PSYCHOTISCHE STÖRUNGEN FRÜH ERKENNEN. Prof. Dr. med. Anita Riecher-Rössler Zentrum für Gender Research und Früherkennung Kornhausgasse 7

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1 PSYCHOTISCHE STÖRUNGEN FRÜH ERKENNEN Prof. Dr. med. Anita Riecher-Rössler Zentrum für Gender Research und Früherkennung Kornhausgasse 7 1

2 ÜBERSICHT 1. Was sind schizophrene Psychosen? 2. Wie entstehen sie? 3. Wie kann man sie früh erkennen? 4. Warum sollte man sie früh erkennen? 2

3 Hilfe finden Sie unter: 1.Was sind schizophrene Psychosen? 3

4 4

5 SYMPTOME PRODUKTIVSYMPTOME Wahn: Objektiv falsche, aus krankhafter Ursache entstehende Überzeugung, die trotz vernünftiger Gegengründe mit Gewissheit aufrechterhalten wird Halluzinationen: Sinnestäuschungen ohne reales Wahrnehmungsobjekt; Ich-Störungen: Denken, Wollen, Handeln werden als von aussen gemacht erlebt Defizitsymptome Verminderung des Antriebs und der Energie, der Konzentration, der Gefühle, der Sprache und der Kontaktfähigkeit 5

6 SCHIZOPHRENE PSYCHOSEN Schizophrene Psychosen sind häufig: 1 bis 2 von Menschen erkranken pro Jahr Schizophrenie beginnt meist in jungen Jahren: Bei Männern im Durchschnitt Anfang 20 Bei Frauen im Durchschnitt Ende 20 6

7 2. WIE ENTSTEHEN SCHIZOPHRENE PSYCHOSEN? 7

8 URSACHEN Erbliche Belastung Komplikationen in Schwangerschaft und bei Geburt Andere? minimale Hirnentwicklungsstörungen minimale Auffälligkeiten des Gehirns in Struktur und Funktion 8

9 VULNERABILITÄTS-STRESS-MODELL Stressoren Vulnerabilität Psychotische Episode Schutzfaktoren 9

10 STRESSOREN 10

11 WEITERE PSYCHOSEAUSLÖSER Amphetamine Kokain Halluzinogene PCP (Phencyclidin) Cannabinoide (- Alkohol) Zauberpilze (LSD) Kokain Speed (Amphetamin) Hanf (Cannabis) 11

12 G E S U N D 12

13 A K U T E P S Y C H O S E 13

14 3. WIE KANN MAN SCHIZOPHRENE PSYCHOSEN FRÜH ERKENNEN? 14

15 DIE BEGINNENDE ERKRANKUNG Im Mittel 4 bis 5 Jahre vor erster Klinikaufnahme: Erste unspezifische Beschwerden wie Energie- und Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen, Angst, Misstrauen, sozialer Rückzug "Knick in der Lebenslinie«(Rolle in Beruf, Partnerschaft und Familie kann nicht mehr erfüllt werden) Im Mittel 2 Jahre vor erster Klinikaufnahme: Erste spezifisch psychotische Symptomatik wie Wahn, Halluzinationen oder Ich-Störungen 15

16 MÖGLICHE FRÜHZEICHEN DER PSYCHOSE (1) Veränderungen des Wesens Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit Erhöhte Sensibilität, Überempfindlichkeit, Irritierbarkeit Schlafstörungen, Appetitlosigkeit Selbstvernachlässigung Plötzlicher Mangel an Interesse, Initiative, Energie, Antrieb Veränderungen der Gefühle Depression, verflachte Gefühle oder stark Stimmungsschwankungen Ängste, vor allem Angst, geschädigt/bedroht zu werden Veränderungen der Leistungsfähigkeit Geringe Belastbarkeit, v.a. bei Stress Konzentrationsstörungen, erhöhte Ablenkbarkeit Leistungsknick 16

