Stiefkind der Enterprise-IT

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1 April 2011 Application Lifecycle Management Application Lifecycle Management inhalt Stiefkind der Enterprise-IT Seite 1 Stiefkind der Enterprise-IT Unternehmen haben beim Thema ALM noch viel Nachholbedarf. Das Thema Application Lifecycle Management (ALM) kommt in Unternehmen nach wie vor eindeutig zu kurz. Dabei belegen aktuelle Studien und Analysen, dass sich Agilität und Kosteneffizienz der Enterprise-IT mit einem klaren ALM-Konzept ganz erheblich verbessern lassen. Seite 3 Tipps für das Application Management Lesen Sie, welchen Herausforderungen sich Profis beim Application Management in der Praxis stellen müssen. In Kooperation mit: Es gibt viele Gründe dafür, dass ALM in den meisten Unternehmen allenfalls ein Kümmerdasein führt: Das Thema gehört zu den eher unliebsamen Daueraufgaben und findet gleichsam unbemerkt von Anwendern und Geschäftsleitung im Hintergrund statt. Es bringt keine schnellen Ergebnisse und verspricht deshalb auch kaum Prestigegewinn für IT-Führungskräfte. Zudem verlangt ein richtig verstandenes ALM-Konzept eine leistungsfähige Software und einen langen Atem. Denn es müssen Verständnis und Abläufe nachhaltig verändert werden am besten nicht nur in der IT, sondern im gesamten Unternehmen. Selbst bei gut geplanten und durchdachten ALM-Initiativen lassen die ersten Erfolge meist Monate bis Jahre auf sich warten. Dennoch ist ALM unerlässlich: Gerade das Fehlen eines ausgefeilten Applikations-Management führt dazu, dass ein Großteil des Tagesgeschäfts für Support, Wartung und Fehlerbehebung an der Applikationslandschaft aufgewendet werden muss. Zwar lassen sich alle diese Kosten relativ exakt beziffern. Sie gelten aber oft als unvermeidlicher Nebeneffekt einer heterogenen gewachsenen Anwendungslandschaft. Fasst man sie dagegen als direkte Folge eines unzureichenden ALM-Systems auf, ergeben sich plötzlich völlig andere Ausgangsdaten für eine Rentabilitätsberechnung: Aus diesem Blickwinkel wird ALM zum Hebel, um aus dem Teufelskreis hoher Wartungs- und Supportkosten, schlechter Anpassbarkeit und unzureichender Agilität der Applikationslandschaft auszubrechen. Mehr Produktivität durch ALM Nach einer Untersuchung des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Forrester Research lassen sich durch neue Software Development Life Cycle (SLDC) und ALM-Tools und Prozesse sowie ein verbessertes Applikations-Portfolio Management drastische Gewinne erzielen. Drei Viertel der von Forrester befragten Unternehmen gaben an, dass sich durch SLCD und ALM die Produktivität verbessern ließe, 70 Prozent glaubten, dass agile und schlanke Softwareentwicklungsmethoden wie Scrum zu erheblich besseren Ergebnissen führen und Foto: olly Fotolia.com

2 2 Application Lifecycle thema des Management briefings Um jederzeit auf Prozesse und Informationen in Echtzeit zugreifen und reagieren zu können, müssen Unternehmen ihr Anwendungsportfolio kontinuierlich an den Markanforderungen ausrichten. Jörg Limberg, Leiter HP Software in Deutschland immerhin 60 Prozent halten ein formales Portfolio-Management für einen Schlüssel zur Produktivitätssteigerung. Und Änderung tut Not, denn die IT- Verantwortlichen stellen ihren eigenen Applikationslandschaften ein bedenkliches Zeugnis aus: Mehr als die Hälfte der befragten IT-Manager beklagten Anwendungen mit veralteter Technologie, ebenso viele bemängelten, dass einzelne Applikationen nicht mehr den Anforderungen des Business genügen. Gut 40 Prozent vermeldeten ernste Schwierigkeiten bei Wartung und Anpassung ihrer Legacy-Applikationen, ebenso haben 40 Prozent der Befragten festgestellt, dass sich die Funktionen einzelner Anwendungen ganz oder teilweise mit denen anderer überschneiden. Deshalb deutet einiges darauf hin, dass im IT-Management ein Umdenken stattfindet und ALM seiner Rolle als Stiefkind der Enterprise-IT entwachsen kann: Die Ergebnisse der Studie belegen, dass ein Wendepunkt erreicht ist der Status Quo ist nicht länger akzeptabel, resümieren die Autoren der Forrester-Studie Clearing Your Path To Modern Applications And Business Agility. Vor diesem Hintergrund stellt HP