Bewegung Ernährung Lernen Akzeptieren in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

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1 Ernährungs- und Bewegungstraining Bewegung Ernährung Lernen Akzeptieren in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

2 Impressum Klinikum Herford, Anstalt des öffentlichen Rechts Schwarzenmoorstr Herford Tel.: / 94-0 Fax: / Internet: Redaktion, Layout und Grafik: Kristina Schütze, Klinikum Herford Fotos: Klinikum Herford, pixelio.de, Firma Lilly Die Verwendung von Bezeichnungen wie Mitarbeiter, Patient o.ä. ist als geschlechtsneutral anzusehen.

3 Psychische Erkrankungen und Übergewicht Psychische Erkrankungen gehen häufig mit einer Veränderung des Körpergewichts einher. Hierfür gibt es verschiedene Ursachen: Zum einen kann eine Gewichtsveränderung eine Begleiterscheinung der Grunderkrankung sein, zum anderen handelt es sich häufig auch um eine durch die Einnahme von Psychopharmaka hervorgerufene Appetitsteigerung. Studien zeigen, dass die Tendenz zu Übergewicht bei psychiatrischen Patienten mit 40 bis 62 Prozent circa doppelt so hoch ist wie in der Allgemeinbevölkerung. Bewegungsmangel, ungünstige Essgewohnheiten und die Einnahme von Psychopharmaka gelten als wesentliche Risikofaktoren, die letztendlich auch die Folgen von Übergewicht, wie zum Beispiel Erkrankungen an Herz und Gefäßen, begünstigen. Viele Patienten empfinden die Gewichtszunahme als zusätzlich psychisch belastend, was sowohl den Therapieerfolg als auch die Therapietreue gefährdet. Bricht ein Patient seine Therapie eigenständig ab, ist die Gefahr eines Rückfalls sehr groß. Diesen zu vermeiden, hat in der Behandlung psychischer Erkrankungen höchste Priorität, so dass eine wirksame und gut verträgliche Medikation eine zentrale Anforderung an eine effektive Therapie ist. Diese Broschüre zeigt im Folgenden die Angebote auf, die psychisch kranke Patienten in der Praxis unterstützen können, um dem Problem aktiv zu begegnen.

4 Programme gegen Übergewicht BELA Das Problem der Gewichtszunahme bei psychischen Erkrankungen besteht, seitdem es psychische Erkrankungen gibt. Trotzdem ist die Thematik im Zuge eines generellen gesellschaftlichen Umdenkens bezüglich Ernährung und Gesundheit erst vor wenigen Jahren in den Fokus der Forschung gerückt. Das Programm - Bewegung, Ernährung, Lernen, Akzeptieren (BELA), eigens für psychiatrische Patienten entwickelt, wirkt einer Gewichtszunahme schon zu Beginn der Therapie gezielt entgegen und ist neben dem Ansprechen und Bewusstmachen des Problems auf eine Änderung des Lebensstils ausgerichtet, der eine erfolgreiche Gewichtsregulation erst auf Dauer ermöglicht. Die ersten wissenschaftlichen Evaluationen belegen den Erfolg des an über 300 Kliniken angewandten BELA-Programmes: Bei einer Erhebung der Ergebnisse durch Lilly Deutschland in 560 Kursen an 206 Zentren hatten 41,4 Prozent der Patienten durchschnittlich über zwei Kilo abgenommen, bei weiteren 36,1 Prozent blieb das Gewicht stabil. Zu einem Anstieg des Körpergewichts kam es bei 22,5 Prozent der Kursteilnehmer, wobei dieser mit circa einem Kilo relativ gering ausfiel. (Zahlen aus : Hundemer HP et al: Impact of a Psychoeducation Program to Manage Weight and Nutrition in Psychiatric Patients (BELA program) Poster Presentation at the 7th International Review of Bipolar Disorder, Rome, May 3-5th 2007))

5 Inhalte von BELA Bewegung Ein langfristiges Gewichtsmanagement ist ohne die ausgewogene Kombination aus Bewegung und gesunder Ernährung kaum möglich. Der Stellenwert von körperlicher Aktivität sollte dabei nicht unterschätzt werden, denn neben dem Fettabbau unterstützt Sport auch die Stärkung des gesamten Organismus insbesondere Muskelaufbau, Immunsystem und Psyche. Damit der Patient sein Gewicht reduzieren kann, muss eine negative Energiebilanz erreicht werden, also mehr Kalorien verbraucht als zugeführt werden. Das Psychoedukationsprogramm zeigt den Teilnehmern einfache Aktivitäten zur Verbesserung von Beweglichkeit, Kraft und Koordination. Außerdem bekommen die Patienten Anregungen zum Ausdauertraining und Tipps für eine eventuell notwendige Ausrüstung. Ziele Wiederherstellung der körperlichen Fitness: Verbesserung der Muskelkraft Verbesserung der Koordination Verbesserung der Beweglichkeit Förderung der Ausdauerleistung Verbesserung der Konzentration Förderung der Motivation

