «neueren Technologien»? Neue Technologien ein irreführender Begriff: Neue Technologien sind für Kinder und Jugendliche oftmals nicht neu sie wachsen damit auf Neue Technologien sind ein selbstverständlicher Bestandteil der heutigen Welt Wenn man von neuen Technologien spricht, sind heute meist digitale Medien gemeint. Dieser Begriff meint sowohl die Geräte, als auch was man damit machen kann Bekannte Geschlechtsunterschiede in Bezug auf Computer & Technik sind technikbegeisterter als (Holstermann & Bögeholz, 2007) wählen oft und häufiger als technische Berufe und Studiengänge (Bundesamt für Statistik [BfS], 2015) Stimmt es auch, dass insgesamt «versierter» sind im Umgang mit digitalen Medien im Allgemeinen?

3 Was bedeutet ein «versierter» Umgang mit digitalen Medien? Zugang Wer hat Zugang zu welchen Geräten? Wer besitzt welche Geräte? Nutzung Wer nutzt Geräte wofür? Kompetenz Technische Kompetenz Wissen von und Umgang mit Risiken (z.b. Sicherheit, Rechtliche Aspekte etc.) Zugang Haben eher Zugang zu digitalen Medien als? Titel der Präsentation, Autor Seite 6 3

4 Geräte in Schweizer Haushalten Handy Computer/Laptop Internetzugang Fernsehgerät digitale Fotokamera Radio MP3-Player / ipod Hifi-/Stereoanlage feste Spielkonsole Tablet tragbare Spielkonsole Geräte in Schweizer Haushalten mit Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren (N = 1 062) (JAMES-Studie, 2014, S. 14). 7 Gerätebesitz bei jüngeren Kindern CD Player Spielkonsole* Handy MP3 Player Fernsehgerät Computer/Laptop Kindercomputer Digitalkamera Gerätebesitz 6-13 jähriger Kinder Deutschland (N = 1 209) (KIM-Studie, 2014, S. 9). Keine äquivalente Studie aus der Schweiz verfügbar. *Signifikanter Unterschied zwischen und. 8 4

5 Gerätebesitz Schweizer Jugendlicher Handy Computer/Laptop MP3-Player / ipod digitale Fotokamera* tragbare Spielkonsole* Radio feste Spielkonsole* Hifi- /Stereoanlage Tablet* Fernsehgerät* Gerätebesitz jähriger Schweizer Jugendlicher (N = 1 041; Alter: Jahre) (JAMES-Studie, 2014, S. 16) *Signifikanter Unterschied zwischen und. Seite 9 Schweizer Haushalte und Jugendliche sind technisch voll ausgestattet Die Anzahl Geräte, die Kinder/Jugendliche besitzen nimmt mit dem Alter zu. Beinahe alle Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren besitzen ein eigenes Handy (95% Smartphone; 3% Handy) und 2/3 der Jugendlichen einen eigenen Computer / Laptop à Keine Geschlechtsunterschiede in Zugang / Besitz von Handy oder Computer Jugendliche besitzen häufiger eine digitale Fotokamera eher eine eigene Spielkonsole, ein Tablet oder/und Fernsehapparat (JAMES-Studie, 2014) Vergleichbares Bild in Deutschland (JIM-Studie, 2014)

6 Nutzung Nutzen die digitalen Medien anders als? Titel der Präsentation, Autor Seite 11 Nutzung digitaler Medien in der Freizeit Handy nutzen Internet nutzen Musik hören* Fernsehen Radio hören digitale Fotos machen* Videogames spielen* Tageszeitung online lesen DVD's / Videos schauen* Computer ohne Internet nutzen Gerätenutzung (täglich / mehrmals pro Woche) jähriger Jugendlicher in der Schweiz (N = 1 046) (JAMES-Studie, 2014, S. 19) *Signifikante Unterschiede zwischen und. 12 6

