Beratungsbesuche nach 37 Abs. 3 SGB XI Perspektive der Pflegedienste

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1 Beratungsbesuche nach 37 Abs. 3 SGB XI Perspektive der Pflegedienste Deutscher Verein Qualitätsentwicklung und -sicherung in der häuslichen Pflege Wer, was, mit welchem Ziel? , Berlin Ute Zentgraff (Der Paritätische LV Berlin e. V.) DEUTSCHER PARITÄTISCHER WOHLFAHRTSVERBAND LANDESVERBAND Berlin e.v. I Referat Ambulante Pflege und Hospize

2 Was erwartet Sie in den nächsten 30 Minuten? Abriss Gesetzliche Grundlage Beratungsbesuche 37 Abs. 3 SGB XI Empfehlungen zur Qualitätssicherung der Beratungsbesuche Diskussion Beratungsbesuche und Kundengewinnung Feststellung von und Vorgehen bei nicht sichergestellter Pflege Vorbereitung, Dauer und Inhalte Beratungsbesuche Angemessenheit Vergütung Beratungseinsätze Fazit Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 2 I

3 Gesetzliche Grundlage Beratungsbesuche nach 37 Abs. 3 SGB XI Verpflichtung Pflegebedürftige, die Pflegegeld beziehen, Beratung in der eigenen Häuslichkeit abzurufen bei Pflegestufe I und II halbjährlich einmal, bei Pflegestufe III vierteljährlich einmal durch eine zugelassene Pflegeeinrichtung, eine von den Landesverbänden der Pflegekassen anerkannte Beratungsstelle mit nachgewiesener pflegefachlicher Kompetenz oder durch eine von der Pflegekasse beauftragte, jedoch von ihr nicht beschäftigte Pflegefachkraft (Ausnahmeregelung, nur wenn nicht durch o. b. gewährleistet) Pflegebedürftige mit eingeschränkter Alltagkompetenz ( 45a SGB XI) sind berechtigt, den Beratungseinsatz innerhalb der o. b. Zeiträume zweimal in Anspruch zu nehmen. Ziel Beratungsbesuche Sicherung der Qualität der häuslichen Pflege und der regelmäßigen Hilfestellung und praktischen pflegefachlichen Unterstützung der häuslich Pflegenden Vergütung für Beratung von Versicherung vollständig, Beihilfe anteilig zu tragen Pflegestufen I und II bis zu 21 Euro und in der Pflegestufe III bis zu 31 Euro Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 3 I

4 Gesetzliche Grundlage Beratungsbesuche nach 37 Abs. 3 SGB XI Bestätigung Durchführung Beratungseinsätze von beratender Stelle gegenüber Versicherung Mitteilung über bei dem Beratungsbesuch gewonnene Erkenntnisse über die Möglichkeiten der Verbesserung der häuslichen Pflegesituation von beratender Stelle gegenüber Pflegebedürftigen und mit dessen Einwilligung gegenüber der Versicherung über einheitliches Formular Qualitätsanforderungen Beratungsbesuch im häuslichen Bereich nach dem SGB XI Einsatz Pflegekräfte mit spezifischem Wissen zu Krankheits- und Behinderungsbild sowie des sich daraus ergebenden Hilfebedarfs des Pflegebedürftigen mit besonderer Beratungskompetenz Sicherstellung bei Planung für die Beratungsbesuche, dass Beratungsbesuch bei einem Pflegebedürftigen möglichst auf Dauer von derselben Pflegekraft durchgeführt wird Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 4 I

5 Empfehlungen zur Qualitätssicherung der Beratungsbesuche Qualitätsanforderungen Beratungsbesuch im häuslichen Bereich nach Empfehlungen zur Qualitätssicherung der Beratungsbesuche nach 37 Abs. 3 SGB XI Entwurf der Empfehlungen 2003 Strukturqualität Sicherstellung seitens Pflegedienst: Durchführung Beratungsbesuche auf Grundlage der Empfehlungen und fachlicher Austausch zu Beratungseinsätzen (mit wem?) Einsatz erfahrener Pflegefachkräfte mit spezifischem Wissen zu Krankheits- und Behinderungsbild, z. B. bei demenziell erkrankten Pflegebedürftigen oder Kindern, sowie des sich daraus ergebenden Hilfebedarfs des Pflegebedürftigen mit besonderer Beratungskompetenz Sicherstellung bei Planung für die Beratungsbesuche, dass Beratungsbesuch bei einem Pflegebedürftigen möglichst auf Dauer von derselben Pflegefachkraft durchgeführt wird Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 5 I

