Ich will (nicht) mehr!

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1 Franz Sedlak Ich will (nicht) mehr! Seelische Krisen erkennen und hilfreich handeln. Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur

2 Impressum: Erweiterte Neugestaltung der Broschüre Ich will (nicht) mehr (BMUKK 2001) unter Einbeziehung der Broschüre Erkennen-Beurteilen-Handeln (BMUKK 2001). Autor: MinRat Mag. DDr. FRANZ SEDLAK Leiter der Abteilung Schulpsychologie-Bildungsberatung im Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) Psychotherapeut, Gesundheits- und Klinischer Psychologe, Supervisor Medieninhaber, Herausgeber, Verleger: BMUKK, 1010 Wien ISBN: Psychologische Hinweise: Mag. Dr. Karin Sedlak Korrekturlesung: Mag. Karin Waska Druck: BMUKK Gestaltung: Visus Werbeagentur Alle Broschüren der Schulpsychologie-Bildungsberatung stehen als kostenloser Download unter zur Verfügung. 2

3 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! VORWORT Der Titel der vorliegenden Broschüre Ich will (nicht) mehr! ist nicht bloß ein Wortspiel. Wer mit dem Gedanken spielt Ich will mir das Leben nehmen!, meint dahinter meist: Ich will mir ein Leben nehmen, das mir mehr von dem bietet, was für mich wertvoll und erfüllend ist! Lebensüberdruss ist daher ein Hilfeschrei nach mehr Anerkennung, mehr Kontakt, mehr Sinn. Jede/r kennt Phasen, in denen die Lebensbilanz negativ ausfällt: Wenn man Misserfolge erlitten hat; wenn man von persönlich wichtigen Menschen enttäuscht oder verletzt worden ist; wenn man vor sich eine endlose graue Straße sieht, ohne Ziel, ohne wirkliches Weiterkommen... Jede/r Unternehmensberater/in, Organisator/in, Manager/in weiß: Entscheidungen soll man nicht treffen, wenn man keinen Überblick hat. Das gilt umso mehr für Menschen, die sich in einem seelischen Tief befinden: Wer in eine Gletscherspalte gerutscht ist, kann den Gipfel nicht sehen! Manchmal kann man sich selbst aus dem Tief emporarbeiten. Manchmal aber ist es so, als ob alle unsere Kräfte zusammengebrochen wären. Dann brauchen wir andere, die uns helfen. Helfen kann nicht bedeuten, uns selbst in die Gletscherspalte ziehen zu lassen. Wenn unsere Kräfte als Helfer/innen nicht reichen, dann brauchen wir selbst zusätzliche Hilfe. Die vorliegende Broschüre richtet ihr Augenmerk vor allem auf die Grundbedürfnisse, die für seelisches Wohlbefinden wesentlich sind, und auf erste Anzeichen dafür, dass diese Bedürfnisse nicht ausreichend erfüllt sind und Gefahr droht. Wien, im September 2009 Dr. Sedlak 3

4 INHALTSVERZEICHNIS KAPITEL I: RISIKOFAKTOREN LEBENSFAKTOREN 6 Drei Grundbedürfnisse 6 Bestrebungen 7 Was versteht man unter Haltlosigkeit, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit? 9 Risikofaktoren, protektive Faktoren, korrektive Erfahrungen 11 Wie zeigen sich die drei Risikofaktoren im Verhalten? 10 Verhaltensbrüche und andere massive Gefahrensignale 12 Wie werden die drei Risikofaktoren in der Kommunikation erkennbar, wie äußern sich Haltlosigkeit, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit? 13 Wie kommt es zu negativen Gedanken und Leitsprüchen? 14 Formen der Selbstschädigung 14 Den Risikofaktoren stehen Lebensfaktoren gegenüber! 15 Gegen Haltlosigkeit, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit helfen 15 Was bedeuten die Lebensfaktoren genau? 16 Vernetzung, Verhaltensrepertoire 16 Vision 17 Präventive Überlegungen anhand der Lebensfaktoren 18 Die Lebensfaktoren im Spiegel der Internet-Suizidforen 19 Lebensfaktor Vernetzung 19 Lebensfaktor Verhaltensrepertoire 19 Lebensfaktor Vision 20 KAPITEL II: ÜBERLEGUNGEN ZU MEHR ZWISCHENMENSCHLICHER SENSIBILITÄT FÜR HILFE IN SCHWIERIGEN SITUATIONEN 22 Eine bewegte Diskussion in der Klasse 22 Gedanken zur Diskussion 31 Wie gehen Psychotherapeut/innen bei aktueller Suizidprävention vor? 33 4

5 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! KAPITEL III: SUIZIDALITÄT AUS UNTERSCHIEDLICHEN PERSPEKTIVEN 34 Im Umfeld der Suizidalität: Selbstverletzendes Verhalten 34 Affekte und Suizidalität 35 Depression und Suizidalität 36 Depression ist nicht mit Trauer gleichzusetzen 36 Wie entstehen Depressionen? 36 Wie fühlen sich depressive Menschen? Was brauchen sie? 37 Angst und Suizidalität 38 Beziehungsängste 38 Leistungsängste 38 Ängste in Entwicklungskrisen - Lebenskrisen 39 Schulängste, normale Angst 39 Aggression und Suizidalität 40 Wie entstehen Aggressionen? Welche Rolle spielen Konflikte? 40 Was bedeutet Konfliktkultur? 41 Traumatisierung und Suizidalität 41 Welche traumatischen Ereignisse gibt es? 42 Was ist wichtig im unmittelbaren Nahbereich? 42 Einige wichtige Regeln für Kurzinterventionen 43 Was soll durch Intervention erreicht werden? 43 Wohlfühlprogramme 44 Helfende Maßnahmen für Opfer von Katastrophen 45 Mobbing und Suizidalität 46 Sterbebegleitung und Suizidalität 47 Persönlichkeitsstörungen und Suizidalität 47 Wie formt sich die Persönlichkeit? 48 Der Zusammenhang mit Suizidalität 48 Negative Zukunftsszenarien und Suizidalität 49 Selbstmord ist keine Krankheit 50 Literaturbeispiele für Themen im Zusammenhang mit Suizidalität 52 Schlusswort 54 DIE SCHULPSYCHOLOGIE IM BMUKK UND IN DEN BUNDESLÄNDERN 55 HILFREICHE KONTAKTE UND HOTLINES 56 5

6 Kapitel I RISIKOFAKTOREN LEBENSFAKTOREN Hinter jedem Ich will nicht mehr! steckt ein Ich will mehr!, denn jeder Mensch hat drei Grundbedürfnisse: Menschen um sich zu haben, die man lieben kann, und auch selber geliebt zu werden, einen verlässlichen Freundeskreis zu besitzen. Fähig zu sein, anerkannt zu werden, gebraucht zu werden, gesund und unabhängig zu sein, Probleme lösen zu können. Sich weiter zu entwickeln, ein ausgefülltes Leben zu führen, einen Inhalt im Leben sehen zu können, inneren Frieden zu finden. Jeder Säugling braucht das Gefühl, willkommen zu sein, braucht Sicherheit, Nestwärme, Geborgenheit, den Schutz einer verlässlichen Umwelt, Aufmerksamkeit, Bewunderung - im Glanz der ihn anblickenden Augen der Mutter erkennt sich der Säugling als selbst wertvoll und wertgeschätzt. Es ist eine Welt, die stimmige Antworten auf seine Fragen gibt, passende Resonanz zeigt. Bald aber kommt ein zweites Bedürfnis dazu, vielleicht ist es schon von Anfang an da: Das Bedürfnis nach Selbstständigkeit, Selbstwirksamkeit - es selbst machen und alleine machen, das Bedürfnis nach Durchsetzungsfähigkeit, Leistungsfähigkeit, Erfolg und Effektivität. Auf dem Boden positiver Erfahrungen wächst Selbstvertrauen, mit dem Initiativen ergriffen werden. Und dann gibt es noch die Menschen, die man bewundert, die man idealisiert, die man nachahmt, jedes Kleinkind braucht auch Vorbilder, die so sind, wie sie selbst werden möchten. Das ist ein ganz wichtiger Entwicklungsmotor. Im Jugendlichenalter sind diese Bedürfnisse nicht geringer, sie zeigen sich anders: Die Geborgenheitssuche wird in der Gleichaltrigengruppe (Peers) gesucht und gefunden; gleichzeitig setzt auch eine intensive Suche nach sich selbst ein: der eigenen Besonderheit, Persönlichkeit, Individualität, Identität. Und schließlich gibt es auch Idole, denen man nacheifert, gibt es schon 6

7 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! mehr oder minder konkrete Zukunftsvorstellungen, Pläne, was man werden möchte, wie man leben möchte. Diese Grundbedürfnisse nach Gemeinschaft, nach Eigenständigkeit und einem hoffnungsvollen Erwartungshorizont lassen sich auch in den unterschiedlichen Bedürfnissen Erwachsener aufspüren. Der Psychologe Thomae 1 beschreibt sieben Bestrebungen des Menschen, die grundsätzlich gegeben sind bzw. durch ungünstige Konstellationen behindert sein können. Bestrebungen 1. nach Zukunftsplanung (finales Prinzip) 2. nach Wiedererlangen des inneren Gleichgewichts (homöostatisches Prinzip) 3. nach Anregung, Erlebnisfülle und Horizonterweiterung (innovatives Prinzip) 4. nach Verteidigung, Schutz und Abwehr von inneren oder äußeren Störungen (defensives Prinzip) 5. nach sozialer Anerkennung und Integration (sozial-integratives Prinzip) 6. nach sozialer Abhebung, Dominanz, Unterscheidung (Individuations-Prinzip) 7. nach Anpassung an Allgemeingültigkeit und Normentsprechung (normatives Prinzip) Wieder entdecken wir die drei Grundbedürfnisse: Das sozial-integrative Prinzip strebt nach Gemeinschaft bzw. möchte Einsamkeit und Haltlosigkeit überwinden, als ausgleichende Gegenpole stehen dabei das Streben nach Besonderheit, das Individuations-Prinzip, und andererseits nach Normanpassung, das normative Prinzip, einander gegenüber. Das homöostatische Prinzip und das defensive Prinzip werden bedeutsam, wenn es gilt, sich selbst als fähig zu erleben bzw. einen sehr labilen inneren Zustand, das Gefühl und Erleben von Hilflosigkeit zu überwinden. Das finale Prinzip wird wichtig bei der Ausrichtung auf einen Sinnhorizont bzw. bei der Überwindung von Hoffnungslosigkeit, ebenso das innovative Prinzip (das insbesondere auch die Leere, Gleichgültigkeit, Langeweile, Unerfülltheit anspricht). Die drei Grundbedürfnisse können durch pubertäre Entwicklungen verstärkt bzw. verkompliziert werden, wie dies die Psychologin Juen 2 am jugendlichen egozentrischen Denkmodus demonstriert: 1 Nach Hans Thomae (1968), Das Individuum und seine Welt. Eine Persönlichkeitstheorie. Hogrefe-Verlag 2 Barbara Juen, Institut f. Psychologie d. Universität Innsbruck, Website der Schulpsychologie Tirols 7

8 Jugendliche empfinden sich in ihrem Erleben oft als so einzigartig, dass daraus ein Gefühl der Entfremdung und Einsamkeit resultieren kann. Noch nie war jemand so verliebt, glücklich, unglücklich wie der/die Jugendliche. Niemand kann sein/ihr Empfinden nachvollziehen, schon gar nicht Erwachsene. Glück wird ebenso tief und absolut erlebt wie Schmerz. Im Moment wird daher oft kein Ausweg aus dem absolut gesetzten Schmerz gesehen. Das macht Jugendliche besonders anfällig für Kurzschlusshandlungen. Der Begriff des imaginären Publikums bezieht sich auf das Phänomen, dass Jugendliche oft den Eindruck haben, aller Aufmerksamkeit wäre nur auf sie gerichtet. Dies hängt mit der im Jugendalter erhöhten Selbstaufmerksamkeit zusammen. Das vorgestellte Publikum wird von Jugendlichen häufig in ihre Suizidphantasien mit aufgenommen etwa in dem Sinne, dass die Eltern, die diese oder jene Grenzen setzen, es schon noch bereuen werden, wenn sie dann am Grab des verstorbenen Jugendlichen stehen. Suizidphantasien vermischen sich oft mit als lustvoll erlebten Rachephantasien. Die persönliche Fabel schließlich bezieht sich auf die erhöhte Tendenz Jugendlicher, sich nach Vorbildern auszurichten. In der persönlichen Fabel entwerfen Jugendliche ihr Leben bzw. ihre Identität als eine Art Film, Roman, oder Theaterstück oft ausgerichtet an Medienvorbildern oder Vorbildern aus ihrem Bekanntenkreis. Internetforen und andere Möglichkeiten des Austauschs von Suizidphantasien bekommen vor diesem Hintergrund erhöhte Relevanz. Besonders spektakuläre oder publikumswirksame Formen des Suizids üben für Jugendliche einen ganz besonderen Reiz aus. Die Gefahr der Nachahmung von anderen Suiziden ist besonders hoch. Die Ausführungen von Juen differenzieren das Bild der Haltsuche bzw. Haltlosigkeit. Es gibt nämlich auch eine aus dem überstarken Gefühl der Besonderheit, Einzigartigkeit resultierende gewünschte Haltlosigkeit, bei der nicht so sehr die Umwelt tatsächlich in ihren Kontakt- und Vernetzungsmöglichkeiten versagt, sondern das Gefühl, als Unikat prinzipiell nicht verstanden werden zu können, übermächtig ist. Ein übermächtiges Streben nach Besonderheit führt dazu, dass die Offenheit für Beziehung reduziert wird. (Mit anderen Worten: Die drei Grundbedürfnisse müssen auch in ausgewogener Balance vorhanden sein, Jedes Zuviel eines Bedürfnisses führt zu einem Zuwenig anderer). 8

9 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Eine andere Form der Haltlosigkeit - die demonstrierte Abwendung von der Gemeinschaft - ist offensichtlich die Freude am Schmerz, den man bei den nach dem Selbstmord verbliebenen Angehörigen und Freunden verursacht. (Aus der Literatur kennen wir die genussvollen Fantasien und Beobachtungen von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, als sie sich auf einer Insel verstecken und von allen gesucht werden). Der/die Selbstmörder/in nimmt Rache an den wichtigen Bezugspersonen, denen Negatives angelastet wird. (Mit anderen Worten: Die lang entbehrte, vermisste, unzulänglich erhaltene Geborgenheit in der Gemeinschaft wird nun negiert und in eine oppositionelle Haltung verwandelt). Die dritte angeführte Eigenschaft des jugendlichen Egozentrismus ist die Orientierung an suizidalen Vorbildern. Hier gibt es im Gefolge einer inneren Haltlosigkeit eine Haltsuche bei autoaggressiven Problemlösern und ein Anhalten an destruktive Muster, wie sie in der Literatur ( Werther-Effekt ) oder in Internetforen und deren Anleitungen vorgegeben werden. Da diese Bedürfnisse so grundlegend sind, verwundert es nicht, dass ihre Nichterfüllung katastrophale Folgen haben kann: In eigenen früheren Untersuchungen konnte der Autor feststellen, dass über alle Altersgruppen hinweg vor allem drei mehr oder minder laute Hilfeschreie eine krisenhafte Entwicklung oder sogar eine Selbstmordgefährdung ankündigen: Ich kann mich an niemanden (an)halten, ich kann mir nicht selbst helfen, ich habe nichts zu (er-) hoffen! Was versteht man unter Haltlosigkeit, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit? Haltlosigkeit Darunter versteht man Desintegriertheit (Erleben des Andersseins, Außenseiterseins) mit teilweiser oder gänzlicher Isolation (Risikofaktor Einsamkeit bei mangelhaften sozialen Netzen in Peergroup oder Familie); Haltlosigkeit kann auf Grund mangelnder Kontaktchancen, Kontaktfähigkeit oder Kontaktbereitschaft und auf Grund von tatsächlichen oder fälschlicherweise selbst zugeschriebenen Mängeln entstehen und führt unter Umständen zur Abkapselung, zum Kommunikationsabbruch. Dies ist besonders in Bezug auf Suizidalität oder Sucht gefährdend. Der Mangel an Aufgehobenheit in den kulturell vorhandenen sozialen Netzen kann aber auch zur Suche nach alternativen Bindungen führen und damit eine Anfälligkeit für die Gemeinschaftsangebote von bedenklichen Gruppierungen bewirken. 9

