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1 Fondsarten 6.2 Rentenfonds Rentenfonds investieren in verzinsliche Wertpapiere (weitere Bezeichnungen sind Renten, Anleihen, Obligationen, Bonds u. a.). Sie erzielen vor allem Erträge aus den Zinszahlungen. Bei Anleihen, die auf eine Nicht-Euro-Währung lauten, können Währungsgewinne (bzw. Währungsverluste) hinzukommen. Und da überwiegend in börsennotierte Rentenpapiere investiert wird, kann es auch zu Kursgewinnen (bzw. Kursverlusten) kommen. Merkmale von Rentenfonds % % % Zinsen US-$ Rentenmarkt Staatsanleihen Unternehmens- Anleihen Pfandbriefe Anleihekurse Zeit Rentenfonds sind Fonds, die mindestens 51 % ihres Sondervermögens am Rentenmarkt und somit in Anleihen investieren. Rentenfonds unterscheiden sich hinsichtlich Anlageschwerpunkt und Anlagestrategien: Länder, Regionen oder weltweit kurz-, mittel- oder langfristige Laufzeiten 158

2 Rentenfonds Emittenten und Bonitäten Währung Ebenso kann ein Rentenfonds eine Mischung dieser Anlageausrichtungen beinhalten. Anlagestrategien bei Rentenfonds I Länderfonds Regionenfonds Internationale Rentenfonds Asien -Länder Europa Nordamerika Schwellenländer (Emerging Markets) weltweit Anlagestrategien bei Rentenfonds II Währung Bonität Laufzeit ohne Währungsrisiko: mit Währungsrisiko: US-$ abnehmende Bonität Staatsanleihen Bankanleihen Unternehmensanleihen High- Yield- Anleihen zunehmende Renditechancen mit zunehmendem Risiko Anleihen mit langer Laufzeit Anleihen mit mittlerer Laufzeit geldmarktnahe Rentenfonds mit kurzlaufenden Anleihen (vereinfachte Darstellung: Staaten mit geringer Bonität können bspw. ähnliche Renditen/ Risiken wie High-Yield-Anleihen aufweisen) 159

3 Fondsarten Duration Für die Anlagestrategie Laufzeit gilt: der Rentenfonds selbst hat keine feste Laufzeit. Es handelt sich hier vielmehr um die Laufzeitstruktur der Anleihen, in die ein Rentenfonds gemäß seiner Anlagerichtlinien investieren darf. Chancen und Risiken Entsprechend der Anlagestrategie und der Anlageschwerpunkte fallen Chancen und Risiken unterschiedlich aus. Die Einflussfaktoren auf die Kursbildung von Anleihen habe ich Ihnen im Kapitel Einflussfaktoren auf die Kursbildung am Rentenmarkt (Rentenmarkt) beschrieben. Hier eine Auswahl der wichtigsten Fragen zur Risikoeinschätzung von Rentenfonds: Welche Bonität haben die Emittenten, in deren Wertpapiere investiert wird? Gute Emittentenbonitäten verringern zwar das Emittentenrisiko, im Gegenzug aber auch die zu erwartende Rendite (Zinsaufschlag wegen Risiko entfällt). Besteht ein Währungsrisiko? Die Investition in Fremdwährungsanleihen (nicht auf Euro lautend) bietet neben dem Währungsrisiko natürlich auch die Chance auf Währungsgewinne. ist die durchschnittliche Kapital-Bindungsdauer des in einem verzinslichen Wertpapier oder Wertpapiervermögen angelegten Kapitals. Die Zinszahlungen während der Laufzeit entsprechen vorzeitigen Kapitalrückzahlungen. Aus diesem Grund ist die Duration regelmäßig kürzer als die durchschnittliche Restlaufzeit des Wertpapierdepots. Je geringer die Duration, umso geringer fallen die Kursschwankungen bei Marktzinsveränderungen aus. Die Duration ist aus diesem Grund eine Mess- bzw. Kennzahl für die Empfindlichkeit eines verzinslichen Wertpapieres oder Wertpapierdepots gegenüber Marktzinsveränderungen. Exkurs: Staatsanleihen Welche durchschnittliche Laufzeit haben die im Sondervermögen enthaltenen Anleihen? Je länger die durchschnittliche Laufzeit, umso mehr können sich Marktzinsveränderungen auf die Anleihekurse und somit auf die Fondsrendite auswirken. Je kürzer die durchschnittliche Laufzeit ist, umso geringer ist die Abhängigkeit von der Marktzinsentwicklung. +++ Newsticker +++ Höhere Volatilität bei Bundesanleihen +++ EZB-Präsident Mario Draghi: Wir müssen uns an die Zeiten mit erhöhten Volatilitäten gewöhnen +++ Die neue Welt der Staatsanleihen +++ Staatsanleihen mit sehr guter Bonität wie beispielsweise Bundesanleihen galten lange als sicherer Hafen für die Geldanlage. Wahrheit oder Mythos? In der Vergangenheit 160

