Liebe Gemeinde ich nehme das letzte Wort dieser unglaublichen Geschichte auf. Der

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1 Predigt Gottesdienst in Bolheim Genesis G esis 50, Die Brüder Josefs aber fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben. 16 Darum ließen sie ihm sagen: Dein Vater befahl vor seinem Tode und sprach: 17 So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! Aber Josef weinte, als sie solches zu ihm sagten. 18 Und seine Brüder gingen hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: Siehe, wir sind deine Knechte. 19 Josef aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes statt? 20 Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. 1.) Am Leben zu erhalten ein großes Volk Liebe Gemeinde ich nehme das letzte Wort dieser unglaublichen Geschichte auf. Der Mann mit dem bunten Mantel, Josef, macht noch einmal deutlich. Was auch immer geschehen ist in der langen Geschichte mit meinen Brüdern und mir hat nur ein Ziel gehabt: Leben zu erhalten. Und man glaubt es kaum: auf jeder Zeile dieser Geschichte hat Gott mitgeschrieben. Er war nie aus dem Spiel, obwohl ihn viele überhaupt nicht wahrnehmen. Gelt, damit haben wir doch so oft unsere Schwierigkeiten im Leben. Wir meinen Gott hat sich aus unseren Geschichten verabschiedet. Wir erleben gerade in unserer Gemeinde sehr viel Leid und Not. Menschen werden schwer krank und wir können uns das gerade überhaupt nicht mehr vorstellen, wie das alles weiter gehen kann. Und dann beten wir und merken. Das ist ja der Normalfall. Unser Leben ist endlich. Wir haben nur eine bestimmte Zeit auf Erden. Und wir haben so dringend einen nötig, der in unserem Leben mitschreibt, der dabei ist. Leute, die schon lange in der Gemeinde unterwegs sind, entdecken: wir müssen noch einmal ganz neu anfangen zu glauben und zu hoffen. Wir falten die Hände wieder ganz bewusst. Wir beten füreinander, denken aneinander, verbinden uns zu der Gemeinschaft, zu der Gott uns berufen hat.

2 Gott ist da in den schweren Geschichten, weil er ein Freund des Lebens ist. Deshalb ist auch die Geschichte vom Mann mit dem bunten Kleid gut geworden. Und die mit seiner Familie, mit seinen Brüdern und deren Familien auch. Was geht voraus? Zunächst eine traurige Geschichte wie wir sie auch immer wieder erleben. Die Familie Josefs ist in Ägypten wieder vereint. Dann stirbt Jakob, der Vater. Er soll bei seinen Vätern bestattet werden. Deshalb muß der Leichnam für den Transport entsprechend behandelt werden. Viel wichtiger als das Sterben selber ist die Heimkunft Jakobs. Die Ägypter waren in der Antike Meister der Balsamierung. 40 Tage dauert die Behandlung, 70 Tage die Trauer. Jakob wird wie ein König behandelt. Vor ihm beugen sich alle. Josef bittet seinen Chef, den Pharao, um Beurlaubung von seinen Diensten. Die zeigt die Höhe der Gunst und die Breite seiner Verantwortung für das Land Ägypten an. Die Reise nach Kanaan ist für die Identität des Josefs und des Volkes Israel entscheidend wichtig. Josef muß während der Trauerzeremonie die Einbindung in die Familie erfahren. Deshalb kann er nebenher nichts anderes tun. Trauer braucht ihre Zeit, wer das schon durchgemacht hat, kann das sicher bestätigen. Ägypten bleibt trotzdem die neue Heimat Josefs, wenn auch seine Wurzeln in Kanaan liegen. Nach dem Begräbnis bricht die Frage erneut auf. Denn den Brüdern wird erneut bewusst. So wie sie mit Josef umgegangen waren, war es nicht recht. Sie wollen es nun ein für allemal gut machen. Die Brüder kommen nicht zur Ruhe. Das Gewissen kann nicht totgeschlagen werden. 2.) Schritte zum z Frieden: Drei Schritte erfolgen 1. Schritt: ein Bote bringt die Nachricht zu Josef, daß die Brüder um eine Friedensangebot bitten. Sie wollen Versöhnung, bringen so ihre Schuld vor Josef. Die

