Mediation in der Energiewirtschaft. Konflikte außergerichtlich lösen (Teil 1)!

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1 Mediation in der Energiewirtschaft Konflikte außergerichtlich lösen (Teil 1) Die Energiewende stellt eine der größten und spannendsten Herausforderungen der Zukunft dar. Unternehmen im Energiesektor müssen sich vermehrt mit dynamischen Änderungsprozessen der Märkte auseinandersetzen. Die damit verbundenen erforderlichen Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit, Langfristigkeit und Sozialverträglichkeit sicherzustellen, führen zwangsläufig zu konfliktträchtigen Zielsetzungen der Betroffenen. An dieser Stelle bietet Mediation neue Wege und eine sinnvolle Alternative, um den widerstrebenden Interessen Rechnung zu tragen und nachhaltige Lösungen zu finden. Mediation hat sich in Deutschland als eigenständiges Verfahren der Konfliktlösung etabliert und gewinnt in allen gesellschaftlichen Bereichen ständig an Bekanntheit und Akzeptanz. Die Richtlinie 2008/52/EG des Europäischen Parlaments und des Rats vom 21. Mai 2008 über bestimmte Aspekte der Mediation in Zivil- und Handelssachen [ 1 ], schaffte einen einheitlicher Rechtsrahmen für das Verhältnis von Mediation und Gerichtsverfahren in Europa. Mit dem Mediationsgesetz (MediationsG) vom 21. Juli 2012 hat Deutschland die Richtlinie 2008/52/EG in nationales Recht umgesetzt. Das Mediationsgesetz gibt der Mediation den rechtlichen Rahmen für die Durchführung von Mediationsverfahren und wird damit fester Bestandteil der deutschen Rechtsordnung. Mediation wird definiert als ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem Parteien mithilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben ( 1 I MediationsG)[ 2 ]. Das Mediationsverfahren Ausgangspunkt ist meist eine Verhandlungssituation, in der die Parteien vollkommen konträre Ziele bzw. Positionen vertreten. Die Verhandlung gerät ins Stocken oder wird sogar abgebrochen. Ein sich daraus ergebender Rechtsstreit kann viel Zeit und Geld kosten. Im schlimmsten Fall zerbrechen daran sogar langjährige Geschäftsbeziehungen. Eine Alternative dazu stellt das Mediationsverfahren dar. Die aus dem Harvard-Konzept [ 3 ] entwickelten Theorien und Prinzipien zum Verhandlungs- und Konfliktmanagement dienen als grundlegende Ansätze für das Mediationsverfahren. Das bedeutet: Verhandeln ist in erster Linie Kommunikation, Interessenausgleich und Bedürfnisbefriedigung. Durch kooperatives Verhandeln und einen konstruktiven Umgang mit Differenzen werden für beide Seiten einvernehmliche und nachhaltige Ergebnisse erzielt. Primäres Ziel der Mediation ist es - vor allem im Unternehmens- und Organisationsbereich - ein von allen Parteien akzeptiertes, vertraglich fixiertes und verbindliches Ergebnis zu erzielen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass bei den Parteien die prinzipielle Bereitschaft zur Mitarbeit bei der Konfliktklärung und - bearbeitung und die Suche nach einer gemeinsamen Lösung vorhanden ist. Seite 1 von 6

2 Zentrale Anwendungsgebiete Mediation kann wie in Bild 1 dargestellt in vier große Anwendungsgebiete gegliedert werden: In den Bereich Wirtschaft, In den öffentlich Bereich (Großgruppenmediation), In den familiären Bereich und Den Bereich strafbarer Handlungen. Die Vorteile der Mediation (Regeln und Prinzipien) Bild 1: Gliederung der Mediation, Konfliktfelder ( Spindler, Schuller 2013) Mediation bietet gegenüber anderen Konfliktlösungsverfahren eine Reihe von Vorteilen, die auf grundsätzlichen Regeln und Prinzipien aufbauen: Neutralität, Allparteilichkeit des Mediators Die Verfahrensneutralität stellt sicher, dass die Parteien und nicht der Mediator über den Streitgegenstand entscheiden. Die Entscheidungsbefugnis des Mediators ist deshalb auf Verfahrensfragen beschränkt. Neutralität bedeutet die persönliche Unabhängigkeit des Mediators von den beteiligten Parteien. Allparteilichkeit heißt, dass der Mediator den Sichtweisen und Interessen aller Beteiligten gleichermaßen verpflichtet ist. Er sorgt für ein ausgewogenes Kräfte- und Machtgleichgewicht zwischen den Parteien und damit für ein faires Verfahren. Freiwilligkeit Freiwilligkeit sorgt dafür, dass das Mediationsverfahren von den Parteien ohne Zwang durchgeführt wird. Zusätzlich wird erreicht, dass alle Beteiligten - Parteien und Mediator - jederzeit ohne Nachteile das Verfahren abbrechen können. Vertraulichkeit Der Grundsatz der Vertraulichkeit ist im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben sowohl für den Mediator, als auch für die Parteien bindend. Die Verschwiegenheitspflicht sowie das Zeugnisverweigerungsrecht wird durch das Mediationsgesetz ( 4 Verschwiegenheitspflicht) grundberufsunabhängig 1) geregelt. Die Seite 2 von 6

