-: -a - Gaiizheitliclie Vorbereitung auf den Arztheruf Erjkhrimgeii rrr it der Reform cles!~ecli~i~~~~~ctirllrrs

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1 9Lv Siirdirr Miiiuj INLAND Montag, Nr ! Gaiizheitliclie Vorbereitung auf den Arztheruf Erjkhrimgeii rrr it der Reform cles!~ecli~i~~~~~ctirllrrs Von Paul Imbuch * - Das Medi:insiudiiim wird in der Schweiz sclzrittweise neil gestaltet. Die Tendenz geht duhin, die Aiisbildung mehr nnch Thenien (Probleinen) als nudi Fücheni zu gliedern, der Gruppenurheit und dem Selbststudiuni einen wichtigen Platz einzur-üiimen und neben den erforderlichen Kenntnissen die berirflich releiwnten Fiihigkeiten aigzuwerten. Der folgend; Beitrug zieht eine Zwischenbilan~ er Reform an der Universitiit Basel. Die Ärzteausbildung in der Schweiz und die entsprechende Gesetzgebung auf Bundesebene befinden sich im Umbruch. An den fünf Medizinischen Fakultaten werden Teile des sechsjährigen Studienganges (Curriculuni) in reformierter Form nach den Bestimmungen der von den eidgenössischen Behörden bewilligten «Expenmentierphase» erprobt. In Genf und Lausanne werden der 2. und der 3. Jahreskurs, in Bern der I. und der 2., in Basel der 3. und der 4. und in Zurich bestimmte Elemente in verschiedenen Jahreskursen in neuen Lehr- und Prüfungsfoniieii durchgeführt. Noch nicht gesanitschweizerisch vereinheitlicht sind Leliritilialte und Lernziele, an welchen jetzt auch eine Kommission der Scliweizerischen Medizinischen Tiiterfakultats-Konferenz arbeitet. Der Abschluss des Medizinstudiuiiis (5. und 6. Jahreskurs) muss wegen der Ausrichtung auf das noch geltende eidgenössische Staatsexamen nicht grundsätzlich refonriiert werden. hlelir Vcriiiitn.ortriiig iiiid Koniriiriiiikîilioii Die Reforin verändert die Rolle der Studieren- den wie auch die der Dozierenden. Das Medizinstudiuni vermittelt weiterhin ein praktisches und intellektuelles Rüstzeug fur die spätere ärztliche Tätigkeit. Die Ausbildung bereitet auf die fachlichen, menschlichen und ökoiioniisclien Berufsanforderungen vor. Neu werden neheii Wissen auch Fertigkeiten und Verhaltensweisen des künftigen Arztes nicht nur vermittelt, sondern auch gepruft. Wissensiiiässig hat die Universität das Studium auf medizinische Grundlagenforschung aufzubauen. Ziel ist auch die Befahiguiig zum lebenslangen Lernen. Aus studentischer Sicht ist deshalb ein anonymes Studieren nicht mehr möglich. Der Lernende steht in Interaktion iiiit Mitlernenden unter Anleitung von Dozierenden. Die Rolle des Studierenden ist geprägt durch Eigeninitiative und Mitwirkung in der Gruppe. Teamfahigkeit und Koinniunikation sind von Studienheginn an gefordert. Fertigkeiten und Fahigkeiten (Gesprachsfuhrung, Einsatz von elektronischen Medien, wissenschaftliches Englisch, spater Untersuchungstechniken, therapeutische Methoden, systematische Beurteilung von Fakten) erwerben 8- H n u- I v -3 -: -a - - m a O 3000 Neue Zürcher Zeitung AG Blatt I