6 Empfehlungen zur Qualitätssicherung der Beratungsbesuche Qualitätsanforderungen Beratungsbesuch im häuslichen Bereich nach Empfehlungen zur Qualitätssicherung der Beratungsbesuche nach 37 Abs. 3 SGB XI Entwurf der Empfehlungen 2003 Prozessqualität Einschätzung Pflegesituation (ob zufriedenstellend) durch Abfrage Einschätzung Pflegebedürftiger und Pflegeperson Erhebung feststellbare Gegebenheiten (z. B. Belastung Pflegesituation, häusliches Umfeld, Hinweise auf Verwahrlosung, in Anspruch genommene Hilfen) ggf. aufgrund Gesamteindruck Beurteilung Pflegezustand aufgrund körperlicher Inaugenscheinnahme Empfehlungen zur Verbesserung der Pflegesituation Empfehlungen zur Überprüfung der Pflegestufe, zur Verbesserung der Pflegetechniken, zur Vermeidung von Überlastung Hinweise auf Pflegekurse/Schulungen im häuslichen Bereich, Leistungen der Tages- /Nachtpflege, Sachleistungen zur häuslichen Pflege, Kombinationsleistung, niedrigschwellige Betreuungsangebote, Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege, Hilfs- /Pflegehilfsmittel und technische Hilfen, Anpassung Wohnraum sowie Aufklärung und Beratung durch Pflegekassen unter Berücksichtigung regionaler Angebotsstrukturen Anregungen Hinzuziehung des behandelnden Arztes, Angebote anderer Leistungsträger Dokumentation des Beratungseinsatzes Erfassung, ob die Pflegesituation aus Sicht Pflegebedürftiger/Pflegeperson zufriedenstellend, Einschätzung Situation durch beratende Pflegefachkraft Empfehlungen zur Verbesserung der Pflegesituation Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 6 I

7 Empfehlungen zur Qualitätssicherung der Beratungsbesuche Qualitätsanforderungen Beratungsbesuch im häuslichen Bereich nach Empfehlungen zur Qualitätssicherung der Beratungsbesuche nach 37 Abs. 3 SGB XI Entwurf der Empfehlungen 2003 Ergebnisqualität beschreibt die Wirkung des Beratungseinsatzes auf häusliche Pflegesituation ist abhängig von Durchführung und Dokumentation Beratungseinsatz Akzeptanz und Mitwirkung seitens des Pflegebedürftigen und der Pflegepersonen Einleitung notwendiger Maßnahmen durch die Pflegekasse Maßstab einer guten Qualität ist Erkennung Beratungsbedarf und Bereitstellung Informationen Erfassung Anliegen Pflegebedürftige/Angehörige und Aufzeigen evtl. Unterstützungund Entlastungsangebote Dokumentation Ergebnis Beratung und Vorschläge zur Verbesserung der häuslichen Pflegesituation im einheitlichen Formular Erfahrung der Beratung als Unterstützung und Entlastung der häuslichen Pflegesituation Umsetzung der Empfehlungen zur Verbesserung der Pflegesituation Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 7 I

8 Beratungsbesuche und Kundengewinnung Dienen die Beratungsbesuche und wenn ja, in welchem Ausmaß den Pflegediensten zu Kundengewinnung? Quote Kundenakquise im Durchschnitt bei 10% der durchgeführten Beratungsbesuche Nur eine gute Beratung führt dazu, dass im Bedarfsfall auch Leistungen des Pflegedienstes in Anspruch genommen werden Wunsch der Pflegedienste, dass auch seitens der Pflegekassen die Empfehlung zur Einschaltung eines Pflegedienstes gegeben wird In diesem Zusammenhang Problematisierung Interessenkollision objektive Situationseinschätzung und Geschäftsinteresse Feststellung nicht sichergestellter Pflege führt i. d. R. zum Wechsel des Pflegedienstes und spricht sich rum Büscher, Holle, Emmert und Fringer, 2010 Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 8 I

9 Feststellung von und Vorgehen bei nicht sichergestellte Pflege Feststellung nicht sichergestellter Qualität nur in Einzelfällen Grundlage der Einschätzung Eigenes Urteilsvermögen aufgrund beruflicher Erfahrung und Erfahrung mit Beratungsbesuchen Man sieht es. Man sieht, ob jemand gepflegt ist oder nicht. Anhaltspunkte: ungepflegte, aber auch offensichtlich zu saubere Wohnung, Probleme mit der Hygiene, offensichtliche Anzeichen wie Hautschäden oder Kontrakturen bei Pflegebedürftigen, soziale Verhältnisse, ausweichende Antworten auf Fragen oder Anzeichen von Unsicherheit Vorgehen nach Feststellung nicht sichergestellter Pflege Klärende Gespräche mit Betroffenen Überprüfung von Veränderungen beim nächsten Beratungseinsatz Dokumentation pflegerischer Probleme manchmal nur intern Kontaktierung Pflegekassen telefonisch oder anonym - Meldung bei Pflegekasse ohne Zustimmung Betroffener juristisch problematisch ist Nichtkontakt Pflegekasse, da Meldung von Problemen zu keinerlei Reaktionen führe Büscher, Holle, Emmert und Fringer, 2010 Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 9 I