10 Hilflosigkeit Darunter ist entweder eine tatsächlich erfahrene oder fälschlicherweise angenommene Inkompetenz, verbunden mit Misserfolgserwartung zu verstehen. Dazu gehört das Erleben der Abhängigkeit von anderen, die Unselbstständigkeit in eigenen Belangen. Chronische Hilflosigkeit führt zur Selbstaufgabe oder unkritischen Überantwortung an andere und ist besonders in Bezug auf Gruppen(leiter-)hörigkeit gefährdend. Zunehmendes Erleben der eigenen Effektivitätsverluste (psychologischer Begriff: Mangelnde Kontrollüberzeugung) kann aber auch zu Betäubung im Suchtverhalten oder zu suizidalen Kurzschlusshandlungen führen. Hoffnungslosigkeit Damit ist eine Verengung der Lebensperspektiven gemeint, die keine Sinnfindung im schulischen/beruflichen Bereich oder im persönlichen Freizeitbereich zulässt. Eine depressive bzw. resignative Grundstimmung führt insbesondere zu suizidaler Gefährdung, kann aber auch für Verheißungen von Gruppierungen anfällig machen oder für die Betäubung im Suchtverhalten. Wenn man alles hat, aber keinen Sinn im Leben findet, dann bleibt man unerfüllt und innerlich leer. Reizüberflutung, Sofort-Befriedigung, Konsumdenken all dies führt dazu, dass im Vergnügen oder im Besitz vergeblich gesucht wird, was das Leben sinnvoll macht. Die No-future-Mentalität der Jugend bewirkt, dass nur unmittelbare Ziele angestrebt werden, die aber auf Dauer nicht wirklich erfüllen können. Wenn diese Grundbedüfnisse so wichtig sind bzw. ihr Fehlen so einschneidende Folgen haben kann, dann können sozialer Halt in einer Gemeinschaft, Hilfe zur Selbsthilfe und Hoffnung in Bezug auf die weitere Zukunft als die drei wahrscheinlich wichtigsten Schutzfaktoren gegenüber Krisen bezeichnet werden. Warnende Signale bei Mangel an Erfüllung dieser Grundbedürfnisse sind schon in einem Stadium gegeben, in dem es noch nicht zu massiveren Begleiterscheinungen kommt wie z.b. zu abrupten Verhaltensänderungen (sogenannten Verhaltensknicks) oder zur bekannten präsuizidalen Einengung des Denkens, Fühlens und Handelns. 10

11 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Risikofaktoren, protektive Faktoren, korrektive Erfahrungen Lebensumstände können belastend sein, z.b. starke Bildungsdefizite in der Familie, geringer sozioökonomischer Lebensstandard, psychische Störungen oder Persönlichkeitsstörungen in der Familie. Lebensereignisse können sich traumatisch auswirken, z.b. frühe Personenverluste, Missbrauchserlebnisse, Gewalt. Liegen mehrere Risikofaktoren vor, dann kann sich die Belastung aufschaukeln, potenzieren. Demgegenüber sind gute Beziehungen zu Familienmitgliedern, zum umgebenden Milieu, zu Jugendgruppen, gutes und sicheres Bindungsverhalten schützende Faktoren (gegen Haltlosigkeit), ebenso sind gute Intelligenz, gute Förderung, ein aktives, robustes Temperament und ein Problemlösungsrepertoire Schutzfaktoren (gegenüber Hilflosigkeit). Positive Erwartungen und Zukunftsaussichten sind ebenfalls Schutzfaktoren (gegen Hoffnungslosigkeit). Korrektive Erfahrungen z.b. in einer Psychotherapie können Fehlentwicklungen aufhalten und negative Einstellungen aufgrund des Erlebten durch positive Haltungen aufgrund der neuen Erlebnisse ersetzen helfen. Es gibt Verhaltenssignale und Kommunikationssignale für die drei wesentlichen Risikofaktoren Haltlosigkeit, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Wie zeigen sich die drei Risikofaktoren im Verhalten? Haltlosigkeit z.b. Sich im Zimmer einsperren und stundenlang abkapseln Sich ins Bett zurückziehen Nicht angesprochen werden wollen Einigeln Abwendung von alten Freunden, Familie und Interessen Zuwendung zu subkulturellen Gruppen Von zu Hause oder von der Schule davonlaufen Änderung der sozialen Stellung im Klassenverband als Außenseiter oder als Versager 11

12 Hilflosigkeit z.b. Gänzliches Leistungsversagen Konzentrations- und Leistungsschwankungen Einnässen Hoffnungslosigkeit z.b. Flucht in eine Traumwelt (z.b. Computerwelt, Internet) Alkohol-, Drogen-, Medikamentenmissbrauch Verhaltensbrüche (plötzliche Veränderungen im Leistungs- und Kontaktverhalten) und andere massive Gefahrensignale Plötzlich auftretende Verhaltensschwierigkeiten Abbruch der Schule Änderungen im Essverhalten (Appetitlosigkeit, verbunden mit Gewichtsabnahme, oder umgekehrt Unmäßigkeit beim Essen oft in Form von Attacken) Änderung der Alltagsgewohnheiten Gezielte oder ungezielte Selbstmorddrohungen Gehäuftes Vorkommen von Selbstmorden oder suizidalen Handlungen in der Familie, in der näheren Umgebung bzw. Eigene frühere suizidale Handlungen Anzeichen für konkrete Vorstellungen darüber, wie, wann, wo und mit welchen Mitteln die suizidale Handlung durchgeführt werden soll (z.b. Abschiedsbrief) Bevor derart massive Signale auftreten, können Äußerungen vorwarnen, die im Folgenden angeführt werden. Wenn solche Sätze immer häufiger fallen, von Mitschüler(inne)n, Kolleg(inn)en und wem auch immer, dann ist rasche fachliche Hilfe wichtig, denn es liegt der Verdacht einer psychischen Krise nahe. 12

13 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Wie werden die drei Risikofaktoren in der Kommunikation erkennbar, wie äußern sich Haltlosigkeit, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit? Eindeutige Signale finden sich in negativen Leitgedanken, die irgendwann auch hörbar werden wenn man genügend sensibel dafür ist. Solche Leitgedanken und Leitsprüche sind z.b. bei Haltlosigkeit Ich kann mit mir nicht mehr zurechtkommen! Ich kann mich niemandem anvertrauen! Ich weiß nicht, wohin ich gehöre! Niemand würde es bedauern, wenn ich nicht mehr bin! Ich weiß überhaupt nicht, was ich will! Ich kann mir selbst nicht trauen! Denen werde ich es zeigen! Entweder tun die anderen, was ich will, oder... Hilflosigkeit Ich kann nicht mehr! Ich kann diese Umstände nicht mehr aushalten! Ich muss das tun, weil ich mich sonst nicht mehr wehren kann! Ich sehe keine andere Lösung, weil ich mir sonst nicht mehr helfen kann! Ich kann damit nicht fertig werden! Ich kann über diesen Verlust, dieses Versagen... nicht hinwegkommen! Ich habe versagt. Hoffnungslosigkeit Es hat ohnehin alles keinen Sinn mehr! Das Leben ist wertlos! Auf so ein Leben pfeif ich! Ich kann nichts mehr ändern! Das ganze Leben ist nur ein Spiel - ich lasse es darauf ankommen...! Wozu das alles...? 13

14 Wie kommt es zu diesen negativen Gedanken und Leitsprüchen? In der Entwicklung jedes Menschen kann es zu einem Verlust des seelischen Gleichgewichts kommen: Dies bedeutet, dass er durch Situationen oder Ereignisse überfordert ist.wenn Krisen nicht gemeistert werden können, kann sich die psychische Spannung in (Auto- und Hetero- )Aggressions- und Kurzschlusshandlungen äußern oder verschiedene Krankheiten auslösen. Es kann aber auch zum Absacken in Sucht kommen. Wichtig ist, dass jede normale Entwicklung Krisen enthält, aber man muss zwischen Entwicklungskrisen und psychischen Krisen unterscheiden. Entwicklungskrisen fordern die Entscheidungsfähigkeit des Menschen auf der jeweiligen Entwicklungsstufe voll heraus und fördern die persönliche Reifung. Psychische bzw. psychosoziale Krisen hingegen sind gegeben, wenn es zu einem Zusammenbruch (Dekompensation) der eigenen Bewältigungsmöglichkeiten für eine gegebene Situation kommt. In einer derartigen Krise braucht man daher die Hilfe anderer. Formen der Selbstschädigung Wenn ein Mensch erlebt, dass seine Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden bzw. unerfüllbar erscheinen, dann kann er oder sie zu extremen Lösungen greifen: Gewalt gegen andere oder gegen sich selbst. Die Selbstschädigung ist Ausdruck tief empfundener Haltlosigkeit, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit, sie kann verschiedene Formen annehmen. Expert/innen unterscheiden zwischen der Selbsttötung (Suizid), dem Selbstmordversuch (Parasuizid) und autoaggressiven Gedanken bzw. Handlungen ohne Selbsttötungsabsicht. Es gibt weiche Methoden und Mittel und harte, je nachdem, wie lebensgefährlich sie einzustufen sind. Wichtig: Alles ernst nehmen! Auch Aufmerksamkeitserreger können tödlich enden! Von suizidalem Verhalten spricht man, um zu kennzeichnen, dass impulsiv oft Handlungen gesetzt werden, deren lebensbedrohliches Gefahrenpotential unterschätzt wird. Als schleichenden Selbstmord bezeichnet man manchmal den Suchtmittelmissbrauch, aber auch ungesunde Lebensweisen. Als Spiel mit dem Tod und somit möglicherweise latenten Selbstmordwunsch werden lebensgefährliche Mutproben z.b. Springen von einer Brücke in einen eiskalten Bach, Klettern auf Bahnwaggons, Komatrinken) angesehen. Dieses aktive Risikoverhalten ist eher bei männlichen Jugendlichen vorherrschend. Weibliche Jugendliche zeigen manchmal ein nicht weniger gefährliches, aber stilleres Risikoverhalten durch überhöhte Schlankheitsansprüche und einseitige Diäten bis hin zur Magersucht. Im Tangentialbereich des Selbstmordes liegt selbstverletzendes Verhalten (siehe auch drittes Kapitel). 14

15 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Den Risikofaktoren stehen Lebensfaktoren gegenüber! Risikofaktoren Haltlosigkeit (= Einsamkeit, tatsächlich bestehend oder subjektiv empfunden) Hilflosigkeit (= Verlust der Selbststeuerungskompetenz oder des Vertrauens darin) Hoffnungslosigkeit (= Fehlender Sinn- bzw. Erwartungshorizont) Lebensfaktoren Vernetzung (= die Bindung an Personen und Pflichten) Verhaltensrepertoire (= der Besitz von persönlichen Ressourcen, Strategien...) Vision (=überlegtes Abschätzen der Zukunftschancen aufgrund der bisherigen und gegenwärtigen Erfahrungen) Gegen Haltlosigkeit, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit helfen VISION: Nahe und weitere Lebensziele Drei Wege zur Psychohygiene VERNETZUNG: Ein gutes soziales Netz VERHALTENSREPERTOIRE: Hilfe zur Selbsthilfe 15

16 Was bedeuten die Lebensfaktoren genau? Unter Vernetzung ist hier gemeint, dass wir uns anderen Menschen oder bestimmten Aufgaben gegenüber verbunden und verpflichtet fühlen. Das Wissen, dass andere uns brauchen bzw. mögen, schützt uns vor Kurzschlusshandlungen. Es geht hier um Sozialkompetenz, die Fähigkeit, sich eine Nische in der Gesellschaft zu erobern, in der man geschätzt wird und positive Resonanz erfährt; Vernetzung ist kein Schicksal, sondern meint die Fähigkeit des Austausches mit anderen, Anerkennung zu erfahren, aber auch anderen die eigene Wertschätzung zeigen können; anderen Menschen wichtig sein; jemand sein, der anderen etwas geben kann, dessen Gemeinschaft geschätzt wird. Vernetzung ist die positive Suche nach Verbindendem. Unter Vernetzung können wir auch einordnen: auf positive Arbeitsbedingungen und ein gutes Beziehungsklima achten; Unterstützung und Hilfe durch andere erhalten; in die bestehende Gemeinschaft integriert werden (Vereinsamung kann krank machen. Wir müssen daher darauf achten, dass niemand ausgeschlossen oder isoliert wird); verfügbare Hilfe in Anspruch nehmen, die zur Aufrechterhaltung des positiven Selbstwertgefühls und der persönlichen Lebensqualität oder zu deren Wiederherstellung notwendig ist. Unter Verhaltensrepertoire verstehen wir hier den Besitz an Fähigkeiten, die uns oder anderen helfen, Situationen zu bewältigen. Eine ganz wichtige Kraftquelle (Ressource) ist die Erfahrung, dass man schon in ähnlichen Situationen war und sie überwunden hat. Oft hat man mehr Kräfte, als man annimmt. Zu diesem Lebensfaktor ist auch der Besitz besonderer, individueller Begabungen und Eigenschaften zu zählen. Es geht hier um Selbstkompetenz, die Fähigkeit, für sich selbst und für andere hilfreich, kompetent zu handeln, Ziele zu erreichen, Wünsche zu realisieren. Es ist auch die Fähigkeit der Resilienz: Widerstandsfähigkeit in belastenden Situationen. Unter dem Stichwort Verhaltensrepertoire können wir auch subsumieren: als Person mit individuellen Fähigkeiten und Besonderheiten respektiert werden; zu lernen, das heißt aber auch, Fehler machen zu dürfen (wir sollten einander daher Zeit zum Entwickeln zugestehen und Mut machen, durch Erfahrungen zu lernen. Perfektionismus und Ungeduld sind Stress-Erzeuger und Krank- Macher); körperliche und seelische Gesundheit und Handlungsfähigkeit zu erhalten bzw. anzustreben; das Recht auf persönliche Überzeugungen und das Recht, seinem Gewissen entsprechend zu handeln, in Anspruch nehmen (wegen unserer Fehlbarkeit sollten wir dabei unsere Sichtweisen miteinander ausdiskutieren. Die Übereinstimmung mit anderen darf aber auch aus psychohygienischen Gründen niemals auf Kosten der Übereinstimmung mit sich 16

17 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! selbst gehen); das Recht auf das Vertrauen anderer in die eigenen Problemlösungsfähigkeiten achten (wo immer möglich, sollten daher die eigenen Begabungen und Ressourcen bei uns und anderen angeregt und zum Einsatz bei Problemen herausgefordert werden). Vision heißt hier: Einen Erwartungshorizont vor sich haben, Ziele abstecken, nähere und weitere. Vision ist die Hoffnung, ohne die jedes Planen sinnlos ist. Die rosarote Brille ist ebenso falsch wie die ganz dunkle, die nur alles schwarz sieht. Es gibt immer einen Ausweg. Nichts auf der Welt ist 100-prozentig, weder die Freude noch das Leid. Kein Zustand hält ewig, weder das Glück, noch das Unglück. Wir müssen immer wieder um unser Wohl und das der anderen kämpfen. Aber es lohnt sich! Mit Vision ist gemeint, dass man Sinnkompetenz besitzt: Darunter ist die Fähigkeit zu verstehen, sinnvolle Aufgaben zu entdecken und zu realisieren, sich für eigene oder gemeinsame Ziele zu engagieren. Unter Vision kann auch verstanden werden, sich persönlich zu entfalten und die eigenen Entwicklungsziele im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten selbst anzupeilen und zu verwirklichen; Vision kann aber auch das Zukunftsleitbild einer Gemeinschaft sein, die gemeinsame Entwicklung betreffen (Koevolution). Die Risikofaktoren beginnen alle mit dem Buchstaben H. (Man kann sich das leicht merken: Das H symbolisiert einerseits eine Haltung, die man im Zustand der Bedrohung einnimmt, nämlich Hände-hoch : Haltlosigkeit, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit.) Die Lebensfaktoren 3, die den Risikofaktoren entgegenwirken, beginnen alle mit dem Buchstaben V. (Auch das lässt sich leicht merken: Wir machen mit Mittel- und Zeigefinger ein V, wenn uns etwas gelungen ist - das Victory-Zeichen ). Diese Lebensfaktoren sind nicht nur Gegenpole zu den angeführten Risikofaktoren, sondern wesentlich für das persönliche Wohlbefinden. Die Erklärungen enthalten viele Bezeichnungsmöglichkeiten für die drei Lebensfaktoren. Zusätzlich kann man statt Vernetzung etwa sagen: Geborgenheit, Halt, Bindung, Schutz, Festigung, Vereinigung, Interaktion, Zusammenspiel, Gemeinschaft, ; anstelle von Verhaltensrepertoire sind folgende Begriffe möglich: Bewältigungsfähigkeit, Selbsthilfe, Zugkraft, Wissen, Kapazität, ; und anstelle von Vision wären die Begriffe Hoffnung, Offenheit für Neues, positive Haltung gegenüber Wandlung, Lichtblick, Zuversicht, Silberstreif am Horizont usw. denkbare Synonyme. 3 Expert/innen sprechen von protektiven (schützenden) Faktoren, aber auch von Lebenskompetenzen. Im Begriff Lebensfaktor steckt beides. 17

