Industriebilder. Bilder der industriellen Welt des 20. Jahrhunderts. Ausstellung in der Ganggalerie der Universitätsbibliothek Jänner bis März 2006

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1 Industriebilder Bilder der industriellen Welt des 20. Jahrhunderts Ausstellung in der Ganggalerie der Universitätsbibliothek Jänner bis März 2006 Leoben 2006

2 Universitätsbibliothek der Montanuniversität Leoben. Ausstellungskataloge. 7 Für den Inhalt verantwortlich: HR Dr. Lieselotte Jontes, Universitätsbibliothek

3 Industriebilder Bilder der industriellen Welt des 20. Jahrhunderts von Lieselotte Jontes Kein Künstler des 20. Jahrhunderts konnte sich der Faszination der Technik und der industriellen Arbeitswelt verschließen. Es war ein Thema von herausragender Aktualität und Bedeutung für das wirtschaftliche und soziale Leben. Landschaften veränderten sich durch die Industrie und bekamen ein neues Gesicht, Menschen wurden durch die neuen Arbeitsanforderungen ebenfalls verändert. Es waren Künstler, die diese Veränderungen wahrgenommen haben und sie uns vermittelten. Österreichische Industriebetriebe scheinen erstmals in der Frühzeit der Industrialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Bildern auf, sie werden in die Landschaften hineinkomponiert. Die Kammermaler Erzherzog Johanns etwa stellten in ihren genauen Abbildungen der Landschaft auch Abbilder der Industriebetriebe dar. Matthäus Loder: Hochofenabstich im Radwerk II in Vordernberg, Aquarell um 1825 Man zeigte Industriebetriebe, die in eine Landschaft eingebettet sind, sie spiegeln die Faszination wieder, die Fortschritt und Technik auf die Menschen ausübten. Rauchende Schlote als Kennzeichen der Industrie bildeten neben dem Symbolgehalt auch malerische Aspekte. Dieser Bildtypus wurde im Lauf der Zeit zunehmend reduziert und stilisiert, den Fabriken und Produktionsanlagen wurde in der Darstellung ein größerer Stellenwert eingeräumt. Die Darstellung der Industrie hatte zunehmend repräsentative Aufgaben zu erfüllen, sie sollte materiellen Wohlstand und wirtschaftlichen Erfolg dokumentieren. Bei der Innenansicht von Industriebetrieben waren natürlich die Arbeiter mir dargestellt, doch hatten deren Arbeitsbedingungen nur wenig repräsentativen Charakter. So ist es zu verstehen, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Raum eine übergeordnete Rolle spielte und die Figuren der Arbeiter vergleichsweise klein dargestellt waren.

4 Die Faszination der Industrie lässt sich besonders in den bildhaften und dramatischen Augenblicken eines Hochofenabstiches darstellen, das Hantieren mit dem glühenden Eisen rückt ins Zentrum der Darstellungen. F. Buchholz: Abstich einer Thomasbirne Farblithographie Die politische und soziale Situation Österreichs zwischen den beiden Weltkriegen hatte dem nunmehrigen Kleinstaat große wirtschaftliche Probleme beschert. Nach dem Zerfall der Monarchie musste die Industrie auf gänzlich veränderte Bedingungen reagieren und tiefgreifend umstrukturiert werden. Hohe Arbeitslosigkeit, die nach der Wirtschaftskrise von 1929 noch sprunghaft anstieg, und die bürgerkriegsähnlichen Zustände der 30er Jahre waren die Folge. Eine Stellungnahme der Industrie zu diesen Zuständen war geboten, man trachtete danach, das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit auch bildlich zu untermauern. Daher entstanden in dieser Zeit Bilder von Industriebetrieben, die die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft illustrieren sollten. In diesem Zusammenhang sind auch die Bilder in der Aula der Montanuniversität zu sehen, die von Anton Marussig, Lehrer an der Landeskunstschule in Graz, geschaffen worden waren. 2

