Pflege zu Hause WIR BERATEN KOMPETENT UND UNABHÄNGIG. Beratungstelefone. -Beratung

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1 WIR BERATEN KOMPETENT UND UNABHÄNGIG Beratungstelefone l Vorsorge, Geld und Versicherungen, Markt und Recht, Reise und Freizeit / Mo - Fr Uhr (1 Euro/min aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend) l Lebensmittel und Ernährung / Mo, Mi, Do Uhr (14 Ct/min aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend) -Beratung Im Internet über unsere Website wählen Sie den Button -Beratung Verbraucherzentrale Brandenburg e. V. Templiner Straße Potsdam Stand: 10/08 Gefördert vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Adressen, Öffnungszeiten unserer Beratungsstellen und persönliche Beratungstermine erhalten Sie am landesweiten Servicetelefon: / Mo - Fr Uhr (14 Ct/min aus d. Festnetz d. Dt. Telekom) Verbrauchertipps im Internet: Stand: 11/08 Pflege zu Hause

2 Knapp die Hälfte aller Pflegebedürftigen wird von Angehörigen zu Hause gepflegt. Doch mit der Pflege sind Betroffene nicht auf sich allein gestellt. Als Mitglied der Pflegeversicherung erhalten sie Unterstützung von ihrer Pflegekasse. Nachfolgend soll ein Überblick über die wichtigsten Leistungen der Pflegeversicherung gegeben werden. Tages- und Nachtpflege Kurzzeitpflege Ersatz- und Verhin derungspflege Zusätzliche Betreuungsleistungen Wer Leistungen der Pflegeversicherung erhält, hat grundsätzlich die Wahl zwischen zwei verschiedenen Leistungsformen. Entweder der Versicherte entscheidet sich für das so genannte Pflegegeld, das er für die Betreuung durch Angehörige oder Nachbarn verwenden kann, oder er nimmt die Hilfe professioneller Pflegedienste in Anspruch. Das Pflegegeld wird als monatlicher Festbetrag ausgezahlt. Übernimmt ein Pflegedienst die Versorgung, dann rechnet er direkt mit der Pflegekasse bis zur Höhe eines Gesamtbetrages je nach Pflegestufe ab (so genannte Pflegesachleistung). Pflegegeld und Pflegesachleistung sind gestaffelt nach der jeweiligen Pflegestufe. Pflegestufe I II III Pflegegeld 215 Euro 420 Euro 675 Euro Pflegesachleistung 420 Euro 980 Euro Euro ab 1. Juli

3 Für den Fall, dass sich neben selbst organisierten Helfern ergänzend ein ambulanter Pflegedienst an der häuslichen Pflege beteiligt, ist eine Kombination von- Pflegesachleistung und Pflegegeld möglich. Der Anteil des Pflegegeldes vermindert sich um den Prozentsatz, in dem Leistungen für professionelle Pflege beansprucht werden. Beispiel: Wenn 70 Prozent des Pflegesachleistungsbetrages verwendet werden, können 30 Prozent des Pflegegeldes ausgezahlt werden. Wer stets Kombinationsleistung zu bestimmten Anteilen beanspruchen möchte, ist an das gewählte Verhältnis von Pflegegeld und Sachleistungsbetrag grundsätzlich sechs Monate gebunden. Der Vorteil ist, dass das anteilige Pflegegeld gleich zu Beginn des Monats ausgezahlt wird. Man muss sich aber nicht festlegen. Pflegebedürftige können auch im Nachhinein das Pflegegeld für den vergangenen Monat je nach dem Anteil der beanspruchten Pflegesachleistungen verlangen. Bis zur Auszahlung des Pflegegeldes können jedoch dann zwei Monate vergehen, weil sie immer erst nach der Abrechnung der Pflegesachleistung erfolgen kann. Hinweis zum Pflegegeld l Wenn Pflegegeld in Anspruch genommen wird, müssen Betroffene je nach Pflegestufe halbjährlich (bei Stufe I, II) oder vierteljährlich (bei Stufe III) Beratungseinsätze von anerkannten Stellen abrufen. Diese Besuche dienen zum einen der Sicherung der Qualität in der häuslichen Pflege, zum anderen sollen die Pflegepersonen auf diese Weise praktische pflegefachliche Unterstützung erhalten. Die Kosten für diese Beratungsbesuche übernimmt die Pflegekasse. Tages- und Nachtpflege Hilfebedürftige Menschen können in teilstationären Einrichtungen tagsüber oder während der Nacht von professionellen Pflegefachkräften betreut werden. Die Nachtpflege kann zum Beispiel pflegende Angehörige von an Demenz erkrankten Personen entlasten, die zuhause nachts umherlaufen würden. Speziell auf Tagespflege ausgerichtete Einrichtungen orientieren sich an den Nachfragen hilfebedürftiger Menschen und bieten ein abwechslungsreiches und aktivierendes Konzept an. An einer solchen Pflege Interessierte sollten sich bei Pflegeeinrichtungen vor Ort nach den Transportmöglichkeiten, dem geplanten Tagesablauf, Pflege- und Therapieangeboten sowie der Bereitstellung von Verpflegung erkundigen. 4 5