18 Präventive Überlegungen anhand der Lebensfaktoren Das klingt so einfach: Man nehme einen Risikofaktor und setze ihm den entsprechenden Lebensfaktor entgegen. Also der Einsamkeit die Gemeinschaft, der Hilflosigkeit die Fähigkeit, der Hoffnungslosigkeit ein sinnhaftes Ziel. So einfach ist es natürlich nicht. Vor allem nicht mitten in einer Krise. Da sind wir auf andere angewiesen. Aber warum erst auf eine Krise warten? Wenn man weiß, worauf es ankommt. Der Sinn des bisher Gesagten liegt darin, dass man rechtzeitig vorbeugt bei sich und anderen.wenn man weiß, dass Einsamkeit zu Haltlosigkeit führen kann dann hilft uns rechtzeitige Sorge für einen Freundeskreis. Oder wenn wir rechtzeitig bemerken, dass jemand Außenseiter ist und darüber unglücklich ist dann können wir rechtzeitig Kontakt anbieten und der Krise entgegensteuern. Auch die Hilflosigkeit ist kein unabwendbares Schicksal: Die Fähigkeit, Probleme zu lösen, hängt nicht allein von der Intelligenz ab, sondern vor allem davon, ob man richtige Strategien erlernt hat. Man kann Problemlösen üben und die Fähigkeit dazu entwickeln und steigern. Oder wenn man weiß, dass Hoffnungslosigkeit lebens gefährlich ist dann kann man rechtzeitig für sinnvolle Zielsetzungen sorgen. Der Sinn fliegt uns nicht zu wie im Schlaraffenland die gebratenen Hühner. Wir müssen uns für etwas aufschließen, engagieren und durch unseren Einsatz, unseren Zeitaufwand wird die gewählte Sache immer wichtiger für uns. Das bedeutet: Gegen jeden Risikofaktor sollte ein Gegengewicht in Form des Lebensfaktors gesetzt werden! Gegen die Haltlosigkeit die Vernetzung, d.h. die Bindung gegenüber einer Gemeinschaft, gegen Hilflosigkeit das Vertrauen in das eigene Problemlösungs- Verhaltensrepertoire. Und gegen Hoffnungslosigkeit die Vision in Form des offenen Nachdenkens über zukünftige Chancen, Aufgabenstellungen, Sinnmöglichkeiten. Selbstverständlich könnte man noch weitere seelische Risikofaktoren und Lebensfaktoren anführen, die persönlich wichtig sind. Aber Überwindung von Haltlosigkeit, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit waren in Untersuchungen des Autors in den Antworten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf die Frage nach den wichtigsten seelischen Lebensbedürfnissen die drei am meisten erwähnten. 18

19 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Die Lebensfaktoren im Spiegel der Internet Suizidforen Im Internet findet man immer häufiger sogenannte Suizidforen, in denen sich jeder zur Frage Selbstmord oder Weiterleben äußern kann. Darunter finden sich viele unterschiedlich wertvolle Meinungen. Man muss Streu von Weizen sondern. Andererseits sind diese Äußerungen ein guter Spiegel für die Bedeutung der Lebensfaktoren. Im Folgenden werden die Originalzitate ausschnittsweise wiedergegeben. Lebensfaktor Vernetzung Ich habe das Gefühl, ganz alleine auf der Welt zu sein, ganz allein mit meinen Gedanken, meinen Schmerzen und der Dunkelheit. Eine grenzenlose Einsamkeit, die mir den Atem nimmt und die ganz einfach nur weh tut. Ich will am liebsten nur reden, reden, reden... Dieses Beispiel zeigt die Wichtigkeit von Kontakt, von Mitteilungsmöglichkeiten. Anmerkung: Große statistische Untersuchungen beweisen, dass Menschen ohne sozialen Halt eher gefährdet sind, psychisch krank zu werden. Die Verwandten sind mir eigentlich relativ egal, von ihnen habe ich nicht das bekommen, was ich mir erwünscht hatte. Aber die Frau, die ich liebe (und die mich liebt), ihr will ich nicht diesen Schmerz antun (zumal sie sich 100% die Schuld geben wird, auch wenn ich in meinem Abschiedsbrief schreiben würde, es hätte nichts mit ihr zu tun...) Hier zeigt sich der Lebensfaktor Vernetzung (die Bindung an Personen und Pflichten) in voller Stärke: Wer sich anderen Menschen verbunden weiß, wer Antworten von anderen erhält, der fühlt auch Verantwortung für sich und die anderen. Eine Vernetzung, die am Leben erhält. Lebensfaktor Verhaltensrepertoire Vielleicht ist das Leben ein Spiel. Und ich werde wohl aufgeben. Dann habe ich eben verloren. Vielleicht habe ich das nächste Mal bessere Karten... Du kannst dich nicht mehr davor schützen... bist machtlos... es geschieht automatisch... du hast resigniert... dich damit abgefunden... Sag mir doch, was ich tun kann... 19

20 In diesen kurzen Beispielen zeigt sich die empfundene Hilflosigkeit. Was kann man als Verhaltensrepertoire (Besitz von persönlichen Ressourcen, Strategien) dagegen setzen? Wichtig ist der Hinweis auf die vielleicht verborgenen, aber vorhandenen Kraftquellen (Ressourcen): Was hilft mir jetzt? Was kann ich einsetzen? Was hat mir bisher geholfen? Wer kann mir helfen? In schweren psychischen Krisen erleben wir uns allerdings unfähig, machtlos. Hier bedarf es der Hilfe von außen: Freund/innen, Kolleg/innen, Familienangehörige, Beratungslehrer/innen, Psycholog/innen, Psychotherapeut/innen... Anmerkung: Besonders dramatisch wird die Hilflosigkeit während und nach traumatischen (erschütternden) Erlebnissen empfunden. Dies zeigt sich im posttraumatischen Belastungssyndrom. Lebensfaktor Vision... Das Leben ist Scheiße. Ich finde keinen Sinn darin... Das Leben hasst mich, die Liebe hasst mich! Was macht das alles noch für einen Sinn?... Taucht ein in die düstere, apokalyptische Welt der menschlichen Abgründe... Weil die Suche nach dem Rätsel der Welt sich als Seifenblase entpuppt? Ohne Hoffnung sein bewirkt erwiesenermaßen seelische Abstumpfung oder Verzweiflung. Wieso denken, dass der Tod der einzige Ausweg ist? Ich meine, was ist, wenn der Tod noch schlimmer ist als das Leben?... Was macht man, wenn man den Selbstmord überlebt und dann als Krüppel im Rollstuhl sitzt und dann leben muss... Bringt man sich selber um, dann verliert man... Ja, wir verneigen uns nicht vor dem Tod, wir hauen ihm eins in die Fresse und sagen es geht weiter! Der Lebensfaktor Vision (die angemessene Einschätzung und das richtige Abwägen von Positiva und Negativa von gegenwärtigen, vergangenen oder zukünftigen Ereignissen) hilft uns, Tiefs zu überwinden. 20

21 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! HILF MEINEM HELFEN Ich brauche Hilfe. Ich brauche Halt. Ich brauche Hoffnung. Hilf mir, ich brauche Halt. Halt mich, ich brauche Hoffnung. Gib mir die Hoffnung, die hilft. Halt mich, damit ich den Hilflosen Hoffnung geben kann. Hilf mir, damit ich die Hoffnungslosen halten kann. Gib mir die Hoffnung, damit ich den Haltlosen helfen kann. Franz Sedlak 21

22 KAPITEL II Überlegungen zu mehr zwischenmenschlicher Sensibilität für Hilfe in schwierigen Situationen Im Alltag gibt es viele Situationen, in denen es wichtig ist, richtig zu reagieren. Das kann in der Schule sein, in der Freizeit, auf der Straße, in einem Gebäude Dazu ist es notwendig, dass wir aufmerksamer werden, um zu erkennen, wenn eine Situation eine besonders gefährliche ist, sei dies bei Selbstmordgefährdung oder bei anderen Gefahrensituationen. Dazu ist weiters notwendig, dass wir richtig beurteilen, was in diesem Fall das Beste ist. Und schließiich ist dazu notwendig, dass wir, wo es möglich und sinnvoll ist, auch handeln! Die Diskussion in einer Schulklasse wird hier protokolliert, weil sie viele einschlägige Fragen aufwirft, sowie Impulse und praxisorientierte Anregungen vermittelt und zur Thematisierung unter Schülerinnen und Schülern herangezogen werden kann. D.h. man könnte in einer Klasse oder Arbeitsgruppe die Diskussion mit verteilten Rollen lesen und damit lebendig werden lassen. Denn nach dem Lesen werden sicher einige Fragen zur eigenen Diskussion anregen. Man kann als Anker auch die einzelnen als Überschriften hervorgehobenen Fragen einsetzen. Um die Lebendigkeit der Diskussion nicht zu beeinträchtigen, ließ der Lehrer die assoziativ erfolgten Beiträge zu, um eine Fülle von Diskussionsmaterial zu erarbeiten. Danach war es freilich notwendig, die Ergebnisse zu strukturieren. Ein Vorschlag dazu wird am Ende des Kapitels eingebracht. Eine bewegte Diskussion in der Klasse Marvin: Erst unlängst hat man im Fernsehen gesehen, wie jemand einen Herzanfall erlitten hat und auf der Straße gelegen ist, und niemand hat ihm geholfen, alle sind vorbei marschiert! Er war komplett hilflos. Helga: Ich habe einmai etwas Ähnliches gehört, einer jungen Frau ist schlecht geworden. Sie ist zusammengebrochen und dabei auf ihre Einkaufstasche gefallen, leider hat der gute Likör, den sie eingekauft hat, das nicht überstanden. Und wisst ihr, was passiert ist? Die Leute sind 22

23 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! an ihr vorbei gegangen und haben geschimpft, weil so eine junge Frau nach Schnaps riechend da am Boden liegt, und das schon am frühen Morgen! Wer sich selbst in so eine Lage bringt, soll sich selbst daraus befreien. Peter: Na und! Es hätte genauso sein können, nämlich dass sie betrunken ist. Und soll man sich dann abschleppen mit ihr? Ich kenne sie ja nicht; was anders wäre es, wenn wir miteinander verwandt, befreundet oder bekannt wären. Sonja: Also, meine Freundin wohnt nicht hier. Aber sie wollte mich besuchen kommen. Und wie sie in die Straßenbahn einsteigt, die direkt zu mir herführt, sind drei, vier Jugendliche da und stänkern sie an. Sie hat einfach weggeschaut und nichts gesagt. Auf einmal fallen die über sie her und dreschen ihr ins Gesicht. Lehrer H.: Hat ihr niemand gehoifen, war sie alleine, hat sich niemand verantwortlich gefühlt? Sonja: Das ist ja überhaupt das Stärkste; die Straßenbahn war voll von Leuten, aber keiner hat etwas gesagt. Erst als Karin, also meine Freundin, geschrien hat, haben einige Erwachsene hergeschaut, aber die Jugendlichen sprangen bei der nächsten Haltestelle aus dem Wagon. Peter: Mir fällt auch eine solche Story ein. Sonja: Warte, das Ärgste kommt noch. Karin hat stark geblutet, ist ausgestiegen und hat sich an eine Hausmauer gelehnt - direkt neben einem Restaurant. Glaubt ihr, es hat sich jemand für sie interessiert, ihr geholfen? Fehlanzeige! Peter: Oft ist das Problem nicht so sichtbar. Ich weiß von einem Selbstmord in einer Schule. Der Schüler war erst vierzehn Jahre alt und niemand hat etwas davon gewusst, dass es ihm so schlecht geht. Er selbst hat angeblich ein paar Mal gesagt: Wozu die Schule? Das bringt ja alles doch nichts! Hans: Vorher ging es um Hilfeleistung bei sichtbarer Gewalt. Wenn sich jemand umbringen will, ist das schwerer oder vielleicht überhaupt nicht erkennbar 23

24 Lehrer H.: Was meint ihr, woran könnte man merken, dass es jemandem schlecht geht? Inge: Ich glaube, man erkennt es daran, wenn eine Schülerin ganz traurig dasteht, also mit gesenktem Kopf, oder mit den Augen immer wo anders, einem nicht mehr anschaut, sondern den Blick vermeidet. Herbert: Oder, wenn die Körperhaltung eher verkrampft ist. Ich meine, wenn mein Freund ganz versteinert dasitzt, dann frage ich ihn, was mit ihm los ist. Gudrun: Was machst du, wenn sich jemand gut verstellen kann? Denke an das Beispiel von Peter, da ist ja auch niemand auf die Idee gekommen, dass sich der Vierzehnjährige umbringt. Man hat es ihm nicht angesehen. Herbert: Oder man hat nicht genau hingeschaut. Lehrer H.: Gibt es noch andere Hinweise als körperliche darauf, dass es jemandem schlecht geht? Z.B. im Verhalten im Reden... Was fällt euch dazu ein? Sigrid: Mir ist einmal bei meinem Freund aufgefallen, dass er stiller war als sonst. Ich habe ihn dann gefragt, ob er Sorgen hat, und er hat gesagt, er will nicht darüber reden, aber es gefällt ihm, dass ich so aufmerksam war. Aber dann habe ich schon aus ihm heraus gekitzelt, dass er sich in seinem neuen Beruf ziemlich isoliert fühlt. Chiara: Meine Mutter hat sich einmal viel früher schlafen gelegt als sonst. Ich habe sie dann am nächsten Tag gefragt, was los mit ihr ist. Aber sie hat gesagt: Nichts, nichts, alles in Ordnung, aber auf ihrem Nachtkästchen habe ich ein Buch entdeckt mit dem Titel: Ist das Leben sinnlos? Lehrer H: Welche Gründe kann es denn überhaupt dafür geben, dass es jemandem schlecht geht? Jürgen: Also mir ist da einiges eingefallen, z.b. Probleme mit der Freundin. Oder Probleme zu Hause, also Krach mit der älteren Generation. Oder wenn man in der Klasse isoliert ist. Oder Schwierigkeiten mit den Lehrern hat, oder wenn einem alles zu viel wird, zu anstrengend, zu verwirrend. 24

25 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Ferdinand: Wie ich voriges Jahr so lange krank war, da war ich seelisch auch richtig down, ich habe geglaubt, ich schaffe nichts mehr, die anderen sind schon so weit voraus. Lehrer H.: Es gibt also eine ganze Menge von Gründen, wann es einem schlecht gehen kann: Isolation (Haltlosigkeit), Versagen (Hilflosigkeit), Verzweiflung (Hoffnungslosigkeit). Manchmal merkt man es dem Anderen gleich an seinem Aussehen an, manchmal erkennt man es erst nach einiger Zeit daran, dass sich der andere nicht wie sonst benimmt. Was sollte man überlegen, wenn man glaubt, dass es dem anderen schlecht geht? Peter: Wenn man nicht sicher ist, sollte man den Anderen nur vorsichtig ansprechen. Z.B. Geht es dir vielleicht nicht gut? Jürgen: Oder noch besser: Ich habe das Gefühl, dass es dir nicht gut geht, stimmt das? Petra: Was wäre mit: Kann ich dir helfen, brauchst du vielleicht etwas? Hans: Ich würde vorsichtiger sein, weil manche das überhaupt nicht mögen, wenn dauernd jemand kommt und ihnen helfen will. Lehrer H.: Wie würdest du es denn machen? Hans: Ich würde sagen: Entschuldige, ich wili dich nicht ärgern, aber mir kommt vor, dir geht es nicht gut, kann ich etwas für dich tun? Peter: Oder noch besser: Ich habe gemerkt, dass du in letzter Zeit auffallend still bist, hat das einen Grund, geht es dir nicht gut? Inge: Das ist aber ganz schön umständlich! Lehrer H.: Die Idealformel gibt es nicht. Man muss es einfach versuchen. Jedenfalls ist es besser, man spricht das Gefühl aus, als einfach wegzuschauen. Und besser ist es, man teilt seine Beobachtung mit und was man daraus folgert, anstatt dem anderen gleich ein Problem umzuhängen. Auch wenn der oder die andere im AugenbIick nicht gut darauf reagieren, sind sie doch froh, wenn wir sie ansprechen und nicht allein lassen. 25

