Offene Fehlerkultur ein utopisches Ziel?

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1 Offene Fehlerkultur ein utopisches Ziel?

2 Offene Fehlerkultur was ist das? warum? wo könnte es sein? Struktur Patienten CIRS Mortalitätskonferenzen

3 Fehler kann man weder erlauben noch verbieten! Offene Fehlerkultur: Diese Kultur kann als Summe des gesamten Wissens, aller Werte, Grundsätze und Symbole in einem gesellschaftlichen System verstanden werden. Fehler zu akzeptieren, als Verbesserungspotenzial bzw. Wegweiser zu betrachten und muss somit in das Wertebild der Organisation aufgenommen und als Fehlerkultur gelebt werden. Respekt, offene Kommunikation, Zuhören und eine schuldzuweisungsfreie Fehlerkultur bilden eine symbiotische Wechselwirkung, welche zu einem sozialen Gut der Organisation wird.

4 IQM A IQI

5 Warum offene Fehlerkultur?

6 Hindernde Faktoren Verantwortlichkeiten? Zivilrechtliche Haftung Ausgleichsgedanke (Schadenersatz) KA-Träger wird in Anspruch genommen Geschädigter stellt Ansprüche Strafrechtliche Haftung Strafgedanke/Prävention Handelnde Person ist angesprochen Staat stellt Anspruch 2008 NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft Organisationsstruktur

7 Verantwortlichkeiten Arbeitsrechtliche Konsequenzen Entlassung/Kündigung Disziplinäre Haftung Strafgedanke/Prävention Handelnde Person ist angesprochen Öffentlich rechtliche Körperschaft (Bund, Land, Ärztekammer) 2008 NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft Organisationsstruktur

8 Zivilrechtliche Haftung Patient Behandlungsvertrag Vertragliche Haftung KA Deliktische Haftung Personal Regress Erfüllungsgehilfe In der Praxis wird der KA-Tr Träger (Haftpflichtversicherung) in Anspruch genommen. Das Personal wird als Erfüllungsgehilfe tätig NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft Organisationsstruktur

9 Privileg für Gesundheitsberufe Fahrlässige Körperverletzung ( 88 StGB) Bei leichter Körperverletzung ist ein sogenanntes Privileg für die Gesundheitsberufe vorgesehen. Keine Bestrafung, wenn: kein schweres Verschulden Dauer der Gesundheitsbeeinträchtigung oder Berufsunfähigkeit unter 14 Tagen NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft Organisationsstruktur

10 Damoklesschwert Strafrecht? Mit einem Fuß im Kriminal? Ein sinnvoller Weg für Patienten? Verurteilung 1% Einstellung wegen geringer Schuld 3% Kein Anfangsverdacht 9% Einstellung mangels hinreichenden Tatverdachts 92% NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft Organisationsstruktur

11 Ziel eines Haftungsprozesses Erhalt eines Schuldeingeständnisses 58% Auslösung eines Präventiveffektes, Schutz anderer Patienten 54% Gerichtsverfahren als Möglichkeit die genauen Umstände zu klären 50% Arzt soll Bedauern ausdrücken 46% Gegenseite soll durch Prozess erlittenes Leid verdeutlicht werden 40% Erhalt einer finanziellen Entschädigung 33% Wunsch den Standpunkt der Gegenseite besser zu verstehen 30% 13

12 Motivation sich zu beschweren Patient wurde nicht ernst genommen Gesprächsverweigerung des Arztes Patient möchte persönliche Entschuldigung Ist das zulässig? (Schuldeingeständnis?) Patient möchte, dass Verbesserungen eintreten ( es soll anderen Patienten nicht so wie mir gehen ) Nachbehandler: Was haben denn die schon wieder gemacht Ich möchte wissen, was eigentlich los war und ob jemand schuld war Mir ist viel Leid geschehen, ich möchte dafür einen finanziellen Ausgleich 14

13 Entschuldigung als Haftungsfalle? Entschuldigung= Haftungsanerkenntnis? weil Obliegenheitsverletzung!

14 58a, Abs. 2 Ärztegesetz (2) Für den Fall des Bestehens einer Haftpflichtversicherung begründet die Mitwirkung des ersatzpflichtigen Versicherungsnehmers an der objektiven Sachverhaltsfeststellung keine Obliegenheitsverletzung, die zur Leistungsfreiheit des Versicherers führt.

15 Kommunikation nach einem Behandlungszwischenfall ein zentrales Thema des Fehlermanagements Ausgangslage: Patienten und Angehörige erleben oft eine unbefriedigende Situation durch nicht offene Kommunikation Behandelnde erleben oft unkoordinierte Reaktionen und vorschnelle Schuldzuweisungen Zur Traumatisierung durch Zwischenfall- kommt durch eine problematische Kommunikation eine zusätzliche psychische Verletzung und Traumatisierung; im Nachhinein schwer wieder gut zu machen Behandelnde entwickeln Schuldgefühle und haben Bedürfnis den Zwischenfall zu diskutieren, zu verarbeiten und sich verstanden zu fühlen ( second victim ) Juristische Reaktionen oft als Wunsch nach genauer Information, den Vorfall verstehen zu können und Bedürfnis psychische Verletzung auszugleichen (fehlende Ehrlichkeit, keine Entschuldigung).

16 Patienten wollen: Empathie spüren und offen und ehrlich informiert werden; Respekt gegenüber Wissensbedürfnis; aufrichtiges Bedauern und Entschuldigung; verstehen, was schief gelaufen ist; Information über gesundheitliche Konsequenzen und wie Behandlung weitergeht; vor weiterem Schaden bewahrt werden; sie wollen, daß Institution aus Fehler lernt und sich Fehler nicht wiederholen; Vertrauen kann aufrechterhalten werden, Risiko für Rechtsstreit wird minimiert; Weg zu einer konstruktiven Bewältigung für alle Betroffene und Aufgreifen des Lernpotentials.

17 Wir lernen viel mehr aus unseren Fehlern als aus unseren Erfolgen! Die eigene Erfahrung ermöglicht ein viel fundamentaleres Lernen als Verbote und schlecht verstandene Regeln, oder dogmatisch praktizierten Anweisungen die Fehlern vorbeugen sollen.

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