Rational oder Irrational? Preisfindung in Finanzmärkten

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1 Rational oder Irrational? Preisfindung in Finanzmärkten Fakultätstag 2011 (inklusive der Ergebnisse des Experimentes vom )

2 Agenda Vorstellungsrunde Experiment Grundlagen der Behavioral Finance Ergebnisse des Experiments 2

3 Das Finance-Cluster Finance & Banking Kapitalmärkte und Finanzwirtschaft Risikomanagement und Versicherung Prof. Dr. Ralf Elsas Prof. Dr. Markus Glaser Prof. Dr. Andreas Richter 3

4 Details auf den folgenden Folien 4

5 Ein Experiment: Hinweise I Teil I Bitte geben Sie folgende Schätzwerte an: 1. eine Obergrenze. 2. eine Untergrenze. Der wahre Wert sollte... die Obergrenze lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit von 5% überschreiten. die Untergrenze lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit von 5% unterschreiten. Mit anderen Worten bitten wir Sie also um die Angabe eines Intervalls, welches die richtige Antwort mit großer Wahrscheinlichkeit (d.h. 90%) enthält. Wir suchen ein Intervall für: den Stand des DAX in einem Monat die Anzahl Gummibärchen in einer 200g Haribo-Tüte 5

6 Ein Experiment: Hinweise II Teil II Bitte geben Sie eine ganze Zahl zwischen 0 und 100 an. Anschließend wird der Mittelwert aller angegebenen Zahlen ermittelt. Gewonnen hat derjenige, dessen Zahl am nächsten an 2/3 des Mittelwertes aller Zahlen herankommt. 6

7 Agenda Vorstellungsrunde Experiment Grundlagen der Behavioral Finance Beispiel: Overconfidence Einfluss auf Anlegerverhalten Einfluss auf Marktgrößen Einfluss auf Unternehmensentscheidungen Nutzen der Behavioral Finance in der Geldanlage (?) Ergebnisse des Experiments 7

8 Behavioral Finance: Nobelpreis Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2002 Prof. Vernon Smith Prof. Daniel Kahneman... für den Einsatz von Laborexperimenten als Werkzeug in der empirischen ökonomischen Analyse, insbesondere in Studien unterschiedlicher Marktmechanismen... für das Einführen von Einsichten der psychologischen Forschung in die Wirtschaftswissenschaft, besonders bezüglich Beurteilungen und Entscheidungen bei Unsicherheit 8

9 Präskriptiver und deskriptiver Ansatz Präskriptiver Ansatz Wie sehen optimale Entscheidungen aus und welche Konsequenzen ergeben sich? Deskriptiver Ansatz Wie lassen sich tatsächliche ökonomische Zusammenhänge beschreiben und erklären? Optimale Portfoliostruktur Tatsächliches Anlageverhalten Beratung Vermarktung, Design von Finanzprodukten 9

10 Präskriptiver und deskriptiver Ansatz II Präskriptiver Ansatz Wie sehen optimale Entscheidungen aus und welche Konsequenzen ergeben sich? Der Homo Oeconomicus Ausschließlich Eigeninteresse Perfekte Selbstkontrolle Homo Oeconomicus Rationalität - Informationsverarbeitung - Entscheidungsfindung 10

11 Präskriptiver und deskriptiver Ansatz III Präskriptiver Ansatz Wie sehen optimale Entscheidungen aus und welche Konsequenzen ergeben sich? Deskriptiver Ansatz Wie lassen sich tatsächliche ökonomische Zusammenhänge beschreiben und erklären? Homo Oeconomicus Homo Oeconomicus 11

12 Modellbildung I Individualverhalten Markt Modellbildung Erkenntnisse aus der Psychologie/Sozialforschung. Auswirkungen auf Investorenverhalten/ Marktgrößen. 12

13 Modellbildung II Individualverhalten Markt Suche nach Erklärungsansätzen der Psychologie. Borrowing good psychology rather than inventing bad psychology (Thaler) Beobachtung von besonderen Verhaltensweisen der Investoren oder von Marktanomalien. 13

