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1 Prof. Dr. Matthias Schmidt Institut für Unternehmensrechnung, Finanzierung und Besteuerung Professur für BWL, insbesondere Externe Unternehmensrechnung h und dwirtschaftsprüfung It Internationale ti Rechnungslegung Vorlesung Sommersemester 2011 Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Konzernrechnungslegung 1

2 Gliederung Inhaltsübersicht 1. Grundlagen der Internationalen Rechnungslegung 2. Ausgewählte Bilanzierungsaspekte nach IFRS 3. Grundlagen der Konsolidierung 4. Weitere Berichterstattung Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 2

3 Gliederung 3. Grundlagen der Konsolidierung 3.1 Aufgaben der Konzernrechnungslegung und Konsolidierungskreis 3.2 Vollkonsolidierung Kapitalkonsolidierung und Goodwill 3.3 Weitere Maßnahmen im Stufenkonzept Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 3

4 3.1 Aufgaben der Konzernrechnungslegung und Konsolidierungskreis Die Brosche AG hat 100 %-Beteiligungen an der Sinoweit AG und an der Chonky Corp. erworben. Stimmrecht- und Kapitalanteil stimmen überein. Chonky beliefert die Sinoweit zu einem konzernüblichen Preis. Der Umsatz der Chonky beträgt umgerechnet 100 Mio. aus dem Geschäften mit der Sinoweit. Die Chonky hat eine Fremdkapitalquote von 95 %. Die Sinoweit kooperiert bei der Forschung und Entwicklung mit der Brosche AG. Die Ergebnisse der F&E-Tätigkeit werden von der Sinoweit an die Brosche verkauft. Welche Auswirkungen haben die geschilderten Transaktionen auf die Einzelabschlüsse von Sinoweit, Brosche und Chonky? Welche Probleme/Fragen drängen sich auf?! (c) Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 4

5 3.1 Aufgaben der Konzernrechnungslegung und Konsolidierungskreis Im Konzernabschluss wird wirtschaftliche Einheit fingiert, obwohl rechtliche Eigenständigkeit besteht Vermögen und Schulden aller Unternehmen des Konzerns sind in einem Abschluss zusätzlich zu den Einzelabschlüssen; der KA ergänzt den EA der Muttergesellschaft Es wird einheitlich im Konzernabschluss bilanziert Zwischengeschäfte, und damit auch Zwischenerfolge, sowie interne Schuldverhältnisse werden eliminiert: Konsolidierung Ziel: Verbesserte Information über die tatsächlichen Verhältnisse (c) Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 5

6 3.1 Aufgaben der Konzernrechnungslegung und Konsolidierungskreis Der Konzern als (fingiertes) Einzelunternehmen. (1).kann sich nicht an sich selbst beteiligen, wie drückt sich das aus in der Summenbilanz an sich selbst beteiligt sein? (2).kann sich selbst keinen Kredit geben, wie drückt sich das aus in der Summenbilanz sich selbst einen Kredit geben? wie in der Summen-GuV? (3)..kann sich selbst nichts verkaufen. wie drückt sich das aus in der Summenbilanz sich selbst etwas verkaufen? wie in der Summen-GuV? Prof. Dr. Matthias Schmidt 6

7 3.1 Aufgaben der Konzernrechnungslegung und Konsolidierungskreis Ausgangspunkt der IFRS: Stimmrechtsanteil i.h.v. > 50% * 50% * 20 bis 50% * < 20% * Widerlegbare Vermutung control joint control significant influence./. Tochter- Gemeinschafts- Assoziierte Beteiligungsunternehmen unternehmen Unternehmen unternehmen Vollkonsolidierung mit Minderheitenausweis (IAS 27; SIC-12) * in der Regel (s.o.) Quoten- oder Equity- Konsolidierung (IAS 31) Equity- Konsolidierung (IAS 28) beizulegender Zeitwert ggf. Anschaffungs- kosten (IAS 39) (c) Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 7

8 3.1 Aufgaben der Konzernrechnungslegung und Konsolidierungskreis Das Stufenkonzept: Beteiligungen Assoziierte Unternehmen Gemeinschaftsunternehmen Tochterunternehmen MU (c) Prof. Dr. Matthias Schmidt 8

