GLOBAL DENKEN GLOBAL HANDELN Unterrichtsmaterialien zum Globalen Lernen ARBEITSBLATT 1: OGWE UND DAS MOTORRAD-TAXI

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1 ARBEITSBLATT 1: OGWE UND DAS MOTORRAD-TAXI Ogwe ist 36 Jahre alt und Vater von drei Kindern. Ein guter Freund von ihm arbeitet als Fahrlehrer und hat es ihm ermöglicht, kostenlos einen Motorrad-Führerschein zu machen. So dankbar Ogwe zunächst für diese Möglichkeit war, so wenig nützt ihm der Führerschein. Denn Ogwe hat kein regelmäßiges Einkommen. Lediglich durch einige Gelegenheitsjobs verdient er ein wenig Geld, das aber noch nicht einmal ausreicht, um genügend Nahrungsmittel für seine Familie zu kaufen. In der Daily Nation, einer kenianischen Tageszeitung, hat Ogwe von der Möglichkeit eines Mikrokredits erfahren. Mit Kenianischen Schilling [ca. 200 Euro] könnte ich mir ein gebrauchtes Motorrad kaufen. Dann hätte ich die Möglichkeit, auf meinem Motorrad Menschen zu befördern und Geld zu verdienen, sagt Ogwe. Motorrad-Taxis sind in Kenia sehr beliebt und erfreuen sich großer Nachfrage, da sie günstiger sind als richtige Taxis und im immerwährenden Stau flexibler durchkommen. Ogwe träumt von einer besseren Zukunft durch einen Mikrokredit: Ich hoffe sehr, dass sich genügend Menschen finden, die mir Ksh leihen. Mit dem Verdienst, den ich als Taxifahrer einnehme, werde ich meine Kinder endlich auf eine Schule schicken können. Nur wenn meine Kinder die Möglichkeit bekommen, eine Schule zu besuchen, haben auch sie bessere Zukunftschancen. Leider reicht mein Einkommen bisher dafür nicht aus. 2) Überlege, wie sich das Leben der beschriebenen Personen durch die Mikrokredits für die Familie der beschriebenen Person und erstelle ein Schaubild (z. B. Kreislauf oder Kausalkette), welches darstellt, welche weiteren Entwicklungen durch einen Mikrokredit angestoßen werden.

2 ARBEITSBLATT 1: GEMÜSEFRAU LYDIA Lydia verkauft seit vielen Jahren direkt vor ihrer Hütte in Mathare (einem Slum von Nairobi) Gemüse. Sukuma Wiki heißt auf Kiswahili, der Landessprache Kenias, das billigste Gemüse, was auf Englisch so viel bedeutet wie push the week. Zwar verkauft Lydia recht viel dieses günstigen Gemüses, der Gewinn bleibt aber gering, da ihre Kundschaft auch im Slum lebt und selbst kaum Geld hat, um Gemüse zu kaufen. Mit ein wenig Startkapital könnte ich einen Stand außerhalb des Slums an einer der Hauptverkehrsstraßen mieten. Dort hätte ich einen viel größeren Kundenkreis, auch wohlhabendere Menschen könnten dann bei mir einkaufen. Ich würde einen kleinen Kiosk eröffnen und könnte viele andere Sachen, wie Kartoffeln, Kohl, Tomaten und gekühlte Getränke, aber auch Süßigkeiten und Zigaretten anbieten. Dinge, die sich im Slum kaum einer leisten kann, die aber viel mehr Einnahmen bringen. Bislang hat Lydia nicht genug Geld, um ihr Geschäft zu erweitern. Unlängst hat sie aber Kontakt zum Kenya Women Finance Trust, einer Nichtregierungsorganisation (NGO), die Mikrokredite vergibt, aufgenommen. Sie hofft nun, dass sie von dieser Gruppe das benötigte Startkapital geliehen bekommt. Vom Erfolg ihres neuen Geschäftes ist sie überzeugt: Schon bald nach Eröffnung meines neuen Kiosks werde ich das geliehene Geld zurück zahlen können. Danach verdiene ich endlich so viel Geld, dass ich meine Kinder gesund ernähren kann. Emmanuel, mein jüngster Sohn hört sehr schlecht und müsste dringend operiert werden. Vielleicht kann ich schon in einigen Monaten genug Geld sparen, um diese für ihn wichtige OP zu zahlen.

