Das Bett als Lebensraum demenzerkrankter Menschen

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1 Das Bett als Lebensraum demenzerkrankter Menschen Sich spüren und die Umwelt bis zum letzten Atemzug wahrnehmen Das Bett Intimen Bereiches des Lebens Beginn und Ende des Tages Persönlicher Schutzraum Geburt und Sterben/Tod Sprachgeschichtlich bedeutet Bett eine in den Boden eingewühlte Lagerstätte, im Boden ausgehobene Schlafgrube (Trübners Deutsches Wörterbuch 1939) * 1 * 1 Zitat: Thomas Buchholz/Ansgar Schürenberg Basale Stimulation in der Pflege alter Menschen -Anregungen zur Lebensbegleitung, Huberverlag,Seite 174 2

2 Das Pflegebett Lagerung eines Menschen Entlastung des Patienten Elastische Lagerung anpasst an das Krankheitsbild Pflegeumfeld für die Arbeitsabläufe Hygieneanforderungen 3 Das Bett als Lebensraum für einen gesunden Menschen: für den/die Pflegemitarbeiterin: Erholung durch Schlaf und auch: hier dürfen wir dösen/entspannen und uns der Umwelt entziehen Arbeitsfläche unter Berücksichtigung, dass das Bett Lebensraum des zu Pflegenden ist für den pflegebedürftigen, multimorbiden, evtl. sterbenden Menschen: der verbliebene Lebensraum für die verbleibende Lebenszeit 4

3 Bedeutung für Bettlägerige Das Bett als Lebensraum von 1,9 qm kann zum Gefängnis werden! Abnahme der sozialen Kontakte Abhängigkeit Reizarmut Immobilität Veränderung des Tag-Nachtrhythmus 5 Verschiedene Studien in deutschen Pflegeheimen zufolge lagen 28 % der mittelschwer bis schwer demenzerkrankten Bewohnerinnen den Großteil der Wachzeit im Bett (Schäufele et al. 2007, Weyerer et al. 2006). Quelle: Qualitätsniveaus in der stationären Altenpflege, Dr. Martina Schäufele, Ingrid Hendlmeier, Sandra Teufel, Prof. Dr. Siegfried Weyerer, Herausgeber: Bundeskonferenz zur Qualitätssicherung im Gesundheits- und Pflegewesen e.v. (Buko-QS) 6

4 Stellen Sie sich vor, sie sehen den ganzen Tag, Wochen, Monate, vielleicht auch Jahre auf die gleiche Zimmerdecke über ihrem Bett und Sie könnten an dieser Situation aus eigener Kraft keine Veränderung schaffen Wie fühlen Sie sich bei diesem Gedanken? 8

5 Der Alltag eines bettlägerigen Menschen besteht oft darin, dass ihm tagein/tagaus über Monate und Jahre der gleiche Rhythmus auferlegt wird 9 Tagein, tagaus, Wochen, Monate und auch Jahre immer der gleiche Tagesablauf 10

6 Bettlägerigkeit erfüllt in manchen Fällen den Straftatbestand der Freiheitsberaubung Bettlägerigkeit kommt der Einzelhaft nahe Quelle: Angelika Zegelin (2005) -"Festgenagelt sein", Verlag Hans-Huber, Bern 11 Immer im Bett zu liegen bedeutet: Abhängigkeit Vereinsamung Isolierung Rückzug in die Innenwelt Inaktivität Schmerzen Sauerstoffmangel Angst und an Demenz erkrankte Menschen können sich dazu nicht äußern oder gar ihre Situation verändern! 12

7 Zentrale Ziele BIS ZUM LETZTEN : Atemzug 13 Leben erhalten Das eigene Leben spüren Sicherheit erleben Vertrauen aufbauen Den eigenen Rhythmus entwickeln Die Außenwelt erfahren Beziehungen aufnehmen Begegnungen gestalten Das Leben selbst gestalten Sinn und Bedeutung geben und erfahren Autonomie und Verantwortung leben Quelle: Basale Stimulation Neue Wege in der Pflege Schwerstkranker von P. Nydahl + G. Bartoszek Verlag Urban und Fischer

8 Bedürfnisse wahrnehmen Tag/ Nachtrhythmus Sicherheit Orientierung Sich spüren Zu Hause sein Am Leben teilhaben Geborgenheit Dem Leben Sinn geben Soziale Kontakte Gefühle leben 15 Ressourcen erkennen damit kommuniziert werden kann Wahrnehmen und Selbstwahrnehmung stattfindet Bewegung erlebt wird 16

9 Wünsche erkennen Ich möchte in meiner gewohnten Umgebung leben Ich möchte mich geborgen fühlen Ich möchte meine bevorzugten Farben sehen Ich möchte meine Lieblingsdinge um mich haben Ich möchte tätig sein Ich möchte mich orientieren können Ich möchte Tag und Nacht wahrnehmen Ich möchte Intimsphäre erleben Ich möchte die Welt außerhalb meines Lebensraumes wahrnehmen können Ich möchte mich spüren Ich möchte nicht frieren Ich möchte Körperkontakt Ich möchte Aufmerksamkeit und Anregung und am Demenz erkrankte Menschen können diese Bedürfnisse nicht äußern oder sich diese eigenständig erfüllen! 17 Dem Menschen beistehen heißt Dienen. Das bedeutet, sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen zu orientieren, in deren Dienst man sich gestellt hat. Zitat nach: Marina Kojer Fachtagung Palliative Geriatrie Berlin 18

10 Wir schauen und planen im personenzentrierten Ansatz Wie dienen wir? Wir begegnen den Menschen mit Validation Wir lassen uns durch eine Palliative Grundhaltung im Sinne der Hospiz -Bewegung lenken und leiten Wir betreuen mit Respekt und Wertschätzung Wir unterstützen (Er-) Leben durch Basale Stimulation Wir zeigen Geduld, Verständnis, Taktgefühl und Einfühlungsvermögen 19 Persönliche Voraussetzung ist Pflegeverständnis als Begleitung Empathie Wohlbefinden und Lebensqualität stehen im Vordergrund 20

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