9 3.1 Aufgaben der Konzernrechnungslegung und Konsolidierungskreis Tochterunternehmen? Das Problem der Stimmrechtzurechnung Wer ist Tochterunternehmen? - M ist an T mit 60% beteiligt, T ist an E mit 60% beteiligt - M ist an T1 mit 80% und an T2 mit 20%, T1 ist an E mit 49%, T2 ist an E mit 51% beteiligt - M ist an T1 mit 80% und an T2 mit 60% beteiligt, T1 und T2 sind jeweils mit 40% an E beteiligt Prof. Dr. Matthias Schmidt 9

10 3.1 Aufgaben der Konzernrechnungslegung und Konsolidierungskreis Control-Konzept MU besitzt die Möglichkeit zur Beherrschung mindestens eines TU Beherrschung g( (control) Fähigkeit, die Finanz- und Geschäftspolitik eines Unternehmens zu bestimmen, um Nutzen aus der Tätigkeit dieses Unternehmens zu ziehen Fallgruppen der Beherrschung nach IAS Aufstellungspflicht gp eines Konzernabschlusses Ausnahme Befreiung Prof. Dr. Matthias Schmidt 10

11 3.1 Aufgaben der Konzernrechnungslegung und Konsolidierungskreis Fll Fallgruppen der Beherrschung Bh h nicht abschließend Widerlegbare Vermutung MU gehören direkt oder indirekt über TU die Mehrheit der Stimmrechte an einem Unternehmen Widerlegung bei Nachweis, dass der Besitz von mehr als 50 % der Stimmrechte eines Unternehmens keinen beherrschenden Einfluss begründet Unwiderlegbare Vermutung MU gehören höchstens die Hälfte der Stimmrechte und die MU kann die Mehrheit der Stimmrechte durch Vereinbarung mit anderen An- teilseignern i ausüben kann durch Vereinbarung oder Satzung die Finanz- und Geschäftspolitik eines Unternehmens bestimmen kann die Mehrheit der Mitglieder des Verwaltungs- oder Leitungsorgans be- stellen oder abberufen kann bei Versammlungen des Verwaltungs- oder Leitungsorgans die Mehrheit der Stimmrechte abgeben Prof. Dr. Matthias Schmidt 11

12 3.1 Aufgaben der Konzernrechnungslegung und Konsolidierungskreis Geschäftsbericht Lufthansa AG 2007, IFRS, S. 119 f.

13 Gliederung 3. Grundlagen der Konsolidierung 3.1 Aufgaben der Konzernrechnungslegung und Konsolidierungskreis 3.2 Vollkonsolidierung Kapitalkonsolidierung und Goodwill 3.3 Weitere Maßnahmen im Stufenkonzept Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 13

14 Das Stufenkonzept: Einbeziehungsmethoden Tochterunternehmen Gemeinschaftsunternehm en Assoziierte Unternehmen Beteiligungen Beizulegender Zeitwert od. AK Equity- Methode Quoten- konsolidierung (c) Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung Vollkonsolidierung mit Minderheitenausweis Stimmrechtsanteil 14

15 Vollkonsolidierung: lidi Übernahme aller VG und Schulden aller TU HB II MU HB II TU Summenbilanz SAV EK SAV EK (80) SAV EK Beteil. (100) FK UV FK SAV Beteil. (100) EK (80) UV Kaufpreis 100 EK 80 UV FK UV FK (c) Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 15

16 Vollkonsolidierung: lidi Übernahme aller VG und Schulden aller TU Korrektur Summenbilanz Konzernbilanz SAV EK SAV EK SAV SAV Beteil. (100) UV UV EK UBaKK* (80) 20 FK FK Kaufpreis 100 EK 80 UV UV FK FK *Unterschiedsbetrag aus Kapitalkonsolidierung (c) Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 16

