Systemmanagement für Desktop- und Industrie-Mainboards

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1 Systemmanagement für Desktop- und Industrie-Mainboards Ausgabe 7. April 2009 V1.00 Seiten 5 Inhalt Einleitung 1 In- / Out-of-Band-Management 2 Alert Standard Format 2 Desktop and mobile Architecture for System Hardware 3 Intel Advanced Management Technology 3 Intelligent Platform Management Interface 3 Zusammenfassung 4 Einleitung Wird ein Desktop- oder Industrie-Mainboard in einem PC oder einer Steuerung an ein lokales Netz (Local Area Network/LAN) angeschlossen, ist häufig ein Fernzugriff auf den Rechner nötig. Hierfür wurden verschiedene Verfahren entwickelt, deren Ziel es ist, Geräte verschiedener Hersteller unter der Verwendung von einheitlich funktionierender Software zu betreiben. Nur durch anerkannte System- Management-Standards ist eine reibungslose Zusammenarbeit der verschiedenen Komponenten möglich. Festgelegt werden diese Standards in der Regel in Special Interest Groups (SIG): exklusiven Arbeitsgruppen mit Regeln, an die sich die beteiligten Firmen per Unterschrift halten müssen. Als Gegenleistung für den - auch finanziellen - Aufwand erwerben die beteiligten Unternehmen das Recht, die Ergebnisse der Normierung ohne Lizenzkostenzahlung verwenden zu dürfen.

2 White Paper Ausgabe: 7. April 2009 Systemmanagement für Desktop- und Industrie-Mainboards Seite 2 / 5 In- / Out-of-Band-Management Bei den Management-Funktionen wird zwischen geladenem und nicht geladenem Betriebssystem unterschieden. Ist das Betriebssystem geladen, spricht man auch von In-Band-Management : Das System ist funktionsfähig und dank bereitgestellter Schnittstellen kann über LAN aus der Ferne (Remote) darauf zugegriffen werden. Per Desktop Management Interface (DMI) können beispielsweise Informationen über den Hersteller des Mainboards, die Seriennummer, den Prozessortyp, den Speicherausbau sowie über installierte Festplatten und Software gelesen werden. In einem heterogenen Netzwerk von Rechnern sind diese Angaben wichtig für die Verwaltung und die Planung eines möglichen Software- Updates. Wenn das Betriebssystem nicht geladen und daher nicht betriebsbereit ist, spricht man von Out-of- Band-Management. Dies ist dann der Fall, wenn das System ausgeschaltet wurde, sich im Standby- Zustand befindet oder Fehler beim Starten oder während des Betriebs auftrat. Allerdings muss auch in diesem Zustand auf das System zugegriffen werden können, um den Fehler zu analysieren, zu beheben oder ein Software-Update durchzuführen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn die Elektronik für die Remote-Verbindung mit Spannung versorgt wird und funktionsfähig ist. Möglich wird dies durch die ACPI-Funktion (Advanced Configuration and Power Interface) und die Standby-Spannungsversorgung für die Elektronik. Dank dieser Funktionen kann ein System auch aus der Ferne per Wake-on-LAN eingeschaltet und verwaltet werden. Durch die Remote-Verwaltung von PCs ersparen sich Administratoren den Gang zu Rechnern, die eventuell gar nicht zugänglich sind, z.b. außerhalb der regulären Arbeitszeit oder weil der Benutzer ein Passwort verwendet. Bei Servern können sich die