REISEN. ohne zu VERREISEN

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1 REISEN ohne zu VERREISEN

2 Lassen Sie sich entführen auf eine unvergessliche Reise durch fremde Kulturen! BESUCH IM REISEBÜRO Vor einiger Zeit waren wir schon einmal im Kleinwalsertal und durften uns einige interessante Vorträge anhören. Inspiriert wurden wir fünf Mädchen (Nicole Feurstein, Veronika Greußing, Sarah Beck, Leonie Fink, Julia Moll) durch den Vortragenden Prof. Dr. Markus Hengstschläger mit seinem Vortrag Die Vielfalt als Voraussetzung für die Bestandssicherung. Er überzeugte uns mit seinen Worten und dadurch blieb uns der Satz Jeder ist verschieden, niemand ist anders im Gedächtnis. URLAUBSINSPIRATION Viele Menschen meinen, dass man in ein anderes Land reisen muss, um neue Kulturen kennen zu lernen. Dieses Klischee griffen wir auf und wollen das Gegenteil beweisen. Da wir gerne ein soziales Projekt machen wollten und bereits eine Exkursion zur Caritas in Feldkirch hatten, kamen wir nach langem und intensivem Überlegen auf das Flüchtlingsheim für Frauen und Kinder in Bezau. Es steht seit April 2005 im Zentrum von der Marktgemeinde Bezau. Zurzeit sind insgesamt 21 Frauen und Kinder im Haus untergebracht, die von den Geschäftsführern Cornelia Marinelli, Rita Greussing sowie einem Zivildiener betreut werden. Trotz der verschiedenen Nationen und Kulturen der Heimbewohner herrscht ein harmonisches Zusammenleben.

3 Wir überlegten uns, wie wir die Kulturen der Menschen im Flüchtlingsheim am besten kennen lernen können und kamen auf die Idee, das Ganze mit der Küche zu verbinden. Da in jedem Land und jeder Kultur unterschiedlich gekocht wird, wollten wir auf diesem Wege einander kennen lernen. Uns interessierte zusätzlich das Befinden der Flüchtlinge in unserem Land und unserer Gesellschaft. Auch die Herkunft und Anreise der Frauen und Kinder. BUCHUNG Zuerst versuchten wir telefonisch Kontakt mit dem Flüchtlingsheim aufzunehmen. Als dies aber erfolglos war, gingen wir kurzerhand auf einen Besuch. Dort wurden wir gleich auf die Hausversammlung eingeladen, bei der wir einige Tage später unser Projekt vorstellten. Viele hochgehaltene Hände und fröhliche Gesichter auf unsere Frage Wer möchte mitmachen? waren für uns ein großer Ansporn. Bei unserer Vorbereitung rechneten wir mit ca. vier Frauen die mitmachen würden, schlussendlich sagten acht Frauen mit ihren Kindern sofort zu, was uns positiv überraschte. Unsere Idee war, dass

4 jede Frau ein Rezept aus ihrer Heimat abgibt. So sammelten wir ihre Rezepte ein, die alle mit viel Fleisch gekocht wurden. Da diese Menschen, manche schon länger andere weniger lang, in Österreich leben, war es für uns klar, dass auch eine typische Speise aus dem Bregenzerwald gekocht werden muss. Unser Kochlehrer war so nett und besorgte uns alle Lebensmittel, die wir benötigten. DER AUFENTHALT Am Donnerstag, den 9.5 war es soweit und wir setzten unser Projekt in die Tat um und holten unsere Gäste ab. Es wurde nicht lange herumgestanden und alle machten sich tatkräftig an die Arbeit. Am Anfang war alles eher chaotisch, dann haben sie sich in der Küche verteilt und angefangen ihre Sachen zusammen zu suchen. Sie haben auch eigene Kochutensilien mitgebracht! Zwei Frauen und ihre Kinder kamen aus Tschetschenien, die ältere Frau der beiden sprach mittlerweile gutes Deutsch, da sie schon längere Zeit hier lebt und auch schon einige Deutschkurse besucht hat. Die Mutter der Kinder verstand nur ganz wenige Worte und auch das Deutsch der Kinder war nicht wirklich gut. Zwei andere Frauen kamen aus Afghanistan, die eine war Lehrerin und sprach daher recht gutes Englisch und dolmetschte uns durch den Tag. Nicole, Julia und Sarah halfen ihnen, die Dinge in der Schulküche zu finden. Sie haben von selbst begonnen ihre eigenen Rezepte zu kochen und halfen auch bei unseren Rezepten tatkräftig mit. Nach zwei Stunden waren alle fertig mit ihren Gerichten und wir deckten im Servierraum auf.

