Bericht des Abschluss-Workshops

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1 Bericht des Abschluss-Workshops Vorprojekt zur Entwicklung eines neuen Qualifikationsverfahrens für Erwachsene im Bauhauptgewerbe Zürich, 17. April 2015 Gérard Bottazzoli

2 Inhaltsverzeichnis 1. Ziele, Ablauf und Teilnehmende Ziele Ablauf Teilnehmende Synthese der Arbeiten: Braucht es ein neues Qualifikationsverfahren? Aus der Sicht der Ausbildungsinstitutionen Aus Sicht der Kandidaten / Arbeitnehmer in der Baubranche Aus der Sicht der Unternehmen Varianten für die Umsetzung eines zukünftigen Projekts Dank Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Organigramm des Vorprojekts... 3 Abbildung 2: Vernissage-Fotoprotokoll Analyse der Best Practices... 5 Abbildung 3: Auszug aus dem Fotoprotokoll der Vernissage... 6 Abbildung 4: Fotoprotokoll Braucht es ein neues Qualifikationsverfahren?... 8 Abbildung 5: Tabelle aus der erwähnten Studie

3 1. Ziele, Ablauf und Teilnehmende 1.1 Ziele Alle Ergebnisse der Teilprojekte sowie die der Begleitgruppe (hier als «Expertenworkshop» bezeichnet) werden der Steuergruppe des Vorprojekts präsentiert. Dieser Bericht stellt eine Synthese der während des Workshops geführten Gespräche dar. Zur Erinnerung das Projekt ist wie folgt organisiert: Abbildung 1: Organigramm des Vorprojekts 1.2 Ablauf Hier nochmals kurz das Workshop-Programm: Uhr: Präsentation der Ergebnisse der Teilprojekte 2 «Analyse von Best Practices» und 3 «Entwicklung eines neuen Qualifikationsverfahrens»; die von der Gruppe «Qualifikationsverfahren für Erwachsene» am Expertenworkshop vom 19. Januar 2015 geführten Gespräche werden ebenfalls vorgestellt. Ziele: Dank dieses Rückblicks kann auf die (aus Sicht der Steuergruppe) wichtigsten Aspekte eingegangen werden, falls das Projekt weitergeführt wird; diese Aspekte werden unter Punkt 2 behandelt Uhr: Präsentation der Ergebnisse des Teilprojekts 1 «Analyse der Finanzierung». Diese Ergebnisse wurden von Frau Myriam Frey (B, S, S.) und Herrn Markus Maurer (PH Zürich) präsentiert. Auf den Teilbericht 1 «Analyse der Finanzierung» wird im separaten Protokoll dieser Sitzung spezifisch eingegangen. Die vollständige Version und die Synthese in Deutsch und Französisch werden ebenfalls auf veröffentlicht. Ab Uhr: Diskussion und Veröffentlichung der Ergebnisse, Präsentation der Varianten für ein allfälliges zukünftiges Projekt. 3

4 1.3 Teilnehmende Steuergruppe: Herr Ueli Büchi (SBV) Herr Serge Gnos (UNIA) Herr Didier Juillerat (IGKG) Frau Karin Rüfenacht (SBBK), ersetzt Herrn Urs Burch Herr Reto Trachsel (SBFI) Frau Ricarda Will (SBV, Sekretariat) Eingeladen: Herr Gérard Bottazzoli (SBV, Projektleiter) Frau Miriam Frey (B, S, S.) Frau Sabina Gigger (SBFI) Herr Markus Maurer (PHZH) Herr Riccardo Mero (SBV) 2. Synthese der Arbeiten: Braucht es ein neues Qualifikationsverfahren? Alle Ergebnisse des Vorprojekts wurden in der Form einer «Vernissage» vorgestellt, hier in der Form von Fotos wiedergegeben. Eine Synthese der Gespräche ist im Anschluss zu den Fotos aufgeführt. 2.1 Aus der Sicht der Ausbildungsinstitutionen Das Teilprojekt 2 «Analyse der Best Practices» hatte zum Ziel, bei öffentlichen und privaten Ausbildungsinstitutionen, die bereits spezielle Qualifikationsverfahren für Erwachsene umgesetzt hatten, Interviews durchzuführen. Durch den Vergleich der erhobenen Informationen erstellte die Projektgruppe für die Steuergruppe eine Reihe von Empfehlungen. Das vollständige Dokument in seiner veröffentlichten Version ist in Deutsch und Französisch auf einsehbar. 4