Systeme zudem in geschützten Bereichen befinden, in denen besondere klimatische Bedingungen herrschen und die vor unbefugtem Zugang gesichert sind. Soll nun beispielsweise während der Nachtschicht ein Software-Update durchgeführt werden und der laufende Betrieb nicht gestört werden, kann der Administrator durch einen Befehl von der Management-Konsole seines PCs aus eine Serie von Systemen einschalten. Dies startet das Betriebssystem auf den eingeschalteten Systemen, und die neue Software wird eingespielt. Nach Beendigung des Vorgangs schaltet der Administrator die Systeme von seinem Arbeitsplatz aus wieder ab. Der Fernzugriff ist nur geschützt durch Passwort möglich. Der Client-PC oder der Server müssen für den Fernzugriff konfiguriert werden. Dabei werden auch die Zugriffsrechte vergeben. In einem anderen Anwendungsfall erhält der Administrator die Meldung, dass das System nicht bootet. Nach einem manuellen Reset des PC kann er die Hochlaufmeldungen des Systems kontrollieren und so eventuell die Ursache für das Nicht-Booten ermitteln. Erhält der Administrator die Nachricht, dass ein System unerlaubt geöffnet wurde, kann wenn es sich um ein sicherheitsrelevantes System handelt - eine Überprüfung erfolgen und der Diebstahl von Hardware oder Daten erkannt werden Alert Standard Format Das Alert Standards Format (ASF) ist eine Spezifikation zur betriebssystemunabhängigen Fernwartung und Alarmierung bei fehlerhaften Geräten und Schnittstellen, die von der Normungsorganisation Distributed Management Task Force (DTMF) entwickelt wurde. Die ASF-Spezifikation war der erste Standard für Remote Management und behandelt den Fall, dass das Betriebssystem nicht verfügbar ist. Eine erste Version wurde 2001 freigegeben. Sie definiert u.a. Alarmmeldungen für Ereignisse wie das Ausbleiben eines Taktes, das vom System erkannt wird (System Heartbeat), Firmware-, Prozessor- und Boot-Fehler oder das Öffnen des Gehäuses und übertrug diese über LAN an eine Management-Konsole. In der Version 2.0 vom November 2002 wurden zusätzlich Sicherheits-Funktionen, das Ein-/Ausschalten des Systems sowie die Reset- Funktion definiert. Realisiert wird die ASF-Funktion als Firmware mit speziellen Embedded Controllern, die sich im LAN-Controller befinden. Die Leistungsaufnahme der LAN-Controller im Standby ist sehr gering, zum Einsatz kommt ASF primär bei Desktop-Rechnern, aber auch Servern mit geringen Anforderungen an die Funktion.

3 White Paper Ausgabe: 7. April 2009 Systemmanagement für Desktop- und Industrie-Mainboards Seite 3 / 5 Desktop and mobile Architecture for System Hardware Die Desktop and mobile Architecture for System Hardware (DASH) stellt eine Weiterentwicklung des ASF-Standards dar und ist eine Management-Spezifikation für Desktops und Notebooks. Sie wurde in einer Arbeitsgruppe des DTMF (Desktop and Mobile Working Group, DMWG) über lange Zeit diskutiert, ohne dass es zu einer Einigung kam. Erst nachdem Intel mit iamt (Intel Advanced Management Technology) eine firmenspezifische Lösung angeboten hat, wurde die Standardisierungsarbeit mit der Spezifikation DASH V1.0 abgeschlossen. Mit DASH wurden u.a. neue Anforderungen wie ein Web-basierendes Interface