Alk-Check Ein Internet- und SMS-basiertes Programm zur Reduktion problematischen Alkoholkonsums bei Jugendlichen

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1 Alk-Check Ein Internet- und SMS-basiertes Programm zur Reduktion problematischen Alkoholkonsums bei Jugendlichen Unterstützt durch den Impuls- und Entwicklungsfonds für den Suchtbereich des Bundesamtes für Gesundheit Severin Haug Erfa- und Impulstagung, Zürich,

2 HINTERGRUND Problematischer Alkoholkonsums Übermässiger Alkoholkonsum mit sozialen und zwischenmenschlichen Problemen verbunden Erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten, z.b. Herz- und Lebererkrankungen oder Alkoholabhängigkeit Indikatoren für problematischen Konsum (lt. BMA): täglicher mittlerer Konsum 30g für Männer, 20g für Frauen Rauschtrinken: Konsum von 4 Getränken bei einer Gelegenheit bei Frauen und 5 bei Männern Suchtmonitoring: Rauschtrinken bei 26% der 15- bis 19-Jährigen und 39% der 20- bis 24 Jährigen mindestens einmal monatlich 2

3 HINTERGRUND Interventionen zur Reduktion problematischen Alkoholkonsums Erfolgversprechend: motivierende Gesprächsführung und normatives Feedback (Carey et al. 2007) Normatives Feedback Fehleinschätzungen zum Alkoholkonsums bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen: der Alkoholkonsum anderer wird meist überschätzt (Perkins 2003) Glaubwürdige und korrekte Informationen über Trinknormen in der jeweiligen Peergruppe oder Alterskohorte Reduktion des Gruppendrucks zum Alkoholkonsum 3

4

5

6 HINTERGRUND Freizeitaktivitäten von Jugendlichen in der Schweiz aus Willemse et al

7 HINTERGRUND Genutzte Handyfunktionen von Jugendlichen in der Schweiz aus Willemse et al

8 HINTERGRUND Projektziele Entwicklung einer Internet- und SMS-basierten Intervention zur Reduktion problematischen Alkoholkonsums bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen Einsetzbar unabhängig vom Geschlecht und Bildungsniveau Online-Feedback zu individuellen Trinkgewohnheiten und Trink-Norm einer Referenzgruppe Individualisierte SMS-Nachrichten für 3 Monate, u.a. zu Zeiten in denen üblicherweise getrunken wird Überprüfung der Akzeptanz der Intervention Exploration der Wirksamkeit innerhalb einer Vorher-Nachher Studie 8

9 METHODEN ALK-CHECK Online-Befragung Demografie, Alkoholkonsum, Mobiltelefon, Probleme infolge Alkoholkonsums, Hauptkonsumtag und -zeit 9

10 METHODEN ALK-CHECK Einladung zur Studienteilnahme 10

11 METHODEN ALK-CHECK Online-Feedback 11

12 METHODEN ALK-CHECK Online-Feedback Anzahl Standarddrinks/Woche im Vergleich zur alters- und geschlechtsspezifischen Referenzgruppe Finanzielle Ausgaben für Alkohol und über Alkohol aufgenommene Kalorien Information zum problematischen Alkoholkonsum (was ist Rauschtrinken?) Häufigkeit des Rauschtrinkens im Vergleich zur Referenzgruppe 12

13 METHODEN ALK-CHECK: Inhaltskategorien der SMS-Nachrichten Non-Risk Kein Rauschtrinken/Monat Alkohol und Kalorien Widerstehen von Gruppendruck Vorteile gemässigten Konsums Motivation aktuellen Konsum beizubehalten Low-Risk 1-2-mal Rauschtrinken/Monat Alkohol und Kalorien Widerstehen von Gruppendruck Vorteile gemässigten Konsums Wichtigkeit der Verhaltensänderung Alkoholassoziierte Probleme Maximale aufgenommene Alkoholmenge und damit verbundene Risiken Risiken des Rauschtrinkens allgemein High-Risk > 2-mal Rauschtrinken/ Monat Alkohol und Kalorien Widerstehen von Gruppendruck Vorteile gemässigten Konsums Wichtigkeit der Verhaltensänderung Alkoholassoziierte Probleme Maximale aufgenommene Alkoholmenge und damit verbundene Risiken Risiken des Rauschtrinkens allgemein Hinweise auf weitere Beratungsangebote 13

14 METHODEN ALK-CHECK: Beispiel-SMS-Nachrichten Non-Risk Inhaltskategorie SMS-Nachricht Widerstehen von Gruppendruck Hi Mario. Du bist kein Mitläufer, der nur Alkohol trinkt, um bei anderen dazu zu gehören. Super! Das zeigt Stärke und kann andere sogar beeindrucken! Tue immer nur das, was du als richtig empfindest. Low-Risk High-Risk Alkohol und Kalorien bzw. Körpergewicht Vorteile gemässigten Konsums Maximale aufgenommene Alkoholmenge und damit verbundene Risiken Hinweise auf weitere Beratungsangebote Hallo Adi. Kleine Info: Alkohol ist kalorienreich, verlangsamt den Abbau von körpereigenem Fett und steigert den Appetit. Wenn du beim Feiern statt Alkohol Getränke ohne Alkohol trinkst, tust du deinem Körper Gutes. Hi Simi. Mit wenig oder ohne Alkohol im Blut hast du dein Verhalten in jeder Situation besser unter Kontrolle. Du kannst peinliche Situationen vermeiden, z.b. Erbrechen oder etwas Unüberlegtes zu tun. Hey Julian. Du hast vor kurzem 14 Drinks während eines Anlasses getrunken. Dein Blutalkoholgehalt betrug dabei ca. 3,4 Promille. Dabei kann Folgendes auftreten: Bewusstlosigkeit, Gedächtnisverlust, schwache Atmung, Unterkühlung und Reflexlosigkeit. Hi David. Du machst dir über deinen Alkoholkonsum oder den eines Kollegen Gedanken? Sprich mal mit jemandem darüber, das kann helfen. Die Internetseite kann dir Unterstützung bieten. Schreibe eine oder rufe an (Tel ). 14