5 Abbildung 2: Vernissage-Fotoprotokoll Analyse der Best Practices Schlussfolgerungen: Beim Aufbau eines spezifischen Ausbildungsangebots für Erwachsene listen die Mitglieder der Steuergruppe die folgenden Grundsätze als unbedingt erforderlich auf: Stärkung des Grundsatzes der Anerkennung von erworbenem Fachwissen vor Beginn der Ausbildung, Aufbau eines modularen Ausbildungsangebots, Stärkung eines kompetenzorientierten Bildungsangebots, Förderung des Grundsatzes einer On-the-job-Ausbildung. Bezüglich des Aufbaus eines Qualifikationsverfahrens: Die Grundsätze eines modularen Qualifikationsverfahrens werden von den Mitgliedern der Steuergruppe hervorgehoben. 5

6 Und im Allgemeinen verweisen die Mitglieder der Steuergruppe auf die folgenden Punkte: Beratung und Information der erwachsenen Kandidaten, Begleitung der Erwachsenen während des gesamten Qualifikationsverfahrens. 2.2 Aus Sicht der Kandidaten / Arbeitnehmer in der Baubranche Am 19. Januar 2015 trafen sich rund vierzig Experten verschiedenster Fachgebiete (Berufsverbände, Unternehmer, Bundesbehörden wie SBFI oder SECO, Vertreter kantonaler Behörden) zu einem Workshop im Toni-Areal in Zürich. Drei Themen wurden vertieft behandelt, insbesondere die Frage der Erwartungen/Befürchtungen eines Erwachsenen gegenüber einem Qualifikationsverfahren (einer Abschlussprüfung). Ein Fotoprotokoll dieser Tagung kann hier aufgerufen werden: Abbildung 3: Auszug aus dem Fotoprotokoll der Vernissage Die Erkenntnisse aus diesem Expertenworkshop zum Qualifikationsverfahren sind die folgenden: Die künftigen Kandidaten können in zwei Kategorien eingeteilt werden, deren Erwartungen unterschiedlich sind: gering qualifizierter Kandidat keine oder wenige Kenntnisse der regionalen Sprache wenige theoretische Berufskenntnisse minimale Schulbildung bewegt sich innerhalb seiner eigenen kulturellen Gruppe (z. B. Immigrant) hochqualifizierter Kandidat verfügt über im Ausland erworbene Diplome, die in der Schweiz aber nicht anerkannt werden sehr motiviert, vorhandenes Potenzial sozial anerkannt und integriert Diese Charakteristika sind nicht als Stigmatisierung potenzieller Kandidaten für eine Qualifikation zu verstehen, sondern sollen die Bedürfnisse der Kandidaten veranschaulichen. Die Charakteristika können im Detail unter diesem Link eingesehen werden: Workshop_II_erwachsenengerechtes_Pruefen.pdf 6

7 Schlussfolgerungen: Wenn man von mindestens zwei verschiedenen Kategorien potenzieller Kandidaten für eine Qualifikation ausgeht, sollten sinnvollerweise mindestens zwei unterschiedliche Ausbildungswege, die zu einer Qualifikation führen, vorgesehen werden. Für die Zielgruppe «mit guter Ausbildung im Ausland» scheint der Qualifikationsweg mittels Anerkennung der erworbenen Berufserfahrung angemessen, da er flexibler und individueller ist und das erworbene Fachwissen berücksichtigt. Für die Zielgruppe der «wenig qualifizierten» Arbeitnehmer wären stark strukturierte, ja sogar geschützte Ausbildungs- und Qualifikationswege zu bevorzugen (z. B. in einer Maurerlehrhalle), sodass die Kandidaten sehr eng begleitet werden könnten. 2.3 Aus der Sicht der Unternehmen Anfang 2015 wurden Telefoninterviews mit verschiedenen Bauunternehmen unterschiedlicher Grösse und Tätigkeitsbereiche in der Schweiz durchgeführt. Es ging darum, die folgenden Punkte abzuklären: Welche Charakteristika weisen die Arbeitsplätze bei den Unternehmen auf? Gibt es ein Potenzial für Aufbau und Entwicklung in diesen Unternehmen? Gibt es ein Potenzial für eine Lehre im Rahmen der Arbeit? Existiert eine Lehrlingsausbildungskultur innerhalb des Unternehmens? Welche Erwartungen bestehen im Unternehmen in Bezug auf Ausbildung? Diese Recherche erlaubte es, drei Arbeitsansätze herauszuarbeiten (drei Formen der Arbeitsorganisation), die einen direkten Einfluss auf die Potenziale einer Lehre am Arbeitsplatz haben. Diese Ansätze wurden eingeteilt in: Handwerksmodell, Industrie-/Produktionsmodell und «kompetenzorientiertes» Modell. Die herausgearbeiteten Modelle berücksichtigen auch die Erwartungen der Unternehmen gegenüber den möglichen Ausbildungs- und Qualifikationswegen. Die Steuergruppe würdigte die Schlussfolgerungen aus dieser Arbeit und unterteilte die Qualifikationswege entsprechend dem Arbeitsorganisationsmodell. 7