3 Vertraulichkeit ist sowohl hinsichtlich des Verfahrens sowie bezüglich der Inhalte des Verfahrens zu wahren. [ 4 ] Selbstverantwortlichkeit Selbstverantwortlichkeit bietet den Parteien die Möglichkeit in eigener Verantwortung maßgeschneiderte Lösungsalternativen für ihren Konflikt zu entwickeln sowie diese einvernehmlich zu bewerten und darüber zu entscheiden. Es ist Aufgabe des Mediators die Parteien bei der eigenverantwortlichen Wahrnehmung ihrer Interessen zu unterstützen. Informiertheit Der Grundsatz der Informiertheit stellt sicher, dass alle Parteien über die für die Entscheidung wichtigen Tatsachen informiert sind. Hauptaufgabe des Mediators ist es, einen ungestörten Informationsfluss zwischen den Parteien zu gewährleisten, sowie eventuelle Informationslücken aufzudecken und zu schließen. Kostengünstiges Verfahren Konflikte verursachen erhebliche unternehmensinterne Kosten, die vor allem von der Anzahl der Beteiligten und der Art sowie Komplexität des Konflikts abhängig sind. Ein Rechtsstreit ist zeitintensiv sowie - abhängig vom Streitwert und der Instanz - mit sehr hohen Kosten verbunden. Mediationsverfahren können erfahrungsgemäß innerhalb weniger Tage - bei komplexen Veränderungsprozessen innerhalb weniger Wochen - abgeschlossen werden. Die Kosten sind je nach Vereinbarung unabhängig vom Streitwert und im Vergleich zu den Aufwendungen für langfristige Konflikte überschaubar. Mediationsprozess Die Struktur des Mediationsprozesses gewährleistet einen effektiven und effizienten Ablauf des Verfahrens. Unabhängig davon soll das nun dargestellte Modell als möglichst allgemeingültiger, flexibler Handlungsrahmen verstanden werden, der die Möglichkeit einer individuellen, fallbezogenen Anpassung bietet. Es werden drei wichtige Phasen definiert (Bild 2): Vorbereitungsphase der Mediation (Pre-Mediation) Durchführungsphase der Mediation (Main-Mediation) Nachbereitungsphase der Mediation (Post-Mediation[ 5 ]) Vorbereitungsphase In der Vorbereitungsphase werden die wesentlichen Entscheidungen zur Durchführung der Mediation getroffen. Die wichtigsten Zielsetzungen sind: Eingehende Analyse des bestehenden Konfliktes Überprüfen, ob Mediation als geeignetes Verfahren in Frage kommt Entscheidung der Parteien, ob sie die Mediation durchführen wollen Die genaue Vorgehensweise ist von den Vorkenntnissen der Parteien abhängig. Seite 3 von 6