7 Nutzung Handy Whats App Musik hören Im Internet surfen Soziale Netzwerke Telefonieren Videos im Internet anschauen* Wecker* SMS Fotos/Filme machen* Fotos/Filme verschicken Handyspiele* Agenda Handynutzung (täglich/mehrmals pro Woche) Jugendlicher (N = 978) (JAMES-Studie, 2014, S. 61) *Signifikante Unterschiede zwischen und. 13 Nutzung Die am häufigsten von Jugendlichen genutzten digitalen Medien sind Handy und Computer machen eher Fotos und hören Musik in ihrer Freizeit, während eher Gamen und Filme schauen Beide Geschlechter chatten regelmässig (Whats app) und sind gleichermassen in sozialen Netzwerken aktiv (JAMES-Studie, 2014)

8 Kompetenz Sind «versierter» im Umgang mit digitalen Medien als? Titel der Präsentation, Autor Seite 15 Kompetenz Technische Kompetenz Wissen von und Umgang mit Risiken Schutz persönlicher Informationen Wissen über rechtliche Aspekte

9 haben schon mehr technische Arbeiten am Computer ausgeführt Musik / Spiele / Filme Fotos bearbeitet* Software installiert Zusatzgeräte installiert* Betriebssystem installiert* am Computer programmiert* Websites erstellt* Arbeitsspeicher erweitert* Netzwerk installiert* Computer zusammen gebastelt* N = 1 063; Alter: Jahre (JAMES-Studie, 2014, S. 29) *Signifikanter Unterschied zwischen und. 17 schützen ihre Privatsphäre besser Privatsphäre geschützt* Regelmässige Aktualisierung* Sorgen über Sichtbarkeit* Privatsphären-Einstellungen in Sozialen Netzwerken von Jugendlichen (N = 823; Alter: Jahre) (JAMES-Studie, 2014, S. 52) *Signifikanter Unterschied zwischen und 18 9

10 geben weniger persönliche Informationen preis Fotos / Videos von sich* Fotos / Videos von Freunden/Familie* Name der Schule* Hobbies* -Adresse* Wohnort* Telefonnummer* Preisgegebene Informationen in sozialen Netzwerken (Alter: Jahre) (JAMES-Studie, 2014, S. 49) *Signifikanter Unterschied zwischen und. 19 Andere Gefahren 40% der und 37% der haben schon eine fremde Person, die sie im Internet kennen gelernt haben, im wirklichen Leben getroffen Kinder / Jugendliche wissen insgesamt nur wenig über die rechtlichen Grenzen im Internet und deren möglichen Konsequenzen, wie beispielsweise. Download und Weiterverbreitung urheberrechtlich geschützten Materials (z.b. Musik, Filme, Software ) Verletzungen von Persönlichkeitsrechten (z.b. Posten von Fotos im Internet ohne Zustimmung der Betroffenen) Verbreitung von Gewaltdarstellungen (z.b. Filmen und anschliessendes Verbreiten von Schlägereien) (Genner, Süss, Waller & Hippeli Müller, 2014)

11 FAZIT: Es gibt Geschlechtsunterschiede in Bezug auf die Nutzung von digitalen Medien und haben ungefähr den gleichen Zugang zu digitalen Medien, nutzen diese aber anders: sind eher musisch orientiert (Fotos machen / bearbeiten, Musik hören) interessieren sich eher für bewegte Bilder (Gamen / Video schauen) Sind nun versierter im Umgang mit digitalen Medien als? Ausser im Bereich der Fotobearbeitung führen häufiger anspruchsvolle technische Arbeiten am Computer aus à sind technisch interessierter und kompetenter überprüfen signifikant häufiger ihre Privatsphäreneinstellungen in sozialen Netzwerken und geben insgesamt weniger private Informationen im Vergleich mit preis mit der Ausnahme von Fotos, die häufiger ins Internet stellen. à sind etwas vorsichtiger in der Preisgabe persönlicher Informationen (JAMES-Studie, 2014) ABER: Bei beiden Geschlechtern fehlt Wissen um Gefahren, rechtliche Grenzen und deren Konsequenzen im Internet

