Der Windpark Klettwitz steht auf der rekultivierten Hochkippe eines ehemaligen Tagebaus

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1 Wald. Deine Natur. Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Landesverband Brandenburg Regionalverband Lausitz Bericht über die Öffentliche Mitgliederversammlung des Regionalverbandes Lausitz der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald als Exkursion mit anschließender Diskussion zum Thema Windkraftanlagen in der Bergbaufolgelandschaft am Samstag, dem 21. April 2012 in Klettwitz Ziel dieser Mitgliederversammlung ist es, den Stand und die Entwicklungsmöglichkeiten für den Bau von Windkraftanlagen auf Rekultivierungsflächen von Braunkohlentagebauen in der Lausitz zu ergründen und Erkenntnisse über Vor- und Nachteile, den Flächenbedarf und die Energieausbeute, sowie die Auswirkungen auf die Rekultivierung, auch den Wald, zu sammeln und zu vermitteln. Der Windpark Klettwitz steht auf der rekultivierten Hochkippe eines ehemaligen Tagebaus Regionalverband Lausitz e.v. der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Landesverband Brandenburg Vorsitzender Friedhelm Hennig, Peitz, Am Hammergraben 8, Telefon/Fax homepage www. sdw-brandenburg.de

2 Als Beispiel dient der Windpark Klettwitz im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Er besteht aus den 4 Teilflächen Sallgast Süd 49, Klettwitz Nord 50, Kostebrau 51 und Klettwitz Süd 52, laut Sachlichem Teilregionalplan Windkraftnutzung, Entwurf vom der Regionalen Planungsgemeinschaft Lausitz Spreewald. Auf ca. 500 Hektar stehen 58 Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von ca. 100 MW (zum Vergleich Braunkohlenkraftwerk Jänschwalde MW). Gaststätte Zur Windparkschänke Um Uhr treffen sich über 30 Interessierte vor der Gaststätte Zur Windparkschänke in Annahütte, Karl- Marx- Siedlung 36, vor allem Mitglieder der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, aber auch das Forstministerium in Potsdam, das Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde, einige Oberförstereien des Landesbetriebes Forst Brandenburg, das Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften in Finsterwalde, der Förderverein Kulturlandschaft Niederlausitz, der Landschaftspflegeverband Spree Neiße und der Kreisjagdverband Senftenberg sind vertreten. Friedhelm Hennig als Vorsitzender des Regionalverbandes Lausitz der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald begrüßt alle und verspricht eine interessante Exkursion. Windparkmanager Henry Löwenherz begrüßt die Exkursionsteilnehmer 2

3 Windpark- Manager Henry Löwenherz Mit den PKW geht es auf gut ausgebauten Wegen auf die Hochkippe des ehemaligen Tagebau Klettwitz hinauf. Dipl.-Ing. Henry Löwenherz begrüßt die Exkursionsteilnehmer im Windfeld Klettwitz- Süd vor einem 110 m hohen Windrad Vestas V66 (Nabenhöhe 78 m, Rotordurchmesser 66 m, 1,65 MW). Er ist der Windpark- Manager für die Scan Energy Germany GmbH, ein dänisches Unternehmen mit Sitz in Hamburg. Allerdings befindet sich das Unternehmen in der Umstrukturierung und der Windpark Klettwitz wird demnächst einen neuen Betreiber bekommen. Auch das Innere eines Windrades darf besichtigt werden Die Erläuterungen von Henry Löwenherz drehen sich zunächst um den Bau und Betrieb der Anlage. Verblüffend für viele: die Windräder stehen auf nur ca. 4 Meter in die Erde reichenden plattenartigen Fundamenten mit einem Durchmesser von ca. 12 m. Es ist auch die große Auflast des 50 t schweren Maschinenhauses, die zur Standfestigkeit führt. Da es sich um aufgeschütteten Kippenboden handelt, musste vor der Fundamentgründung von der LMBV der Boden mittels Rütteldruckverdichtung bis in 60 m Tiefe verfestigt werden. Das geschah in einem 14 mal 14 Meterraster mit einer sogenannten Rütteldrucklanze. Eine in der Lausitz weit verbreitete Sanierungsmethode, um die Standsicherheit von Kippen zu verbessern. 3

4 Repowering Nach ca. 12 Standjahren beginnt der Prozeß des Repowering. Zwei neue, fast 150 m hohe Anlagen Vestas V90 (Nabenhöhe 105 m, Rotordurchmesser 90 m, 2,00 MW) stehen bereits und weitere noch größere sind in Arbeit. Auch hier wieder verblüffend, obwohl die installierte Leistung der neuen Anlagen nur 20 % bis 50 % höher ist, kann eine bis dreimal so hohe Leistung abgerufen werden! Das liegt an der größeren Höhe, vor allem aber an der verbesserten Technik. Der Blick in den Turm des Windrades lässt vor der Höhe erschauern, aber es gibt einen Aufzug. Die computergesteuerten Schaltanlagen sind äußerlich wenig spektakulär, machen aber die Anlagen immer sicherer und effizienter. Beim Blick in den Fahrstuhlschacht spürt man die Höhe des Turmes Verspargelung der Landschaft In der Diskussion werden Flächenverbrauch, Akzeptanzprobleme, insbesondere zum Schlagschattenwurf und Auswirkungen auf die Vogelwelt thematisiert. Interessante Einwürfe kommen von Prof. Helmut Rippl, einem anerkannten Landschaftsplaner aus Cottbus, der sich beklagt, dass viele Windparke lieblos in die Landschaft gesetzt werden. Würden bei der Planung neben technischen Anforderungen auch gleich landschaftsgestalterische Gesichtspunkte einfließen, käme manche Gegend mit der Verspargelung viel besser zu recht. 4

