Anschluss des KOMPSAT European Regional Archive an das Service Support Environment der European Space Agency unter der Verwendung von Web Services

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1 Anschluss des KOMPSAT European Regional Archive an das Service Support Environment der European Space Agency unter der Verwendung von Web Services Johannes WERNIG-PICHLER, Christian SCHILLER und Gerhard TRIEBNIG Zusammenfassung Seit ein paar Jahren spielen Web Services und die damit einhergehende Technologie eine wichtige Rolle in der Geoinformatik. Diese Arbeit beschreibt die Tätigkeiten, die beim Anschluss eines Satellitenbilderkatalogs mittels Web Service Technologie an ein Web- Portal der European Space Agency durchgeführt wurden, und zeigt die dabei gewonnen Erfahrungen auf. 1 Einleitung Trotz mancher Erfolge hat es die europäische Erdbeobachtungsserviceindustrie nicht wirklich geschafft sich zu einer gut ausgebauten, selbsterhaltenden Industrie zu entwickeln. Bis heute besteht eine hohe Abhängigkeit von Regierungsprogrammen und -aufträgen und insgesamt kommt der Serviceindustrie eine nur geringe wirtschaftliche Bedeutung zu (ACHA- CHE 2003). Einer der Hauptgründe für diese unbefriedigende Entwicklung liegt in der mangelnden Offenheit und Interoperabilität von und zwischen geographischen Informationssystemen und Services, die sich beispielsweise auf Grund von proprietären Datenformaten und proprietären Serviceschnittstellen ergeben. Als ein möglicher Weg diese Probleme zu lösen werden Web Services angesehen, durch deren Einsatz sich die Erdbeobachtungsserviceindustrie zahlreiche Verbesserungen, vor allem hinsichtlich Interoperabilität, verspricht. Auch die Austrian Research Centers Seibersdorf research Ges.m.b.H. (ARC-sr), speziell die Abteilung für Intelligente Infrastrukturen und Weltraumanwendungen, erkannte das Potential dieser neuen Technologie und beschloss diese bei der Entwicklung des europäischen Knotens des KOMPSAT 1 Archivs einzusetzen. Im Folgenden wird zunächst das Service Support Environment 2 (SSE) vorgestellt, das eine wichtige Rolle in der Realisierung des KOMPSAT-Archivs einnahm. Danach werden die Tätigkeiten erläutert, die ARC-sr für den Anschluss des Archivs an das SSE durchführen musste, sowie auf die dabei gesammelten Erfahrungen näher eingegangen. 1 2 Korean Multi Purpose Satellite.