4 Die Pflegekasse beteiligt sich an den Kosten der sozialen Betreuung und der pflegebedingten Aufwendungen, wobei auch die Beförderungskosten bis zu einem nach der Pflegestufe gestaffelten Höchstbetrag erfasst werden. Pflegestufe I II III 215 Euro 420 Euro 675 Euro Daten ab 1. Juli 2008 Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung müssen vom Pflegebedürftigen selbst getragen werden. Die Leistungen der Tages- und Nachtpflege können mit Pflegesachleistungen oder dem Pflegegeld so kombiniert werden, dass ein höchstmöglicher Gesamtanspruch vom 1,5-fachen der Leistungen entsteht. Neben dem vollen Anspruch auf Tages- und Nachtpflege können Pflegebedürftige maximal einen Anteil von 50 Prozent des Pflegegelds beziehungsweise der ambulanten Sachleistungen geltend machen. Der Betrag erhöht sich jedoch nicht, wenn weniger als 50 Prozent der Leistungen für Tages- und Nachtpflege abgerufen werden. Umgekehrt besteht neben der Nutzung von 100 Prozent Pflegegeld oder Sachleistung noch ein Anspruch auf 50 Prozent der Tages- oder Nachtpflege. Beispiel: Ein Pflegebedürftiger der Pflegestufe 2 nimmt 686 Euro (70 Prozent) für Tagespflege in Anspruch. 80 Prozent des Pflegegeldes (336 Euro) beziehungsweise 80 Prozent der Pflegesachleistung für einen professionellen Dienst (784 Euro) kann der hilfebedürftige Mensch zusätzlich erhalten. Kurzzeitpflege Wenn die Pflege im häuslichen Umfeld vorübergehend nicht möglich ist, können Pflegebedürftige für einen begrenzten Zeitraum von vier Wochen pro Kalenderjahr im Rahmen der Kurzzeitpflege in eine vollstationäre Einrichtung aufgenommen werden. Der Anspruch ist an keine zusätzlichen Voraussetzungen wie eine bestimmten Pflegedauer geknüpft. Kurzzeitpflege ist jedoch gegenüber der teilstationären Pflege nachrangig. Die Pflegekasse kann im Einzelfall prüfen, ob teilstationäre Pflege ausreichen würde, um den Pflegebedarf zu decken. Eine kurzfristige Pflege im Heim ist sinnvoll, wenn etwa nach einem Krankenhausaufenthalt eine besondere Betreuung notwendig ist oder Umbaumaßnahmen in der Wohnung vor Beginn der häuslichen Pflege fertig gestellt werden müssen. Die Pflegekasse beteiligt sich an den pflegebedingten Kosten, den Kosten für die soziale Betreuung sowie den Kosten für Leistungen der medizinischen Behandlungspflege unabhängig von der jeweiligen Pflegestufe mit einem Höchstbetrag von bis zu Euro pro Kalenderjahr. Der Pflegebedürftige muss die zusätzlichen Kosten für Unterkunft und Verpflegung selbst zahlen. 6 7