12 Was bedeuten diese Befunde für die Praxis? Herausforderungen im Bezug auf digitale Medien ändern sich sehr schnell Kompetenter Umgang wird meist zu Hause gelernt (JAMES-Studie, 2014; JIM-Studie, 2014; KIM-Studie, 2014) Herausforderung für die Eltern up-to-date zu sein Prävention Prävention im Bereich des Umgangs mit digitalen Medien bleibt weiterhin zentral Aufklärung über Sicherheit, Rechte und Pflichten im Umgang mit digitalen Medien Prävention sollte sich direkt an Kinder und Jugendliche, aber auch an Eltern, Lehrer und Fachpersonen richten Geschlechtsspezifische Prävention / Beratung notwendig werden online signifikant häufiger sexuell belästigt als sind häufiger mit gewalttätigen und pornographischen Inhalten konfrontiert als (JAMES-Studie, 2014) à Bei diesen Themen kann gezielte geschlechtsspezifische Prävention / Beratung sinnvoll sein

13 Literaturverzeichnis I Bundesamt für Statistik (2015). Gleichstellung von Frau und Mann Daten, Indikatoren Berufs- und Studienfachwahl. Bundesamt für Statistik, Neuchâtel. Verfügbar unter: eintritte_in_berufsbildungen.html Butler, D. (2000). Gender, Girls, and Computer Technology: What s the status now?the Clearing House, 73(4), Feierabend, S., Plankenhorn, T. & Rathgeb, T. (2014a). JIM-Studie 2014 Jugend, Information, (Multi-) Media. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. Feierabend, S., Plankenhorn, T. & Rathgeb, T. (2014b). KIM-Studie 2014 Kinder + Medien, Computer + Internet. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. Genner, S.; Süss, D.; Waller, G. & Hipeli Müller, E. (2014). Entwicklungs- und Nutzungstrends im Bereich der digitalen Medien und damit verbundene Herausforderungen für den Jugendmedienschutz. Expertenbericht im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen, Eidgenössisches Departement des Inneren. In: Beiträge zur Sozialen Sicherheit. Bern: Bundespublikation. 25 Literaturverzeichnis II Holstermann, N. & Bögeholz, S. (2007). Interesse von und an naturwissenschaftlichen Theman am Ende der Sekundarstufe I. Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften, 13, Kay, R. (2007). Addressing gender differences in computer ability, attitutes and use: The laptop effect. Journal of Educational Computing Research, 32(2), Willemse, I., Waller, G., Genner, S., Suter, S., Oppliger, S., Huber, A.-L. & Süss, D. (2014). JAMES-Studie Jugend, Aktivitäten, Medien Erhebung Schweiz. Zürich: Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

14 Erfahrungen im Internet Eine fremde Person im echten Leben getroffen, die man im Internet kennen gelernt hat. Es sind Fotos oder Videos von sich ohne Zustimmung online gestellt worden Von jemandem im Internet fertig gemacht worden Von einer anderen Person online mit unerwünschten sexuellen Absichten angesprochen worden* Falsche/beleidigende Informationen über sich im Internet gefunden Erfahrungen im Internet (N = 1 043; Alter: Jahre) (JAMES-Studie, Willemse et al., 2014, S. 37) *Signifikanter Unterschied zwischen und 27 Gewalt Brutale Videos auf dem Handy / Computer angeschaut?* Brutale Videos über das Handy/den Computer verschickt* Eine gestellte Schlägerei gefilmt* Eine echte Schlägerei gefilmt* Konsumation gewalttätiger Inhalte (N = Jugendliche; Alter: Jahre) (JAMES- Studie, Willemse et al., 2014, S. 40) *Signifikanter Unterschied zwischen und

15 Erotische oder pornographische Inhalte Pornofilme auf dem Handy anschauen* Erotische / aufreizende Fotos / Videos von anderen aufs Handy/den Computer erhalten* Erotische / aufreizende Fotos / Videos von sich selber über Handy / Computer verschickt?* Pronofilme über das Handy verschickt? * Konsumation erotischer oder pornographischer Inhalte (N = Jugendliche; Alter: Jahre) (JAMES-Studie, Willemse et al., 2014, S. 39) *Signifikanter Unterschied zwischen und

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