26 Chiara: Wenn aber einer dauernd auf der Lauer liegt, ob es jemandem schlecht geht, dann ist das auch ganz schön nervig! Manche Leute sind auf dem Trip, dass sie permanent allen helfen wollen, auch wenn diese das absolut nicht brauchen. Lehrer H.: Du hast ganz recht, Chiara. Man soll aufmerksam sein. Aber aufmerksam sein heißt nicht, die Anderen zu belauern oder ihnen mit unseren Diagnosen auf die Nerven zu gehen. Man muss den richtigen Mittelweg finden. Denn es gibt auch das Gegenteil. Sonja: Was ist das Gegenteil, dass man sich nicht kümmert? Helga: Ja, oder, dass man den anderen nicht ernst nimmt, oder ihm bzw. ihr sagt, das ist doch kein Problem, das ist doch lächerlich, das geht uns doch allen so, oder so was Ähnliches. Lehrer H.: Genügt es, den anderen einfach darauf anzusprechen, dass es ihm oder ihr schlecht geht? Oder muss man auch etwas tun? Und wann ist das notwendig? Herbert: Was soll ich denn tun? Ich bin ja kein Selbstmordverhüter! Chiara: Vielleicht genügt es, dass man zuhört, dazu muss man ja kein Profi sein. Gudrun: Ich habe jetzt schon lange nichts gesagt. Aber was dann, wenn der oder die Angesprochene sagt, ja mir geht es schlecht, ja, ich will nicht mehr leben aber du darfst es niemandem sagen!! Was mach ich denn da? Herbert: Das kannst du nicht versprechen. Sonst steckst du selbst im Sumpf und niemand zieht dich heraus. Gudrun: Was meinst du damit? Herbert: Wir können nur dann helfen, wenn wir darauf achten, dass es uns selbst nicht ganz schlecht dabei geht. Wenn ich von jemandem höre, dass er oder sie sich umbringen will, aber nichts darüber sagen darf, dann geht es mir ganz schlecht. Denn jederzeit kann ja etwas passieren. Und ich bin dann vielleicht mitschuldig. 26

27 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Hans: Ich würde sagen: Du bist mir wichtig, ich möchte alles tun, um dir zu helfen, und dazu gehört auch, dass du dir von jemand helfen lässt, der sich mit so etwas auskennt. Sigrid: Und wen kann man um fachliche Hilfe bitten? Hans: Das kann z.b. ein Schülerberater oder Schülerberaterin sein, oder ein anderer Beratungslehrer, die Schulpsychologin, der Schularzt, die Schulsozialarbeiterin. Das sind meist keine Selbstmordverhütungs-Profis, aber sie wissen, wohin man sich dann wendet, oder leisten psychische erste Hilfe! Jürgen: Und was ist psychische erste Hilfe? Peter: Ich könnte mir vorstellen, dass man dem oder der Betroffenen sagt: Du, ich bin da, ich höre dir zu! Warum willst du nicht mehr leben? Jürgen: Das ist aber ganz schön direkt! Ist das nicht gefährlich, wenn man etwas so direkt anspricht? Gudrun: Nein, glaube ich nicht. Wenn man sich umbringen will und man darauf angesprochen wird, wird man nicht erschrecken, sondern im Gegenteil, sich nicht mehr allein fühlen. Ferdinand: Ich habe jetzt lange zugehört, aber jetzt muss ich auch etwas sagen. Einmal ging es mir so schlecht, dass ich auch mit gewissen Gedanken gespielt habe. Ich weiß noch, wie ich von meiner Schwester angesprochen wurde, warum ich mit so einem trüben Gesicht herum laufe. Als ich es ihr sagte, lachte sie nur und meinte, wegen so kleiner Problemchen könnte sich jeder umbringen. Das war irrsinnig peinlich. Helga: Ich habe jetzt auch lange nichts gesagt. Aber mir ist etwas Ähnliches passiert: Ich habe mich, wie es mir einmal ganz mies ging, meiner besten Freundin anvertraut, die hat sich dann gleich unheimlich wichtig gemacht und gesagt: Du musst jetzt das und das und das tun! Ich werde auch dieses und jenes für dich tun! Ich habe überhaupt nicht mehr zugehört und insgeheim geflucht, dass ich überhaupt etwas gesagt habe. Sigrid: Hilfe soll man aber nicht aufdrängen. Manchmal braucht der Andere Zeit, bis er oder sie bereit ist, Hilfe anzunehmen. 27

28 Herbert: Ja, man sollte den anderen ernst nehmen und nicht gleich entmündigen. Aber die psychische erste Hilfe kann nur ein Übergang sein, bis fachliche Hilfe kommt. Ich glaube, dass es auch eigene Kriseninterventionsstellen gibt, in Spitälern sicher auch Hilfen wie die Kinderund Jugendpsychiatrie. Und dann gibt es noch die Kinderschutz-Zentren. Chiara: Wenn jemand ganz außer sich ist, kann man die Rettung anrufen. Sonja: Oder besser noch eigene Hilfsdienste. Ich glaube, es gibt etwas, das heißt Psychosozialer Dienst oder so ähnlich. Die kommen auch, wenn es nötig ist. Marvin: Wann kann es nötig sein, Einsatzkräfte oder Krankenwagen etc. anzurufen? Wer muss informiert werden? Lehrer H.: Sicher dann, wenn jemand unansprechbar ist, verwirrt wirkt und desorientiert oder geschockt. Oder dann, wenn Gefahr im Verzug ist. Marvin: Z.B. Es steht jemand schon am Fenstersims und kann jederzeit den Schritt hinaus machen. Lehrer H.: In diesem Fall ist sicher auch notwendig, die Feuerwehr, Polizei zu verständigen. Hans: Muss man nicht auch den Klassenvorstand oder Direktor informieren? Inge: Ich finde, ihr habt die Eltern ganz schön aus dem Spiel gelassen. Also, wenn ich einmal Mutter sein sollte, möchte ich schon ganz früh erfahren, wenn mein Kind in Gefahr ist. Jürgen: Aber was ist zu tun, wenn die Eltern Schuld an der Sache sind oder Mitschuld haben? Lehrer H.: Man muss in jedem Fall einzeln überlegen, wer zu verständigen ist, was zu tun ist, ob es sich um eine akute Gefährdung handelt oder um erste suizidale Tendenzen. Ein eventuell vorhandener Krisenplan gibt nur die groben Schritte vor. Ich glaube, wir haben jetzt viel erarbeitet, z.b. dass man Hilfe anbietet, ohne den anderen gleich hilflos zu machen; dass wir der betroffenen Person anbieten, sich bei uns anzuhalten, indem wir da sind, zuhören. Freilich müssen wir darauf achten, dass wir nur soweit und solange Halt bieten können, dass wir nicht selbst untergehen und daher rechtzeitig professionelle Hilfe holen. 28

29 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Helga: Sollen wir dem Menschen auch Hoffnung machen? Lehrer H.: Ich glaube, man darf nichts versprechen, was man nicht halten kann. Aber es schadet sicher nicht, vorsichtig miteinander zu überlegen, wie es weiter gehen kann. Aber wenn jemand in einer Krise ist, braucht er oder sie Zeit, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen, dann erst ist man bereit für die Überlegung, wie es weiter gehen könnte. Peter: Wir sind jetzt aber ziemlich weit von unserem Anfangsthema abgekommen. Lehrer H.: Richtig, Peter! Eigentlich sind wir ja davon ausgegangen, was man tun soll, wenn man jemanden auf der Straße liegen sieht! Chiara: Oder wenn es einem selbst schlecht geht. Lehrer H.: Fangen wir mit der Ietzten Frage an. Was sollte man tun, wenn man sich unwohl fühlt, oder wenn man in einer Notlage ist? HeIga: Das Wichtigste ist, dass man sagt, dass es einem schlecht geht - wenn man es kann! Lehrer H.: Richtig! Das heißt aber auch, dass man den Mut hat, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Was ist noch notwendig? Gudrun: Dass man einen bestimmten Menschen anspricht. Ich meine, wenn man nur irgendwie nach Hilfe ruft, denkt sich jeder, warum soll ich helfen, das kann ja auch ein anderer! Herbert: Wenn man dazu in der Lage ist, sollte man auch genau sagen, was los ist. Sonst denken sich die anderen höchstens, dass man betrunken ist oder vielleicht nur einen seltsamen Spaß macht. Lehrer H.: Und was macht man, wenn man z.b. einen Menschen auf den Boden liegen sieht? Marvin: Ich meine, man kann ja sagen: Ist Ihnen schlecht? Brauchen Sie Hilfe? Sonja: Aber ich habe Angst, wenn ich z.b. helfen soll. Vielleicht ist das nur ein Trick. Manche Menschen sind schon überfallen worden, weil sie hilfsbereit waren. 29

30 Lehrer H.: Selbstverständlich muss man auch auf die eigene Sicherheit achten! Wie kann man das? Gudrun: Wenn ich Angst habe, muss ich meine Angst ernst nehmen. Ich kann ja jemand anderen um Mithilfe bitten. Herbert: Oder man verständigt die Polizei oder Rettung! Peter: Das muss man sich aber schon überlegen, weil wenn die dann kommen und es war im Grunde genommen nicht notwendig? Chiara: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig kümmern! Ferdinand: Ein Freund hat mir von seiner Schule erzählt, dass ein älterer Schüler mehrere Schüler bedroht hat. Der Direktor war ganz außer sich. Er wusste nicht, was er tun sollte, ob er die Rettung, Feuerwehr oder Polizei verständigen sollte. Marvin: Das ist auch nicht so einfach. Ich weiß, dass es in vielen Schulen daher Krisenpläne gibt. Das heißt, wer muss was wann tun, damit eine gefährliche Situation rasch entschärft werden kann. Mein Cousin geht in eine Schule, da wird tatsächlich der Ernstfall geprobt. Inge: Wie ein Feueralarm? Marvin: Ja! Lehrer H.: Es gibt keine Faustregel für alle Situationen, außer: die Gefahr erkennen, beurteilen, was nun am besten zu tun ist- und dementsprechend handeln! Aber Krisenpläne sind auf jeden Fall sinnvoll, die Schulpsychologen haben so etwas auch ausgearbeitet. In den Schulen liegen sie großteils schon auf. Da steht genau, was man in welcher Reihenfolge zu tun hat, wer verständigt werden muss usw. Wichtig ist, dass wir nicht, dass wir nicht den anderen die Verantwortung zuschieben, wenn wir selbst handeln könnten. Es geht oft nur darum, dass wir da sind, bis professionelle Hilfe kommt. Dass wir eine Überbrückung leisten. Achte auch auf leise Signale! Kombiniere richtig! Überschätze deine Kräfte nicht! 30

31 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Gedanken zur Diskussion ERKENNEN: Aufmerksam sein, richtig beobachten, sich bemerkbar machen, wenn man Hilfe braucht Aus dem Verhalten, der Mimik und Gestik, der Körperhaltung können, aus Veränderungen im Kontakt (z.b. Vielredner werden schweigsam und umgekehrt) kann man vermuten, dass ein Problem vorliegt. Wenn man selbst in einer Notlage ist, sollte man sich bemerkbar machen und jemanden konkret um Hilfe ansprechen. BEURTEILEN: Dazu gehört Erfahrungs- und Meinungsaustausch mit anderen; die richtige Einschätzung einer Gefahrensituation kann man nicht sofort vollziehen, man muss sich damit schon vorher beschäftigen und darüber Gedanken machen, was gefährlich sein kann und was nicht; was sofortige Hilfe erfordert und was nicht. Man sollte die Beobachtung nur vorsichtig ansprechen, als Vermutung und nicht als Gewissheit. Wenn wir nicht sicher sind, ob sich jemand in einer Notlage befindet (z.b. gestürzt ist oder betrunken), dann können wir die Person direkt ansprechen. HANDELN bedeutet nicht nur, dass man etwas tut, sondern wie man es tut. Wichtig ist bei jeder Hilfe, dass man auch auf die eigene Sicherheit achtet (es gibt Menschen, die einen Unfall vortäuschen), z.b. indem man andere Personen um Mithilfe ersucht oder Polizei bzw. Rettung verständigt. Hilfe sollte man nicht aufdrängen, man muss dem/der anderen Zeit lassen, damit er/sie bereit ist, Hilfe anzunehmen. Wichtig ist zu zeigen, dass man da ist für den anderen. Hilfe darf niemals mehr Schaden bei sich oder bei anderen hervorrufen, als sie Nutzen bringt. Beim Helfen muss man darauf achten, dass das Ärgste verhindert wird, z.b. bei einem Verkehrsunfall die nachfolgenden Autofahrer durch ein entsprechendes Hinweiszeichen vorwarnen. Oder: Man darf jemanden, der auf dem Boden liegt, nicht ohne weiteres bewegen, weil manche Verletzungen dadurch noch schlimmer werden. Man sollte sich dabei gut in Erster Hilfe auskennen. Oder: Wenn jemand in seelischer Not ist, dann ist Handeln wertvoll, aber nur, wenn wir den anderen dadurch nicht zum Hilflosen abstempeln usw. Handeln muss immer so vor sich gehen, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit möglichst groß ist und dass der dadurch erreichte Zustand besser ist als der zuvor. Deswegen ist es auch wichtig, professionelle Hilfe einzuschalten, wenn eine Selbstgefährdung gegeben ist, die die Akutsituation entschärft, den Ursachen auf den Grund geht und mit dem/der Betroffenen unter Einbeziehung des Umfeldes lösungsorientiert arbeitet. 31

32 Hier nochmals ohne Anspruch auf Vollständigkeit eine Zusammenfassung, die sich auf die Suizidgefährdung konzentriert (die anderen Themen der Diskussion müssten extra besprochen werden): Woran kann man merken, dass es jemandem schlecht geht? Wissen um negative Erlebnisse oder Lebensumstände des/der Betroffenen (z.b: Mobbing). Eingeschränkte oder übertriebene Mimik, Gestik, schlaffe oder verkrampfte Körperhaltung, Äußerungen über Einsamkeit, sich nicht zu helfen wissen, keine Zukunft haben (siehe auch die Ausführungen zu den Signalen im Verhalten und Reden im ersten Kapitel: Haltlosigkeit, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensänderungen). Was sollte man tun, wenn man glaubt, dass es dem anderen schlecht geht? Vorsichtig ansprechen, keine vorschnellen Diagnosen, sondern von Beobachtung ausgehen und vom persönlichen Eindruck, nicht behaupten, dass es dem anderen schlecht geht; sondern nach ev. Problem fragen. Nicht die Hilfe aufdrängen oder für den anderen die Problemlösung übernehmen. Problem ernst nehmen, nicht lächerlich machen. Auch auf bloße Gerüchte verantwortungsbewusst und sensibel reagieren, im Fall, dass man das Gefühl hat, dass eine Selbstmordgefährdung vorliegt, dieses Gefühl auch mitteilen. Keine Analysen und Tiefbohrungen, erst muss der Boden unter den Füßen wieder fest werden. Zuhören, da sein, aber nichts versprechen, was man nicht halten kann. Auch nicht zusagen, dass man darüber schweigen wird. Im Gegenteil: sich um fachliche Hilfe kümmern: Schülerberater/in, Beratungslehrer/in, Schulpsycholog/in, Arzt/Ärztin, Schulsozialarbeiter/in, Wie geht man am besten vor? Psychische Erste Hilfe leisten: Kontakt herstellen, ruhig miteinander reden, anbieten, darüber zu reden, oder etwas zu zeichnen, was mit dem Problem zu tun hat. Fragen, wie man helfen kann oder was gut tun würde. Vor allem, was der/die Betroffene selbst für sich tun kann. Bis zum im Akutfall notwendigen Eintreffen von Expert/innen ist die Schulleitung die oberste Koordinationsstelle. Sie entscheidet das Vorgehen Schritt für Schritt, die Verständigung von Einsatzkräften, die Information der Familienangehörigen usw. Die Krise als Lebensphänomen und ihre Bewältigung auch allgemein in geeigneter Form in den Schulklassen thematisieren. Ein eventuell vorhandener Krisenplan gibt nur die groben Schritte vor; man muss in jedem Fall einzeln überlegen, was zu tun ist, wer zu verständigen ist, ob es sich um eine akute Gefährdung handelt oder um erste suizidale Tendenzen. Die Liste erhebt nicht den Anspruch darauf, alles anzuführen, was wichtig sein kann. Sie soll aber zu diesen persönlichen Ergänzungen anregen. 32