4 Rentenfonds entsprach dies grundsätzlich der Wahrheit, doch in der Gegenwart häufen sich die Anzeichen für eine neue Welt. Was sind die Gründe dafür? Ein historisch tiefes Zinsniveau durch das seit 2009 deflationäre Umfeld in Europa macht auch die Kurse von langlaufenden Bundesanleihen anfälliger für Marktzinsveränderungen. Da genügen schon kleinste Anzeichen wie beispielsweise positive Wirtschaftsprognosen für steigende Marktzinsen und die Kurse der börsennotieren niedriger verzinsten Anleihen kommen ins Trudeln und sinken. Denn das ist der übliche Marktmechanismus, um die Renditen (Rendite = laufende Zinszahlungen +/ Kursgewinne bzw. Kursverluste) bestehender Anleihen an das Marktzinsniveau anzupassen. Geringes Wirtschaftswachstum und eine drohende Deflation, das sind Signale für die EZB gegenzusteuern. Da der Leitzins Anfang 2015 bereits bei nahezu 0 % lag und keine große Wirkung mehr zeigte, griff die EZB zum geldpolitischen Instrument des Quantitative Easing. Mit massiven Ankäufen bonitätsstarker Staatsanleihen wollte die EZB das europäische Wirtschaftswachstum ankurbeln. Dieser Nachfrage stand aber gar nicht so viel Angebot gegenüber und die Preise, also die Anleihezinsen stiegen. Ein fast historischer Kursverfall im April 2015 war die Folge und innerhalb von nur einer Woche stiegen die Renditen von 0,05 % auf knapp 1 % (fallende Anleihekurse = steigende Renditen). Nachdem sich die Kurse kurzfristig wieder erholten, sorgten positiver werdende Wirtschaftsaussichten für Europa und die Ankündigungen der US-amerikanischen Zentralbank FED Anfang Juni 2015, die Zinsen zu erhöhen, für den nächsten Kursabsturz. Zugegeben, diese Zusammenhänge sind komplex, doch genau das ist die aktuelle Realität, in deren Umfeld die Rentenfondsmanager ihre Anlageentscheidungen treffen müssen. Im Gegensatz zu den meisten Privatanlegern verfügen sie über das Know-how und die Zeit, damit umzugehen. So setzen die einen auf Papiere mit kurzer Laufzeit, da diese weniger sensibel auf Marktzinsveränderungen reagieren. Andere verschaffen sich Liquiditätsreserven, um Kursverluste auffangen und bei niedrigen Anleihezinsen einsteigen zu können. Rentenfonds bieten eine unkomplizierte Möglichkeit der Risikoverteilung beispielsweise über verschiedene Anleihelaufzeiten 161

5 Fondsarten und Emittenten. Der Anleger sollte sich dennoch bewusst sein, dass eine Rentenmarktanlage Kursschwankungen unterliegt, die in wirtschaftlichen Umbruchphasen auch höher ausfallen können. Anleger können Anleihen zu unterschiedlichen Zeitpunkten erwerben und entweder bis zum Laufzeitende behalten oder vorzeitig (bei börsennotierten Anleihen) verkaufen. Fallen die Anleihekurse, dann steigen die Renditen Börsenhandel Emission einer Anleihe jährliche Zinszahlungen während der fest vereinbarten Laufzeit Tilgung der Anleihe zum Laufzeitende Kurs in %: Steigendes Marktzinsniveau sinkendes Marktzinsniveau Anleger 1 Rendite = Zinssatz, da keine Kursverluste oder -gewinne erzielt wurden Kauf der Anleihe im Nennwert von zum Emissionskurs von 100 % Der Anleger behält die Anleihe bis zum Laufzeitende Anleger 2 97 % % Rendite = Zinssatz + Kursgewinn 3 % Kauf der Anleihe im Nennwert von zum aktuellen Börsenkurs von 97 % Der Anleger behält die Anleihe bis zum Laufzeitende Der aktuelle Marktzins hat während der Laufzeit der Anleihe Auswirkungen auf deren Kurs. Der laufende Börsenkurs ist dabei nur für diejenigen Anleger von Bedeutung, die eine Anleihe während der Laufzeit kaufen oder verkaufen möchten. Steigen die Markt- 162

6 Rentenfonds zinsen, können Anleger in diesem Umfeld neu emittierte Anleihen zu einem höheren Zinssatz erwerben. Die bestehenden Anleihen mit einem niedrigeren Zinssatz sind in dieser Situation nur dann für Neuanleger interessant, wenn der Anleihekurs fällt und dadurch die Rendite dieser Papiere steigt und sich dem Marktniveau anpasst. Die Kosten Im Vergleich zu anderen Fondsarten liegen Rentenfonds im Kosten-Mittelfeld: Gesamtkostenquote (TER): je nach Anlageschwerpunkt durchschnittlich 1,0 % p. a. Ausgabeaufschlag: einmalig bei Kauf ca. 1 4 % Für welche Anleger eignen sich Rentenfonds? Anleger mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont kurzlaufende, geldmarktnahe Rentenfonds für Anleger mit einem kurzfristigen Anlagehorizont Anleger, die sich mehr Chancen als bei der Geldmarktfondsanlage für überschaubare Risiken wünschen renditeorientierte, ertragsorientierte Anleger Anleger, bei denen Anschaffungen erst in 2-4 Jahren oder später anstehen Anleger, die auch mit Kursschwankungen umgehen können Praxistipp Rentenfonds bringen Stabilität in ein Wertpapierdepot. In Marktphasen mit fallenden Zinsen profitieren Sie zusätzlich besonders von möglichen Kurssteigerungen der im Sondervermögen enthaltenen Rentenpapiere. In Marktphasen mit steigenden Zinsen ist eine positive Wertentwicklung aus Kursgewinnen schwieriger zu erzielen und somit fallen diese eher geringer aus. 163

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