17 Fallbeispiel Kapitalkonsolidierung Fallstudie: 80% Beteiligung, stille Reserven von 200 Position Bilanz MU Bilanz TU zu BW Bilanz TU zu ZW Aktiva Sonstige Aktiva Ausgleichsposten Goodwill Beteiligung BS Passiva Eigenkapital Minderheitenanteile Neubewertungsdifferenz 200 Verbindlichkeiten BS Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung

18 Fallbeispiel Kapitalkonsolidierung Fallstudie: 80% Beteiligung, stille Reserven von 200 Vollaufdeckung stiller Reserven nach IFRS 3 Position Bilanz MU Bilanz TU zu BW Konsolidierung Summenbilanz Konzernbilanz Aktiva Soll Haben Sonstige Aktiva (2a) (3b) Ausgleichsposten 280 (1) 160 (2a) 120 (2b) Goodwill 120 (2b) 120 Beteiligung (1) BS Passiva Eigenkapital (1) 180 (3a) Minderheitenanteile 180 (3a) (3b) Neubewertungsdifferenz Verbindlichkeiten BS Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung

19 Goodwill aus Kapitalkonsolidierung: das Problem der Purchase-Price-Allocation Price (PPA): Andere Ansatzkriterien für übernommene immaterielle Vermögenswerte: 1. Erfüllen der Definitionskriterien a) Identifizierbarkeit (neu definiert): aa) Separierbarkeit, oder ab) Sicherung durch vertraglichen oder gesetzlichen Anspruch b) Kontrolle c) Zufluss uss künftiger Nutzen 2. Erfüllen der Ansatzkriterien a) Wahrscheinlichkeit des Nutzenzuflusses wird unterstellt (nicht mehr zu prüfen) b) Verlässliche Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts: wird widerlegbar vermutet Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 19

20 Purchase-Price-Allocation Price (PPA): Bewertung des übernommenen Reinvermögens Durchführung der PPA Identifizierung immaterieller Vermögenswerte Katalog Immaterieller Werte nach IFRS 3 (Illustrative Examples) Marketingbezogene immaterielle Vermögenswerte (z.b. Markenzeichen, Handelsnamen, Servicemarken, Zertifizierungsmarken, i Wettbewerbseinschränkungen) b Kundenbezogene immaterielle Vermögenswerte (z.b. Kundenlisten, Auftrags- und Produktionsbestände) In Verbindung mit künstlerischen Aktivitäten stehende immaterielle Vermögenswerte ( z.b. Bilder, Videos, TV-Rechte, Zeitschriften, Bücher, Musik) Vertragsbasierte immaterielle Vermögenswerte (z.b. Lizenzen, Werbeverträge, Serviceverträge, Leasingvereinbarungen, Baugenehmigungen, Franchising, Bohrrechte) Technologiebasierte immaterielle Vermögenswerte (z.b. Patente, Software, Datenbanken, Handelsgeheimnisse, spezielle Fertigungsprozesse) Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 20

21 Feststellung DPR, Publikation im Bundesanzeiger, : Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 21

22 Geschäftsbericht Bayer AG, Übernahme von Schering 2006: Prof. Dr. Matthias Schmidt Konzernrechnungslegung 22

23 Geschäftsbericht Bayer AG, Übernahme von Schering 2006: Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 23

24 Goodwill nach IFRS IFRS (und US-GAAP) früher: auch Aktivierung und lineare Abschreibung über max. 20 (bzw. 40) Jahre Regelung jetzt: IFRS 3.51 und SFAS 142: Impairmentonly-Approach, d.h. keine planmäßige Abschreibung mehr; Abschreibung nur noch außerplanmäßig Impairment des Goodwill nach IFRS ergibt sich aus IAS 36 (Verweis in IFRS 3.54) Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 24

25 Grundidee des Impairment-only Ansatzes gem. IAS 36 Abschreibung FW, wenn erlösbarer Betrag kleiner Buchwert Erlösbarer Betrag: Verfahren zur Messung erwarteter Einzahlungsüberschüsse Goodwill Allocation: Verteilung des Goodwill auf operative Geschäftseinheiten h i (Cash Generating Units, CGU) Dokumentation wesentlicher Größen, die FW einer CGU bestimmen; Bestimmung des Verfahrens zur Festlegung von Impairment (z.b. DCF) für eine CGU; erstmaliger Test auf Wertadäquanz Indikatorenüberprüfung am Jahresende Impairment Test: Vergleich erlösbarer Betrag und Buchwert für jede CGU jedes Jahr Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 25