33 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Wie gehen Psychotherapeut/innen bei aktueller Suizidprävention vor? 4 Die Erfahrung zeigt, dass es für Menschen, die an Selbstmord denken, oft sehr schwierig ist, sich helfen zu lassen. Die Gefährdung kommt häufig nur in Andeutungen zu Tage. Ich habe es mir daher zum Prinzip gemacht, direkt danach zu fragen, wenn ich das Gefühl habe, mein Gegenüber könnte mit Suizidgedanken beschäftigt sein. Das ermöglicht dann auch ein Gespräch darüber, wie konkret solche Gedanken sind: Handelt es sich um detaillierte Planungen, wurden schon Medikamente gesammelt, eine Waffe besorgt etc? Dabei ist es für beide Seiten auch wichtig, sich klar zu machen, was im Allgemeinen nicht hilfreich ist: Vorschnelle Tröstung, Ermahnung, Bagatellisierung des Problems, vorschnelle Aktivitäten, Ausfragen und Analysieren, argumentierendes Diskutieren, Verallgemeinerung, Ratschläge, Belehrungen und Ähnliches mehr. Ziel eines solchen Gespräches ist es, zu einer gemeinsamen Einschätzung der Gefährdung zu kommen bzw. wenn dies nicht möglich ist, den eigenen Eindruck taktvoll, aber in aller Deutlichkeit mitzuteilen. Taktvoll, weil man im Zustand akuter Selbstmordgefährdung sehr leicht kränkbar ist. Man sollte auch ganz konkret den Tagesablauf und die möglichen hilfreichen sozialen Kontakte für die folgenden Tage und Wochen durchbesprechen. Wenn sich dabei herausstellt, dass jemand nicht mehr in der Lage ist glaubhaft anzugeben, was er in den nächsten Stunden macht, geht es nicht mehr anders, als ihn persönlich zu einer psychiatrischen Aufnahmestation zu begleiten. Auch sonst können Helfer/innen und Betroffene mit dem Thema schnell überfordert sein. Man sollte sich daher in dieser Situation unbedingt an Fachleute wenden. Für Schüler/innen und Studierende sind die Schulpsychologie bzw. die Psychologische Studentenberatung naheliegende Anlaufstellen. In allen größeren Städten gibt es auch Krisenstellen und Notdienste, in denen das Fachpersonal für Suizidprävention spezialisiert ist. Zusätzlich zu den hier angesprochenen Faktoren Hilflosigkeit (bzw. Verhaltensrepertoire) und Haltlosigkeit (bzw. Vernetzung) ist auch der Faktor Hoffnungslosigkeit (bzw. Vision) ein wichtiges Thema im Gespräch mit einem suizidalen Menschen. Je konkreter und realistischer sich ein (Sinn-)Horizont entdecken lässt, desto positiver kann sich die momentane Problemsituation entwickeln. Wenn hingegen ein no future Gefühl dominiert, ist das als Gefahrenzeichen zu werten. Ganz wichtig ist auch zu ergänzen, dass Struktur Halt gibt. Daher bemühen sich professionelle Helfer, den Tagesablauf gemeinsam mit dem suizidalen Menschen zu strukturieren, aber auch eine hilfreiche Struktur für das Verhalten in der Nacht, etwa bei Schlaflosigkeit, Grübeln etc. zu erarbeiten. 4: Den gekürzten Einblick in die praktische Suizidprävention gibt F. Oberlehner in F. Sedlak (Hg)(2007): Psychologie in Schule und Studium. Ein praxisorientiertes Wörterbuch. Wien: Springer. 33

34 KAPITEL III SUIZIDALITÄT AUS UNTERSCHIEDLICHEN PERSPEKTIVEN Im folgenden Abschnitt sind einige Perspektiven der Suizidalitätsthematik dargestellt, wobei es sich selbstverständlich nur um einige wichtige Beispiele handelt und keine lückenlose Darstellung beabsichtigt war. Im Umfeld der Suizidalität: Selbstverletzendes Verhalten Selbstverletzendes Verhalten ist wie Drogensucht, Alkoholismus etc. eine Form schleichenden Selbstmordes. Selbstverletzendes Verhalten (abgekürzt SvV) kann alles Mögliche sein: Schneiden, Brennen, sich selbst Schlagen, Wundheilung verhindern u.v.a.m. Die Bandbreite reicht von Eingriffen in den Körper bei manchen Schönheitsoperationen, von Hautverletzungen durch Tätowierung und Piercing bis hin zu absichtlich herbeigeführten Stoffwechselentgleisungen (wie dies auch bei Magersucht gegeben ist) oder gar bis zum Suizid, der Extremform des SvVs. Manchmal werden auch Selbstmanipulationen durchgeführt, um durch künstlich herbeigeführte krankheitswertige Störungen ärztliche Zuwendung zu erhalten. Zwar könnte man annehmen, dass SvV Suizid verhindert, weil es einen Ventileffekt hat und Aggression abbaut. Aber zugleich bahnt das SvV auch den schädigenden Umgang mit sich selbst, und es kann zu Handlungen mit irreversiblen Schäden bis hin zum Tod kommen. Überwiegend sind Mädchen und Frauen von SvV betroffen (vielleicht weil sie die Aggression weniger nach außen ableiten können). Die Angaben schwanken hier von doppelt bis neunmal so vielen weiblichen Betroffenen. SvV tritt zumeist zwischen der Pubertät und dem frühen Erwachsenenalter auf (also ca zwischen 16 und 26 Jahren), es kann aber auch zu früherem Auftreten kommen. Je schwerer die kindlichen psychischen Erschütterungen und Belastungen waren, je mehr es zu Angst, aufgestauter Spannung und Wut kam, desto früher und heftiger setzt das SvV ein. Sexueller Missbrauch, Gewalt und Vernachlässigung (Haltlosigkeit) bilden die Hauptursachen für SvV, daneben auch Essstörungen. 34

35 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Unter 200 Kindern/Jugendlichen haben nach Recherchen etwa 1 bis 2 unter SvV zu leiden. Die Angaben schwanken (auch wegen der breiten Symptomatik). Allerdings besteht die Gefahr der sozialen Ansteckung durch Nachahmung (ähnlich wie Werther-Effekt). SvV erfüllt für Betroffene mehrere Zwecke: Sie erleichtern sich von ihrer Anspannung, spüren sich selbst, lenken sich ab, gewinnen Aufmerksamkeit und Kontrolle über sich und andere. Oft läuft das SvV nur halb-bewusst ab. Die Betroffenen wissen, was sie tun, aber stehen wie unter einem Zwang, bzw. zeigen ein suchtähnliches Verhalten. In schweren Fällen stellt das SvV eine Wiederholung traumatischer Erlebnisse dar. Wichtig für Bezugspersonen, Erzieher/innen, Lehrer/innen ist die undramatische, beständige Begleitung, die Hilfe zum Abbau von Spannungen und Angst, die Hilfe zum Erlangen von kompetentem Umgang mit den eigenen Gefühlen zur Fähigkeit sich zu schützen u.v.a.m. (Verhaltensrepertoire). Affekte und Suizidalität Selbstmord kann als Entgleisung der Affekte angesehen werden. Affekte gehören zu den wichtigsten Fähigkeiten der Realitätsbewältigung. Die Affekte regulieren die Beziehungen zwischen Außen- und Innenwelt, sind in Art und Ausprägung individuell - daher die überwältigende Fülle menschlicher Reaktionsmöglichkeiten (Verhaltensrepertoire). Jeder Mensch strebt nach dem inneren Gleichgewicht, z.b. durch Essen bei Hunger und Trinken bei Durst. Es gibt aber nicht nur antreibende Bedürfnisse, sondern auch zu bestimmten Zielen hin bewegende (Motive). Z.B. Bewältigung einer persönlichen Herausforderung (ein hoher Berg, eine schwierige Prüfung,...). Angst, Ärger, Trauer, Freude spiegeln unsere Erfahrungen, z.b. das Ausmaß bzw. Erreichen der Bedürfnisbefriedigung oder der gesetzten Ziele. Bei psychischer Gesundheit sind alle Affekte zugängig und in angemessener Dosierung vorhanden und können stimmig ausgedrückt werden (man verfügt über eine differenzierte Mimik, die mit dem übereinstimmt, was man fühlt oder mitteilen will). Sind die Affekte unterentwickelt (z.b. weil man nie Ärger zeigen durfte), einseitig ausgeprägt oder überschießend vorhanden, fehlt die angemessene Orientierung und Anpassung des Verhaltens (Hilflosigkeit). Zur Entfaltung und zur Lebensbewältigung ist es wichtig, Affekte wahrnehmen, unterscheiden (bin ich jetzt wirklich traurig oder eher ärgerlich, wütend?), spüren und ausdrücken zu können (kann ich z.b. meine Wut angemessen sichtbar machen?). Bekannt ist, dass überschießende Affekte das Denken beeinträchtigen oder blockieren (bei sehr starken Affekten kann das Denken überschwemmt, eingeengt, gehemmt werden); Affekte formen und fördern aber auch unser 35

36 Denken und Verhalten. Suizidale Menschen zeigen in ihrer Mimik manchmal recht deutlich vermeintliche Affektlosigkeit oder überbordende Affekte. Manchmal erkennt der geübte Blick schon im Gesichtsausdruck und Körperhaltung die empfundene Hilflosigkeit, Haltlosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Depression und Suizidalität Hoffnungslosigkeit, Gefühle der inneren Leere und Niedergeschlagenheit, Schuldgefühle, Hilflosigkeit in Form von massiven Selbstzweifeln, Stress, Erschöpfung sowie Haltlosigkeit nach schwerwiegenden Verlusten, Enttäuschungen, Trennungen stehen am Beginn vieler depressiver Erkrankungen. Wenn Haltlosigkeit und Hoffnungslosigkeit bestehen, hilft eine Aktivierung als Teilüberwindung der Hilflosigkeit allein nicht. Im Gegenteil - es kann damit der letzte Schritt in den Selbstmord erleichtert werden. Professionelle Hilfe und menschliche Begegnung sind unerlässlich. Depression ist nicht mit Trauer gleichzusetzen. Trauer empfindet man durch Verlust, Trennung, Enttäuschung. Trauer ist immer möglich, wenn man etwas Wertvolles verliert. Trauer ist somit (neben Freude) ein Ausdruck dafür, dass man Werte besitzt. Traurigkeit kann entstehen, wenn unsere Fähigkeit nachlässt, wenn eine Freundschaft in Brüche gegangen ist, wenn jemand gestorben ist, mit dem wir innig verbunden waren, oder wenn etwas zu Schaden kommt, das wir lieben (z.b. auch die Umwelt, Tiere...). Wer sich gegen Trauer wappnen möchte, sich panzert gegen die Gefühle, engere Kontakte meidet (um nicht durch deren möglichen Verlust zu leiden), der verliert auch den Zugang zu positiven Gefühlen. Trauer ist nicht gleichbedeutend mit Depression, Trauer ist keine Krankheit, sondern das intensive Erleben des Verlusts von etwas uns Wichtigem. Trauern heißt dann: Abschied nehmen, die Kränkung herauslassen, bevor sie uns krank macht. Aber auch Trauer kennt ein richtiges Maß. Grenzenlose, nicht zu Ende kommende Trauer ist blockierend und macht krank. Bei übermäßiger Trauer ist es aber auch für die Helfer/innen wichtig, sich nicht völlig zu verausgaben. Auch sie sind nicht vor Burnout etc. gefeit. Wie entstehen Depressionen? Eine Ursache ist seelische und körperliche Erschöpfung, Dauerstress, das Burnout, von dem viele sehr aktive, engagierte Menschen betroffen sind, wenn sie ihre Energien verausgaben und nicht rechtzeitig wieder auftanken, weitere Ursachen können sein Mobbing und Außenseitertum, Versagensängste u. v. a. m. 36

37 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Einsamkeit und Trennungen, Verluste, Übersiedlungen (Haltlosigkeit), aber auch andere große Lebensereignisse (z.b. auch Übertritt in den Ruhestand als Verlust eines wichtigen Halts) können zu Depressionen führen. Starke Schmerzen und chronische Krankheiten können die Lebensfreude absenken. Früherlebnisse in einer belasteten Kindheit können bewirken, dass Lebenslust nicht aufkommt. Oder die Erziehung hat zu einer Hilflosigkeit bei Problemen geführt, sodass sich Wut, Ärger, Sorgen nach innen wenden und es zu depressiver Wehrlosigkeit kommt. Biologische Vorgänge (hormonelle Prozesse, Mineralhaushalt, Botenstoffe im Gehirn bzw. der Stoffwechsel im Gehirn selbst) können Menschen versteinern lassen. Klimatische Schwankungen, jahreszeitliche Bedingungen (z.b. das feuchte, kalte Herbstwetter), der Lichtmangel in den finsteren Wintertagen können sich in Depressionen niederschlagen. Menschen mit überhöhten Erwartungen an das Leben, an sich selbst, an andere werden regelmäßig dadurch enttäuscht, frustriert und empfinden alles als sinnlos (Hoffnungslosigkeit). Wie fühlen sich depressive Menschen? Was brauchen sie? Depressive Menschen haben andere Gezeiten : Viele leben in der Vergangenheit, bei anderen friert der Augenblick ein, die meisten erleben, wie die Zukunft schrumpft und verschwindet (Hoffnungslosigkeit). Depressive Menschen zieht es oft zurück in ihren Ursprung, sie möchten am liebsten verschmelzen mit der Mutter Erde, in ihren Schoß aufgenommen werden und in dieser warmen Geborgenheit ihren Winterschlaf der Seele überstehen (Halt-Suche). Die Welt wird kalt und leer erlebt. Depressive Menschen fühlen sich oft aber auch mit allem Sehnen und Leiden der Umwelt verbunden. Depressionen wirken sich auch auf Partnerschaften aus: Sie bewirken einen Rückzug auf beiden Seiten. Dabei brauchen wir gerade in diesen Phasen Nähe und Sicherheit. Aber plötzlich hat sich alles verändert. In depressiven Phasen fühlen wir uns von der ganzen Welt unverstanden, im Stich gelassen. Am liebsten würden wir alles vergessen. Depressionen bewirken manchmal, dass wir uns selbst fremd werden. Wir spüren die Veränderung, die wir uns nicht ganz erklären können (Hilflosigkeit). Wenn in solchen depressiven Phasen keine Aufgabe auf uns wartet, wenn wir das Gefühl haben, nicht gebraucht zu werden, dann sinkt unser Lebensmut (Hoffnungslosigkeit). Depressive Menschen sind zuwendungsbedürftig und zugleich sehr verletzlich und scheu. Sie suchen die Gemeinschaft anderer, wollen dabei aber am liebsten verborgen bleiben (Haltlosigkeit). Wer schon einige Male depressive Phasen erlebt hat, weiß, wie man aus diesen 37

38 Untiefen der Gefühle auch wieder auftaucht. Das Wissen um die gemeisterten Krisen macht mutig und stark - und auch die Erkenntnis, dass wir niemals auf alles eine Antwort finden. Menschen, die depressive Phasen gemeistert haben, wissen auch, dass es wichtig ist, einen Anfang zu setzen; nicht abzuwarten, bis der Schwung kommt, um aktiv werden zu können, sondern aktiv werden, um in Schwung zu kommen (Verhaltensrepertoire). Depressive Menschen, die ihr Leiden in einem Zusammenhang mit dem Ersterben inniger Gefühlsbeziehungen in Verbindung bringen, wissen, dass jeder durchlebte Tod ein neuer Anfang ist. So wie mit der Beziehung ist es auch mit unserem Ja oder Nein zum Leben. Es gibt Zeiten, in denen wir einen Rückzug auf uns selbst brauchen. Depressive Menschen mauern sich geradezu ein. Wir sollten aber wissen, dass sie darauf warten, dass wir anklopfen. Weiters sollte der Weg zu fachmännischer (ärztlicher, psychologischer, psychotherapeutischer) Hilfe nicht gescheut werden. Angst und Suizidalität Hinter jeder Angst steckt biologisch Existenz-Angst; auch Schuldgefühle sind Ängste vor Vernichtung. Psychologisch gesehen können persönliche Anlagen oder Konflikte Angst vor Veränderung, vor Stillstand, vor zu großer Nähe oder zu großer Distanz bereiten. Angst macht eng. Dadurch kann es sogar zu Lebensmüdigkeit kommen. Selbstmord kann fälschlicherweise als Ausweg vor dauernden Angstzuständen betrachtet werden. Beziehungsängste (Haltlosigkeit) Angst vor anderen in der Gruppe, Klasse, Gemeinschaft Angst vor den Eltern, vor Lehrer/innen, Vorgesetzten Allgemeine Angst und spezifische Furcht Ängste ohne besonderen Anlass, (gereizte, nervöse, depressive Stimmung, Erschöpfung). Ängste vor ganz bestimmten Situationen oder Objekten; sie nennt man Phobien. Z.B. Angst vor engen oder weiten Räumen (Klaustro-, Agoraphobie), Errötungs-Phobie, Spinnen-Phobie usw. Leistungsängste (Hilflosigkeit) Angst, wenn man nicht genau weiß, was von einem verlangt wird (Stress durch Fremdes). Angst, wenn man zu viel von sich oder anderen erwartet (Perfektionismus etc.). 38