17 MÖGLICHE FRÜHZEICHEN DER PSYCHOSE (2) Veränderungen im sozialen Bereich Misstrauen Sozialer Rückzug, Isolation Probleme in Beziehungen Veränderungen der Interessen Plötzliche Interessen, z.b. für Religiöses oder übernatürliche Dinge, Magie etc. Veränderungen der Wahrnehmung und des Erlebens Eigentümliche Vorstellungen, ungewöhnliches Erleben Ungewöhnliche Wahrnehmungen (z.b. Intensivierung oder Veränderung von Geräuschen oder Farben, Gefühl, man selbst oder die Umgebung sei verändert) Eigenbeziehungen (bezieht alles auf sich) Gefühl, beobachtet zu werden Beeinflussungserleben (Gefühl, andere können auf mich oder meine Gedanken Zugriff nehmen, mich kontrollieren, steuern) Ungewöhnliches hören oder sehen (wenn niemand/nichts da ist) 17

18 4. WARUM SOLLTE MAN SCHIZOPHRENE PSYCHOSEN FRÜH ERKENNEN? 18

19 PSYCHOSOZIALE FOLGEN "Knick in der Lebenslinie" Psychische Entwicklung Selbstwert/Selbstvertrauen Leistung Ausbildung, Arbeitsplatz Beziehung Partnerschaft Familie Freunde Finanzen Einkommen Wohnen Sozialverhalten Gewalt/Kriminalität Drogen-/Alkoholmissbrauch 19

20 JE SPÄTER BEHANDELT WIRD, DESTO schlechter der Krankheitsverlauf eher bleiben Symptome höher die nötige Medikamentendosis geringere Behandlungsbereitschaft stärkere Verschlechterung der Konzentration und Leistungsfähigkeit eher Verlust der grauen Hirnsubstanz? 20

21 VOM RISIKOSTATUS BIS ZUR PSYCHOSE: WEITERER VERLUST VON GRAUER HIRNSUBSTANZ? Borgwardt S, McGuire P, Aston J, Gschwandtner U, Pflüger M, Stieglitz R, Radue E, Riecher- Rössler A (2008): Schizophrenia Research 106:

22 JE SPÄTER BEHANDELT WIRD, DESTO häufigere Krankenhausaufenthalte stärkere Belastung für Familie höhere Behandlungskosten höheres Risiko für Depression, Suizid, Alkohol, Drogen, Delinquenz stärkere Beeinträchtigung der psychologischen, sozialen und beruflichen Entwicklung Lebensqualität 22

23 URSACHEN DER VERZÖGERUNG VON DIAGNOSE UND THERAPIE Atypischer Beginn Misstrauen Krankheitseinsicht Inadäquate Hilfesuche Stigma/Vorurteile Verleugnung durch Therapeuten 23

24 Basler Zentrum für Früherkennung und Frühbehandlung an der Psychiatrischen Universitätspoliklinik der UPK Basel Information Beratung Frühdiagnostik Behandlung 24

25 ZIELE DER FRÜHERKENNUNG Früherkennung einer klaren Psychose d.h. Diagnose schon ( z.t. lange) vor bestehender Erst - erkrankung Ausschluss anderer Erkrankungen Frühe, zuverlässige Einschätzung des Risikos für Psychose 25

26 ZIELE DER FRÜHERKENNUNG Früherkennung einer klaren Psychose Ausschluss anderer Erkrankungen Frühe, zuverlässige Einschätzung des Risikos Patienteninformation und -aufklärung Behandlung und Betreuung (unterstützende Psychotherapie, Stressabbau, Schlafregulierung, evtl. Sozialarbeit ) Überwachung der Krankheitsentwicklung Sofortige spezifische Behandlung mit anti-psychotischen Medikamenten bei psychotischer Dekompensation 26

27 NUR FACHLEUTE KÖNNEN RICHTIG HELFEN 27

28 28

29 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Gesundheitszentrum Psychiatrie Kornhausgasse Basel 29

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