5 GESCHICHTEN UNSERER NEUEN FREUNDE Dagmara (36) Dagmara auch Tschetschenien flüchtete vor sechs Monaten nach Österreich, weil sie nicht wollte, dass ihren drei Töchtern das gleiche Schicksal wiederfährt wie ihr. Die Tschetschenin wurde zwangsverheiratet. Ich wurde von meinem künftigen Mann entführt und zur Ehe gezwungen. Ich Tschetschenien ist es Brauch, Frauen zu stehlen und sie gegen ihren Willen zu heiraten. Dieses Schicksal wollte Dagmara ihren Töchtern ersparen. Sie wünscht ihren Kindern ein anderes, besseres Leben. Meine Kinder sollen einmal aus Liebe heiraten.deshalb floh sie aus ihrer Heimat. Und weil ihr der Ex-Mann eine Tochter nehmen wollte. Ich schickte Amina nicht mehr in die Schule, weil ich Angst hatte, dass er sie entführt. Dagmara zahlte einen hohen Preis für die Sicherheit ihrer Kinder: der Verlust der Heimat und Familie. Das Schlimmste ist, dass ich meine kranke Mutter zurücklassen musste, sagt sie und wischt sich die Tränen von den Wangen. Dagmara mit ihren ältesten Tochter Amira

6 Lidija (69) Lidija, die älteste Bewohnerin im Frauenhaus weiß, wie man sich fühlt, wenn man verlassen wird. Ihre Tochter flüchtete vor elf Jahren vor dem Krieg in Tschetschenien. Die Mutter blieb allein zurück und litt unter Einsamkeit und Armut. Ich hatte in Tschetschenien niemanden mehr, der mich unterstützte und mir beistand, wenn es mir gesundheitlich schlecht ging. Weil Lidya kaum Geld hatte, konnte sie ihre gesundheitlichen Probleme nicht behandeln lassen. So entschloss auch sie sich fünf Jahre später zur Flucht aus ihrer Heimat. Ich wollte zu meiner Tochter nach Österreich. Razia (29) Razia, eine Afghanin, floh mit ihrer kleinen Tochter (1 Jahr) vor den Taliban. Schlepper brachten sie nach Österreich. Razias Mann wurde von den Taliban umgebracht, weil er als Dolmetscher für die Amerikaner arbeitete. Die Afghanin bangte auch um ihr Leben und das ihres Kindes. Deshalb verließ die junge Mutter ihr Heimatland.

7 Sharifa (32) Die 32-Jährige verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Haushälterin. Doch das das passte den Taliban nicht. Für sie gehört eine Frau ins Haus und sonst nirgendwo. Als Sharifa von einer Gruppe bewaffneter Männer bedroht wurde, entschloss sie sich zur Flucht und weil sie die ständige Angst vor Selbstmordattentätern leid hatte und sie als Frau nichts galt. Alles, was ein Mann sagt, muss die Frau tun. Sie ist froh, in Österreich zu sein, denn hier fühlt sie sich wie ein Mensch, hier kann ich Mensch sein.