2 732 J. Wernig-Pichler, C. Schiller und G. Triebnig 2 Service Support Environment Das SSE wird von der European Space Agency (ESA) betrieben und stellt eine offene und service-orientierte Umgebung dar, die die Integration von Erdbeobachtungs- und Geoinformationsservices ermöglicht. Als eine zentrale Anlaufsstelle für Informationen über Services und Daten im Bereich der Geoinformation stellt das SSE derzeit ca. 125 Services von über 30 Serviceanbietern zur Verfügung. Die Services umfassen dabei Thematiken wie Küstenund Meeresüberwachung, Desertifikation, Flutbeobachtung, Landmanagement, Öl-, Gasund Mineraliensuche etc. Das SSE hat dabei folgende Grundfunktionalität: der Serviceanbieter kreiert für sein Service eine Schnittstelle und registriert diese im SSE. Das Service bleibt dabei beim Serviceanbieter, womit er die volle Kontrolle über dieses behält. Über die Schnittstelle kann ein Kunde die für das Service nötigen Daten in das SSE eingeben und diese mittels des Simple Object Access Protocol (SOAP) an das System des Serviceanbieters übermitteln. Dort wird das Service ausgeführt und bei dessen Beendigung eine Antwort mittels SOAP an die SSE geschickt, wo schließlich das Ergebnis dem Kunden angezeigt wird (COENE et al. 2003). Vom SSE werden keinerlei Einschränkungen bezüglich der Größe eines Services auferlegt ein Service kann eine vollständige Applikation sein, oder ein kleineres Bauelement, das mit anderen Bauelementen kombiniert werden muss um einen vollständigen Geschäftsprozess zu ergeben. Folglich unterscheidet das SSE zwei Arten von Services: Basisservices und komplexe Services. Basisservices sind limitierte Services, die über das Internet als Web Services mittels SOAP und der Web Service Definition Language (WSDL) an das SSE angeschlossen und genau einem Serviceanbieter zuzuordnen sind. Komplexe Services stellen dagegen eine Kombination von mehreren Basisservices und/oder komplexen Services von mehreren Serviceanbietern dar (Service Chaining). Ein Basisservice besteht am SSE aus höchstens vier Operationen, wobei jede Operation nur einmal pro Basisservice verwendet werden kann. Diese vier Operationen sind: Search, Present, Request for Quotation (RFQ) und Order. Hierbei liefert Present zusätzliche Informationen zu einem Suchresultat und RFQ entspricht einer Anfrage (Preis, Lieferzeitpunkt und -art,...). Die Kommunikation kann synchron oder asynchron erfolgen. Welchen dieser Mechanismen eine Operation unterstützt, muss der Serviceanbieter bei der Registrierung der Serviceschnittstelle am SSE angeben. 2.1 AOI-Server Viele Erdbeobachtungs- und Geoinformationsservices benötigen als Eingabe die Koordinaten einer geographischen Region. Für diese Aufgabe stellt das SSE ein eigenes AOI- Werkzeug zur Verfügung. Dieses bietet dem Benutzer ein graphisches Interface mittels dem er die für ihn interessanten Regionen auswählen kann. Der Serviceanbieter kann bei der Serviceregistrierung entscheiden, ob er das AOI-Werkzeug für sein Service verwenden will und es entsprechend konfigurieren. Das AOI-Werkzeug macht Gebrauch von OGC Technologien wie WMS und GML.

3 Anschluss des KOMPSAT European Regional Archive SSE Toolbox Die SSE Toolbox, die im Zuge des SSE Projekts entwickelt wurde ist ein Open-Source Werkzeug, das den Serviceanbieter bei der Entwicklung und Integration seiner Services in die SSE-Infrastruktur unterstützt. Die Toolbox übernimmt dabei mehrere Aufgaben. Einerseits entspricht sie einem Server über den SOAP-Nachrichten gesendet und empfangen werden können. Andererseits stellt sie eine Plattform dar, in der Services angelegt, getestet und betrieben werden können. Dafür stellt die Toolbox eine XML-basierte Skriptsprache zur Verfügung, mit der die Ausführungslogik für ein Service definiert werden kann. Dabei können Skripts erstellt und den einzelnen Operationen eines Service zugewiesen werden. Wenn das Service durch die Ankunft einer Nachricht aktiviert wird, wird das Skript für die entsprechende Operation ausgeführt. Die Toolbox basiert auf der Programmiersprache Java und kann auf jeder Plattform, auf der eine Java Virtual Machine läuft, verwendet werden. 3 KERA Das KOMPSAT European Regional Archive (KERA) (SCHILLER et al. 2005) entstand in Kooperation der Austrian Research Centers Seibersdorf (ARC-sr), Abteilung für Intelligente Infrastrukturen und Weltraumanwendungen, mit der südkoreanischen Weltraumbehörde KARI. Seine Aufgabe ist die Bereitstellung von Bildern der koreanischen KOMPSAT-1 und KOMPSAT-2 Satelliten, sowie von auf den Bildern basierenden erweiterten Produkten. Bei der Entwicklung von KERA und dessen Services wurden von ARC-sr folgende Maßnahmen gesetzt, um einige in der Einleitung genannte Schwierigkeiten, die für die unbefriedigende Entwicklung der Erdbeobachtungsserviceindustrie verantwortlich sind, zu vermeiden: Um Isolation der Daten zu vermeiden und sie über das Web zugänglich zu machen, wurden die Daten in zwei Web-Portale (SSE, eoportal) integriert. Weiters wurden die Daten über OGC kompatible Web Services zugänglich gemacht. Um einen hohen Grad an Interoperabilität von KERA und dessen Services zu gewährleisten, verzichtete ARC-sr auf die Verwendung von proprietären Datenformaten und Standards, sowie auf proprietäre Software. Stattdessen wurde auf OGC und ESA Standards zurückgegriffen. Weites wurde nur Open Source und freie Software verwendet. 3.1 KERA Architektur Eine der Schlüsselbedingungen in der Entwicklung von KERA war, dass nur Open Source und freie Software verwendet werden soll. Dementsprechend wurde für die Verwaltung der Metadaten der Bilder eine PostgreSQL Datenbank installiert, die mittels PostGIS erweitert wurde. Hierbei ermöglicht PostGIS die Verwaltung von geographischen Objekten und die Durchführung von räumlichen Abfragen in PostgreSQL. Für die Implementierung der OGC Web Services (WMS und WCS) wurde auf UMN MapServer zurückgegriffen. Mehr Informationen hierzu findet man in (MEIßL et al. 2006).