realisiert (WS-Man). In der im Dezember 2007 freigegebenen Version DASH V1.1 wurden neue Funktionen spezifiziert. Dazu zählen: - Serial over LAN/Text Console Redirection: Die Hochlaufmeldungen eines Systems können an eine Remote Management Console übertragen werden. - KVM Redirection: Keyboard, Video und Maus werden über das LAN umgeleitet - Media Redirection: Umleitung von Laufwerken (Festplatten, Floppy-Disk) - USB Redirection: Umleitung von USB Geräten Mittlerweile sind auch LAN-Controller verfügbar, in denen die kompletten Management-Funktionen in einem Baustein einschließlich der notwendigen Firmware für den Embedded Controller zusammengefasst sind. Zahlreiche Unternehmen und Software-Hersteller, darunter auch Microsoft, unterstützen den DASH-Standard. Selbst Intel, die eine eigene Lösung (iamt) entwickelt haben, unterstützen DASH. Intel Advanced Management Technology Mit dem Desktop-Chipset i945 begann Intel ab 2005, Management-Funktionen für Desktop-Chipsets zu implementieren. Die Funktionen in Hard- und Software wurden immer mehr verfeinert, und ab dem Chipset Q35 wurde in dem Graphic and Memory Controller Hub (GMCH) ein Microcontroller integriert. Er ist für die autonomen Management-Funktionen zuständig, benötigt dazu jedoch Hardware-Resourcen (RAM, FlashEPROM, I/O etc.) die er sich mit dem Rest des Systems teilen muss. Dies führt zu einer komplexen Lösung und macht die Anforderung an die geringe Leistungsaufnahme des Systems im Standby schwer oder nicht erfüllbar. iamt unterstützt sowohl Management- Funktionen, die in etwa der DASH V1.1-Spezifikation entsprechen als auch ASF V2.0. Nachteilig wirkt sich hingegen aus, dass iamt ein Firmen-Standard ist und nur mit der Hardware von Intel funktioniert. Intelligent Platform Management Interface Das Intelligent Platform Management Interface (IPMI) ist eine Sammlung standardisierter Schnittstellen in Hardware und Firmware, die zur Verwaltung und Wartung des Computers genutzt wird. Maßgeblich entwickelt wurde der IPMI-Standard von Dell, Hewlett Packard, Intel und NEC. Die erste Version (IPMI 1.0) wurde 1998 vorgestellt, drei Jahre später folgte die Version 1.5 und 2004 die derzeit aktuelle Version 2.0. Der Hauptanwendungsbereich für IPMI sind Server. IPMI kann sowohl über eine serielle Verbindung als auch über ein lokales Netzwerk mit einem entfernten Rechner kommunizieren. Fehlermeldungen können per SNMP (Simple Network Management Protokoll) gesendet werden. Die Schnittstellen arbeiten unabhängig von einem Betriebssystem und ermöglichen so eine Administration auch ohne installiertes oder laufendes System und sogar bei ausgeschaltetem Computer (sofern noch Standby-Spannung vorhanden ist). Im laufenden Betrieb bietet IPMI mehr Möglichkeiten zur Wartung als eine herkömmliche Verwaltungssoftware. So können beispielsweise die Schalter für Power und Reset aktiviert oder deaktiviert werden oder der Computer ein- und ausgeschaltet werden. Mittels Serial over LAN (SoL) ist auch ein Zugriff auf das BIOS möglich. Der integrierte Watchdog ist besonders für Server sehr sinnvoll. Die Verbindung erfolgt über den so genannten Intelligent Platform Management Bus (IPMB), eine Variante des I²C-Busses.