5 Achtung l Während der Kurzzeitpflege wird keine häusliche Pflege geleistet, so dass Pflegebedürftige in dieser Zeit weder Pflegegeld noch Pflegesachleistungen beanspruchen können. Ersatz- und Verhinderungspflege Ähnlich wie die Kurzzeitpflege gewährt die Verhinderungspflege für längstens vier Wochen pro Kalenderjahr eine vorübergehende Alternative in der häuslichen Pflege. Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für eine notwendige Ersatzpflege bis zu einem Betrag von jährlich Euro, wenn eine Pflegeperson, die zuvor sechs Monate in der häuslichen Umgebung gepflegt hat, erkrankt, im Urlaub oder aus sonstigen Gründen an der Pflege gehindert ist. Umstände in Bezug auf die Pflegeperson begründen hierbei den Anlass zur Ersatzpflege. Im Gegensatz zur Kurzzeitpflege kann die ersatzweise Versorgung sowohl ambulant als auch stationär geschehen.den Betroffenen steht nicht immer der komplette Höchstbetrag von Euro zu. Wenn die Ersatzpflege durch Pflegepersonen erfolgt, die mit dem Pflegebedürftigen bis zum zweiten Grade verwandt oder verschwägert sind oder mit ihm in häuslicher Gemeinschaft leben, so ist der Anspruch auf Ersatzpflege auf die Höhe des Pflegegeldbetrages beschränkt. Notwendige Ausgaben im Zusammenhang mit der Pflege wie zum Beispiel Fahrtkosten werden jedoch bis zum Höchstbetrag von Euro übernommen. Diese Aufwendungen sollten mit Quittungen gegenüber der Pflegekasse belegt werden können. Eine Ausnahme besteht jedoch dann, wenn der nahe Angehörige als Ersatzpfleger die Pflege erwerbsmäßig ausübt; insoweit besteht keine Begrenzung auf den Betrag des Pflegegeldes und es können wie unter Fremden auch höhere Kosten geltend gemacht werden. Pflegegeld und Ersatzpflege schließen sich grundsätzlich gegenseitig aus. Auch tageweise (ab acht Stunden) abgerufene Leistungen der Verhinderungspflege werden auf das Pflegegeld angerechnet. Pflegesachleistungen für die Unterstützung von ambulanten Pflegediensten können jedoch neben der Ersatzpflege beansprucht werden. Tipp l Wenn ein naher Angehöriger ersatzweise die Pflege übernimmt, ist es häufig sinnvoll und weniger aufwendig, keine Verhinderungspflege zu beantragen, sondern das Pflegegeld unter den Betreuern aufzuteilen. Die Inanspruchnahme von Ersatzpflege ist auch stundenweise möglich und kann eine dauerhafte Entlastung für Angehörige bieten. Auf diesem Wege wird beispielsweise ermöglicht, dass der Pflegebedürftige wöchentlich eine Betreuungsgruppe besucht, während 8 9

6 die Pflegeperson bei der Krankengymnastik ist. Der Vorteil daran ist, dass das Pflegegeld auch weiterhin gezahlt wird, wenn die Ersatzpflege weniger als acht Stunden täglich anfällt. Hinweis zur Pflegezeit l Nahe Angehörige können sich für die Dauer von bis zu sechs Monaten unentgeltlich von der Arbeit freistellen lassen, um Pflegebedürftige in häuslicher Umgebung zu versorgen, sofern im Betrieb des Arbeitsgebers mehr als 15 Personen beschäftigt sind (so genannte Pflegezeit). In dieser Zeit sind die Betreuer weiterhin sozialversichert. Nähere Informationen gibt es unter anderem bei den Pflegekassen. Zusätzliche Betreuungsleistungen Versicherte mit einem erheblichen Bedarf an Beaufsichtigung und Betreuung können seit dem 1. Juli 2008 zusätzliche Betreuungsleistungen je nach Grad ihres Betreuungsbedarfs von bis zu 100 Euro oder 200 Euro monatlich erhalten. Die Leistungen sind nicht mehr an die Einordnung in eine Pflegestufe geknüpft. Das heißt, dass auch jene Personen, deren Hilfebedarf nicht für die Feststellung einer Pflegestufe ausreicht (so genannte Pflegestufe 0), Anspruch auf diese Zusatzleistungen haben. Von dem weiten Anwendungsbereich profitieren vor allem Demenzpatienten. Voraussetzung für die finanzielle Unterstützung ist, dass der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) bei der Begutachtung der Person dauerhafte und erhebliche Einschränkungen der Alltagskompetenzen als Folge einer Krankheit oder Behinderung feststellt. Die Bewertung der eingeschränkten Alltagskompetenz wird anhand eines gesetzlichen Kataloges von 13 Kriterien vorgenommen. Beispiele sind unkontrolliertes Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung oder das Auftreten der Funktionsstörung des Verkennens oder Verursachens von gefährlichen Situationen. Ersteres äußert sich unter anderem in dem Entschluss des Demenzkranken, ständig Angehörige außerhalb der Wohnung zu besuchen oder zur Arbeit zu gehen. Die zweite Fallgestaltung liegt etwa dann vor, wenn der Betroffene unkontrolliert auf die Straße läuft und Autos anhält oder die Wohnung im Winter in ungemessener Kleidung verlässt und eine Unterkühlung droht. Weitere im Gesetz genannte Kriterien sind der unsachgemäße Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder potenziell gefährdenden Substanzen. Das trifft zum Beispiel dann zu, wenn Patienten Gasanschlüsse unbedacht aufdrehen, Zigaretten essen, unkontrolliert Medikamente einnehmen oder tätlich beziehungsweise verbal aggressives Verhalten in Verkennung von Situationen an den Tag legen. Die Pflegekassen oder auch die Gutachter vor Ort geben Auskunft über weitere Bewertungsmaßstäbe