3 Distanz ist nicht nur aus der Angst heraus verständlich, sondern es wird deutlich, was damals Schuld war, distanziert auch noch heute. Noch einmal verbeugen sich sinngemäß die Brüder vor Josefs Ehrlichkeit. Wir sagen vielleicht, daß dies nicht nötig gewesen wäre. Hier aber nun doch eine ganz wichtige Geste. 2. Schritt: persönliche Begegnung Hier wird deutlich, daß Josef unter Absehung der Person handelt. Gott ist es, der die Gewissen entlastet. Das böse Planen der Brüder zieht das Erbarmen Gottes nach sich. Gott nützt dem Menschen, sieht, was er braucht. Versöhnung in dieser guten Geschichte. 3.Schritt Josefs Veränderung Auch für Josef ist jetzt ein letzter Schritt erfolgt. Er muss nicht mehr auf Rechtfertigung dringen, sondern rechtfertigt selber. Er kehrt als Veränderter zurück wie auch seine Brüder. Das alte Bild wird abgelöst durch ein neues. Ein großes Volk am Leben zu erhalten. 3.) Gott macht es gut! Wenn ich an die Begegnungen mit den Menschen in Südamerika denke und an unsere Arbeit, dann geht es uns als Christen aus Europa wohl wie den Brüdern. Es gab viele böse Geschichten in Südamerika. Kolonisation, Zerstörung der Natur, Zerstörung der Kultur, Raub der Bodenschätze, das haben die Europäer nach Südamerika gebracht. Eine Ebene unserer Arbeit ist tatsächlich Versöhnungsarbeit, dass hier etwas Neues geschieht, dass Familien heil werden, Menschen Hoffnung gewinnen und ein Volk am Leben erhalten wird. Das hat vor fast 43 Jahren Christen aus Heidenheim inspiriert-gottes versöhnende Kraft weiter zu geben. Angerührt von Jesus, der selber sein Leben als Erlösung für die vielen gegeben hat, von der verändernden Kraft der frohen Botschaft, dass Christus tatsächlich der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, machten sie sich auf. Beseelt

4 von dem Gedanken: Jetzt müssen wir nicht nur reden, sondern etwas tun. So wurden die ersten Mark gesammelt, der Verein Kinderwerk Lima e.v. gegründet und der erste Kindergarten mitten in die Felswüste im El Agustino gebaut. Ein großes Volk am Leben zu erhalten. Wo das seinen Ort findet lässt sich an einer Stelle der Rede der Brüder deutlich machen. Es geht um Verantwortung und Vergebung der Schuld. Um die ganz einfache Frage Wie geht ein Mensch mit seiner Schuld um? Es gibt zwei Möglichkeiten: Verdrängung Zerbrechen Wir nehmen den Schuldzusammenhang glasklar wahr. Es findet eine klassische Familienfehde hinter dem Rücken des Vaters. Solange Menschen aufwachsen, werden sie in diesen Gesamtzusammenhang hineingestellt sein. Nicht umsonst findet der erste Mord der Weltgeschichte zwischen Bruder und Bruder statt. Nicht umsonst wird die Geschichte von Josef mit einem Mordanschlag eröffnet. Gewalt und Unfrieden sind dunkle Punkte in der Geschichte, die durch Wegreden nicht besser werden. Die Offenbarung der Schuld, das Beichten, das Stehen zur Schuld macht aus gebeugten Menschen aufrechte Leute. Deshalb wäre die Geschichte von Josef ohne das Friedenangebot, die Versöhnung nach dem Sterben Jakobs eine halbe Geschichte. Sie lebt im Grund genommen schon von der Solidarität derer, die sich unter das Kreuz stellen lassen. Sie findet ihre Lösung in der Gemeinsamkeit des Glaubens. Stehen wir nicht unter einem Gott, die, die wir aneinander schuldig geworden sind.- Das hat nichts mit

5 enger Frömmelei zu tun, sondern mit der Anerkennung der Macht Gottes, der Macht des Gebets, der Macht der Versöhnung. So wirkt Gott auch heute verborgen mitten in der Geschichte, auch in der, in der Menschen aneinander vorbei und gegeneinander leben und leider Gottes auch sterben Diese Zusammenhänge sind im Übrigen in Deutschland und Peru exakt gleich. Neues Leben entsteht, wo Menschen zu ihrer Verantwortung stehen und Schritte an der Hand Jesu, dem Versöhner gehen. Das zieht sich durch alle Gottesdienste und Andachten, die wir in den fünf Standorten El Agustino, Comas, Huanta, AAsunción und Santani erleben. Josef trug ein buntes Kleid. Ich habe hier eine bunte Hose aus Peru. Unsere Kinder haben sie mitgebracht. Klasse. So bunt wird ein Leben, wenn Gott sein Versöhnungswort spricht. Einfach gut! Gott macht es gut! Amen!

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