15 METHODEN ALK-CHECK: SMS-Nachrichten zur Hauptkonsumzeit Teilnehmende der beiden Risikogruppen 14-täglich SMS-Nachricht Jeweils zu Beginn der Hauptkonsumzeit am Hauptkonsumtag (z.b. Samstagabends 20 Uhr) Tipps zu gemässigtem Konsums und sensiblem Trinken Beispiel: «Hey Robin. Immer mal wieder ein alkoholfreies Getränk zwischendurch tut deinem Körper gut, versorgt ihn mit Mineralstoffen und ist ein guter Durstlöscher. Dadurch kannst du auch verhindern, dass du schnell betrunken wirst» 15

16 ERGEBNISSE Programm/Studiendurchführung In 36 Schulklassen an 7 Berufsfachschulen im Kanton Zürich Anwesend in den Schulklassen n=490 Teilnahme an Online-Eingangsbefragung n=488 (99.6% von 490) Einschlusskriterium eigenes Mobiltelefon erfüllt n=477 (97.7% von 488) Bereit zur Studienteilnahme n=364 (76.3% von 477) 16

17 ERGEBNISSE Teilnehmende Schulklassen Anzahl Lernende pro Klasse, M (Range) Berufsfeld Natur Gastgewerbe, Nahrung Elektrotechnik, Informatik Metall, Maschinen Planung, Konstruktion Wirtschaft, Verwaltung Verkehr, Logistik, Fahrzeuge Berufsvorbereitung Schulklassen (n=36) 13.2 (5-22) 2 (5.6%) 5 (13.9%) 10 (27.8%) 1 (2.8%) 4 (11.1%) 6 (16.7%) 4 (11.1%) 4 (11.1%) 17

18 ERGEBNISSE Demografische Charakteristika Geschlecht Weiblich Teilnehmende (n=364) 25% Nichtteilnehmende (n=113) 20% Alter in Jahren, M Migrationshintergrund Beide Eltern in der Schweiz geboren Ein Elternteil im Ausland geboren Beide Elternteile im Ausland geboren 51% 19% 30% 40% 20% 40% Allgemeine Schulbildung* Keine Schulausbildung abgeschlossen Obligatorische Schule Weiterführende Schule Maturität, Diplommittelschule, Berufsmaturität 5% 82% 11% 2% 3% 71% 21% 5% 18

19 ERGEBNISSE Alkoholkonsum bei Eingangsbefragung Teilnehmende (n=364) Nichtteilnehmende (n=113) Rauschtrinken innerhalb des letzten Monats Nie 1-2 mal 3 mal oder häufiger 23% 29% 48% 32% 26% 42% Maximale Anzahl alkoholischer Getränke bei einer Gelegenheit innerhalb des letzten Monats, M* Üblicherweise konsumierte Anzahl alkoholischer Getränke in einer Woche, M

20 ERGEBNISSE Nachbefragung nach Programmende 367 (76.9%) von 477 Lernenden, welche bei der Eingangsbefragung Einschlusskriterien für Programmteilnahme erfüllten, konnten 3 Monate später nachbefragt werden. Programmteilnehmende: 280 von 364 Lernenden (76.9%) Nichtteilnehmende: 87 von 113 Lernenden (76.9%). 20

21 ERGEBNISSE Teilnahme und Nutzung des Programms Von den 364 Programmteilnehmenden meldeten sich 23 Personen (6.3%) per SMS-Nachricht vorzeitig vom Programm ab 254 (94.4%) von 269 Teilnehmenden gaben an, SMS-Nachrichten regelmässig erhalten zu haben Lesen der SMS-Nachrichten 49.8%: gründlich gelesen 44.6%: kurz darauf geschaut 5.6%: nicht gelesen 21

22 ERGEBNISSE Prä-Post-Vergleich: Rauschtrinken im letzten Monat 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 75.5% Rauschtrinken im letzten Monat 67.6% 64.0% 66.2% Eingangsbefragung Nachbefragung 0% Programmteilnahme Keine Programmteilnahme Prä-Post-Vergleich für Programmteilnehmende: OR 0.66, 95% KI , p=.00 22

23 ERGEBNISSE Prä-Post-Vergleich: Maximale Anzahl alkoholischer Getränke Prä-Post-Vergleich für Programmteilnehmende: z=-1.74, p=.08 23

24 ERGEBNISSE Prä-Post-Vergleich: Alkoholische Getränke/Woche Prä-Post-Vergleich für Programmteilnehmende: z=-3.12, p=.00 24

25 SCHLUSSFOLGERUNGEN Zusammenfassung und Schlussfolgerungen Hoher Anteil Rauschtrinkender in den teilnehmenden Berufsfachschulen (75%) Hohe Teilnahmerate: 3 von 4 Lernenden nehmen am Programm teil Geringe Abbruchrate: 94% bleiben bis zum Ende am Programm angemeldet Programm erfolgversprechend zur Reduktion problematischen Alkoholkonsums 25

26 Zum Nachlesen 26

27 Neues Programm ab Schuljahr 2014/15 Optimiert für Tablet-PCs und Smartphones Stärkere Individualisierung der SMS-Nachrichten In SMS-Nachrichten integrierte Links zu thematisch passenden Videos Message Contest 27

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