39 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Ängste in Entwicklungskrisen - Lebenskrisen (Hoffnungslosigkeit) Ängste vor Entscheidungen (z.b. in der Schule, im Studium, im Beruf, im Privatbereich, in bestimmten Lebensabschnitten,...) und daraus entstehende Entwicklungskrisen. Sie sind Herausforderungen an unsere persönliche Freiheit und Selbstgestaltung. Ängste aus einer seelischen/körperlichen Verzweiflung; in unerträglich belastenden Situationen; nach Schicksalsschlägen. In diesen Lebenskrisen fühlen wir uns im Stich gelassen, ohne Hoffnung und ohne Kraft zur Veränderung. Lebenskrisen kann man meist nicht alleine lösen! Wenn uns alles zu viel wird und die Erde unter uns schwankt, brauchen wir jemanden, der uns stützt und begleitet, bis wir wieder festen Boden unter den Füßen haben. Schulängste (Hiflosigkeit und/oder Haltlosigkeit bzw. zu starke Bindung) Die (reale) Schulangst: bei Überforderung, bei schlechtem KlassenkIima, bei Spannungen mit Lehrer/innen, bei Außenseiterproblematik in der KIasse, beim WechseI in eine neue SchuIart oder SchulkIasse usw. Schulverweigerung: Problem der persönlichen Haltung zur Arbeit bzw. Leistung. Diese verwöhnten oder vernachlässigten Kinder lehnen die Belastung durch die Schule ab. Die Schulphobie: Hier wird nicht die Schule gefürchtet, sondern die Trennung von der Mutter bzw. nächsten Bezugsperson. Dahinter steckt oft tiefe Unsicherheit in Bezug auf die eigene Person, eine Angst vor der lndividualität, dem Flüggewerden aus dem familiären Nest. Normale Angst Angst ist ein wichtiges Gefahren-Signal und schützt vor Verletzungen! Ohne Angst würden wir Risiken eingehen ohne Warnung. Angst ist überlebenswichtig! Es ist wichtig zu erkennen, welcher Angsttyp vorliegt, um die richtigen Gegenmaßnahmen und Abhilfen bereitstellen zu können! 39

40 Aggression und Suizidalität Ärger, der hinunter geschluckt wird, kann zu einem seelischen Totstellreflex führen oder krank machen; Depressionen und aktive Autoaggression bis hin zum Selbstmord, seelischer Zusammenbruch und Erschöpfung bis hin zur Absenkung der Immunschranke können die Folgen unterdrückter Wut sein, ebenso Angst und diffuses Unbehagen, aber auch explosionsartig sich entladender Zorn bei kleinsten Anlässen. Es kann aber auch zum Absacken in Drogenkonsum oder zum Medikamentenmissbrauch oder zu Essattacken kommen. Aggression ist nicht gleichzusetzen mit Selbstbehauptung, Notwehr, Durchsetzungsfähigkeit, Nein-Sagen-Können. Unter Aggression wird hier verstanden 1) die Freisetzung von Energie mit Schadenswirkung, die 2) sehr oft mehr oder minder beabsichtigt ist und 3) gegen Gegenstände und/oder gegen sich und/oder gegen andere gerichtet ist (Selbst- und Fremdgefährdung) gehen oft ineinander über. Im extremen Fall kommt es zum Amoklauf als einem Rundumlauf der Vernichtung oder oft auch als erweiterten Selbstmord. Wie entstehen Aggressionen? Oft sind Aggressionen Zeichen erlernter Hilflosigkeit, man weiß sich nicht anders zu helfen als zuzuschlagen, zu zerstören. Das dichte Nebeneinander in Gruppen und Ansammlungen kann zu aggressiven Revierverteidigungen führen. Aggression entsteht bei hoher Anspannung, Überreiztheit, bei zu vielen belastenden Ereignissen (Hilflosigkeit). Sie kann aber auch tiefe Wurzeln in frühen Kindheitserlebnissen haben, die zu Misstrauen und Anspannung, Feindseligkeit und Abwehrhaltung führen, vor allem wenn das Selbstbild negativ ist: Wie soll der, der sich selbst nicht mag, andere gut behandeln können? (Haltlosigkeit). Die negative Erwartungshaltung führt in einer selbsterfüllenden Prophezeiung zu weiteren Beziehungsmisserfolgen. Welche Rolle spielen Konflikte? Konflikt bedeutet Streit, Kampf, Zusammenstoß. Konflikte können innere sein oder äußere. Innere Konflikte können Appetenz-Appetenz-Konflikte sein (man will beides, was aber nicht möglich ist, man muss wählen, was man realisiert), 40

41 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Aversions-Aversions-Konflikte (man möchte beides vermeiden, was aber nicht möglich ist, man muss wählen, was man vermeidet). Es gibt auch gemischte Konflikte zwischen Wünschen und negativen Folgen, zwischen Wunsch und Angst. Jemand kommt also mit sich in Widerstreit, weil er oder sie etwas möchte und zugleich etwas anderes damit Unvereinbares; oder weil er oder sie etwas möchte, aber zugleich etwas fürchtet; oder weil er oder sie zwischen zwei gleich großen Unannehmlichkeiten wählen muss. Äußere Konflikte können in Gruppen, Familien, Klassen, zwischen den Geschlechtern, zwischen Jung und Alt, zwischen verschiedenen Funktionsträgern usw. entstehen durch: Unterschiedliche Sichtweisen, unterschiedlichen kulturellen Hintergrund, unterschiedliche Erfahrungen, Lebensstile, Positionen. Für Konflikte gilt dasselbe wie oben gesagt: Das Ignorieren der Spannungen in Scheinharmonie kann zu aggressiven Spannungsentladungen, aber auch zu Krankheiten führen. Was bedeutet Konfliktkultur? Konfliktkultur bedeutet: Kommunikation, Kreativität und Koevolution! Innere und äußere Spannungen und Differenzen können ohne Aggression gegen sich oder andere gelöst werden (Verhaltensrepertoire), indem wir miteinander reden und einander zuhören, indem wir nicht einen Entweder-oder-Standpunkt vertreten, sondern nach kreativen Lösungen für ein Miteinander suchen, bei dem beide Konfliktparteien berücksichtigt werden (Vernetzung). Und schließlich dadurch, dass wir überzeugt sind, dass Unterschiede wertvoll sind und wir uns nur gemeinsam weiterentwickeln können (Vision). Traumatisierung und Suizidalität Vieles im Leben kann uns verletzen, verwunden, eine Wunde (griech.: Trauma) schlagen. Ebenso vielfältig wie die Ursachen sind auch die Folgeerscheinungen und somit aber auch die Behandlungswege, die immer auf den Einzelnen individuell abgestimmt werden müssen. Die akute Belastungsstörung tritt innerhalb einiger Stunden, Tage nach dem Trauma auf, relativ bald kann aber wieder ein inneres Gleichgewicht gefunden werden. Die posttraumatische Belastungsstörung dauert länger als sechs Monate und zeichnet sich durch Übererregung, Vermeidungsverhalten, emotionale Taubheit und unwillkürlich auftretende belastende Erinnerungen aus. Angst, Depression, Schuldgefühle, Aggression, Drogenkonsum bzw. Medikamentenmissbrauch. Intensive Beschäftigung mit Selbstmord ist ebenfalls häufig die Folge. 41

42 Zu unterscheiden sind menschlich verursachte Traumen und Naturkatastrophen, weiters kurz andauernde und länger andauernde Traumen. Ebenso wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Traumen und Mikrotraumen. Bei letzteren kommt es zu psychischen Folgen durch zeitliche oder inhaltliche Additionen. Viele kleine Verletzungen (Missachtung, Kälte in der Beziehung, Abwertung, kein Eingehen auf Grundbedürfnisse) können in der Summe schlimme traumatische Wirkungen zeigen. Welche traumatischen Ereignisse gibt es? Jedes Ereignis, das die eigene Verarbeitungsmöglichkeit übersteigt, aber auch jede innere Spannung, die zu stark ist, um bewältigt zu werden, kann als traumatisch bzw. traumatisierend angesehen werden. Dies erklärt, warum nicht nur Extremsituationen zu Traumatisierungen führen können, sondern auch die Summe von kleinen Belastungen, chronische Mikrotraumen traumatisch wirken können. Extremsituationen sind z.b. direkte Lebensbedrohung, Verletzung mit großem Ausmaß körperlicher Schmerzen, Zeuge sein von Gewalttätigkeiten gegenüber anderen, von ungewöhnlichen bzw. plötzlichen Sterbefällen insbesondere von Familienmitgliedern oder Freunden. Auch das eigene Begehen gewalttätiger Handlungen gegen andere kann traumatisieren (z.b. durch das Gefühl, die Kontrolle über sich verloren zu haben). Auch Hilflosigkeit kann traumatisieren. Je näher man der Bedrohung ist, je unerwarteter sie ist, je länger sie dauert, je mehr Beziehung man zu Opfern bzw. Tätern hat, umso größer ist das Ausmaß der Belastung. Was ist wichtig, wenn im unmittelbaren Nahbereich jemand von einer Traumatisierung betroffen ist? Alles, was hilft, die innere Stabilität nach der Erschütterung wieder zu gewinnen, ist wertvoll. Das kann durch Informationen geschehen oder dadurch, dass man der traumatisierten Person hilft, Gefühle zu äußern. Wichtig ist weiterhin, dass das traumatische Ereignis auch wieder verlassen werden kann, dass man Anschluss findet an die Person, die man vor dem Ereignis war. Und dass man auch wieder Halt in einer sicheren Gemeinschaft findet und positive Erfahrungen machen kann. 42

43 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Einige wichtige Regeln für Kurzinterventionen Ein durch Fürsorge geprägtes Verhalten verringert das Gefühl der Isolation sowie die Erfahrung einer feindseligen Umwelt, der die Traumatisierten ausgesetzt waren (Vernetzung). Indem man die Traumatisierten um Erlaubnis fragt, mit ihnen etwas tun zu dürfen, gibt man ihnen wieder ein gewisses Gefühl der Kontrolle (Verhaltensrepertoire). Hilfe beim Aufbau eines Bewältigungsplans für die Gegenwart und die Zukunft führt zur Verringerung von Hilflosigkeits- und Hoffnungslosigkeitsgefühlen (Vision). Wichtig ist auch: Nicht dominant zu wirken, sondern eben die Dominanz beim Traumatisierten zu belassen. Was soll durch Intervention erreicht werden? Der eingetretene Schock kann ohne Hilfe verfestigt werden, zu einer Einschränkung der Wahrnehmung(sbereitschaft) oder zu einem dauernden Übererregungszustand führen oder zu einem Absacken in Apathie. Biologisch handelt es sich um gesteigerte noradrenerge Aktivitäten, Dysregulation der endogenen Schmerzbewältigung (Endorphine etc.) u.v.a.m. Das sogenannte Kindling-Phänomen bezeichnet eine Senkung der Erregungsschwelle des autonomen Nervensystems (Hilflosigkeit). Man unterscheidet Ereignisfaktoren (Traumaschwere, Unerwartetheit, Unkontrollierbarkeit), Risikofaktoren (Alter, Vorerfahrungen etc.), posttraumatische Prozesse, Folgen und Schutzfaktoren. Zu letzteren zählen der Kohärenzsinn, d.h. Fähigkeit zur geistigen Einordnung des Geschehenen in einen Sinnzusammenhang (Vision), und soziale Unterstützung (Vernetzung). Ohne Hilfe können die Selbsthilfeversuche des Traumatisierten auch entgleisen (nicht ausreichendes Verhaltensrepertoire) und zu unpassenden Versuchen führen, die Umgebung zu kontrollieren (destruktive Vernetzung) oder sich mit Willensanstrengung über die Probleme hinweg zu zwingen (unechte Vision). Oder es kann auch verspätet zum Ausbruch von Selbstvorwürfen und Verzweiflung kommen. Ziel muss daher die Wiederherstellung der intakten Persönlichkeit sein, die das Vorgefallene nicht leugnen muss; die das Ereignis aber auch richtig interpretiert und nicht durch eventuelle Selbstanklagen verzerrt und die schließlich einen geeigneten Abstand vom Geschehen und damit die Chance einer Neuorientierung erhält. 43

44 Die Erhöhung der Kontrollüberzeugung ist eine ganz wichtige Dimension der Traumatherapie. Bei Untersuchungen mit Suizidalen wurde immer wieder die empfundene Hilflosigkeit als ein entscheidender Faktor gefunden. Darunter ist hier die tatsächliche Inkompetenz der Situationsveränderung, verbunden mit Misserfolgserwartung, zu verstehen. Dazu gehört das Erleben der Abhängigkeit von anderen, die Unselbstständigkeit in eigenen Belangen. Chronische Hilflosigkeit führt zur Selbstaufgabe oder unkritischen Überantwortung an andere und ist besonders in Bezug auf die persönliche Identität gefährdend. Zunehmendes Erleben der eigenen Effektivitätsverluste (psychologischer Begriff: Mangelnde Kontrollüberzeugung) kann zu Betäubung im Suchtverhalten oder zu suizidalen Kurzschlusshandlungen führen. Treten gemeinsam mit der Belastungsstörung Depressionen, Sucht, somatoforme Störungen (körperliche Probleme ohne entsprechenden Befund) auf, dann ist Vorsicht vor Konfrontationstechniken geboten, sie können zu belastend sein. Wichtig ist auch: Distanzgewinnung statt verfrühter Einsichtsgewinnung. Bedrängendes muss auf Distanz gehalten werden können. Abwehr ist als coping (Bewältigungsstrategie) zu sehen. Wichtig ist es aber auch, die Krise als Gefahr und Chance zu sehen und die positiven Auswirkungen der erlittenen Erschütterung zu überlegen. Lerntheoretisch kommt es zu einer Konditionierung und Heranbildung einer Furchtstruktur mit dysfunktionalen Kognitionen. Diese gilt es, bewusst zu machen und aufzulkösen. Wohlfühlprogramme Sedlak hat ein Programm entwickelt, um wieder Ressourcen aufzubauen oder aufzuspüren. Er beschreibt sechs Stufen der Psychohygiene: Körperbewusstsein, Erlebniskultivierung, bewusste Aktivität, Strategie und Kreativität als Problemlösung, Selbstbestimmung und Sinnorientierung, soziales Engagement und Transpersonalität. Zunächst geht es um die Befriedigung der Grundbedürfnisse wie Erholung, Schlaf, Ruhe, Essen... Dann wird die Erlebnisdimension fokussiert wie etwa Naturbetrachtung, ansprechende Musik usw. Die körperliche Fitness betont die positive Beziehungsaufnahme zum Körper selbst, die geistige Fitness die spielerische Rückgewinnung des Vertrauens in die eigenen Regulationsfähigkeiten, das Existenzbewusstsein peilt die Frage nach der persönlichen Sinnsetzung über die eigene Person hinausgehend - an und das soziale (transpersonale) Engagement hilft zur Öffnung auf die personale Objektwelt (die möglicherweise auch traumatisch bedingt vom Rückzugsverhalten betroffen war). 44

45 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Eine weitere Technik hat Sedlak als Was wäre wenn..? -Übung in mehreren Veröffentlichungen beschrieben. Dabei werden die möglichen Folgen unerwarteter Situationen und die möglichen Bewältigungsstrategien besprochen. Diese Übung eignet sich besonders als Stress-Prophylaxe und Kompetenztraining bei Kindern und Jugendlichen. Es werden verschiedene belastende Situationen bearbeitet, z.b. was wäre, wenn dir jemand folgt und du bist ganz allein? Die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten werden gemeinsam erörtert und pro- und contra- Beurteilungen abgegeben. Manches lässt sich dann spielerisch oder imaginativ vertiefen. Helfende Maßnahmen für Opfer von Katastrophen Wichtig ist der Aufbau eines Helfersystems für kurzfristige Hilfestellungen (medizinische und psychologische erste Hilfe, Gruppenangebote für Einsatzpersonal - dem Helfersystem muss ebenfalls geholfen werden - Organisation von Trauerformalitäten ), mittelfristige Hilfestellungen (finanzielle Hilfen, Gruppenangebote für Betroffene) und langfristige Hilfestellungen (Therapien). Weitere wichtige Schritte Eigene Ressourcen stärken (Entspannungstraining, system. Desensibilisierung...) Dem Ereignis einen neuen Sinn verleihen (reframing, kognitive Umstrukturierung) Debriefing-Gruppen (d.h. Gruppen, die Nachbesprechungen nach der Katastrophe vollziehen, Auswertungen nach der Ablauf-Struktur: Was sind die Fakten? Wie sind die Gefühle? Welche Symptome machen zu schaffen? Wie ist alles zu bewerten?). Eine ähnliche Struktur beschreibt Sedlak: Beobachten Beschreiben Bewerten Befolgen. D.h.: Was wurde beobachtet, wie kann man es in Worte fassen, wie soll man dazu stehen, was folgt daraus an Konsequenzen? Zunächst werden also die Beobachtungen an anderen und an einem selbst verglichen. Dabei wird gemeinsam nach einer verständlichen Form des Ausdrucks gesucht, weil vieles, was traumatisch belastet, nur schwer in Worte fassbar ist. Schließlich werden diese Erlebnisse beurteilt bzw. auf ihre Konsequenzen befragt. Bei dieser Abfolge wird noch berücksichtigt, dass vor den Fakten die Beobachtung kommt, d.h. was hat jeder tatsächlich beobachtet? Weiters wird berücksichtigt, dass das Sprechen darüber oft nicht gleich gelingt, sondern erst Worte gefunden werden müssen. Schließlich bleibt es auch nicht bei der Bewertung, sondern es werden praktische Handlungskonsequenzen erarbeitet. Konfrontationen können in sensu (Imaginationsebene) und in vivo (tatsächliches Aufsuchen der Orte) erfolgen. 45

