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1 DirektAnlageBrief Der Themendienst für Journalisten Ausgabe 30: Dezember 2013 Inhaltsverzeichnis 1. In aller Kürze: Summary der Inhalte 2. Zahlen und Fakten: Put-Call-Ratio Keine Euphorie der Privatanleger trotz DAX-Rekord 3. Aktuell/Tipps: Verluste begrenzen mit Stop Loss Orders 4. Wissen Finanzmarkt: Herdenverhalten und Mental Accounting sind typische Fehler an der Börse 1

2 1. In aller Kürze: Summary der Inhalte Zahlen und Fakten: Put-Call-Ratio Keine Euphorie der Privatanleger trotz DAX-Rekord Mit Call Optionsscheinen setzen Anleger auf steigende, mit Puts auf fallende Kurse. Die DAB Bank hat über einen Zeitraum von sechs Jahren das Verhältnis von gehaltenen Put- und Call-Optionsscheinen sowie -Zertifikaten untersucht. Dies ist ein geeigneter Indikator zur Bewertung der Stimmungslage an Finanzmärkten. Das Ergebnis: Bei Privatanlegern ist trotz des aktuellen Allzeithochs des Deutschen Aktienindex die Euphorie noch nicht ausgebrochen, anders als Ende 2007, als der DAX nach einer mehrjährigen Rallye bei über Punkten notierte. Ende November 2013 betrug die Put-Call-Ratio 1 : 6, vor sechs Jahren waren bei einem Verhältnis von 1 : 12 noch vergleichsweise doppelt so viele Calls im Bestand. Aktuell/Tipps: Verluste begrenzen mit Stop Loss Orders In der jüngsten Vergangenheit jagte der DAX von Rekord zu Rekord. Allerdings kann niemand vorhersagen, wie lange diese Rallye noch anhält. Deshalb sollten Anleger versuchen, ihr Risiko zu minimieren, indem sie ihr Depot beispielsweise durch eine Stop Loss Order absichern. Mit einer sogenannten Trailing Stop Loss Order passt sich die Stoppmarke sogar automatisch an steigende Kurse an. Solche Instrumente sind generell für alle Wertpapiere zu empfehlen. Wissen Finanzmarkt: Herdenverhalten und Mental Accounting sind typische Fehler an der Börse Im richtigen Leben wie auch an der Börse gilt: Gier und Panik setzen die Vernunft außer Kraft. Ökonomen beschäftigen sich seit Jahren mit der Frage, warum das so ist. Einen Erklärungsversuch dafür liefert ein Wissenschaftszweig, der dem Berkeley-Professor Daniel Kahneman 2002 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften einbrachte: Die Behavioral Finance. Dieses relativ junge Forschungsfeld untersucht die Frage, warum und wie typisch menschliches Verhalten immer wieder zu fehlerhaften Anlageentscheidungen führt. Herdenverhalten oder das Phänomen des Mental Accounting sind zwei Beispiele solcher psychologischen Fallen. 2

3 2. Zahlen und Fakten: Put-Call-Ratio: Keine Euphorie der Privatanleger trotz DAX-Rekord Die Put-Call-Ratio (PCR) ist ein geeigneter Indikator zur Bewertung der Stimmungslage auf Finanzmärkten. Sie beschreibt das Verhältnis von gehaltenen Verkaufsoptionen (Puts) zu Kaufoptionen (Calls). Werden mehr Put-Optionen als Call-Optionen gehalten, ist dies ein Zeichen für negative Marktstimmung, da mehr Anleger mit fallenden als mit steigenden Kursen rechnen. Überwiegen dagegen Calls, rechnen Marktteilnehmer mit einer zukünftig positiven Kursentwicklung. Die DAB Bank hat über einen Zeitraum von sechs Jahren das Verhältnis von gehaltenen Put und Call Optionsscheinen sowie -zertifikaten untersucht. Zu diesem Zweck hat die Münchener Direktbank die Depots ihrer Privatkunden ausgewertet. Das Ergebnis: Insgesamt sind die Privatanleger in den vergangenen Jahren sehr optimistisch unterwegs. Calls werden viel häufiger genutzt als Puts. Einen Höhepunkt erreichte die Euphorie Ende 2007, als der DAX nach einer mehrjährigen Rallye bei über 8000 Punkten notierte und zwölfmal so viele Calls gehalten wurden wie Puts. Ende November 2013 betrug die Put-Call-Ratio dagegen nur 1 : 6, d.h. dass das Volumen der Calls aktuell sechsmal so hoch liegt wie das der Puts. Optimismus der Anleger aktuell trotz DAX-Allzeithoch geringer als in der Vergangenheit Beim ersten Untersuchungszeitpunkt zum Jahreswechsel 2007/2008 neigte sich die Put-Call-Ratio mit 1 : 12 extrem auf die Seite der Calls. Der DAX hatte einen langen Aufwärtstrend hinter sich und viele Anleger hofften weiterhin darauf, von steigenden Kursen zu profitieren. In der Folge setzte allerdings eine langanhaltende Talfahrt ein: Bis Ende Februar des Jahres 2009 verlor der DAX über Punkte und damit mehr als 50 Prozent seines Werts. Dieser Negativtrend hinterließ auch bei den Anlegern Eindruck, die das einzige Mal während des Untersuchungszeitraums mehrheitlich pessimistisch gestimmt waren: Anfang 2009 betrug die Put-Call-Ratio 1 : 0,9, d.h. auf 10 Euro in Put- Optionen kamen damals nur 9 Euro in Calls. Kurz darauf begann jedoch eine abermalige Trendwende und der DAX begann wieder stark zu steigen. Gerade im Jahr 2013 eilte der DAX von Rekordhoch zu Rekordhoch und knackte erstmals die Punkte-Marke. Mit einem Verhältnis von 1 : 6 sind sie dabei aber noch weit entfernt von der Euphorie im Dezember 2007 (1: 12) und auch dem Juli 2011 (1: 9). 3