5 Auch Ferdinand Pambergers Bilder der Hütte Donawitz (UB Leoben, Katalograum) sind in diesem Kontext zu sehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren zum Teil berühmte steirische Landschaftsmaler mit Aufträgen zur Dokumentation der steirischen Schwerindustrie versehen worden. Sie schufen großzügige Darstellungen der Werke, die in den Sitzungssälen und Direktionsetagen ihren Platz fanden. Besonders seien hier Herbert Böckls Bilder des Erzberges zu nennen, die eine neue Sicht auf die Industrielandschaft zulassen, die heute vielfach schon Vergangenheit ist. Herbert Böckl: Steirischer Erzberg, Öl auf Leinwand 1942, Original in der Neuen Galerie Graz Die Künstler der Gegenwart tragen zum Genre Industriemalerei nicht allzu viel bei, man könnte diese Art der Kunst als historisches Phänomen ansprechen. Die kleine Schau in der Ganggalerie der Universitätsbibliothek bringt Beispiele aus ihrem eigenen Bestand. 3

6 Ausgestellte Bilder Anton Velim: Eisenwerk Witkowitz Tempera auf Leinwand Wien, um 1920 Anton Velim ( ), ein geborener Wiener, studierte an der Akademie in Wien bei Professor Alois Delug, seine ersten Ausstellungen konnte er in der Wiener Secession halten. Neben den Industriebildern malte er auch Porträts, Akte und Landschaften. R. Krenn: Kohlenbergbau Fohnsdorf Druck nach einem Aquarell

7 Willy Wüstermann: Industrie Radierung 1924 Wüstermann war ein ostfälischer Impressionist der 20er Jahre. Anton Velim: Eisenwerk Witkowitz Farbstiftskizze um

8 F. Buchholz: Abstich einer Thomasbirne Farblithographie, Ausschnitt Anton Velim: Gießer Pastellkreidezeichnung Wien, um

9 Anton Velim: Stabwalzen Pastellkreidezeichnung Wien, um 1920 R. Krenn: Kohlenbergbau Fohnsdorf Druck nach einem Aquarell

10 Alfred Kornberger: LD- Stahlwerk Donawitz Aquarell Leoben 1969 Alfred Kornberger ( ) wurde in Wien geboren, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und war Mitglied des Wiener Künstlerhauses. Alfred Kornberger: Schmiedehammer Farblithographie um

11 Karl Sraib: Der Ingenieur Radierung, Ausschnitt Karl Sraib wurde 1898 in Wien geboren, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und ging dann nach Graz. Ausgestellte Werke: Ernst Schmacke [Hrsg.]: Industriebilder. Gemälde einer Epoche. Münster : Ardey-Verl

12 Alan Bullock: Das zwanzigste Jahrhundert. Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Kunst. München : Droemer-Knaur 1973 (Knaurs große Kulturen in Farbe) Max Schulze-Sölde: Das Zeitalter der Technik, 1925 Dietmar Guderian [Hrsg.]: Technik und Kunst. Düsseldorf :VDI-Verl (Technik und Kultur. 7.) 10

13 Heinrich Winkelmann: Der Bergbau in der Kunst. Essen : Glückauf 1958 Hermann Heijenbrock: Der Anschlag Richard Wolfgang Schmidt: Die Technik in der Kunst. Stuttgart : Franckh 1922 (Wunder der Technik. 1.) 11

14 Klaus Türk: Mensch und Arbeit. 400 Jahre Geschichte der Arbeit in der bildenden Kunst. Milwaukee : Milwaukee School of Engineering 2003 Leonhard Sandrock ( ), An der Schmiedeagraffe Christoph Bertsch [Red.]: Paul Kirnig. Industriebilder der Zwischenkriegszeit. Innsbruck : Institut für Kunstgeschichte 1995 (Ausstellungskatalog. 1.) 12

15 Eduard Pfeiffer: Das Bergwerk im Bild. Bilder aus aller Welt für jedermann. 3. Aufl. Stuttgart : Dieck 1925 Gudrun Danzer [Hrsg.]: Franz Trenk Maler der Landschaft und Industrie. Graz : Leykam Hochofen in Eisenerz 1936

16 Günther Jontes: Technik und Kunst. In: Made in Styria. Steirische Landesausstellung 1997, Graz 1997, S A. Scherban: Werk Donawitz, um

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