Rudolf Stadler S P O R T K U N D E

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1 Rudolf Stadler S P O R T K U N D E Entwicklung Stand Perspektiven September 2010

2 Vom sporttheoretischen Lernen im Fach Leibesübungen zur Sportkunde als Theoriefach Allgemeindidaktische Prinzipien als Basis für sporttheoretisches Lehren und Lernen Darstellung und Analyse von Modellen und Projekten zur Sportkunde

3 REFERAT Historischer Rückblick Lehrpläne Sportkunde 1976 / 1993 / Lehrplan WPG Didaktische Grundsätze DISKUSSION Sportkunde und Theorie des Sport und der Bewegungskultur im Zusammenhang mit der Diskussion um Bildungsstandards?

4 Vom sporttheoretischen Lernen in Leibesübungen zur Sportkunde als Theoriefach Theorie-Elemente immer schon Bestandteil des Sportunterrichts G. Stibbe: Zur Tradition von Theorie im schulischen Sportunterricht. Eine Untersuchung über die Entwicklung der Kenntnisvermittlung in Schulsportkonzepten von 1770 bis Philanthropistische Reformbewegung ( ) Belehrungen über Notwendigkeit und Zweck gymnastischer Fertigkeiten Informationen zu Gefahrenquellen Unfallprophylaxe Kenntnisse über Bewegungen (Systematiken) Reformpädagogik ( ) Österreich: Natürliches Turnen (Gaulhofer & Streicher) Enquete für körperliche Erziehung von 1910 Theorie zum Bewegungslernen als Motivationshilfe zur Gesundheitsförderung zu technisch-taktischen Grundlagen Fachsprache

5 3 Zitate: Wichtig ist es, die Turner auch sonst an die Beachtung ihrer körperlichen Zustände zu gewöhnen. Man lehre sie Puls zählen und ermahne sie, das selbständig sofort nach anstrengenden Übungen zu tun und 10 Minuten später nochmals, wo der Puls wieder normal sein soll. Bei all dem darf der Turnunterricht kein Redeunterricht werden. Turnen bleibt die Hauptsache. (Eckart 1913) Es werden Lebensführung, Gesundheitslehre usw. besprochen in enger Anlehnung an praktisches Turnen. Geeignete Belehrungen fördern Verständnis und Interesse für das Turnen insbesondere auch bei den Schwächlingen, Gebrechlichen und Unbeholfenen. Diese Belehrungen sind die Hauptursache, daß am Realgymnasium Stockerau keine vom Turnunterricht befreite Schüler sich befinden und das Verständnis für Gesundheitsturnen hoch entwickelt ist. (Slama 1923) (...) welch unendlicher Wert läge für unser ganzes Volkstum darin, wenn schon in frühester Jugend neben der rein körperlichen Ausbildung ein aufklärender, wissenschaftlicher Unterricht nebenhergehen würde. (Ludwig 1927) Nationalsozialismus Theoriefeindlichkeit Instrumentalisierung im Sinne der Ideologie

6 Ansätze für sporttheoretischen Unterricht Bildungstheoretische Didaktik leitend Erziehungsanspruch des Faches Pädagogische Aufwertung der Leibeserziehung (Nationalsozialismus!) Fachlehrplan für Leibesübungen wenig sportkundliche Inhalte Aufgabe der Leibeserziehung: Die Kritikfähigkeit der Schüler im Hinblick auf Phänomene des Sports zu fördern. (Klafki ) Österreichische Schulversuche zu Leibesübungen Tägliche Turnstunde in Volksschulen Unverbindliche Übungen und Neigungsunterricht Versuchsschulen für Leistungssportler Hauptschulen und Gymnasien mit allgemein-sportlicher Ausrichtung Schulsportwochen Begleitende Untersuchungen (Groll) Anthropometrie, Motorik Intelligenztest, Schulleistungen (Standardisierter Test und Noten in D, E, M) Gruppenstatus, LehrerInnenbefragung