3 ARBEITSBLATT 1: TALENTIERTE MASSAI Anthony und Wangaari sind die Eltern dreier Kinder. Vor vier Jahren sind sie von ihrer Heimat auf dem Land im Südwesten Kenias nach Nairobi gezogen. Auf dem Land haben sie als Bauern gelebt und haben alles, was sie zum Essen brauchten, selbst angebaut. Manchmal war die Ernte auch so ertragreich, dass sie sogar einen Teil verkaufen konnten. Leider wurde der Ertrag in den letzten Jahren aber so gering, dass Anthony und Wangaari nicht genug ernten konnten, um ihre drei Kinder zu ernähren. Von einem Neuanfang in der Stadt versprachen sie sich sehr viel, denn sie hofften auf Arbeit in deiner Fabrik oder im Haushalt von wohlhabenden Bürgern. Leider wurden ihre Hoffnungen nicht erfüllt. Seit vier Jahren schon leben sie in Kibera, dem größten Slum Afrikas ohne geregeltes Einkommen. Da zu dem traditionellen Stamm der Massai gehören, sind sie sehr geübt in der Herstellung von Schmuck und im Schnitzen kleiner Holzfiguren. Besonders bei Touristen, die nach Kenia kommen, um in einem der zahlreichen Nationalparks auf Safari zu gehen, ist dieser Massai-Schmuck als Souvenir sehr beliebt. Leider gibt es im Slum niemanden, der unseren handgefertigten Schmuck kauft und die Touristen meiden den Slum, erklärt Wangaari. Wir haben daher bei der K-Rep-Bank einen Mikrokredit aufgenommen und einen kleinen Laden in der Innenstadt von Nairobi gemietet, in direkter Nähe zu den großen Hotels. Das Geschäft läuft gut und wir haben bereits im ersten Monat sehr viel Schmuck und Kunsthandwerk verkauft, erklärt Anthony. Vielleicht wird der Verdienst irgendwann reichen, dass alle drei Kinder eine gute Schule besuchen können. Einen Traum hat die Familie dennoch: Irgendwann wieder zurück in die alte Heimat im Süden Kenias.

4 ARBEITSBLATT 1: MWALO DER VIEHZÜCHTER Früher, als ich noch auf dem Land lebte, hatte ich immer Rinder und Ziegen auf meinem Feld. Heute in der Stadt ist es natürlich schwierig, ich kann keine große Herde halten. Drei oder vier Ziegen könnte ich aber gut versorgen. Mwalo denkt noch oft zurück an die Zeit auf dem Lande, als er mit seiner großen Rinderherde über die Felder zog. Heute lebt er in einem der Slums von Nairobi und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Auf die Frage, was er mit einem Mikrokredit machen würde, antwortet er spontan, dass er sich wieder ein paar Rinder oder Ziegen anschaffen würde: Dann hätte ich endlich die Möglichkeit, ein regelmäßiges Einkommen zu verdienen. Die Milch der Tiere könnte ich verkaufen und nach einiger Zeit, wenn ich die Tiere gut gemästet habe, kann ich sie zu einem höheren Preis an einen Schlachter verkaufen und mache Gewinn. Mit dem verdienten Geld könnte er seiner Schwester Edda helfen. Diese hat vier Kinder, diese alleine versorgen muss, da ihr Mann vor zwei Jahren an AIDS gestorben ist. Ihr größter Wunsch ist es, dass ihre Kinder endlich eine Schule besuchen können. Aber genau wie über die Hälfte aller in den Slums von Nairobi lebenden Kindern, besuchen auch ihre Kinder derzeit keine Schule, weil das Geld nicht reicht. Mwalo weiß, dass wenn es seinen Nichten und Neffen später besser gehen soll, als es ihm heute geht, dann müssen sie unbedingt eine Schule besuchen. 2) Überlege, wie sich das Leben der beschriebenen Personen durch die Mikrokredits für die Familie der beschriebenen Person und erstelle ein Schaubild (z. B. Kreislauf oder Kausalkette), welches darstellt, welche weiteren Entwicklungen durch einen Mikrokredit angestoßen werden.

5 ARBEITSBLATT 1: DIE KIBERA DISABLED GROUP In der Kibera Disabled Group haben sich körperlich behinderte Bewohner des Slumgebietes Kibera zusammengeschlossen. Leider haben gerade körperlich behinderte Menschen in Entwicklungsländern wie Kenia kaum Chancen, ein halbwegs zufriedenes Leben zu führen. An die Möglichkeit, eine reguläre Arbeit zu finden, ist nicht zu denken. Häufig werden sie auch gesellschaftlich ausgegrenzt und missachtet. Hilfsmittel wie Rollstühle, Prothesen oder Krückstöcke gibt es nicht. Weil es keine Krankenversicherung in Kenia gibt, können weder Arztbesuche noch solche Hilfsmittel bezahlt werden. Seit einem Autounfall ist der 24-jährige Sammy gehbehindert. Er ist sehr froh, dass er in der Kibera Disabled Group Hilfe gefunden hat: Endlich bin ich mit Menschen zusammen, die ähnliche Probleme haben wie ich. Mittlerweile habe ich mit den Mitgliedern der Kibera Disabled Group gute Freundschaften geschlossen. Gegenseitig geben wir und Kraft, die schwierigen Herausforderungen des Alltags zu meistern. Leider verfügt die KDG nicht über eigenes Einkommen. Hätten sie eine Chance, Geld zu verdienen, könnten sie z. B. Hilfsmittel für körperlich behinderte Menschen anschaffen oder ein Wohnheim für Behindert bauen. Als einer der wenigen Botschafter hat der deutsche Botschafter tatsächlich einmal einen Slum und sogar unsere KDG besucht. Damals hat er uns versprochen, zwei Nähmaschinen für unsere Gruppe anzuschaffen. Dieses Versprechen hat er uns vor zwei Jahren gegeben. Wir warten noch heute auf unsere Nähmaschine, erzählt Sammy enttäuscht. Freudig ergänzt er aber: Jetzt haben wir uns jedoch entschlossen, einen Mikrokredit aufzunehmen und davon eine Nähmaschine zu beschaffen. Dann können wir endlich Kleider nähen, diese verkaufen und eigens Geld verdienen.

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