die neue Version seines ALM-Systems HP ALM 11 vor. Es soll als integrierte Plattform den kompletten Prozess der Anwendungsentwicklung mit dem Anforderungs-, Entwicklungs-, Qualitäts- und Performance-Management verknüpfen. Applikationsarchitektur im Wandel ALM zielt darauf ab, die Entwicklung und den Betrieb von Applikationen effizient und geschäftsorientiert zu gestalten, sagt Jörg Limberg, Leiter von HP Software in Deutschland. Gerade die Ausrichtung an den Unternehmenszielen erfordere einen möglichst durchgängigen ALM-Ansatz. Ein umfassend und konsequent umgesetztes ALM verbessert die Abstimmung zwischen den Teams und Organisationen, während sich zugleich alle am Entwicklungs-Lifecycle Beteili- gten stets an den Geschäftsanforderungen orientieren können. Von diesem ganzheitlichen Ansatz sind fast alle Firmen noch meilenweit entfernt. So hat eine Umfrage von SIGS DATACOM ( Problem erkannt nun muss das Handeln folgen ) unter Projekt-, Team-, Entwicklungsleitern und Programmierern ergeben, dass zwar rund 64 Prozent der Befragten den Begriff ALM kennen und knapp die Hälfte (48 Prozent) ihm auch strategische Bedeutung beimessen. Aber nur traurige 16 der 90 Befragten (18 Prozent) gaben an, ALM durchgängig zu praktizieren. Der ganzheitliche Ansatz fehlt Allzu oft wird ALM auf den reinen Software-Entwicklungsprozess reduziert, sagt Jochen Flad, Applications Specialist bei HP Software. Das reiche aber nur von der Definition der Anforderungen über die Entwicklung inklusive Quellcode- und Developer-Task-Management bis zur Qualitätssicherung. Wir plädieren dafür, den Blickwinkel deutlich weiter zu fassen. Denn auf der einen Seite werde erst durch eine geschlossene Kette von der Planung über die Entwicklung bis zur Betriebsphase eine wirkliche Geschäftszielorientierung möglich. Auf der anderen Seite verleitet ein zu eng gefasster Fokus zur Silobildung, während gerade im engen Zusammenspiel der Teams erhebliche Effizienzpotenziale schlummerten. Die größten Zeitverluste und damit finanziellen Einbußen entstehen im ALM immer wieder bei der Übergabe von Aufgaben zwischen den beteiligten Teams besonders wenn sie unterschiedliche Lösungen benutzen und nicht auf gemeinsam verfügbare Projektinformationen zugreifen können, weiß HP-Experte Jochen Flad. Deshalb bringt HP mit ALM 11 jetzt eine Lösung auf den Markt, die nicht nur die Softwareentwicklung, sondern auch die Kommunikation mit vorund nachgelagerten Prozessen abdeckt etwa mit dem Projekt- und Portfolio- Management und dem IT-Service-Management. Foto: HP Deutschland

3 3 Application Lifecycle Management Neben Funktionen zur Automation und zur Unterstützung global verteilter Teams enthält HP ALM 11 projektübergreifende Dashboards, einheitliche Datenmodelle, Web-Services-Schnittstellen und erlaubt die Integration von Systemen von Drittanbietern. Unternehmen müssen ihr Anwendungsportfolio kontinuierlich an Markanforderungen ausrichten, um jederzeit auf Prozesse und Informationen in Echtzeit zugreifen und reagieren können, sagt Jörg Limberg. Dabei falle dem ALM eine zentrale Rolle zu: Die Transformation zum Realtime-Business erfordert ein Application Lifecyle Management, das die Entwicklung und den Betrieb einer effizienten und geschäftsorientierten Anwendungslandschaft ermöglicht. Von Holger Eriksdotter Champions empfehlen Tipps für Application Management Lesen Sie, welchen Herausforderungen sich die Champions im Application Management in ihrer IT-Praxis stellen müssen. Oft werden ohne Business-Case Goldrandlösungen implementiert, die viel Geld kosten, jedoch nur geringen Nutzen bringen. Torsten Laser, Service Level Manager bei der TUI InfoTec Die Anwenderunternehmen müssen sich stärker um die Pflege ihrer Applikationslandschaften kümmern. Doch das ist alles andere als trivial. Die steigende Komplexität der Infrastrukturen sowie die wachsenden Anforderungen des Business an eine bessere Unterstützung der Geschäftsprozesse machen es für die IT- Verantwortlichen nicht gerade einfacher. Nur wer sein Application Management im Griff hat, kann sich den anstehenden Aufgaben ruhigen Gewissens stellen. Die Champions der ersten Deutschen Application Management Meisterschaft 