7 Schweiz: Ergänzungsfach Sport in der gymnasialen Oberstufe Bundesrepublik Deutschland Versuche zu sportbetonten Schulen vor 1972 ( Kalter Krieg, Deutscher Sportbund, Olympische Spiele München) Bonner Vereinbarung zur Einführung von Grund- und Leistungskursen in der gymnasialen Oberstufe (1972) - Hochschulreife + Neigung/Begabung + Berufsfelder/Sportwissenschaften - Vorgaben: Wissenschaftspropädeutik und Theorie-Praxis-Verknüpfung Lehrbücher für den Unterricht in Sporttheorie und zur Praxis - Blaue und grüne Reihe in NRW, Kursbücher Bayern, Numerus clausus Normenbücher (Rückschritt 1976) Leistungskurs Schwerpunkt- und Ergänzungssportarten (Individual-/Mannschaftssport) Theorieunterricht additiv: Systematik der Sportwissenschaften Sporttheorie folgt damit dem Muster einer Abbilddidaktik, die lediglich die Inhalte des Sportstudiums in die Sekundarstufe II holt, ohne nach deren schulpädagogischer Funktion und den Interessen der Schüler zu fragen. (Naul) Sportwissenschaft in Westentaschenformat (Grupe)

8 Funktion (1974): Theorie des Sporttreibens im Sinne rationaler Analyse Als geistige Auseinandersetzung mit dem Sport in unserer Welt (Quanz) Sporttheorie im Fächerkanon (1980): Das Schielen nach den anderen Fächern insbesondere in der Abiturprüfung kann den eigenständigen Bildungsauftrag dieses Faches aus dem Blick geraten lassen. Daß Sport gleichgewichtig neben die anderen Fächer getreten ist, heißt noch nicht, daß nun alle Fächer gleichartig sind. (Köster) Kritik am Normenbuch Sport (1980): ( ) der Unterricht in der Sporttheorie reduziert sich auf eine Abbildung der universitären sportwissenschaftlichen Arbeitsbereiche (Abbilddidaktik); es überwiegt die additive Verknüpfung sportwissenschaftlicher Teilgebiete gegenüber einer problemorientierten, interdisziplinären Arbeitsweise; Sportbiologie, Trainings- und Bewegungslehre besitzen ein Übergewicht gegenüber sozialwissenschaftlichen und pädagogischen Theoriebereichen; eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis der Sportarten und dem Bereich der allgemeinen Sporttheorie ist kaum gegeben; die Sportlehrer wurden und werden durch ihre Ausbildung bzw. geeignete Fortbildungsmaßnahmen nicht auf die Umgestaltung des Sportunterrichts in der gymnasialen Oberstufe vorbereitet. (Langefeld ua.)

9 Projektgruppe Leistungskurs Sport (Trebels ua) Kritik an Abbilddidaktik Modell eines themen- und problemorientierten Unterrichts in Sporttheorie Umfangreiche Unterrichtsmaterialien Lernziele und Lerninhalte im Leistungskurs (Matrix) Theoriefelder?? Handlungsfelder Bewegung und Training Körper und Gesundheit Individuum und Gesellschaft Sport betreiben Funktionen ausüben Sport konsumieren

10 Entwicklung in Österreich seit 1970: Schulversuche zu Schulen mit sportlicher Sonderform in 1960er Jahren Sportkunde als Fach im Sportgymnasium Sek II (wenig thematisiert) Niedermann: Tagung in Raach Schülerbuch Einführung des Sportgymnasiums als Langform 1976 Theoriefach Sportkunde (5.-8. Klasse) Lehrpläne für Sportkunde von 1976 und 1993 Lehrbuch Know how WPG Theorie des Sports und der Bewegungskultur Normalform des Gymnasiums Schulversuche in 1990er Jahren Gesetzliche Verankerung mit Voraussetzungen: - Abstimmung im Schulgemeinschaftsausschuss - Lehrplanerstellung am Standort (Broschüre) Broschüre Fortbildungen Expertenmeeting 2007

11 Sportkundliches Lernen Didaktische Prinzipien Selbsttätiges und selbstständiges Lernen und das Prinzip der Projektmethode Ganzheitlichhandlungsorientiertes Lernen und das Prinzip des offenen Unterrichts Exemplarischer und informierender Unterricht und das Prinzip des Spiralcurriculums Fachsystematischer Unterricht und das Prinzip des überfachlichen Lehrens und Lernens Entdeckendproblemorientiertes Lernen u. das Prinzip der Wissenschaftspropädeutik

12 THEORIE des SPORTS und der BEWEGUNGSKULTUR Biologisch-anthropologische Bedeutung Grundzüge der Trainings- und Bewegungslehre Sportarten und Organisation des Sports Phänomene der Bewegungskunst BEWEGUNG als PHÄNOMEN Gesundheit und Bewegung Historische, soziologische, ökonomische Zusammenhänge Sportpsychologie und Psychomotorik Kulturelle und soziale Bedeutung

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