14 Overconfidence I De Bondt/Thaler (1995): Perhaps the most robust finding in the psychology of judgment is that people are overconfident. Entscheider sind sich zu sicher bzgl.: eigener Fähigkeiten, eigenen Wissens, zukünftiger Kursverläufe. 14

15 Overconfidence II DAX 8.500, , , ,00 90% Ober - grenze Unter - grenze 4.500, ,00 Mai. 11 Jun. 11 Jul. 11 Aug. 11 Sep. 11 Okt. 11 Nov. 11 Overconfidence Rational DAX-Entwicklung der letzten 6 Monate 15

16 Overconfidence: Praxisrelevanz der Fragen 16

17 Overconfidence und Handelsvolumen Anleger sind sich ihrer Erwartungen zu sicher höheres Handelsvolumen ohne Overconfidence mit Overconfidence kein Spielraum für Handel Spielraum für Handel Unterschätzung der Schwankung/ Volatilität/Varianz von Kursen/Renditen 90 Besitzer Investor Besitzer Investor Untersucht u.a. in Glaser/Weber (2007) 17

18 Portfolioumsatz und Performance: Ein indirekter Overconfidence-Test Investoren handeln zu viel! Da Aktienkursverläufe häufig schwieriger zu prognostizieren sind als viele Anleger glauben, schneidet der durchschnittliche Anleger nach Transaktionskosten oftmals schlechter ab als ein Aktienindex. (Barber/Odean 2000) Graphik entnommen aus Weber (2007), Genial einfach investieren, Campus Verlag 18

19 Ausmaß der Portfoliodiversifikation Anleger halten riskante Portfolios. Anleger......halten nur Aktien weniger Unternehmen in ihren Portfolios....sind schlecht international diversifiziert ( Home Bias )....investieren vor allem in riskante Industrien. (In Deutschland: Software, Internet, Telekommunikation, Computer Hardware). Glaser (2003), Online Broker Investors: Demographic Information, Investment Strategy, Portfolio Positions, and Trading Activity, SSRN: 19

20 Ausmaß der Portfoliodiversifikation: Beispielhafte Studie Die Hälfte der Aktientransaktionen entfallen auf deutsche Aktien (1/97-4/01). Europa (ohne Deutschland) 12% Asien und Mittlerer Osten 6% Andere Länder 2% USA 29% Deutschland 51% Glaser (2003), Online Broker Investors: Demographic Information, Investment Strategy, Portfolio Positions, and Trading Activity, SSRN: 20

21 Ausmaß der Portfoliodiversifikation: Beispielhafte Studie Deutsche Anleger halten Aktien weniger Unternehmen (Mediane; 1/97-4/01) Jan-97 Mar-97 May-97 Jul-97 Sep-97 Nov-97 Jan-98 Mar-98 May-98 Jul-98 Sep-98 Nov-98 Jan-99 Glaser (2003), Online Broker Investors: Demographic Information, Investment Strategy, Portfolio Positions, and Trading Activity, SSRN: Mar-99 May-99 Jul-99 Sep-99 Nov-99 Jan-00 Mar-00 May-00 Jul-00 Sep-00 Nov-00 Jan-01 Mar-01 21

22 Overconfidence und finanzwirtschaftliche Entscheidungen von Unternehmen Overconfidente CFOs treffen suboptimale finanzwirtschaftliche Entscheidungen in Unternehmen (Ben-David/Graham/Harvey 2007, 2010) 22

23 Design und Vermarktung von Finanzprodukten z.b. Barrier-Zertifikate: Kauf erscheint sinnvoll, wenn erwartet wird, dass die Volatilität sinkt und der Basiswert während der Laufzeit die Barriere nicht berührt bzw. nicht unterschreitet. Illustration: Anwendungen der Behavioral Finance: Beispiel wertlos wertlos Die Tendenz der Investoren, Volatilitäten zu unterschätzen, wird ausgenutzt Mai. 09 Okt. 09 Mrz. 10 Jul. 10 Dez. 10 Mai. 11 Okt

24 Behavioral Finance und Investition am Aktienmarkt Trotz der beobachtbaren Irrationalitäten sind nicht unbedingt Arbitragemöglichkeiten vorhanden. prices are right no free lunch Aber: no free lunch prices are right (Barberis/Thaler 2003) Es mag verhaltenswissenschaftliche Gründe für Fehlbewertung geben. Die Gründe können dafür sorgen, dass die Fehlbewertung noch größer wird. 24