8 Abbildung 4: Fotoprotokoll Braucht es ein neues Qualifikationsverfahren? Die vollständige Studie kann per unter folgender Adresse bestellt werden: Schlussfolgerungen: Alle zurzeit verfügbaren Qualifikationswege sind für die Unternehmen sinnvoll. Abbildung 5: Tabelle aus der erwähnten Studie 8

9 Für 1/3 der Bauunternehmen, die gemäss dem Industrie-/Produktionsmodell organisiert sind, werden Ausbildungsgänge mit Lehrvertrag bevorzugt; der Weg, der es den Kandidaten erlaubt, sich dem Qualifikationsverfahren zu stellen (Weg 3) ist möglich, bedingt jedoch eine beträchtliche Summe für Vorbereitungskurse. Für 2/3 der Bauunternehmen ist das Prinzip der Anerkennung des erworbenen Fachwissens mit einer strukturierten Zusatzausbildung zu bevorzugen. Aus konzeptioneller Sicht geht es hier um einen gemischten Ansatz zwischen Weg 3 und Weg 4. Aus rechtlicher Sicht kann eine Aufwertung der praktischen On-the-job-Ausbildung, die in die durch die Branche anerkannten Zertifikate (und somit in eine Befreiung von Ausbildungswegen) mündet, bevorzugt werden: Somit gilt hier der Weg 3. Schliesslich haben einige Unternehmen eine kompetenzorientierte Arbeitsorganisation umgesetzt, die sich durch eine stark strukturierte On-the-job-Ausbildung auszeichnet. Für diese Unternehmen ist zweifellos der Weg der Anerkennung der erworbenen Berufserfahrung der ideale. 3. Varianten für die Umsetzung eines zukünftigen Projekts Auf der Basis der Diskussionen am Vormittag konnte die Steuergruppe zu den drei Varianten einer eventuellen Weiterführung des Projekts Stellung nehmen. Die MINIMA-Variante bestätigt den Schweizerischen Baumeisterverband in seiner gegenwärtigen Strategie: sprachliche Grundkenntnisse, Zulassung von Erwachsenen zur regulären Lehrabschlussprüfung und Prinzip der Anerkennung von erworbener Berufserfahrung. Die Idee der MEDIA-Variante ist es, nicht nur die Sprachkenntnisse, sondern zumindest auch das Rechnen zu fördern. Projekte wie z. B. GO2 ( scheinen bei dieser Thematik ideal. Diese Variante betont ebenfalls die Weiterentwicklung des Prinzips des Qualifikationsverfahrens: entweder eine modulare Organisation oder eine Anerkennung von Branchenzertifikaten. Die Idee der MAXIMA-Variante ist die Strukturierung der On-the-job-Ausbildung, ausgehend von der folgenden Prämisse: Bei mindestens 2/3 der Bauunternehmen in der Schweiz, die als Handwerksbetriebe tätig sind, könnte die intern angebotene Ausbildung stärker strukturiert und besser anerkannt sein, als sie es gegenwärtig ist. Externe theoretische Ausbildungsmodule vervollständigen die Ausbildung am Arbeitsplatz. 9

10 Schlussfolgerungen: Die Mitglieder der Steuergruppe tendieren mehrheitlich zur MEDIA-Variante, wobei ein zusätzlicher Aspekt hinzukommen müsste: Die Kandidaten müssen während des gesamten Qualifikationsverfahrens informiert, orientiert und begleitet werden. 4. Dank Der Schweizerische Baumeisterverband sowie die gesamte Projektgruppe bedanken sich herzlich bei den Mitgliedern der Steuergruppe für die Offenheit, die Intensität und die Qualität des Austausches untereinander. Vielen Dank! 10

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