2 31riii 3ürdw Aiiiiig INLAND Montag, Nr i sich die studierenden alleine, zu zweit oder in der Gruppe, in Kursen, an Modellen und in Laboratorien, spiiter beim Kranken in Spital und Praxis. Auf der Seite des Dozierenden setzen die neueii Lehrfoniien und die Interaktion mit dem Studierenden didaktische Aus- und Fortbildung und die kontrollierte Delegation von bestimmten Lehrinhalten an Mitarbeiter voraus. Die dauernde Anpassung und gegenseitige Abstimmung der Lehrtiitigkeit mit anderen Fachdozenten ist unumgänglich. Die wicseiiscliaftliclien Grundlagen werden entweder weiterhin in Vorlesungen oder durch systematische Beratung vermittelt (angeleitetes Selbststudium). Tlieriieii- iiiid praxisoriciiticrt Seit Herbst 1998 durchgeht der Medizinstudent in Basel im reformierten 3. und 4. Jahreskurs themenorientierte Blöcke, zum Beispiel Herflreislauf, Psyche, Ethik, Blut/Onkologie. Jeweils vormittags besucht er eine Konzeptvorlesung, erhält dort eine Übersicht und bekommt Motivation sowie Hinweise zu Lernziel, Literatur, Iiiternet-Studium und Examensanforderungen. Dem Thema ist mehrheitlich ein problemorientiertes Tutorat zugeordnet: Sieben bis neun Studierende und ein ausgebildeter TutorDozent analysieren wahrend einer Stunde das gestellte Problem und verteilen die (Haus-)Aufgaben unter sich. Während einer zweiten Stunde trifft sich die Gruppe mit dem Tutor zur Erarbeitung einer Synthese, die dann im Hörsaal präsentiert wird in Anwesenheit von verschiedenen Dozenten. In der Zwischenzeit finden themeiispezifisclie Vorlesungen und Kurse von Fachspezialisten (Pathologie, Geriatrie, Padiatrie, Ökonomie u. a.) statt. Ein Vormittag und ein Nachmittag pro Woche sind dem angeleiteten Selbststudium vorbehalten. Die praxisorientierten Nachmittage umfassen Kurse, Seminare, Gesprachsfuhrung. Arzt-Patienten-Unterricht am Krankenbett und die Basler Spezialitat des Einzeltiitorats: Der Student geht als Lehrling zum Lehrmeister, einem Arzt, in die Praxis - wahrend zweier Jahre insgesamt an 28 Nachmittagen. K~%dis;tisclir I riifiiiigcil Der Wissenserwerb wird mit zwei bis drei schriftlichen Frageprüfuiigeii (multiple choice questions) pro Jahr geprüft. Für Fertigkeiten und ärztliche Verhaltensweisen testen sich die Studierenden mit der OSCE (objective structured clinical examination), einer Art Postenlauf init zwdf Aufgaben, die der Kandidat während je zehn Minuten zu lösen hat. Zwei Ärzte als eidgenössische Experten fulleri dabei stumm eine vorbereitete Checkliste aus. Für die Posten wurden über 20 simulierte Patienten und über 40 Statisten ausgebildet. Auf einem Posten beispielsweise bat eine Frau (ehemalige Schauspielerin) den Arzt (Kandidaten) inständig, ihren Mann mit Krebsleiden nicht darüber zu informieren. Der Arzt (Kandidat) hatte (wie gelernt) die Frau vom Vorzug von Offenheit und Ehrlichkeit gegenüber dem Patienten zu überzeugen. Zusammen mit anderen Examina und Lemberichten wird der Lernfortschritt mit insgesamt 60 Kreditpunkten pro Jahr honoriert. Wird die Punktezahl nicht erreicht, riiüssen einzelne Prüfungen oder muss der ganze Jahreskurs wiederholt werden. Iiii Studienjahr 1999/2000 erreichten 13 von 109 Kandidaten die Punktezahl nicht. - Alle Unterrichtsformen werden systematisch waluiert. Die Evaluation der ersten zwei durchgeführten Jahre nach neuem Muster deckte viele Unzulänglichkeiten auf, und die Evaluationsrnethode selbst war noch unbefriedigend. Die O 2000 Neue Zurcher Zeitung AG Blatt 2