7 Tipp l Insbesondere an Demenz erkrankte Personen sollten das neue Leistungsspektrum nutzen und eine Begutachtung vornehmen lassen. Das gilt vor allem dann, wenn die Pflegekasse vor kurzem Leistungen wegen fehlender Pflegebedürftigkeit abgelehnt hat. Bevor die Begutachtung durch den MDK stattfindet, sollten die Verhaltensweisen des Betroffenen in bestimmten Situationen ausführlich dokumentiert werden. So erhalten die Gutachter später einen umfangreichen Einblick in die täglichen Beeinträchtigungen. Die Höhe des Anspruchs wird von der Pflegekasse auf Empfehlung des MDK bestimmt und richtet sich nach der persönlichen Situation des Betroffenen sowie der Schwere der Funktionsstörung nach den im Gesetz aufgeführten Kriterien. Wenn zwei der im Gesetz genannten 13 Kriterien erfüllt sind, wird grundsätzlich der Grundbetrag von 100 Euro gezahlt. Einen erhöhten Betrag von 200 Euro für Schwerstfälle erhalten in der Regel Betroffene, die drei oder mehr gesetzlich fixierte Fallbeispiele erfüllen. Nicht ausgeschöpfte Beträge können in das nächste Kalenderhalbjahr übertragen und von den Pflegebedürftigen genutzt werden. Der Betrag ist zweckgebunden für qualitätsgesicherte pflegerische Unterstützung von Dritten, beispielsweise für Tages- und Nachtpflege, für spezielle Angebote von ambulanten Diensten oder anerkannten niedrigschwelligen Betreuungsangeboten einzusetzen. Wenn Leistungen der Tages- und Nachtpflege in Anspruch genommen werden, sind entgegen der üblichen Handhabung bei diesen teilstationären Leistungen ausnahmsweise auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung absetzbar. Die Geldmittel dienen nicht dazu, allgemeine Pflegeleistungen eines ambulanten Dienstes zu finanzieren. Der ambulante Pflegedienst muss daher ein spezielles Versorgungskonzept für Demenzkranke vorweisen können. Niedrigschwellige Betreuungsangebote sind unter anderem Betreuungsgruppen speziell für Menschen mit Demenz, bei denen die Teilnehmer in Kleinstgruppen bis zu acht Personen ein- oder mehrmals wöchentlich versorgt werden. Auch der Einsatz von Einzelbetreuern, die den Betroffenen vorlesen, mit ihnen spazieren gehen oder ihnen andere Wünsche erfüllen, kann auf diesem Wege finanziert werden, wenn sie von den Pflegekassen anerkannt sind. Ziel ist es, durch die Hilfestellungen pflegende Angehörige zu entlasten

8 Tipp l Betroffene sollten sich möglichst vor der Inanspruchnahme der Hilfen bei der Pflegekasse erkundigen, ob die Leistungen anerkannt und die Kosten übernommen werden. Ansonsten bleiben die Versicherten eventuell auf den Kosten sitzen. Die Kosten für Betreuungsdienste werden im Wege der Kostenerstattung von der Pflegekasse übernommen. Zunächst werden die Leistungen von den Anbietern mit den Pflegebedürftigen abgerechnet, wobei die Rechnungsbelege gesammelt und anschließend bei der Pflegekasse eingereicht werden. Dann erstattet die Pflegekasse dem Bedürftigen die Kosten bis zum monatlichen Höchstbetrag. Hinweis zum Beratungsbesuch l Weitere Unterstützung erhalten Angehörige von Demenzkranken durch Beratungseinsätze, denn Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz haben Anspruch auf einen Beratungsbesuch pro Halbjahr von anerkannten Beratungskräften. Hilfen Pflegekassen, gegebenenfalls Pflegestützpunkte in Wohnortnähe und Verbraucherzentralen bieten Pflegeberatung an. Ratgeber Pflegefall was tun? Leistungen der Pflegeversicherung und anderer Träger verständlich gemacht. 7. Auflage Seiten 12,90 Euro Faltblatt Demenz, Alzheimer-Krankheit Die häufigsten Fragen und Antworten. Die Ratgeber und Faltblätter erhalten Sie in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale. 14

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