10 Vorbereitung, Dauer und Inhalte Beratungsbesuche Vorbereitung Beratungsbesuche Mitarbeiter, die Besuche durchführen, werden durch interne Schulungen und externe Schulungsangebote vorbereitet Durchführung der Beratungsbesuche hauptsächlich bzw. fast ausschließlich durch Pflegedienstleitungen Erstellung von dienstinternen Leitlinien zur Durchführung von Beratungen, Checklisten, Ausarbeitung Bewertungskriterien für individuelle Situationseinschätzung und Informationsmaterialien Vereinbarung Beratungstermin nach Anruf Pflegebedürftiger oder auch Kontaktaufnahme durch Pflegedienst Abfrage erster Informationen Büscher, Holle, Emmert und Fringer, 2010 Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 10 I

11 Vorbereitung, Dauer und Inhalte Beratungsbesuche Dauer Beratungsbesuche Pflegestufe I und II 20 bis 30 Minuten Pflegestufe II 30 bis 50 Minuten erster und manchmal auch zweiter Besuch in der Regel doppelt so lange Spannweite von 10 bis 180 Minuten Zeitaufwand für Beratung relativ eingeschränkt Annahme: Vergütung der Beratungsbesuche hat größeren Einfluss als Schwere der Pflegebedürftigkeit Hinweise Fehlende Berücksichtigung der Anfahrtszeiten, Verlängerung der Einsätze Dauer Besuche Pflegedienst wird sowohl vom Pflegediensten als auch von Pflegebedürftigen/Pflegepersonen beeinflusst Büscher, Holle, Emmert und Fringer, 2010 Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 11 I

12 Vorbereitung, Dauer und Inhalte Beratungsbesuche Inhalte Beratungsbesuche Beratungen bzw. Vorschläge zu gesetzliche Rahmenbedingungen und daraus resultierende Möglichkeiten der pflegerischen Versorgung insbesondere zu Pflegehilfsmitteln zur Verbesserung der Pflegesituation Wohnraumanpassung Niedrigschwellige Betreuungsangebote Beratung und Begutachtung durch MDK Leistungen der Kurzzeit- und Verhinderungspflege, Sachleistungen und Kombinationsleistungen Leistungen der häuslichen Krankenpflege Pflegepraktischen Aspekten wie Transfer, Prophylaxen oder Inkontinenzversorgung Angehörige haben Fragen zu Kosten der Leistungen sowie Anträgen und Formularen, die gebraucht werden, suchen Austausch und Zuhörer Folgebesuche erfolgen i. d. R. auch durch Mitarbeiter, die Erstbesuch durchgeführt haben Büscher, Holle, Emmert und Fringer, 2010 Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 12 I

13 Angemessenheit der Vergütung der Beratungseinsätze Vergütung für Beratung Pflegestufen I und II bis zu 21 Euro Pflegestufe III bis zu 31 Euro bis 2008 für Pflegestufen I und II bis zu 16 Euro, in der Pflegestufe III bis zu 26 Euro wird von Pflegediensten von den Pflegediensten größtenteils als unangemessen eingeschätzt Problematisierung der vom Zeitumfang unabhängigen Vergütung, Feststellung, dass Vergütung von 16 ein Äquivalent von ca. 20 Minuten Beratungszeit bedeutet, trotz alledem nehmen sich Pflegedienste auch mehr Zeit Refinanzierung über? Zitat: Möchte man sozusagen als Kostenträger nur, dass man einen Zettel bekommt, wo man dann darauf stehen hat, die Pflege ist gesichert, ja, dann kommt es darauf an, welche Anforderungen stellt man an einen Pflegdienst noch, wenn man das in einer ganz kurzen Zeit schafft, dann sind 16 auch genug, das kommt eben darauf an, welche Ansprüche man hat. Büscher, Holle, Emmert und Fringer, 2010 Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 13 I

14 Fazit Qualitätsentwicklung und -sicherung in der häuslichen Pflege Wer, was mit welchem Ziel? Pflegedienste sind prädestiniert, über Beratungen in der Häuslichkeit zur Qualitätsentwicklung und -sicherung in der häuslichen Pflege beizutragen. Wollen wir, dass Pflegedienste eine qualitativ hochwertige Beratung durchführen, müssen auch die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Selbstverständlich kann man in sozialpolitischen Statements eine hohe Qualität der Beratung in der Häuslichkeit anmahnen und in Empfehlungen, Richtlinien etc. vielfältige Qualitätsanforderungen festschreiben wollen, diesen müssen aber auch die Rahmenbedingungen folgen. Qualität in der häuslichen Pflege setzt eine qualitativ hochwertige Beratung voraus, die nicht zum Nulltarif zu haben ist. Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 14 I

15 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit Ute Zentgraff Referat Ambulante Pflege und Hospize Kollwitzstraße 94/ Berlin Tel.: 030/ Fax: 030/ PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband LV Berlin e.v. Brandenburgische Straße 80, Berlin Geschäftsführer: Oswald Menninger Registergericht: Berlin-Charlottenburg Registernummer: VR 658 Nz Steuernummer: 27/630/50174 Referat Ambulante Pflege und Hospize Deutscher Verein: Qualitätsentwicklung und-sicherung in der häuslichen Pflege in Berlin I 15 I

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