Universität Hamburg Institut für Recht der Wirtschaft. Ökonomische Analyse des Rechts Übungsaufgaben

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1 Ökonomische Analyse des Rechts Übungsaufgaben

2 Coase Theorem Stellen Sie das Coase-Theorem dar und erörtern Sie seine Bedeutung bei der Evaluierung von Garantiepflichten! Professor Dr. Michael Adams 2

3 Lösungsskizze Coase-Theorem Wenn Verhandlungen und Vertragsabschlüsse unter den Betroffenen ohne jegliche Transaktionskosten möglich sind, sowie alle Eigentumsrechte wohldefiniert sind und eine Umverteilung nicht die relative Bewertung der Güter verändert, dann gilt: Die Allokation der Ressourcen ist identisch, unabhängig davon, wie die Rechte durch die Rechtsordnung zugeteilt werden. Die Allokation der Ressourcen ist effizient, so dass kein Externalitätenproblem auftritt. Die Einführung einer Steuer führt zum Verlust der Effizienz. Professor Dr. Michael Adams 3

4 Lösungsskizze Coase-Theorem Beispiel: Garantieverlängerung auf 2 Jahre 1. Fall: Garantieverlängerung ist durch Vertrag abdingbar keine Auswirkungen Voraussetzungen: Vertragsverhandlungen über Garantie sind leicht möglich, Kunden verstehen Garantierechte, Rechtsänderung ist klar definiert Unternehmen errechnen Mehrkosten und erhöhen die Preise Kunden kaufen zu dem Preis Oder Kunden verzichten auf Garantie und Preiserhöhung und Garantie wird wieder vertraglich verkürzt Professor Dr. Michael Adams 4

5 Lösungsskizze Coase-Theorem 2. Fall: Garantieverlängerung ist zwingend Zwangskonsum der Garantie: Kunden können jetzt nicht mehr auf die neuen Rechte verzichten, Unternehmen erhöhen ihre Wettbewerbspreise um die zusätzlichen Kosten Problem: Moral-Hazard aus der Garantie: Kunden behandeln Gut unbeobachtbar durch verkaufendes Unternehmen - schlechter und lösen zusätzliche Garantiefälle und damit nochmals höhere Preise aus: Zwangskonsum mit schädlichem wirtschaftlichen Zerstörungsanreiz Gesetzlicher Grantiezwang ist ineffizient Professor Dr. Michael Adams 5

6 Lösungsskizze Coase-Theorem Liegt kein Marktversagen etwa aufgrund von Informationsasymmetrien, Marktzutritts- oder Marktaustrittsbarrieren oder von Marktmacht vor und können die Beteiligten ohne Probleme ihre gegenseitigen Leistungen ohne hohe Vertragskosten einvernehmlich regeln, ist eine Umverteilung durch die Gewährung zivilrechtlicher Ansprüche nicht möglich. Staatliche Eingriffe durch zwingendes Recht schaden den Beteiligten! Professor Dr. Michael Adams 6

7 Diskriminierung Erklären Sie, wann auf Märkten Diskriminierungen möglich sind und wann dies nicht der Fall ist! Stellen Sie dies auch anhand eines Beispiels dar! Professor Dr. Michael Adams 7

8 Lösungsskizze Diskriminierung Langfristig nur möglich, wenn sich alle Marktteilnehmer einer Seite an der Diskriminierung beteiligen Märkte diskriminieren nicht, sie machen Diskriminierung sichtbar Diskriminierung durch Antidiskriminierungsgesetzte Können Kosten auferlegen, bspw. zusätzlicher Kündigungsschutz Zwangskonsum gesetzlicher Regelung Gesetze sinnfrei, Transferzahlungen sinnvoll! Professor Dr. Michael Adams 8

9 Lösungsskizze Diskriminierung Bsp.: Frauen auf dem Arbeitsmarkt 40 pro Stunde statt 50 pro h Einzelne Arbeitgeber nutzen Situation aus und zahlen 41 Frauen wechseln zu diesem Arbeitgeber Neuer Arbeitgeber erhält für 41 Arbeit im Wert von 50 Restliche Arbeitgeber zahlen die teuren Männer Wettbewerbsvorteil neuer Arbeitgeber Aufgrund von Wettbewerb steigt der Lohn der Frauen auf 50 Wenige nicht-diskriminierende Arbeitgeber reichen dafür aus Professor Dr. Michael Adams 9

10 Produkthaftung Schildern Sie eine mögliche grundsätzliche Ausgestaltungen der Produkthaftung! Beurteilen Sie insbesondere deren Wirkung auf Wahrnehmung und Risikoeinstellung sowohl von Produzenten als auch Konsumenten! Professor Dr. Michael Adams 10

11 Lösungsskizze Produkthaftung Produzent haftet für sein Produkt, wenn es die Gesundheit eines Menschen verletzt Betrifft Darbietung, Eigenschaften oder Sicherheit bei Gebrauch Verschuldenshaftung Opfer haftet, wenn kein Vorsatz beim Produzenten Gefährdungshaftung Produzent haftet unabhängig von Verschulden des Opfers Professor Dr. Michael Adams 11