2010 beschreiben, welchen Herausforderungen sie sich gegenwärtig in ihrer Praxis stellen müssen. Von außen betrachtet wirken die Softwarelandschaften insbesondere der größeren Unternehmen oft wie undurchdringbare Dickichte. Mehrere Hunderte oder teilweise sogar Tausende Anwendungen sind dort im Einsatz und müssen gepflegt, gewartet und weiterentwickelt werden. Zwar zählen längst nicht alle Programme zu den Core-Applikationen und haben auch keinen ständigen Wartungsbedarf. Aber dafür muss bei den geschäftskritischen Softwarelösungen umso mehr Hand angelegt werden, um sie kontinuierlich den steigenden Marktanforderungen oder veränderten gesetzlichen Bestimmungen anzupassen. Angesichts der meist vielfältigen wechselseitigen Beziehungen von Anwendungen bedeutet dies, dass Modifikationen an einer Applikation zusätzliche Anpassungen an weiteren Softwareprogrammen verursachen. Michael Maicher von der Unternehmensberatung Ardour spricht hier von einem Abhängigkeitsnetz, das die Komplexität einer Applikationslandschaft prägt. Die Firmen müssen für diese Pflege und Wartung Ressourcen und Man-

4 4 Application Lifecycle Management Oft werden Goldrandlösungen implementiert, die viel Geld kosten, aber nur wenig Nutzen bringen. Power einplanen, und genau dort beginnt für die Verantwortlichen des Application Management (AM) oft das Problem. In Großunternehmen summiert sich der Aufwand in jährlichen Personentagen gerechnet auf eine sechsstellige Zahl, womit nach Ansicht von Lutz Eichler, Leiter des Anwendungs-Managements bei der R+V Versicherung, ein zentrales Problem der Praxis zutage tritt: Es fällt ungeheuer schwer, für unsere Planungen den erforderlichen Aufwand zu ermitteln, weil sich in den komplexen Beziehungsverhältnissen der Softwaresysteme unbekannte Aufwandstreiber verbergen. Es gibt verschiedene Gesundheitsstati der Applikationen, wie bei einem Fuhrpark mit unterschiedlich alten Autos und entsprechend verschiedenem Reparaturbedarf. Lutz Eichler, Leiter des Anwendungs-Managements bei der R+V Versicherung Goldrandlösungen steigern den Aufwand Eine andere Ursache sieht Eichler, Sieger des von der COMPUTERWOCHE, dem Beratungshaus Ardour Consulting, der Technischen Universität Dresden und der Denkfabrik durchgeführten Application- Management-Championship 2010, in der typischerweise unklaren Definition von Leistungserwartungen der Anwender. Niemand kann präzise formulieren, was eine hundertprozentige Leistung ist. Demzufolge bleiben die operativen Erfordernisse für die gewünschte Leistungsoptimierung und als Konsequenz die Aufwandserfordernisse immer etwas nebulös. Ähnlich argumentiert Torsten Laser, Service Level Manager bei der TUI Info- Tec, wenn er ein mangelndes Requirement Engineering in der Wartung und Pflege von Applikationen beklagt. Oft werden ohne Business-Case Goldrandlösungen implementiert, die viel Geld kosten, jedoch nur geringen Nutzen bringen. Damit erhielten sich die Programmierabteilungen ihre eigene Existenzberechtigung, das wirtschaftliche Management einer Applikation werde jedoch deutlich erschwert, so der Drittplatzierte im Application-Management-Wettbewerb. Deshalb träumt AM-Spezialist Eichler von einer Kalkulationsformel für die Wartung und Optimierung von Applikationen, um sich nicht mehr allein auf Erfahrungswerte sowie Daumenpeilungen verlassen zu müssen und auch um besser gesicherte Antworten auf die immer wieder gestellte Frage geben zu können: Warum steigen die Wartungsaufwände für bestimmte Anwendungen ständig? Letztlich verbirgt sich für ihn hinter diesem Wunschinstrument die Zielsetzung, den Ressourceneinsatz besser steuern zu können und damit eine höhere Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Outsourcing muss wohl überlegt sein Ardour-Geschäftsführer Maicher warnt in diesem Zusammenhang allerdings davor, durch eine unüberlegte oder übereilte Auslagerung der Anwendungen in eine Qualitätsfalle zu laufen. Schließlich entscheiden die Applikationen darüber, wie gut oder schlecht Geschäftsprozesse im Unternehmen unterstützt werden. Das zunehmende Outsourcing von Application-Management-Leistungen berück-