8 KINDERANIMATION Während die Frauen das Essen vorbereiteten, bemalten Veronika und Leonie mit den drei Kindern Madina, Roijana und Ramina Kochhüte. Roijana, die die 4. Klasse Volksschule in Bezau besucht, spricht eigentlich schon sehr gut Deutsch, wenn man bedenkt, dass sie erst für 4 Monate hier in Österreich lebt. Ramina geht in die 2. Klasse der Bezauer Hauptschule und verstand nur sehr wenig von dem was wir sagten. Madina ist noch sehr klein und kann noch nicht sprechen. Roijana übernahm den Job als Übersetzerin. Anfangs gab es noch ein paar Verständnisschwierigkeiten, doch nach und nach lockerte sich die Situation. Als wir dann in den Turnsaal gingen, brach das Eis ganz. Wir spielten Fußball, Basketball, Baseball, Die Kinder hielten uns auf Trab. Sie waren total überdreht und hatten viel Energie um immer neue Spiele und Sachen auszuprobieren. Nach einer Weile schauten wir, ob das Essen schon fertig war. Nachdem es nicht fertig war, gingen wir auf den Sportplatz ins Freie noch eine Runde Basketball spielen.

9 KULINARIK Das ausländische Essen war für uns eine neue Erfahrung. Es gab Chaboli balau und Mantu aus Afganistan, und beides war sehr köstlich. Wir kochten Kässpätzle und Ribl aus unserer Region und mussten gleich einsehen, dass es bei unseren Gästen nicht sehr gut ankam. Unter dem Essen wurde nicht viel gesprochen, jedoch lobten sie sich immer wieder untereinander für das fantastische Essen. Auch die Kinder waren begeistert von dem Essen und halfen danach tatkräftig beim Abräumen und Abwaschen mit. Man merkte gleich, dass es den Leuten viel Spaß machte und sie große Freude an dem gemeinsamen Projekt hatten.

10 SOUVENIRS DER REISE Schlussendlich können wir sagen - die Umsetzung hätte nicht besser gelingen können! Das verdanken wir vor allem den Frauen, die sich bereit erklärt haben an unserem Projekt teil zu nehmen. Wir haben gemerkt, dass sie alle wirklich sehr interessiert an unserem Projekt waren und mit Freude und Engagement dabei waren. Auch wenn die meisten Frauen nur wenig Deutsch konnten, war es nicht so schwer mit ihnen zu kommunizieren. Wir Mädchen bewunderten sehr, wie sie mit den schweren Schicksalsschlägen, die sie erlebt hatten, umgingen. Keiner Frau und keinem Kind war anzumerken, welch schwere Zeit sie durchgemacht haben. Ebenfalls wurde uns durch die Zusammenarbeit mit ihnen klar, dass die schlechten Sprachkenntnisse nicht daran liegen, dass sie die Sprache nicht lernen wollen, sondern einfach keine Chance dazu haben. Oftmals werden sie von Einheimischen beschimpft, wenn sie kein Deutsch können. Die meisten haben Kinder, die noch nicht die Möglichkeiten haben den Kindergarten oder die Schule zu besuchen. Das heißt, dass sie vormittags nicht ohne ihre Mutter sein können. Da die Deutschkurse aber meistens am Vormittag stattfinden, können sie an denen nicht teilnehmen. So ist es schwer, die Sprache zu lernen und wenn sie sie selbst nicht beherrschen, können sie es auch ihren Kindern nicht beibringen. Wie sollen die Kinder dann später in der Schule, in der ausschließlich Deutsch gesprochen wird, etwas lernen - geschweige denn gute Noten schreiben?

11 Es muss wirklich schwer für die Frauen, insbesondere für die Kinder sein, sich in einem Land zu integrieren, wenn man die Sprache nicht spricht und die Einheimischen einen nicht wirklich unterstützen sondern den Kontakt mit einem eher meidet. Uns wurde klar WIR können helfen! Um unsere Reise nie zu beenden, beschlossen wir den Bewohnerinnen Deutschkurse zu geben. Besonders den Kindern möchten wir so schnell wie möglich helfen die Sprache zu erlernen, dass sie Freunde finden können und um das schwere Schicksal, welches sie durchgemacht haben leichter zu verarbeiten. Alles in einem sind wir sehr froh, dass wir das Projekt mit den Frauen gemacht haben. Wir haben viel Neues über Kulturen dazugelernt und vor allem haben wir neue, freundliche Menschen kennen gelernt, die zwar alle verschieden, aber doch nicht anders wie wir sind.

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