4 734 J. Wernig-Pichler, C. Schiller und G. Triebnig Als Kommunikationsserver zwischen dem SSE und den Services fungiert die SSE Toolbox. Um größere Mengen von Daten (vor allem Bilder) zu empfangen bzw. zu senden wurde ein FTP-Server installiert, nämlich Pure-FTPd. Abb. 1: Architektur von KERA und Vernetzung der einzelnen Komponenten 3.2 SSE Services Um KERA an das SSE anzuschließen, wurde eine Katalogsuche inkl. Bestell- und Lieferprozess entwickelt. Diese wurden am SSE als einzelnes Service bestehend aus den drei Operationen Search, Present und Order registriert. Für die Registrierung des Service am SSE mussten folgende Dokumente entwickelt werden: Ein XML-Schema Dokument, das den Aufbau der SOAP-Nachrichten, die zwischen dem SSE und dem Service ausgetauscht werden, definiert. Ein WSDL Dokument, das das Service und das Service Interface beschreibt. Ein XSL Style Sheet, das die Benutzerschnittstelle am SSE definiert, die Eingabeformulare und die Resultate der Serviceoperationen visualisiert und, wenn nötig, die Einträge von Formularfeldern validiert. Weiters wurde die Ausführungslogik für die Operationen mittels der Toolbox-eigenen Skriptsprache realisiert, das Service und dessen Operationen in der Toolbox angelegt, und die Skripts den entsprechenden Operation zugewiesen. Für die Entwicklung der Katalogsuche wurde auf die Spezifikation des EOLI-Standards (ESA et al. 2003) der ESA zurückgegriffen, welcher den Aufbau der SOAP-Nachrichten für die Suche inklusive der Namen und Typen der zugelassenen Tags definiert.

5 Anschluss des KOMPSAT European Regional Archive 735 Um eine Suche durchzuführen (siehe Abb. 2), muss der Benutzer zunächst über das AOI- Interface eine Region definieren und einen Zeitraum auswählen. Nachdem die Suche gestartet wurde und die Treffer in Tabellenform am SSE angezeigt werden, kann der Benutzer die von ihm gewünschten Bilder markieren und in den Warenkorb verschieben. Durch einen Klick auf einen der Treffer wird die Present-Operation gestartet, die ein Pop-Up mit weiteren Informationen zum Bild erscheinen lässt. Im Warenkorb können dann die Bilder ausgewählt werden, für die der Bestellprozess gestartet werden soll. Am Bestellinterface wird schließlich die Lieferart (FTP oder WCS) gewählt und die Bestellung letztlich bestätigt und gesendet. Als Antwort erhält der Benutzer die Information, wie und wo das Bild heruntergeladen werden kann. Abb. 2: Suche und Bestellung am SSE Die Dauer einer Suche, vom Klicken des Suchknopfes am SSE bis zum Erscheinen des Resultates, beträgt durchschnittlich vier Sekunden 3. Der größere Teil der Zeit wird dabei am/vom SSE verbraucht. 3.3 Erfahrungen mit SSE Folgend werden die Erfahrungen beschrieben, die ARC-sr bei der Entwicklung und dem Anschluss seiner Services an das SSE gemacht hat. Von der rein technologischen Perspektive betrachtet, hat sich die Arbeit mit dem SSE als unkompliziert und weitgehend problemlos erwiesen. Einer der wichtigsten Gründe dafür stellt gleichzeitig eine der wertvollsten Eigenschaften des SSE dar, nämlich die Möglichkeit von den Erfahrungen anderer Serviceanbieter zu lernen. So hat ein Serviceanbieter die Möglichkeit die Serviceinterfacebeschreibungen (WSDL, XSL, XML-Schema Dokumente) von bereits registrierten Services einzusehen und herunterzuladen. Damit werden gerade für neue Serviceanbieter der Einstieg und die Entwicklung der Interfacebeschreibungen für die eigenen Services erleichtert. Dies war auch für ARC-sr sehr vorteilhaft. Die einzigen Schwierigkeiten, die sich für ARC-sr beim Gebrauch des SSE ergeben haben, sind aufgrund von unvollständiger bzw. fehlerhafter Dokumentationen entstanden. So wur- 3 Der Rechner, auf dem KERA läuft, hat eine Intel Pentium 4 CPU mit 3,2 Ghz mit Hyperthreading- Technologie und 2 GB DIMM SDRAM. Für die Speicherung der Bilder werden vier 120 GB Festplatten verwendet, die in einer RAID 5 Installation laufen. Außerdem wird eine 1 GB Netzwerkkarte für den Datentransfer verwendet.