5 5 Application Lifecycle Management Es wird kein strategisches Application Management betrieben. Impressum CIO Executive Briefing ist ein Produkt der Strategic Marketing Services (SMS), IDG Business Media GmbH Lyonel-Feininger-Straße München Geschäftsführer: York von Heimburg Verlagsleitung: Michael Beilfuß Gesamtanzeigenleitung: Sebastian Wörle (verantwortlich) Tel: Fax: Leitung SMS: Karl-Heinz Piotrowski Redaktion: Andreas Schmitz (V.i.S.d.P.), Katharina Friedmann Layout/Gestaltung: Claudia Wolff Copyright IDG Business Media GmbH 2011 sichtigt oftmals zu stark den Kostenaspekt und weniger die strategische Bedeutung einer optimalen Wartung beziehungsweise Weiterentwicklung einer Applikation und damit indirekt der Geschäftsprozesse, berichtet er aus seinen Praxiserfahrungen. Welche Mammutaufgabe daraus abzuleiten ist, weiß Maicher aus seinen Beratungsprojekten. Als Kernproblem sieht er, dass Daten- und Geschäftsobjekte ihrerseits quer zu Applikationen und damit zur Organisation liegen. Daher ist eine bereichsübergreifende und unternehmensweite Verantwortung von Geschäftsprozessen, Applikationen und Daten schwierig zu gestalten, weil die organisatorischen Verantwortlichkeiten schnell zu einer hohen Komplexität in der Praxis führen oder fachliche Querbezüge in der Aufbauorganisation umfangreiche Abstimmungsaktivitäten und damit Aufwand erzeugen. Altanwendungen fressen zu viele Ressourcen Doch damit enden die aktuell drängenden Themen im Application Management noch längst nicht. Kopfzerbrechen bereitet den IT-Verantwortlichen etwa die ungeklärte Frage, wie mit den Altanwendungen sinnvoll umzugehen ist. Es wird kein strategisches Application Management betrieben, klärt Torsten Laser aus seiner Sicht auf. Beispielsweise fehlt es an ausreichenden Plänen für die Ablösung von Alt-Applikationen, Migrationen auf neue Datenbank-Versionen oder Architekturanpassungen. Dies führt nach Ansicht von Eichler zu einer sehr heterogenen Situation mit verschiedenen Gesundheitsstati der Applikationen. Wie bei einem Fuhrpark mit unterschiedlich alten Autos und entsprechend verschiedenem Reparaturbedarf, zieht er einen Vergleich heran. Auf fast zehn Prozent schätzt er den Anteil der Altanwendungen, die bei jedem kleinen Release-Wechsel Arbeit machen, weil sie Pflegeaufwände und Tests erfordern. Aber einfach abschalten könne man die Applikationen gerade im Versicherungsgewerbe nicht, weil Daten vielfach in den Anwendungen und nicht in Datenbanken gespeichert sind. Aus Gründen der GDPdU-Anforderungen muss jedoch jederzeit ein Zugriff darauf möglich sein. Kein harmonischer Lifecycle der Applikationen Andere Problemthemen im Application Management betreffen den Übergang von Neuentwicklungen in den laufenden Betrieb. Nach der Einschätzung von Laser besteht vielfach kein optimales Sizing. So fehle es beispielsweise an einer angemessenen Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten. Außerdem lasse die Performance und Skalierbarkeit oft zu wünschen übrig, weshalb die Robustheit gegenüber infrastrukturellen Schwächen mitunter nicht gegeben ist. Als typische Schwachstelle hat der AM- Spezialist von TUI InfoTec aber auch das Test-Management ausgemacht. Er kritisiert, dass die Testzeiträume häufig letzten Entwicklungsschritten geopfert werden und sich in den Engineering-Abteilungen immer mehr die Auffassung durchsetze, das Testing in den Produktionsbetrieb zu verlagern. Diese Zeiten sind angesichts der zunehmend geforderten 24/7-Verfügbarkeit von Applikationen jedoch vorbei, kritisiert er und fordert als Konsequenz ein Prozessmodell für das Managed Testing. Auf einen anderen problematischen Aspekt für die Praxis des Zusammenspiels der unterschiedlichen Verantwortungsbereiche innerhalb des Lifecycles von Applikationen verweist Eichler: die Organisation des Know-how-Transfers zwischen Anwendungs-Management, Entwicklungsbereichen und Infrastruktureinheiten. Was es dort an Schwierigkeiten gibt, hat für Maicher zudem mit einem zwar wirkungsstarken, aber leicht vermeidbaren Thema zu tun: Nicht selten wird aus Budgetgründen an den Dokumentationen der Applikationen gespart, was im Betrieb zu ungeplanten Mehraufwänden führt. Von Martin Bayer

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