6 Inhalte von BELA Ernährung Ausgewogenes Essen fördert die Lebensfreude, die Gesundheit und damit die Lebensqualität. Welche Nahrungsmittel wann und wie gegessen werden, beeinflusst nicht nur die Gesundheit und das Körpergewicht, sondern auch das Lebensgefühl. Speziell ausgebildete BELA-Kursleiter vermitteln anschaulich, wie dies im Alltag nachhaltig umgesetzt werden kann. Ernährungspyramiden, Schulungen über die Zusammensetzung von Nahrungsmitteln und Ernährungstagebücher sowie das gemeinsame Einüben gesunder Ernährungsgewohnheiten unterstützen.

7 Inhalte von BELA Lernen und Akzeptieren Im Verlauf der Kurse erlernen die Teilnehmer die Bedeutung gesunder Ernährung und körperlicher Bewegung. Ungesunde Lebens- und Essgewohnheiten werden gemeinsam als solche erkannt und analysiert. Das Lernen und Einüben gesunder Lebens- und Essgewohnheiten führt langfristig zu einer Verbesserung der Lebensqualität und kann sich günstig auf die Therapietreue auswirken. Die aktuellen Daten zum Einsatz des Interventionsprogramms BELA zeigen, dass Ernährung und Körpergewicht von psychisch kranken Patienten günstig beeinflusst werden können. Psychoedukationsprogramme zum Gewichtsmanagement stärken das Know-how der Patienten bezüglich eines gesunden Lebensstils. Langfristig soll die Selbstständigkeit der Patienten gefördert werden, indem sie die neu erlernten gesunden Lebensgewohnheiten in ihren Alltag implementieren. Untersuchungen zeigen, dass verhaltenstherapeutische und psychoedukative Programme den Patienten helfen, ihre Ernährungsgewohnheiten umzustellen, die körperliche Aktivität zu erhöhen und so einer Gewichtszunahme vorzubeugen. (Quelles : Hundemer HP et al: Impact of a Psychoeducation Program to Manage Weight and Nutrition in Psychiatric Patients (BELA program) Poster Presentation at the 7th International Review of Bipolar Disorder, Rome, May 3-5th 2007))

8 BELA in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Klinikum Herford In der Herforder Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik wird das BELA-Programm schon seit 2006 erfolgreich angewandt. Ein Team aus einer Diätassistentin, Pflegekräften, einer Krankengymnastin und einer Ärztin gibt regelmäßig dreiwöchige Kurse, in denen die Patienten in gesunder Ernährung und moderater Bewegung geschult und beraten werden. Das erarbeitete Wissen wird auf anschauliche und teilweise auch spielerische Art und Weise eingeübt und verfestigt. Patienten, die vor einer Behandlung mit Psychopharmaka stehen oder sich bereits mitten darin befinden, können hier zusammen mit speziell geschultem Fachpersonal ihre Ernährungs- und Essgewohnheiten analysieren und neu trainieren.

9 Regelmäßige Kursangebote Beginn: jeden ersten Dienstag im Monat Wann: von 16:30 bis 17:30 Uhr Dauer: drei Wochen, immer dienstags und donnerstags Ort: Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Klinikum Herford im Konferenzraum E 031 Nachfragen und Anmeldungen: bei Astrid Göllinger unter Telefon: / oder in der Institutsambulanz der Klinik unter Telefon: / Das Team Dr. med. Martha Kettenbach (Oberärztin, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie) Astrid Göllinger (Diätassistentin, BELA-Kursleiterin) Carolina Mowe (Krankengymnastin, BELA-Kursleiterin) Jahangir Ghaffarian (Krankenpfleger, BELA-Kursleiter) K. Lomidze (Krankenschwester, BELA-Kursleiterin) Gerd Mösing (Krankenpfleger, BELA-Kursleiter) M. Sorhage (Krankenschwester, BELA-Kursleiterin) Jutta Niederbockstruck (Krankenschwester, BELA-Kursleiterin) Sven Kindermann (Krankenpfleger, BELA-Kursleiter) Johanna Pilgramm (Krankenschwester, BELA-Kursleiterin) Rita Liebich (Krankenschwester, BELA-Kursleiterin)

10

11 Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik PD Dr. med. Marcus W. Agelink (Chefarzt) Dr. med. Martha Kettenbach (Oberärztin) Kliniksekretariat: Birgit Kleinen Tel.: / Fax: / Klinikum Herford Schwarzenmoorstr Herford

12 Mit freundlicher Unterstützung von Version 07/2009

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