5 Helmut Beschow, Hobby- Ornithologe aus Spremberg, gemahnt daran, gerade in der Bergbaufolgelandschaft den Schutz der sich entwickelnden Natur zu berücksichtigen. Die Bergbaufolgelandschaft ist oft ein Rückzugsgebiet für Arten, die in der intensiv genutzten Kulturlandschaft kaum noch Lebensräume finden. Diese Chance darf nicht leichtfertig vergeben werden. Prof. Helmut Rippl aus Cottbus fordert die Einbeziehung von Landschaftsgestaltern vor dem Bau von Windparken Bergbaufolgelandschaft bei Kostebrau Eine Stunde später setzt sich der Tross wieder in Bewegung und durchquert den von der LMBV sanierten Tagebaurandschlauch Richtung Kostebrau. Von dort hat man einen fantastischen Blick über die sich entwickelnde Bergbaufolgelandschaft. Flächen mit land- und forstwirtschaftlicher Rekultivierung, Renaturierungs- und Sukzessionsflächen, sowie gestaltete Böschungen ergeben ein interessantes Panorama. In der Ferne thront die Abraumförderbrücke F60 in Lichterfelde, die als Besucherbergwerk besichtigt werden kann und vom Erfindergeist der Lausitzer Kumpel kündet. Daneben drehen sich die Windräder der Windparke Sallgast und Kostebrau. Vielleicht erahnt hier mancher, was Helmut Rippl gemeint hat, wenn er auf das landschaftsgestalterische Potenzial der Windkraftanlagen aufmerksam macht. 5

6 Von Kostebrau haben die Exkursionsteilnehmer einen fantastischen Blick über die sich entwickelnde Bergbaufolgelandschaft Waldbrandschutz unter Windrädern Am letzten Exkursionspunkt wandert die Gruppe in den Windpark Kostebrau, der zwar nicht auf geschütteter Bergbaukippe, aber auf einer Sanierungsfläche steht, die vorher mit Verwaltungs- und Industrieanlagen überbaut war. Vorhandene Sukzession aus Kiefer, Birke, Eiche und Robinie wurde erhalten, dazwischen aufgeforstet. Der Windpark steht praktisch im Wald! Hier wird das Thema Waldbrandschutz diskutiert. Henry Löwenherz betont aber, dass in neueren Anlagen, die Bauteile, die bisher zu Bränden geführt haben, meist gar nicht mehr enthalten sind. Außerdem sind neue Windräder fast immer mit automatischen Löscheinrichtungen ausgestattet. Das wird mittlerweile schon von den Versicherungen gefordert! Windräder beeinträchtigen auch sehr stark die in Brandenburg flächendeckend eingesetzte Waldbrandüberwachung mittels eines automatischen Kamerasystems, bei dem Rundumbilder an eine Zentrale übermittelt und rechentechnisch ausgewertet werden. Die Software erkennt die Rauchentwicklung von Waldbränden und gibt dann ein Warnsignal. Diese Software wird zur Zeit weiter entwickelt und soll dann in der Lage sein, die optischen Störungen durch Windkraftanlagen heraus zu rechnen. 6

7 Artenschutz Bei den hier verwendeten Anlagen bewegt sich die Unterkante des Flügels reichlich 40 m über dem Boden. Das ist bei Bäumen, die durchaus Höhen von 30 m erreichen können, nicht viel. Zukünftig werden für den Einsatz im Wald aber Anlagen mit wesentlich größeren Abständen zum Boden geplant, z.b. 60 oder gar 90 m, so dass kaum noch eine Beeinflussung des Waldes zu erwarten ist. Helmut Beschow macht darauf aufmerksam, dass Fledermäuse auch bei solchen Anlagen stark gefährdet sind. Einige Arten Fledermäuse fliegen auch in größeren Höhen und sind nicht in der Lage, den heraneilenden Flügel zu orten und ihm auszuweichen. Im Wald sehen die Forstleute besonders für den Waldbrandschutz Probleme Viele offene Fragen Jörg Ecker vom Ministerium in Potsdam weist darauf hin, dass nach den gegenwärtigen Vorstellungen der Regierung auch Waldflächen als Planungsraum für Windkraftanlagen erforderlich sind. Grob gerechnet sollen noch 2 ooo Anlagen errichtet werden, davon müssten ca im Wald stehen. Für die Mitglieder der SDW steht aber fest, Windkraftanlagen gehören nicht in den Wald! Es wird also noch intensive Auseinandersetzungen zu möglichen Standorten geben. Dabei muss auch das Potenzial der Bergbaufolgelandschaft genau betrachtet werden. Wichtig ist die Versachlichung der Diskussion, wobei sich das 7

8 Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde und das Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften in Finsterwalde bei der Untersuchung der vielen offenen Fragen verdient machen können. Voller Eindrücke rücken die Exkursionsteilnehmer mittags wieder in die Gaststätte Zur Windparkschänke in Annahütte ein und diskutieren nach einem guten Mittagsmahl die gewonnenen Erkenntnisse. Friedhelm Hennig als Vorsitzender verspricht den Standpunkt des Regionalverbandes Lausitz der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in einem Thesenpapier zusammen zu fassen und allen Interessierten zu kommen zu lassen. Die Exkursionsteilnehmer haben ihr Kommen nicht bereut. Dr. Karl Preußner Regionalverband Lausitz der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Landesverband Brandenburg 8

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