26 Goodwill-Allokation auf CGU: Beispiel Deutsche Post AG, 2007: Prof. Dr. Matthias Internationale Rechnungslegung 26 Prof. Schmidt Dr. Matthias Schmidt Konzernrechnungslegung 26

27 Beispiel Goodwillfortführung f in der Folgekonsolidierung: l Unternehmen 1 erwirbt Unternehmen 2 zu einem Preis von Wert der Vermögenswerte von 2: ; bezahlte stille Reserven: ; Wert der Schulden von 2 (inkl. stiller Lasten): Identifizierbare, aber nicht bei 2 aktivierte immaterielle Vermögenswerte: Marke: ; Softwareplattform: Identifizierbare CGUs A+B; Verteilungsschlüssel für Goodwill: 27% A und 73% B. Fair Values der CGUs in Folgeperiode: 600 (A) und (B). Die Buchwerte ohne Goodwill entsprechen jenen der Vorperiode (für A 700 und für B ). In der CGU A ist der Fair Value eines Grundstücks in der Folgeperiode um 300 geringer als der Buchwert. Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 27

28 Erstbewertung: Ermittlung des Goodwill Erworbene Vermögenswerte zu Fair Values (Buchwert plus bezahlte Reserven) ( =) Übernommene Schulden zu Fair Values = erworbenes Eigenkapital Kaufpreis Erworbener Goodwill ( =) Abspaltung immaterieller Vermögenswerte - Aktivierung einer Marke Aktivierung i einer Softwareplattform ttf Auf CGU zu verteilender Goodwill davon Zuordnung zu A (0, ~ ) 400 Zuordnung zu B (0, ~ ) Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 28

29 Folgebewertung: Impairment-Test Stufe1 Erlösbarer Betrag (EB) CGU A: Buchwert (BW) CGU A: inklusive Goodwill ( =) EB<BW: Abwertungsbedarf Erlösbarer Betrag (EB) CGU B: Buchwert (BW) CGUA A: inklusive Goodwill ( =) EB>BW: kein Abwertungsbedarf Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 29

30 Folgebewertung: Impairment-Test Schritt 2 Erlösbarer Betrag (EB) CGU A : Buchwert CGU A Allokation von Impairment auf Grundstück Auf Firmenwert entfallendes Impairment Verbleibender EB des Goodwill ( =) 200 Sonst. Betr. Aufwand 500 an Grdstck 300 Goodwill 200 Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 30

31 Gliederung 3. Grundlagen der Konsolidierung 3.1 Aufgaben der Konzernrechnungslegung und Konsolidierungskreis 3.2 Vollkonsolidierung Kapitalkonsolidierung und Goodwill 3.3 Weitere Maßnahmen im Stufenkonzept Das Beispiel Equity-Methode Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung 31

32 Geschäftsbericht Lufthansa 2007, IFRS, S.126

33 Equity Methode Beispiel: Die A- AG hat mit notariellem Vertrag vom und Barzahlung von 0,2 Mio. am selben Tag 20 % an der A- GmbH erworben. Das Eigenkapital der A-GmbH zu diesem Zeitpunkt beträgt 08Mi 0,8 Mio. Die stillen Reserven i.h.v. 0,15 Mio. entfallen auf das Produktionsgebäude mit einer Restnutzungsdauer von 10 Jahren. In 08 macht die KleinTeil GmbH einen Verlust nach IFRS von 0,3 Mio. In 09 macht die KleinTeil GmbH einen Gewinn von 0,5 Mio. und hat in 09 eine Dividende von 0,2 Mio. ausgeschüttet. Wie ist der Bilanzansatz der Beteiligung am Erwerbsstichtag sowie zum und 09? Eine Wertminderung soll nicht vorliegen. Prof. Dr. Matthias Schmidt Internationale Rechnungslegung

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