4 Put-Call-Ratio als Kontraindikator Die Auswertung zeigt, dass in der Vergangenheit ein Einbruch am Markt zu erkennen war, wenn die Trader extrem stark auf Calls setzten. Wenn Puts überwogen wie beispielsweise Anfang 2009 war dies der Beginn eines längeren Aufschwungs. Die Put-Call-Ratio kann insofern als Kontraindikator interpretiert werden, d.h. die zukünftige Entwicklung des Marktes verlief oft gegensätzlich zur aktuellen Stimmungslage der Anleger. Vor dem Hintergrund der aktuellen Put-Call-Ratio scheint der DAX also noch ein Potential für weitere Kursgewinne zu haben. Da auch hier nicht sicher gesagt werden kann wie lange der Trend hält, ist es in jedem Fall angeraten, das eigene Depot und bereits erzielte Kursgewinne abzusichern beispielsweise durch Stop Loss Orders. Abbildung: DAX-Verlauf seit 2008 / Put-Call-Ratios bei den Privatkunden der DAB Bank zu ausgewählten Zeitpunkten 4

5 3. Aktuell/Tipps: Verluste begrenzen mit Stop Loss Orders In der jüngsten Vergangenheit jagte der DAX von Rekord zu Rekord. Allerdings kann niemand vorhersagen, wie lange diese Rallye noch anhält. Deshalb sollten Anleger versuchen, ihr Risiko zu minimieren, indem sie ihr Depot beispielsweise durch eine Stop Loss Order absichern. Trailing Stop Loss passt sich automatisch der Kursentwicklung an Mit Hilfe einer Stop Loss Order können Anleger eine bestimmte Kursmarke festlegen, bei der ein Wertpapier zum nächsten handelbaren Kurs verkauft wird, wenn es diese unterschritten hat. Anleger vermeiden dadurch Verluste, die entstehen, wenn sie zu lange an einem Wertpapier mit schlechter Performance festhalten. Mit einer so genannten Trailing Stop Loss Order, wie sie etwa die DAB Bank anbietet, passt sich die Stoppmarke sogar automatisch an steigende Kurse an. Ein Beispiel soll dies veranschaulichen: Angenommen ein Anleger besitzt eine Aktie, deren Wert aktuell 50 Euro beträgt. Mit einer Trailing Stop Loss Order legt er den initialen Stopp bei 45 Euro fest, den Abstand auf 5 Euro. Steigt die Aktie jetzt auf 60 Euro, wird der Stopp automatisch auf 55 Euro (60 Euro 5 Euro) erhöht. Sollte die Aktie anschließend wieder fallen, wird sie bei Unterschreiten des neuen Stopps von 55 Euro automatisch am Markt verkauft. Alternativ kann der Abstand auch als prozentualer Wert des aktuellen Kurses definiert werden. Laut einer Auswertung der DAB Bank stieg der Anteil der Anleger, die eine Stop Loss oder Trailing Stop Loss nutzen, zwischen 2011 und 2013 von 11,8 Prozent auf 12,5 Prozent. Allerdings besteht hier noch deutlich Luft nach oben. Stop Loss einsetzen um Gewinne zu sichern Auch wenn es bei der Stop Loss Order dem Namen nach um die Begrenzung von Verlusten geht, kann sie auch zur Sicherung von Gewinnen eingesetzt werden. Wer im aktuellen Umfeld bereits Kursgewinne in seinem Depot hat, aber noch weiter an den Investments festhalten will, kann den Stopp auf einen Wert oberhalb seines ursprünglichen Einstiegs festlegen. Tritt dann die Trendwende ein, wird nicht gewartet bis die einmal erreichten Buchgewinne dahinschmelzen und sich sogar in Verluste verwandeln können, sondern es wird am vorher definierten Punkt mit Gewinn verkauft. 5