4 White Paper Ausgabe: 7. April 2009 Systemmanagement für Desktop- und Industrie-Mainboards Seite 4 / 5 Herzstück des IPMI ist der so genannte Baseboard Management Controller (BMC): ein spezialisierter Microcontroller, der auf dem Mainboard vieler Server vorhanden ist und an den Controller für spezielle Zwecke - etwa die Überwachung einer speziellen Hardware - angeschlossen werden können. Im Platform Management Interface (IPMI) verwaltet der BMC die Schnittstelle zwischen der Software zum Systemmanagement beziehungsweise zur Hardware. Daten über Systemparameter wie Temperatur, Umdrehungsgeschwindigkeit der Lüfter oder Betriebssystemstatus erhält der BMC über die entsprechenden Sensoren. Der Microcontroller gibt diese Sensorwerte aus und kann Alarmmeldungen über das Netzwerk an den Systemadministrator versenden, falls Parameter ein festgelegtes Intervall verlassen und damit eine Störung des Systems vermuten lassen. Durch die Remote-Änderung von BIOS-Einstellungen wie das Deaktivieren von CPUs und Speicher kann die Konfiguration des Systems so verändert werden, dass es eventuell gelingt, den Server wieder funktionsfähig zu machen - wenn auch mit verringerter Leistung. Ein alarmierter Servicetechniker hat dank des BMC bereits detaillierte Informationen über den Ausfall des Servers, kann die für eine Reparatur notwendigen Komponenten mitnehmen und dadurch die Ausfallzeit des Servers verringern. Der BMC kommuniziert mit dem BMC Management Utility (BMU) auf einem Remote Client über IPMI- Protokolle. Der BMU ist oft ein Kommandozeilen-Programm und erfordert gewöhnlich ein Passwort für den Zugang zum BMC. Die Verbindung zum BMC über ein Netzwerk kann dabei auch verschlüsselt vorgenommen werden. Bei neuen Servern wird die Funktion des BMC in einem hochintegrierten autonomen Baseboard Management Controller (BMC) mit integriertem LAN-Anschluss zusammengefasst (irmc, integrated Remote Management Controller). In der Vergangenheit konnte dies nur durch eine zusätzliche Einsteckkarte erreicht werden. Die Kommunikation mit dem System erfolgt über die IPMI-Schnittstelle. Der irmc-standard basiert als Erweiterung auf der IPMI-Schnittstelle und wurde von Fujitsu Siemens Computers, heute Fujitsu Technology Solutions, entwickelt. Er ermöglicht die umfassende Kontrolle und Statusanzeige von Servern unabhängig vom Systemstatus - insbesondere also auch die Kontrolle von Servern, die sich im Zustand out-of-band befinden. Als autonomes Subsystem auf dem Mainboard eines Servers verfügt der irmc über ein eigenes Betriebssystem, einen autarken Web-Server sowie eine separate Benutzerverwaltung und ein eigenständiges Alarm-Management. Auch im Stand-by-Betrieb des Servers wird der irmc mit Strom versorgt. Er kommt aktuell auf allen größeren PRIMERGY-Servern von Fujitsu Technology Solutions zum Einsatz. Zusammenfassung Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich das System durchsetzt, welches die breiteste Unterstützung der Hersteller von LAN-Controllern und Software erfährt. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Frage, ob die Funktionen standardisiert sind und nicht nur von einem Hersteller unterstützt werden. Da Systemlandschaften heutzutage heterogen sind, müssen PCs mit Desktop- und Industriemainboards verschiedener Hersteller in einem Netzwerk verwaltbar sein. Nur wenn dies der Fall ist, können die Vorteile einer Fernwartung und Alarmierung effizient genutzt werden.

5 White Paper Ausgabe: 7. April 2009 Systemmanagement für Desktop- und Industrie-Mainboards Seite 5 / 5 Zusätzliche Informationen und Downloads Allgemeine Informationen: Dokumente, Roadmaps, Software&Tools, Downloads und mehr: ftp://ftp.ts.fujitsu.com/pub/mainboard-oem-sales Kontakt: Fujitsu Technolgy Solutions GmbH: Peter Hoser / Director OEM Sales, Clients Group, Systemboard OEM Telefon: Fax: Mail: Alle Rechte vorbehalten, insbesondere gewerbliche Schutzrechte. Änderung von technischen Daten sowie Lieferbarkeit vorbehalten. Haftung oder Garantie für Vollständigkeit, Aktualität und Richtigkeit der angegebenen Daten und Abbildungen ausgeschlossen. Wiedergegebene Bezeichnungen können Marken und/oder Urheberrechte sein, deren Benutzung durch Dritte für eigene Zwecke die Rechte der Inhaber verletzen kann. Weitere Einzelheiten unter ts.fujitsu.com/terms_of_use.html Copyright Fujitsu Technology Solutions GmbH 2009 Herausgegeben durch: Fujitsu Technology Solutions GmbH Clients Group, Systemboard OEM Bürgermeister-Ulrich-Str Augsburg Firmenstempel

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