46 Symbolische Verarbeitung (etwa durch Gedenkstätten) hilft beim Loslassen. Interessant sind in diesem Zusammenhang Rituale des Abschieds, womit hier therapeutische Symbolhandlungen zum Ablösen von belastenden Erinnerungen gemeint sind. Mobbing und Suizidalität Inhaltlich hätte das Thema Mobbing (der gezielte Psychoterror gegen eine Person durch eine Einzelperson oder Gruppe) sowohl im Kapitel Aggression und Suizidalität sowie im Kapitel Trauma und Suizidalität Platz finden können. Denn Mobbing ist eine aggressive, wenn auch oft schleichende, latente, subkutane Haltung und Verhaltensweise gegenüber dem Opfer; aber Mobbing ist auch eine potentiell traumatisierende Erfahrung. Gerade die lang schwelenden Handlungen mit dem Ziel, eine Person in Isolation, Haltlosigkeit (Beschädigung des sozialen Netzes, Gefährdung sozialer Ressourcen), Hilflosigkeit (Untergrabung des Selbstwerterlebens, der Selbstachtung) und Hoffnungslosigkeit (Mutlosigkeit, Unentrinnbarkeit) zu versetzen, können ein kumulatives Trauma bewirken. Dass Mobbing zu schweren psychosomatischen Erkrankungen (Magen-Darmstörungen, Schlafstörungen etc.), zu stressbedingter Dekompensation, zu Antriebslosigkeit, Depressionen, aggressiven Durchbrüchen, allgemeiner Gereiztheit und Überempfindlichkeit, Verstrickung in Grübeleien und exzessiver Beschäftigung mit dem Mobbing und schließlich auch zu Selbstmord(handlungen) führen kann, ist kaum bestreitbar. Auf fünf bis zehn Selbstmorde kommt Einschätzungen zufolge ein durch Mobbing bedingter Suizid. Wichtig ist, dem Mobbing so bald wie möglich entgegen zu wirken, wobei als Ansatzpunkt die bekannte Trias von Haltlosigkeit, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit praktikabel ist. Indem positive Kontakte aufgesucht werden - außerhalb des Mobbingbereichs - und in diesen Beziehungen zum Familien- bzw. Freundeskreis eine Bestätigung für die eigene Perspektive erfahren wird, kann man ein Gegengewicht zum Eindruck ein Geisterfahrer (Veränderung des kommunikativen Realitätssinns) zu sein, herstellen. Durch Zukunftsszenarien kann der Hoffnungslosigkeit entgegen gewirkt werden, z.b. durch Wechsel des Arbeitsfeldes. Durch Aufgreifen bzw. Bewusstmachen der Verhaltensmöglichkeit wird der quälende Eindruck hilflosen Ausgeliefertseins aufgehoben. Mobbingfolgen können aber so tiefgreifend sein, dass psychotherapeutische oder klinisch-psychologische Hilfen unerlässlich sind. 46

47 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Sterbebegleitung und Suizidalität Gegenüber der Traumatherapie als Hilfe nach außerordentlichen selischen Erschütterungen, gegenüber der Notfallspsychologie als Unterstützung in Ausnahmesituationen, gegenüber Krisenintervention als Stützung bei seelischem Zusammenbruch betont die Sterbebegleitung die Bemühungen, dem sterbenden Menschen ein würdiges Erleben seiner letzten Lebensphase zu ermöglichen. Die Sterbebegleitung ist selten ein ruhiges Hinausbegleiten des Lebensbootes ins offene Meer. Nicht nur wegen der möglicherweise recht hohen Wogen des Schmerzes und Leides. Das Faktum des nahenden Lebensendes an sich wird verdrängt, geleugnet, bekämpft. In resignativen Phasen ist das Ich will nicht mehr! sehr oft zu hören und die Suizidneigung sehr hoch, oft nur gebremst durch die Hilflosigkeit und Unfähigkeit, selbst an sich Hand anzulegen. Deshalb bedeutet die Sterbebegleitung eine sehr starke Herausforderung an die Begleiter, ihren eigenen Standpunkt zu Leben und Tod zu reflektieren. Ebenso ist es für Ärztinnen und Ärzte eine kritische Aufgabe zu entscheiden, ob eine verlängerte medizinisch-apparative Lebenserhaltung ethisch aufrecht haltbar ist oder ob weitere Hilfestellung wegen der Verlängerung des Leides unterbleibt. Die Berührung zwischen Suizidalität und Sterbebegleitung ist deutlich gegeben bei Tötung auf Verlangen, hier spricht man auch nicht mehr von Sterbebegleitung, sondern von direkter oder indirekter Sterbehilfe. Die Patientenverfügung ist die Vorsorge für den Fall, dass man krankheitsbedingt den persönlichen Willen nicht mehr selbst zum Ausdruck bringen kann. Mit der Patientenverfügung wird u.a. dargelegt, welche Maßnahmen man zur Lebenserhaltung, Lebensverlängerung und Schmerzlinderung ablehnt. Persönlichkeitsstörungen und Suizidalität Es gibt Unterschiede zwischen momentanen Zuständen (z.b. Gereiztheit, wenn jemand unpünktlich ist), Persönlichkeitseigenschaften (manche Menschen regen sich etwas leichter auf als andere), Persönlichkeitsstilen (z.b. jemand sein, bei dem ein hitziges Temperament wesentlich dazu gehört) und Persönlichkeitsstörungen (z.b. eine aggressive Persönlichkeitsstörung haben). Persönlichkeitsstörungen kommen in ca 5% - 8% der Bevölkerung vor und bedeuten, dass man mit seinem Verhaltensmuster bei anderen aneckt und auch selbst darunter leidet. Der für therapeutische Veränderungen notwendige Leidensdruck entsteht weniger in Bezug auf bestimmte Symptome, sondern eher in Bezug auf die Folgen, nämlich die (für den persönlichkeitsgestörten Menschen meist unverständlichen) Reaktionen der Umwelt auf das eigene Verhalten, das zumeist als völlig mit sich selbst übereinstimmend (ich-synton) empfunden wird. 47

48 Wie formt sich die Persönlichkeit? Während sich die Persönlichkeit jedes Menschen aus dem Zusammenspiel der angeborenen, biologisch-genetischen Disposition (Temperament) und der erworbenen Konstellation von Verhaltens-, Denk- und Gefühlsmustern (Charakter) und somit aus einer Kombination von eigener betonter oder nicht betonter Aktivität und hemmender oder aktivierender Umwelt nachvollziehbar ergibt, zeigen Menschen mit Persönlichkeitsstörungen starke Unausgeglichenheiten, ein vom allgemeinem Verständnis abweichendes Gefühls- und Verhaltensmuster: Sie können von ihren Mitmenschen als sonderlich, exzentrisch empfunden werden, als schwer zugänglich und unsozial; oder man erlebt sie als launisch und dramatisch mit einem sehr lebhaften, überschwänglichen Gefühlsausdruck und großen Selbstwertproblemen; oder sie verhalten sich gehemmt, passiv-aggressiv, sehr zwanghaft und selbstschädigend. Bei allen Persönlichkeitsstörungen ist das Selbsterleben gestört, ebenso gibt es Schwierigkeiten mit zwischenmenschlichen Beziehungen, mit der Leistungsfähigkeit, mit der Realitätswahrnehmung, mit den Gefühlen und der Impulskontrolle. Das Verhalten ähnelt z.t. den Gewalt lösungen im Videobereich, in Computerspielen sowie im Film und Fernsehen. Diese Störungen können sich bereits im Kindesstadium andeuten, sind aber mit Sicherheit erst in der Adoleszenz diagnostizierbar. Man spricht im Kindesalter eher von Persönlichkeitsentwicklungsstörungen, d.h. einer Risikokonstellation für das Auftreten einer Persönlichkeitsstörung im Erwachsenenalter. Der Zusammenhang mit Suizidalität ergibt sich aus der starren, unangepassten Affektivität (z.b. starke aggressive Tendenzen), der mangelnden Realitätswahrnehmung (man merkt z.b. nicht, welche Reaktionen man auslöst), und aus der unzureichenden Impulskontrolle. Bei narzisstischen (den Selbstwert betreffenden) Persönlichkeitsstörungen etwa kommt es durch Frustrationen oder Verlusterlebnisse zu einem totalen Kippen von vorher erlebter Großartigkeit in Minderwertigkeitsgefühle und Selbstentwertung, zu Gefühlen tiefer Hilflosigkeit und Haltlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, woraus eine Selbstmordhandlung resultieren kann. Oft wird der eigene Körper ohnehin als fremd und nicht zugehörig erlebt. Persönlichkeitsstörungen erfordern langwierige und intensive therapeutische Arbeit. 48

49 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Negative Zukunftsszenarien und Suizidalität Prognosen über die Entwicklung unserer Lebensqualität in einer sich gänzlich wandelnden Gesellschaft zeichnen ein düsteres Bild: Zusammen mit einem beruflichen Nomadentum, einem ständigen Entstehen und Auflösen von Organisationen und Firmen, dem Ende der Nationalitäten, einem Leben in Unsicherheit und Angst (Hoffnungslosigkeit) wird es zu einem Nebeneinanderleben kommen, jeder ist einsam (Haltlosigkeit) und versucht, sich durch Augenblickskonzentration und Unterhaltungs-Konsum abzulenken, dies führt zu einem Verlust der Identität in einer permanent sich häutenden Welt; kriegerische Auseinandersetzungen um Religionsstreitigkeiten, Energiereserven, Territorien, Beutezüge von Piraten werden ein Ausmaß annehmen, dem man hilflos gegenüber steht. Ob dies zu einer Zunahme von Suizidalität führt, ist ungewiss: Einerseits sprechen die negativen Erwartungen dafür, andererseits gibt es das seltsame Phänomen, dass gerade in Zeiten hoher Belastung eine Fähigkeit des Menschen hervortreten kann: Die Resilienz. Darunter versteht man die Widerstandskraft, negative Situationen gesund zu überstehen und das Beste daraus zu machen. Abgesehen davon weiß man, dass das Leben oft dann besonders geschätzt wird, wenn es bedroht ist (z.b. bei Krieg, Hungersnot, Seuchen), dass es als Leben an sich wertvoll ist und nicht etwas Zusätzliches (Geld, Ruhm, Macht, Unterhaltung,...) braucht, damit es sich lohnt; während hingegen in Zeiten des Überflusses und der sorglosen Langeweile oft mit dem Leben gespielt wird oder nach Zutaten verlangt wird, die das Leben lebenswert machen. Den negativen Prognosen muss man das Bemühen um mehr Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit entgegen stellen. Dies ist unsere Chance gegenüber Krieg, Vertechnifizierung, Entpersönlichung, Entfremdung, vor allem aber gegen Einsamkeit und Haltlosigkeit, gegen Untergangs-Erwartungen und Hoffnungslosigkeit und gegen Ohnmacht und Ausgeliefertsein, Hilflosigkeit. 49

50 Selbstmord ist keine Krankheit 5... aber oft Abschluss einer krankhaften Entwicklung, die man an folgenden drei Phasen erkennt: In der ersten Phase der Erwägung wird der Selbstmord als mögliche Problemlösung in Betracht gezogen. Äußere Vorbilder wie z.b. Suizide in der Familie, der Umgebung, bei literarischen Figuren (man denke z.b. an Goethe s Werther), etc. spielen dabei oft eine wichtige Rolle. Innerlich gibt es darüber hinaus tief in der Persönlichkeit verankerte Ursachen wie Aggressionen, die nicht nach außen abgeführt werden können und sich so gegen die eigene Person wenden. Darauf folgt eine Phase der Ambivalenz: Der Suizidalität liegt eine Ambivalenz zwischen Leben und Tod zugrunde. Ist der Gedanke an Selbstmord einmal ernsthaft in Erwägung gezogen kommt es zu einem Kampf zwischen selbsterhaltenden und selbstzerstörenden Kräften. In diesem Stadium gibt der mit sich Kämpfende Appelle und Notrufe von sich, die man unbedingt wahr und ernst nehmen sollte. Die Fähigkeit zu dieser Wahrnehmung ist in der Umgebung oft durch eigene Angst und Ambivalenz blockiert. Dabei braucht der Gefährdete in diesem Zeitraum die volle Aufmerksamkeit einer Bezugsperson. Eine dritte Phase beginnt mit dem Entschluss: Ist ein Entschluss gefallen, tritt oft eine Beruhigung ein, die von der Umwelt gerne falsch interpretiert wird. In Wirklichkeit kann man nie wissen, in welche Richtung die Entscheidung gefallen ist! Immerhin kann Nachfragen hilfreich sein, und wer sich tatsächlich für ein Weiterleben entschieden hat, kann in der Regel auch klare Gründe dafür angeben. Fehlt auf Nachfragen eine positive Antwort, so ist dies eher als Alarmzeichen zu werten. Insgesamt ist die Entwicklung zum Suizid durch eine zunehmende Einengung gekennzeichnet: Werden die Selbstmordfantasien erst intendiert, so drängen sie sich später auf. Die sozialen Kontakte werden zunehmend eingeschränkt. Das Gefühl der Einengung, keinen Ausweg außer dem Tod zu haben, umfasst zunehmend alle Lebensbereiche. So wird auch das Gefühlsleben immer enger, man spürt keine affektive Resonanz bei den Betroffenen. Das kann wie innere Ruhe wirken, zeigt jedoch, wie bereits erwähnt, eher einen Entschluss an. 5: Die Ausführungen (gekürzt) stammen von F. Oberlehner in F. Sedlak (Hg)(2007): Psychologie in Schule und Studium. Ein praxisorientiertes Wörterbuch. Wien: Springer. Sie zeigen die über die Anfangssignale der Haltlosigkeit, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit hinausgehende krankhafte Entwicklung und bringen weiterführende hilfreiche Impulse. 50

51 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Bezüglich des Warum eines Selbstmordes ist es sinnvoll, zwischen Anlass und Ursache zu unterscheiden: Anlässe bzw. Auslöser sind oft Ereignisse, die unmittelbar vor der Suizidhandlung passieren und den Betreffenden in eine Krise stürzen: Versagenserlebnisse in Studium oder Beruf, Liebeskummer, Enttäuschung in einer Freundschaft und Ähnliches. Es wäre aber zu kurz gedacht, sich mit einem Anlass als Erklärung zu begnügen oder sich mit dem Motiv, das der Betroffene nennt, zufrieden zu geben. Ursachen reichen in der Regel weit in die persönliche Lebensgeschichte zurück, sie können in sozialer Isolation, körperlicher Krankheit oder psychischer Beeinträchtigung liegen. Sie sind dem Betroffenen vielleicht gar nicht bewusst und können oft nur mit Hilfe von Fachleuten erfahrbar werden. Subjektiv erleben die Gefährdeten, dass sie keine Freude mehr am Leben haben, anderen nicht länger zur Last fallen wollen, sich vereinsamt oder überflüssig fühlen, sich aus einem unerträglichen Schuldgefühl selbst bestrafen wollen. Gleichzeitig kommt im Wunsch nach dem Tod eine Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit, nach dem Ende aller Anstrengungen, Schmerzen und Leiden zum Ausdruck. Nicht zuletzt setzen diese Menschen damit einen Appell, der vom verzweifelten Hilferuf bis zum Denkzettel, den man verpassen will, gehen kann Wenn die Hoffnung schrumpft; wenn der Halt gebende Boden unter unseren Füßen schwindet, wenn uns Hilflosigkeit lähmt, dann ist in dieser Einengung die Entwicklung zum Suizid möglich. Erste Anzeichen sind für Hilflosigkeit Appelle und Notrufe.., die man unbedingt wahr und ernst nehmen sollte. In seiner Haltlosigkeit braucht der Gefährdete in diesem Zeitraum die volle Aufmerksamkeit einer Bezugsperson. Darüber hinaus gilt: und wer sich tatsächlich für ein Weiterleben entschieden hat, kann in der Regel auch klare Gründe dafür angeben. Fehlt auf Nachfragen eine positive Antwort, so ist dies eher als Alarmzeichen zu werten. Ein klarer Hinweis auf die Gefahr der Hoffnungslosigkeit. 51