6 Auswahl einer vernünftigen Stoppmarke entscheidend Obwohl Anleger Verluste möglichst vermeiden wollen, ist das Platzieren einer relativ hohen Stoppmarke nicht immer sinnvoll, denn dann wird bereits ein Verkauf möglicherweise zu früh ausgelöst. Wer seine Aktienposition langfristig halten möchte, darf den Stop Loss nicht nur um die Schwankungsbreite eines Tages vom aktuellen Kurs entfernt platzieren, so Malte Rubruck, Trading- Experte bei der DAB Bank. Setzt ein Anleger die Stoppmarke andererseits zu niedrig, nimmt er möglicherweise unnötig hohe Kursverluste in Kauf. Die Absicherung sollte deshalb immer abhängig von der eigenen Risikoneigung, der aktuellen Volatilität des Investments und der geplanten Haltedauer sein. Stop Loss Orders bieten eine gute Möglichkeit, sich vor Kursverlusten zu schützen. Mit einer Trailing Stop Loss Order ist es besonders einfach, Gewinne laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen, erklärt Malte Rubruck. Das Setzen einer Absicherungsmarke ist bei der DAB Bank bei allen deutschen Inlandsbörsen und Xetra sowie bei vielen Emittenten im außerbörslichen Handel möglich. 6

7 4. Wissen Finanzmarkt: Herdenverhalten und Mental Accounting sind typische Fehler an der Börse Im richtigen Leben wie auch an der Börse gilt: Gier und Panik setzen die Vernunft außer Kraft. Ökonomen beschäftigen sich seit Jahren mit der Frage, warum das so ist. Einen Erklärungsversuch dafür liefert ein Wissenschaftszweig, der dem Berkeley-Professor Daniel Kahneman 2002 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften einbrachte: Die Behavioral Finance. Dieses relativ junge Forschungsfeld untersucht die Frage, warum und wie typisch menschliches Verhalten immer wieder zu fehlerhaften Anlageentscheidungen führt. Herdenverhalten verhindert eigene Entscheidungsfindung Ein typischer Fehler, der zu schlechten Investments führen kann, ist das Imitieren von Trends. Viele Anleger folgen dabei dem sogenannten Herdentrieb und investieren in Produkte, die gerade besonders angesagt sind. Dabei vernachlässigen sie oft die eigene Analyse und Entscheidungsfähigkeit und gehen davon aus, andere Investoren seien besser informiert als sie selbst. An der Börse kann sich dieses Verhalten jedoch fatal auswirken und so entstehen spekulative Blasen, die früher oder später platzen: Zuerst entwickelt sich ein Aufwärtstrend, immer mehr Anleger folgen diesem Verhalten und schließlich rennen alle in eine Richtung. Wenn dann die Stimmung dreht, sind massive Kursverluste die unmittelbare Folge. Börsenaltmeister André Kostolany sagte einmal treffend: Steigt die Börse, kommt das Publikum, fällt die Börse, geht das Publikum. Herdenverhalten führt folglich zu Über- und Unterbewertung von Aktienkursen. Mental Accounting hemmt den Verkauf von schlechten Wertpapieren Ein weiterer psychologischer Fehler ist das sogenannte Mental Accounting. Nach dieser Theorie des Chicagoer Professors Richard Thaler teilen Anleger ihre Transaktionen in mentale Konten ein, bei denen Ausgaben gewissen Kategorien zugeordnet werden. Dies kann dazu führen, dass nach schlechten Investitionen zusätzlich Geld verschwendet wird, um einen möglichen Verlust zu begrenzen. Kauft ein Anleger an der Börse ein Wertpapier, eröffnet er hierfür unbewusst ein mentales Konto. In der Folge kontrolliert der Anleger, ob es im Plus oder Minus ist. Aufgrund von Verlustaversion sind viele nicht dazu bereit, eine schlechte Investition zu akzeptieren und das Konto bei einem negativen Stand aufzulösen. Oft fallen die Kurse aber noch weiter und der Verlust vergrößert sich noch mehr. Durch das Bestreben, jedes einzelne Konto im Plus zu halten, verlieren Anleger oft den Überblick über die Gesamtheit des Portfolios. Deshalb ist es ratsam, gleich beim Kauf eines Wertpapiers klare 7

8 Verkaufsmarken ( Stop Loss, siehe Tipps) zu setzen, bei deren Erreichen auf jeden Fall verkauft wird. Anleger sollten generell immer die Gesamtstrategie im Auge behalten und nicht zu viel Wert auf einzelne Investments legen. 8

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