6 736 J. Wernig-Pichler, C. Schiller und G. Triebnig den zum Beispiel im SSE Interface Definition Document Funktionen beschrieben, die zu dem Zeitpunkt, als ARC-sr sein Service entwickelte, noch gar nicht im SSE integriert waren was wiederum nirgends erwähnt wurde. Der Einsatz der SSE Toolbox hat sich als nützlich erwiesen, da sie einfach zu installieren, konfigurieren und Handzuhaben ist. Auch das Service Management hat sich als unkompliziert erwiesen. Hier war vor allem die Möglichkeit ein Service innerhalb der Toolbox zu testen sehr hilfreich, insbesondere während der Serviceentwicklung. Die von der Toolbox zur Verfügung gestellte Skriptsprache hat sich zwar als nützlich erwiesen, jedoch sollte sie bei Services, die komplexere Funktionen bzw. Berechnungen verlangen, eher nicht zum Einsatz kommen. Der Grund dafür ist, dass sie eine nur beschränkte Mächtigkeit aufweist. Weiters neigen die Skripts dazu mit zunehmender Größe unübersichtlich zu werden. Ein weiteres Manko der Toolbox sind deren spärliche und nicht sehr aussagekräftige Fehlermeldungen. So wird darin nicht explizit aufgeführt, wo im Skript der Fehler aufgetreten ist. Andererseits wird auch die Fehlerursache nicht genauer erläutert. 4 Resümee Bei entsprechenden Kenntnissen über Web Service Standards wie XML, WSDL und SOAP sollte die Arbeit mit dem SSE kein Problem darstellen. Das System ist übersichtlich gestaltet und einfach zu bedienen. Weiters gibt es eine ausführliche Dokumentation mit einigen Beispielen, die den Einstieg sehr erleichtern. Insgesamt stellt das SSE eine gute Option für Serviceanbieter dar, ihre Services mittels Web Service Technologie auf eine einfache Art und Weise in ein Web-Portal zu integrieren. Literatur ACHACHE, J. (2003): A New Perspective for Earth Observation. The Oxygen (O 2 ) Project. In: ESA bulletin, November 2003, Issue 116, S COENE, Y., HEYLEN, C. & MARCHETTI, P.G. (2003): An Environment Supporting Earth Observation and GIS Service Orchestration: The Mass Project. In: IEEE Geoscience and Remote Sensing Newsletter, Dezember 2003, Issue 129, S ESA & INTECS (2003): Earthnet Online XML Front-End Interface Control Document, Issue 1.7, , verfügbar unter: ICD.pdf MEIßL, S., SCHILLER, C. & TRIEBNIG, G. (2006): Implementation of the KOMPSAT European Regional Archive Supporting the OGC WebMap-, WebFeature-, and WebCoverageService as well as International Catalogue Interoperability, CORP th International Conference on Urban Planning & Regional Development in the Information Society, Wien, Februar 2006 SCHILLER, C., TRIEBNIG, G., KIM, Y., MOLL, B. & MAASS, H. (2005): KOMPSAT European Cooperation. IGARSS th International Geoscience and Remote Sensing Symposium, Seoul, Juli 2005

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