52 Literaturbeispiele für Themen im Zusammenhang mit Suizidalität Zum Suizid gibt es umfangreiche Literatur, die leicht auffindbar ist. Die folgenden drei Literaturangaben sind nicht direkt auf das Selbstmord-Thema ausgerichtet, sondern dienen als Beispiele dafür, in welchen größeren Zusammenhang man Suizidalität stellen kann: die psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung von Störungen im Kindes- und Jugendalter, den Umgang mit Krisenmanagement; die frühen biologischen und psychischen Wurzeln von Bindungsstörungen, selbstverletzendem Verhalten oder Selbstmord. C.Eggers, J.M.Fegert, F.Resch (Hrsg.) (2004): Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag Auf 999 Seiten findet sich eine Fülle von interessanten, wichtigen, verständlichen und praktisch verwertbaren Informationen. Über 20 Autor/inn/en informieren über Grundlagen, spezielle Störungsbilder und spezifische Problemfelder im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie. Im rund 300 Seiten umfassenden allgemeinen Teil werden die Verständnisgrundlagen geliefert, z.b. in Bezug auf Erfahrungswerte für die körperliche, seelische, geistige Entwicklung und ihre unterschiedlichen Normvarianten und -abweichungen. Weiters grundlegende Ausführungen z.b. zur Diagnostik, zur Therapie oder zur Qualitätssicherung und Begutachtung. Zum Kapitel 6 (Grundzüge der Therapie) ist anzumerken, dass es sich um einen sehr weit gespannten Überblick handelt, der keine relevante Fragestellung auslässt. Im speziellen Teil werden Störungsbilder beschrieben, seien dies Psychosen, Traumafolgen, Suizidalität, Autismus, Persönlichkeitsstörungen u.v.a.m. Die einzelnen Kapitel enthalten Ergebnisse der Ursachenforschung, seien dies Befunde, Hypothesen oder psychologische, therapeutische Ursachenmodelle. Ebenso übersichtlich gehalten sind Symptomatologie, Differenzialdiagnose und Komorbidität, diagnostische und therapeutische Hinweise und einschlägige Literaturangaben. Ein sehr informatives und anregendes Lehrbuch. 52

53 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! G.S.Everly, J.T.Mitchell (2002): CISM Stressmanagement nach kritischen Ereignissen. Wien: Facultas. Wie geht man nach einer Katastrophe mit traumatisierten Menschen psychologisch richtig um? Das Buch über CISM ( Critical Incident Stress Management ) bringt in prägnant-kurzer Form die wichtigsten Themen zur Sprache: Wie schätzt man eine akute Krise richtig ein? Wie muss man in Krisen mit den Betroffenen kommunizieren? Welche Regeln gibt es für eine effektive Hilfe in Krisen? Wie läuft eine Krisenintervention nach dem CISM-Muster ab? Was wirkt dabei? Das Buch enthält darüber hinaus auch Effektivitätsstudien zur CISM und internationale Versorgungsrichtlinien. Der Anhang ist in mehrere Bereiche gegliedert: Eine Kurzdarstellung über allegemeine Richtlinien beim Aufbau eines CISM Teams, eine Aufschlüsselung häufiger Krisenereignisse nach den Fragen wer? (braucht Hilfe), wann? (beginnt der CISM-Einsatz), was? (ist interventionsmäßig zu tun) mit zahlreichen konkreten Beispielen; zwei Aufstellungen führen die frei erhältlichen beruhigenden bzw. anregenden Substanzen an; eine kurze Liste führt Faktoren an, die das Suizidrisiko erhöhen. Rygaard N P (2006) Schwerwiegende Bindungsstörung in der Kindheit. Eine Anleitung zur praxisnahen Therapie. Springer Wien New York Über Bindung und Bindungsstörungen hat man doch schon viel gelesen meint man, bis man dieses Buch in die Hand bekommt und damit einen faszinierenden Zugang zu befremdenden, verstörenden Verhaltens- und Reaktionsweisen von Kindern und Jugendlichen (und Erwachsenen). Das Buch schlägt zwei Brücken: Einerseits zwischen neuronalen, sensorischen und psychosozialen Faktoren (es wird gezeigt, wie antisoziale oder Borderline-Störungen, selbstverletzendes Verhalten, Suizidalität von Jugendlichen ihre Wurzeln in physiologisch bedingten Störungen der Informationsverarbeitung von Säuglingen, aber auch in labilen psychischen Versorgungsbedingungen haben können) damit ist aber auch ein Frühzugang zur Behandlung sonst oft zu spät wahrgenommener Deviationen möglich. Andererseits wird auch eine Brücke zwischen individueller Disposition und gesellschaftlicher Situation hergestellt (z.b. wenn abrupte Veränderungen im sozialen Zusammenleben Adaptationsschwierigkeiten erzeugen, die sich dann als Unsicherheit im Umgang mit dem auf Konstanz und Sicherheit angewiesenen Individuum ausdrücken). 53

54 SCHLUSSWORT Lebenskrisen sind Herausforderungen an uns alle Leider gibt es eine über die Jahre und Jahrzehnte hinweg relativ gleichbleibende Zahl von Menschen, die einen Weg aus der seelischen Krise nicht mehr sehen (wollen) und ihrem Leben gewaltsam ein Ende bereiten. Wir können auf vielfache Weise helfen: Jeder kann sich für sich selbst und für andere um die schützenden und stützenden Faktoren, um die hier sogenannten Lebensfaktoren kümmern. In schwierigen Situationen hilft eine von erfahrenen Fachleuten geleitete Krisenintervention (d.h. eine kurzfristige Soforthilfe in Krisensituationen mit dem Ziel der Überwindung der akuten Notsituation und der Verhinderung einer Eskalation). Manchmal ist nach der Krisenintervention auch eine gründliche Aufarbeitung aller maßgeblichen Umstände und Probleme notwendig. Zu Lebenskrisen können traumatische Erlebnisse führen oder viele kleine belastende Ereignisse über eine längere Zeit hinweg. Eine gewisse Zeit hindurch ist es möglich, die Probleme wegzustecken, aber dann kann es bei einem geringfügigen Anlass zu einem Zusammenbruch (Dekompensation) kommen. Wir können nicht alles erkennen oder alle Probleme verhindern bzw. lösen. Wir sollten aber wachsam sein, wenn Entwicklungen schief laufen und so weit es möglich ist für positive Wendungen sorgen! 6 Die Schulpsychologie - Seele im System? Rund 150 Schulpsycholog/innen in Österreich helfen bei Lernproblemen, bei Schullaufbahn- Fragen, bei Fragen das Studium betreffend, bei Fragen der Schulentwicklung; aber auch bei Prüfungsangst, seelischen Krisen u.v.a.m. Sie alle haben einen Universitätsabschluss im Hauptfach Psychologie und verfügen über ein Expertenwissen in allen Bereichen, wo die Psyche im Bereich der Schule gefragt ist. Die Schulpsychologie-Bildungsberatung gibt es in ganz Österreich in über 70 Beratungsstellen. Alles, was man über psychologische Hilfemöglichkeiten auch in Krisen wissen möchte, erfährt man über 6: Z.B. auf den entsprechenden Seiten der Website der Schulpsychologie Tirols finden sich viele Hinweise wie man Schritt für Schritt mit möglicher oder akuter Selbstmordgefährdung umgehen kann. 54

55 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! SCHULPSYCHOLOGIE Die Ansprechpartner/innen im Bundesministerium für Unterricht und in den Bundesländern Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur Abteilung I/15 (ehem. V/4), Freyung 1, 1014 Wien, 01/ , 2584, MR DDR. Franz Sedlak, MR Dr. Gerhard Krötzl, MR Dr. Harald Aigner, MR Dr. Beatrix Haller, Landesschulrat für Burgenland, Hofrat Dr. Werner Braun (ab 12/2009 i.r.) 7001 EISENSTADT, Kernausteig 3, 02682/710/131 Landesschulrat für Kärnten 9020 KLAGENFURT, Kaufmanngasse 8, 0463/ , Hofrat Dr. Gert Lach Landesschulrat für Niederöstereich 3109 St. Pölten, Rennbahnstraße 29, 02742/ , Hofrätin DDr. Andrea Richter Landesschulrat für Oberösterreich 4041 LINZ Postfach 107, Sonnensteinstraße 20, 0732/ , Hofrätin Dr. Agnes Lang Landesschulrat für Salzburg 5026 SALZBURG, Aignerstraße 8, 0662/ , Mag. Helene Mainoni-Humer Landesschulrat für Steiermark 8015 GRAZ, Körblergasse 23, 0316/345/199, Hofrat Dr. Josef Zollneritsch Landesschulrat für Tirol 6020 INNSBRUCK, Müllerstraße 7, 0512/ , Hofrat Dr. Hans Henzinger Landesschulrat für Vorarlberg 6900 BREGENZ, Bahnhofstraße 12, 05574/ , Hofrätin Dr. Maria Helbock Stadtschulrat für Wien 1010 WIEN, Wipplingerstraße 28, 01/52-525/77505, Hofrätin Dr. Mathilde Zeman 55

56 HILFREICHE KONTAKTE UND HOTLINES Z.B. Notfallpsychologischer Dienst Österreich Tel.: 0699/ Sozialpsychiatrischer Notdienst und Psychosoziale Information Tel.: 01/ Sozialinfo Wien Tel. Sozialruf Wien: 01/ Telefonseelsorge Tel.: 142 Rat auf Draht Tel.: 147 Elterntelefon Rat auf Draht: 01/ Ö3 Kummernummer Tel.: Kriseninterventionszentrum Wien Tel.: 01/ Station für Krisenintervention und Psychotherapie im Jugendalter Wilhelminenspital Wien, Pav. 15., Tel:: 01/ Krisenintervention des Roten Kreuzes Kindernotruf Tel.: Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie Tel.: 01/

57 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! BROSCHÜREN ZUM DOWNLOAD auf UND DENNOCH UNBEZWINGBAR! Wie wir Lebensprobleme bewältigen Franz Sedlak Und dennoch unbezwingbar! Wenn Schule und Studium auf das Leben vorbereiten, dann muss diese Vorbereitung auch den Umgang mit besonderen Lebensumständen enthalten wie traumatische Situationen, Leid, Krankheit, Verlust und Tod. Vor allem bedarf es einer offenen gesellschaftlichen Einstellung zu diesen Themen. Trotz vieler möglicher Assoziationen in Bezug auf verwandte Ideen, Ansätze und Konzepte konzentriert sich die Broschüre auf exemplarische Fallgeschichten aus der Psychotherapie. DDr. Franz Sedlak << Und dennoch unbezwingbar! 1 Beziehungstraum(a) und Begegnungsraum Die Auffälligkeiten im Verhalten unserer Kinder scheinen zuzunehmen, immer mehr beklagen sich Eltern, Lehrer/innen, Erzieher/innen, Mitschüler/innen über aggressives, unberechenbares, kränkendes Verhalten von Kindern. Sind es tatsächlich mehr Kinder, die diese Verhaltensauffälligkeiten zeigen, oder ist unser Blick genauer, schärfer geworden? Ist es die beziehungsreichere, weniger autoritäre Atmosphäre im Erziehen und Unterrichten, die den Kontrast zu Verhaltensschwierigkeiten stärker hervortreten lässt? Es besteht kein Zweifel, dass es Kinder gibt, die stören, weil sie selbst schon früh gestört, verstört wurden. Es besteht kein Zweifel, dass es Kinder gibt, die ihre seelische Belastung an andere weiter geben, sich vom Überdruck entlasten, indem sie andere belasten. Was aber tun? Die Schule ist keine Therapiestätte. Sie kann tiefe Wunden nicht heilen. Und wenn es um Störungen der Persönlichkeit geht, beißen sich daran nicht sogar die Therapeuten die Zähne aus? Es stimmt, Persönlichkeitsstörungen gehören zu den schwierigsten Behandlungsfällen. Aber vergessen wir andererseits die Chancen der Gemeinschaft in der Schule nicht: Unsere Kinder sind viele Tage, Wochen, Monate, Jahre zusammen. Sie können in dieser Gemeinschaft viel voneinander lernen. Es ist auch wichtig für die Lehrer/innen zu wissen, dass nicht jede Unterrichts-Störung durch auffällige Kinder mit der aktuellen Schul-Situation zu tun hat, geschweige denn ein persönlicher Angriff auf die Schule sein muss, sondern auf andere Erlebnisse zurück gehen kann. Wir können grundsätzliche Elemente im Umgang miteinander und aneinander schulen. Diese Übungen nützen allen und helfen auch jenen, die aus ihrem Beziehungstrauma belasteter in die Schule kommen und den Begegnungsraum Schule noch nicht unbeschwert betreten können. Was sollten wir wissen? 57

58 Franz Sedlak Einladung zur Psychohygiene Schule zum Lebensraum gestalten Einladung zur Psychohygiene Zielgruppe: Lehrerinnen und Lehrer Der Inhalt dieses Buches umfasst Bereiche wie: Körperbewusstsein, Erlebniskultivierung, bewusste Aktivität, Strategie und Kreativität als Problemlösung. Selbstbestimmung und Sinnorientierung, Soziales Engagement und Transpersonalität, Psychohygiene-Check, Habens-Modus und Sein-Defizit Determinierung und Entkernung Problematische Zeitgeistentwicklungen. Worin besteht der Psychohygiene-Check, um nur ein Beispiel herauszuheben? Es sind Fragen wie: Bin ich erholt, regeneriert, entspannt? Wie intensiv kann ich Erlebnisse gestalten, genießen, wie aufnahmefähig bin ich? Bewege ich mich richtig oder bin ich angespannt, bewegungsarm, hektisch...? Bin ich effektiv? Werde ich derzeit mit Problemen belastet, die mich überfordern? Bräuchte ich Methoden oder Ideen, wie ich besser zurechtkomme? Befinde ich mich derzeit in einer Sinnkrise?Erscheint mir alles frustrierend, grau, leer? Bin ich mir über mich überhaupt nicht im Klaren? Bin ich isoliert? Wäre es wünschenswert, mehr Kontakte oder zumindest eine hilfreiche Beziehung zu haben? Mache ich mir auch Gedanken über Zusammenhänge, die über meine Person und meine Gegenwart hinausreichen? Franz Sedlak DAS LEBEN IST WERT-VOLL! Wertbewusst sein engagiert handeln! Das Leben ist wert-voll! Zielgruppe: Kinder, Jugendliche und Erwachsene Aus dem Inhalt: Die drei Hauptstraßen der Sinnfindung Etwas Schaffen Etwas bewusst erleben In einer schwierigen Situation standhalten Der Aktionsradius Sich um sich selbst kümmern Sich um andere sorgen Sich für die Umwelt engagieren Werte in der Persönlichkeitsentwicklung Vertrauen schaffen Selbstständigkeit gewinnen Initiative entwickeln Die eigenen Fähigkeiten entwickeln Identität gewinnen Den persönlich passenden Lebensstil finden 58

59 Franz Sedlak: Ich will (nicht) mehr! Franz Sedlak POSITIVE LEITMOTIVE 10 Stichworte für die Gemeinschaftsbildung in Schule, Arbeit und Freizeit Positive Leitmotive Zielgruppe: Kinder, Jugendliche und Erwachsene In einer Zeit, in der die virtuelle Welt immer mehr an Attraktionen zu bieten hat, ist es wichtig, sich auf die Vorteile einer lebendigen, echten, nicht elektronisch vermittelten Gemeinschaft zu besinnen. Klassengemeinschaften in Schule und anderen Ausbildungsstätten, Arbeitsteams im Berufsfeld, Freizeitgruppen all dies ermöglicht ein lebendiges Lernen aneinander, miteinander und füreinander. Schule z.b. ist nicht nur ein Ort der Wissensweitergabe, sondern auch ein Ort der Wertvermittlung und der mitmenschlichen Begegnung.Damit diese Begegnung konstruktiv verläuft, sind gewisse Grundbedingungen wichtig. Die Broschüre versucht, einige dieser Grundbedingungen als positive Leitmotive für die Gemeinschaft zu formulieren. Als Anregung für die positive Gestaltung der Gemeinschaft und als Impuls für die eigene Weiterentwicklung dieser Gedanken! PSYCHOLOGISCHE GESUNDHEITSFÖRDERUNG im Lebensbereich Schule Franz Sedlak Psychische Gesundheit von Lehrerinnen und Lehrern Studien zeigen, dass der Lehrberuf mit einem hohen Maß an psychischen Belastungen verbunden ist, denn er erfordert einerseits umfangreiches Fachwissen, große Flexibilität und Engagement. Anderseits sind Lehrerinnen und Lehrer mit steigenden Anforderungen und Belastungen konfrontiert, wie z.b. die veränderten Rollen in Bezug auf den Erziehungsauftrag, hohen Erwartungen von Seiten der Eltern und häufig auch mit belastendem Schüler/innenverhalten. Moderne Ansätze der psychologischen Gesundheitsförderung vereinbaren personenzentrierte Maßnahmen die an den objektiv vorhandenen Stressbedingungen nichts ändern und stressreduzierende Veränderungen der Organisation, dabei steht die gesundheitsfördernde Gestaltung der Arbeitsbedingungen und der Arbeit im Mittelpunkt. Durch partizipative Veränderungsstrategien - Betroffene zu Beteiligten zu machen - sollen Organisationen geschaffen werden, die sowohl den darin arbeiteten Lehrerinnen und Lehrern gerechter werden als auch die Schulqualität langfristig sichern sollen. Die Schulpsychologie und Bildungsberatung leistet mit dem ExpertInnenworkshop einen wichtigen Präventionsbeitrag. 59

60 Der dynamische Sog der Krise wurde gestoppt. Neue Perspektiven sind möglich. Zukunftsoffene innere Bilder entstehen. Foto: Dipl.-Ing. Richard Sedlak

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