4 Durchführungsphase Bild. 2: Handlungsmodell der Mediation, Prozessablauf, ( Spindler, Schuller 2013) Die Durchführungsphase stellt die eigentliche Phase der Mediation dar und lässt sich anhand der folgenden Phasenabschnitte charakterisieren: Eröffnung und Zielvereinbarung: Der Mediator informiert über die im Vorfeld erhaltenen Informationen. Er erläutert seine Rolle im Rahmen der Mediation, deren Ablauf, etc. Die Zielsetzungen für das Mediationsverfahren und die Kommunikationsregeln werden festgelegt. Der Mediationsvertrag liegt unterschrieben vor. Darstellung der Sichtweisen: In diesem Phasenabschnitt sind die Medianten aufgefordert ihre Sichtweisen detailliert darzulegen und daraus eine Themensammlung zu entwickeln. Die Themen werden gemeinsam strukturiert, die zu behandelnden Themen werden festgelegt. Das Ergebnis dieser Phase ist ein gemeinsames Verständnis der Parteien bezüglich der vorliegenden Konfliktursachen. Von Positionen zu Interessen: In diesem zentralen Phasenabschnitt wird auf die Interessen, Bedürfnisse und Motive, die sich hinter den Positionen verbergen eingegangen. Der Unterschied wird durch das Eisbergmodell (Bild 3) verdeutlicht. Positionen sind Forderungen, exakt konkretisierte Ziele und Ansprüche, die geltend gemacht werden. In Konfliktsituationen werden dadurch eingenommen Standpunkte verfestigt, eine Betrachtung aus anderen Perspektiven wird versperrt. Interessen sind die im Eisbergmodell unter der Wasseroberfläche liegenden Bedürfnisse und Motive der Parteien. Interessen und bedürfnisorientierte Verhandlung ermöglicht es den Seite 4 von 6

5 Beteiligten, ihren Blickwinkel zu verändern. Durch einen Standpunkt und Perspektivenwechsel eröffnen sich neue Handlungsspielräume, aus denen einvernehmliche Lösungen entwickelt werden. Die persönlichen und geschäftlichen Beziehungen werden verbessert. Einvernehmliche Lösungen entwickeln: Abb. 3: Das Eisbergmodell, ( Spindler, Schuller 2013) Wie bereits erwähnt werden durch die Parteien möglichst viele, unverbindliche Ideen zu den festgelegten Themen entwickelt. Nach Abschluss der Ideensammlung wird eine Bewertung der Lösungen anhand von geeigneten, legitimen und von allen akzeptierten Kriterien durchgeführt. Vereinbarungen treffen: Hier wird eine gemeinsame Entscheidung über ein realistisches und umsetzbares Lösungsportfolio getroffen. Dieses wird in einer von allen Betroffenen akzeptierten Form dokumentiert z.b. in einem Protokoll oder einem Mediationsvertrag. Mit der Ausarbeitung des Abschlussdokumentes - und ggf. einer Prüfung durch die Anwälte der Parteien - sowie die Unterschrift durch die Parteien ist die Durchführungsphase der Mediation abgeschlossen. Nachbereitungsphase In der Nachbereitungsphase finden die Umsetzung der Lösungen durch die Parteien, die Evaluierung des Verfahrens, sowie präventive Maßnahmen zur Vermeidung künftiger Eskalationen statt. In der Mediation, genauso wie in vielen andern Projekten, sind die Ressourcen für eine Nachbearbeitung sehr knapp. Sich ändernde Rahmenbedingungen können jedoch dazu führen, dass vereinbarte Lösungen neu verhandelt bzw. nachgebessert werden müssen. Ein Controlling der in der Mediationsvereinbarung getroffenen Lösungen ist für den Erfolg von besonderer Bedeutung. Seite 5 von 6

6 Literatur (1) Amtsblatt der Europäischen Union L 136/3 v , :136:0003:0008:DE:PDF, Login v (2) Bundesministeriums der Justiz in Zusammenarbeit mit der juris GmbH, mediationsg/gesamt.pdf, Login v (3) Fisher, Roger/Ury, William/Patton, Bruce, Harvard-Konzept, Der Klassiker der Verhandlungstechnik, Frankfurt/Main, 23. Auflage, (4) Kracht, Stefan, 12, Rolle und Aufgaben des Mediators - Prinzipien der Mediation, Haft, Fritjof/Gräfin von Schlieffen, Katharina, Handbuch Mediation, 2. Auflage, München (5) Begriffe aus Mediatorenaktiv, Wörterbuch Mediation Login v (1) Durch das neue Mediationsgesetz werden alle Berufszweige (Grundberufe) / Mediatoren - analog zu Anwälten und Psychologen - zur Geheimhaltung verpflichtet. Dipl. Kauffrau Bärbel Spindler, Mediatorin, Darmstadt Dipl.-Ing. Karl-Heinz Schuller, Master of Mediation, Darmstadt Seite 6 von 6

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