3 !hic 3Ürdicr,%it II iuj INLAND Montag, Nr :j Studierenden wollen insbesondere Elemente wie das Einzeltutorat oder die OSCE-Prüfung nicht mehr missen. Adriiiiiitig HLI~ di~s ~~rkiitiis~l~ Stiidiurii Die gruiidsitzlich gute Aufnahme der Reform widerspiegelte sich darin. dass die Medizinische Fakultät mit grosser Mehrheit das Reform- Programm auch fur den 1. und den 2. Jahreskurs guthiess. Die von den unterschiedlichen Mittelschulen koiiinienden Studienanfinger besuchen zunlchst einen Einfiihruiigsblock. Er besteht aus Lehrveranstaltungen in den nattirwisseiischaftlichen Grundlagenfichern (Physik, Chemie und Biologie) und aus Nachiiiittagen fur Themen wie die medizinischen Berufe und die Studiengrundlagen (wissenschaftliches Arbeiten, Scientific English, Einsatz des elektronischen Leniens, Biostatistik usw.). Fruhzeitig folgen Examina, in denen der Studierende seine persönlichen Eignungen und Vorkenntnisse eriiuttelt. Anschliessend an den Eiiifuliiuiigsblock heginiit das eigentliche Medizinstudium mit vertikal und horizontal venietzten und sich ergänzenden Modulen wie Molekule/Zelle/Gewebe, Genetik, «Angriff und Abwehr» (Mikrobiologie, Virologie, Parasitologie, Toxikologie, Pharmakologie, Iriimunologie...), Embryologie und allgemeine Anatomie. Neben dem quantitativ grösseren Block der Biologie wird parallel der neue Block Humanwisseriscliafteii eingefuhrt (Public Health, Humanökologie, psychosoziale Medizin, Soziologie, Psychologie und Geschichte der Medizin sowie Gesprächsfiiliruiig). Aufgelockert wird der Wochenplan durch Thementage, die die ganzheitliche ärztliche Sicht und die Versorgung betonen. Im 2. Jahreskurs werden die bisherigen ficherorientierten Lehrinhalte der Biochemie, Physiolo- gie und Anatoniie/Histologie in Themenhlöckeii vertikal und horizontal integriert vermittelt. Hier geht es um die Gesundheit des Menschen, im Jahreskurs um die Krankheiten. Wie im reformierten 3./4. Jahreskurs werden neue Lehrund Lernformen angewandt. Die Forschungsausrichtung wird erworben, indem der Studierende ein wissenschaftlicheu Projekt als Gruppeiiarbeit uber längere Zeit erarbeitet. Dieses projektorientierte Lernen iiiüiidet in zwei «Kongress»-Tage am Ende des I. Jahreskurses, an welchen die Studierenden ihre Arbeit und die Dozierenden ihre eigenen Forschungsprojekte prisentieren. Bedarf aii Riiuiiicii uiid Eitiriclituiigvii Die neuen Lelirforiiieii erfordern neben Hörsälen Räume für Tutorate, Selbststudium und Prüfungen (OSCE-Postenlauf). Vorerst konnten in einem Novartis-Gebaude didaktisch und elektronisch optimal ausgerüstete Raume 15 Gehminuten von der Universität und der Klinik entfernt eingerichtet werden. Langeríristig sind Raume und Einrichtungen im Zentrum der Kliniken notwendig. Bei sinkender Anzahl von hospitalisierten Patienten und kürzerer Aufenthaltsdauer erfordert der Praxisbezug den Einbezug von peripheren Spitälern als Lehrkrankenhauser und von Arztpraxen. Das Erlernen von Untersuchungstecliiiiken, besonders jene in heiklen Gebieten (wie Gynäkologie oder Prostatapalpation) wird heute in1 «Skillslah» an Phantomen geübt, was ari unserer Fakultät noch fehlt. Die gesamte Stiidienreforiii zeigt auf, wie die bislier erstklassige Medizinerausbildung in der Schweiz anpassuiigsbediirftig ist und wie alle Medizinischen Fakultäten und die politischen Instanzen daraii sind, die Chance zum Fortschritt nicht zu verpassen. O 2000 Neue Zürcher Zeitung AG Blatt 3

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