12 Lösungsskizze Produkthaftung Haftungssystem irrelevant, wenn Kunden Homogen Wohlinformiert Risikoneutral Und perfekter Schadensausgleich Kunden berechnen Gesamtpreis des Produkts Preis Verletzungswahrscheinlichkeit*Schadenshöhe Sinkt Schaden durch Schadenersatz, so steigt der Preis Professor Dr. Michael Adams 12

13 Lösungsskizze Produkthaftung Informationsasymmetrie: Produzenten wissen weniger Verschuldenshaftung sinnvoller Kunden schätzen Schadenspotential besser ein und kaufen das richtige Produkt Bei Gefährdungshaftung: zu teure oder zu billige Produkte (zu viel bzw. zu wenig Sicherheit) Informationsasymmetrie: Kunden wissen weniger Gefährdungshaftung sinnvoller, Kunden kaufen richtige Produkte Bei Verschuldenshaftung: Kauf zu billiger Produkte bei Unterschätzung der Gefahr, bzw. umgekehrt Haftung sollte bei besser informierter Partei liegen Also regelmäßig Gefährdungshaftung Professor Dr. Michael Adams 13

14 Lösungsskizze Produkthaftung Risikowahrnehmung: Haftung bei dem, der Risiko am besten tragen kann (Riskoneutralität) In der Regel die Produzenten Professor Dr. Michael Adams 14

15 Zivilprozess und Rechtsschutzversicherungen Wie stellen sich die Kosten eines Zivilprozesses in der ökonomischen Analyse dar? Welche Rolle spielen hierbei Rechtsschutzversicherungen? Professor Dr. Michael Adams 15

16 Lösungsskizze Zivilprozess Ausgangssituation: Hohe Zahl an Prozessen Hoher volkswirtschaftlicher Schaden Definition Prozesskosten: Prozesskosten sind die Kosten, die im Rahmen eines Prozesses anfallen. Sie lassen sich unterschieden in tangible und intangible Kosten. Intangible Kosten in Form von z.b. Ärger werden außer Acht gelassen. Professor Dr. Michael Adams 16

17 Lösungsskizze Zivilprozess Rationalität: Kläger reicht Klage ein, wenn Prozess ihn besser stellt Gewinnwahrscheinlichkeit * Payoff > Prozesskosten * (1-GewinnW) Problem: Ergebnis ist nicht mit Sicherheit bekannt. Kläger muss mit Erwartungswerten arbeiten Erwartungswert des Prozesses: E K subjektive Gewinnwahrscheinlichkeit: p K Zahlung des Beklagten an den Kläger, wenn Kläger gewinnt: G gesamte Prozesskosten, also Anwalts- und Gerichtskosten beider Parteien: K Bzw. Erwartungswert > 0: E K = p K * G (1-p K )*K Europa: Prozesskosten trägt Prozessverlierer Der Erwartungswert eines Prozesses ist erst bei einer subjektiven Wahrscheinlichkeit von 1 gleich dem Nennwert des Anspruchs Professor Dr. Michael Adams 17

18 Lösungsskizze Zivilprozess Kläger E k Erwartungswert des Prozesses aus der Sicht des Klägers Höchstgewinn des Klägers: G Mindestforderung des Klägers 100% p k subjektive Wahrscheinlichkeit des Klägers, den Prozess zu gewinnen Gesamtkosten bei Prozessniederlage: -K Professor Dr. Michael Adams 18

19 Lösungsskizze Zivilprozess Erwartungswert Beklagter analog: E B = p B 0 ( 1 p B ) ( G + K ) bzw. E B = p B ( G + K ) G K Professor Dr. Michael Adams 19

20 Lösungsskizze Zivilprozess Beklagter G + K E b Erwartungswert des Prozesses aus der Sicht des Beklagten Höchstangebot des Beklagten in den außergerichtlichen Verhandlungen 100% p b subjektive Wahrscheinlichkeit des Beklagten, den Prozess zu gewinnen Professor Dr. Michael Adams 20

21 Lösungsskizze Zivilprozess Es wird nur zu einer außergerichtlichen Einigung kommen, wenn der Beklagte durch den Prozess schlechter abschneidet Der Erwartungswert des Beklagten stellt damit sein Höchstangebot in einem außergerichtlichen Vergleich dar Gleichzeitig hängt der Erwartungswert von der subjektiven(!) Siegeswahrscheinlichkeit ab. Professor Dr. Michael Adams 21

22 Lösungsskizze Rechtsschutzversicherung Erlaubt grenzkostenfreien Prozess Kostengleichung ändert sich wie folgt: E K = p K * G (1-p K )*0 = p K * G Moral Hazard Problematik entsteht Durch den Wegfall der Kosten steigt der Erwartungswert und damit die Mindestforderung. Der Vergleichsbereich wird dadurch kleiner Nichtversicherte Beklagte müssen Vergleichsbereitschaft zeigen (Kostenrisiko!) Versicherte Kläger können nicht versicherte Beklagte ausbeuten (Versicherung als Drohung in Verhandlungen) Professor Dr. Michael Adams 22

23 Lösungsskizze Rechtsschutzversicherung Einseitige Rechtsschutzversicherung: Schaden für Nichtversicherte Wettrüsten Zweiseitige Rechtsschutzversicherung: Schaden für beide Parteien Prozesslawine Professor Dr. Michael Adams 23

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