25 Teilnehmer (laufende Nummer) Experiment: Auswertung I (Auf Basis der am während des Vortrags ausgefüllten Fragebögen) Abschätzung basierend auf historischen Daten (20 Jahre): -10,8% bis 8,6%, d.h. ein 90%-Konfidenzintervall von 5403 bis Ihre Abschätzung:??? historisch Dax-Stand: Intervalle 25

26 Teilnehmer (laufende Nummer) Experiment: Auswertung II (Auf Basis der am während des Vortrags ausgefüllten Fragebögen) Mögliche Abschätzung: 86 ± X Ihre Abschätzung:??? Anzahl der Gummibärchen: Intervalle 26

27 Experiment: Auswertung III Der höchstmögliche Mittelwert aller Zahlen ist 100. Also ist die höchste denkbare Zahl 2/3 * 100 = 66,67. Da dies alle Teilnehmer wissen und in ihrer Wahl berücksichtigen, werden sie höchstens 66,67 angeben. Folglich ist es clever, auf 2/3 dieses Ergebnisses zu tippen, d.h. auf 44,44. Diese Schlussfolgerung ist ebenfalls offensichtlich für jeden der Teilnehmer. Im nächsten Schritt erscheint also 2/3 von 44,44 als sinnvoll und so weiter Das (Nash-) Gleichgewicht bei ausschließlich rationalen Investoren, die wissen, dass alle anderen Investoren ebenfalls rational sind, ist 0. Für welche Zahl haben Sie sich entschieden? 27

28 Experiment: Auswertung IIII (Auf Basis der am während des Vortrags ausgefüllten Fragebögen) Mittelwert 29, /3*Mittelwert 19,

29 Lehrstuhlübergreifende Forschungsprojekte Konzepte der Behavioral Finance Irrationalität Optimismus Overconfidence Klassische Corporate Finance Fragen Investitionsverhalten Kapitalstruktur Corporate Governance KMF IFB Behavioral Corporate Finance 29

30 Forschungsprojekte zu Behavioral Finance am Institut für KMF Financial Literacy und Anlegerverhalten. Anlegerschutz, Regulierung der Anlageberatung und Produktbeipackzettel. Rolle unabhängiger Honorarberatung. Subjektive Wahrnehmung von Executive Stock Options durch Top-Manager. Motivation of asking for advice Advisor Decision maker person-related person-related attributes attributes Advice option-related attributes Glaser/Weber (2009) Borgsen/Glaser/Weber (2011) 30

31 Forschungsprojekte zu Behavioral Insurance am MRIC Einfluss von Heuristiken und Emotionen auf die Risikowahrnehmung und Versicherungsnachfrage. Bedeutung der Verlustaversion für die Nachfrage nach Kapitalgarantien in Finanzprodukten. Irrationales Ausübungsverhalten hinsichtlich Finanzoptionen in Versicherungsverträgen. Kooperationspartner: 31

32 Munich Behavioral Insurance Workshop 2011 Auszug aus dem Programm: 12./13. Dezember 32

33 Mehr Informationen zu den Themen Einführende Literatur: Glaser/Nöth/Weber (2004), Behavioral Finance, in: Derek J. Koehler und Nigel Harvey (eds.), Blackwell Handbook of Judgment and Decision Making, Glaser/Weber (2007), Die Börse als Spiegel des wahren Lebens: Aktienkurse und Aktienrenditen, in: Martin Weber, Genial einfach investieren, Campus Verlag, (http://www.genial-einfach-investieren.de/) Glaser/Weber (2007), Overconfidence and Trading Volume, Geneva Risk and Insurance Review, 32, 1, June 2007, 1-36 (http://www.palgrave-journals.com/grir/journal/v32/n1/pdf/grir a.pdf) Glaser/Weber (2010), Overconfidence, in Baker, H. K., und J. Nofsinger (eds.) Behavioral Finance: Investors, Corporations, and Markets. Hoboken, NJ: John Wiley & Sons, Inc.,

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